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Zweites SBUtt
Nr. U
weise wurden zur Prämiierung
Donnerstag den 18 Januar
1899
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Stämme. Sammlungen. Stämme,
Bezugspreis viertctjährl. Ml. 2,20 monatlich 75 Pjg. mit Bringerlohn; durch die Abdolestcllen vierteljährl. Mk. 1,90 monatlich 65 Psg.
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Dtzd., Stück,
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Hühner, Truten, Ziergeflügel
Hühner, Enten, Gänse
Enten und Gänse
Tauben
dagegen
Eier, der Jahreszeit entsprechend Konkurrenzsänger
Erscheint täglich mit Ausnahme des
MontagS.
Die Gießener KamitierrvlLtter Verden dem Anzeiger fan Wechsel mit „Hess. Landwirt" u. „Blätter für hrff. Volkskunde" »öchtl. 4 mal beigelegt.
TrMsdeilagnnGiHemr^S-»i>wia.
Dlätter für hessische Volkskunde. __
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474 609 Nummern.
\a, deutsche Politik! Was sie bedeutet, es steht ia noch klar vor unseren Augen. Uno merkwürdig: solange alles so leidlich ging, so einigermaßen noch erträglich war, da wurde der Name oes Meisters deutscher Politik, wo es nur irgend anging, geflissentlich verschwiegen Jetzt aber nun Deutschland in mißlicher Lage ist, weil eS, demI Rate des Alten im Sachsenwalde zuwider, dem treulosen England getraut hat, da besinnt man sich mit einem Male wieder aus den teueren Namen. Nicht als ob man damit die Verpflichtung übernehmen wollte, nun seine Wege zu wandeln ; — das ist nicht so leicht und bequem! — sondern man wähnt, mit der bloßen Nennung des Namens das besorgte Volk beruhigen zu können. So große Macht mißt man dem Namen des Toten noch bei. Als Gras Bülow m Stettin sprach in des Kaisers Gegenwart und unzweifel- bast in des Kaisers Namen und Austrag, da gedachte er der ersten Rede des ..unsterblichen Beraters unseres aroßen Kaisers-, und in der zweiten Rede bekannte er: ..Als Staatssekretär des Aeußeren habe ich die Pflicht, unsere auswärtig- Politik in dem Gleise zu halten, das der arökte Staatsmann unserer und wohl aller Zetten, Fürst Bismarck, vorg-z-ichnet hat." E« ist schon ersreu ich, daß Gras Bülow diese Pflicht -rk-nnt und sich zu >hr br kennt. Aber von da bis zur Erfüllung d'-s-r Pfl cht >st noch ein weiter Weg. Versügt der Gras überdie Ent^ schlossenheit, die Entschiedenheit, die Festigkeit des Willens wie Fürst Bismarck? Besitzt er denselben klaren politischen Blick, der nicht nur alle Verhältnisse der Gegenwart son- verain überschaut, sondern auch die Folgen in der Zukunf mit derselben Sicherheit vorausschaut? Besonders aber stehen dem Grasen Bülow dieselben Imponderabilien zur Seite, die dem Fürsten Bismarck jeden politischen Erfolg
Kstrsltt rrvö Vroodyrettrs.
(Anonyme Einsendungen, gleichviel welche« Inhaltes, werden grundsätzlich nicht ausgenommen.)
Gießen, den 17. Januar
*♦ «elchichtSknlender. (Nachdruck verboten.) Dor 29 Jabrm, em 18. Januar 1871, wurde im Sptegelfaale zu Versailles König Wtlbelm I. zum Deutschen Kaiser proklamiert. Schon s ll Ok ober 1870 wurden zwischen Preußen und den süddeutschen Staaten Verhandlungen geführt, die zum Abschluß einer Vereinigung °uf Giund- laae der Dersassung des Norddeutschen Bundes führte. Von dem patriotisch gesinnten jugendlichen König Ludwig II. Bayern g ng todann die Anregung zur Wteberherftellung der deutschen Kaiser würde aus, ein Gedanke, dem dte übrigen Fürsten und freien Städte freudig zustimmten.
ländern Schonung schafft? Worin aber besteht denn Englands Verdienst um Deutschland, daß dieses sich England zu Liebe dem Mißtrauen aller andern Großmächte aus- setzen soll? Ebensowenig wie von englischen Verdiensten um Deutschland in der Vergangenheit die Rede fern kann, würde Deutschland (in der Zukunft irgend welchen Dank von England ernten. Darum noch einmal: zururk vom deutsck-enalischen Abkommen! „ ,
Auf dem Kriegsschauplatz war es in der letzten Woche ruhig' je weniger Nachrichten über den Fortgang des Kampfes zu uns gelangen, desto mehr erfahren wir von unerhörten Rohheiten der Engländer gegen verwundete und gefangene Buren. Und solcher Macht hatte die größte deutsche Firma, hätte der Geheime Kommerzienrat Krupp fast noch Munition geliefert. Man hat viel Zeit^erstreichen lassen, ehe man einschritt. Es ist anderthalb Wochen her daß unser Blatt mit zuerst die Nachricht von der Kruppschen Lieferung an England positiv bestätigen konnte. Die Herstellung der Granaten hat vor Wechnachten begonnen, sw i wurde aufs Aeußerste beschleunigt. Da kann m drei Wochen viel fertig geworden sein. Auf die Firma Krupp nimmt man in Berlin begreiflicher Weise jede mögliche Rücksicht wir wollen hoffen, daß die Regierung nicht erst dann em- geschritten ist, als der größte Teil der Geschosse? bereits abgeliefert war. Aufklärung hierüber wird im Reichstage unnachsichtig gefordert werden müssen.
* unser Verhältnis zu England. !
Gießen, am 17. Januar 1900. I J
Die zweite Woche des neuen Jahres ist dessen Anfänge | gleich geblieben. Das Gewölk am politischen Horizont hat sich noch nicht verzogen, die Beziehungen zwischen^Deutsch- I land und England, die im Mittelpunkte alles Interesses I flehen, haben sich während der letzten sieben Tage nicht geändert. Zu den vier beschlagnahmten Schiffen ist freilich I kein neues hinzugekommen; im Gegenteil, drei davon sind I wieder freigegeben, ohne daß sich irgend etwas auf ihnen gefunden hätte, das die Beschlagnahme rechtfertigt; auf dem vierten aber, dem am letzten Tage des alten Jahres aus- I gebrachten „Bundesrat" wird jeder Ballen, jede Kiste, jedes Faß genau auf den Inhalt untersucht, ob Kontrebande darin wäre. Auch dort war bad Suchen vergeblich, alle I Lademanifefte haben sich bisher als richtig erwiesen; die englischen Beamten könnten es jetzt vor ihrem Gewissen getrost verantworten, das Schiff freizugeben. Aber es ge- I schicht nicht. Darin liegt gerade die empörende Heraus- I forderuna Englands gegen Deutschland, darin gerade zeigt I sich am deutlichsten die Geringschätzung aller angeblichen I Rechtsverwahrungen des Auswärtigen Amtes in,Berlm von | englischer Seite, aber auch die Geringschätzung Deutschlands überhaupt. Und insofern wird durch das ganze englische Verhalten unsere nationale Ehre beleidigt, und zwar um so tiefer, als Deutschlands Kaiser im Herbst noch die vom ganzen Volke mit Bedauern und Befremden angesehene Reise nach England unternommen hat.
Allem Anschein nach ist der Kaiser persönlich verletzt, das zeigte sein Verhalten bei dem Besuch des Charlottenburger Mausoleums, das zeigte der direkte Appell an die | Großmutter in Windsor (der Nachricht von der Entsendung eines Spezialkuriers ist ja von keiner Sette widersprochen worden), das zeigte sein völliges Schwelgen m ^eMn. Der Kaiser darf sich aber nicht wundern. Das Bitten, Warnen, Protestieren seines Volkes gegen die englisch Reise ist ihm ja nicht unbekannt, aber es ist von ihm unbeachtet geblieben, er folgte seinem Willen und dem Wunsche seiner Ratgeber, die \a zum Teil für
englisches Wesen schwärmen. Es gab eine Zett, in der nur das für hoffähig galt, was den Franzosen nachgemacht wurde; tiefe politische Erschütterungen räumten mit solcher Verirrung auf. Frankreichs Mode ist abgelost worden durch Englands: englischer Sport, englische englische Manieren bürgerten sich in den höchsten Kreisen ein, und die englische Sprache begann in manch einem höfischen Kreise unsere schöne deutsche Muttersprache zu verdrängen - soll eine zweite schmerzliche Lektion notig werden, um deutscher Art und damit auch deutscher Politik wieder die berechtigte Achtung und alleinige Geltung zu
Dieses Ergebnis ist sehr zuftiedenstellend. Der Besucher findet Sehenswertes in überreicher Sufle. Sn1899 befanden sich neben den Prämiierungstieren noch 187 Stämme Verkaufstiere auf der Ausstellung, wodurch dieselbe für den Laien unverhältnismäßig reichhaltig erschien. .Trotzdem diesmal des beschränkten Raumes halber von einer Ver- kaufsabteilung' Abstand genommen worden ist^ wird der Laie wegen der größeren Ausdehnung der Sammlungen das Fehlen dieser Verkaufstiere kaum bemerken Der Fachmann aber wird an dem, wie oben ersichtlich ist, viel reicher zu erwartenden Pränmerungsgeflugel seine helle Freude haben. Es geht schon jetzt aus den Anmeldungen hervor, daß der von Seiner Königlichen Hoheit dem Groß- Herzog von Hessen und bei Rhein gestiftete Ehrenpreis viele Aussteller angespornt hat, mit musterhaften Gesamtleistungen zu erscheinen Beweis hierfür ist der, daß sich diesmal bei geringerer Ausstellerzahl die Nummern vermehrten. Sicher bildet diese Ausstellung em wettens Ruhmesblatt in dem Kranze der Erfolge des Vereins. Ueber die Sy paihie welche viele Vereinsfreunde durch Preisstiftungen bewiesen, berichten wir besonders. Zum Gelingen des Ganzen können Freunde und Ausstellungsleitung jetzt fast ®»t8 mef)r beitragen. Einen vollen erfolg h-rbeizusühr-n i ift ieftt Sache unseres Publikums. In einem regen Besuch dürfte die «uSstellungSleitung ihren schönsten Ehrenprei erblicken.
nahezu sicherten: das hohe Ansehen und das schwere Ge- I I wicht seines Urteils und feines Willens, dem selbst die Gegner, wenn auch unter Zähneknirschen, die Anerkennung I -
wird Bismarcks Nam. jetzt als Autorität, gegen die es keinen Widerspruch giebt, in I Anspruch genommen: von denen auf der -inten. Werin es I noch geschieht, um gegen die Flottenvermehrung zu ag> I tieren9 so kann man das mit recht großem Aufwand an I Nachsicht noch entschuldigen: Bismarck hat vor u erlosen Flottenplänen allerdings gewarnt niemals aber e^ Ver I stärkung unserer Flotte ur entbehrlich gehalten. Wie er I 'mit dem größten Nachdruck, mit dem Riesengewicht seiner Beredsamkeit für die Heeresvermehrung ^getreten is^ I als sie nötig war — man denke nur an den b-J^oruar I 1888 — so würde er mit derselben UeberzeuEgskrast di I Vermehrung unserer Kriegsflotte vor jedem Reichstag treten haben, sobald er sie für notig erkannte. Wer rann l aber bezweifeln, daß das unter den heutigen Umstanden I I der Fall gewesen sein würde? Protestieren müssen wir I aber dagegen, daß die Leisetreter, die Weichen und die Feigen sich mit Bismarcks Namen SU decken versuchen, indem sie eine Stelle aus dem zweiten Bande der ,Gedanken und Erinnerungen" anziehen, an der es heißt- ,^nter I nationale Streitigkeiten, die nur durch den ^lksttieg er-
I lediat werden können, habe ich niemals aus dem Gesichts- I punkte des Göttinger Comments und der P^^men^ren- Ehre aufgesaßt". 5)ier wird offenbar gegen besseres Wissen der Unterschied übersetzen zwischen den Göttinger Studenten I und dem verantwortlichen Staatsmanne, zwischen der pri^ I
I Daten Ehre und der eines ganzen Volkes, zwischen der I Verantwortung nur für das eigene Leben und der für I I das Leben von «punberttaufenben. Mag es also immerhin I erfreulich sein, daß in der ersten ernsten Zett, die wir feit I des Reichskanzlers Abfcheiben erleben, auch seine erbitterten I politischen Gegner zur Unterstützung ihr^. Absicksien und I Ansichten auf ihn sich berufen, solcher Mißbrauch semes I - Namens und seiner Worte muß abgewiesen werben.
I Also soll Deutschlanb jetzt zum Schwerte greifen Nem I es giebt noch anbere Wege emer Sefunben, kraftvollen I und9 erfolgreichen Realpolitik. Zunächst muß der ^chwer- I unserer ganzen auswärtigen Politik üloanber hin gelegt I werden. Es ist nun einmal so: hat man sich verlaufen oder verfahren, bann muß man
I ben rechten Weg kommt. Durch bte Politik ber letzten Jahre I sind wir dahin geraten, daß wir uns auf England stutzten Lnb nahezumitEngland stehen und fallen England aber
I steht aber im allerschärfsten Gegensatz zu Rußland. Es is natürlich, daß dieser Umstand aus unser Verhältnis zu
I Rußland zurückwirkt; daran ändert kem Besuch, kein Toast I etwas. Darum wird auch von gewisser S^te schon prophe- I -eit wenn Englands Macht erst gebrochen wäre, dann I mürden Rußland und Frankreich vereint über Deutschland I verfallen Was ist da zu machen? Nur das Eine, das; wir die Freundschaft mit England, die im Volke so wie so keme Wurzel hat, offen und ehrlich preisgeben und aufdiese Weife uns den Rücken nach der anderen Sette hm decken. Worte genügen aber dazu nicht, die find billig wie Brom- beeren Außerdem wird die deutsche Politik von dem Auslage schon viel zu sehr mit demselben Maßstabe gemessen w." die LgNscho, mit dom M-ßstabe des Mißtrauens dem unaünftiaften ben es giebt. Es muß beshalb bie Wenbung unserer auswärtigen Politik burch eine That befunbet werden bie über ben Ernst ber Wendung keinen Zweifel laßt. Diese That ist ber anbere Weg einer kraftvollen ""b erfolgreichen Realpolitik: Der Rücktritt von bem beutsch-eng- IiWeSu®» Mch-khA?Pht°d°r Vertrag sonne Lw1Zä°n"°g°"W^werd-7 Lch M "an 1
Nttet ast wie durch eine gemeinsame Schuld Aus solchem Bunde aber ^>nn kein Segen sprießen Wir können fernen ehrlichen Protest gegen irgenb einen Schritt Englanbs erheben - ber Vertrag hinbert uns daran; wir muffen uns in Afrika Alles gefallen lassen — bie Rücksicht auf ben Vertrag forbert bas; Portugal betrachtet uns als Femb ! - be? Vertrag ist Schuld daran; Rußland und Frankreich schätzt uns als geheime Verbündete Englands — ganz natürlich: wir haben ja durch den Vertrag gememfamo Sache mit England gemacht in einem nicht sehr sauberen Handelsgeschäft. Darum ist es dringend notig, daß diese lästige Fessel von uns abgestreift werde; auf keine andere Weise können wir die Freiheit der Bewegung zuruckge- roinnen, die Ellbogenfreiheit, die eine Großmacht wie das deutsche Reich haben muß. Die segensreichen Folgen dieses Entschlusses werden sich unzweifelhaft schnell ^nstellen. Vor allem Anderen aber wird das erste Ergebnis dieses deutschen Rücktrittes sich barm zeigen, baß Englanbs ttuf-
I treten vorsichtiger werben wird. Denn Mit einemmal wirb I es vor ben Augen ber ganzen Welt als vollstanbig Modert erscheinen Ober sollte man sich barüber im beutsctzen Auswärtigen Amte immer noch Nicht klar geworben sein, baß
I nur bie Rücksicht auf Deutschlanbs Heeresmacht ben Eng-
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•* Auszeichnung. Seine Königliche Hoheit ber Großherzog haben Allergnäbigst geruht, am 5 Jmiuar dem Bürgermeister Peter Frey in Wixhausen bas Allgemeine Ehrenzeichen mit ber Inschrift: .Für langjährige treue Dienste" am Bande des Philipps Ordens zu verleihen.
*♦ Geflügel-Ausstellung. Der Ausstellungskatalog ist zufarnrnengestellt und umfaßt dieses Mal 624 Nummern nur für die Prämiierungsklafse, gegenüber 088 Nummern m ber Prämiierungs- und Verkaussklasfe in 1899. Vergleichsweise wurden zur Prämiierung angemelbe^


