Nr. 2S5
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Zweites Blatt.
151. Jahrgang.
Sonntag 15. Dezember 1901
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger v
Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
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Aach den AolltarifdebaLteu.
Unser parlamentarischer Mitarbeiter schreibt unterm 12. Dezember:
Es maß jetzt eigentlich ein schönes Gefühl der Zufriedenheit in allen Parteilagern, ohne Ausnahme, herrschen! Denn wenn man die Auslassungen der verschiedenen politischen Preßorgane liest, dann scheint es bei den Zvlltarifdebatten nur Sieger gegeben zu haben. Aon rechts, v-vn links, aus der Mitte, kurz von jeder Seite vernimmt man Ausdrücke der Genugthuung über das „Erreichte", über die „glänzende Widerlegung" der gegnerischen Meinungen, über „Rebeleistungen ersten Ranges", Dun ^durchschlagender Kraft der Überzeugung". Im Grunde Benommen ist auch jede Richtung bei diesen Debatten im Gewinn gewesen. Die Anhänger des Schutzzolls sahen Vie Regierung in ihrem Bunde, und die Vertreter des alten kknrses der Zollpolitik, ferner die mehr oder minder ent- Hchiedenen Freihändler erhielten immerhin Gelegenheit zu einer Opposition, die, auch wenn sie schließlich nicht den ^rrsolg auf ihrer Seite hat, doch eine nickst zu unterschätzende werbende Kraft im Lande ausübt. Im ganzen darf der Zoll- taris--Erörterung die Anerkennung nicht vorenthalten werden, daß sie, von wenigen Ausnahmen abgesehen, im lllahmen der Sachlichkeit und der Mäßigung blieb. Das ivar nach den viel mehr auf leidenschaftlichen Don gestimmten Auseinandersetzungen in der Presse kaum zu er* loarten. Es ging im Reichstag lebhaft zu, mitunter auch bewegt, aber bei aller Schärfe der Polemik fehlte die Erbitterung, die man von diesem Kampf „aller gegen alle" uielfach mit Besorgnis vorausgesetzt hatte. In kritischen iDuamenten löste eine satirische Bemernrng ober ein guter Witz die so wunderbar besänftigend wirkende Heiterkeit aus. Der Reichstag hat schon manche öde Woche gehabt. Sitz- ktngen, von denen viel erwartet wurde, gestalteten sich matt und eindruckslos. Diesmal aber stand der Reichstag auf ber Höhe. Es waren Debatten von einer Frische und von einem Elan, die an die besten Zeiten des deutschen Parlaments erinnerten. Wer diesen Verhandlungen auf der Tribüne beigewohnt hat, wird eine dauernde Erinnerung daran bewahren. Und was noch besonders den Rednern der Volks- ooertretung wie der Regierung zum Ruhme nachgesagt werben kann, ist: daß sie es verstanden, durch eine anschauliche, klare und in gewissem Grade „populäre" Behandlung das schwierige, an und für sich „trockene" Thema von den Zöllen unb Hanbelsverträgen für weite Kreise anziehenb zu machen.
Von ben Industrie-Zöllen ist verhältnismäßig wenig ivie Rede gewesen; der Accent der Diskussion lag auf den liandwirtschaftlichen, insbesondere den Getreibezöllen. Es ist eben auch im Reichstag die Auffassung vorherrschend, baß mit der Entscheidung über die Getreidezölle der Zoll- t arifentwurf steht und fällt. Soviel haben die Debatten mit Sicherheit ergeben: es ist eine Mehrheit im Reichstag vor- Ijjanben für eine Erhöhung der Getreidezölle. Die Frage ist nur: um wieviel. Die Regierung hat wiederholt dar- yelegt, die von ihr vorgeschlagenen Sätze des Roggew- Mindestzolls von 5 Mk. und des Weizen-Mindestzolls von a.50 Mk. stellen die richtige „Mittellinie" dar. Dies scheint Mich die Ansicht der großen Mehrheit des Zentrums sowohl wie der Nattonattiberalen zu sein. Es ist aufgefallen, daß Lei der Erörterung der Polen-Interpellation im Reichstag der Führer der Konservativen, Abg. Graf Limburg, mit bemerkenswerter Schärfe gegen den Sprecher des Zentrums, Wg. äioeren, sich wendete, der die Polen-Jntervellatim Unterstützt hatte. Es war nicht so der Inhalt der Entgegnung des Grafen Limburg, sondern mehr der Don, der auf die Vermutung brachte, daß zwischen der Rechten und dem Zentrum Verstimmungen obwalten. Man erzählt sich in parlamentarischen Kreisen, daß thatsächlich die Konser- vativen enttäuscht darüber sind, bei ben Zolltarifbebatten seitens bes Zentrums keinen Beistand in ber Forberung erhöhter Getreibezölle, über ben Entwurf hinaus, gefunben zu haben. Selbst ber Zentrumsagrarier Abg. Dr. Heim sprach sich nur für einen 6 Mk.-Getreibezoll ans, bie cm bereu Redner des Zentrums vermieden es, sich auf Zahlen sestzulegen. Und was noch wichtiger ist: Kein Redner des Zentrums hat sich ber vom Grafen Schwerin-Löwitz aus- gegebenen Parole ber Konservativen augeschlossen: dm Zoll- 1,arifentwurf abzn.lehnen, wenn bie Forderung auf Höherbemessung der landwirtschaftlichen Zölle nicht zu verwirklichen sein werbe. Die Regierung hat ihrerseits zu erkennen gegeben, baß sie mit ben Getreidezöllen nicht höher hinaus noill. Es ist innerhalb ber Regierungen — darüber ließ die Rebe des württembergischen Ministers v. Pischek keinen Zweifel — nicht leicht gewesen, über diese Zölle ein Einvernehmen herbeizuführen. Die Regierung muß sich nun im wesentlichen auf die Festigkeit des Zentrums verlassen.
Ein etwas bedenkliches Moment scheint darin zu liegen, daß das Zentrum es abgelehnt hat, den Vorsitzenden für die Zolltariskommisfion zu stellen, wodurch zum Ausdruck g elangt, das; das Zentrum nicht für den Ausgang der Kom- missionsbcrattingen verantwortlich sein möchte. Ebenso hat s. Z. das Zentrum mit dem Vorsitz in der Kanalkommission des preußischen Landtags nichts zu thun haben wollen. Die Reichspartei stellt in Herrn v. Kardorff den Vorsitzenden der Zolltarifkommission. Immerhin geht daraus hervor, daß die Reichspartei auf einem mehr vermittelnden Stcmd- pMnkt steht hinsichtlich der Getreidezölle und nicht das „Ent- nroeber — Oder" der Konservativen sich zu eigen macht.
Bemerkenswert ist eine Feststellung der „Kreuzztg." Dcarnach haben 23 Redner für die Erhöhung der Getreioe- Mle, 12 Redner dagegen gesprochen. Unter den Rednern Dr die Getreibezölle befanden sich Kolf Süddeutsche, gegen dm Getreidezolle zwei Süddeutsche, Abg. Peyer und Schwarz. Mit großer Entschiedenheit setzt sich soeben bie „Nationat- jt:g." mit den Agrariern im nationalliberalen Laaer aus- eüncutber. Das nattanalliberale Blatt schreibt, es habe feit.
dem Beginne der neunziger Jahre auf die Gefahr hinae- wiesen, daß die Wirtschaftspolitik der nationalliberalen Partei sich vollständig in Augenblicks-Taktik verwandle. Vergeblich. Die Entwicklung sei immer weiter fortgeschritten : sie habe u a. dazu geführt, daß selbst so schutz- zöllnerische und landwirtschaftssreundliche Männer, wie der inzwischen verstorbene Buhl, ferner Dr. Bürklin u a. aus der parlamentarischen Vertretung des Nationalliberalismus cms- gemerzt und durch Persönlichkeiten ersetzt wurden, die in wirtschafts-, namentlich in zollpolitischer Hinsicht von Agrar- konservativen nicht zu unterscheiden sind. . .
Es ist also doch, wie man sieht, keine „reine" Befriedig-1 ung aus den Zolltarifdebatten in den Parteilagern zurückgeblieben. Aber durch diese „inneren Angelegenheiten" wird der Zolltarifentwurf nicht berührt. Am 9. Januar nächsten Jahres tritt die Kommission zu ihrer ersten Sitzung zusammen. In der Kommission überwiegt das schutzzöllnerischje Element. Wir glauben nicht an ein negatives Ergebnis der Kommissiynsberatungen, weil, wenn in der Kommission es nicht gelänge, die Verständigung unter den Tariffreunden auf einer „Mittellinie" herbeizuführen, im Plenum solche Versuche vollkommen aussichtslos sind. Der Zolltarif- enttourf kommt in der Kommission zu stände, oder er kommt überhaupt nicht zu stände.
Deutsches Reich.
Berlin, 13. Dez. Der Kaiser toirb den Marquis Ito sowie seinen Begleiter Baron Tsudzuki morgen mittag in Potsdam empfangen.
— Die Post" bemerkt %u der Blättermeldung, daß ein Längerer Aufenthalt der Kaiserin in Abazzia in Aussicht genommen sei, die Reise der Kaiserin nach Süden liege zwar nicht außerhalb des Bereiches der Atöglichteit, Abazzia dürfte jedoch als Aufenthaltsort schwerlich in Frage kommen. Hebrigens habe sich! die Kaiserin in letzter Zeit auch hier schon bedeutend erholt.
— Bei dem gestrigen Sttstungsfest des hiesigen Holländischen Vereins „Nederland en Oranje" erklärte der hollän- dftche Gesandte: Königin Wilhelmina und Prinz Heinrich erfreuen sich ungestörten Eheglücks. Freudiger als je bringe er das Höch auf die Königin aus, da sie sich jetzt von der Enttäuschung, die sie vor einigen Wochen erfuhr, wiederhergeftelll fühlt. Prinz Heinrich widme sich der Königin mit aufmerksamer Ergebenheit, beide leben mit großer Liebe und innig miteinander verbunden. (Wir möchten bei dieser Gelegenheit auf einen luftigen Artikel in oer neuesten „Zukunft" Hinweisen, ber die Heberschrift „Der Prinz-Gemahl" trägt. D Red.)
— Am Montag abend wird im Neuen Palais in Potsdam zu Ehren des am Sonntag hier eintreffenden russischen Thronfolgers Großfürsten Michael sowie zur festlichen Begrüßung der Offiziers-Deputation des russischen Dragoner-Regiments Narva beim Kaiserpaar großes Diner stattfinden. — Der Großfürst und die Großfürstin Sergius sind heute früh in Kiel eingetroffen und von der Prinzessin Heinrich am Bahnbofe empfangen worden. Das großfürstliche Paar wird das Wechnachtsfest in Kiel verbringen. (Großfürstin Sergius ist bekanntlich die hessische Prinzessin Elisabeth, die zweite Schwester desGroßherzogsErnst Ludwig,der, wie wir schon meldeten, auch zum Weih- nachtsfefte im Kreise der Familie feiner dritten Schwester, ber Prinzessin Irene, in Kiel erscheinen toirb.) Großfürst Michael hat, wie ferner über London gemeldet wird, mit der Herzogin Marie von Koburg-Gotha und ihrer Dochter, ber Großherzogin Viktoria Melitta, in München kürzlich eine Konferenz gehabt unb bem Zaren über den Ausgang berichtet. Es soll eine Art von Familien-Kongreß während ber Weihnachtstage in Kiel zu erwarten fein.
— Der neue chinesische Gescmbte am Berliner Hofe General Ding-tschang hat heute vormittag bie Geschäfte der Legation übernommen.
— Die Zolltarif-Kommission des Reichstags ist zu ihrer ersten Sitzung auf den 9. Januar, vorm- 10 Uhr, einberufen. Die ,,'Dtsche- Tagesztg." rechnet aus, daß grundsätzliche Gegner des Taris-Entwurfs 8 in der Kommission sitzen, während die übrigen 20 Mitglieder entweder im allgemeinen auf dem Boden des Entwurfs stehen ober bezüglich der landwirtschaftlichen Zölle noch darüber hinaus- zugehen entschlossen sind. Etwa 15 oder 16 Mitglieder dürften einer Erhöhung der landwirtschaftlichen Zölle zu- sttmmen. Ohne eine solche Erhöhung würden nur 12 ober höchstens 13 Mitglieber ben Tarif cmnehmen.
— Tie Einberufung bes preußischen Lanbtages barf für ben 8. Januar als sicher angenommen werben- Ob ber Kaiser ober Graf Bülow bie Thronrede halten wird, ist noch nicht besttmmt.
— Eine interessante Regelung der Ruhegehälter seiner Beamten unb der Versorgung ihrer Hinterbliebenen richtet der Deutsche Kriegerbund vom Januar 1902 ein. Die Beamten werden ohne Rückftcht auf ihr Gehalt verpflichtet, sich in der höchsten Lohn klasse der Reichs- Mersversick)erung zu versichern; die Hälfte der Beiträge, trägt der Deutsche Kriegerbund. Den in den Ruhestand tretenden Beamten zahlt der Bund zu den Altersrenten soviel zu, bis das erbiente Ruhegehalt erreicht ist. Das Beamten-Ruhegehalt sowie die Witwen- und Waisen-Ver- forgung ist nach den für die Staatsbeamten gellenden Gesetzen geregelt. Die Beämten sollen bei genügender Leistung in der Regel mit 30 Jahren fest angestellt werden unb mit 48 Jahren bas Höchstgehalt erreichen. Diese Regelung dürfte für große Korporationen und industrielle Gesellschaften von Interesse fein.
— Nach den „Bert. Pol- Nachr." werden im Jahre 1902, wie es bei der Einführung der zweijährigen Dienstzeit in Airssü^ genommen war, die Reservisten stärker
zu Hebungen herangezogen werden. Zu den 13« tägigen Hebungen werden 5350 Unteroffiziere, 48111 Gemeine (gegen 25 200 und 2800 im Vorjahre) herangezogen. Bei längeren Hebungen bleibt die Ziffer unverändert.
Ausland.
Paris, 13. Dez- Der Haager Korrespondertt des „Tempcll hatte eine Unterredung mit einer Hofdame, die ihm mitteilte, daß die holländische Königin ihrem Gemahl bei der Erwerbung desSchlosses Dobbini in Marseille behilflichaewesen sei, daß aber der Priuz, die vorgestreckte Summe durch jährliche Summen tilgen werde.
Rom, 13. Dez- In der Kammer äußerte sich der Ministerpräsident zu den Handelsverträgen. Die Regierung fyoffe, zu günstigen Bedingungen für die heimischen landwirtschaftlichen Produtte, zu Abschlüssen mit Deutschland undi Oesterreich zu gelangen. Zu diesem Zwecke arbeite sie einen Tarif aus, der gegebenenfalls den ausländischen Tarifen zu Verteidigungszwecken entgegengestellt werden solle.
Wien, 13. Dez- Eine von der deutschen Volkspartei einberufene Versammlung, bei welcher mehrere Abgeordnete anwesend waren, wurde nach stürmischen UnterbreHungen der Redner durch (^hrisllich-Soziale polizeilich aufgelöst. Der Lärm wurde auf der Straße fortgesetzt.
Budapest, 14. Dez. Entsprechend einem Geheimerlaß des Honvedministers werden nach Meldung des „Neuen Pester Journals" die Regimentskommandeure angewiesen, nicht nur Ehrenangelegenheiten der aktiven, sondern auch der R e s e r v e o f s i zi e r e genau zu untersuchen, besonders wenn eine thätliche Beleidigung vvrliegt. Die Erhengerichte der Regimenter dürfen das Duell erst gestatten, wenn eine friedliche Austragung unmöglich ift
Petersburg, 12. Dez. Die „Handels- und Jndu- strieztg." veröffentlicht einen Artikel, betitelt: „Zur Bewertung der Vorteile, die Deutschland durch den Handelsvertrag mit Rußland von 1894 geboten werde n." In dem Artikel heißt es: Was bie Voraussetzungen bezüglich der Abänderung des Tarifs von 1891 im Sinne ber Differenzierung einzelner Sätze anlange, so werbe diese Frage gegenwärtig eingehend unter Beteiligung von Spezialisten studrert. Die Redattion könne jedoch bereits jetzt mitteilen, daß die m Aussicht genommenen Abänderungen eine ganze Reihe Arttkel folgender Branchen betreffen werden: Chemische Produkte, Metallfabrikate, Maschinen und Apparate, Galanteriewaren und Arttkel aus Faserstoffen. Ferner wird für den Fall der Erschwerung des Getteideexports nach Deutschland die Erweiterung der Handels-Beziehungen mit anderen Staaten, in erster Linie mit Großbritannien, in Aussicht gestellt.
Aus Sludl und Kund.
(Ter Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachttchten ist nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Auz." gestattet.)
Gießen, den 14. Dezember 1901.
•• Der juristischen Fakultatsprufong im Wintersemester 1901/02 haben sich an unserer Landesuniversität 31 Kandidaten unterzogen. 11 Kandidaten haben nicht bestanden. Unter den übttgen 20 Kandidaten haben 4 mit der Note „gut", 11 „im Ganzen gut", 5 „genügend" bestanden.
'* Kanarien-Ausstellnug. Bei der Prämiierung der ausgestellten Konkurrenzsänger erhiellen folgende Aussteller die nachstehenden Preise zuerkannt: A. Felsing 1., 2. und 4. Preis, K. Schneider 1. und drei 2. Preise, R. Frenzel je zwei 2. und 3. Preise, Wilh. Mayer sechs 2. und zwei 3. Preise, H. ©immer zwei 2. Preise, L. Roloff je zwei 2. und 3. Preise. P. Gabis II. zwei 3. und 4. Preise, Georg Haubach vier 3. Preise, W. Seitz je zwei 3. und 4. Preise, W. Leichtweiß 3. Preis, F. Wiederneyer 3. und 4. Preis. Sehr schöne HWmittel zur Kanarienzucht und -Pflege haben nachstehende Firmen ausgestellt: E. Borrmann (Gebauer und Zuchtutensilien), Flemming-Globenstein (Käfige), Fttes- Homburg v. d. H. (Lucullus, Fritter für Weichfresser), Ph. Herrmann (Futterattikel), E. Pistor Nachf. (Käfige), Seekatz Witwe-Westerburg (Eisbisquit). . Der Besuch der Ausstellung war gestern und heute sehr gut. Die vom Verein Kanatta aus Anlaß der Ausstelluüg veranstaltete Verlosung hat Anklang gefunden; denn die zur Ausgabe gelangten Lose sind sämtlich verkauft.
*• Zu der Ortsgruppe Gießen des Alldeutschen Verbandet hiell gestern Abend Amtsrichter B onh ard aus Worms einen Vottrag über „Wahlbetelligung/Wahlpflicht und Wahlkartell". Nach einigen Bemerkungen über die Form des Wahlrechts (das allgemeine, gleiche, geheime und unmittelbare Wahlrecht) gab der Redner einen historischen Ueberblick über die Entwicklung der politischen Patteien im Reichstag, die zu einer überwiegend mächtigen Stellung des Klerus unb ber Sozialdemokratie geführt hat. Die Ursache daß die nationalen Parteien hinter diesen im Reichstage in der Zahl der Plätze zurückstehen, liegt einmal in der Gleichgiltigkeit der Wähler, zum aribem in dem Mangel eines einheitlichen Zusammenschlusses der Nationasozialen. Als im Jahre 1871 das neue Wahlgesetz in Kraft trat, war die geringe Wahlbeteiligung anfangs erklärlich, weil die ganze Sache noch zu neu und noch nicht völlig ins Völk durchgedrungen war. ©eit damals hat denn auch die Wahlbeteiligung zugenommen, aber nicht in dem richtigen Verhältnis zur Entwicklung der Bevölkerung. Redner weist dann slatisüsch die immer geringer werdende Beteiligung cm den Wahlen nach, z. B. in Lippe beteiligten


