Ausgabe 
12.2.1901 Zweites Blatt
 
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Volltische Tagesschau.

AuS Nancy wird ein Vorfall gemeldet, der noch der Aufklärung bedarf. Danach sprengte am 4. d. M ein deutscher Offizier blutüberströmt im Galopp über die frauzöfische Grenze, trotz Anrufens der Zollwächter. Dem offenbar scheu gewordenen Pferde warfen sich zwei junge Leute entgegen. Der Offizier wurde aus dem Sattel gehoben, zunächst in das Zollbureau und dann ins Krankenhaus gebracht. Bei der Ver­nehmung durch den Polizeikommissar gab er an, er heiße Hoff mann und sei Leutnant im 131. in Metz garnisonierenden Infanterie-Regiment. Sein Pferd wäre ihm durch ge­gangen, nachdem es ihn vorher schon einmal abgeworfen und durch die Straßen von Samte-Marie-aux Chenes ge schleift hatte. An der Grenze habe er es nicht zurückhalten können. Der Offizier wurde dann wieder über die Grenze gebracht. Man nimmt nun in französischen Kreisen an, es hätte sich um eine Wette gehandelt, im (Saniere über die Grenze zu reiten, ohne angehalten zu werden; deshalb ist es dringend notwendig, daß eine strenge Untersuchung an- gestellt wird.

Man schreibt derTägl. Rundschau" aus Delagoa- bai: Im Gegensatz zu den täglich hier einlaufenden eng­lischen Telegrammen, nach denen sich Kanadier und Australier in großen Massen für den Dienst im südafrikanischen Krieg aubieten, steht eine Annonce aus demNatal Mercury Durban", in der England seine Söhne für den KriegSdieGt zu gewinnen sucht. Die Annonce lautet:

300 Rekruten gesucht!

Die South African Light Horse oder Bullers Horse, wie sie letzthin genannt wurde, hat während des ganzen Feldzuges hervorragende Dienste geleistet und eine Berühmtheit erlangt, auf die jedes Korps stolz (?) sein würde. Dieser Truppenteil war General Bullers Kolonne beigegeben, be­gleitete ihn auf seinen gefährlichen Operationen und ist bei mehreren Ge­legenheiten von ihm wegen seines glanzvollen Verhaltens und seiner Ver­dienste hervorragend belobt worden. Die S. A. L. H. ist deshalb ein Korps, dem jeder Mann anzugehören stolz (?) sein müßte, und Leute, die ihm beizutreten wünschen, sollten keine Zeit verlieren und sich bei Leutnant I. Tindley Blaine, 324 West Street, gegenüber Mercury Laue, melden. Leutnant Blaine, der zum rekrutierenden Offizier ernannt ist, will bereit­willigst weitere Informationen erteilen und teilt uns mit, daß ungefähr 300 Mann gebraucht werden, um das Korps zu seiner vollen Stärke zu bringen. Brauchbaren Leuten sollen besonders vorteilhafte Bedingungen geboten werden!

Nach der Reise Kaiser Wilhelms zur Königin Viktoria im November 1899 waren in Paris noch einige Hoffnungen ge. blieben, die nun arg geknickt erscheinen. Heißblütig, wie sie find, übertreiben die Franzosen jedes Ereignis in freundlichem oder feindlichem Sinn; nachdem sie seit des Kaisers Besuch auf dem französischen Schulschiff bei Bergen an ein Zusammen­gehen Deutschlands mit Frankreich geglaubt, sehen sie jetzt in der Reise nach Osborne und dem langen dortigen Auf­enthalt die Bekräftigung einer schon vorhandenen Abmachung mit England; und falls der Preis dieser Abmachung die Delagoabai für England sein würde, läge darin eine Gefahr für das von Laurenzo Marquez aus bedrohte Madagaskar. Der sonst nicht schlecht unterrichtete auswärtige Redakteur deSGauloiS" hat es sogar verstanden, unter dieser jüngsten Abmachung ein 150 Jahre altes Bündnis zu suchen, daS 1756 zu Westminster im Namen Friedrichs d. Gr. und Georgs II. unterzeichnet wurde; es trage einen konfessionell gefärbten Charakter und wolle daS protestantische Gegengewicht bilden zu dem katholischen Bündnis zwischen Frankreich und Oesterreich, das damals von Frau von Pompadour und dem Abbe Bernis eingeleitet wurde. Fürst Bismarck selbst habe auf dieses Bündnis im Reichstag im Jahre 1889 angespielt ungefähr mit den Worten:Der Traktat von 1756 besteht noch und kein Grund ist vorhanden, daran zu rütteln." Es ist nicht nötig, an diese Auseinandersetzungen den kritischen Maßstab der Gegenwart zu legen; schon weil dasselbe Oester­reich, gegen das der Bund geschlossen ward, jetzt ein Bundes­genosse Deutschlands ist. Der Artikel ist aber immerhin ein Symptom. Dem deutschen Botschafter Fürsten Radolin widmet der Petersburger Vertreter desFigaro" einen Ab­schiedsartikel.Alles deutet an" so heißt es in dem be­treffenden Artikel,daß die Sendung dieses Diplomaten in Frankreich einen ebenso großen Erfolg haben wird wie hier, und daß die Pariser Gesellschaft und politischen Kreise seine hohen Befähigungen ebenso zu schätzen wissen werden,

wie dies hier geschehen. Man darf annehmen, daß er der würdige Nachfolger des Fürsten Münster sein wird, der für die Aufrechterhaltung der guten Beziehungen zwischen Deutsch land und Frankreich so wacker gearbeitet hat. Wie der Fürst Münster in seiner Tochter, der Gräfin Marie, so wird der neue Botschafter in der Person seiner Gemahlin eine aus gezeichnete Stütze bei der Erledigung seiner gesellschaftlichen Verpflichtungen haben. Die Dame besitzt außerdem den Vor teil, daß sie mit mehreren der erlauchtesten Familien der französischen Aristokratie verwandtschaftlich verbunden ist und dadurch also einen besonderen Anspruch auf die Sympathie der Kreise besitzt, in denen sie sich bewegen wird. Auch wird die Abreise der Fürstin in der Petersburger Gesellschaft ebenso lebhaft empfunden werden wie die des Botschafters selbst. Fügen wir noch hinzu, daß der Fürst und die Fürstin katholisch find."

Deutsches Keich.

Berlin, 10. Febr. Wie derReichsanz." meldet, hörte der Kaiser gestern im Schlosse Homburg v. d. Höhe die Vorträge des Reichskanzlers Grafen v. Bülow, des Chefs des Generalstabs Generals Grafen v. Schliessen und des Chefs des Militärkabinetts Generaloberst v. Hahnke.

Tie Kaiserin traf gestern zu einstündigem Besuch, auf Schloß Friedrichshof ein. Der Kaiser begleitete die Kaiserin bis Oberursel und machte dann eine Schlitten­fahrt im Walde am Altkönig.

Wie demLokalanz." aus London telegraphiert wird, erhielt die auf der Rhede von Portsmouth liegende könig­liche DachtViktoria Albert" den Befehl, sich' für eine Reise KönigEduardsnach Deutschland bald nach )er Eröffnung des Parlaments bereit zu halten. König Eduard wolle den Besuch Kaiser Wilhelms erwidern und die Kaiserin Friedrich besuchen. Ob die Königin Alexandra ihn begleitet, sei noch unbestimmt. DieBirmingham Post" behauptet, Kaiser Wilhelm habe den Wunsch ausgesprochen, LordRobertsmöchte an dennächstendeutschen Herbstmanövern teilnehmen.

Den Blättern zufolge ging dem B u n d e s r a t e der Entwurf des Unfallfürsorgegesetzes für Beamte und Personen des Soldaten st an des zu. Nach der Be­gründung beabsichtigt das Gesetz die Erweiterung des Pensionsgesetzes vom 15. März 1886, um die Unfallfürsorge der genannten Personen wieder der Fürsorge des Unfall­versicherungsgesetzes gleichwertig zu machen, nachdem letztere durch die 1900 in Kraft getretenen Bestimmungen mehrfach günstiger geworden sind.

Die Wahlprüfungs-Kommission des Reichs­tages prüfte die früher beanstandete Wahl des Abg. Sieg (nl., Graudenz-Strasburg in Westpr.) und gelangte zu dem Ergebnis, den Antrag auf nochmalige Beanstandung beim Plenum zu stellen. Die Wahl des Abg. Prätorius (kons., Randow-Greiffenhagen) wurde für giltig erklärt.

Durch Errichtung von städtischen Präpa- randenan st alten will die preußische Regierung neuer­dings dem täglich größer werdenden Lehrermangel abhelfen.

In derKreuzztg." wird Widerspruch erhoben gegen die Praxis, das 9? o t a r i a t an Rechtsanwälte zu verleihen, ohne Rücksicht darauf, ob diese in Zivilsachen oder Strafsachen thätig gewesen sind. Daß durch die Thätigkeit in Strafsachen der betreffende Rechtsanwalt keine Erfahrungen zu dem Berufe als Notar sammle, bedürfe ! einer besonderen Ausführung. Aber auch die Beschäftigung mit Zivilsachen, namentlich an einem großen Landgericht, werden nur in seltenen Fällen Vertrautheit mit den No­tariatsgeschäften verleihen. Sicherlich würde aber ein er- ahrener Grundbuchrichter ein guter und zuverlässiger Notar ein. Darum sollte die preußische Justizverwaltung gesetzlich estlegen oder zum Verwaltungsprinzip machen, daß nur solchen Rechtsanwälten das Notariat verliehen werde, welche mindestens 5 Fahre (oder mehr) als angestellte Richter thätig gewesen sind. Die Verleihung des Notariats würde alsdann zugleich eine Belohnung für ältere verdiente Richter ein, welche bei den ungünstigen Aussichten der Richter auf Beförderung gerne auf solche verzichten würden, wenn ihnen auf diese Weise eine einigermaßen sichere Einnahme geboten würde, die sie in den Stand setzte, besser für ihre Familie zu sorgen. Es leuchtet auch nicht ein, warum die Justizverwaltung die oft recht beträchtlichen und mühelosen Einnahmen aus dem Notariat nicht früheren Beamten zu­wendet, sondern Rechtsanwälten, welche nur für den eigenen

Geldbeutel,' nicht für den Staat gearbeitet haben. Außer­dem würde der Uebertritt vieler früheren Richter in die Rechtsanwaltschaft ein Segen für diese sein, zumal die Veteranen, welche vor Einführung der freien Wvokatur Rechtsanwälte geworden und durchgängig vorher Richter Shanghai heute mittag hierher zurückgekehrt.

Tie Aeltesten der Berliner Kaufmannschaft haben beim Magistrat die Einführung des obligatorischen Tagesfortbildungsschulunterrichts für junge Kaufleute im Alter von 1416 Jahren beantragt.

Kiel, 10. Febr. Die zur Ostseestation gehörigen ans China zurückgekehrten Mannschaften trafen gestern abend hier ein. Ter Stationschef, Kriegervereine und zahlreich erschienenes Publikum begrüßten die Heimkehren­den. Heute abend haben die Bürger von Kiel die Mann­schaften zu einem Willkommentrunk in das Seemannshaus geladen.

Nordenham, 10. Febr. Der Kabeldampfervon Podbielski" der Nordischen Seekabelwerke ist von der glück­lichen Legung des Reichspostkabels Tsingtau- Shanghai heute mittag hierher zurückgekert.

Kattowitz, 9. Februar. In der heutigen General­versammlung der oberschlesischen Kohlenkonvention wurde beschlossen, die Frage der Bildung eines oberschlesi­schen Kohlen syndikats, sowie die Einsetzung einer Berufungskommission für Klagen über den Kohlenzwischen­handel zwei Spezialkommissionen zur Vorberatung zu überweisen. Außerdem wurde mit Rücksicht auf die günstige Lage des len Marktes beschlossen, für das laufende Quartal fei Förderungseinschränkung ein­treten zu lassen, sondern den Bahnversandt freizugeben.

Ausland.

London, 9. Febr. DieBirmingham Post" glaubt zu missen, daß infolge gewisser Unterredungen, die bei der Anwesenheit des Kaisers Wilhelm hier stattfanden, man in Be^ug auf die Handelsbeziehungen: Deutschlands zu den englischen Kolonien wich,- Ligen Entwickelungen entgegensetzen könne; man könne nichts Bestimmtes darüber sagen, aber aus Deutschlands Bedarf nach billigeren. Nahrungsmitteln lasse sich viel schließen.

Madrid, 10. Febr. Die Kundgebungen gegen die Jesuiten dauern fort, die Polizei müßke gestern wiederholt eingreifen und nahm zahlreiche Verhaftungen vor, einige Personen wurden verwundet. Gestern abend wurden die Wagen des Nuntius und des Mi­nisters desJnnern mitSteinen beworfen. Vor einer Buchhandlung explodierte eine Petarde und ver­ursachte einigen Schaden. Auch aus Valencia und Valla­dolid werden Kundgebungen gegen die Jesuiten gemeldet. In den späten Abendstunden kam es gestern äu einem Zu - sammenstoß zwischen Studenten, die eine anti­klerikale Kundgebung veranstalteten, und der P o l i z e i. Zwei Polizeioffiziere wurden durch Steinwürfe ver­wundet ; auch ein Student erhielt Verletzungen, 20 wur­den verhaftet. Bei den Kundgebungen in Valladolid rich­teten die Studierenden Steinwürfe gegen die Klüfte r. In Barcelona demonstrierten die Studenten vor dem Priesterseminar unter den Rufen:Es lebe die Freiheit!"Nieder mit dem K l e r i k a l i s m u s!" DerJmparcial" sagt, die Geduld der Nation sei erschöpft, da man keinen Versuch gemacht habe, die Wunden, die das Schicksal der Nation geschlagen, zu heilen. Tie Entrüstung sei allgemein. DerLiberal" veröffentlicht einen Artikel mit dem Titel:Ein. bis zur Siedehitze erregtes V o l k."

Der Minister des Innern erklärte auf Befragen, die gestrigen Unruhen hätten einen e rn ft e r e n Charakter, da an denselben nicht blos Studenten, sondern auch gewisse politische Elemente beteiligt gewesen seien. Die Regierung habe si ch deshalb entschlossen, die Ruhestörungen mit aller Kraft zu unterdrücken.

Lissabon, 10. Febr. Es wird nun zum ersten Male zugegeben, daß die Bemühungen Englands, Portugal die Delagoa-Bai abzukaufen, keinen Erfolg ge­habt hätten, und um das Volk ein für allemal zu be­schwichtigen, seitens der portugiesischen Regierung empha­tisch erklärt, daß diese Besitzungen nur mit Gewalt ge­nommen werden könnten. Truppensendungen nach Mozam­bique haben keine ernste Bedeutung, denn es kann Portugal nicht einfallen, Großbritannien in irgend eiiWr Weise zu provozieren, da dazu ja auch gar keine Veranlassung vor­liegt. Bemerkenswert ist, daß erzählt wird, Kaiser Wil­helm sei in dieser Angelegenheit vollständig einver-

Zwischeu diesen wundervollen Orchesterwerken standen zwei namentlich inhaltlich nicht auf gleicher Höhe stehende Solovorträge des Herrn Konzertmeisters bau der Bruyn (Violine) und des Fräulein Rosa Joseph (Harfe). Herr van der Bruyn spielte das Violinkonzert in g-moll von Bruch und erwies sich darin in Technik wie in Auffassung als ein tüchtiger Vertreter seines Instrumentes, dem der reichliche und herzliche Beifall für seine Darbietung um so mehr zu gönnen war, als er außerdem in den übrigen ^Orchesternummern seinen Pflichten als Konzertmeister nach­zukommen hatte. Ter Harfenvortrag (Ballade von Hassel- mans) des Fräulein Joseph fand so starken Beifall, daß sich die junge Dame zu einer Zugabe verstand. Wenn wir ihr nun auch diesen Applaus von Herzen gönnen, so ber­wögen wir doch nicht zu begreifen, daß sich unser musika­lisches Publikum durch den Vortrag eines so wenig bedeuten­den Werkes wie der genannten Ballade, zu so stürmischen Beifallsäußerungen hinreißen lassen konnte, während namentlich nach dem ergreifenden Vortrag der Lisztschen Tondichtung der Applaus nicht einmal zu einem effektvollen Hervorruf des Herrn Trautmann ausreichte. Wenn man bedenkt, mit welchen Schwierigkeiten der jetzige musikalische Berater des Konzertvereins bei dem Arrangement unserer Konzerte zu kämpfen hat, und mit welcher Liebe und Opfer­freudigkeit er allen an ihn geteilten Anforderungen gerecht zu werden sucht, so wird man es begreiflich finden, daß auch ein vernehmlicher Beifall im Konzertsaal ihm ein schöner Lohn sein wird. Ebenso haben wir die feste lieber- zeugung, daß auch der Gesamtvorstand des Konzertvereins durch eine größere Anerkennung seitens unseres Musik liebenden Publikums für die Fortsetzung seiner löblichen Bestrebungen nur dankbare Anregungen erhalten wird. Pr.

Karneval.

Wir leben ja eigentlich in einer schweren unzufriedenen Zeit. Immer schwieriger gestalten sich für viele die Lebens- bedingungen, verzweifelt ist das Ringen um Existenz und nach Ansehen. Unsere Nerven werden auf das Aeußerste angespannt, und Verstimmungen bleiben in keines Menschen Dasein Tag für Tag aus. Aber wir haben ein Heilmittel, einen Sorgenbrecher, der uns über den Alltagskummer hin­weghebt: es ist der Karneval und der sich mit ihm ent­wickelnde Humor. Sein Haupt ruht bekanntlich am tiefen Rhein, in Köln und Mainz entfaltet er sich zu höchster Blüte, die ganze Bevölkerung, jung und alt, arm und reich, wird dort von ichm hingerissen. Alle erklären sich ihm unterthänig, koboldige Vasallen des neckischen Prinzen wollen sie sein, undknatschgeck" sind sie bis zum Aschermittwoch, eingedenk des Sprüchleins:

's wird besser gehn 's wird besser gehn, Die Welt ist rund und muß sich dreh'n.

Tas ist der Narren Sprüchelein, Und bist du klug, so stimmst du ein.

Auch in unserer lieben Provinzialhauptstadt Gießen hat Prinz Karneval sein Lager aufgeschlagen. Schon seit Wochen werden karnevalistische Konzerte, närrische Sitzungen und Maskenbälle veranstaltet. Besonders stark besucht sind die karnevalistischen Konzerte in Steins Saal bau. So war am Sonntag schon vor Beginn des Konzerts der Saal bis auf den letzten Platz gefüllt; die Stimmung stieg stetig, mit schallender Heiterkeit wurden die Tarbietungen der humoristischen Kapelle ausgenommen.

Im Cafe Leib veranstaltete der K u t s ch e r v e r e i n am Sonntagabend einen Maskenball, der sich äußerst regen Besuches erfreute. Vertreten waren allerhand Masken, die

mit Johlen und Schreien von der Straßenjugend zum Ver­gnügungslokal begleitet wurden. Charaktermasken aus den jüngsten Zeitereignissen waren zahlreich vertreten. Un­geheuren Beifall sanden die theatralischen Aufführungen, und erst am frühen Morgen zogen die letzten Teilnehmer ihren heimischen Penaten zu.

Der Buchdrucker-VereinTypographia" hielt im LokalZur Stadt Cassel" eine närrische Sitzung ab. Ter Präsident desElferrats, Alwin Keßler, begrüßte die Narren mit einer humorvollen Ansprache. Nach einigen luftigen Liedern überraschte eine närrische KapelleDurch und Durch" die Narren, die ob der Darbietung dieses welt­berühmten Orchesters aus dem Staunen nicht herauskamen. Alsdann folgte ein großes Ordensfest, bei dem eine Anzahl besonders tüchtiger Narren dekoriert wurde. Lange noch saßen dieSchwarzkünstler" in fideler Stimmung bei­sammen.

Am Samstagabend veranstaltete der M ä n n e r tum- verein in Lonys Bierkeller einen gut besuchten und ver­gnügt verlaufenen karnevalistischen Familienabend. Von den verschiedenen Aufführungen verdienen besonders die Ranzengarde des Prinzen Karneval und deren Parademarsch vor dem aufedlem Reittier" heranspringenden Prinzen, sowie die höchst originelle Vorführung derDeckebacher Raserieg" am Reck hervorgehoben zu werden. Hübsche Damen verschiedener Nationalitäten offerierten die Produkte ihrer Heimat, während die Saalpost das ihrige dazu bei­trug, die Stimmung recht fidel werden 'zu lassen. Bis, zur frühen Morgenstunde hielt noch der Tanz Jung und Alt beisammen.

Wie alljährlich, so hat auch jetzt der Kölner Karneval seingeflügeltes" Wort und zwar im Anschluß an den Besuch das Präsidenten Ohm Paul das Motto:Willem! Gieb' dem Ohm 's Händche."P