Ausgabe 
10.9.1901 Erstes Blatt
 
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Bercules-Spiral-Federn

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Are heutige Kummer umfaßt 10 Seiten

D. R. P. 76 912 von

einigen Tagen einen Weißfisch, der dem Verenden nahe war. Dem Tiere war der Kopf und das Bruststück eines Krebses im Rachen stecken geblieben, sodaß es, da keine Nahrungsaufnahme mehr stattfinden konnte, dem Hungertode ausgesetzt war.

fl Niiddingshanseu, 7. Sept. Unter dem Verdachte, den am 8. August hier stattgehabten Brand angestiftct zu haben, wurde heute der aus Dreihausen im Kreise Marburg stam-

Wagener & Schilling

Oberkauf ungen tragen. Diese Einlagen sind nach allttt Seiten biegsam, unzerbrechlich und rostfrei. Man verlange airSdrüSltch nut* CorselS oder Mieder mit Stemprlr

Wagener L Schillingsche

Hercules-Spiral-Einlagen, oder

Hercules-Spiralen D.B.P.76912 ur Ueberall zu haben.

mende Arbeiter Adam Schleich verhaftet. Er hatte ein > Ibjahriges Bürschchen von hier dazu veranlaßt, Briefe an die Staatsanwaltschaft zu Gießen zu schreiben, in. denen er andere der Brandstiftung bezichtigte, um einen etwaigen Argwohn von sich abzulenken. Glücklicherweise hat man aber den ge­riebenen Gauner, der wegen Wilddieberei und Meineids schon vielfach vorbestraft ist, durchschaut und in Nummer Sicher gebracht.

x Kefenrod bei Büdingen, 8. Sept. Einem dringenden Bedürfnisse wird gegenwärtig in unserer Gemeinde abgeholsen. Ein neuer Schulbau ersteht an Stelle des alten unzweck­mäßigen Gebäudes, der neben einem geräumigen Schulsaal auch eine zweckmäßig eingerichtete Lehrerwohnung enthalten wird. Der Rohbau wird den Winter über stehen, um im nächsten Jahre fertig gestellt zu werden.

-n. Aus dem Vogelsberg, 7. Sept. In einem Dorfe des hohen Vogelsberges passierte vor Kurzem folgendes Ge- schichtchen: Ein Hausbesitzer wollte einen Heuschuppen an seine Hoftaite bauen. Da jedoch das anstoßende Gelände der Gemeinde gehört, mußte erst zwischen dem Baulustigei^md der Gemeinde ein Kaufvertrag abgeschlossen werden. MZu diesem Zwecke erscheint der Gemeinderat mit dem Bürger­meister an der Spitze auf dem Bauplatz. Dieser wird be­sichtigt und ausgemessen. Die Länge ergibt G Meter, die Breite 4 Meter. Flugs rechnet ein gewandtes Gemeinde­ratsmitglied aus: 6 + 4 = 10, demnach mißt also der Bauplatz 10 Quadratmeter. , Man fordert, bietet und wird einig, und die Baustelle wird für 15 Mk. erstanden. Nebenbei sei bemerkt, daß der Käufer ein Maurer ist und sich höllisch über diesen Kauf ins Fäustchen lachte. Ein gewissen­hafter Gemeindevertreter prüfte jedoch, zuhause angekommen, das erwähnte Rechenexempel und fand, o Schreck, daß man nicht 6 und 4 sondern 6 mal 4 zu rechnen hatte. Flugs wurde der gestrenge Her Bürgermeister benachrichtigt. Jedoch der Käufer erklärte:Gehannelt eas gehannelt!"

Michelbach bei Schotten, 6. Sept. In unserem Dorfe hat sich in diesem Sommer wieder ein empfindlicher Wasser­mangel fühlbar gemacht. Etliche Brunnen trockneten voll­ständig aus; andere, die Eigentum von Hausbesitzern sind, wurden infolge des niederen Wasierstandes verschlossen. Der Gemeindevorstand hat sich daher kürzlich schlüssig gemacht, eine Quellwasserleitung zu bauen. Unterhalb des Gackersteins", etwa eine halbe Stunde von hier entfernt, besitzt unsere Gemeinde einen größeren Hutweidenkomplex mit einer Anzahl ergiebiger Quellen. Gegenwärtig nimmt ein Sachkundiger mit einer Anzahl von Arbeitern dort Wasser­messungen vor. Allem Anscheine nach wird der Bau der Leitung noch vnr Beginn des Winters fertiggestellt werden.

* Eruemumg. Der Großherzog hat denKretsrat de§ Kreises Erbach, Friedrich Fey, zum Kreisrat des Kreises Friedberg und den Beigeordneten der Haupt- und Residenz­stadt Darmstadt, Karl Schliephake, zum Kreisrat des Kreises Erbach mit Wirkung vom 1. Oktober an ernannt.

^Verleihungen. Der Großherzog hat dem Lehrer für Zeichnen und Malen an der Technischen Hochschule, Maler Albert Hartmann aus Michelstadt, den Charakter als außer­ordentlicher Professor erteilt. Das Ehrenzeichen für Mit­glieder freiwilliger Feuerwehren wurde verliehen den Mit­gliedern der fteiwilligen Feuerwehr zu Eberstadt: Ludwig Dächert V., Ludwig Wolf III., Georg Geibel, Georg Leonhard Meyer III., Thomas Meyer II. und Adam

jeder Familienvater

sollte darauf sehen, daß seine Frau und Töchter im Interesse ihm

Gesundheit nur BSieder oder Corseta mit

Arbeiterbewegung.

Pittsburg, G. Sept. 500 Arbeiter nahmen in der Stahk- röhrenfabrik von MäeKeespott die Arbeit wieder auf.

New-Aork, G. Sept. Da die streikenden Arbeiter allenchalben zurückebren, beschloß der Stahltrust die Oeffnung aller Werke.

gemacht worden; > wurden beim Bau der Bottbtirchie wertvolle antike Gegenstände aus gegraben.

* New-York, 5. Sept. Eurer der bekanntesten Fr« guren desfernen Westens", Samuel Strong, ein Berg­werks-Millionär, ist kürzlich in einem Spielhause in Cripple Creek erschossen worden. Er hatte vernommen, daß sein Schwiegervater mit dem Lrpielhalter Grant Crum­ley beim Roulette in einen Worttvechsel verwickelt worden war und daß die Gefahr einer Schießerei vorliege. Als, Slrong in die Spielhalle eintrat, hatte es schon Handgrei^ lid;leiten gegeben, indessen hatte keiner der Beteiligten geschossen. Um für alle Fälle gerüstet zu sein, hatte der Millionär schon draußen seinen Revolver gezogen, in­dessen sollte ihm diese Vorsichtsmaßregel gerade zum Ver­derben werden, denn, sobald Crumley seiner ansichtig ward und sah, daß er den Revolver in der Hand hielt, riß er eine doppelläufige Flinte hervor, und schoß ihn durch den Kopf. Der Sprlhalter stellte sich dann den Behörden und eS ist mögli. , daß er freikvmmt, da die dLotwehr- Theorie, die er aufstellt, unter diesen Umständen sehp plausibel klingt. Strong war vor zwölf Jahren noch Ver­käufer in einem Cllenwarengeschäft in Denver. Er ging dann als Prospektor ins Gebirge und entdeckte nach vielen Fährnissen die Viktor-Goldmine, die ihm 10 Mill. Dollars gebracht hat. Er war erft 43 Jahre alt und hatte sich vor kurzem verheiratet.

Knieß II.

" Pensionat zur Ausbildung von Töchtern des deutschen Adels für das praktische Leben. Der Vorstand der deutschen Adelsgenossenschaft teilt imDeutsch. Adelsbl." mit, daß das von der Genossenschaft errichtetePensionat zur Aus­bildung von Töchtern des deutschen 2ldels für das praktische Leben" am 1. Oktober ds. Js. von Werdorf nach Rieder- Ofleiden (Station der Ohmthal-Bahn) bei Marburg in Oberhessen verlegt und mit der dort bereits bestehenden wirt­schaftlichen Jrauenschule vereinigt worden ist. Anmeldungen und Anftagen über Aufnahmebedingungen, Hausordnung, Arbeitsplan u. s. w. sind an die Oberin der wirtschaftlichen Jrauenschule zu Meder-Ofleiden (Post Homberg a. d. Ohm), Baronin Schenck zu Schweinsberg) zu richten.

** Pflege der Ohren. Eine sorgsame Ohrenpflege bei Kindern ist für Eltern und Erzieher ein überaus wich­tiger Gegenstand, da sich erfahrungsgemäß infolge von Außerachtlassung einer solchen zahlreiche, tiefgreifende Ohrenerkrankungen entwickeln können. Die Pflege des Ohres hat schon in den ersten Lebenstagen zu beginnen, da das Gehörorgan der Neugeborenen, infolge seiner eigen- tümlichen anatomischen Verhältnisse, durch äußere Einflüsse leicht erkrankt. Bei der üblichen Methode des Badens der Säuglinge kann durch das öftere Eindringen von Wasser in den äußeren Gehörgang eine Entzündung hervorgerufen werden; desgleichen kann während des Badens durch das Einschlürfen von Wasser in Nasenöffnüngen die Flüssigkeit durch die bei kleinen Kindern noch kurze und weite Ohren­trompete eindringen, und eine mit Zerstörung des Trommel­fells verbundene eitrige Entzündung des Mittelohres ver­ursachen. Daraus ergiebt sich, daß beim Baden der Säug­linge der Kopf derselben derart in erhöhter Lage zu halten ist, daß das Wasser weder in das Ohr, noch in die Nasenhöhle eindringen kann. Da angeborene ober nach der Geburt entstandene Schwerhörigkeit oder Taubheit im ersten Lebensjahre häufig übersehen wird, so empfiehlt es sich, in einiger Entfernung hinter dem Rücken deS Kindes zu pfeifen und zu singen; ein Kind mit normal entwickeltem Hörvermögen wiro den Kops nach der Stelle, von welcher das Geräusch kommt, hinzuwenden trachten. Wird nach öfterer Wiederholung dieses einfachen Versuches das Fehlen jeder Bewegung des Kopfes konstatiert, so müssen sorg­same Eltern sofort einen Arzt konsultieren, weil die Ge- hörshörungen bei einer möglichst frühen ärztlichen Be­handlung nicht selten gute Heilresultatc geben; bei Nicht­beachtung der Gehörstörungen können sich aber bleibende Veränderungen entwickeln, welche später eine Heilung der Schwerhörigkeit aus schließen. Die Eltern müssen ferner beherzigen, daß in normalem Zustande die Atmung bei Kindern schts durchs die Nase geschieht, daß daher das an­haftende Aftnen durch den geöffneten Mund auf eine krank­hafte Verhinderung der Nasenatmung hinweist. em­pfiehlt sich bei längerer Tauer der verhinderten Nasen­atmung durch genaue ärztliche Untersuchung das Hindernis feststellen und beseitigen zu lassen; letzteres wird meist in chronischen Nasenkatarrhen bestehen, und ihre Heilung ist insofern von großer Bedeutung, als die mit jener Affektion behafteten Kinder nach den Ergebnissen neuerer Forschung denkfaul sind, und eine große Unlust zum Lernen an den Tag legen, und als diese Symptome nach Heilung des.Katarrhs schwinden.

sh Butzbach, 8. Sept- Zum Besten der Wiederher­stellung der hiesigen Stadtkirche fand heute ein äußerst zahlreich besuchtes Kirchenkonzert statt. Es war die zweite' Veranstaltung zu dem genannten Zwecke. Hatte uns vor einigen Wochen der Gießener gemischte Chor in dankenswertester Weise bei einem liturgischen Gottes­dienste durch passende Vorträge erfreut, so wußte sich heute die unter der vorzüglichen Leitung des Lehrers Kammer stehende Chorschnle unter der Mitwirkung aus­wärtiger und hiesiger Kräfte beste Anerkennung zu er­werben. Sowohl der Grell sche Chor:.Himmlischer Tröster", als auch der Klein'sche packend wirkende Psalm oder der Chor (mit Sopransolo) von Bartniansky, wie endlich das melodiöse, innige Mendelsohnsche Duett:Tas ist der Tag des Herrn" lieferten den Beweis für den regen Fleiß des Dirigenten und des Chors. In S. Gro ß- kops (Frankfurt a. M.) lernten wir einen Geiger kennen, der' sein Instrument in jeder Weise beherrscht. Die von ihm gewählten Piecen gaben ihm Gelegenheit, bei aller­größter Neinheft' der Intonation sowohl den großen, weichen Ton, wie ihn manche deutsche Meister fordern,, als auch inniges Versenken in die melodiösen Weisen italieni­scher Schule zu zeigen. Fräulein Luise Weidmann und Fräulein Johanna Wendel (beide von hier), erstere mit einer volftönigen Alt-, letztere mit einer anmutigen und doch kräftigen Sopranstftnme begabt, wußten, indem sie dem fein zusammengestellten Programm liebliche Bereicher­ung zu teil werden ließen, sich die zahlreiche Zuhörerschaft zu innigstem Tanke zu verpflichten. Der Organist der .St. Markuskirche, Lehrer Wehrh eim, zeigte sich sowohl mit den ewig schönen Formen eines I. S. Bach, als auch mit den an Wagner gemahnenden Werken neuerer Orgel­komponisten vertraut. .Als Begleiter wußte er sich ge­schickt den Stimmen der jugendlichen Sängerinnen anzu­passen. Alles in allem war es eine schöne wackere Leistung. Dem Fonds zur Renovation der Kirche konnten über 200 Mark zugeführt werden.

§ Schotten, 7. Septbr. Gegenwärftg wftd das hiesige Rathaus, ein historisches Denkmal, unter sachkundiger Leitung einer gründlichen Renovation unterzogen. Das Holzfachwerk ist noch in gutem Zustande.

x Bleichenbach, 7. Septbr. Hiesige Fischer fingen vor

Vermischtes.

Hamburg, 6. Sept. Nach einer demHamb. Korr." vom hiesigen Generalkonsul der Republik San Sal­vador mitgeteilten Depesche brach am 3. September abends in San Salvador in der Straße, wo sich die Artilleriekaserne und das Wohnhaus des Präsidenten befinden, Feuer aus, das erst nach größter Anstrengung von Militär und Bürgern gelöscht werden konnte. Fast alles Kriegsmaterial, das sich in der Kaserne befand, wurde gerettet. Die Ruhe der (Stadt ist nicht gestört; die Geschäfte nehmen ihren regelmäßigen Gang.

* Köln, 3. Sept. Heute Nachmittag spielte sich hier­in einem Hause am Burghöfchen ein Liebesdrama ab. Ein achtzehnjähriges Mädchen weilte bei ihrer verheirateten Schwester auf Besuch. Gegen 3 Uhr erschien plötzlich ihr Bräutigam, 'der hier in Köln bei der Infanterie dient, schoß unter dem Ruf:Du Ungetreue", auf die Braut und brachte dann sich selbst eine Schußwunde bei. Beide Personen sind schwer verletzt.

* Nach Schema F. Durch Anschlag auf dem Haupt­bahnhofe in Thorn wurde dieser Tage bekannt gegeben, daß in der Güterexpedition drei Citronen öffentlich ver­steigert werden sollten. Das Publikum glaubte zunächst. an einen Schreibfehler und eilte in hellen Haufen zu der Auktton. Hier wurde den Erschienenen der Inhalt des Anschlags als richtig bestättgt; denn es handelte sich in der That nur um drei Citronen, die als herrenloses Gut in einem Güterwagen vorgefunden und vorschriftsmäßig abgeliefert worden waren. Bei der nun erfolgenden Auktion wurde das seltene Fund­objekt einem Beamten für 15 Pfg (!) zugeschlagen.

* Ueberbrettl"-Grafen nnd Barone werden ge­sucht. Das folgende Inserat war am Sonntag, den 1. d. M. in einer hiesigen Zeitung zu lesen, das, wie die Nennung der Firma erweist, keineswegs von einem müßigen Witzbold, son­dern von einer beschäftigten Agentur herrührt:

Verarmter

Graf oder Baron, der ein wenig dichten kann, für Ueberbrettl- Tonrnöe gesucht. Fritz Unger, Schillingstr. 2. II. [105015]

Dieses Kulturbildchen bedarf keines Kommentars.

* Wien, 6. Sept. Ein Römergrab wurde mitten in Wien in der Nähe der Votivkirche bei dem Dotivparke in der Universftätsstraße aüfgefunben. Längs des Park- gftters wird dort die Kabellegung der Elektrizitätswerke vorgeNommen. Ter Inspektor Nowalski de Lilia hatte bei den Crdarbeiten Ziegelshucke bemerkt, welche er als römi­schen Ursprunges erkannte. Mit Vorsicht wurde nun der Schacht erweitert, und man Meß äuf ein römisches Grab. 80 Zentimeter unter dem Niveau rft es angelegt. Es ist ein einfaches Römer grab und dürfte einer Zivilperson als letzte Ruhestätte gedient haben. Es ist 190 Zentimeter lang, 40 tief und 40 breit. Die Seftenwände und der Boden sind aus Mauerwerk und gebrochenem Ziegelstein zusammengefügt. Den Teckel bildeten Ziegelplatten mit dem FabrikzeichenSabinus". Der zwefte Name ist nicht zu entziffern gewesen. Im Grabe lag das Gerippe der Leiche, das noch ziemlich gut erhalten war. Bei dem Skelett fand man eineFibula" (eine römische Spange, welche die Toga der Römer zusammenhielt). Sie ist aus Bronze und mit Ornamenten aus Silber schön geziert. Ferner fand man eine 3 Zentimeter lange Nadel aus Bronze. Tie Bauart des Grabes, die Inschrift der Ziegelsteine und die Arbeit der Fibula lassen schließen, daß das Grab aus dem 2. Jahrhundert nach Christi Geburt stammt. Die Bau­art ist bisher selten in Wien beobachtet worden, -^n der Räbe des Grabes sind schon wiederholt römische Funde

Iandwirtschast.

Bingen, 7. Sept. In der Umgebung von Bingen ist man schon in verschiedenen Gemarkungen mit der Lese des Früh- burgunders beschäftigt. Täglich kommen Wagen mit Most hier an. Der Behang der Stöcke ist ziemlich reichlich, die Qualttat gut Es sind Mostgewichte bis zu 85 und 90 Gr. nach Oechs.le festgestellt worden. Von den Verkaufspreisen verlautet sehr röemg; in Gensingen wurden 24 Mk. für die Aiche be$ai)lf.

Büdingen, 8. Sept. Gegenwärtig ist man mit der Aberntung der Aepfel an den Staatsstraßen beschäftigt. Zumeist sind es frühe Sorte, prächttges Tafelobst, das reichlich Abnchmer findet, zu­mal die Obsternte nur strichweise eine ergiebige ist. #ur Kelter-- obst werden 12 Mk. bezahlt, für Tafelobst je nach Sorten ent­sprechend höhere Preise.

Für die Redattion verantwortlich i. V.r R. Dittmann.

Gerichlssaal.

b. Gießen, G.Sept. Ein gefährlicher Einbrecher ist der Dienst» knecht Peter Jüngel von Lehnheim. Bereits viermal wegen chwercn Diebstahls vorbestraft, brach er auf einer Mühle bei Wettev­eld ein und stahl daselbst Wuflt, Kleider und Schuhe. Unterwegs nahm er noch eine Hose mit. Bei einem wieder auf der Alühle versuchten Einbruch ivurde er ertappt. Das Urteil lautet, da der Angeklagte geständig ist, nur auf 2 Jahre 9 Monate Zuchthaus, Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf 5Jahre.unc> Stelllmg unter Polizeiaufsicht. Hmter verschlossenen Thüren wurde dann gegen zwei Gärtner wegen Sittlichkeitsverbrechensverhandelt. DieVer- Handlung endete mit Verurteilung beider Angeklagten zu 3 Monaten Gefängnis und zu 3 Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust. Gin Fahrraddieb ist der Philipp Damm von Reiskirchen. In An­betracht seines Geständnisses erhält er nur 8 Monate Gefängnis. Ein Kaufmann hatte sich einer Urkundenfälschung schuldig gemacht, indem er in einem Schreiben, in dem Erhöhung seines Gehaltes vorgeschlagen wurde, die Zahl änderte. Er erhalt 3 Monate Ge­fängnis.

Das Recht auf daS Telephon. Eine für Vermieter rote für Mieter wichtige Entscheidung hat das Landgericht zu Ostroroo lPosen) gefällt. Lin dortiger Mieter beabsichtigte, sich zu geschäft­lichen Zwecken den Telephonanschluß Herstellen zu lassen. Der Wttt weigerte sich, der Postverwaltung gegenüber seine Zustimmung zu der Herstellung des Femsprechanschlusies zu erklären, während; ivie bekannt, ohne eine solche Genehmigung des Hausetgentümers die Post dem Anträge auf Bewirkung einer solchen Verbindung nicht stattgiebt. Der Mieter wurde gegen seinen Hauswirt klagbar. Tie Weigerung des Beklagten berrchte auf der Besorgnis, daß durch Anlage des Fernsprechers fein Haus der Blitzgefahr in üermehrtem Umfange cmsgajetzt fein würde; diesen Grund wollte der Kläger aber nicht gelten lassen- Er bezeichnete das Verhalten des Be­klagten vielmehr als Chikane, da alle anderen Hauseigentümer am Orte die von ihren Mietern erbetene Zustimmung ohne Weiteres erteilt hätten. Das Landgericht m Ostrowo erkannte auf Abweisung der Klage unter folgender Begründung: Der Vermieter ist ver- pflichtet/dem Mieter die Wohnung zu dem vertragsmäßigen, bezw. zu dem verkehrsüblichen Gebrauche zu Überlassen und sie in ent­sprechendem Zustande während der Däuer des Mietverhältmsses zu erhalten. Es fragt sich also, ab für einen Geschäftsbetrieb höherer Art und größeren Umfanges in emer Stadt von 12000 Einwohnern das Vorhandensein eines Telephons als erforderlich zu erachten ist oder nicht. Das Landgericht hat in Erwägung gezogen, daß zur Zeit des Vertragsabschlusses eine Fernsprechstelle am Otte noch nicht bestand, daß auch zurzeit der Klageerhevung die Einttchtung erst im Entstehen begriffen war, und daß bis dahm nur ganz ver­einzelte Anschlüsse stattgesunden haben. Unteil solchen Umständen war es der Meinung, daß von einemgemeingewöbnlichen" Ge­brauch einer Fernsprecheinrichtung zurzeit noch nicht die Rede sein könne, und daß regelmäßig cm zwingendes Bedürfnis hiernach in einer so kleinen Stadt mit geringen räumlichen Entfernungen nicht anerkannt zu werden vermöge. Anders läge die Sache, wenn da§ Mietsgrundstück sich in einer großen Städt befände, m der aHent* halben Geschäfte von einiger Bedeutung eine Telephonverbindung besitzen, so daß man ohne Weiteres auch annehmen könne, der Vermieter werde den bestehenden Gepflogenheiten und den aus ihnen vielleicht erst entwickelten Bedürfnissen Rechnung tragen und die Herstellung eines -Anschlusses zulassen. Im Streitfälle müffe erst abgewartet werden, ob die Benutzung des Telephons sich so aUgemcm erweise, daß das Fehlen eines solchen als Erschwerung im Geschäftsverkehr angesehen werden müße.