1900
Mittwoch den 23. Mai
Amts- und Anzeigeblatt für den Areis Gieren
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Der Krieg in Südafrika.
Im englischen Unterhause hat Balfour am Montag unter dem lauten Beifall des Hauses mitgeteilt, daß die Entsetzung Mafekings sich bestätige. Chamberlain erhielt von Sir Alfred Milner folgendes Telegramm: Kapstadt, den 31. Mai. General Barton telegraphiert aus Taungsnack, daß Mafeking am 17. Mai durch eine aus 2500 Mann bestehende, von Oberst Mahon befehligte Kolonne entsetzt worden ist.
Oberst Baden-Powell ist zum Generalmajor befördert worden als Anerkennung für seine tapfer« Verteidigung Mafekings.
Der Entsatz Mafekings bringt die Engländer aus dem
»««ahme von Anzeigen zu der nachmittag« für de» senden leg erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abends vorher.
Sacken und Staatssekretär Gras v. Bülow. — Heute vormittag begab sich der Kaiser nach Cronberg zum Besuch der Kaiserin Friedrich, in Uniform ihres Husaren-Regi- ments. Die Rückkehr erfolgte heute nachmittag. Abends wohnte der Kaiser wieder der „Fra Diavolo"-Borstellung bei. — Mn 23. Mai erfolgt die Ankunft der Kaiserin. Die Abreise von Wiesbaden erfolgt am Freitagabend über Straßburg, Schlettstadt zur Besichtigung von Hohkönigs- burg, dann erfolgt die Rückkehr nach Berlin. — Am Sams-' lag erfolgt in Wiesbaden die Ankunft der vom Magistrat eingelade'nen Torpedo-Offiziere. Am Abend findet«. em Fest im Kurhaus statt. — Generalintendant v. Hülsen erhielt den Roten Adlerorden zweiter Klasse. Gosterni fand ein Bierabend im Königlichen Schlosse statt, woran u. a. Herr v. Hülsen, der Dramaturg Major Laufs und der Marinemaler Saltzmann Teilnahmen.
— Wie man der „Nat. Ztg." aus Thüringen schreibt, erneuert sich mit größerer Bestimmtheit das Gerücht von ! einer Verlobung der Königin Wilhelmine von Holland mit dem Prinzen Bernhard Heinrich, dem am 18. April 1878 geborenen Enkel des Großherzogs
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Die Gießener Mvmtlieuvtätter »erden dem Anzeiger ta Wechsel mit „Hess. Landwirt" u. ,Mäkler für Hess. Volkskunde- »bchÜ. 4 mal beigelegt.
und Mac Kinley es nicht für angezeigt halten, ihre strikte Neutralitätspflicht zu verletzen.
Washington, 22. Mai. Mit 36 gegen 21 Stimmen lehnte der Senat die Frage des Empfanges der Buren-Delegation durch den Senat ab.
m. 119 Erstes Blatt.
liberalen, die Polen und auch die Mehrheit der Reichspartei, wie jetzt bekannt wird, nicht mehr mitmachen wollen, so dürfte den Konservativen und dem Zentrum der weitere Kampf gegen die Obstruktion aussichtslos erscheinen. — Nach der „Franks. Ztg." hatte die Konferenz der Vertreter aller Parteien im Reichstage das Ergebnis, daß das Zentrum und die Reckste auf die beiden angefochtenen Paragraphen der Lex Heinze verzichten wollen, wenn dafür wenigstens eine Bestimmung in das Gesetz ausgenommen wird, wonach derjenige bestraft wird, der Kindern unter 16 Jahren Darstellungen verkauft oder anbietet, die ohne unzüchtig zu sein, die Schamhaftigkeit gröblich verletzen. Die Parteien sind bereit, das einzuräumen. Es finden letzt Besprechungen der einzelnen Fraktionen statt, und davon wird es abhängen, ob das oben gekennzeichnete Kompromiß, als Initiativantrag in Gestalt eines besonderen Gesetzes einqebracht und die Lex Heinze fallen gelassen wird.
— Der Zentral-Ausschuß der Freisinnigen V o l k s p a r t e i, der am Samstag getagt hat, hat sich mit der parlamentarischen Haltung der Partei auch m der Flotten Vorlage einverstanden erklärt. Der nächste allgemeine Parteitag soll im Herbst in Görlitz stattfinden.
— Im preußischen Abgeordnetenhaus wurden heute von dem Gesetzentwurf betreffend die Zwangs- Erziehung Minderjähriger die 88 1 bis 15 nach, den Kommissionsvorschlägen angenommen, ^.der Hebet- I schrift wird das Wort Zwangserziehung m „Fursorge-Er- ziehung umgeändert.
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§ Wie aus London telegraphiert wird, wird der nächste Schlag des Marschalls Robert -rsolgen sobald er tone Flanken gesichert hat, und für Proviant hinreichend besorgt ist. Ersteres scheint nach den eingehenden Telegrammen geschehen zu sein, an dem letzteren arbeitet Lord KUchene? der plötzlich in Kroonstad aufgetaucht ist.
Lord Roberts telegraphiert aus Kioonstadt: General Buller berichtet, sein Vormarsch verzögere sich wegen her Serstörung der Eisenbahn einige Tage. Rund le meldet, daß er Ladybrand besetzte. Hunter rückt liinas der Eisenbahn mit Vorräten sür Maseking vor und nicktet -in Hospital ein für die Beförderung der Kranken nach Kimberley. Lord Mcthuen verließ Hoopstad, um sich mit HuuterS Abteilung zu Bereinigen.
Telegramme des Gietzruer Anzeigers.
Washington, 22. Mai. Ein Kommunique, das nach dem i^Pfang der B u r e n - D e l e g a t, o n durch den Staats, sikretär Hay an die Presse gesandt wurde, berichtet, daß die Delegierten die amerikanische Negierung ersucht haben, in Interesse des Friedens zu wirken und ihren Einfluß in dieser Hinsicht gegenüber England geltend zu inad)«n. « Inert an die Unterhandlungen, d.e zwischen England und «merika in dieser Hinsicht bereits staltgesunden haben, und schließt mit der Erklärung, daß, obgleich der Präsident und das Volk den Frieden herbeiwünschen, die Regierung
von Sachsen-Weimar. , , . . , . .
- Der Präsident Graf B a l l e st r e m benef heute oen । Reichstaqs-Seniorenkonvent. Er schlug vor, bezüglich der Weiterberatung der Lex Heinze eine freie Kommission aus allen Parteien mit der Losung dieser^Ausgabe zu bettauen, und inzwischen die Beratung der Lex Heinze auszusetzen. Engen Richter schlug! vor, die Lex Heinze unerledigt zu lassen und den ersten Teil^desiJ 184 als besonderes Gesetz durch Initiativantrag zu befchließen. sDurch Aushang gestern bereits bekannt gegeben. D. Red.) — Ueber diese Sitzung macht der „Lok. Anz." noch folgende Mitteilungen: Graf Ballesttem berichtete über die Lage und schlug vor, eine Besttmmung in die Lex Heinze aufzunehmen, wonach alle Produktionen von künstlerischem oder literarischem Wert von den Besttmmungen der §§ 184 a und b auszunehmen seien. Nur auf diesem Wege werde man zu einem gedeihlichen Ausgang kommen. Abg. Richter regte an, das ganze Gesetz fallen zu lassen, und m einem Initiativantrag den ersten Teil, der nur von dem Zuhälterwesen handelt, wieder aufzunehmen, und zu genehmigen. Abg. v. Levetzow bekämpfte die Obstruktionsbestrebungen, die schließlich dahin führen könnten, daß ohne den Reichstag regiert werde. Die Abgg. Bebel und Bassermann traten durchaus auf den Standpunkt Richters. Schließlich einigte man sich dahin, die Lex Heinze vorläufig von der Tagesordnung abzusetzen und den Parteien Zeit zu lassen zu einer Stellungnahme ihrerseits. In wohlunterrichteten parlamentarischen Kreisen hält man das Schicksal der Lex Heinze in ihrer jetzigen Fassung für besiegelt. Der Vorschlag Richters dürfte durchdringen. Da die National-
Die deutsche Torpedobootsdivifio« in Mannheim-Ludwigshafen.
Einen glänzenden Abschluß der Festlichkeiten anläßlich der Anwesenheit der Torpedoboot-Division in Mannheim- Ludwigshafen bildete der Ausflug in das pfälzische Weinqebiet, der am Samstagnachmittag stattfand. Nachmittags 2 Uhr marschierten die Mannschaften der Division unter dem Vorantritt der Kapelle des in Landau garnisonierenden 23 bayerischen Infanterie-Regiments vom GesellschaftShauft in Ludwigshafen, in dem sie bewirtet worden waren, nach dem Bahnhof in Ludwigshafen, wo bald darauf auch die Offiziere der Torpedodivision in Begleitung der Spitzen der staatlichen und städtischen Behörden von Mannheim und Ludwigshafen, sowie des aktiven Offizierkorps des Mannheimer Grenadier-Regiments erschienen. Hierauf erfolgte mittelst Extrazugs die Abfahrt in das pfälzische Weingebiet. Dieser Ausflug bildete einen wahren Triumphzug. Enthusiastischer und begeisterter, wie in der Pfalz können dre Gäste am ganzen Rhein nicht begrüßt worden fern. Der Ertrazug machte halt in Frankenthal, Freinsheim, Dürkheim. Unter den Klängen der 23er Kapelle ging es zunächst in den Kurgarten, wo die Gäste die große offene Veranda bereits gedeckt fanden. Köstliche Weine edelster Sorten und sonstige Erfrischungen standen in großer Menge auf den Tischen. Bald entwickelte sich ein fröhliches Bankett. Bürgermeister Barth begrüßte die Gäste, Kapitänleutnant Funke dankte mit einem Hoch auf Dürkheim, Dr. Bischof toastete auf Kaiser und Prinzregent, an welche Begrüßungstelegramme abgesandt wurden. Nach zweistündigem Aufenthalt wurde die Fahrt nach Deidesheim fortgesetzt. An derselben nahmen nur die Offiziere der Torpedodivision und die Gäste von Mannheim und Ludwigshafen teil, während die Mannschaften unter Führung von Dürkheimer Bürgern einen Ausflug nach der Limburg machten, wo Erfrischungen dargeboten wurden. Nach der Rückkehr von der Limburg reisten die Mannschaften Abends gegen 8 Uhr direkt nach Mannheim-Ludwigshafen zurück. Die Offiziere setzten nach einstündigem Aufenthalt die Fahrt nach Neustadt fort und kehrten erst gegen 3/4ll Uhr nach Ludwigshafen zurück.
Gestern, Sonntagvormittag 10 Uhr, erfolgte die Abfahrt der Division von Mannheim - Ludwigshafen nach Spei er. Die Fahrt wurde auf den Torpedos von zahlreichen Mannheimer und Ludwigshafener Herren, sowie von verschiedenen aktiven Offizieren des hiesigen Grenadier- Regiments mitgemacht.
Karlsruhe, 21. Mai. Kapitän Leutnant Funke telegraphierte heute aus Mannheim an Oberbürgermeister Schnetzler, daß der Aufenthalt der Torpedoflottille in Karlsruhe um einen Tag verkürzt werden muß, da der Kaiser über die Torpedoboote verfügt habe. Dieselben werden Montag Nachmittag 4 Uhr m Maxau eintreffen, und Mittwoch, 23. Mai, morgend, Demgemäß muß die für die Offiziere und M°nnfchaften für kommenden Mittwoch in Aussicht ^genommene Festfahrt u°-h ®a“b21.™aLIei6^e nach Taufenden zählende I Bolksmenge^empfing heute nachmittag 4 Uhr in Maxau d.e
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Berlin, 21. Mai. Von den Kais er tag en in! Wiesbaden wird gemeldet: Am Sonntag früh besuchte I der Kaiser den Garnisongottesdienst und unternahm sodann eine Spazierfahrt mit anschließendem Spaziergang in der Näl>e der Rabenschlucht. Um 12 Uhr 15 Min. hörte der Monarck) nach der Rückkehr ins Schloß in Gegenwart des Chefs des Militärkabinetts, Generals v. Hahnke, den Vortrag des Gouverneurs von Mainz, Barons Collas. Um halb 1 Uhr empfing der Kaiser eine Abordnung der Mainzer Stadtvertretung, bestehend ans bem. | Oberbürgermeister Dr. Gaßner, den Geh. Kommerzienräten Reinach und Michel, sowie dem Medizinalrat Dr. Heß, die I den Dank der Stadt Mainz für die genehmigte Auslassung der Nordwestfront der Festung aussprach. Um 12 Uhp 45 Min. empfing der Kaiser in Gegenwart des Chefs des Civilkabinetts, Wirkt. Geh. Rats v. Lucanus, den Besuch des Stcchtv. Freiherrn von der Heydt-Elberfeld und des, Bildhauers Coubilier, der ein Modell zum Brunnen sur Schloß Burg vorlegte. Zur Frühstückstafel waren geladen: Staatssekretär Staatsminister Graf v. Bulow, Graf und Gräfin Görtz, Flügeladjutant Oberst Gras Moltke, Professor Salzmann, General Baron Collas. Am Nachmittag unternahm der Monarch mit dem Staatssekretär Grafen Bülow eine Spazierfahrt und wurde beim Passieren des vom Gauverband 9 des Deutschen Radfahrerbundes veranstalteten großen Preis-Blumenkorsos von der Menschenmenge begrüßt. Später fuhr der Kaiser zum Bahnbos, um den Großherzog von Hessen abzw- holen. Bei der heutigen „Oberon^-Anfsührung laß der Kaiser in der Hofloge. Neben ihm saßen rechts der Groß- I Herzog von Hessen, links der Großherzog von Sachsen- | Weimar und die Prinzessin Friedrich Karl von Hessen.
Häuschen. , .
In Dover kam es anläßlich der Mafekmg-Fner zu zu Exzessen. Beim Fackelzuq am Samstag abend begann eine Anzahl der Teilnehmer vor dem großen Geschäfte von I. Browne, der als Gegner des Krieges bekannt ist, zu johlen und erst mit Eiern und dann mit Kieselsteinen, Mauersteinen und eisernen Gewichten so lange zu werfen, bis der ganze Laden zertrümmert war. Die Polizei und das Militär konnten lange Zeit nichts anSrichten. Auch die Fenster der benachbarten Lüden wurden eingeworfen. Nachdem der Tumult drei Stunden gedauert hatte, kamen verschiedene hundert Mann Artillerie vom Schlosse herunter marschiert, die die Menge zerstreuten. In Leeds wurden in der Nacht vom Freitag zum SamStag einem als Gegner des Krieges bekannten Bürger von etwa 3000 Personen ebenfalls bei Gelegenheit eines Fackelzuges die Fenster eingeworfen und anderer Schaden angerichtet. In Harlesden wurde der Laden eines Gemüse Händlers, der mit den Buren sympathisiert, zerstört. Die Polizei, die die Menge angriff, wurde mit Eiern beworfen. In Northarnpton explodierte beim Fackelzuge in einem illuminierten Wagen ein Packet Schießpulver. Ein Rechtsanwalt wurde dadurch an: Gesicht und Händen i Heinrich, Prinz Friedrich
furchtbar verletzt. In Ayto« in Berwickshire. gab es auch I ( üon Reffen, der russische Botschafter Gras v. d. Osten- eine Explosion, wodurch einige Kinder zum Teil schwer ver- ■ - - —
fett wurden. In London wurde im Gedränge vor dem Mansion House ein offener Straßenraub ausgeführt. Der Lordmayor selbst mußte vom Balkon Mit ansehen, wie eine Bande Taschendiebe einfach ihre Opfer m ihre Mitte nahm, ihnen alle Wertsachen stahl und dann den Raub teilte. Beinahe zwanzig dieser Diebe wurden verhaftet. Mehrere von ihnen hatten vier bis fünf Uhren und einer mindestens 70 Pfund Sterling Gold bei sich. w
Daily Expreß" will wissen, im Londoner Auswärtigen Amt sei in den letzten 24 Stunden eine an Salisbury persönlich gerichtete Depesche Krügers eingegangen, worin dieser neue Friedensanträge mache. Die Botschaft sei angeblich in überaus demütige Ausdrücke gekleidet Eine Kapstädter Meldung besagt, unter den fortschrittlichen Holländern in Transvaal sei eme Bewegung im Gange, Krüger abzusetzen und alsdann Lord Roberts die Unterwerfung Transvaals
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