Ausgabe 
16.12.1900 Viertes Blatt
 
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L50. Jahrgang

Sonntag den Dezember

Viertes BlM»

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Amts- ttitb Anzeigeblatt für den Kreis Gietzen

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Bezugspreis viertcljährl. Mk. 2I» monatlich 75 Pfg. mit Bringerloh»; durch die Abholestelle« vierteljährl. Mk. 1 monatlich 65 Pfg.

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t aitriam zu errichten.

! d e r b o r n, 13. Dezember. Wie sich jetzt herausstellt,

imilwit »en Nnzeigen ja der oachmtttagS für deu lag erscheinenden Nummer dir vorm. 10 Uhr. Lkdeftellungen spätestens abend- vorher.

in Wiesbaden, Georg Hahn in Bellersheim und Karl Becker: in Sprendlingen (Rheinhessen).

Frankfurt, 13. Dezember. Zwischen Goldstein und Niederrad entgleiste in der vergangenen Nacht während der Fahrt der Tender der Maschine des um 333 Uhr hier­fälligen Orient.Expreßzuges Ostende-Wien. Der Unfall wurde durch den Lokomotivführer sofort bemerkt; es gelang ihm, den Zug auf eine kleine Entfernung zu stellen und so ein Entgleisen weiterer Wagen zu verhüten. Man zog den Zug nach der Station Goldstein zurück, setzte ihn dort um und brachte ihn mit zweistündiger Verspätung hier her. Das Geleise ist auseinandergerückt und stark be­schädigt, infolgedessen wird die Strecke eingeleistg befabren.

Handel «nd Verkehr. Volkswirtschaft.

Hypotheken-Banken. Jetzt hat sich endlich in Berlin eine Freie Bereinigung gebildet, welche die Zahlung des Januar­coupons für die Pfandbriefe der Preußischen Hypotheken- Bank übernimmt, nicht aber etwa auch der Grundschuld-Bauk. Selbstverständlich sind die ersten Banken und Firmen, die in dieser Weise die Pfandbriefgläubiger schützen wollen, mehr im Interesse deS Marktes zu diesen Schutzmaßnahmen gekommen als im Interesse gerade des Publikums selbst. Denn prinzipiell kann es doch nur bedenklich gefunden werden, wenn Kapitalisten irgendwelcher Ait etwas geschenkt wird. Mit demselben Recht könnte ja auch bei einer Baukrisis den Hypothekengläubigern, und solche bestehen gewöhnlich noch aus kleineren Leuten, von irgend einem Konsortium das nötige Geld zu der Zinszahlung vorgeschoffen, also einstweilen geschenkt werden. Eine andere Frage ist es freilich, ob das betreffende Komitee einigermaßen der Ansicht ist, daß ihm schließlich aus alledem kein Schaden erwächst, also die Verhältnisse bei der Preußischen Hypothekenbank wenigstens so weit der Zinsendienst inbetracht kommt, für gut hält. Darnach scheint man also an Unregelmäßigkeiten wenigstens nicht zu glauben, sondern nur an eine Geschäftsgebahrung, die weit über die gewöhnlichen Grundsätze solider Hypothekenbanken heraustritt. Wenn übrigens, wie dies jetzt bereits bezüglich der Pommerschen Hypothekenbank geschieht, in großen Leitartikeln weiter auf einzelne Institute losgedroschen wird, so ist in der That nicht zu sagen, wohin das noch führen soll. Giebt es doch mittlere Hypothekenbanken, die bisher noch gar nicht irgendwie mitge­nommen wurden, die einen Pfandbriefumlauf von über 800 Millionen besitzen.

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M arburg, 11. Dezember.

^mmde heute mittag kurz nach 1 Uhr ein Landwirt aus dem ttotje Roda bei Fraukenberg ereilt. Der Mann war mit dttu I-Uhr-Zug gekommen und wollte seinen hier in Arbeit beWlichen Sohn besuchen, sowie auch sonstige Geschäfte tiitriieln. In der Bahnhofstraße stürzte er jedoch plötzlich uGnmen und gab nach kurzer Zeit seinen Geist auf. Der TL't trat infolge eines Herzschlags ein.

FC. Marburg, 12. Dezember. Geheimerat Professor Dir: S<h ring kaufte die von prächtigen Wäldern um- föoitn Aecker und Wiesen an den Bergen hinter dem ?e i chbarten Dorfe Marbach, nm daselbst später ein S an a-

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Expedition und Druckerei: 34*tflr*6e Ar. 7.

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bestimmt gewesen und hatten nur das schöne Gewand des braven Pommery, nicht aber den geistigen Gehalt desselben. Fluchend wurde aus der nächsten Destille pro­saischer Nordhäuser geholt, dabei aber unvorsichtigerweise die Geschichte ausgeplaudert. Es dauerte nicht lange, da waren ein paar Männer mit Pickelhauben zur Stelle, die ihnen auch den Genuß des kummerstillenden Nord­häusers nicht gönnen wollten. Das Nest wurde ausge­hoben.

Es hat aber jeder Beruf seine Schwierigkeiten und auch seine Enttäuschungen. Das hat vor kurzem auch jene junge Dame aus dem Osten unseres Vaterlandes erfahren, die leidenschaftlich gern malte und dabei natür­lich eine begeisterte Verehrerin der kleinen Exzellenz- Menzel, des Preußenmalers, war. Das Pfarrertöchter­lein war auf Besuch in Berlin und schwamm in einem Meer von Kunst und Enthusiasmus; nur der eine Wunsch blieb ihr unerfüllt: sie hätte so gern einmal mit Menzel gesprochen. Der alte Herr ist nämlich sehr unzugänglich und höllisch kurz angebunden. Aber sie grübelte so lange, bis ihr endlich der richtige Weg cinfiel. Klopfenden Herzens machte sie sich eines Morgens auf den Weg und klingelte. Zu ihrem Schreck öffnete der Meister selber, mustert sie und fragt barsch nach ihrem Begehr.Brauchen Sie kein Modell?" stottert sie zitternd. Sein Blick gleitet abermals über sie hin; dann öffnet er die Thür vollends und läßt sie eintreten. Sie muß Platz nehmen; er schüttelt bedenklich den Kopf und fragt, ob sie wirklich als Modell dienen wolle. Das gute Mädel hat keine Ahnung; sie denkt an ein Porträt ihres hübschen Gesichtchens, an keusch verhüllte Vestalinnen, an wer weiß was, und sagt tapfer ja.Na, dann lassen Sie mal sehen!" erklärt der kleine, große Maler.Zeigen Sie mal den Halsansatz!" Mit einem Schreckensschrei wehrt sie seiner Hand und glühend vor Angst stürzt sie an ihm vorüber, zur Thür hinaus, die Straße hinab, weiter und weiter, bis sie atemlos bei der Tante anlangt. Seitdem hat sie das Feld räumen müssen, Papa hat sie nach Hause citiert und sie muß wieder Klopse für die ehrbare Familie braten. Aber stolz ist sie jetzt doch: sie hat mit Menzel gesprochen. A. R.

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Pracht und nahm das Forschertalent am Kragen. Es war ein Kriminalschutzmann in Zivil, der nur auf diesen Augenblick gewartet hatte. Angesichts so prompter Leist­ungen der Aufsicht führenden Behörde fühlt man sich natürlich sicher wie in Abrahams Schoß, bis einem eines häßlichen Tages doch einmal irgend etwas Geliebtes, mit Fürstenportraits in Silber oder gar Gold gefüllt abhanden kommt. Denn die Berliner Langfinger werden immer raffinierter. Diebstähle von dNusterkoffern, die vor Ge­schäften abgeladen sind, gehören beinahe zu den Alltäg­lichkeiten. Ganze Fuhrwerke mit mehr oder weniger kost­baren Warenladungen werden entführt und in irgend einem der zahlreichen Hehlerneste untergebracht. Auch als Beamte der Gasanstalten, als Revisoren der Wasser­leitung, als Telegraphen-Arbeiter, die den auf dem Dache angebrachten Drähte-Träger auszubessern haben, ja, als versiegelnde und kostbare Sachen entführende Ge­richtsvollzieher treten die mit Sicherheit und Eleganz arbeitenden Gauner jeweilig auf, um ihren Raubzug keck zu verdecken. Oft genug hilft ihnen auch noch irgend eine gutmütige, ahnungslose Seele aus dem Hause oder aus der Nachbarschaft beim Ausladen, und leider findet sich von den frechen Schwindlern mitunter nicht die geringste Spur. -Die Millionenstadt ist zu groß und bietet diesen dunklen Existenzen leider allzuviel Schlupfwinkel. Böse hereingefallen sind unlängst jedoch einmal ein paar schwere Jungen", die es fertig gebracht hatten, vom Frachtwagen einer großen Weinhandlung eine Kiste mit- Champagner, Pommery und Grano, extra Dry, über die Seite zu bringen, während der Kutsche in einem Hotel eine Sendung absetzte. Dieser Sekt sollte zu einem großen Gelage des Freundeskreises der biederen Greifenberger Verwendung finden, und groß war die Freude der Ge­ladenen, als sie lüsternen Auges die schönen aoldver- kapselten Flaschen in Parade aufgestellt sahen. Aber noch größer und gewaltiger war die Enttäuschung, die bald darauf eintrat. Der Sekt that ihnen den Willen nicht. Er knallte nicht; er schäumte nicht; er schickte keine Perlen hoch. Es war nichts als gefärbtes Wasser, das sie eine halbe Stunde lang sorgsam in Eis gekühlt halten; denn die Flaschen waren als Schaustücke für ein Schaufenster

Sießeu, 15. Dezember 1900.

Main-, 13. Dezember. Die städtischen Unter» Jeamtten richteten ein Gesuch um eine TeuerungS» V.inlaj e an den Magistrat und die Stadtverordneten. Die li:-yerci verwiesen dasselbe an den Finanzausschuß. In euer Waffe der Volksschule soll nach einem Beschlüsse c >rk Stadtverordneten der Knaben-HandfertigkeitS» irr richt nach dem System Gumpa probeweise zur ein» f Mjlrw gelangen.

Klleinseelheim, 12. Dezember. Daß auch bei den ii-, tu em ärztlichen Forschungen ein Irrtum L-:ottommen kann, beweist folgender hier vorgekommener Ml: Der Gutsbesitzer K. Mink von hier, der die Haltung

Gemeinde-Zuchtbullen übernommen hat, mutzte auf L^lslorderung des Königl. Landratsamtes seine Bullen cu ncr Impfung auf Tuberkulose unterwerfen. Bei Dielet Impfung wurde einer der Bullen für tuberkulös c-rnärt. Infolge dessen mußte das prächtige, äußerst nheitvclte Tier zu einem minderwertigen Preis zum ^ladjiten verkauft werden. Hierbei stellte sich nun heraus, dM dos Tier vollständig gesund und keine Spur von Tuberkulose aufwies. (Oberhefs. Ztg.)

-k- Aus dem Rheiugau, 12. Dezember. Wie die .».Deutsche Weinztg." mitteilt, sind die Verhandlungen mit btn preußischen DomänensiSkus wegen Ankaufs des f^ikullischen Weinberggeländes am Neroberg bfe;l ©ksbaben seitens der Stadt Wiesbaden, im Interesse b Üi fien «Erhaltung, jetzt zu dem Abschluß gekommen. Der i^Mfpveis für das einige 20 Morgen umfassende Terrain

Kerliner Kries.

(Plaudereien auS der Kaiserstadt.) (Nachdruck verboten.)

Mu lst Chamberlain? Allerlei Gaunerstückcheu. Eine amüsante Modellgeschichte.

Ne alte Anziehungskraft des Panoptikums auf den haunlolenkleinen Mann" vom Lande, über die der bl.H>rie Urberliner lächelt, hatte es auch meinem Vetter an i$itbnn, der mich besuchte und ins Schlepptau nahm, tnt$ Mer Vorstellungen über die Berge von Arbeit, die il) bitt Erledigung harrten. Bei Castan, der sich ebenso int$rcabe gesetzt hat, wie das Passage-Panoptikum, grüßt umM «als Lockmitel eine Darstellung Waldersees in Kahki- llrlifijorrn, während dort ein Genrebild die Verpackung von W^kihnaichts-Liebesgaben für einen unserer Jungen bcxien in China zeigt. Dem lieben Vetter gefiel es in bc Böen Etablissements vorzüglich; er trieb Personal- ftmiomi in Wachs, als ob er Kriminalist sei und irgend eitlem verkleideten Ausreißer nachspüre; er schenkte sich auich büc Verbrecherkammer nickst, wo alle Taugenichtse vo^A f zu einem Stelldichein zusammengetrommelt sind. Dacnn wber glitt eilt Ausdruck herber Enttäuschung über fei n Ge sicht und er murmelte mißvergnügt:Hier auch nichts Sag mal, wo ist eigentlich Chamberlain?" Ich vertröstete ihn auf die Zukunft und setzte meine (öUbieni an einem kaum zwölfjährigen Bürschchen fort, der: sich» mit erstaunlichem Eifer der Durchforschung von an Otter Leute Taschen widmete. Diese Etablissements mit itviEBi Fremdenzulauf biederen und leicht zu verblüffen­de ' rch-lages scheinen von Zeit zu Zeit als Uebungsschule : die: Novizen der edlen Langfinger-Gilde tu Anspruch ße-jQ-ornnmen zu werden. Offenbar hatte das hoffnungsvolle FrÄEn bis jetzt keine befriedigende Ausbeute gehabt. Erreich jedoch entdeckte es in einer bequem zu revidieren­der, Mettasche einer würdigen, westpreußischen Bäckerfrau ew-i «Meinend gut gefülltes Portemonnaie. Ein kühner Gce ji irnnb der Schutz war sein. In diesem Augenblicke jedoch I,Me sich aus einer Fensternische die Figur eines vrs.tzkl sehr eifrigen Bewunderers all der wächsernen

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hat auch ein Herborner mit den Buren gegen die Engländer gefochten. Dieser Tage erhielt Bahnmeister Hillesheim die Nachricht von seinem ältesten Sohne, daß er Weihnachten hier eintreffen werde. Er sei (ohne daß es seine Eltern wußten) als Freiwilliger nach Transvaal gegangen, habe im deutschen Korps mit- gesochten und sei zweimal verwundet worden durch einen Schuß in die Brust und einen Streifschuß er habe 10 Wochen im Hospital in Pretoria gelegen, sich jedoch wieder vollständig erholt. Nach Auflösung des deutschen Korps habe er auf einem nach Hamburg gehenden Dampfer Dienst als Kohlenschlepper genommen, um so auf billige Weise wieder in die Heimat zu gelangen. Wir haben somit demnächst Gelegenheit, von einem Beteiligten über die Vorgänge in Südafrika näheres zu hören.

F r a n k f u r t a. M., 13. Dezember. Ein A n g e st e l l - ter des Tiefbauamtes (Bureaubeamter) verun­treute 1000Mark durch Unterschlagung von kleineren Einnahmeposten. Der Magistrat hat die Angelegenheit der Stadtbau-Verwaltung zur weiteren Verfolgung über­tragen. Ein interessantes Experiment wurde gestern im Physikalischen Verein vorgenommen, nämlich die Un­tersuchung von einem Viertel-Zentner Wurst mit Röntgenstrahlen. Einem Schweinemetzger war beim Wurstfüllselmachen sein Trauring in die Wurst geraten und er merkte den Verlust erst, als alle die Würstchen fertig waren. Kurz entschlossen, packte er dem Burschen die ganze Ladung auf und schickte sie in das Labo­ratorium, damit sie dort auf den goldenen Inhalt unter­sucht werde. Und richtig, bei der dritten Wurst schon fand sich der goldne Reif. Man sieht, wozu die Fort­schritte der Technik dienen können.

Frankfurt a. M., 11. Dezember. In diesen Tagen wurde in einer zahlreich besuchten Versammlung von Ver­tretern der hessischen und nassauischen landwirtschaftlichen Genossenschaften unter dem Vorsitze des Direktors des Ver­bandes der hessischen landwirtschaftlichen Genossenschaften, Geh. Regierungsrat Haas die Gründung einer Maschi- nen-Zentral-Verkaufsgenossenschaft unter der Firma:Landwirtschaftliche Zentral-Ma- schinenhalle", e. G. m. b. H. mit dem Sitze in Frank­furt a. M. beschlossen und das Statut von Vertretern von 30 Genossenschaften unterzeichnet. Der Aufsichtsrat setzt sich aus folgenden Herren zusammen: Geh. Regierungsrat Haas in Darmstadt (Präsident), Direktor der Molkerei­genossenschaft Alsfeld, Gutsbesitzer E. Schade in Seibels­dorf (Stellvertreter des Präsidenten), Direktor der Mol­kereigenossenschaft Echzell, Schmidt in Echzell, Bürger­meister Keller in Spiesheim, Adam Müller I. in Büttel­born, Friedr. Ludw. Hirsch II. in Alsheim, Direktor Schäfer |

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