Personen nWt statt finden konnte. Beschwerden, welche von den Arbeiterinnen nicht dein männlichen Auffichts- dcamtcn mitgeteilt werden tonnten, sind der Assistentin im diesseitigen Bezirk nicht anvertraut worden."
Der Inspektor in Darmstadt dagegen schreibt: „Durch den direkten Verkehr der Assistentin mit vielen Arbeiterinnen sind manche Mißstände und Mängel aufgefunden und beseitigt worden, deren Vorhandensein wohl dem männlichen Personal entgangen wäre." Und noch! reichhaltiger wird von Offenbach berichtet, daß die Zuteilung eines weiblichen Aufsichtsbeamten zu der Gewerbeinspektion sich von großem Vorteil gezeigt habe. Der Verkehr der Assistentin mit den Arbeiterinnen habe die Thätig- keit der staatlichen Aufsichit den Arbeiterinnen näher gerückt und in Bezug aus wirtschaftliche, gesellschaftliche und sittliche Fragen den Aussichtsbeamten ein ungetrübtes Bild der thatsächlichen Verhältnisse an die Hand gegeben, denselben damit zugleich eine wesentliche Handhabe bei der Beurteilung einschlägiger Angelegenheiten geliefert. Die Einführung weiblicher Beamten in den Gewerbeauf- sichtsdienst könne, wie sich), nach den Verhältnissen des Bezirks bis jetzt beurteilen lasse, als ein wesentlicher Fortschritt für die Durchführung der gesetzliche n M.a ß n a h m e n bezeichnet werden, namentlich auch in der Richtung, daß den Beamten, die infolge ihrer Vermittlerrolle zwischen schroff gegenüber stehenden Gegensätzen sich in die Lebens- und Arbeitsverhältnisse der beiden Parteien, der Arbeiter und der Arbeitgeber, einleben sollen, ein weiterer Einblick in diese Verhältnisse bezüglich der weiblichen Arbeiter eröffnet worden sei.
Der Inspektor zu M a i n z enthält sich über den Wert oder Unwert weiblicher Assistenz des Urteils. Aus diesem Schweigen wäre zu schließen, daß man in Mainz zu einem maßgebenden Urteil noch nicht gekommen, oder von weiblicher Hilfskraft sich nichts oder wenig verspricht. Erwägt man nun, daß den Inspektoren zu Gr c ß e n und M a i n z dieselbe Assistentin bergegeben ist, während die andere Assistentin mit ihrem Sitze zu Offenbach 'auf diesen Inspektionsbezirk und demjenigen zu Darmstadt ihre Thätigkeit äu entfalten hat, also auf die Bezirke, in denen man von der weiblichen Hilfskraft bereits Erfolg gespürt hat und sich noch größeren verspricht, so könnte, man daraus den Sckckuß ziehen, daß ,nan in der Person der ersten Assistentin, und ihre Leistungsfähigkeit, den außerordentlich schwierigen Beruf auszuüben, sich vielleicht geirrt habe, oder daß die Verhältnisse in Rheinhessen und Oberhessen so einzigartig im Vergleich zu denjenigen in Starkenburg sind, daß eine Assistentin für diese Bezirke unmöglich und darum unnötig wäre. Wir halten R|icfe Urteile für verfrüht, denn eins rst im Auge zu behalten: die Thätigkeit der weiblichen Beamten ist von so kurzer Dauer, daß ein abschließendes Urteil weder nach der einen, noch nach der anderen Seite jetzt iwch nicht abgegeben werden kann. Vielleicht erfahren wir am nächstjährigen Jahresbericht über diesen Punkt etwas Näheres.
Es ist unmöglich, bei einer Kritik im Rahmen unseres Blattes auf alle einschlägigen Verhältnisse des gewerb- lichen' Lebens unseres Landes einzugehen. Wir wollen nur die Verhältnisse Ob er Hessens in den Bereich unserer Betrachtung ziehen und die anderer Bezirke nur vergleichsweise anführen.
Rach der Zählung ain 30. September 1899 waren im Lande 3017 gewerbliche, der staatlichen Aufsicht unterstellte Anlagen im Betrieb mit einem Gesamtpersonal von 80806 Arbeitern, nämlich im Bezirk Darmstadt (Starkenburg ohne den Kreis Offenbach- 1238 Anlagen mit 23 570 Arbeitern, Offenbach 607 : 19 158, Gießen 1109 : 11529 (zur Zeit des stärksten Betriebs 13 609), Mainz 1113 : 26 544. Arbeiter unter 16 Jahren waren es insgesamt 6589, darunter 4219 Männliche und 2370 Weibliche. Diese fallen auf Dar m st a d t 2052 (M. 1447, w. 605), Offenbach 1517 (M. 852, W. 665), Gießen 1039 [1302s (M. 698 [9141 W. 341 [388], Mainz 1981 (M. 1222, W. 759). Die Zahlen sämtlicher Arbeiterinnen sind 15 076, nämlich Darmstadt 3611, Offenbach 4644, Gießen 2648, Main z 4173.
__________Fortsetzung folgt.
Aus Stadt und Land.
Sietzen, den 16. Juli 1900.
• • Personalnachrichteu. Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr zu Schlitz Leonhard Metzendors, Johann Fend und Georg Gniß verliehen; der Regierung-- assessor Pfeif fier zu Darmstadt wurde mit AuShilseleistung bei dem Sekretariate diese- Ministerium- beauftragt.
* * Nach China. Wir haben in unserer Nr. 163 (Viertes vlatt) in einem „Die deutschen Rüstungen" überschriebenen Artikel bereit- u. a. mitgeteilt, daß die Herren Oberstleutnant Petze!, Hauptmann Bartsch, Leutnant Fischer und Assistenzarzt Krüger vom Regt. 116 in das ostasiatische Expeditionskorps cingereiht worden sind. Am Samstagabend fand au« diesem Anlaß im Garten des Offizierskasinos ein Abschiedsessen statt. Am Sonntag früh 6" Uhr haben die 40 Köpfe zählenden Mannschaften Gießen verlassen. Am Sonntagabend sind sodann auch die Offiziere nach Darmstadt abgereist. Hauptmann Bartsch hat, wie wir hören, in früheren Jahren bereit-, von seiner Gattin begleitet, an einer Afrikaexvedition teilgenommen. Wir können nur wünschen, daß sie alle wieder nach erfolgreichem Zuge in guter Gesundheit zurückkehren.
* * Unfall hat sich, wie wir hören, am Freitag aus einem hiesigen Fechtboden zugetragen. Ein Studiosus, Angehöriger eine- hiesigen Korps, stürzte beim Fechten infolge eines Fehltrittes zu Boden und verletzte sich an einem Bein so erheblich, daß die Wiedergenesung erst nach Monaten erhofft werden kann. Es sollen schwere Sehnenzerrcißunacn vorgekommen sein.
Die Merzte des Großherzogtums sind bestrebt, mit den Krankenkassen des Landes andere, für sie günstigere Vereinbarungen zu erreichen Nach einem Beschlüsse des Landesverbandes der hessischen Aerzte werden darüber statistische Erhebungen von sämtlichen Acrztcn de- Lande- gemacht, wie hoch sich au- ihren Einnahmen das Honorar
für die Cinzelleifiung, resp. für jeden «...
rechnet. Aus Grund diese- gesammelten wtaui, ,vuva dann weitere Schritte in dieser Angelegenheit gethan werden.
• * Der Jahresbericht der deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (unter dem Prstektorat Kaiser Wilhelm- II.) ist erschienen, und wir entnehmen daraus folgende Daten, die gewiß unsere Leser und die Mitglieder der Gesellschaft am hiesigen Platze, 249 an der Zahl, interessieren dürsten. Hiernach sind insgesamt 61 Schisse und 392 Personen im vergangenen Jahre 1899/1900 an den deutschen Küsten verunglückt, von denen 345 Personen gerettet und nachweislich 47 Personen umgekommen sind. Die Rettung ersolgte bei 88 Personen durch Selbsthilfe, bei 27 durch Hilfe von anderen Schiffen, 23 durch Privathilfe vom Lande aus und 207 durch Rettungsstationen; davon 145 durch Rettungsboote und 62 durch Raketenapparate. 30 Rettungsstationen traten 40 mal in Thätig- keis, darunter 29 mal mit Erfolg. Unter den verunglückten Schiffen befanden sich 32 deutsche, 9 schwedische und nor- wegifche, 8 dänische, 4 englische, 4 russische, 2 holländische, 1 französisches und 1 österreichisches Schiff. Die Rettungsstationen der Gesellschaft sind 29 mal mit Erfolg thätig gewesen und haben 207 Menschenleben aus Seenot gerettet. Von diesen Rettungen erfolgten 24 durch Rettungsboote, 5 durch Raketenapparate. Die Zahl von 207 geretteten Menschenleben ist die größte seit dem Bestehen der Gesellschaft. Die Zahl der seit Begründung der Gesellschaft durch deren Gerätschaften geretteten Personen ist damit aus 2717 gestiegen. Die Zahl der Rettungsstationen beträgt 116; davon befinden sich 72 an der Ostsee, 44 an der Nordsee. — Die Jahresbeiträge betrugen von 53896 Mitgliedern 151383,70 Mk. Die außerordentlichen Beiträge betrugen 102 353,37 Mk. Davon lieferten die Sammelschiffchen 23583,09 Mk. Die Gesamteinnahme belief sich aus 316469,28 Mk. Die Gesamtausgabe auf 213629,37 Mk. Die Zahl der Bezirksvereine beträgt 62, der Vertreter- schasten 272. Vertreter für Gießen ist Herr Jean Kirch, der Anmeldungen als Mitglied stets gern entgegennimmt.
Staufenberg, 14. Juli. Etwa 40 Schülerinnen der höheren Töchterschule zu Gießen, begleitet von Frau Bichler aus TextorS Hardt und anderen Damen, kamen aus zwei mit grünen Zweigen, Fähnchen und Lampion- geschmückten Leiterwagen hier an, stiegen am Eingang des Ortes ab und wanderten fröhlich der hiesigen Burgruine zu. Wie wir hören, waren die Mitschülerinnen von BichlerS beiden Töchterchen einer Einladung Frau BichlerS gefolgt. Nach einigen Stunden fröhlichen Zusammensein- fuhren sie abends gegen 8 Uhr wieder zurück.
Bad-Nauheim, 15. Juli. Bis zum 12. Juli sind 12818 Kurgäste hier zur Anmeldung gekommen, wovon an genanntem Tage noch 5893 Personen anwesend waren. Vom 1. April bis 12. Juli 1900 wurden 150573 Bäder, darunter 6799 Freibäder, gefertigt. Abgegeben wurden am 6. Juli 2718 Bäder, 7. Juli 2723 Bäder, 8. Juli 1891 Bäder, 9. Juli 2692 Bäder, 10. Juli 2576 Bäder, 11. Juli 2667 Bäder, 12. Juli 2569 Bäder. — Programm der Unterhaltungen: Frühkonzert der Kurkapelle täglich von 7—8 Uhr am Kurbrunnen. Montag den 16. Juli, abends von 8 — 10 Uhr aus der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr Theatervorstellung: Die Dame von Maxim. Dienstag den 17. Juli, nachm. von 4«/,—6i/2 Uhr und abends von 8—10 Uhr aus der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends Liszt- und Wagner-Konzert. Abends 8 Uhr Theatervorstellung: Einmaliges Gastspiel der Hosschauspielerin Frl. Kannöe. „Die berühmte Frau". Mittwoch den 18. Juli, nachm. von 41/, —7 Uhr und abends von 8—10 Uhr aus der Terrasse Konzert der Kapelle des Königl. Bayer. 9. Ins.- RegtS. „Wrede" aus Würzburg unter Leitung des Königl. Musikdirigenten Witt. Abends von 8 Uhr ab Lampionsbeleuchtung der Terrasse. Bei gutem Wetter spielt die Kurkapelle nachm. von 4—6 Uhr am Teich. Abends 8—10 Uhr im Saal Tanz. Donnerstag den 19. Juli, nachm. von 4'/,—6i/z Uhr und abends von 8—10 Uhr aus der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Nachm. 4 Uhr Theatervorstellung für Kinder und Erwachsene: „Die Puppenfee". Abends 8 Uhr „CharleyS Tante". Freitag den 20. Juli, nachm. von 4Va—6Vi Uhr und abends von 7—8*/, Uhr aus der Terrasse Konzert der Kapelle des Magdeburg. Drag.-Regts. Nr. 6 aus Diedenhosen. Abend- 8 Uhr Theatervorstellung unter Mitwirkung der Kurkapelle: Zum ersten Male: „Der arme Jonathan". SamStag den 21. Juli, nachm. von 4«/a—61/, Uhr und abends von 8—10 Uhr Konzert der Kurkapelle auf der Terrasse. Abends 8 Uhr im Saal Zaubervorstellung des HoskünstlerS Meunier-Sölar aus Frankfurt a. M. Sonntag den 22. Juli aus der Terrasse Konzert der italienischen Bersaglieri-Kapelle F'mole.
O Bleichenbach, 13. Juli. Vor Beginn des Baues der hiesigen Wasserleitung hatten viele Bürger die Ansicht, daß die Quelle das täglich nötige Wasserquantum nicht liefern könne. Diese Befürchtung ist jetzt gänzlich beseitigt, da die Quelle noch stets den alten „Brauhausbrunnen" mitspeisen hilft. Wenn auch abends und morgens die Wasserabgabe dieses Brunnens etwas nachläßt, so fließt doch während der Nacht ein bedeutender Wasserüberfluß vom Bassin in einen Graben ab, das bei zu befürchtendem Wassermangel ja auch noch bis zum Morgen gesammelt werden könnte. — Die Gemeinde ist mit der Anlage dieser neuen Quellwasserleitung, deren Wohlthaten man jetzt zur Sommerszeit erst schätzen lernt, recht zufrieden.
§ tzartmanushaiu, 14. Juli. Dem Lehrer Hofmann wurde die Lehrerstelle an der Gemeindeschule in dem benachbarten VolkartShain definitiv übertragen.
Darmstadt, 14. Juli. Am 13. Juli, als am 34. Ge- dächtniStage der Gefechte bei Laufach-Frohnhofen, begaben sich eine Anzahl Herren von hier zum Besuche und Schmücken der Gräber dorthin. Am Denkmal in Frohnhofen wurde ein Lorbeerkranz mit Widmung des
,.«,iuutS des Landesverbandes „Hassia", desgleichen eiw Lorbeerkranz mit Widmung vom Kriegerverein Darmstadts sowie eine Kranzspende vom Kriegerverein „Germania" niedergelegt, ebenfalls auf dem Friedhose in Laufach em Lorbeerkranz mit Widmung des Präsidiums des Landesverbandes „Hassia" und auf dem Massengrab in Aschaffenburg. Weiter erhielten sowohl die Maffengräber als auch die Einzelgräber noch je eine besondere Kranzspende. — Auch da- Oesterreicher-Denkmal bei Aschaffenburg wurde gleichfalls mit prachtvollem Lorbeerkranz und der Widmung „von 66ern Mitkämpfern" geziert. — Die Landwirt- schastliche Genossenschaftsbank zu Darmstadt hält eine außerordentliche Generalversammlung am Montag den 30. Juli, vormittag- 10t/, Uhr, im großen Saale des Hotels „Darmstädter Hof" ab. Tagesordnung: 1. Abänderung des GesellschastSvertrageS nach den Bestimmungen de- neuen Handelsgesetzbuches. 2) Erhöhung de- Grundkapitals auf eine Million Mark durch Ausgabe von 500 aus Namen lautende Aktien jede zu 1000 Mk. Nennbetrag. 3) Festsetzung des MindeftbetragS, unter dem die Ausgabe neuer Aktien nicht erfolgen soll. 4) Ausübung des Bezugsrechts. Genehmigung eines Vertrags wegen Uebernahme der von den VerbandSgenoffenschasten '6iß zu einem bestimmten Zeitpunkte nicht gezeichneten Aktien. 5) Wahl weiterer AufsichtSratSmitglieder (nach § 23 des Entwurfes).
Darmstadt, 14. Juli. Für das Studienjahr 1900/1901 ist, wie wir bereit- meldeten, Dr. Schering zum Rektor der Technischen Hochschule ernannt worden. Als Prorektor fungiert Geh. Baurat Professor Koch. Vorstände der sechs Fachabteilungen sind für das kommende Studienjahr die nachstehend genannten Professoren: Architektur; Wickop, Jngenieurwesen: Geh. Baurat Dr^ Schmitt, Maschinenbau: Geh. Baurat Pfarr, Elektrotechnik: Dr. Wirtz, Chemie (einschl. Elektrochemie und Pharmacie): Dr. Diessenbach, Mathemattk, Naturwissenschaften und allgemein bildende Fächer (Allgemeine Abteilung); Dr. Dingeldey.
Darmstadt, 14. Juli. Der Großherzog empfing am- 14. Juli den Oberstleutnant Petzel vom Stabe des 3. Ostasiatischen Jusanterie-RegimentS, den Batterieführer Hauptmann v. Plönnies und den Oberleutnant Frhrn. v. Rechenberg vom Ostasiatischen Feld-Artillerie-Regiment, den Assistenzarzt Dr. Krahn vom Kriegslazarett des Ostasiatischen Expeditionskorps, den Assistenzarzt Dr. Eisen- Huth vom Feldlazarett des Ostasiatischen Expeditionskorps, den Roßarzt Aul ich vom Großh. Train-Bataillon Nr. 25, die Professoren der Landes-Universität Gießen öirmer und Beling, den Kreisamtmann Born von Schotten, den RechnungSrat Henkel von Gießen. — Ein Telegramm des deutschen Centralkomitees vom Roten Kreuz vom 13. d. M. teilt mit, daß der augenblickliche Bedarf an BerufS- krankenpflegern für China gedeckt ist.
Mainz, 14. Juli. Gestern fand eine Versammlung der vereinigten Finanz, und Bauausschüsse, der Kommissionen für StraßeN'Angelegenheiten und elektrischen Anlagen statte um einen Vortrag des StadtratS Riese-Frankfurt a. M. über die Nmwandlung des Straßenbahnbetriebes in einen elektrischen Betrieb entgegenzunehmen. Bon einer Besprechung über deu Ankauf der Bahn selbst durch die Stadt wurde vorerst abgesehen. — Die Stadt hatte zum Zwecke der Wasserversorgung die Erbauung eine- Hochbehälters ausgeschrieben. Die Eröffnung der eingelaufenen Offerten ergab, daß aus das auf 100,000 Mk. veranschlagte Projekt die merkwürdigsten Preisunterschiede eingereicht worden waren. So verlangte eine Firma in Mühlheim a. Rh. eine Summe von 56,576 Mk. und eine hiesige Firma 104,576 Mk. — Differenz 48,000 Mk.
Bingen, 15. Juli. In der letzten Stadtverordneten^ Sitzung wurde bei der Budgetberatung zum ersten Male der Versuch gemacht, auch hier indirekte Besteuerung in Form einer Kanalsteuer und Oktroi auf auswärtiges Bier einzuführen. (Per Hektoliter Bier 80 Psg.^ einheimisches Bier durch Braustoffbesteuerung zirka 20 Psg. per Hektoliter.) Beide Vorlagen wurden unter Führung, de- Stadtverordneten May scharf bekämpft. Bon einem Bieroktroi sollten schon die Erfahrungen abschrecken, die jetzt das Reich mit seiner Steuer auf ausländische Biere macht. Die indirekte Besteuerung widerstreite der Verkehrs- uud Gewerbesreiheit, sowie dem Grundsätze einer gerechten Belastung nach Maßgabe der Leistungsfähigkeit. Bingen habe sich bis jetzt trotz aller großen Unternehmungen bev letzten Jahre von der veralteten, ungerechten und belästigenden indirekten Besteuerung frei gehalten, es solle auch ferner frei bleiben. — Beide Vorlagen wurden mit 10 gegen 6 Stimmen abgelehnt, womit eine Erhöhung, der Umlage um etwa 10 Prozent notwendig erscheint.
Vermischter.
* Frankfurt, 14. Juli. Heute nachmittag gegen 2</, Uhr stieß ein Automobilwagen mit einem elektrischen Straßenbahnwagen derart heftig zusammen, daß das Automobil in tausend Trümmer ging und der Lenker desselben, Bäckermeister Schwarte von hier, schwer verletzt wurde. Ein zweiter Jnsaffc de- Fuhrwerks kam ohne Verletzungen davon.
* Harzburg, 15. Juli. Eine fürchterliche Detonation erfolgte am 2. d. M. in dem Kesselraume des Hotels Juli ushall in einer Benzintrommel, von der die Beleuchtung für das ausgedehnte Hotel mittel- Acetylens bewirkt wird. Wenige Minuten darauf standen die Wirt- schastSräume des Erdgeschosse- in hellen Flammen. Ein erstickender Qualm verbreitete sich in dem Treppenhause des eleganten Hotels, da- weit über dreihundert Logiergäste zur Zeit beherbergte. Man rettete, was zu retten war. Au- allen Fenstern der drei Etagen wurden Kleider, Hutschachteln und sonstige Gegenstände herauSgeworssn, während da-


