Ausgabe 
7.4.1901 Drittes Blatt
 
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von Nieder- Heute nach- Die anderen

Jahre wird Oekonomie-

Quelle VII, blieb am 2. April aus, infolge chlägen und wegen anderweitiger Bohrungen, mittag 6 Uhr ist er wieder zutage getreten. Quellen sind intakt.

x Breungeshain, 5. April. In diesem fier eine neue Forstwartwohnung mit

der Börse mehr und mehr entfremdet werden. Das mag dieser allerdings schmerzlich sein, wird aber von den außer­halb der Börse stehenden Kreisen nicht ohne Befriedigung vermerkt werden.

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Da neunte Kor folofllc ftnbrt »om x Lektor der raslimm Sinn eu§ Bristol t hrtm in Berlin, ei bi ung der stondesar btr Fröbel'schen Kind i !ntn 70. G.'öurtstak Dr. Fr. Schultze am *ii da Technischen l Hyzlmischm Institut i ber Berliner Unimi .immnl worden. - i u. c. PMn du i Wien eMimt. - De da deuischen Mvuft Professor du koWch - Wie aus Wim di mann als PrivNdo Hein als Prioatdoze Wtn, des Konzipist Wellfpacher als Pi Dr. L Wenger als vrrstlSt Graz bestät Fralüfmterin, Frl. ] bürg i. B. alö eine Serzitnvm ihr Staats

Zur Abberufung des russischen Geschwa- ers aus Toulon wird uns aus Berlin, 5. April,

gebäuben erbaut.

-h- Usenbor«, 5. April. Die Erdarbeiten zum Schul- auSneubau haben begonnen; das Gebäude will man bis

zam Herbste im Rohbau stellen.

-1. Hirzenhain, 5. April. Bekanntlich ging vor einiger Zeit die sogenannte Hofmühle in den Besitz der Firma ClooS-Nidda durch Kauf über. Nunmehr hat das ganze Anwesen der hiesige Geh. Bergrat Buderus von genannter Firma angetauft. Zurzeit werden die Räume zu maschinellen Betrieben hergerichtet. Wie verlautet, sollen in dem Gebäude Parquetböden verfertigt und außerdem eine Holzschneiderei mit Dampfbetrieb errichtet werden.

-h- Ortenberg, 4. April. Am 1. d. M. trat der lang­jährige Rechner der hiesigen Spar- und Lechkasie (Ludwig- und Mathildenstiftung) in den wohlverdienten Ruhestand. Zein Nachfolger ist der Gehilfe des Herrn Roth, Georg Pfeifer von hier. Von verschiedenen Nachbargemeindcn war Roth auch Gemeinderechner und hat diese Aemter mit Beginn dieses Monates ebenfalls niedergelegt. Die freige­wordene Rechnerstelle in dem benachbarten Eckartsborn wurde )em Landwirt Louis Lentz übertragen.

Darmstadt, 4. April. Zu dem Bericht über die gestrige Audienz der Abordnung der Darmstädter Handelskammer beim Staatsminister Rothe, bemerkt man derFrkf. Ztg." noch, daß dem Empfang außer dem Staatsminister, der Geheime Staatsrat von Krug beiwohnte, der vermutlich )ie hessische Regierung in der Zolltariffrage beim BundcSrat tu erster Linie vertreten wird. Bemerkenswert ist noch, daß der Staatsminister es alsselbstverständlich" bezeichnete, daß die hessische Regierung für den Abschluß günstiger Handelsverträge eintreten wird. Gleich­zeitig sei ein sinnstörender Irrtum richtiggestellt, der in dem Bericht unterlaufen ist. ES muß heißen, die Erhöhung (der andwirtschaftlichen Realschulden) könne ebensowohl zre Erklärung finden in der Verwendung der aufgenommenen Gelder für Meliorationen und sonstige Verbesserungen und Erweiterungen der landwirtschaftlichen Betriebe, wie auch in bezahlten und nicht gelöschten Hypotheken. Gemeint war damit, daß wohl die neu hinzukommenden Hypotheken stets gerichtlich eingetragen würden, dagegen die Löschung etwa abgezahlter Hypotheken von den Landleuten erfahrungs­gemäß vielfach unterlaffen würde, und zwar einesteils aus Bequemlichkeit, dann aber auch namentlich um der Steuer­behörde nicht allzu leicht und gründlich Einblick in die Der« rnögenSverhältniffe zu gewähren.

Frankfurt, 5. April. Ein in verschiedener Hinsicht be- merkenswerter Prozeß kam vor dem 1. Strafsenate des Reichsgerichts zur Verhandlung. In einem hiesigen Blatte hatte der Rechtsanwalt Dr. Gustav Ohlenschlager ein Eingesandt veröffentlicht, durch daS sich die Eisenbahn- direktion Frankfurt beleidigt fühlte. Das Landge­richt Frankfurt a. M. hat den O. am 25. Januar wegen Beleidigung zu 50 Mk. Geldstrafe verurteilt und ange- ornmen, daß er zwar berechtigte Interessen vertreten, aber durch die gewählte Form seine Absicht zu beleidigen zu er- ennen gegeben habe. Der Angeklagte war eines Sonntags über Wiesbaden nach Schwalbach gefahren, und hatte beob- achtet, daß sowohl in Frankfurt als auf späteren Stationen bei weitem zu wenig Wagen in den Zug eingestellt waren, sodaß durch nachträgliches Einstellen eine bedeutende Zugver- spätung mit den obligaten Folgen eintrat. Der Rechts­anwalt führte folgendes aus: Wenn der Angeklagte der Re­daktion auch gestattete, die Form des Artikels zu ändern, so konnte ihn das nicht schützen. Bedenklich erscheint aber die Annahme des Landgerichts, daß der Angeklagte in der Form zu weit gegangen sei. ES ist nicht gut denkbar, daß ein Mann, der den Mut hat, mit feinem Namen in die Oeffent- lichkeit zu treten, die Absicht gehabt haben soll, zu beleidigen, und sich mit sehenden Augen einer Beleidigungsklage auSzu- setzen. ES gehört doch ein gewisser Mut dazu, im Jntereffe des Publikums einen Mißstand öffentlich zu rügen und zwar mit voller NamenSunterschrist. Ts ist in Deutschland eine Seltenheit, daß jemand bei derartigen Gelegenheiten nicht anonym bleibt. Eine beleidigende Form ist in dem inkri- minietten Artikel nicht zu finden. Er enthält lediglich den Vorwurf, daß die Eifenbahndirektion ihre Verpflichtungen nicht in genügender Weise erfüllt habe. Wie sollte der An­geklagte diese Behauptung anders als geschehen zum Aus­druck bringen? Daß der Angeklagte die Eisenbahndirektton in einen Gegensatz zu anständigen Geschäftsleuten gebracht habe, wie das Landgericht meint, ist auch nicht zutreffend. Dem Anträge des Reichsanwalts entsprechend erkannte das Reichsgericht auf Aufhebung des Urteils und Zurück- Verweisung der Sache an das Landgericht.

schlossen sich im Altar ein, anstatt dem Gemetzel mit dem kreuze in der Hand ein Ende zu machen. Tie Schutz­leute packten' die Mädchen bei den Haaren und schlugen ihnen die Köpfe wider die Kirchen­wände. Eine Anzahl Studenten brachen in die Kirche ein und versuchten, die unglücklichen Mdchen zu befreien. Ein Student des technologischen Instituts, der durch die Kosaken von seinen Kameraden abgeschnitten war, versuchte, durch den Kordon zu brechen, als er seinen eigenen Bruder unter dem Totschläger eines Schutzmanns mit zersplittertem Schädel dicht vor sich fallen sah, während Blut und Gehirn ihm über die Schultern und das Gesicht spritzten. Er wurde auf der Stelle wahn­sinnig. Sein Anblick war furchtbar; noch furchtbarer war es zu sehen, wie er mit wahnsinnstieren Augen in wilder Wut sich selbst Stücke Fleisch vom Körper riß und diese nach den Kosaken warf. Alle an­wesenden Studenten waren so ergriffen, daß sie weinten und schluchzten, und viele bekamen hysterische Anfälle. Nicht ein einziger Augenzeuge war später im stände, die Geschichte vor Thronen zu Ende zu erzählen."

Bestanden haben die höhere Verwaltungsprüfung für Post und Telegraphie: der Postsekretär Däsch in Bad- Nauheim; die Assistentenprüfung: der Postgehilfe Feller in Hungen. Freiwillig ausgeschieden ist: )er Postanwärter May in Alsfeld.

Bad Nauheim, 4. April. Der große Sprudel

Vermischtes.

Berlin, 4. April. Gestern hat sich der 27 Jahre alte, aus Warschau gebürtige Gerichtsreferendar Her­mann Tomaszewski, der in der Linkstraße ein möblirteS Zimmer bewohnte, erschossen. Der junge Mann, der dem­nächst baß Affefforenexamen machen wollte, lebte so flott, daß er auch mit den reichlichen Mitteln, die ihm seine Eltern zu- kommen ließen, nicht anSkaw. Erst gegen Abend wurde die That entdeckt.

Berlin, 5. April. Einem furchtbaren Ber- brechen ist, wie ans Breslau gemeldet wird, der früher in Breslau wohnhaft gewesene Generaldirektor Stephani,

Aus Stadt und Land.

Sieben, 6. April 1901.

* Perfonalverändernngen im Ober - Psstdirektiousbezirke Darmstadt, v e r s etz t s i n d: der Ober Postassistent Hölscher von Erfurt nach Gießen, der Postasfistent LucaS von Gotha nach Gießen. Angenommen sind: als Postam wärter: die Sergeanten Klaus und Küchle in Friedberg, die Vizefeldwebel Nemitz in Lauterbach und Schäfer in Alsfeld; als Telegraphengehilfinnen: Elisabeth Engel, Franziska Sirschftein, Sophie Staubach und Lucie Steigerwald in Main,. Angestellt sind: die Postasfistenten Keutzer in Alsfeld, Schulz in Butzbach, Heumüller in Friedberg, Heck und Lang in Gießen

Politische Tagesschau.

Tas glänzende Resultat der Subskription auf dieneue Reichsanleihe hat die Börse ziemlich kühl gelassen. Es konnte ja schließlich auch nicht überraschen, daß das Anlagebedürfnis zur Zeit sehr lebhaft ist. Ihre gleich- acktrge Haltung begründen die Herren Finanziers damit, daß sie dies Ergebnis der Subskription in der Hauptsache auf starkeKonzertzeichnungen" zurückführen. Zugegeben, daß Kapitalistengruppen große Posten der neuen Anleihe lediglich zu spekulativen Zwecken erwerben wollen was beweist das in diesem Falle- Tiefe Erscheinung laßt sich doch bei vielen Emissionen beobachten und hat recht oft zur Befestigung der Börsentendenz beigetragen. Die viel­fache Ueberzeichnung hätte umsomehr Eindruck machen müssen, als bekannt wurde, daß bei der Zuteilung vor­nehmlich die kleinen Zeichnungsbeträge berücksick-ltigt wer­den sollen. Doch die Börse zieht daraus einen anderen Sckstuß, und zwar den, daß das Pcivatpublikum in steigen­dem Maße den soliden Anlagepapieren vor Spekulations- Worten den Vorzug giebt, wodurch diezweiten Hände"

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Politische Ostern.

Osterfriede! Die Parlamente sind in den Ferien, und über allen Wipfeln ist Ruh'!"

Sehen wir heute auf die Leistungen des Reichstags zurück, so müssen wir sagen, im Verhältnis zu dem Auf­wand an Zeit und Lungenkraft ist bisher recht wenig geschehen. Wie sonst haben natürlich die Etatstitel aus die Redelust aureizend gewirkt, und im übrigen boten eigent­lich nur die Debatten über die auswärtige Politik, die ihren Reiz durch das persönliche Eingreifen des neuen Reichskanzlers erhielten, einige Lichtpunkte. Die eigentliche Hauptfrage, die alle bewegt, die Frage nach der Gestaltung unserer tünjtigen Handelsvertragspolitik, wurde zwar oft genug gestreift, aber was die Zukunft bringen wird, kann noch niemand Vorhersagen: selbst die heftigsten Stürmer und Dränger müssen einstweilen, so gut es geht, ihre Ungeduld meistern. Und zwar voraussichtlich noch ziem­lich lange; denn vor dem Herbst ist der neue Zolltarif kaum zu erwarten.

Inzwischen harren des Reichstags noch w ich t i g e Auf­gaben genug. Keiner von den eingebrachten Gesetzent­würfen ist bisher zur Verabschiedung gelangt: die Novelle über die Gewerbegerichte, das Gesetz über das Urheber­recht, das Privatversicherungsgesetz, die Weingesetze, die Seemannsordnung u. a. bedürfest dringend der Erledigung. In Preußen ist es zudem die K a n a l v o r l a g e, deren dunkles oder heiteres Los noch gänzlich im Zukunftsschoße richt, und bei uns zu Lande die neue Wahlgesetzvor­lage und die Vorlage betr. den Denkmalschutz, die in erster Linie der Erledigung harren. Wir müssen ge­stehen, die augenblickliche politische Lage unsere sGroß- herzogtums wird z. Z. von größeren Gesichts­punkten beherrscht als in irgend einem anderen deutschen Lande.

Werden die Feiertage weder durch Waffenlärm noch durch laute diplomatische Erörterungen gestört werden - Man darf es wohl hoffen. Im Jahre 1897 begann Ostern der kurze griechisch-türkische Krieg; 1898 wurde die Auseinander­setzung zwischen Nordamerika und Spanien zu dieser Zeit akilt; 1899 wetterleuchtete es zwischen England und Frank­reich, und im vorigen Jahre bereiteten sich die Schwierig­keiten in Ostasien vor, denen man jetzt Herr zu werden gedenkt, die aber immer noch einen Rest für spätere Ord­nung übrig lassen dürften.

Ter Termin, den Rußland der chinesischen Regierung zur Unterzeichnung des Abkommens über die Mandschurei gestellt hat, ist abgelaufen. China hat sich geweigert, die Konvention zu unterschreiben, und dann wird es und wird man bleiben wie vorher. China behält seine Rechte und Rußland feine Positionen in der Mandschurei, ohne daß dadurch der allseitig gewünschte Abschluß der Verhand­lungen in Peking weiter verzögert zu werden braucht, als es die sonstigen Schwierigkeiten bedingen. Es handelt sich vor allem um die Festsetzung der Höhe der Entschädigungs- Ansprüche der beteiligten Mächte und die Art, wie China die Mittel zur Befriedigung der Forderungen aufbringen kann. England und Deutschland haben die größten Auf­wendungen gemacht, und es ist begreiflich, daß diese Staaten a >' der Lösung der einschlägigen Fragen in erster Reihe Interesse haben und Wert darauf legen müssen, sich so bald wie möglich über gemeinsame Vorschläge zur Deckung der Kosten zu verständigen. Kolonialdirektor Dr. Stübel ist inzwischen aus London heimgekehrt, und es ist an­zunehmen, daß er dort die strittigen Punkte in einer für Deutschland günstigen Weise erörtert und die Einigung gefördert hat.

Eine Einigung ist wohl auch zwischen den Staats­männern Deutschlands und Italiens bei ihrem jüngsten Zusammentreffen auf italienischem Boden erzielt worden. Zanardelli hatte ja unzweifelhaft kurz vorher einen über­raschenden Anlauf gegen den Dreibund unternommen. Er ist in hervorragendem Maße Franzosen freund, aber die Verhältnisse haben sich stets stärker erwiesen als die Per­sonen, uub die Interessen des Landes, die Italien auf den mitteleuropäischen Bund anweisen, werden Sym­pathien und Antipathien, ja wohl selbst die Dauer des Kabinetts Zanardelli überleben.

geschrieben: . -.

Daß die russischen Panzerschiffe vor dem Eui- treffen des italienischen Geschwaders den Hafen von-voulon verlassen müssen, wird von mehreren Seiten als eine Un- renndlichkeit Rußlands gegen Italien aufgefaßt. Ter Grund dürfte darnach sein, daß man in Petersburg verstimmt darüber ist, weil auch Italien unter den Mächten sich befindet, die gegen den (gescheiterten) M a n d s ch u r ei - v er trag Rußlands mit China bei der chinesischen Re­gierung Einspruch erhoben haben. Die Annahme entbehrt nicht der Wahrscheinlichkeit: Niemand ist empfindlicher als Rußland, wenn ein anderer ihm in die politischen Pläne auch nur hineinredet, und niemand ist rachsüchtiger wegen jeder Störung oder gar Beeinträchtigung. Tas kann oft Jahre dauern, bis Vergeltung geübt wird, aber im ge­gebenen Augenblick erfolgt dieHeimzahlung" mit Zins und Zinseszins. Deutschland hat es zu wiederholten Malen erfahren, wie zäh und langlebig der russische Groll war/ Jede Macht, die in Ostasien Rußland Schwierigkeiten bereitet hat, iwird damit rechnen müssen, daß sievorgemerkt" ist. Nach'Pariser Depeschen hätte die französische Regierung selbst die Erteilung des Befehls an das russische Geschwader als Wünschenswert bezeichnet, um nicht den Anschein zu erwecken, als feiere man den Eintritt Italiens in den Zwei­bund. Wäre die Initiative von Paris ausgegangen, dann würden doch nicht bereits Einladungen an die russischen Offiziere zur Teilnahme an den Festlichkeiten ergangen fein. Nach einer anderen Pariser Meldung sollen der Abberufung Etiketterücksichteu zu Grunde liegen: ein Ausweg ans der angeblich komplizierten Situation, dem italienischen und russischen Admiral gleichzeitig die Honneurs zu machen. Dies Motiv erscheint gar zu harmlos. Man könnte nun ein« wenden, Italien bedeute in China zu wenig, sowohl mili­tärisch (wie politisch, um für Rußland in Betracht zu kommen; aber die russische Maßregel braucht Italien nicht allein zu gelten, sondern sie gilt vielleicht dem Dreibund. Chinas Weigerung, den Mandschurei-Vertrag zu unterzeichnen, wird heute als eine endgiltige zu bezeichnen sein, wobei der Einfluß Japans entscheidend mitgewirkt haben mag. Ta ist denn Rußland nicht in ber Stimmung, mit Italien Feste zu feiern. Auf eine Annäherung Italiens an den Zwei­bund legt man auch wohl in Petersburg keinen Wert; Italien vermag Rußland nichts zu bieten. Auch dies Mo­ment hat vielleicht durch die Abberufung des Geschwaders zum Ausdruck gebracht werden sollen. In jedem Falle ersieht der italienische Ministerpräsident Zanardelli aus dem Ereignis, wie wohlgethan es für Italien ist, den sicheren Anschluß an Deutschland und Oesterreich-Ungarn nicht einem Traum, derVerbrüderung" mit Frankreich, aufzuopfern. DerTimes" zufolge hat Zanardelli in der Unterredung mit Graf Bülow den Wunsch betont, die überlieferte Freund- chaft mit Italien aufrecht zu erhalten. Das Klügste, was er thun kann!

Zur Unterschlagung ber 44 Millionen in ber russischen Reichskasse schreibt ber Petersburger Herold":Eine sehr sensationelle Notiz, die aus der Feder der Herrn L. Buch, eines namhaften russischen National­ökonomen stammt, ist im letzten Heft desWestnik Jew- ropy" (Europäischer Bote") über staatliche Rechenschafts­ablegung erschienen, in der auf die Verwirrung der Conti über den freien Barbestand der Staatsrentei hingewiesen wird. Herr L. Buch ist beim Durchsetzen der Rechenschafts­berichte der Reichskontrolle für die letzten 15 Jahre auf eine sehr merkwürdige Thatsache gestoßen, die übrigens in einem erläuternden Nachtrag zum Rechenschaftsbericht der Reichskontrolle für das Jahr 1899 (der letzte veröffent­lichte Bericht) offiziell erwähnt wird, nämlich: daß seit dem Jahre 1893 bis zum Jahre 1898 inkl. bei Aufstellung der Bilanz der freien Barbestände der Staatsrentei sehr ernste Rechenfehler vorgekommen sind, oder, wie sich Herr Buch ausdrückt, willkürlich gegriffene, fictioe Ziffern, die das allgemeine Resultat einer Uebereinftimmung der Summen des freien Barbestandes mit dem übrig bleiben­den Rest bei Realisierung des Staatsbudgets verstümmelten und entstellten. Den Untersuchungen des Herrn Buch nach wurde der in ben Rechenschaftsberichten ber Kontrolle an­gegebene freie Bar bestaub ungefähr um 44 Millionen Rubel niebriger berechnet, als ber effektive Ueberschuß bes Bubgets betrug, aus bem die Summen des reinen Barbestanbes er­gänzt werben. Das Vorhanbensein wesentlicher Fehler in ben Rechenschaftsberichten ber Reichskontrolle für bie Pe- riobe 18931898 wird u. a. durch die Thatsache erhärtet, daß in der zweiten Oktoberhälfte des vorigen Jahres, als der Rechenschaftsbericht der Reichskontrolle für das Jahr 1899 schon gedruckt war, es wie Herr Buch meldet, für notwendig erachtet wurde, daß der dem Bericht bei­gefügte erläuternde Nachtrag, der in demselben erschienenen fiktiven Ziffern wegen, umgedruckt und verändert werden mußte."

Tie sofort, aber mit der größten Verschwiegenheit ein­geleitete Untersuchung ergab (wie jetzt amtlich zugegeben wird) denn auch in der That, daß von 1893 bis 1898 die Reichs lasse um den erwähnten hübschen Betrag bestohlen worden ist, ohne daß dies während des fünfjährigen Zeit­raumes bemerkt worden ist, ohne daß dies während des fünfjährigen Zeiträumes bemerkt worden ist! Oder doch vielleicht bemerkt? Es heißt, daß sehr,seh rhohePer- sönlichkeiten kompromittiert fein sollen!

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