Sitzung der Stadtverordneten
am 15. Februar 1900.
Anwesend Herr Oberbürgermeister Gnauth, die Herren Beigeordneten Georgi und Wolff, von feiten der Stadtverordneten die Herren Brück, Euler, Faber, Flett, Dr. Fuhr, Grünewald, Hanau, Haubach, Heichelheim, Heyligenstaedt, Huhn, Jughardt, Keller. Kirch, Krumm, Leib, Söber, Orbig. Scheel, Schiele und Wallenfels. — Entschuldigt die Herren: Beigeordneter Grüneberg, Stadtverordneten Dr. Gaffky, Helfrich, Loos, Petri, Dr. Schäfer, Schmal! und Emmelius.
Der Gail'schen Dampfziegelei soll die Errichtung eines Pumpenhäuschens auf dem Fabrikgelände am Schtffen- bergerwald gestattet werden.
Herr Gärtner Berger beabsichtigt au der Marburgerstraße drei Treibhäuser zu errichten. Das Gesuch wird genehmigt.
Das Gesuch des Herrn Karl Keßler, welcher an Stelle seines alten Hauses am Tiefenweg einen Neubau errichten will, und um Entbindung von der Verpflichtung des Massivbaues nachsucht, wird mit Rücksicht auf die ungeschickte Form der Baustelle abschläglich beschteden, dagegen befürwortet
das Gesuch des Herrn EgidiuS Ebel, der das an Stelle des abgebrochenen Wohnhauses neu zu errichtende Haus in der Rittergasie an drei Seiten in Holzkonstruktion auszuführen beabsichtigt,
Mit der von der Baudeputation vorgeschlagenen Fluchtlinie für den Seltersweg, hier speziell für den Neubau der Herren H. Tichy und Fr. Georg, erklärt sich die Versammlung einverstanden. Der Seltersweg erhält danach an bezeichneter Stelle eine Breite von 9,75 Meter.
Das Gesuch der Burschenschaft Germania, welche am Wetzlarer Weg eine Kneipe errichten und einen Teil des Obergeschosses des projektierten Gebäudes in Holzkonstruktion ausführen will, wird befürwortet.
Herrn Albert Rübsamen soll die bisher von Herrn Benner benutzte Wiese an dessen Badeanstalt unter den gleichen Bedingungen pachtweise überlassen werden.
Mit der Ausführung der Trottoiranlage in Zementplatten in der Privatstraße „In Löbers Hof" erklärt sich die Versammlung einverstanden.
ausgedehnt wird. An Wassergeld sind vorgesehen 98 560 Mk an Einnahmen aus Wassereinrichtungen 24 790Mk. - Unter den Ausgaben erscheinen ferner 12200 Mk. Betriebs- unb Unterhaltungskosten der Quellfassungs-, Maschinen- und Kesselanlagen in Queckborn, 3400 Mk. für Unterhaltung der Zuleitungsstrecken, des Straßenrohrnetzes, der Hochde
usw., 18 000 Mk. für Wassereinrichtungen, 9775 Mk.
für Gehalte. 45 000 Mk. für Zinsen, 15 000 Mk. für Hmots 000 Mk. für Anschaffungen.
Die im Jahre 1892 letztmalig festgesetzten ortsüblichen Tage löhne entsprechen nach den von Herrn Beigeordneten Wolff gegebenen Erläuterungen den inzwischen veränderten Verhältnissen nicht mehr. Die damals angenommenen Sätze betrugen 1,80 Mk. für erwachsene männliche Personen, 1,10 Mk. für erwachsene weibliche Personen, 90 Pfg. für jugendliche männliche Personen, 80 Pfg. für jugendliche weibliche Personen unter 16 Jahren. Der Anregung Großh. Kreisamts entsprechend, hat die Sau» | deputation beantragt, die Löhne wie folgt festzusetzen: Erwachsene männliche Personen Mk. 2,20, erwachsene weibliche Personen Mk. 1,50, jugendliche männliche Personen unter 16 Jahren Mk. 1,20, jugendliche weibliche Personen Mk. 1. Diese Sätze beziehen sich auf nicht gelernte Arbeiter (Tag- lohner). In der Bewertung der Naturalbezüge bestand bisher ern Unterschied zwischen Stadt und Land nicht. ES wurden als für Dienstboten, Gehilfen u. s. w. gültige Sätze angenommen pro Jahr: Wohnung 30 Mk., Kost 200 Mk. ^^lche Personen 170 Mk.), Heizung 5 Mk., Beleuchtung ö Mr. Nach den von der Baudcputation vorgeschlagenen Sätzen berechnet sich der Durchschnittswert der Wohnung eines Dienstboten etwa auf 48 Mk., einer Familie auf 144 Mk., der tägliche Wert der verabreichten Kost auf 90 Pfg (Kaffee 10 Pfg., Frühstück 10 Pfg., Mittagessen 35 Pfg, Vesper 10 Pfg., Abendeffen 25 Pfg.), während für Heizung und Beleuchtung 15 Mk. jährlich in Anrechnung zu bringen sind. Es wird beschlossen, die neu aufgestellten Sätze an- : zunehmen.
I Herr Johs. Seibel beabsichtigt im Scheel'schen I Hause am Marktplatz eine bessere Wirtschaft einzurichten. I Die Versammlung sprach sich in Rücksicht darauf, daß in I nächster Umgebung des bezeichneten Hauses 15 Wirtschaften, I darunter keine in Entfernung von über 100 Meter sich be- I finden, für Verneinung der Bedürfnisfrage aus. — Das I Konzessionsgesuch des Herrn Georg Treiber, welcher die früher Löb'sche Wirtschaft in der Kaplansgasse über- I nommen hat, wird befürwortet, desgl. das Gesuch des Herrn I Wilhelm Amend, welcher seine im Hause Bahnhofs- I straße 62 befindlichen Wirtschaftsräume um ein Zimmer ver- I wehren will. — Das Gesuch des Herrn Ludwig Gräf, I ^Eihgesterner Weg 7, um Erlaubnis zum Branntweinausschank wird abschläglich beschieden, mit Rücksicht auf die noch zu geringe Bebauung der bez. Gegend. — Befürwortet durch Bejahung der Bedürfnisfrage wird schließlich das Gesuch der Frau PH. Schwager Wwe. um Er-
I laubnis zum Branntweinverkauf über die Straße im Hause Marktplatz 8, und das Gesuch des Herrn Joh. Gaub, Dammstraße 29, bei welchem es sich um Uebergang einer bestehenden Wirtschaft an einen neuen Inhaber handelt.
Dem Gesuch der Bewohner am Lahnufer und hinter | dem neuen Gütterschuppen um Aufstellung von Petroleumlaternen beschloß die Versammlung, mit Rücksicht auf den geringen Verkehr in der bezeichneten Gegend, die verhältnismäßig hohen Betriebs- und Unterhaltungskosten, sowie darauf, daß mit Anlage von Lagerplätzen I und Lagerhäusern in absehbarer Zeit Gasbeleuchtung ein- I geführt wird, z. Z. keine Folge zu geben.
Ueber den Voranschlag des Gaswerkes für 1900/01 ist zu berichten, daß demselben bei einer angenommenen I Gaserzeugung von 1 350 000 cbm ein Betriebsüberschuß I von 60 090 Mk. zu Grunde gelegt ist. Die Einnahmen I an Gas sind veranschlagt zu 209 102 Mk., aus Cokes zu I 66 250 Mk., aus Gaseinrichtungen zu 39 000 Mk. An I Kapitalaufnahmen sind vorgesehen 95 030 Mk. — Unter den Ausgaben sind als Hauptposten zu verzeichnen An- I schaffung von Kohlen 92 791 Mk., CokeS 18 593 Mk., Ar- I beitslöhne 22 470 Mk., Löhne der Laternenwärter 8730 Mk., I Fuhr- 2C. Löhne 6200 Mk., Gaseinrichtungen 30 000 Mk., I Gehalte 15 700 Mk., Zinsen 21 683 Mk., Amortisation 30 000 Mk., Anschaffungen für daS Magazin 23 000 Mk. I Unter den außerordentlichen Ausgaben erscheint die Anlage I neuer Oefen mit 48 800 Mk., Vergrößerung der Magazinsund Ausstellungsräume mit 18 000 Mk., die Erweiterung I des Straßenrohrnetzes in der Ernst-Ludwigstraße, Bismarck- I straße, Goethestraße, großen Steinweg, Brand—Ostanlage, I Klinikstraße, Keplerstraße, Liebigstraße, Wetzlarer Weg, I Schiffenberger Weg, Riegelpfad usw. mit 27 630 Mk. — I Herr Scheel bemerkt, daß allenthalben über die Höhe der I Gasmessermiete geklagt werde, er bitte, daß darüber einmal I in der Deputation verhandelt werde. — Herr Oberbürger- I meister Gnauth stellt dies in Aussicht, bemerkt aber, daß I der Bruttogewinn an diesem Geschäft ein sehr mäßiger sei, I die Abnehmer sich auch nicht besser stünden, wenn sie sich I eigene Gasmesser anschafften. — Herr Hanau fragt an, I ob die Glühlichter, für welche eine besondere Gebühr für I das Aufsetzen berechnet würde, nicht billiger geliefert wer- I den könnten. — Herr Direktor Bergen bemerkt dazu, daß I das Aufsetzen der Glühkörper zum Selbstkostenpreis geschehe; I es sei notwendig, daß diese Arbeit durch Fachmänner aus- I geführt werde. — Herr Oberbürgermeister Gnauth will I eine Beschlußfassung in der Deputation auch über diesen I Gegenstand herbeiführen. — Herr Kirch bringt Klagen der I Einwohner der in der Straße zwischen dem ehemaligen I Schulhaus in der Neustadt und der Homberger'schen Fabrik I wohnenden Einwohner über den Mangel an Beleuchtung I genannter Straße zur Kenntnis der Versammlung. — I Herr Oberbürgermeister Gnauth erklärt, die Frage, ob I die Stadt zur Beleuchtung dieser eigentlich nur den Charakter I einer Hofeinfahrt tragenden Straße verpflichtet sei, eben- I falls von der Deputation prüfen lassen zu wollen. — I Herr Direktor Bergen bestätigt aus den bei Einführung I der Wasserleitung gemachten Erfahrungen, daß gen. Straße I Privateigentum der Anlieger sei. — Der Voranschlag des I Wasserwerks rechnet mit einem Ueberschuß von 13700Mk. I bei 1470 Anschlüssen von je durchschnittlich 150 Kubikmeter I Jahresverbrauch. Unter den außerordentlichen Ausgaben I erscheinen 35 665 Mk. für Ausdehnung der Rohrleitung I auf diejenigen Straßen, auf welche auch das Gasrohrnetz |
Gerichtssaal.
Marburg, 15. Februar. Gelegentlich der Rekrutenmusterung in Ziegenhain im vorigen Jahre betrug sich ein junger Mann au8 Holzburg derartig, daß ihn die Gendarmen schließlich in Haft nehmen mußten. Hier tobte und schimpfte er weiter, schlug Thür und Fenster ein und trat einen Stuhl entzwei. Die Gendarmen banden den Wüten- den schließlich fest und bei dieser Gelegenheit ließ sich dieser beleidigende Aeußerungen gegen die ersteren, wie auch gegen den deutschen Kaiser zu Schulden kommen. Der Unbedachte wurde deshalb heute zu 4 Monaten und 1 Woche Gefängnis verurteilt. 8
"'1ct?rL^aiL $ur iedes der elf Schutzgebiete des Deutschen Reiches werden besondere Marken hergestellt. Die -ibcrte, in welchen die Marken hergestellt werden, yangeii von dem Bedürfnis der betreffenden Gebiete . öie Berichte der dortigen Postanstalten noch nicht eingegangen sind, so steht die Zahl der Marken für jedes .?ä)utzgebiete noch nicht fest. Jedenfalls werdeii nicht amtliche Werte für alle Gebiete ausgegeben. Da die Marken nur die Angabe des Landes tragen, so können sie für die deutschen Postanstalten in Ländern mit fremder Landeshoheit nicht verwendet werden. Für die deutschen Postanstalten in Konstantinopel, Marokko und China werden deshalb Germania Marten mit Ueberdruck ausgegcben werden. Der Ueberdruck lvird den Namen des Landes und nach Bedarf auch den fremden Wert der Marke angeben Auch für die Höheren Werte werden die( inländischen Marken mit Ueberdruck für die drei Länder verwendet. Da wir verschiedene Markenwerte und 11 Schutzgebiete ueb't 13 fremden Ländern mit deutschen Postanstalten zahlen, o wurde dies 14 mal 14 oder 196 verschiedene neue 5. brLec|matf<en "geben, ohne die Postniarken und Unweisungsformulare. Die Briefmarkensammler werden daher Gelegenheit haben, etwa 150 verschiedene deutsche überseeische Marken zu unterscheiden. Dazu kommen noch mehrere Dutzend Ganzsachen.
Altung (5 u tn Postdienst (Amtlich!), öcit Bekanntgabe der neuen Bestimmungen über die An- J?ron Post- und Telegraphengehilfen werden von E™ Angebote von Privat. Unterrichtsanstalten zur «Ä ,U- den Eintritt in den Postdienst ver- öffentlich!. >zm Interesse der Bewerber wird darauf aus- !^"ksam gemacht, daß nach den neuen Vorschriften für die Annahme als P o st g eh ilfe ober als T e le g r a p heu- FeLnhrt Pinbprr des Reifezeugnisses für die Unter- IrÄL« neunstusigen oder das Reifezeugnis für die erste Klasse einer sechsstufigen öffentlichen höheren b ? dingtes Erfordernis ist. Durchs ”er ?at-Borbereitungsan st alt d^. Anwartschaft auf Annahme als Post- pp. Gehilfe nicht erlangt werden. Die neuen Annahme-Bedingungen können bei jeder Postanstalt eingesehen werden- isk"dav^1» ols Postgehilfe eintreten Wolken'
nni?nAer ut)cr die Annahmebedingungen ge-
nau zu unterrichten, bevor sie von Angeboten der Privat- Unterrichtsanstalten Gebrauch machen.
§ Lauterbach, 13. Februar. Heute nachmittag fand hier die Generalversammlung des Pferde-Ver- V für den Kreis Lauterbach
statt. Die Versammlung wurde durch den Direktor Sommer- lad hier eröffnet. Die Rechnung pro 1899 wurde geprüft und dem Rechner des Vereins, Herrn Volkmar, Decharche i "teilt. Die bisherigen Vorstandsmitglieder wurden wiedergewählt. Nach dem Stand der Rechnung gehörten im ^ahre 1899 dem Verein 381 Mitglieder an, welche im ganzen 626 Pferde versichert hatten. Der Verein hatte im verflossenen Jahr einen Ueberschuß von 1400 Mk. und besitzt em reines Barvermögen von 7300 Mk. Infolge der günstigen finanziellen Lage wurde die Prämie, nachdem dieselbe für 1899 von U/3 Prozent auf 2 Prozent erhöht worden war, infolge vermehrter Schäden, wieder auf den alten Prämiensatz herabgesetzt. Es wurde darnach zur Wahl eines Vereinsarztes für den südlichen Teil des Kreises geschritten. An Stelle des früheren Tierarztes Margraf in Nieder-Moos, wurde Tierarzt Brechtel in Nieder-MooS angenommen. Nach Schluß der Versammlung wurde das 25 jährige Jubiläum des Vereins gefeiert, wobei der Vor- stand dem Direktor einen Ehrenseffel sowie eine Ehrentafel überreichte.
Heer und Marine.
Der Reichsanzeiger" veröffentlicht die Bestimmungen 'über- ^E^llitärdienstzeit der DolkSschullehrer und der Kandidaten deS BolkSschulamteS vom Jahre 1900 ab. Darnach sind die BolkS- schullehrer rc. welche die Befähigung für das Schulamt in vorschrists- mäßiger Prüfung nachgewiesen haben, sofern sie nicht als Einjahrig- Freiwillige dienen, nach einjähriger aktiver Dienstzeit bei einem Infanterie- Regiment zur Reserve zu beurlauben. Das Recht auf Wahl eines Truppenteils haben die einzustellenden Lehrer nicht, aber den Wünschen der Lehrer ist möglichst Rechnung zu tragen. Die Volksschullehrer nehmen, soweit möglich, an der Rekrutenausbildung der Einjährig-Freiwilligm teil und sind wenn geeignet, zu Unteroffizieren des Beurlaubtenstandes auszubilden Hinsichtlich der Heranziehung zu Uebungen des Beurlaubtenstandes werden die Volksschullehrer wie die übrigen Mannschaften behandelt.
— Militär-Luftschtfferwesen. Die oberste Militärbehörde, der das Militär-Luftschifferwesen unterstellt ist, hat den Grundsatz aufgestellt, daß die aus dem Ballon beobachtenden Offiziere eine besondere Weiterbildung bei der Abteilung in theoretischer wie praktischer Richtung erhalten müssen. Mit dem heurigen Jahre beginnend findet inLolgedeffen ein alle zwei Jahre wiederkehrender, neunmonatlicher Unterrichts- kurs für sämtliche Offiziere der Abteilung statt, in welchem dieselben in folgenden Fächern und durch folgende Stellen weitergebildet roerben;
Vermischtes.
TAn.*rr®eiPsC.,,f^L8' 15' F°br. Wie das „Weißens. ibCt- ,lnb Bül der hiesigen Schuhfabrik von I hhw! Do-n r Pretoria aus für die BÄ rem
s°V<?eX bestellt worden, die' schleunigst I geliefert werden sollen. '
./ Bayreuth, 15. Februar. Der knesiae Büraer- I meister. Geheimer Hofrat Ritter von Muncker enier '«tlmsten Freunde Richard Wagners, ist I heute Abend gestorben.
I . * Stuttgart, 15. Februar. Nach einer Meldung
vom Bodensee wurde Graf Zeppelins Luftschiff dulrch Sturmwind von Werfte losgeriffen und liegt jetzt
I teilweise beschädigt am Seeuser bei Mamzell.
I * München, 15. Febr. Nachdem bereits vor einigen 4.agen an den Ministerpräsidenten von Crailsheim I £>in l^/re Drohungen enthaltender anonymer Brief aus I £?Lffrci'en gekommen war, wurde gestern ein neues Buben- | stuck gegen ihn verübt, indem im Ministerpalais am Pro- I wenadenplatz acht Fenster der Front eingeworfen. I wurden. 9 ' M
I ' *.Serltn, 15. Febr. Feuer in einem Waren-
La<U’n\'ön bem Warenhaufe Adolf Lewinski, Manien^ ^"ee 69, entstand gestern (Mittwoch) abend dreiviertel
I ^bhn llhr ein Brand, der für die Mietsparteien des Hauses I leicht hatte verhängnisvoll werden können. Tie Stich- I flammen schossen bis in das vierte Stockwerk hinauf, die geängstigten Bewohner machten Miene, ans dem Fenstev
I 5U springen. Die Panik wurde von der nahen Feuer- I kvesstr Oderberger Straße erfolgreich niedergehalten. Bevor noch ein Schlauch vorgenvmmen wurde, drangen die Sappeure in die rauchangefüllten Wohnungen ein, beruhigten die Bewohner und hielten sic von Unbesonnen^ heiten zurück. Der nachfolgende starke Feuerwehrtrain löschte dann den Brand mit zwei Rohren ab. Das innere ß»es Warenlagers ist-zum größten Teil ausgebrannt. Un- | vorsichtiges Umgehen mit Licht beim Schluß des Ladens gilt als Ursache des Brandes.
* Berlin, 14. Februar. .Große Heiterkeit erregte in privaten Kreisen des Reichstages ein köstliches Stück der berühmten postalischen Findigkeit. An einen polnischen Reichstagsabgeordneten, der in seinem Berufe Prälat ist, war ein Brief gerichtet mit der Adresse: Herrn Reichstagsabgeordneten N., Prälat rc. zu Berlin. Dieser Brief gelangte an den Absender mit dem Bemerken zurück: „Adressat trotz wiederholentlichen Versuches im Prälaten zu Berlin nicht zu ermitteln." Der findige Bote Podbielskis hatte den polnischen Geistlichen in dem bekannten Berliner Restaurant „Zum Prälaten" gesucht und die Post hatte dann, als der Besuch, dort den Brief zu bestellen, mißlang, denselben zurückgehen lassen, ohne etwa im Reichstage nach dem Reichstagsabgeordneten fragen zu lassen.
* Breslau, 15. Febr. Die Versammlung der Lan- deSabteilung Schlesien der Deutschen A d e l s g e n o f f e n - schäft spricht in einer Resolution ihren t i e f st e n Abscheu über dasVerhalten einigerStandesge- n o s s e n aus, wie es die jüngsten Berliner Prozesse ergaben. Der nächste Adelstag in Berlin wird ersucht, das Verhalten jener Herren zu brandmarken, sowie zu beantragen, jenen Pflichtvergessenen den Adel zu entziehen.
* Aachen, 14. Febr. Heute fand die feierliche Eiw- fuhrung des Landrats des Landkreises Aachen, Pastor, statt. Am Nachmittag folgte ein Festmahl im Burfcheidev Kurhause. — Das Schwurgericht verurteilte den 70 jährigen! Gemeindeempfänger Cremer aus Ameln, der nach Kairo geflüchtet war, sich dann aber selbst gestellt hatte, wegen Unterschlagung von 46 000 Mark zu dreijährigem Gefängnis und fünfjährigem Ehrverlust.
* Elbing, 15. Febr. Die Strafkammer zu Könitz verurteilte den Rechtsanwalt Schlinzigk aus Flatow wegen Unterschlagung in 13 Fällen zu 20 jähriger Gefängnisstrafe.
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