ahrgan
1900
150
Samstag dm 27. Oktober
es Blatt»
Lj monatlich 75 Pfg. Qä? mit Bringerlohn:
durch die Abholestellea vierteljährl. Mk. 1,90 monatlich 65 Psg.
Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljährl. mit Bestellgeld.
ZLezugsprcis vierteljährl. Mk. 2,20
Alle Anzeigen-Bermittlungsstellen des In- und Ausländer nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgeg«. Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg.
Hrscheirck tägNch mit Ausnahme des
MontagS.
Die Gießener A«mrkte«0tLt1er werden dem Anzeiger im Wechsel mit „Hess. Landwirt" u. „Blätter für Hess. Volkskunde" wöchtl. 4mal beigelegt.
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger
Annahme von Anzeigen zu der nachmittag- für den .falgenden Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr.
Abbestellungen spätestens abends vorher. 4
Amts- itnb AnzsigeblatL für den 'Krct# Giefzsn.
sich eifrig unterhielt, dann die zur Freude der zahlreichen Ko-
Die franco-russische Allianz.
Redaktion, Expedition und Druckerei:
Kchntstraße Ar. 7.
intendent den Segen.
Die kirchliche Feier währte etwa 25 Minuten. Die Majestäten begaben sich nun, voran der Kaiser mit Exzellenz Nasse, mit dem er sich eifria unterhielt, dann die Kaiserin wit Frau Krupp zur Freude der zahlreichen Ko- loniebewohner und Zuschauer unter jubelnden Zurufen zu Fuß zur katholischen Kapelle.
Vor dem Eingang der katholischen Kapelle hatten die Geistlichen Aufstellung genommen, die den Kaiser ehrfurchtsvoll begrüßten und von ihm durch einige freundliche Worte ausgezeichnet wurden. Die Feier wurde hier mit dem allgemeinen Gesang „Komm heil'ger Geist, der alles schafft", eingeleitet. Die Einweihung der Kapelle vollzog dann der Domprobst Dr. Berlage aus Köln. Nach einer kurzen Ansprache des Domprobstes wurde von den Anwesenden das Lied „Großer Gott wir loben Dich' ge-
Lerrschaften einen kurzen Spaziergang im Park des Genesungsheims, wobei ihnen von den Insassen des Hauses lebhafte Hurras zugerufen wurden. Inzwischen waren die Wagen vor das Gartenportal gefahren. Man fuhr nun durch die Kolonie über die Rüttenscheid er Chaussee und die neue Bismarckstraße am Ruhrstein vorbei durch den
Wald zurück nach Hügel.
Ein Telegramm aus Essen meldet: Kruppwurde vom Kaiser zum Wir-klichen Rat mit dem Prädikat Exzellen z ernannt.
schließen.
Wie jedermann weiß, hatten die chinesischen Wirren die beiden großen germanischen Staaten einander feindlich gegenübergestellt. Schon lange ging das Londoner Kabinett mit dem Plane um, Süd-China zu annektieren und das Thal des Yangtsekiang zu besetzen. Plötzlich trat Deutsch
Adresfe für Depeschen: Anzeiger Hietz«.
Fernsprecher Nr. 51.
Gratisbeilagen: Gießener FamMenblätter, Der hessische Landwirt Ktätter für hessische Volkskunde.
Volttische Tagesschau.
Die Zahl der preußischen Minister a. D. hat, wie das „Berl. Tgbl." feststellt, durch den Rücktritt des Reichskanzlers und Ministerialpräfidenten Fürsten Hohenlohe eine Bereicherung erfahren. Er ist der Sechzehnte in der Schar der lebenden inaktiven Räte der Krone. Seine Kollegen a. D. sind: Bier Minister beziehungsweise Staatssekretäre des Innern und zwar der ehemalige Vizepräsident des Staatsministeriums v. Bötticher, jetzt Oberpräsideut der Provinz Sachsen. Gras Botho Eulenburg, der gegenwärtige Oberpräsident von Schleswig-Holstein von Köller und Freiherr v. d. Recke. Zwei frühere Staatssekretäre des Auswärtigen Amtes, der Botschafter in London Fürst Hatzseldt und der Botschafter in Konstantinopel Freiherr Marschall v. Bieberstein. Ferner drei gewesene Kultusminister, Dr. von Goßler, Oberpräsideut von Westpreußen Graf v. Zedlitz-Trützschler, Oberpräsident von Hesien-Nasiau und Dr. Bosse, zwei ehemalige Handelsminister, v. Hosmann und Berlepsch, zwei Landwirtschastsminister, v. Lucius-Ballhausen und v. Heyden, endlich ein früherer Justizmmister, Schelling und der bisherige Senior der Schar, der Minister ohne Portefeuille in den Jahren 1868 bis 187b, Staatsminister a. D. Delbrück.
gewähren.
Mit dem planmäßigen Zuge von Köln trafen gestern die PrinzenEitelFriedrich und Adalbert gegen 10 Uhr 40 Min. auf dem Essener Hauptbahnhof ein, wo sich zum Empfang Geheimrat Krupp mit Justitiar Korn und mehrere Regierungsräte der Eisenbahndirektion eingefunden hatten. Nach kurzer Begrüßung bestiegen die
| gy-s js aBfÄ-K-Ä iSÄÄSffi* ■* * tw...
dmnz Eitel Friedrich und Adalbert haben im I , , <. qn?nipftöten mii ihrem Gefolge zu Fuß in
Laufe des Tages fast sämtliche Werkstätten der Kruppschen enesunashei m Nach der Be-
besichtigt, die durch ihre Fabrikation von I des Gebäudes unternahmen die Allerhöchsten
Interesse sind. Das Interesse der Arbeiter an der Be- | MÄW. ^es ^oauo ^hn5,ipr^ntTn inT ^ark des Gericht igung war em großes. Die Prinzen waren von issren Gouverneuren begleitet.
Den gestrigen Nachmittag verbrachten die Majestäten «uf dem Schloß, die Kaiserin in Gesellschaft der Frau Krupp und ihrer Hofdamen, während der Kaiser nach kurzer Rast in Begleitung einiger Herven seines Gefolges einen Spaziergang durch die Anlagen auf dem Hügel machte, wobei er u. a. den Marstall besichtigte.
Gegen 5 Uhr trafen die Prinzen'Eitel-Fritz und Adalbert zu Wagen von Essen ein und wurden von ihrem hohen Elternpaure und der Familie Krupp empfangen.
Zu der Abendtafel, die um 8 Uhr im kleinen Speisesaal, links vom Hauptportal, begann, waren nur wenige Einladungen ergangen. Unterdessen konzertierte in dem anstoßenden Wintergarten die Deutzer Pionierkapelle.
Nach der Tafel begaben sich die Kaiserin und die Prinzen zur Ruhe, während der Kaiser noch eine zeitlang in der Gesellschaft der Herren verblieb.
Im letzten Augenblick noch wurde das Programm dahin abgeändert, daß die Prinzen nicht, wie ursprünglich festgesetzt, um 11 Uhr 10 Min. von Essen nach Bremen avreisen, sondern ihren Besuch bis morgen abend ausdehnen. - ’M
Heute fand in der schön gelegenen Kruppschen Kolonie Altenhof, welche zahlreichen und invaliden Arbeitern der Firma.Krupp ein behagliches Heim bietet, die Einweihung ^>er für die Kolonie neu erbauten beiden Kirchen statt.
land mit der Anmaßung auf, dies zu verhindern. Zwischen Berlin und London entspann sich ein ziemlich scharfem Federkrieg. Kaiser Wilhelm gab deutlich die Absicht M erkennen, die Militäroperationen zu leiten und m China die erste Rolle zu spielen, welche bisher den Engländern gehört hatte. . _ ,
Unsere russischen Diplomaten sahen mit berechtigter Genugthuung, wie der Bruche zwischen den beiden Nationen, die uns am meisten im Wege stehen, sich erweiterte. Man dachte hier, diese Genugthuung wurde in Par^ geteilt. Nun verlautet seit einigen Tagen (und die Nachricht kann für gewiß gelten), das französische Kabinett oder, wenn man will, Herr Delcasse, habe sich bemüht, zwischen: Herrn Chamberlain und Kaiser Wilhelm eine Aussöhnung herbeizuführen. Wenn wir gut unterrichtet sind, ich habe guten Grund, dies nichr zu bezweifeln — so soll demnächst in Berlin oder London ein geheimes Ueberein- kommen unterzeichnet werden, das eine Annäherung der beiden Nebenbuhler und ihr gemeinsames Vorgehen im Orient bedeutet. Frankreich seinerseits wurde sich verpflichten, die englisch-deutsche Politik im Orient mit feinen Soldaten und Flotten zu unterstützen. Wie erstaunlich- dieser Wandel (hier bedient man sich zu seiner Charatteri- sierung eines anderen Ausdrucks) auch sein mag, so hegt darin der Keim einer neuen, einer englisch-französisch-deutschen Tripelallianz, deren gemeinsamer Gegner nur Rußland sein kann.
| So weit find die Dinge schon gediehen Glücklicherweise habe ich über die Haltung des französischen Kabinette kein Urteil abzugeben. Wodurch kann es nur bewogen worden sein, Ihr Land in ein solches Abenteuer M stürzen? Welchen Einflüssen hat es gehorcht? Das ver-
I mag ich Ihnen nicht zu sagen. Die Folge dieser Schwenkung wird jedoch sein, daß die deutschen und englischen
I Banken fortan einen unbegrenzten Kredit für die Pariser Anarchisten und für die Politiker eröffnen werden, die
I sich bei den neuen Wahlen erkaufen lassen.
I ' Dieser Abfall berührt uns sehr schmerzlich, denn nun I stehen wir wieder vereinzelt in Europa da. Als Fürst I Gortschakoff auf dem Berliner Kongresse von 1878 Herrn I Waddington den Vorschlag einer Allianz machte, da be- I gnügte sich dieser nicht damit, sie zurückzuweisen, sondern I er enthüllte dem Vertreter Englands, Lord Beaconsfields I alle unsere Projekte. Heute, da die Allianz unter bent I Drucke der öffentlichen Meinung in Frankreich eine vollendete Thatsache ist, beeilt sich Ihr Herr Delcasse, sie I zu brechen, um Wilhelm II. den Hof zu machen. Wie | sollen wir Vertrauen zu einem Lande hegen, das so traurig vertreten ist? Aufrichtig gestanden, überrascht das ernste I Ereignis uns nur halb. Seit der Bildung des Kabinetts I Waldeck hatten wir begriffen, daß Frankreich in die Hände I unserer gefährlichsten Feinde geraten war. Doch glaubten; I wir noch nicht, daß es imstande wäre, feierlichen Abmach- I ungen ins Gesicht zu schlagen und ihr Land denen vor die I Fuße zu werfen, die es gern demütigen wollen."
Die Rede Waldeck-Rousseaus in Toulouse am 26. Df* I tober wird wohl über alles, was in Frankreich in der Suft I liegt, aufklären. Dann wird sich wohl auch zeigen, ob die franko-russische Allianz bestehen bleibt ober nicht. Daß I sie Frankreich großen stützen gebracht hat, werden die I Franzosen selbst nicht glauben, und es wäre gewiß nicht I zu verwundern, wenn sie ein Bündnis aufgäben, das I ihnen keinen einzigen Vorteil, sondern immer neue Ver- I pflichtungen gebracht hat._________________________________
Der hochoffiziöse Petersburger Korrespondent des , Soleil" schreibt unter dem 5./18. Oktober:
Ich habe den Schmerz, Ihnen die traurige Kunde zu bestätigen, die ich vorige Woche sandte. Obwohl unglaublich, war sie durchaus richtig. Ja, die französisch- russische Allianz ist so gut als hin. Ja, das Pariser Kabinett läßt uns im Stich; es geht sogar noch weiter. Es ist im Begriff, mit unseren zwei ärgsten Gegnern, mit England und Deutschland, ein Bündnis zu
Das evangelische Gotteshaus liegt an der Westseite, un- I mittelbar vor der Josephinenskraße, die von der Essener- I Straße direkt in die Kolonie führt. Das katholische Gottes- I Haus ist a n der Ostseite von Altenhof, unmittelbar neben I dem Kruppschen Erholungshause am Langenbrahmer Walde I errichtet worden. .
Schpn vor 9 Uhr sammelte sich das Publikum an I den Hauptwegen zur Kolonie und gegen einhalb 10 Uhr fanden sich die Bewohner des Altenhofs, die allein an I der Feier teilnehmen durften, ein, da alle Wege zur', Kolonie durch Polizisten und Gendarmen gesperrt waren. Die Kapellen selbst durften nur von Kruppschen Pensionären betreten werden. In beiden Kirchen waren außer den Ehrenplätzen für die allerhöchsten Herrschaften nur noch zwei Bänke für die Familie Krupp und deren Angehörige, sowie für das Gefolge des Kaiserpaares frei- qelassen. r
Um 10 Uhr 15 Min. traf das Kaiserpaar mit den Prinzen Adalbert und Eitel Fritz vor der evangelischen Kapelle ein. Dem ersten Wagen entstieg der Kaiser in der Uniform des 1. Garde-Regiments im langen grauen Mantel, ihm folgte Geheimrat Krupp, während in dem zweiten Wagen die Kaiserin im engen schwarzen Tuchkleid, kurzem schwgrzeu Jackett, schwarzer Pelzboa und breitem schwarzem Federhut und Frau Geheimrat Krupp, mit weißer Pelzboa bekleidet, sowie die beiden Prinzen Platz genommen hatten. In einer Reihe anderer Wagen folgten der Kriegsminister, Minister Thielen, der Kommandant des Hauptquartiers, Oberpräsident Nasse, Präsident v. Holleufer-Düsseldorf und andere.
Die Majestäten stiegen alsbald die Stufen zur Kapelle hinauf und begrüßten die dort ausgestellten Geistlichen und die Herren der Kruppschen Verwaltung, von denen der Kaiser einige durch Anspracyeu auszeichnete. Nachdem die Majestäten dann unter den feierlichen Klängen der Orgel mit ihrem Gefolge .die- Kapelle betreten und Platz ge- ! nommen hatten, sang die Gemeinde den ersten Vers des „Lobe den Herrn", dann bestieg Generalsuperintendent Um- beck die Kanzel, hielt die Weiherede und sprach im Anschluß an seine eindrucksvollen Worte das Weihegebet. Der evangelische Geistliche der Gemeinde Rüttenscheid, Pfarrer Lic. Bleek, hielt nun noch eine Ansprache an. die Gemeinde und sprach dann das Schlußgebet. Nach dem Schlußgesang der Gemeinde „97un danket alle Gott" erteilte der Super-
Amtlicher Heil.
Gießen, 25. Oktober 1900. Betr.: Untersuchung und Begutachtung des Fasselviehs in der Gemeinde Rödgen.
DaS Großherzogliche Kreisamt Gieße«
Vie Grotzh. Bürgermeistereien beS Kreise-.
Es kommt häufig vor, daß Körscheine ohne Begleitbericht bei -ums einlaufen und gar nicht zu ersehen ist, für welche Gemeinde er bestimmt ist. Wir beauftragen Sie daher, jedesmal Begleitbericht zu erstatten. Ferner wollen Sie bei Abschaffung eines Gemeindefasels jedesmal Ihrem Bericht den betr. Körschein beifügen, der sich auf den abzufchaff enden oder abgeschafften Fasel bezieht.
I. V.: B o e ck m a n n.
Gießen, 23. Oktober 1900. Betr.: Die Unterrichtszeit in der Fortbildungsschule. Die Großh.Kreisschulkommission Gießen au die Schulvorstände des Kreises.
Wir beauftragen Sie, die Berichte in rubr. Betreff -alsbald, nicht wie in unserer Verfügung vom 15. d. M. (Gießener Anzeiger Nr. 243) angegeben ist, erst am 15. Dezember d. I. einzusenden.
I. V.: Dr. Wagner.
Das Kaiserpaar in Essen.
Essen, 25. Oktober.
Kurz nach, 2 Uhr verließ gestern das Kaiserpaar den Bahnhof Vohwinkel im Hofzug, um nach Villa Hügel bei Essen den angesagten Besuch bei Geheimrat Krupp abzustatten.
Hier waren zum Empfange außer Geheimrat Krupp mit Gemahlin und beiden Töchtern u. a. der Präsident der Eisenbahndirektion Essen, Becher, der Landrat des Kreises Essen, Rötger, der Bürgermeister von Kettwig, Göring, sowie mehrere höhere Beamte der Firma K^rupp und der Eisenbahndirektion zugegen. Nach kurzer herzlicher Begrüßung geleitete Geheimrat Krupp mit Gemahlin die hohen Herrschaften durch den Park zur Villa, auf deren Hauptgebäude kurz darauf die Standarten des Kaisers und der Kaiserin gehißt wurden. Der Hofzug fuhr unterdessen nach Essen zurück, wo er bis zur Rückreise der Majestäten verbleibt. In der Villa angekommen, begaben sich die Majestäten unverzüglich in die Fürstengemächer, die, an der Hauptfrout nach Norden gelegen, einen herrlichen Rundblick über die weiten Parkanlagen der Villa


