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13.2.1901 Zweites Blatt
 
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Rt. .37 Zweites Blatt. Mittwoch den 13. Februar 181. Jahrgang ISV1

Gießener Anzeiger

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Engländer und Buren.

Der Sonderberichterstatter derTimes" stellt in einer Uebersicht über den gegenwärtigen Stand des südafrika­nischen Krieges vier Hauptbewegungen fest, die während der letzten 14 Tage eingeleitet wurden. Zunächst unter­nahm General French mit sieben Kolonnen einer^Vorstoß nach Osten gegen Bothas Streitmacht, welche die eng­lischen Verbindungen mit Komatipoort ernstlich bedrohte. Ferner wandte sich General Cunningham zu einer kleineren Operation gegen De l a re y s 2000 Mann starkes Kommando in den Bezirken Potschefstroom und Krügers- dorp. Eine dritte Bewegung richtete sich unmittelbar gegen De Wets Abteilung, die vor 14 Tagen in Winburg stand. Auch hier operierten sieben Kolonnen unter den Generälen Knox, Bruce-Hamilton, Maxwell und den Obersten W. L. White, Pilcher und Major Crewe. Sie marschierten süd- wärts, versuchten mit De Wets Nachhut Fühlung zu halten und trachteten, ihn gegen die am Orangefluß konzentrierten britischen Abteilungen zu drängen. Die Buren schwenkten jedoch unter Deckung durch eine detachierte Abteilung nach Westen ab, nahmen der Kolonne Crewe ein Maschinengeschütz, überschritten zwischen Springfontein und Edenburg die Bahnlinie und wichen so der Streitmacht am Orangefluß aus. De Wet dürfte wahrscheinlich nunmehr im Bezirk Philippolis stehen, was die gemeldete nordwestliche Be­wegung der in die Kapkolonie eingefallenen Burenscharen erklären würde. Eine vierte britische Konzentration strebt eine Säuberung der Kapkolonie an. Obschon kleinere fliegende Kolonnen in dieser Richtung bereits in Thätigkeit sind, hat die Hauptbewegung unter General Brabant (dessen Stabschef Oberst Girouard ist, der sich unter Kitchener in Aegypten ausgezeichnet hat) sich noch nicht entwickelt. De Wets Kolonne wird in den neuesten Meldungen auf 2400 Mann mit zwei Fünfzchnpfündern, einem Maxim und einem Pompom geschätzt. Eine Proklamation, die De Wet und Steijn soeben veröffentlichen, schließt: Ich werde jetzt in die Kapkolonie eindrrngen und den dortigen Land­wirten zu kosten geben, was wir in diesem Kriege erduldet haben.

Die Kombinationen des Times-Berichterstatters decken sich in den Darlegungen über De Wets Zug nicht überall mit Kitcheners und sonstigen Meldungen. Bei diesem Zuge war vor allen Dingen De Wetund nicht die Briten die treibende Kraft. Unklar bleibt, ob Major Crewe noch ein zweites Pompom verloren hat, oder ob der Bericht­erstatter das am Thaba verlorene meint.

Nach Mitteilungen derDaily Mail" aus Lissabon vom Samstag stände die feierliche Bekräftigung des englisch­portugiesischen Bündnisses bevor, wodurch Klauseln alter Verträge wieder in Kraft gesetzt würden. England werde alsdann Portugal, auf dem Vertrag fußend, ersuchen, eine gewisse Anzahl von Truppen in Süd­afrika herzuleihen, um die bereits von britischen Truppen besetzten Punkte zu bewachen und die bisherigen Besatzungen zur Verwendung im Kriege freizumachen. Zu­nächst werde eine Expedition zum Schutze der auf portu­giesischem Gebiet liegenden Bahnstrecke abgehen, gegen die Botha wegen der im Gegensatz zu früheren Abmachungen der Buren mit Portugal erfolgten Verproviantierung der Engländer durch die portugiesische Bahnlinie einen Rache­anschlag und Sprengungen vorbereitet hätte. Portugal habe keine englische Hilfe nachgesucht, wozu auch kein Bedürfnis vorliege, da beide Mächte an den fraglichen Punkten neben­einander oder doch so nahe zusammen wirkten, daß Eng­land im Notfälle helfen könne, und da außerdem abgemacht sei, daß in jeder Schwierigkeit mit den Buren England sofort freiwillig Beihilfe leisten werde. Nach neuesten Meldungen wären die am 1. Februar von dem Gouverneur von Mozambique erhaltenen Meldungen über einen Einfall von 2000 Buren zur Befreiung gefangener Landsleute in Lourenzo Marques nicht ganz zutreffend gewesen. Für alle Fälle war aber bereits um 4 Uhr nachmittags die Stadt in vollständigem Verteidigungszustand. Die fraglichen Buren­kommandos hatten nur Swaziland überschritten und das Map otya gebiet nur dort betreten, wo es britischer Jurisdiktion untersteht. Sie schienen ein österreichisches Schiff zu erwarten, das eine bedeutende Ladung von Kriegs- kontrebande am Eingang der Santa Luciabai landen sollte. Man nehme indessen an, daß die Landung nicht erfolgt sei, da ein englisches Schiff abgesandt sei, um die englische Küste und ein portugiesisches, um die portugiesische Küste zu überwachen, und da kein verdächtiges Fahrzeug ent­deckt wurde. Die Lissaboner Regierung erließ den Befehl nach Lourenzo Marquez, gefangene Buren bis zum Ein­treffen der zur Abholung gesandten Schiffe sorgfältigst zu bewachen und sie im Falle eines wirklichen Einbruchs sofort auf die schon im Hafen liegenden Fahrzeuge einzuschiffen, im Notfälle auch Gewalt zu brauchen. Nach einer Wiener Meldung derDaily Mail" könne obiges österreichische Schiff jedenfalls kein Postdampfer, sondern höchstens ein zufälliger österreichischer oder Dalmatiner Frachtdampfer sein, der von einer holländischen Firma zur Beförderung von Kriegs­material geschartert sei. Keine von den großen österreichi­

schen, meist mit der Regierung arbeitenden Fabriken habe Kriegsmaterial für die Buren geliefert.

Bei einem Kampfe, der am Freitag in der Nähe von Klipplaat Junction stattfand, verloren die süd­afrikanischen leichten Reiter 2 Tote, 5 Verwundete und 15 Gefangene.

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Telegramme des Gießener Anzeigers.

London, 11. Febr. DemStandard" wird aus Kap­stadt vom 11. ds. gemeldet: Meldungen von der Delagoa- bai zufolge, haben sich die Eingeborenen im Norden von Transvaal gegen die Buren erhoben. (?)

Kapstadt, 11. Febr. (Reutermeldung.) Die Regier­ung beschloß, den auswärtigen Mächten amtlich anzuzeigen, daß Kapstadt von der Pest verseucht sei. Im Hafen sind heute drei neue Fälle vorgekommen. Ein Mili­tär-Hospital ist zeitweilig errichtet worden.

St Helena, 11. Febr. (Reutermeldung.) 5 Buren­gefangene machten am 2. d. M. den Versuch, in einem Fischerboote zu entflieehn, doch wurde der Fluchtversuch dadurch vereitelt, daß man vorher die Ruder entfernt hatte. Die Flüchtlinge wurden in das Gefängnis gebracht. Das Militärgericht hat eine Untersuchung eingeleitet.

China.

Jeldmarschall Graf W a 1 d e r s e e meldet am 10. aus Peking: Kolonne Trotha ist am 9. hier eingetroffen. Bei meiner Besichtigungsreise nach Schanhaikwan habe ich Betrieb und Sicherung der Bahn sowie die längs der­selben stehenden Truppen aller Nationen in vorzüglicher Verfassung gefunden.

Ein Telegramm des französischen Generals Voyron mel­det: Ein deutscher Soldat hat durch Zufall bei Jangtsan einen französischen Soldaten verwun­det. Die deutsche Militärbehörde hat sofort eine gerichtliche Untersuchung angeordnet und um nähere Mitteilungen über den Vorfall ersucht, um die eventuell zu leistende Ent­schädigung feststellen zu können.

Aus Peking wird vom 10. d. M. gemeldet: Li-Hung- Tschang hat erklärt, zwischen dem Kaiser Kuangsü und der KaiserinTsuhssi herrsche jetzt größereEin- tracht als je zuvor. Die Kaiserin gebe die Notwendigkeit von Reformen im modernen Sinne zu. An den chinesischen Hof telegraphierte Li-Hung-Tschang, die Weigerung des Hofes, den über die Würdenträger verhängten Todesurteilen zuzustimmen, sei von der höchsten Gefahr für die Dynastie selbst.

Aus Tientsin wird unterm 6. Februar gemeldet, daß die Häfen von Schanhaikwan und Tschiugwantao, welch letzterer bisher als eisfrei galt, zugefroren sind und daß deshalb eine Landung der Post daselbst zur Zeit nicht möglich ist. Dies betrifft insbesondere auch den Post- verkehr mit den deutschen Truppen in China. Das Reichspostamt fügt dieser Mitteilung nicht besonders hinzu, daß für geeignete Maßnahmen zur Beförderung der deutschen Feldpost gesorgt sei. Es kann daher mit Recht an­genommen werden, daß eine wesentliche Störung in dem Postverkehr nicht zu besorgen ist.

TerFigaro" meldet aus Toulon, daß entsprechend dem im französischen Ministerrat gefaßten Beschluß, die 30 Kisten, die General Frey aus China mitge­bracht habe, in Marseille nach China verladen werden, um der chinesischen Regierung zurückgegeben zu werden.

Im französischen Senat gab Graf d'Aunay seiner Genug- thuung Ausdruck, daß die französische Politik in China anerkennenswerte Erfolge erzielte, insbesondere durch ihre freundschaftliche Zusammenarbeit mit Rußland. Englands Politik habe sich schwankend gezeigt, weil England in Süd­afrika absorbiert werde und Deutschlands Politik habe die Diploniatie oft erschüttert. Es sei zu befürchten, daß die Mächte sich schließlich doch dazu ge­drängt sehen, die Integrität Chinas zu verletzen. Tel- c assee erwidert, die von ihm mehrfach ergriffene Initia­tive habe stets die Wiederherstellung einer normalen Lage der Tinge zum Ziele gehabt. Durch die Zustimmung der Mächte den französischen Vorschlägen seien die Interessen jeder derselben gewahrt. Tie Ereignisse hätten bewiesen, daß die Mächte die Aufrechterhaltung der Einigkeit unter ihnen allem anderen voranstellen. Die Bedingungen der Mächte seien angenommen, es handle sich nur darum, deren Ausführung durchzusetzen. Wir bleiben entschlossen, fährt Telcassee fort, eine angemessene Genugthuung zu erlangen, und wollen unsere Truppen schnellstens abberufen, werden dies aber erst thun, wenn die Lage wieder normal geworden sein wird.

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Telegramm des Gießener Anzeigers.

L o n d o n, 12. Febr. DieTimes" melden aus Shanghai vom 11. ds.: Meldungen aus Nanking zufolge hat Linkunyi dem Thron eine Denkschrift über die finanziellen Re­formen eingereicht. Er schlägt hierin vor: 1. Tie Auf­hebung aller Einnehmestellen und Likin-Abgaben im

Innern des Landes, Erhebung der Likin-Abgaben von der fremden Einfuhr in den Eingangshäfen und zwar durch fremde Zollbehörden. 2. Ernennung eines besonderen Han­delskommissars, der mit den fremden Handelsverhältnissen völlig vertraut ist und seinen Sitz in Shanghai hat. 3. Ein­richtung von Münzstätten und Prägung von Geld mit Dollar-Münzeinheit. 4. Erhöhung des Zolltarifs.

Deutjches Reich.

Berlin, 11. Febr.\)er Kaiser und die Kaiserin wohnten gestern dem Gottesdienst in der evangelischen Kirche in Homburg bei und unternahmen hierauf in Be­gleitung des Reichskanzlers Grafen Bülow, des Gesandten Grafen Wolff-Metternich und des Generaladjutanten, Ge­nerals der Infanterie v. Plessen, einen Spaziergang im Kurpark. Am Nachmittag begaben die Majestäten sich, wie bereits gemeldet, zum Besuch der Kaiserin Friedrich nach Schloß Friedrichshof. Heute früh unternahmen die Ma­jestäten wieder den üblichen Spaziergang, worauf der Kaiser den Vortrag des Chefs des Civilkabinetts, Wirkt. Geh. Rats Dr. v. Lucanus sowie den Vortrag des Reichs­kanzlers Grafen Bülow hörte. Heute nachmittag trafen der Kaiser und die Kaiserin auf Schloß Friedrichshof ein und kehrten nach einstündigem Aufenthalt nach Homburg zurück.

Prinz Georg von Preußen, der Senior des königlichen Hauses, feiert morgen seinen 7 5. Geburts­tag. Ein Sohn des Prinzen Friedrich von Preußen, welcher der Neffe König Friedrich Wilhelms III. und also ein Vetter Kaiser Wilhelms I. war, wurde Prinz Georg in Düsseldorf erzogen. 1861 wurde er Chef des 1. Pommerschen Ulanen­regiments und 1866 General der Kavallerie. Die drama­tischen Werke des Prinzen sind unter dem Autornamen Georg Conrad gesammelt erschienen.

Im preuß. Abgeordnetenhause errklärteAbg. Peltasohn (frs. Vg.):

Mir ist von dem Iustizminister der Vorwurf gemacht worden, daß ich im Interesse einiger Beteiligter über die Anstellung jüdischer Notare hier gesprochen habe. Tas ist nicht der Fall; es lag mir fern, die Interessen der Beteiligten hier zu vertreten; ich perhorresziere jede Jn- teressenpolitik."

In einem längeren Artikel derKöln. Ztg." spricht sich einhervorragender Vertreter des Tabak­handel s" über die Tabakfrage aus. Er schließt seine Aus­führungen folgendermaßen: Jede Verteuerung des Rauch­genusses würde einen entsprechenden Minderverbrauch an Tabakfabrikaten zur Folge haben und dies eine ungleich, größere Schädigung berechtigter Interessen des deutschen Volkes mit sich bringen, als die etwa vorhandene ungünstige Lage des deutschen Tabakbaues bedeutet. Das deutsche Tabakgewerbe beschäftigt heute allein in der Fabrikation etwa 175 000 Arbeitskräfte mit einer Lohnsumme von rund 100 Millionen Mark, d. i. mehr als das gesamte Europa zu­sammen an Arbeitslohn für Tabakfabrikation ausgiebt und mehr als viermal soviel als der Gesamtbetrag einer Jahres­ernte an deutschem Tabak ausmacht. Eine solche Industrie sollte man nicht mit neuen Zollprojekten beun­ruhigen.

Eine Prote st Versammlung gegen die Beschlüsse des Abgeordnetenhauses betr. die Ernennung jüdischer Notare fand am Sonntag unter zahlreicher Beteiligung statt. Hauptreferent war Professor Dr. Mendel, dem Rechtsanwalt Fuchs I. und die Stadtverordneten Nathan und Kassel sekundierten. Es wurde einstimmig eine Er­klärung beschlossen, in der die Aeußerungen des Mrnisters- Schönstedt und die Beschlüsse der Mehrheit des Abgeordneten­hauses mißbilligt werden.

D e s s a u, 11. Februar. Wie dieMagdeb. Ztg." meldet, soll nach dem der anhaltischen Landessynode jetzt vorliegen­den Gesetzentwurf, die anderweitige Festsetzung des Dienst­einkommens der Geistlichen betreffend, das Ein­kommen für Hilfsprediger und Kreispfarrvikare auf 2100 Mark nebst freier Wohnung, für die Geistlichen auf 3000 Mark im ersten bis zu 6500 Mark im 27. Tienstjahre, für die Superintendenten auf 5400 Mk. im ersten bis zu 7400 Mk. nach löjähriger Dienstzeit festgesetzt werden.

Ausland.

London, 11. Febr. Ter König regte die Bildung eines Komitees von Mitgliedern des gegenwärtigen und des vorigen Kabinetts an, behufs Erwägung, in welcher Form der Königin Viktoria ein Denkmal zu er­richten sei.

Paris, 11. Febr. DerTemps" meldet, das Marine­ministerium sei mit einem Gesetzentwürfe betreffend die Vermehrung des Mannschaftsbestandes ,der Flotte beschäftigt, da der gegenwärtige Mannschaftsstand nach der Durchführung des Programms der Flottenver­stärkung unzureichend sein werde. Vorläufig werde dre aktive Dienstzeit der Flottenmannschaften auf 56 Monate f efto^f ctit

Madrid, 11. Februar. Vor der U n i v e r s i t ä t, deren