Ausgabe 
10.9.1901 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 213 Zweites Blatt.

151. Jahrgang.

Dienstag 10. September 1901

Erscheint täglich mit Ausnahme des

Montags.

Die Gießener Zarnltten. Mutter werden dem An­reger im Wechsel mit oemHess. Landwirt" und dmBlättern für Hessische Volkskunde" viermal wöchentlich bei- gelegt.

Redaktion, Expedition und Druckerei:

Schulstraße 7.

Adreffe für Depeschen: Anzeiger Gießen.

(Fernsprechanschluß Nr. 51.

GietzeimAnzeiger

*u' Eeneral-AnZsiger w '*'

Amts- md Anzeigeblatt für den AreK Gießen

Annahme von Anzeigen zu der für den folgcnoen Tag erscheinenden Nr. bis vormittags 10 Uhr. Alle Anzeigen-Vermitt- lungSstellen deSJn-und Auslandes nehmen An­zeigen entgegen.

Zonenpreis: lokal 12 Pf., auswärts 20 Pfg.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brühl'schen Universitäts - Druckerei (Pietsch Erben).

Verantwortlich für den allgemeinen 2xil: P. Witiko; für den An­zeigenteil: Hans Beck.

men;

Johannes v. Miquel

Der ehemalige Fiuanzmiuister Dr. Johauues v. Miquel ist in der Nacht vom Samstag auf Sonntag plötzlich gestorben. Der Verblichene hatte Samstag nachmittag noch einen Spaziergang gemacht und flch am abend mit Lesen beschäftigt. Gegen Mitternacht hatte der Kammer­diener ihn noch gehört. Als seine Nichte, Frl. Miquel, Sonntag früh gegen 7 Uhr fei» Schlafkabinen betrat, lag er entseelt im Bette. Ein Herzschlag hatte seinem Leben ein Ziel gesetzt.

Als Minister hat Miquel, der ursprünglich völlig frei­sinnige Parteimann, sich immer mehr nach rechts gewendet, fo daß er zuletzt sogar den Konservativen und Agraiern, nahe gekommen ist. Und es ist ihm dies von Seiten seinen früheren liberalen politischen -Freunden nie vergeben und vergessen worden, die nie ein Hehl daraus, gemacht haben, haß er sie schwer enttäuscht habe.

Doch man mag seine politische Abschwenkung noch! so abschätzend beurteilen, seine ganz außergewöhnliche Begab­ung, sein Ungemein großes Verwaltungstalent wird ihm niemand absprechen können. Er war eine weit über das Maß des Gewöhnlichen hinausreichende schöpferische Natur, ein bedeutender Staatsmann, in dessen Händen eine Zeit lang sogar die Fäden der preußischen Politik zusammen- liefen und der sich um Preußen unstreitig große Verdienste erworben hat.

Ueber die letzten Tage und Stunden Miquels erfährt dieFranks. Ztg.", daß man in seinem Hause nicht völlig unvorbereitet aus eine Wendung zum Schlimmeren war. Be­sonders seit seinem Eintritt in den Ruhestand verfiel seine physische Energie wesentlich Schon während des sommerlichen Kuraufenthaltes in L a n g e n s ch w a l b a ch hatten die AeiZte den Angehörigen erklären müssen, daß! auf eine lange Lebensdauer des Patienten nicht mehr zu rechnen sch Den Samstag Abend verbrachte er in seinem Lesezimmer. Sein Diener fand ihn dort noch um halb elf Uhr in %ie Lektüre vertieft. Er wartete bis' nach Mitter­nacht und nahm um halb ein Uhr wahr, daß fein Herr noch wachte. Dann aber begab sich Miquel zu Bett. "Am Sonntag morgen, um 7 Uhr, wollte Fräulein Miquel, die Nichte des Ministers, die schon seit 20 Jahren seinem Hauswesen vorsteht, ihm den ärztlich verordneten Frühtrunk reichen. Sie fand ihn tot im Bett, auf der Seite, mit gefalteten Händen, ohne eine Spur von Unfrieden oder Kampf in seinen Zügen. Nach ärztlicher Annahme ist der Tod zwischen 3 und 4 Uhr in der Nacht eingetreten. Frl. Miquel benachrichtigte. sofort die Söhne Miquels, von denen der eine Legationsekretär bei der deutsschen Bot­schaft in Paris, der andere Oberleutnant in Hagenau, der dritte Landrat in Rathenow, ist, und den Schwiegersohn,

Kaum mehr als ein Vierteljahr ist verstrichen, seit Finanzminister v. Miquel seinen Abschied nahm, nm den Rest seines arbeitsreichen Lebens in Muße zu genießen. Und sein geschwächter Körper bedurfte dringend der Ruhe. Erst vor wenigen Tagen kehrte er, wie es hieß, gekräftigt aus berrt Bade zurück. Aber die Wirkung der Kur war nicht nachhaltig, und so mußte er an den Bürgermeister von Osna­brück die Mitteilung gelangen lassen, daß. er gezwungen sei, denH! ngetündigtep Besuch in Osnabrück, seiner ersten Wirk- ungsstjätte als. Bürgermeister, zu verschieben, um sich einer zweiten Kur zu unterziehen. Noch ehe er diese beginnen formte, ist er aus diesem Leben abberufen worden.

Miquel ist am 21. Februar 1829 zu Neuenhaus in Hannover geboren. Er studierte von 184650 in Heidel­berg und Göttingen Jura. Daß er von den Einflüssen des Jahres 1848 nicht unberührt blieb, ist bekannt. Er ließ sich dann als Antvalt inGöttingen nieder, wo er bald infolge seiner Redegewandtheit einen Ruf sich erwarb. Auch auf politischem Gebiet trat er hier bald hervor. In zwei Flug­schriftendem neuen hannoverschen Finanzgesetz" (1857) undder Ausscheidung des hannoverschen Dominialguts" (1863) kritisierte er die Finanzverhältnisse in Hannover mit chonungsloser Schärfe. Er gehörte auch zu den Begründern »es ,Nationalvereins, in dessen leitendem Ausschuß er war, owie zu den Begründern des provisorischen Abgeordneten­hauses. 1865 wurde er von der Stadt Osnabrück zum Bürger- gewählt. Auch in dieser Stellung blieb er dem parla- ,'chen Leben nicht fern. Von 18671877 war er Mit­

glied des norddeutschen Reichstags. 1870 schied er aus Osna­brück, um die Stelle eines Direktors der Diskontogesell- schaft in Berlin zu übernehmen. Nachdem er von 1873 bis 1876 Vorsitzender des Verwaltunasrats der Gesellschaft ge­wesen war, kehrte er im Herbst 1876 als Oberbürgermeister nach Osnabrück zurück. 1880 nahm er die auf ihn gefallene Wahl zum Oberbürgermeister von Frankfurt a. M. an und wirkte hier fast ein Jahrzehnt. Nach der Einverleibung Hannovers in Preußen war Miquel auch in das preußische Abgeordnetenhaus gewählt worden, dem er bis zum Jahre 1882 angehörte, wo er auf Präsentation der Stadt Frankfurt ins Herrenhaus eintrat. 1884 wurde er in den preußischen .Staatsrat berufen, und von 18871890 nahm er auch wieder ein «Neichstagsmandat an,als ihm mit Der Bildung des Kartells au^ neue die Bedingung, für eine ausgleichende, mäßigende Wirksamkeit gegeben schien und trat gemeinschaft­lich mit Bennigsen an die Spitze der nationalliberalen Partei. Aus seiner Frankfurter Amtsthätigkeit sind besonders seine Verdienste um die Verbesserung der Wohnungsverhältnisse für die firmeren Klassen hervorzuheben.

Am 24. Juni 1890 wurde er vom Kaiser mit der Leitung des preußischen Finanzportefeuilles betraut. Bis zum 6. Mai 1901, also fast 11 Jahre, hat er dieses Ministerium geleitet. Seit dem 1. Juli 1897 war er gleichzeitig Vizepräsident des Staats Minister iums.

Herrn v. Scheliha, in Schlesien. Ter Familienrat wird fest­setzen, wann und wo die Bestattung erfolgen soll.

Uneinigkeit in der Landwirtschaft.

Man schreibt uns aus Berlin, 7. September:

Einen zornigen Protest gegen die Anträge des Aus­schusses des De ütschenLand Wirtschaftsrates zum Zolltarifentwurf hatte kürzlich der Major a. D. En dell, scherzhaft genanntder kleine Ploetz", öffentlich erlassen, besonders wegen der nach seiner Ansicht unzulänglichen Getreidezollforderungen seitens dieser hauptsächlich in Betracht kommenden Vertretung landwirtschaftlicher In­teressen. In einer Zuschrift an dieKreuzztg." erklärt soeben der Vorstand des Landwirtschaftsrats für durchaus unzutreffend die Behauptung Endelts: daß im Wirtschaft­lichen Ausschuß (zur Vorbereitung der Handelsverträge) von Iben Vertretern der Landwirtschaft 7. und damit wesentlich mehr, als heute der ständige Ausschuß verlangt, gefordert worden sei. Leider gestatte, bemerkt der Vorstand, die Vertraulichkeit der Verhandlungen des Wirtschaftlichen Ausschusses zur Zeit noch nicht, die Anträge der landwirt­schaftlichen Vertreter in dieser Körperschaft bekannt zu geben. Niemals aber seien Zollsätze in jener von Major Endell behaupteten Höhe als Miudest-Sätze vorgeschlagen worden.

Die Frage, wieviel denn gefordert worden ist, hätte der Landwirtschaftsrat immerhin beantworten können, denn es ist einoffenes Geheimnis", daß die agrarischen Mit­glieder des Wirtschaftlichen Ausschusses einen Mindestzoll von 6.50 Mk. für Roggen und Weizen und einen Höchstzoll von 8 Mk. beantragten. Die Mindestzollforderung ist also um eine Mark niedriger gewesen, als Major Endell an­nimmt. Uebrigens waren ganz die gleichen Anträge wie im Wirtschaftlichen Ausschuß von Herrn v. Frege beim sächsischen Landeskulturrat angeregt worden, und da Herr v. Frege dem Wirtschaftlichen Ausschüsse angehörte, so spricht auch dies dafür, daß die ersteren Angaben authen­tisch sind.

Ter Ausschuß des deutschen Landwirtschaftsrates ist bekanntlich auf einen Mindestzollsatz für Getreide von 6 Mk. herabgegangen, also eine Ermäßigung um eine halbe Mark gegenüber den Anttägen im Wirtschaftlichen Ausschuß. Die Erklärung des Landwirtschaftsrats stellt bei dieser Gelegenheit fest: daß eine große Anzahl landwirt­schaftlicher Vertretungen, namentlich in Süddeutschland, bei ihren Anträgen auf Erhöhung der Getteidezölle nicht über 6 Mark hinausgeaangen ist. Bekanntermaßen halten die Führer desBundes der Landwirte" Mindest-Getreidezölle von 7.50 Mark für unbedingt geboten.

Es ist an der Zeit, daß man innerhalb der Landwirt­schaft zu einer Einigung über diese Frage gelangt. Sonst kann das erbauliche Schauspiel sich bieten, daß im Reichs­tag die Agrarier aufeinander schlagen. Die Beziehungen zwischen den konservativen Abgeordneten und den Leitern desBundes der Landwirte"" sind ohnehin nicht die besten. Jede der beiden Gruppen beanspruch^, die berufene Ver­tretung der Landwirtschaft zu fein." Mit Hilfe des Zen­trums hoffen die Konservativen einen 6 Mark-Getreidezoll durchzufetzen, aber keinensalls einen darüber hin aus gehen­den Zollsatz, geschweige einen solchen von 7.50 Mk. Tie Uneinigkeit in der Landwirtschaft wird der Opposition gegen die Getreidezoll-Erhöhung nur willkommen fein, und sie muß notwendig auch in der Oeffentlichkeit die Frage Hervorrufen, ob Zollerhöhungen, die t» er artig strittig sind unter den Interessenten selbst, lvirklich als nützlich und wohlthütig für die Landwirtschaft gelten können, da man doch sogar schon aus den Kreisen der hoch Fordernden den Ruf vernimmt: Wenn kein wirksamer Zoll, d. h. der 7.50 Mark-Getreidezoll, dann sei überhaupt der Zollschjutz wert­los. Da liegt es denn nahe genug, zu erwidern, so möge es eben beim Alten bleiben. Industrie und Handel halten in ihrer Stellungnahme zum Tarifentwurf fester zusammen, als die Landwirtschaft. Und durch diese Geschlossenheit werden sie cs um vieles leichter haben, ihre Wünsche zur Anerkennung zu bringen.

16. Deutscher Anwaltstag.

Danzig, 6. Sept.

IM Fesffaal des Hotels Danziger Hof wurde heute Vormittag der 15. Deutsche Anwaltstag unter zahlreicher Beteiligung aus allen Teilen des Reiches eröffnet, nach­dem bereits gestern ein Begrüßungsabend stattgefunden hatte, an welchem Oberbürgermeister Delbrück die Teil­nehmer namens der Stadt, Justizrat Gall namens der Danziger Anwälte und Landgerichtspräsident Schütter namens der hiesigen Justizbehörde bewillkommnete.

Ter Vorsitzende Geh. Justizrat Mecke (Leipzig), leitete die Verhandlungen ein mit einem Nachruf auf Rechtsanwalt Ferber, Mitglied des Vorstandes der Danziger Anwalt­kammer, und begrüßte sodann den Geh. Oberjustizrat Prof. Dr. Vierhaus, der als Vertreter des Justizministers an den Verhandlungen sich beteiligt. Staatssekretär Nieber- ding, der gleichfalls eingeladen war, hat sich enffchuldigt.

In kurzen Worten wies hierauf Geheimrat Vier - haus darauf hin, wie die Beziehungen des Justizministe­riums zum Anwaltstande namentlich darin wurzeln, daß der Recvtsanwaltstand ein Organ der Gerichtsverfassung ist. Er wünschte den Beratungen guten Erfolg.

Den Kassenbericht erstattete Rechtsanwalt Behr end (Danzig)'-

Von dem Vorstand der badischen Anwaltskammer i|t ein Antrag eingegangen, möglichst noch die Frae der Ge - b ü h r e n o r d n u n g für deutsche Rechtsanwälte auf die Tagesordnung zu setzen. Diese entspreche in ein­zelnen Besiimmung schon nicht mehr den thatsächlichen Ver-

antragt wird u. a. daher eine Erhöhung der Gebühren, und zwar der Schreibgebühren von 10 auf 15 Pfg. pro Seite, der Gebührensätze in amtsgerichtlichen Berufungs­sachen, die jetzt geradezu demütigend seien, und der Ge­bührensätze für die Berufungsfachen beim Obcrlandes- gericht.

Auf Vorschlag des Vorsitzenden wurde beschlossen, dem hältnissen und bedürfe drinaend einer Aufbesserung. Be- Vorstande die Vorbereitung der zur Erörterung stehenden Fragen zu überlassen, und diese dem nächsten Anwalts­tage zur Beschlußfassung vorzulegen.

Es werden hierauf Die neuen Satzungen des Ver­eins beraten, die von Justizrat Dr. Langbein (Leipzig) und Hofrat Crull (Rostock) in Anpassung an das neue Recht entworfen sind. Danach soll der Verein den Namen führen: Deutscher Anwaltverein, eingetragener Verein. Er hat feinen Sitz in Leipzig und die Rechtsfähigkeit durch Eintragung in das Vereinsregister. Die Versammlung er­klärte sich mit der von den Referenten vorgeschlagenen Neufassung der Satzungen einverstanden.

Weiter beschäftigte sich die Versammlung mit der Frage einer Ruhegehalts-, Wit w en - und Waisenkas f e für deutsche Rechtsanwälte mit Zwangsbeitritt und reichs- behördlicyer Aufsicht. Dem Berichte des Geheimen Justiz- rates Mecke (Leipzig) ist zu entnehmen, daß sich für die Errichtung einer Kasse mit Zwangsbeitritt die Vorstände der Anwaltskammern zu Bamberg, Berlin, Braunschweig, Celle, Darmstadt, Karlsruhe, Kassel, Kiek, Königsberg, Marien­werder, München, Naumburg, Posen, Stettin, Zweibrücken ausgesprochen haben. Gegen die Errichtung haben gestimmt die Anwaltskammern beim Reichsgericht, zu Breslau, Col­mar, Dresden, Frankfurt, Hamburg, Jena, Köln, Nürnberg, Oldenburg, Rostock. Ein vom Referenten aus gearbeiteter! Entwurf, der in Anlehnung an das Reichsversicherungsgefetz die Gewährung von Ruhegehalt, Witwen- und Waisengeld, auf den Bedürfnisfall beschränkt, wurde bisher abgelehnt von den Vorständen der Anwaltskammern beim Reichsgericht, zu Frankfurt, Hamburg, Kiel, Königsberg, Posen, Marien- weroer, gebilligt von den Vorständen der Anwaltskammern zu Darmstadt und Hamm.

Engländer «ud Buren.

Nach den letzten amtlichen Meldungen ist die gegen- wärtige militärische Sage in Südafrika folgende: Im westlichenTransvaal operieren Methuen, Fether- stpnhaugh, die jüngst auf ihrem Streifzuge in Klerksdorp angekommen waren, Gilbert Hamilton, Kekewich und Allenby westlich von Rustenburg bei den Magatiesbergen, ohne jedoch' zu einem Gefecht zu kommen. Welcher Burenführer sich ihnen gegenüber befindet, ist nicht ersichtlich. Delarey scheint sich weiter südlich zu befinden. Im östlichen O^ranje- freifloate operiert nördlich der Linie Bloemfontein- Thabanchu Elliots Kolonne, findet jedoch nur geringen Wi­derstand. Südlich der genannten Linie fährt Charles Knox fort, 'die Gegend bis zum Oranje zusäubern"; es scheint indessen nicht, als ob er Kr u ich in gers Kommando v iel hätte an haben können. Vom südwestlichen Freistaate ist schon bekannt, daß Hertzog durch die Zanddrist einen neuen Einfall in die Kapkolonie gemacht hat, doch zusam­men mit Lategans Kommando, das Kitchener auf 8Q Mann schätzt, von Frenchs Kolonne westlich von Colesberg gestellt und über den Fluß zurückgeworfen wurde. Die Nachrichten über die Lage in der Käpkoljonie lauten im allge­meinen für die Engländer ungünstig. Merkwürdig ist, daß nach englischen Meldungen der ganze O r an j e f luß eifrig bewacht ist, obgleich es Burentrupps doch immer wieder gelingt, hinüberz'uschlüpfeu. So kann die Zand- drift nur schlecht besetzt gewesen sein, wenn Hertzog durch sie abermals einen Einfall machen konnte. Von Bethulie giebt es Kitchener offen zu; dort kamen 60 Buren hinüber, um sich bei Lady Grey mit Myburghs Kommando zu ver­einigen. Der Erfolg der Thätigke^ Frenchs in der Kapkolonie ist also bisher, abgesehen von der Zurückdrcmg- ung Kruitzingers, Hertzogs und Lategans, eine wesent­liche V örschlimm erung der Verhältnisse für die englischen Truppen. Die burischen Trupps sind jetzt über den ganzen Westen und Süden der Kolonie verbrettet. Im Transkeibezirke, der an die Südostküste stößt, stehen Buren, die durch Barkley East eingefallen sind; bei Lady Grey in Aliwal North haust Myburgh; weiter südlich ope­riert Theron bei Oudtshoorn mit Geschick; noch weiter südlich macht Schcepers den Versuch, über die Langen Berge in den Bezirr Swellendam einzudringen, der an J)ie afrikanische Südküste heranreicht; endlich zieht in dem nordwestlichen Bezirke Fraserburg der Kommandant Smit herum. Man sicht, die Säub'erungsplolitrk der Engländer ist bisher verunglückt. . ,

Ein Korrespondent derDaily News'< sendet seinem Blatte einen Brief einer Engländerin, die an einen Farmer im Burgersdorp-Distrikt (Kapkolonie) verheiratet ist, Alle unsere Pferde und Maulesel sind uns von den englischen Behörden weggenommen worden, so schreibt die Dame. Eines Tages tarn eine Abteilung englischer Truppen auf, unsere Farm. Tic Soldaten lagerten in unserer Nähe und be­gannen sofort, unser Geflügel, Schweine und Schafe zu schlachten. Sie nahmen die Pfähle aus der Umfriedigung und verbrannten fie. Tann nahmen sie alle unsere Küchenutensilien uno eine Uhr im Werte von über 300 Mk., sowie allen im Hause befindlichen Proviant. Die Einge­borenen, die im Lager waren,' wurden geradezu ge­mein gegen mich und meinen Mann. Und als wir uns beim Kommandanten beschwerten, erklärte er, er könne keine V e r a n t w o r t l i Q) k e i t übernehmen. Schließlich benutzten die Soldaten unsere Thüren und Fensterrahmen als Feuerholz und sogar die Umfriedigung des bebauten Landes. Daun wurden die Pferde in die Felder gelassen.