Ausgabe 
25.11.1900 Viertes Blatt
 
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150. Jahrgang

Sonntag den 25. November

1900

Henerat-Anzeiger

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wir NUN erfahren, hat die vorgenommene Obduktion leider die Thatfache bestätigt, daß die Frau vergiftet Bei der Verhaftung hatte der Sohu angegeben, daß Kaffee nur gewöhnliches Kochsalz beigemischt gewesen sei.

*Ueber die Hochzeit der Königin Wilhelmina mitt) aus dem Haag berichtet: Einige Einzelheiten über die Hochzeit sind schon bestimmt worden. Die nach hollän­dischem Gesetz nötige Ziviltrauung wird in einem Salon des Schlosses von dem Bürgermeister des Haag vollzogen «»erden; diese wird einen streng privaten Charakter tragen, nur« die Königinmutter und die nächsten Verwandten des Bräutigams werden ihr beiwohnen. Dann wird die Königin -sich mit glänzender militärischer Eskorte zur Kirche begeben. Die Trauung findet entweder in der Groote Kerk oder in Her Nassaulands Kerk statt. Die erstere ist von geschichtlicher Lede utung und steht in Verbindung mit demOrden des Goldenen IießeS, während die Nasiaulands Kerk von den dierekten Vorfahren der Königin gebaut und vollendet wurde; in Üieftr letzteren wurde sie auch getauft. Sie eignet sich iu- 1okrn besser für die kirchliche Feier, weil sie in der Nähe Str HauptregierungSbureaux liegt und weil breite Straßen M ihr führen. Da außerdem Dekorateure und Maler da- 6ti find, das kalvinisch nüchterne und kahle Innere der Nasiaulands Kerk zu schmücken, wird wohl dieser gewählt werden. Eine andere wichtige Frage ist die der Braut ftugfern, die bei einer gewöhnlichen holländischen Hochzeit eine große Rolle spielen, und für die ° in der Regel die mchsten Verwandten und Freundinnen der Braut gewählt »nden. Wahrscheinlich wird jedoch dereinsame Glanz" bei Thrones betont werden, sodaß Königin Wilhelmina un- bigleitet zum Altar gehen wird. Die Hoskapläne Dr. E. Sondier und Dr. G. H. von der Flier werden die Trau- zmmonie vornehmen. Nach Schluß des Gottesdienstes tyrt die Königin mit ihrem Gemahl in das Schloß zurück, ei das Hochzeitsfrühstück serviert wird, an dem alle vor- Nthmen königlichen und Staatsgäste teilnehmen. Wahr-

Blutende röchelnd auf dem Boden liegend, ihren Gatt« neben ihr.Bitte Gott um Verzeihung", sagte er,ich verzeihe Dir". Er schickte die Leute zu einem Priester, aber diese kamen mit zwei Schutzleuten zurück, die den Mörder verhafteten. Die Gräfin de Cornulier starb in einem Am­bulanzwagen, der sie nach dem Hospital Lariboisiöre bringen sollte. Die Ehe war sehr unglücklich gewesen; die Frau hatte eine Trennungsklage anhängig gemacht, und der Mann behauptete, der Rechtsanwalt, zu dem sie sich regelmäßig begab, sei ihr Liebhaber gewesen.

Das Lebensalter bei den verschiedene« Raffen läßt sich am besten uach den Erfahrungen der Lebensversicherungs- Gesellschaften beurteilen. Eine interessante Aufklärung darüber giebt ein Vortrag, der jüngst vor der Englischen Vereinigung von LebensoersicheruugSärzten gehalten wurde. Wenn ein Durchschnitt aus den letzten 25 Jahren genommen wird, so stellt sich darnach die Sterblichkeit in den ver­schiedenen Ländern folgendermaßen: Bon je 1000 Ein­wohnern sterben jährlich in England und Schottland etwa 20, in Irland etwa 18, in Dännemark annähernd 19, in Norwegen fast 17 und in Schweden etwas mehr. Die Verhältnisse in Mittel Europa liegen durchweg bedeutend ungünstiger; denn im deutschen Reiche beträgt die Sterb­lichkeit 25,2 auf das Tausend, in Oesterreich 29,9 und in Ungarn sogar 35,4; ferner in der Schweiz 21,7, ebenso viel in den Niederlanden und Belgien, in Frankreich 22,6 und in Italien 27,8. Fast überall jedoch haben sich in dem letzten Vierteljahrhuvdert diese Zahlen günstig ver­ändert, nur in Irland ist die Sterblichkeit etwas gestiegen. Unter allen europäischen Ländern scheint Norwegen die ge- ringste Sterblichkeit zu besitzen. Noch interessanter find he Zahlen, die für die wirkliche durchschnittliche Lebensdauer bei den einzelnen Völkern angegeben werden, nach denen die mittlere Lebensdauer eines Engländers z. B. etwas geringer ist als die des Amerikaners und wiederum ein weniges größer als die eines Deutschen oder Franzosen. Im Alter von 20 Jahren kann ein Amerikaner noch etwa 42,2 Jahre zu leben erwarten, ein Engländer 42,1, ein Deutscher 39,7 und ein Franzose 41,8. Hat jemand bofl Alter von 60 Jahren erreicht, so kann er als Amerikaner noch etwa 14 Jahre zu leben hoffen, als Engländer 13,8, als Deutscher 12,9 und als Franzose 13,3 Jahre.

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M. 277 Viertes Blatt.

llrrmirdjtrs.

* Bochum, 20. November. Unter dem Verdachte, -lie eigene Mutter durch Gift getötet zu haben, b<r 23 jährige Sohn des Winkeliers Brüggenjürgen hier verhaftet worden. Der ungeratene Sohn bereitete seinen Otctn viel Kummer und ganz besonders hatte die Mutter, «eiche kränklich war, viel unter den Rohheiten des SohneS zlt dulden, weil sie ihm das Geld für seinen schlechten Äbeiiswandel verweigerte. Wiederholt mußte die Polizei Einschreiten und die Eltern vor den Brutalitäten des SohneS schien. In voriger Woche soll nun der Sohn der kranken Mutter vergifteten Kaffee gereicht haben, nach dessen Genüsse dieselbe alsbald gestorben ist. Vorgestern fand die Beerdig- llng statt und nach derselben ist der Sohn verhaftet worden.

und bittet ihn, einzutreten; das Fräulein werde bald er­scheinen. Ibsen ich folge hier der Schilderung, die- eine schwedische Zeitschrift von Lieser Szene entworfen betritt das Zimmer; es verstreichen 5, 10, 15 Minuten, niemand erschien. Dem Dichter kam endlich die Warte- zeit etwas lang vor; er durchmaß das Zimmer mit großen. Schritten. Er zog die Uhr hervor: 20 Minuten, eine halbe Stunde! Sollte ein Mißverständnis vorliegen ? Doch nein! Das Mädchen hatte ja die richtige Antwort ge- geben. Dreiviertel Stunden! Sollte der Brief vielleicht nicht eingetroffen sein? Eine Stunde! Die Promenade im Zimmer wurde schneller. Sollte er gehen? Schon eineinviertel Stunden. Todesstille im ganzen Hause. Nein, er wollte warten; verließ er jetzt das Haus, konnte er um die Geliebte nicht mehr werben. Er setzte sich also.auf das Sopha; es wollte scheinen, daß dieses eine besondere Anziehungskraft auf ihn ausübe. Eineinhalb Stunden! Es wurde ihm zu arg. Ist sie plötzlich erkrankt? Aber das hätte man ihm doch mitgeteilt. Er begreift nichts mehr; die Gedanken verwirren seinen Kopf. Er schnelL vom Sopha empor; eine heftigere Promenade beginnt; eindreiviertel Stunden! Er schilt sich einen Narren, daß er in diesem totenstillen, verlassenen Hause sitzt und auf sein Glück wartet. Zwei Stunden! Es ist ihm klar, daß nun alles verloren ist. Vielleicht kehrt sie jetzt heim und hört, daß er schon zwei ewiglange Stunden im Zimmer: des Pastorats mutterseelenallein gesessen hat. Er )"pringt plötzlich empor und stürzt ins Vorzimmer. Da - was hört es? Ein Lachen, ein herzliches, silberhelles, mun­teres Lachen ihr Lachen doch woher kommt es? Es scheint ihm, daß es aus dem Sofa herausschallt, zu dem er sich mit magischer Gewalt gezogen fühlt. Träumt er?.

Hottesacker.

(Ium Gedächtnis unserer ßutschtafenen.)

.Wer hob dir, seltsam Meer, die grünen Woge»?

Mas für ein Zauber hat sie festgebannt?

flomnt auch ein Schiff auf dir herangezogen?

Tag' an: wie heißt dein Leuchtturm und dein Strand?"

Der Todessturm hob meine grünen Wogen,

Am eisiger Zauber hat sie festgebannt, Mauch Trauerschiff kommt langsam, still gezogen. Mein Leuchtturm: Christus, Ewigkeit mein Strand."

.Haft du auch Perlen auf dem dunklen Grunde?"

.viel Thränen fallen heiß auf mich herab!" tHnb wirft man Anker aus zu guter Stunde?" ,Dcr Anker heißet: Hoffnung überm Grab."

Die starren, grünen Wogen werden bebe«, Bläit drein der Lebenssturm, kommt Gottes Zett.

Qtnii über sie sich wird die Hand erhebe«, Die einst den See Genezareth bedräut.-

scheinlich wird das Bankett in dem größten und schönsten Raum des Schlaffes, dem Ballsaal stattfinden. Den Honigmond", der zwei Wochen dauern soll, wird das junge Paar in Het Loo zubringen. Alsdann wird Wilhelmina mit ihrem Gatten nach Amsterdam gehen, wo die Empfänge für Staatsbeamte und Würdenträger gehalten werden. Natürlich werden sehr viele Einladungen ergehen; denp die Königin ist mit den Häusern von Waldeck-Pyrmont und Wied nahe verwandt und der Familienkreis deS Bräutigams ist sehr groß. Da daS Schloß und dasHaus im Walde" nicht ausreichen, werden für das Gefolge Hotel­räume gebraucht; im Haag rechnet man bereits auf eine goldene Ernte, da von allen Teilen Hollands Besucher er­wartet werden. DaS Hochzeitskleid wird von hervorragender Schönheit sein, es wird in Paris gezeichnet und angefertigt. ES besteht aus weißem Atlas und prächtiger Handstickerei; die letztere wird ganz und gar in der Schule für Kunst­stickerei in Verbindung mit dem Rijksmuseum in Amsterdam ausgeführt, doch sind die Zeichnungen bis jetzt noch nicht eingetroffen, sodaß die Arbeit noch nicht begonnen hat. Die Königin interessiert sich besonders für diese Schule, die zur Zeit ihrer Thronbesteigung begründet wurde. Fünf­zehn besonders geschickte Stickerinnen werden die Arbeit ausführen; die Gewählten sind überglücklich über das ihnen geschenkte Vertrauen. Der größere Teil der Toiletten der Königin Wilhelmina wird von den ersten Firmen Amsterdams angefertigt werden. Muster und Zeichnungen werden der Königin schon in den nächsten Tagen vorgelegt werden. Die größte Freude machte die Königin ihren Untertanen dadurch, daß sie ihre Wäsche­aussteuer bei den Gesellschaften zur Unterstützung armer Frauen, Waisen und Schulen im Haag, in Amsterdam und Arnheim bestellte. Sie ist eine gute Kemerin von Hand­arbeiten und zieht Feinheit des MaterimS und gute Näh­arbeit reichem Besatz vor. Herzog Heinrich von Mecklenburg-Schwerin hat einen ganzen Waggon Hirsche nach Apeldoorn gesandt. Dieselben sollen in den dort gelegenen königlich niederländischen Waldungen frei- gelassen werden, um zur Veredelung der Rasse zu dienen. Die Königinnen haben am 14. ds. zum Winteraufenthalt das Schloß in der Residenz s'Gravenhage bezogen, wo Mitte Dezember auch der Herzog Heinrich erwartet wird. Bekanntlich wird der Herzog vor feiner Vermählung das königliche Schloß Huis ten Bosch, dasselbe, in welchem die Friedenskonferenz stattfand, beziehen.

* Ein Familiendrama liefert den Parisern zurzeit reichen Gesprächsstoff. Am Samstag nachmittag paßte ein ehemaliger Offizier, Graf de Cornulier, feiner Gattin auf, als sie sich zu ihrem Rechtsanwalt begab, und feuerte auf der Treppe von dessen Wohnung 3 Revolverschüsse auf sie ob. Die Herbeieilenden fanden die aus mehreren Wunden

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® wie Henrik Ibsen. Wenigstens nicht unter den Mit- toenben Denn Shakespeare bat hier ein so festgewurzel­tes Eürgerrecht erworben, daß er geradezu zu den deut-

Humoristisches.

«lm »MeerschweinchensTheater, Direktor:Herr Schrumpel, an einigen Stellen fasten Sie mir den Wallenstein nicht richtig auf. Wenn Sie z. B. sagen:Max bleibe bei mir"", so muß das viel inniger heraudkommen." Schauspieler Schrumpel:Ach. hat sich was m,t innig, wenn der Lump mir noch zehn Mark schuldig ist und sie nicht zahlen roitt."

scheu Dramatikern gerechnet werden darf. Von Zeit zu Zeit freilich hat es den Anschein, als ob unsere Schaubühne völlig von den Franzosen beherrscht werde. Dumas, Augier, Feuillet, Sardou sie errangen Siege mit ihren Meisterwerken auch bei uns und lockten die Menge zu Scharen in das Theater, Sardou erst jüngst auch bei uns in Gießen mit seinerCyprienne" beim Gastspiel der Frau Prasch-Grevenberg. Allein es waren schmuck­schillernde, fremdartige Schmetterlinge, die man bewun­derte; sie ersterben allmählich, da die knapp bemessene Zeit ihres Daseins erfüllt ist; einen tiefen, nachhaltigen Eindruck hat kaum das eine oder andere ihrer Werke hinter­lassen. Anders Ibsen. Es hat lange gedauert, bis er auf der deutschen Schaubühne Fuß zu fassen vermochte. Das H ü n e n g r ab",Die Herrin von Oestro t", Olaf Liljekrans" fanden auch in seinem nordischen Vaterlande wenig Anklang und Verbreitung und kamen erst später zu allgemeiner Kenntnis. ErstDas Fest auf Solhaug" machte ihn in seinem Vaterlande ziem­lich bekannt, eine Dichtung, die in die Zeit seiner Braut­werbung fällt. Ibsen wirkte damals am Theater zu Bergen alsInstrukteur" und verliebte sich in das schöne Töchterlein des Pastors Thoresen. Seine norwegischen Landsleute blickten bereits mit Stolz auf ihn. Aber durfte er, der gänzlich Unvermögende, darum hoffen, auch in den Augen des Mägdleins, dem all seine Gedanken galten, Gnade zu finden? Endlich faßte er sich ein Herz. Er schrieb einen Brief an das geliebte Mädchen und teilte ihr seine Wünsche mit. Die Antwort wollte er sich selbst holen und zu dem Zwecke würde er an einem bestimmten Tage um fünf Uhr im Pastorat vorsprechen. Klopfenden Herzens zieht es die Glocke. Das Dienstmädchen öffnet

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