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Nr. 112 Erstes Blatt.
151. Jahrgang.
Dienstag 14 Mai 1901
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GietzenerAnzeiger
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Amtlicher Teil.
Bekanntmachung.
Gemäß Artikel 39 der Kreis- und Provinzial-Ordnung wird nachstehend das Protokoll der am 10. April 1901 stattgehabten ordentlichen Sitzung des Reistages des Kreises ließen zur öffentlichen Kenntnis gebracht.
Gießen, den 10. Mai 1901.
Der Vorsitzende des Kreistages des Kreises Gießen.
v. Bechtold,
Protokoll der einovbvierzigften Sitzung deS Kreistage- deS Kreises Oießeo.
Geschehen Gießen, den 10. April 1901.
Gegenwärtig:
1. der Vorsitzende: Großh. Provinzialdirektor Geheime- rat v. Bechtold,
2. Großh. Kreisamtmann Dr. Heinrichs,
3. Großh. Kreisbau-Jnspektor Baurat Stahl,
4. die Kreistagsabgeordneten:
Bürgermeister B u t t r o n - Hungen, Gemeinderat D e m p e r - Großen-Buseck, Kommerzienrat Emmelius-Gießen, Kommerzienrat Gail- Gießen, Kommerzienrat Georgi-Gießen, Justizrat Dr. G u t f l e iZ ch - Gießen, Bürgermeister Heller- Lich, Kommerzienrat He y l i g e n staedt-Gießen, ♦ Justizrat Hirschhorn- Gießen, Bürgermeister Horst- Nieder-Bessingen, Bürgermeister Leun- Großen-Linden, Gemeinde-Einnehmer Maid- Watzenborn, Apotheker W e l ck e r - Allendorf a. d. Lumda, 5. das Kreisausschußmitglied
Beigeordneter Wolff-Greßen,
6. der Protokollführer: Bureauvorsteher S ch i f f n i e.
Unter Begrüßung der erschienenen Mitglieder eröffnete der Vorsitzende oen heutigen Kreistag und stellte die Beschlußfähigkeit desselben fest.
Es. fehlten mit Entschuldigung die Abgeordneten: Bürgermeister Roth- Muschenheim, Landgerichtsrat Dr. Schäfer- Gießen, Ingenieur S ch r e l e - Gießen, Oekonomierat Schiente- Hardthof, Bürgermeister Sommerlad- , Wieseck, Bürgermeister Zimmer-Grünberg.
Es wurden zu Urkundspersonen die Abgeordneten: Bürgermeister B u t t r o n und Apotheker W e l ck e r gewählt, und hierauf wurde in die Tagesordnung eingetreten.
1. Wahl zweier Sachverständiger für die Abschätzung der durch Truppenübungen veranlaßten Flurschäden.
Für die verstorbenen Alt-Bürgermeister Köhler von Langsdorf und Bürgermeister Geißler von Lollar haben Ersatzwahlen für den Rest der Wahlperiode, bis Anfang 1902, stattzufinden.
Durch den Kreisausschuß wurden zur Wahl empfohlen 1. Großh. Bürgermeister Heller zu Lich, 2. Großh. Bürgermeister Zimmer zu Grünberg. Auf Antrag des Abgeordneten Kommerzienrat Em melius fand die Wahl per Akklamation statt; Bürgermeister Heller und Bürgermeister Zimmer wurden gewählt.
2. Wahl der Mitglieder und Ersatzmänner zur Genossenschaftsversammlung der land- und forst wirtschaftlich en Berufsgenossenschaft.
Von den im Jahre 1900 gewählten Mitgliedern scheidet der Gutspachter v. Oven- Hungen aus. Der Kreisausschuß befürwortete die Wahl des seitherigen Ersatzmitgliedes Oekonomierat Hofmann zu Hof-Güll als Mitglied, und an dessen Stelle die Wahl des Gutspächters Klein zu Hof Albach als Ersatzmitglied. Auch hier wurde per Akklamation gewählt und die Wahl dem Vorschlag des Kreisausschusses entsprechend vollzogen.
3. Vorlage der Kreiskasserechnung für 1899/1900 und Erstattung des Verwaltungsberichts.
Ter Vorsitzende trägt die den Abgeordneten des Kreistags mit dem Entwurf zum Voranschlag zugleich zugegangene Uebersicht der wirklichen Einnahmen und Ausgaben der vorliegenden, von Großh. Beigeordneten Wolff vorgeprüften Rechnung vor und erklärt die Abweichungen gegen die Voranschlagskredite. Im Anschluß hieran verlas der Vorsitzende den vom Kreisausschuß erstatteten Bericht über die Verwaltung und den Stand der Kreisverbandsangelegenheiten in 1899/1900 und stellte sowohl die Rechnung als auch den Bericht zur Diskussion. Niemand meldete sich zum Wort. Hierauf wurde die Rechnung der Kreiskasse Gießen für 1899/1900 gutgeheißen und die darin stattgehabten Kreditüberschreitungen zu Lasten der in Beleg Nr. 199 nachgewiesenen Deckungsmittel genehmigt.
4. Feststellung des Voranschlags für 19 01/19 0 2.
<£er Entwurf des Voranschlags wurde rubrikenweise, mit der Ausgabe beginnend, durch den Vorsitzenden vorgetragen und den Abgeordneten Gelegenheit gegeben, sich zu den einzelnen Rubriken zu äußern. — Zu den Rubriken 27 und 28 erstattete der Großh. Baurat Stahl das Referat.
Zu Rubrik 27 fragt Kommerzienrat Emmelius an.
ob es nicht möglich sei, daß an der Straße nach Heuchelheim noch weitere Steinlagerplätze angelegt werden könnten, da die große Menge der namentlich jetzt dort liegenden Steine den starken Verkehr der Fußgänger sehr störe.
Kommerzienrat Georgi hält die Frage des Herrn Emmelius für außerordentlich wichtig und bemerkt, daß derjenige, der den Verkehr auf fragt. Straße kenne, sagen müsse, daß dort kaum ein Fuhrwerk dem anderen ausweichen könne. Er halte den Kreistag für verpflichtet, einen Beschluß darüber herbeizuführen, daß bie Steine von dem Fußgänger-Bankett weggeschafft würden, sei es durch Eindecken der Straße oder auf sonst welche Art.
Großh. Baurat Stahl erklärte, daß eine Aenderung des Zustandes bezüglich der Lagerplätze sich nur durch eine Verbreiterung der Straße ermöglichen lasse, und dass sich jetzt durch die im Gange befindliche Feldbereinigung hierzu Gelegenheit biete. Die eben auf der Straße lagernden Steine würden baldmöglichst zum Einwalzen verwendet, die Verhandlungen hierüber seien im Gange, und er glaube, daß in aller Kürze diese Arbeit ausgeführt werden könne. Der anhaltende Frost habe dieselbe verzögert.
Kommerzienrat Gail erklärte, die Gefahr auf der Straße bestehe zum größten Teil für die Fußgänger am Abend, da man die Straße wegen der damit verbundenen Gefahr nach dem Geleise der Bieberthalbahn hin nicht befahren könne, denn es sei wohl möglich, in dsts Geleise hineinzufahren, aber heraus könne man nicht mehr. Es empfehle sich, die Bieberthalbahn anzuhalten, auch im Innern des Geleises entsprechende Auffüllung vorzunehmen, damit das Heraussahren möglich sei.
Kommerzienrat Georgi stellt hierauf den Antrag: - „Der Kreistag wolle beschließen, den Kreisausschuß zu beauftragen, alsbald ein Projekt auszuarbeitcn, welches eine angemessene Verbreiterung der Kreisstraße Gicßen-Rodheim und der nach Heuchelheim abzweigenden Straße vorsieht. Diese Verbreiterung werde zweckmäßig im Anschluß an die Feldbereinigung ausgeführt."
Dieser Antrag wurde hierauf einstimmig zum Beschluß erhoben.
Bürgermeister Horst ton Nieder-Bessingen fragt an, warum bei dem Eindecken der Straßen vorzugsweise Hammerschlag verwendet werde. Er glaube, daß der Handschlag weit besser und mehrwertiger sei, als Maschinenschlag.
Großh. Baurat Stahl bemerkte, die Menge der gebraucht werdenden Steine könne durch .Handschlag nicht hergestellt werden, da es an den erforderlichen Arbeitskräften fehle. Soweit indes Handschlag zu haben sei, würde er verwendet, da er mehrwertiger sei als Hammerschlag.
Großh. Bürgermeister B u t t r o n brachte zur Sprache, daß bei der über-die Horloff bei Hungen führenden Brücke das Wasser sich namentlich bei Hochwasser staue und fragte an, ob hier nicht eine Aenderung vorgenommen werden könne.
Großh. Baurat Stahl glaubt nicht, daß die Brücke schuld sei an diesem Uebel, sondern daß die Horloff unten zu enge und nicht genügend geräumt sei.
Ter Vorsitzende sagte Prüfung dieser Angelegenheit zu.
Zu Rubrik 28 ist zu bemerken: Das Straßenprojekt Taubringen-Staufenberg wurde genehmigt.
Zum Projekt II: „Kreisstraße von Langsdorf nach Nieder- Bessingen und Nonnenroth" bemerkte
Großh. Bürgermeister Heller, er finde das Projekt für das günstigste der vorgeschlagenen Projekte, da Torf und Wald aufgeschlossen würden. Er müsse indes beantragen, der Kreistag wolle beschließen, daß auch das vom Gemeinderat zu Lich vorgeschlagene Projekt einer Kreisstraße von Lich nach Nonnenrot angefertigt und die Mittel zur Erbauung dieser Straße in den nächsten Voranschlag eingestellt werden möchten. Turch diese Straße habe die Gemeinde Langsdorf größeren Vorteil, da die Wiesen aufgeschlossen würden. Auch der Stadt Lich sei alsdann viel Rechnung getragen, der Wald lasse sich leichter erreichen, und die Umwege würden vermieden. Es könne diese Straße aber später weiter ausgebaut und der Vogelsberg bis Schotten aufgeschlossen werden.
Bürgermeister Horst erklärte, er könne sich für den Vorschlag des Bürgermeisters Heller nicht erwärmen. Ter gleiche Zweck könne erreicht werden, wenn die Straße von Lich nach Nonnenrot über Nieder-Bessingen erbaut werde. Tie beantragte Straße habe nur für Lich Wert, nicht aber für den Kreis. Dringend notwendig fei dagegen eine Straße von Burkhardsfelden nach Hattenrod, da eine solche fehle und diese Gemeinden, welche im Brandhilfeverband ständen, bei Feuerausbruch nicht zu erreichen seien. Er bitte, daß die Vorarbeiten für eine Verbindungsstraße Burkhardsfelden-Hattenrod gefertigt würden.
Justizrat Hirschhorn fragte an, ab die vom Gemeinderat zu Lich gewünschte Straße, wie dieser behaupte, chvn in 1895 beschlossen worden sei.
Großh. Baurat Stahl erwiderte hierauf, es sei nur beschlossen, eine Verbindungsstraße nach Nieder-Bessingen- Nonnenroth bezw. Langsdorf anzulegen mit Turchgangs- verkehr nach dem Wetterthal. Eine bestimmte Strecke sei nicht beschlossen, da die Terrainverhältnisse noch zu prüfen gewesen seien.
Justizrat Hirschhorn konstatiert, daß es also ein Irrtum sei, was der Gemeinderat von Lich in seiner Eingabe behaupte. Er müsse sich für Genehmigung des vorliegenden Projektes aussprechen und nehme Anstand, über das Pro
jekt Heller heute abzusttmmen, da man nicht genug vorbereitet sei.
Justizrat Dr. G u t s l e i s ch stimmte dem Vorredner zu, da man nicht in der Lage sei, zu ermessen, ob der Vorschlag von Lich zweckmäßig sei. Er müsse sich heute gegen den Antrag Heller aussprechen und könne nur das vorliegende Projekt zur Genehmigung befürworten. Er glaube, daß mehr Lokalinte ressen als Kreisinteressen den Anlaß zum Projekt des Gemeinderates in Lich gegeben hätten.
Er rege die Frage an, ob nicht eine Anzahl Karten für die Abgeordneten zu beschaffen seien, damit sie in der Lage seien, vom Platze aus die Richtungen zu verfolgen.
Ter Kreistag ermächtigte hierauf den Kreisausschutz zur Beschaffung von 50 Exemplaren Generalstabskarten deS Kreises Gießen.
Nachdem auch noch der Abgeordnete Leun zur Sache gesprochen hatte, bemerkte der
Abgeordnete Heller, der Gemeinderat habe beschlossen auf eine Kreisstraße überhaupt zu verzichten, wenn seinem Projekt nicht stattgegeben werden könne. In diesem Falle bitte er um einen Zuschuß von dem Kreis, damit die Gemeinde sich die Straße selbst bauen könne.
Hierauf wurde das vorliegende Projekt genehmigt. Der Antrag des Bürgermeisters Heller-Lich mit allen gegen eine Stimme abgelehnt.
Abgeordneter Maid fragte an, ob die Straße von Garbenteich bis Lich bald zur Ausführung komme.
Großh. Baurat Stahl erwiderte, daß das Projekt für Garbenteich fertig sei, für Lich indes etwas habe zurückgestellt werden müssen mit Rücksicht auf die dort beschlossene Feldbereinigung.
Nach vollständiger Durchberatung des Voranschlags, zu welchem weitere Bemerkungen nicht erhoben wurden, wurde derselbe mit einer Einnahme und Ausgabe von je 511955.31 Mark genehmigt.
Dem Voranschläge ist eine Anlage beigegeben, betreffend die Fürsorge für die Kreis st raß en Wärter und deren Hinterbliebene.
Dieselbe steht zur Beratung nicht auf der Tagesordnung, weshalb der Vorsitzende die Frage an den Kreistag richtet, ob diese als dringlich zu bezeichnen sei und die alsbaldige Erledigung des Gegenstandes erfolgen solle.
Nachdem diese Frage bejaht war, wurde die gedachte Anlage einstimmig genehmigt.
Zum Schluß bat
Großh. Bürgermeister Heller, der Kreisausschuß möge den vom Gemeinderat vorgeschlagenen Weg einmal begehen, um sich von der Richtigkeit des gestellten und leibet abgelehnten Antrags zu überzeugen.
£er Vorsitzenbe sagte dies zu.
Hieraus wurde der Kreistag geschlossen.
Der Vorsitzende: Die Urkundspersonen:
v. Bechtold. Buttron.
W e l ck e r.
Det Protokollführer:
Schiff nie.
Bekanntmachung.
Betr.: Geflügelcholera.
Nach Erlöschen der Geflügelcholera in Ruppertenrod Kreis Alsfeld, ist die angeordnete Stall- und Gehöftesperre wieder aufgehoben worden.
Gießen, den 11. Mai 1901.
Großherzogliches Kreis amt Gießen.
v. Bechtolds
Bekanntmachung.
Betr.: Die Abhaltung von Körterminen zwecks Auf« nähme der Zuchttiere in das Provinzialherdbuch im 2. Körbezirk.
Die Körkommission des 2. Körbezirks (Simmenthaler Vieh) wird an folgenden Tagen im Kreise Gießen nachfolgende Körterrnine abhalten:
1. Montag bett 2V. Mai 1901 zu: Grünberg mittags
12 Uhr, Stangenrod nachmittags 2i/2 Uhr, Beltershain nachmittags 3i/2Uhr, WeiterShain nachmittags 4i/2Uhr;
2. Dienstag bett 21. Mai 1901 zu: Münster vor- mittags 9 Uhr, Ettingshausen vormittags 10 Uhr, Ober-Bessingen vormittags 111/2 Uhr, Nieder-Bessingen nachmittags 12V3 Uhr, RöthgeS nachmittags 3 Uhr, Nonnenroth nachmittags 4 Uhr;
3. Mittwoch bett 22 Mai 1901 zu: Hungen vormittags 9 Uhr, Langd vormittags 11 Uhr, Inheiden nachmittags 2 Uhr, Riedmühle nachmittags 3 Uhr, Bellersheim nachmittags 5 Uhr;
4. Donnerstag bett 23. Mai 1901 zu: Langsdorf vormittags 9^ Uhr, Bettenhausen mittags 12 Uhr, Muschenheim nachmittags 2i/3 Uhr, Birklar nachmittags 4 Uhr;
5. Freitag bett 24. Mai 1901 zu: Eberstadt vor- mittags 9% Uhr, OberHörgern mittags 12 Uhr, Holzheim nachmittags 3 Uhr, Grüningen nachmittags 5 Uhr;


