Ausgabe 
11.10.1901 Erstes Blatt
 
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Nr. 339

Erstes Blatt.

151. Jahrgang

Freitag 11. Oktober 1901

GicheimAnzeiger

General-Anzeiger v

Amts- und Aineiaeblatt für den Kreis

Gießen

Schulstraße 7.

Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen.

5tenTfhro*nnfrfi(n6Mir,51.

Erscheint täglich mit Ausnahme des

Montags.

Die Gießener Familien- blätter werden dem An­zeiger im Wechsel mit demHess. Landwirt" und denBlättern für hessische Volkskunde" viermal wöchentlich bei­gelegt.

Redaktion, Expedition

Annahme von Anzeige» zu der für den folgenden Tag erscheinenden Nr. bis vormittags 10 Uhr. Alle Anzeigen-Vermitt- lungsstellen des In- und Auslandes nehmen An­zeigen entgegen.

Zeilenpreis: lokal 12 Ps^ auswärts 20 Pfg.

Rotationsdruck u. Vev- lag der Brüh l'scheu Universitäts - Druckerei (Pietsch Erben).

Verantwortlich für den allgemeinen Teil: P. Witiko; für den An­zeigenteil: Hans Beck.

Kreisblatt für dm Kreis Eichen.

Eichener Anzeiger.

Nr. 4. IO. Oktober. 194) l.

Bekanntmachung.

Betreffend: Die Beförderung der Musterkoffer von Hand­lungsreisenden auf den österreichischen, ungarischen und bosnischen Bahnen.

Unter Hinweis auf unsere Bekanntmachjung vom 5. August im Gießener Anzeiger Nr. 187 bringen wir zur Kenntnis der Interessenten, daß das K- u. K. österreichiisch- ungarische Ministerium des Aeußern zur Kenntnis des Herrn Reichskanzlers gebracht hat, daß die als Ergänzung zu den Legitimationskarten für Musterkofser einge­führten und mit der Photographie des Inhabers zu ver­sehenden Identitätskarten für nichtösterreichische Hand­lungsreisende erst vom 1. Januar 190 2 ab in Aussicht genommen sind. Das von österreichischen Bahnverwalt­ungen an deutsche Handlungsreisende gestellte Verlangen nach dem Vorweise einer Identitätskarte beruhte sonach aus einem Irrtum, und wird das K. K. Eisenbahnministe­rium die erforderliche Belehrung eintreten lassen.

Schließlich machen wir darauf aufmerksam, daß die fraglichen Certifikate nicht nur auf den österreichischen, sondern auch auf den ungarischen und bosnischen Bahnen Giltigkeit haben.

Gießen, den 4. Oktober 1901.

Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Bechtold.

Kelranntmachung.

Betreffend: Erweiterung des Bebauungsplanes für die Stadt Gießen; hier Enteignung.

Nach dem Ortsbauplan für die Stadt Gießen ist die Schließung der Gemeindewege vorgesehen, an denen die dem Louis Hahu zu Gießen gehörige Parzelle Flur XXVI Nr. 336 49/100, gemessen 203 reduziert 213 Quadratmeter groß, gelegen ist. Das Grundstück wird alsdann von keinem öffentlichen Wege mehr berührt und es hat deshalb, da eine Einigung mit dem Besitzer nicht zu stände gekommen ist, die Stadtverordnetenversammlung auf Grund des Art. 17 der Allgemeinen Bauordnung .die Einleitung des Enteignungsverfahrens beantragt.

° Es wird dieses mit dem Anfügen zur öffentlichen Kennt­nis gebracht, daß der Antrag mit den erforderlichen An­lagen in der Zeit vom 18. bis zum 31. dieses Monats ein­schließlich auf dem Amtszimmer der Großh. Bürgermeisterei Gießen zu jedermanns Einsicht offen liegt.

Zugleich wird zur Verhandlung über den Plan und die zu leistende Entschädigung Tagfahrt vor der Lo- kal ko m Mission auf

Montag, den 4. November 1901, v o r m. 9 Uhr auf das Amtszimmer der Großh. Bürger­meisterei Gießen anberaumt.

Die Eigentümer, Pächter, Mieter und sonstige an den abzntretenden Grundstücken persönlich Berechtigte, sowie alle übrigen an der beantragten Enteignung Beteiligten werden aufgefordert:

1. Einwendungen gegen den Plan bei Meidung des Ausschlusses und Annahme der Einwilligung in die beanspruchte Abtretung oder Beschränkung, Erklärung auf die angebotene Entschädigungssumme bei Meidung .der Unterstellung der Annahme des Angebotes,

. Anträge auf Ausdehnung der Enteignung bei Mei­dung des Ausschlusses mit solchen,

. Anträge auf Aufrechterhaltung bestehender Lasten bei Meldung des Ausschlusses mit solchen,

. Anträge auf Einrichtung und Unterhaltung von An­lagen, welche für die benachbarten Grundstücke zur Sicherung gegen Gefahren und Nachteile notwendig

sind oder notwendig werden, bei Meidung des Aus­schlusses mit solchen,

6. etwaige noch unbekannte Rechte oder Ansprüche an die zn enteignenden Grundstücke bei Meldung des Ausschlusses mit solchen,

in dem oben erwähnten Termine vorzubringen.

Wenn dritte Personen als dinglich berechtigte oder wegen sonstiger Rechtsverhältnisse bei der Enteignung be­teiligt sino, so muß der Eigentümer solche sofort nach Zustellung der Bekanntmachung uns bezeichnen, andern­falls bleibt er für diese Ansprüche verantwortlich

Die Eigentümer der abzntretenden Grundstücke müssen von der Zustellung dieser Bekanntmachung an zu neuen Anlagen oder zu einer von der bisherigen bezw. der ge­wöhnlichen abweichenden Art der Bewirtschaftung die Ge­nehmigung des Unternehmers einholen, widrigenfalls eine Entschädigung demnächst nur insoweit verlangt werden kann, als durch die Veränderung auch) für den öffentlichen Zweck, für welchen die Enteignung geschieht, der Wert des Geländes erhöht worden ist.

Räumt der Eigentümer einem anderen von dem Zeit­punkt der Zustellung an ein dingliches Recht an dem zu enteignenden Grundstücke oder ein persönliches Recht auf dessen Benutzung ohne Genehmigung des Unternehmers ein, so steht jenem anderen eine besondere Entschädigung nicht zu.

Gießen, den 17. Oktober 1901.

Ter Vorsitzende der Lokalkommission.

Tr. Heinrichs,

___________Großh. Krei -amtiiuviin.

Bekänntmachüu g........

Bei den demnächst zn treffenden Anordnungen für Älnschlüsse an die städtische Kanalisation iverden voranssichtlich folgende Be­stimmungen getroffen werden:

Sämtliche Aborte sind mit Wasserspülung und Waßerverichluß zu versehen; die Spülung muß aus besonderen Spülbehältern er­folgen; unmittelbarer Anschluß der Abortbecken an die Wasserleitung ist verboten. Zur Ableitung unreiner Flüssigkeiten Hurfen inner­halb der Gebäude nur starkivandige gußeiserne Muffenrohre nach den im Jahre 1898 vom Architekten- und Ingenieur-Verein ausge­stellten Normalien verwendet werden. Die Fallrohre dürfen nicht ncehr als 10 cm, die annähernd wagerechten Rohre nicht mehr als 15 cm Durchmesser im Lichten haben. Die Dichtung der Mussen nmß durch Hanfstrick und verstenimten Bleivergnß erfolgen. Die Fallrohre sind im gleichen Durch'.nesser als Dunstrohre über Dach zn führen und mit Regenkappe zu versehen. Das eigentliche Dunst­rohr, bezw. der letzte Aussatz des Fallrohres kann aus Zinkblech bestehen.

Es wird sich empfehlen, bei Neubauten die betreffenden An­lagen schon jetzt entsprechend einzuAchten.

Gießen, den 7. Oktober 1901. 6690

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

Mecum.

WmmMk KmgsscWck.

Für die Dauer der 15 Aufführungen, d. i, uom 1. bis 10. Iiovember d. I. soll der Wirtschaftsbetrieb in der Turn­halle des Turnvereins an einen

hiesigen lchuWscihiW Wirt vergeben werden. Die Bedingungen liegen bei Herrn A.Dickorö, Schanzenstraße 8, dahier, zur Einsicht offen. Verschlossene, mit entsprechender Aufschrift versehene Offerten sind bis längstens Samstag, den 15. d. Mts., abends 7 Uhr bei dem Oben­genannten abzugeben.

Gießen, den 7. Oktober 1901.

6685 Der Wirtschafts-Airsschuß.

e aus dem Reichstag hinaus gegrault; fortschrittlichen Frauen in der Beuth- Hier haben die Damen unter Obhut!

so gerne entronnen wären, nach Her-i > scheffelweise Beschlüsse gefaßt, drei ieichtum an Worten schon ihren Ur- "he der Welt, wenn sie alles essenj Beuthstraße gekocht würde! Aber di-, u Werke gegangen, die meisten Red-

wohl, zu radikale Forderungen auf-! r Spöttern und Harmlosen nicht züi immer noch der veralteten Ansicht chung die vornehmste Aufgabe der t war freilich die Rede, aber nur ganz bei, als ob es sich um einen Nrben-i es Uebel oder eine Beschäftigung in; . In der Resolution nämlich, die in.

Vortrag von Fräulein Dr. Helene emeinschaftliche Erziehung der Ge- e, lautet der vierte und letzte Punkts lichere Bildung der Frauen hoffen wir . ütterlichen Beruf tüchtiger zu machen.^! sch, und eine solche Hoffnung läuft, fahrung schnurstracks zuwider. Nicht' Kenntnissen vollgestopfte Frau ist die! :zieherin ihrer Kinder, sondern die i ckes und Genialität des Herzens ihre, .de Frau. Es gab und giebt vieles hochgebildete Frauen, die über einen, ügen als mancher Mann in einfluß-^ r nie hat man davon gehört, daß.

Söhne in die Welt gesetzt hätten^ uf dem Gebiete der Kunst, der Wissend ürnehr steht fest, daß in den weitaus!

die Mütter hervorragender Männer n, zwar mit kerngesundem Verstand' n Ehrgeiz als sogenannte geistreichss! aran iverden die Beschlüsse der fort-., ichts ändern, denn ein altes römisches! übe die Natur mit der Heugabel aus,, r; dabei haben diese fortschrittlichen- nnal die Heugabel zur Verfügung, iuw i That umzusetzen.

ls der vernünftige Kern der Frauen- ekannt: alleinstehende Frauen, die oder den Gründen verzichten müssen,, gesetzt werden, sich eigenen würdigen und sich wirtschaftlich unabhängig fszweige, die sich hierzu eignen, sind' ästen haben sich den Frauen geöffnet mde von Frauen und Mädchen finden' rd Verdienst auf den Telephon-- und. Dhne daß es einer Resolution oder , hat sich dieser Berufszweig den t ohne weiteres klar war, daß die Frauenhänden bequem wahrgenom­leberalt wo leichte Hantierung und it in Frage kommen, sind Frauen-, iei sich freilich herausstellt, daß für fsenden Berufs, die schnelles Dis- ie Frauenarbeit nicht immer so zu-. : Männerarbeit. Ueberall auch da das Mädchen an erster Stelle be-

^iche Bestimmung des Weibes, hung in Schulen, Kranken- und ge kommen. Hier kann in der csten der Frauen geschehen, wie der rvorgehoben hat.

cauenbewegung von ihrer gesunden ie in ein vollkommen falsches Geleise i folgendes. Die Führerinnen der ie Lina Morgenstern, Minna Caner, wie sie sonst heißen mögen, stehen 'esentwickelung und Urteilskraft weit des weiblichen Geschlechts, sie stecken erreichen sie, übersehen aber, daß Frauen Die) em Fluge niemals zu glauben, weil sie sich selbst zu ifen fühlen, die gleiche Spannkraft n, sie müsse nur gepflegt und ent-i ichlich ist das nicht der Fall. Diese

-en nicht das Normale, sondern die in Naturspiel, sie müßten eigentlich it wie es Männer giebt, die ihrer .ch sich im Unterrock besser ausnehmen tiger Tracht So wenig es aber den

leine Gründe angegeben waren. Tie sozialdemokra­tische Fraktion nahm zu der Angelegenheit noch keine 'Stellung, während die Fraktion der Rechten von einer offiziellen Sitzung Abstand nahm, da wichtige Angelegen­heiten nicht zur Beratung ständen.

Von anderer Seite wird behauptet, bei der Audienz ffei die Angelegenheit Muffmann aar nicht zur Sprache ge­kommen. In der Hauptsache drehte sich die Unterredung um drei Punkte: die Lindenüberführung, den Märchen­brunnen und das Projekt der Lindenumgestaltung. Be­züglich der Lin den Überführung äußerte der Kaiser sich dahin, daß er erst nach langer und reiflicher Ueberlegung zu der Ueberzeugung und damit zu dem Entschluß ge­kommen sei, daß. im Niveau der Linden eine Durchkreuzung

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sich ganz vernünftige Vorschläge darunter, aber sie ver­puffen wie Platzpatronen. Durch Kongreßbeschlüsse lockt man keinen Hund hinterm Ofen hervor, und durch Re­solutionen hält man den Lauf der Geschichte nicht auf. Das ist ost genug auch das Schicksal von Kongressen gewesen, die von Fürsten und Kaisern einberufen wurden, von Männern also, die über die Macht verfügen, ihren Beschlüssen auch Nachdruck zu geben. Was ist von dem Arbeiterschutzkongreß übrig geblieben, den Kaiser Wilhelm im Jahre 1890 ein­berief, ivas von dem Haager Friedens- und Abrüstungs- kongreß des Zaren Nikolaus! Was wird hernach von dem Kongreß übrig bleiben, den Frau Minna Cauer einberief, die doch, über feine Kosaken und pommer.sche Grenadiere verfügt!

chun und Treiben nach dem Geschmack en, so wenig wird die große Masse teil Grundsätzen der Ueberweiber be- >n Frauen zeichnen sich oft genug das Fehlen körperlicher Reize aus^ it den Willen der Natur, die ityrten vtn öttmiyti niu Der Aufschrift aufdrückte:Diese Exem-1 plare sind nicht für die Fortpflanzung bestimmt". Zumeist fühlen sie denn auch für die Ehe weder Beruf noch Nchgung> gehen sie dennoch eine Ehe ein, so werden' sie gewiß alles sehr rationell ansassen, sie werden, wenn sie lebens-, und entwickelungsfähige Kinder bekommen was durchs aus nicht immer der Fall ist ihre Kinder nach dem ausgeklügelsten Systeme mit der besten, nach der neuesten Methode sterilisierten Kuhmilch ernähren und sie später wohl an der Hand ihrer eigenen pädagogischen Werke erziehen- aber es wird ihnen an jenem Jmponderabile des Werbes fehlen, an jenem göttlichen Hauch, der von der echten Frau auf d as Kind übergeht und unter dessen wärmenden Strah­len allein Männer mit genialer Kraft herangewachsen sind wie Goethe und Bismarck. Von solchen Männern könnens