M. g49 Erstes Blatt. Mittwoch dm 24. Oktober 15». Jahrgang I»»»
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger
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Fernsprecher Nr. 51.
Amtlicher Heil.
' Bekanntmachung.
Bei der heute abgehaltenen Gtallschau des Zucht- OereinS BtoShauseu-WeickartShaiu erhielten folgende Besitzer Preise:
I. Gruppe.
Biehbesitzer mit mindestens 10 Stück Rindvieh:
1. August Theiß, Stockhausen, 2. Preis, 20 Mk.,
2. Karl Bingmann, „ 2. „ 20 „
II. Gruppe.
1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
8.
9.
10.
Besitzer mit 5—9 Stück Rindvieh:
Stephan Hock, Weickartshain, 1. Preis, 30 Mk., Iohs. Stein II. „ 2. „ 20 „
Heinr. Konr. Opper „ 2. M 20 „
Heinr. Becker EL „ 3. „ 10 „
Heinr. Ruppel „ 3. M 10 „
Karl Reitz, Stockhausen, 3. „ 10 „
Hr. Bräunig III., Stockhausen, Anerk. u. 5 Mk., Heinrich Jochim „ M M 5 „
JohS. Schmidt IV., Weickartshain, „ „ 5 „
Heinr. Knöß IN. M „ „ 5 „
III. Gruppe.
Besitzer mit weniger als 5 Stück Rindvieh:
Heinr. Konrad Rück, Stockhausen, 3. Preis, 10 Mk.
Ferner erhielten als Prämie für gute Führung des Sprungregisters:
Bullenhalter August Theiß, Stockhausen, 10 Mk.,
„ Hch. Schmidt IV., Weickartshain, 10 Mk. Für Zuchtsauen erhielten Preise:
I. Gruppe.
Besitzer von 3 und mehr Sauen: August Theiß, Stockhausen, 1. Preis, 20 Mk H. Gruppe.
Besitzer von weniger als 3 Sauen:
1. Peter Weil, Stockhausen, 1. Preis, 20 Mk.,
2. Hr. Bräunig II. „ 3. H 10
3. Hr. Knöß III., Weickartshain, 3. Preis, 10 Mk.,
4. Stephan Hock H Anerk. und 5 „
5. Heinr. Ruppel, „ „ „ 5 „
6. Heinr. Rück, Stockhausen, „ „ 5 „
Gießen, 19. Oktober 1900.
Der Direktor des Kreiszuchtvereins. Boeckmann.
Bekanntmachung.
Betreff.: Feldbereinigung in der Gemarkung Ruttershausen.
In der Zeit vsm Dienstag, 23. Oktober l. I., bis einschließlich Montag, 29. Oktober l. I., liegen auf dem Amtszimmer der Großh. Bürgermeisterei Ruttershausen folgende Akten zur Einsicht der Beteiligten offen:
1. der Ausschlag der ungedeckten Bereinigungskosten,
2. der Beschluß der Bollzugskommission und deS Gemeinderats vom 8. Februar 1900 über die Erhebung dieses Ausschlags.
Einwendungen hiergegen sind bei Meidung des Ausschlusses innerhalb der oben angegebenen Offenlegungssrist bei Großh. Bürgermeisterei Ruttershausen schriftlich einzureichen.
Bemerkt wird noch, daß die Erhebung der ausgeschlagenen Bereinigungskosten durch die Gememdeeinnehmerei Ruttershausen erfolgt.
Friedberg, den 13. Oktober 1900.
Der Großh. Bereinigungskommissär:
I. B.: Spam er, Kreisamtmann.
KrrWmmkll juin LkM-kuglWu Wommen.
Die Urteile der Berliner Presse über das schon bekannt gegebene Abkommen zwischen Deutschland und England sind, wie das auch nicht anders sein konnte, keineswegs auf einen Ton gestimmt. Sie gehen von dem unbedingten Beifall der einen zur schwersten Besorgnis der anderen über. Auf ersterem Standpunkt steht natürlich, wie sich's gebührt, die offiziöse Presse.
Auf denselben Ton, wie die „Nordd. Allg. Ztg", deren Aeußerung wir gestern schon mitteilten, ist die Aeußerung 'der „Berl. N. N." gestimmt:
„Die Vereinbarung dürfte in Deutschland ungeteilten Beifall finden. Die Aufstellung des Grundsatzes der „offenen Thür" für den Handel in China durch eine derart verpflichtende Abrede in Verbindung mit der bündigen Erklärung, den Territorialbeftand Chinas achten zu wollen, entzieht den Besorgnissen den Boden, die wegen der Zukunft des freien 5) a n d e l s auf dem P a n g t s e in den beteiligten Kreisen Deutschlands Platz gegriffen hatten. Auch der in der obigen Note klargestellte ablehnendte Standpunkt Deutschlands in der Frage neuer Territorialerwerbungen in China entspricht durchaus den Anschauungen aller ruhigen Beurteiler des chinesischen Problems, die ausschweifenden Expansionsplänen im fernen Osten vollkommen abweisend gegenüberstehen. Der im Artikel 3 enthaltene Vorbehalt "hat gegenwärtig kaum mehr als akademische Bedeutung (Wozu dann der Artikel?);
er war aber an sich notwendig, da selbstverständlich weder Deutschland noch England allen zukünftigen Eventualitäten mit gebundenen Händen entgegengehen konnten. (Das thut jetzt Deutschland allein!) Wertvoll ist die für esinen solchen Fall vorgesehene deutsch-englische Verständigung, durch die Vorkehr dagegen geschaffen ist, daß England etwa das Vorgehen einer dritten Macht sich zu nutze machen könnte, um einseitig Entschließungen zu treffen, die in ihren Folgewirkungen den von ihm feierlich anerkannten Grundsatz der „offenen Thür" für mehr oder minder ausgedehnte Gebiete außer Wirksamkeit setzen würden. Die neue deutsch-englische Vereinbarung kann umsomehr auf günstige Aufnahme zahlen, als ihr jede gegen eine dritte Macht gerichtete Tendenz fehlt. (?)
Sehr zufrieden ist auch das dem Grafen Bülow stets zu Diensten stehende „Berl. Tageblatt":
„Bisher lag keine diplomatische Bindung von feiten Englands vor (Glaubt man denn, daß sie jetzt vorliegt?), daß es den Grundsatz, die Politik der „offenen Thür" ausrecht erhalten und überall und insbesondere im Iangisethal beobachten wolle. -Wie unsere Leser sich erinnern werden, haben wir schon im August auf die /Gefahr hingewiesen, daß England sich im Yangtsethale für das Vorgehen Rußlands, in der Mandschurei schadlos halten werde. Da Englands Machtmittel in dieser Region thatsachlich die unsrigen übertreffen, so können wir es nur mit Genugthuung begrüßen, daß es der Leitung unserer auswärtigen Angelegenheiten gelungen ist, eine Verständigung mit England herbeizuführen, die unsere berechtigten Interessen in jeder Beziehung wahrt. Aber auch in England kann man unseres Erachtens mit dem Abkommen durchaus zufrieden sein (Das glauben wir!); denn wenn man dort eine Sonderaktion am Yangtse wirklich beabsichtigte, so konnte man auch uns hinter dem Busch vermuten. Schon die ausdrückliche Versicherung, daß das deutsche Reich und Großbritannien keine territorialen Vorteile in China erstreben, beweist zur Genüge, daß der Satz, die beiden Regierungen, chürden die Freiheit des Handels wahren, „wo sie einen Einfluß ausüben können", nicht die Bedeutung haben kann, daß England und Deutschland irgendwelche Interessensphären für sich abgrenzen wollen. Es soll damit offenbar nur betont werden, daß sich jede der beiden Regierungen zur Offenhaltung der Thür insbesondere auch da verpflichtet, wo die wirtschaftlichen Interessen ihres Landes thatsächlich dominieren. England und Deutschland gehen, was die Politik der „offenen Thür "betrifft, mit gutem Beispiel voran ; die anderen Länder aber sind feier- lichst eingeladen, sich demselben anzuschließen. Damit
Der Dom zu Wetzlar.
Die Fachzeitschrift „D e n k m a l p f l e g e", herausgegeben im Auftrage des Königl. Preuß. Arbeitsministeriums von der Schriftleitung des „Zentralblattes der Bauverwaltung" in Berlin, bringt in ihrer Nr. 12 vom 26. September eine Besprechung des „Aufrufs zur Erhal- tilng und Vollendung des Domes zu Wetzlar"*), die wir hier wortgetreu folgen lassen:
„Ueber die Erhaltung und Vollendung des ehrwürdigen Domes in Wetzlar und der auf einem der Stadt Wetzlar gegenüberliegenden .Berge befindlichen Burg, genannt „Kalsmunt" hat August Graff in Wiesbaden einen beherzigenswerten Aufruf erlassen. Der Verfasser, ein geborener Wetzlarer, nimmt sich uneigennützig mit warmen Worten- von echt deutscher Heimatsliebe beseelt, dieser Baudenkmäler an. Er will verhüten, daß vor allem der Dom durch Verfall seinem Untergange entgegengcht. Die Anfänge des Domes in Wetzlar weisen auf die früh- romanische Zeit hin, was aus dem schönen, in Abb. 2 wiedergegebenen sogenannten Heidenturmtempel zu erkennen ist. Wissen wir uns auch die merkwürdigen Schnörkel über der schönen, kräftig gewölbten Eingangspforte nicht zu deuten, so spricht doch eine längst vergangene Zeit zu uns, und Poesie webt sich um das alte Steinwerk. Der Dom in Wetzlar bietet dem Architekten ein Studienfeld, wie er es so reichhaltig selten anderswo finden wird. Um so erstrebenswerter ist es, daß dem unaufhaltsamen Verfall, dem dieses Denkmal frommer Zeiten anheimgegeben ist, Einhalt gethan wird; denn Strauch und Moos überwachsen das Quader- und Kunstmauerwerk, und auch die Regellosigkeit der damaligen Bauweise, die sich! an den abgestürzten Stollen des Turm- und Treppenbaues deutlich zeigt, sowie die sehr
*) Im Verlage von K. Wald sch midt Wetzlar zum Preise von iO Pfg erschienen.
notdürftige Bedachung einzelner Teile erleichtern das Zerstörungswerk nur zu sehr. Aeußerst bedauernswert wäre insbesondere der Verfall der Portale, die so charakteristisch die frühromanische Zeit im Heidenturmtempel, den Uebergangsstil im kleinen Südportal und den hochgotischen Stil in Süd- und Westportal zum Ausdruck bringen. Der Dom bietet sowohl den Angehörigen des katholischen Glaubens in seinem hohen Chor, als auch dem evangelischen Bekenntnis in seinem Längs- und Querschiff Zuflucht. Es liegt daher im Pflichtgefühl dieser beiden Kirchengemeinden, alles, was an ihnen ist, aufzubieten, um das Vermächtnis frommer Jahrhunderte zu schützen und zu erhalten. Trotzdem mit diesen vereint der Staat, die Stadt und ein Stiftungsfonds an der Erhaltung teilnehmen, so fehlt es doch stets an zureichenden Mitteln.
Wenn wir uns auch kaum der Hoffnung des Verfassers hingeben dürfen, daß der Dombau der vormals freien Reichsstadt Wetzlar in ursprünglich geplanter Größe und Schönheit erstehen wird, so unterstützen wir doch gern den Hilferuf und sprechen den Wunsch aus, daß weiteste Kreise mitwirken Mögen, damit das herrliche Bauwerk vor weiterem Verfall bewahrt bleibt."
Vorstehender „Besprechung" ist eine sehr schöne Ansicht von Wetzlar mit dem Dom, sowie ein Bild des Portals am Heidenturm beigegeben. Zum „A u f r u f" selbst sind außer letzteren noch Bilder des Domgrundrisses und der drei übrigen schönen Portale eingefügt.
Meratur.
Der Lotse, Hamburgische Wochenschrift für deutsche Kultur. 1. Jahrgang. 1. Heft. 32 Seiten. Verlag: Alfred Janßen, Hamburg. Die neue Zeitschrift nnrd eröffnet mit einer Ankündigung von Karl Mönckeberg, dem einen der beiden Redakteure. Es wird hervorgehoben, daß der „Lotse", unabhängig von irgend welchen Rücksichten auf Personen, Parteien oder Cliquen, sich mit jedem, der gleich
ihm an der deutschen Mltur mitarbeitet, freimütig auseinandersetzen und auch dem Gelegenheit zur Aussprache geben will, der durch Charakter und Geschmack sich gänzlich von dem Standpunkt der Herausgeber des „Lotsen" entfernt. Sodann legt Professor Alfred Lichtwark in einem. „Wünsche" überschriebenen Artikel dar, tvcldye Erwartungen man an das Erscheinen einer hamburgischen Wochen- schrift für deutsche Kultur knüpft. Er malt es sich aus^ wie der „Lotse" nicht nur für Hamburg, sondern für alle germanischen Länder eine außerordentliche Bedeutung gewinnen könne, indem er das Studium der modernen Großstadt zu seiner besonderen Aufgabe mache. Die beiden nächsten Arbeiten enthalten Studien von Professor Gustav Schmoller über „Das Wesen der wirtschaftlichen Konkurrenz" und von Professor Kurt Breysig übet den „Imperialismus unserer und alter Zeiten". Sie umfassen je ein Kapitel und werden im zweiten Hefte fortgesetzt werden. Die Lyrik ist durch zwei Hamburger vertreten: Otto Ernst, der ein wundervolles Gedicht beigesteuert hat, und Gustav Falke. Es folgt der zum erste« Mal veröffentlichte Entwurf einer Vorrede zu einer Ausgabe der „Geburt der Tragödie" (vermutlich aus dem Anfänge des Jahres 1888), von Friedrich N ietzs ch e. Daran schließt sich eine feinsinnige Untersuchung t>e6 „Zeichenunterrichts als ästhetischen Erziehungsmittels". Ihr Verfasser, Josef Folnesics in Wien, bekämpft mit warmem Verständnisse für die Kinderscele die übliche Art, wie in den Schulen dem Kinde die Lust, mit dem Stift zu fabulieren, ausgetriebeu und ihm das Lesen unfc Produzieren systematisch abgewohnt «wird. Das tieft schließ« mit einer ruhigen Betrachtung des in Hamburg ausge brochenen Kampfes zwischen Unternehmern und Arbeiter«. Diese stammt von dem Redakteur Dr. S. Heckscher. - aoÄ äußere Gewand der neuen Zeitschrift ist schlicht. Es macht einen hamburgisch einfachen und kräftigen Eindruck; nr Berlin oder München würde so etwas kaum gemachit Werder»-


