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30.12.1900 Zweites Blatt
 
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Kabinett

franko Hu

langen Sie in 3li em 3nterenc crii uiiuiebeu> und

1900

150. Jahrgang

Sonntag den 30. Dezember

Meßmer Anzeiger

Henerat-Anzeiger

Amts- rrnd Anzeigeblcrtt fflr den Ttvsis Gieren.

05389] Fräulein itii

Stütze in einem Pjm! 1M"I rbindliche Worte handle, die den Philister rührten Lfferten postlagerni» Äit tiefer Achtung vor seinem Leibblatt erfüllten.

: [Stirn es aber gelte, Maßnahmen im Einzelnen zu treffen,

Hfigkeit Kndal- len zu mment- ^nöchte

Alle Anzeigen-BermittiungSstellen deS In- und LuSlandO nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger cntgeg». ZeilenprciS! lokal 12 Pfg., suSwärtS 20 Bfg.

I.tafctee, Expedition und Druckerei: Fchnlstrahe Ar. 7.

Der widerwärtige Sternberg-Prozeß, der ungeahnte Mtünde auf den verschiedensten öffentlichen Gebieten, ins-

I liefen hat, so ist es allein dies, daß die energische und f Mßllich auch siegreiche Minderheit des Reichstages durch- 7 Ä recht gehabt hat, als sie sich mit allem Nachdruck gegen c irA Erweiterung der polizeilichen Befugnisi e gegenüber 1 H der Unstttlichkeit (hinsichtlich der ja auch erfolgten

Dann aber weiter glaubt irgend jemand im Ernst, daß die Kinder, die ihm geldgierige, gewissenlose Kupplerinnen zugeführt haben, erst auf dem Wege des Theater» oder Schaufensterparagraphen sittlich verdorbenund für Sternberg reif geworden seien? Es ist erwiesen, daß fast alle diese Kinder aus anständigen Familien stammen und bis zu dem Augenblick, wo sie mit der Fischer und dem Sternberg in Berührung gekommen sind, unverdorben waren. Nicht durch unzüchtige Schriften, noch durch Schau­fenster-Bilder noch gar durch Theatervorstellungen find diese unglücklichen Kinder moralisch zu Grunde gerichtet worden, sondern einzig und allein durch Kupplerinnen, denen die Polizei, wenn fie von ihren (übrigens durch die teilweise angenommene lex Heinze bereits erheblich verschärften) Be­fugnissen Gebrauch gemacht hatte, bald das Handwerk gelegt hätte. Es wäre also genau so gekommen, wie die Gegner der eben erwähnten Kunst- und Theaterparagraphen der lex Heinze vermutet hatten: die Kunst und die anständigen Leute wären davon schwer getroffen und in ihrer Beweg­ungsfreiheit eingeengt worden. Kupplerinnen vom Schlage der Fischer und Wüstlinge, wie Sternberg, wären dadurch

Gratisbeilage«: Gießener Zamilienblätter, Der hessische Landwirt, Mütter für hessische DMskundr.

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05381] Kn ä'ilNkiD lährigen guten Zeugnis bei einer einz-Persm^ Meres

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Sternberg.Prozrß und lex Heinze.

Berlin, 27. Dezember.

ult bcm Ausschreitungen eines zügellosen Weltlebens Grenzen ; izichm sollten, dann finde man sich zur Abwehr der drohen- vnimuckerischen Reaktion- gleich wieder zusammen. JJafi sollte denn, fragt dieKreuzzeitung-,die lex Heinze

. Meck' sein, als der gesetzgeberische Ausdruck des aufgerüttelten : Hntl'lchen Gewissens, das sich gegen die durch den Prozeß Sltrnfberg enthüllte Sittenlosigkeit wehrt? Und doch »Mlche Orgien von Wut und Ingrimm hat fie nach sich $ MM! Würde es etwa anders sein, wenn man an der Wind der jüngsten Erfahrungen ergänzend und Lücken auS- f Ämd vorgehen wollte.-

Wir antworten darauf: Nein! es würde hoffentlich i nch (anders sein. Denn nur Mangel an Logik oder Auf- 1 (chig.keit wäre im Stande, den Prozeß Sternberg als neues, > ckrzttugendes Beweisstück für die lex-Heinze oder gar für - tiht Verschärfte lex-Heinze heranzuziehen. Im Gegenteil, > MN dieser Prozeß in Bezug auf die lex-Heinze irgend etwas

Adreffe für Depeschen: Anzeiger Hieß«.

Fernsprecher Nr. 51.

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SjBSÖÄSS- & Ä MS __' L. Pachtungen hierüber angefüllt und Die verschiedensten »"«gungen, Forderungen und Vorschläge werden laut. Es butaeMen tzMalt ü" nicht fehlen, daß sich m diesem Chorus auch die _.Kra»Nirn,g1M1 ger der lex Heinze zum Worte meldeten und den 8ttlti:>erg-Prozeß als einen neuen Beweis für dieses miß- K0 HI adttti gesetzgeberische Erzeugnis der Reichstagsmehrheit MWWM-giltkw machten. DieKreuzzeitung- ist es, die sich M hierzu zum Worte meldete und an den Ernst der chk!v einen Verurteilung des düsteren Bildes, das dieser Zchnmtzprozeß entrollt hat, nicht glauben mag. Eine lange Ksahaung hatte sie gelehrt, daß diese Einigkeit und korrekte . Mmlig insgemein nur so lange dauerten, als es sich um

It. 305 Drittes Blatt

in keiner Weise behindert worden.

Der Prozeß Sternberg bietet sonach nicht die geringste Unterlage für einen neuen Feldzug zu gunsten der abge­lehnten Bestimmungen der lex-Heinze.^M^Gegenteil, wenn irgend etwas geeignet erscheint, dazuthun, so sind es gerade die Enthüll Prozesses, der freilich nach vielen nachdrücklichen Maßnahmen Veranlass lich auch ganz besonders in einer^Hmsichr?

durch besondere Strafbestimmungen Schulkinder g$cn nach­teilige Einflüsse durchunzüchtige" Bilder und Schriften schützen, sie aber vor den vergiftenden Einflüssen von Mitschülerinnen zu bewahren, die iu der Schule eines Sternberg und ein^r Fischer bodenlos verdorben sind, daran hat bisher niemand gedacht. Und doch wäre gerade in dieser Beziehung Abhülfe dringend erforderlich und auch ohne besondere gesetzgeberische Maßnahmen leicht zu erzielen. Ueberhaupt sollten erst einmal alle vorhandenen Mittel zur Bekämpfung der enthüllten Mißstände erschöpft werden, ehe man von neuem nach der Klinke der Gesetzgebung greift.

Gießen eingereicht. Gegen ein ablehnendes Urteil des- Kreisausschusses hatten sie Rekurs eingelegt. In derr heutigen Versammlung wurde ausgesührt, daß eme Ko­lonialwarenhandlung wie das Kölner Konsum-Ge­schäft notwendig Branntwein gewöhnlick?er und fernerer Sorten ausschänken müsse, um die Bedürfnisse der Kund­schaft befriedigen zu können. Zudem bestehe in der Bahn­hofstraße neuerdings ein Mangel an solchen Geschäften. Die Stadtverordneten und das Polizeiamt halten die Bedürfnissrage mit Rücksicht auf zahlreiche in der Nahe befindliche Verkaufsläden und Wirtschaften verneint. Dem­gemäß lautete auch das Urteil des Provinzialausschusscs auf Verwerfung des Rekurses. Einen andern Erfolg hatte das Gesuch des Johannes Rüsing von Gießen um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb im Hause Nr. 80 an den Bahnhöfen. R. besaß früher eine gut gehende Wirt­schaft in der Nähe des sogen.Kohlenstranges" der Main- Weser-Bahn, verlor aber sein Anwesen durch Enteignung. Er siedelte infolge dessen mit seinem Wirtschaftsbetriev- in das frühere Verwaltungsgebäude der MargaretenhuttL über und suchte um Genehmigung nach. Die Stadtver­ordneten sprachen sich bejahend aus, während die .Bürger­meisterei und das Polizeiamt einen ablehnenden Stand­punkt einnahmen. Ihnen schloß sich der Kreisausschil)- in seinem Erkenntnis vom 20. September d. I. an. Dia Schwierigkeit der polizeilichen Ueberwachung war daher in Betracht gezogen werden. Auch hatte die Betrrebs- inspektion Gießen um Ablehnung ersucht, da sie ihren: Arbeitern den Besuch von Wirtschaften während der Ar­beitszeit verboten habe. In der heutigen Verhandlung war der Rekurrent jedoch in der Lage, auf Grund zahl­reicher Zeugenaussagen zu beweisen, daß für seine Wirt­schaft ein wirkliches (auch ohne den Besuch der Bahnarbeiter) Bedürfnis vorliege. Es lautete denn auch das Urteil des Provinzialausschusses auf Erteilung der Konzession. Gleiches Schicksal hatte das Gesuch! des Philipp Erd­man n zu M ü ck e um Erlaubnis zum Betriebe einer Gast­wirtschaft. Mit Rücksicht auf den außerordentlich ge­stiegenen Verkehr an der Station Mücke und den Umstand, daß die vorhandenen Wirtschaften, namentlich zur Unter­bringung der zahlreichen Reisenden, nicht ausreichen, hob das Gericht die ablehnende Entscheidung des Kreisaus­schusses Alsfeld auf und bewilligte dem Gesuchsteller die nachgesuchte Konzession.

Sitzung des Proviuzialausschuffes.

sr. Gießen, 24. Dezember

Die heutige Sitzung des Provinzialausschusses wurde durch eine mehrstündige Beratung eingeleitet, als deren Ergebnis folgende Beschlüsse verkündet wurden: 1. der Fabrik feuerfester und säurefeste r Produkte zu Bad-Nauheim ist die nachgesuchte Konzession zweier Steinbrennösen unter mehreren Bedingungen zu erteilen. Die Kosten des Verfahrens werden dem Rekurrenten ^ur Last gelegt mit Ausnahme der durch die Vertretung der Reklamanten Nauheimer Aerzteverem usw. er­wachsenen. 2. In der Sache: Klage des Ortsarmenver- bandes Hanau' gegen den Ortsarmenverband K le i n- Linden wegen Ersatz von Pflegekosten für Friedrich Engel lautete der Beschluß auf Verurteilung der be­klagten Gemeinde zur Zahlung der Pflegekosten. Eine längere Verhandlung erforderte die Klage de-> Orts­armenverbandes Frankfurt a. M. gegen den Orts­armenverband Wolf wegen Unterstützung der Dienstmagd Köhler. Die Sache hatte schon mehrmals auf der Tages­ordnung gestanden, da mehrfache Vernehmungen zur Fest­stellung des Unterstützungswohnsitzes der rnzwifchen ver­storbenen Köhler notwendig geworden waren. DasUrteil lautete zu Ungunsten der Gemeinde Wolf, welche die nicht unerheblichen Pflegekosten, nebst den Kosten des Verfahrens und einem Averswnalbetrag von ? Mark zu zahlen hat. Nicht verhandelt werden konnte über die Klage des Ortsarmenverbandes Gutmann sh aus en gegen den Landarmenverband Gießen, tEen Unter- stükuna der Dorothea Oppermann aus Elberfeld, da di?durch dem^a^o» des beklagten Verbandes, angehörigen Mitglieder des Pro vinzialausschusses nicht mitsitzen konnten und chfolge- dessen Beschlußunfähigkeit eintrat. Es wurde uberge- aanaen rur Verhandlung über das Gesuch des Louis Lüter zu Gießen um Konzession zum ^Ausschank von Branntwein. L. betreibt {eit nnrh

Wolkengasse eine Gastwirt,ck>aft, besitzt aber bisher noch nicht die Erlaubnis zllm Ausschank vonW:anntwe^^n dahinaehendes Gesuch lehnte der Kreisausschuß Gießen in Uebereinstimmung mit Polizeiamt und S adi^ netenversammlung wegen mangelnden Bedurfn sses ab Zu einem gleichen Ergebnis gelangte der ProvlMlausschuß, der über den eingelegten Rekurs zu '^atscheiden hatte, indem er den Rekurs kostenfallig verlorst - Em Gesuch um Erlaubnis zum Kleinhandel mit Brannttvem hatten die Kaufleute Heinrich und ^ulius Berdux von

Aus Stadt und Land.

w F r i e d b e r g, 27. Dezember. In unserem Kreis wurden am 1. Dezember gezählt: 5408 Pferde, 2 Maul­esel, 8 Esel, 26 453 Stück Rindvieh, 5628 Schafe, 31167 Schweine, 9904 Ziegen, 133134 Stück Federvieh und 2867 Bienenstöcke. Die meisten Pferde stehen in Nauheim, näm­lich 252; keine Gemeinde ist ohne Pferde. In Rodheinr v. d. H. wurden 1024 Stück Rindvieh und 1191 Schweine gezählt. Soviel weist kein anderer Ort auf. Die meisterr Ziegen, nämlich 460, hat Vilbel, das meiste Federvieh, nämlich 4937 Stück, hat Ober-Mörlen. Gar keine Bienen­stöcke haben nur 4 von den 72 Kreisgemeinden. Obenan in der Bienenzucht steht Nieder-Eschibach, in dem 140 Bienenstöcke vorhanden sind.

w- Büdingen, 27. Dezember. Die Bevölkerung unseres Kreises hat in den letzten fünf Jahren um 665 Seelen zugenommen. 1895 betrug die Zahl der orts­anwesenden Bevölkerung 33 381 und am 1. Dezember d. I. 34 035. Ueber 2000 Einwohner hat nur Büdingen, nämlich' 2989, zwischen 1000 und 2000 Einwohner haben Alten­stadt, Düdelsheim, Echzell und Nidda. Die geringste Ein­wohnerzahl hat die jüngste Gemeinde unseres Kreises, Salzhausen, nämlich 76.

Kleine Mitteilungen aus Heffen und den Nachbarstaaten. Am 24. d. M. entgleiste in der Nähe von Gaualges­heim der 1 Uhr 21 Min. von Mainz abgehende direkte Schnellzug. Der Tender wurde 600 bis 700 Meter weid von der Maschine geschleift. Mit zweistündiger Verspätung konnte der Zug seine Fahrt fortsetzen, ohne daß ein weiterer Unfall passiert wäre. ,Das etwa 20 Morgen große Weinberggelände des Neroberges bei Wies­baden wird binnen kurzem in einzelnen Patellen und auch im ganzen voraussichtlich auf zwölf Jahre verpachtet wer­den. Die Stadt hat nach langjährigen Verhandlungen; dieses Terrain, aus dem der Fiskus Bauparzellen machen wollte, an sich gebracht, wesentlich aus idealen Gründen, um Wiesbaden als Vorort des Rheingaues seine charakte­ristische Weinmarke und zugleich ein anmutiges Land­schaftsbild zu erhalten.

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8247] 2u -*^'1 . ^Nafverschärfungen für Kuppelei usw. bestand von Anfang WU1 -Ä zuletzt unter allen Parteien die vollständigste Ein­tür altesreno^5; nrchkeit), sondern der Kunst und dem Theater. Die punft bet 6tabt ÄkntMungen, die der Sternberg.Prozeß über die Zustände wollen unter zl - n > mih alb der Berliner Kriminalpolizei gebracht hat, können ö wlejer zu einer Einschränkung, als zu einer Erweiterung 11| d ns polizeilichen Vollmachten führen, die wahrlich groß am sind, um solchen Unsittlichkeiten, wie sie Sternberg

IöUtärieben hat, wirksam zu begegnen.

-Aber welchen Gebrauch hat denn die Berliner Kriminal- baDon gemacht? Keinen! Jahre lang hat die MÄs Küsiseuse" Fischer ihr nur zu durchsichtiges Gewerbe UM den Augen der Polizei ungestört treiben können. Ihre I^hb'arnwußten genau, was da vorging, wenn sie halb- ANWu wMsitge Schulmädchen in die Wohnung der Fischer t a^Cn' -?ic Polizei hat fich nicht darum gekümmert

ZLMstb ui«ih.at es nicht gewußt. Sie hat inzwischen die Schau- v siaplaMfAister der Kunsthandlungenobserviert" und nach * Ansicht anstößige Nachbildungen bekannter Kunstwerke idenke an BöcklinsSpiel der Najaden", an MarkartS kb/r ®^na,2 daraus entfernen lassen. Monatelang ^77^8 W rcümtt die Fischer durch Inserate Mädchen zwischen 14 und 618SS6D6\?Vi-5 1 \*en zum,,Modellstehen" suchen, ohne daß die Ärimtnal= PA» etwas Auffälliges darin erblickte, während ihr doch

1 bekannt fein mußte, welchenKünsten" Maffeusen

diichi 'Art in Berlin zu huldigen pflegen. Es bedurfte erst recht ungeschminkten Alarmartikels einer Berliner ehe die Polizei auf dieses Treiben auch nur auf« ID<ÜV7 $iib^ MsMt wurde, freilich zu spät, da die Fischer fich nach ric" '« Sicherheit bringen und von dort aus der

TsW1 Gerichten der deutschen Reichshauptstadt

schlagen konnte. Jener Artikel aber, der <Sin Rollen gebracht und wenigstens Sternbergs »^«Äne ermöglicht hat, wäre unter der Herrschaft der wahrscheinlich nicht erschienen, da sich auch der ?,rj 2*2 ?bt^c Redakteur nicht gern einer sicheren^ Be- ßolf^< U\enc mad kunb cin solcher Artikel, auch noch

undohne unzüchtig zu sein" Ä' dr°r-n°-m-n!ch°°sch°mg°sühl

in fcihcn. i"toncn?icd,cn, vri

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Hohensteiner Seiden WebereiLotze, Hohenstein Ernstthal Xonigh^er» iProfJ .rjo^tidcr unb ßrrjogiid)Cif-oflirfcriint

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