Ausgabe 
16.12.1900 Drittes Blatt
 
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Sonntag den 16. Dezember

15V. Jahrgang

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Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Matter für hessische Volkskunde.

einer Eisenbahn von Vilbel nach Stockheim; 4. die Regierungsvorlage, betreffend: den Staatsvertrag zwischen Baden und Hessen über den Eisenbahnbau Lampertheim Weinheim; b) ein Bericht des Vierten Ausschusses über die Vorstellung des Militär-, Kriegs- und Friedens-Invaliden- und Militäranwärter- Bezirksverbandes, betreffend: die Anrechnung der Militärdienstzeit. Der Ausschuß beantragt: der Vor­stellung keine Folge zu geben und dieselbe damit für erledigt zu erklären.

* Weitere Ergebnisse der Volkszählung: Appenheim 938, Dieburg 5062 (+ 299), Diez 4309 (- 256), EberS- (etm 1062, Gonsenheim 4883, Groß-Winternheim 814 (- 31), Hann. Münden 9149 (+ 1133), Nierstein 4279 (4- 433), Schotten 2066 (-j- 103), Witzenhauseu 3502 (+ 232). - Hamburg 704 669 (4- 79117), Chemnitz 206 584 (+ 45 567), Altona 160 885 (+ 12 000), Dort­mund 142 418 (4- 30186), Crefeld 106 887 ( 350), Augsburg 89 000 (4- 6270), Münster 63 459 (4- 6360), Liegnitz 34 900 (4- 3400), Rostock 54 579 (4667), Osna­brück 51487 (4- 6300), Harburg a. Elbe 49156 (4-6577), Ulm 42 860 (4- 3557), Colmar 39 605 (4- 6419), Rheydt 34 024 (4- 3925), Landsberg a. W. 33567 (4- 3596), Recklinghausen 33 421 (4- 12 777), Hamm 31261 (4- 2700), Eßlingen 27 191 (4- 3279), Brieg 24 015 (4- 2851), Er­langen 22 842 (4- 2000), Krimitschau 22 823 ( 698), Kalk 20 497 (4- 4903), Tübingen 15 323 (4- 1347). - Deutsch-Wilmersdorf bei Berlin hat die größte bisher be­kannt gewordene BevölkerungSzuuahme aufzuweisen. Die Einwohnerzahl hat sich dort von 14 551 auf 30 982, also um 16 631 oder 115,9 v. H. erhöht.

FC. Die kurhesfische Laudesfynode hat in einer der letzten Sitzungen den Antrag der Synode Wiesbaden, bei der großh. hessischen Landessynode und dem großh. hessischen Oberkonsistorium dahin zu wirken, daß die Feier des Bußtages im Großherzogtum Hessen aufdenselben Tag (letzten Mittwoch vor dem Totensonntag) wie in Hessen-Naffau verlegt werde, angenommen.

FC. Zu Erhöhung der Betriebssicherheit auf den Eisen- bahnen ist erneut angeordnet worden, daß die vorgeschriebene Zahl der zu bremsenden Achsen eines Zuges unbedingt in demselben vorhanden, und daß das entsprechende BremS- persoual zur Stelle sein muß. Können die entsprechenden Bremswagen nicht in den Zug eingestellt- werden, so wird nunmehr entweder ein Teil der Wagen auf der Station zurückgelassen oder aber, wo es möglich ist, die Geschwindig­keit des Zuges entsprechend verringert. Zur leichten und schnellen Unterbringung der Reisenden in den v-Zügen haben die mit dem Verkauf der Platzkarten beauftragten Fahrbeamten Aufzeichnungen über die Ziel­stationen der Reisenden zu machen, sodaß hieraus jederzeit ersehen werden kann, welche der besetzten und notierten Plätze wieder frei geworden sind, oder demnächst frei werden.

ö AlteuBuseck, 14. Dezember. Die Schule zu Trohe wurde wegen der dort herrschenden Masern- und Diph- theritiS-Epidemie durch den hiesigen Pfarrer Scriba am Montag auf unbestimmte Zeit geschloffen, weil von 26 Schulkindern nur noch 11 die Schule besuchten. Die Epi­demie ist bis jetzt nicht heftig und bösartig aufgetreten. Sterbefälle sind bis jetzt nicht zu beklagen. Es ist nicht wahr, daß fast in jedem Hause mehrere schwerkranke Kinder liegen. Nur auf einige Häuser, etwa 6 bis 8, beschränkt sich bis jetzt die Epidemie. Die der Schule fern gebliebenen 15 Kinder waren zum Teile vom Schulbesuche ausgeschloffen, weil ihre Geschwister erkrankt waren.

e Kinzenbach, 13. Dezember. Wie in früheren Jahren beabsichtigt das Infanterie-Regiment Kaiser Wil­helm in der hiesigen Gemarkung ein Scharfschießen abzuhalten. Tagtäglich durchzieht am Morgen und Abend ein Kommando unter fröhlichem Gesang unser Dorf, um die Vorrichtungen für die Schießstände zu treffen. Infolge des vielen Wassers, von dem das Erdreich durchdrängt ist, werden aber diese Arbeiten sehr erschwert, denn fast sämt­liche aufgeworfenen Gruben haben sich unter Wasser ge- stellt. Heute soll das Schießen beginnen und 8 Tage dauern, auch wird der größere Teil des Dorfes mit Ein­quartierung bedacht. Bei der am Sonntag hier abge­haltenen Versammlung, in der sich Winterschuldirektor Dr. Perseke über Fütterung, Düngung, Saatgut u. s. f. aus­führlich verbreitete, kam es zur Gründung einer Spar­und DarlehnSkasse, die am SamStag abend ihre erste Versammlung abhält. Heute wurden von einem Metzger aus Gießen die ersten fetten Schweine, 13 an der Zahl, alle zum Preise von 53 Pfg. per Pfund aufgekauft.

Adresse für Depeschen: Anzeiger Fernsprecher Nr. 51.

ft 295 Drittes Blatt

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Gießen, 15. Dezember.

Der Zweiten Kammer der Landst'äude gingen u. a. Min.de Vorlagen zu: ai Bericht des Ersten Ausschuffes Ä 8. die Regierungsvorlage, betreffend: den Gesetzentwurf, ^Herstellung weiterer Nebenbahnen; 2. die zu Mnsir Vorlage gestellten Anträge und eingegangenen Vor- Mlluiugen; 3. die Regierungsvorlage, betreffend: den Staats» Wra,9 mit dem Königreich Preußen wegen Herstellung

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Vslitische Tagesschau.

^luf der letzten kur hessischen Landessynode einstimmig beschlossen worden: die Gesamtsynode hat mit großer Freude von den Bestrebungen nach einer Kon- jebiration der deutsch-evangelischen Landeskirchen Kennt- »is genommen. Sie ersucht ihre Mitglieder, diese weite -Linse unseres Volkes bewegende Angelegenheit mit allen Wstr-n zu fördern und richtet an das Kirchenregiment >t»ie E itle, derselben sein wohlwollendes Interesse zuzu- Milben und erwägen zu wollen, auf welchem Wege diese Wc besonders wichtige Frage zu einer gedeihlichen : cijunß gebracht werden kann.

2ieLeipzgr. Neueste Nachx." schreiben dazu:

Der diesem Beschlüsse zu Grunde liegende Gedanke ift viicht neu. Als die revolutionären Märzstürme des . 3'ihres 1848 auch die kirchlichen Verhältnisse ins Lanken brachten, trat unter Führung des damaligen donner Professors und späteren preußischen Kultus- .tniwisters v. Bethmann-Hollweg eine Anzahl Männer zusammen, um dem drohenden Verderben zu wehren, «uf einer Vorbesprechung, die noch im Frühjahr 1848 in Frankfurt a. M. abgehalten wurde, beschloß man, einem großen kirchlichen Verein zu begründen, in dem sich die gläubigen Elemente Gesamtdeutschlands als eine das ganze deutsche Volk umfassende evangelische Lon sejsionskirche sammeln sollten. Am 21. bis 23. Sep- teniber 1848, fand dann in Wittenberg der erste Kirch'en- hifl statt. Der hier proklamierte Kirchenbund sollte ein »umd aller auf dem Boden der reformatorischen Be- lennitnisse stehenden Kirchengemeinschaften, besonders der lutherischen, reformierten, unierten und Vrüdergemein- ten sein und unter Beitritt der Behörden sich als die nchtzmäßige Kirchenversammlung der evangelischen Ge- sanillkrrche ganz Deutschlands konstituieren. Das Jahr durcnuf folgte der zweite Kirchentag, um die begonnene Arbeit fortzusetzen; hier aber hielten sich schon die in der Leipziger lutherischen Konferenz organisierten Grüßten Lutheraner fern; man erklärte die Konföde- htfiion der Kirchen verschiedenen Bekenntnisses für unausführbar und für unvereinbar mit den Prinzipien da- lutherischen Kirche. Noch ein Jahr später zeigten sich d,e Hindernisse für die Ausführung dieses Gedankens dadurch sehr erheblich vergrößert, daß nach Wieder- hastellung der politischen Ruhe die landeskirchlichen Regierungen wieder in früherer Weise zu fungieren begannen.

Die Aussichten für das Zustandekommen solcher Konföderation scheinen jetzt dadurch besser zu sein, daß Au- ein einiges Deutsches Reich haben. Dann hätte Ivs Werk aber gleich nach dem Kriege in Angriff gcnommen werden müssen. Tie große Berliner Oktober- i 'Irsammlung 1871 bot geeignete Gelegenheit dazu; jetzt u: der günstige Augenblick vorüber. Die Bedürfnis- Ira ge aber können wir nicht nur nicht anerkennen, dir müssen sie bestreiten und würden jetzt die Er- ichrung einer deutschen Einheits- oder Reichskirche so- jac für schädlich halten. In weiten Kreisen erlischt As kirchliche Interesse immer mehr und mehr; der Aocü vorhandene Rest findet an der Betätigung des 8an deskirchlichen Lebens noch immer einige Nahrung, gmal jetzt fast überall die Synodalverfassung durch- Ksührt worden ist. Würde der engere Rahmen der Äondeskircheu durch den weiten Rahmen einer Reichs- -firche beseitigt werden, so würde die Gefahr entstehen, Äaß dce kirchliche Gleichgiltigkeit reißende iKo r t s ch r i t t e macht.

Dagegen glauben wir, daß eine engere Fühlung Jet evangelischen Landeskirchen miteinander sich! in Aurischenswerter und segensreicher Weise dadurch Aiir-de erreichen lassen, daß die Thätigkeit der Eise­nach e r K i r ch e n k o n f e r e n z wesentlich erweitert Bis jetzt sind in ihr nur die Kirch eu-Be- Mr den vertreten; vielleicht könnte man die zweijährigen Lon ferenzen durch Hinzuziehung von G e i st l i ch e n und Lilien erheblich vergrößern und so diese Orga- aiisation auf viel Breiteren Boden stellen und ihr Arbeitsgebiet bedeutend ausdehnen. Solche organische Weiterbildung erscheint uns viel natürlicher und ge- lünber und aussichtsvoller, als eilte neue künstliche Wöpfung.

B. Lang-Göns, 14. Dezember. Die hiesige Vieh­zählung ergab 140 Pferde, 1040 Stück Rindvieh, 296 Schafe, 1229 Schweine, 114 Ziegen, 4325 Federvieh, 296 Bienenvolk. Am nächsten Samstag wird das 20jährige Stiftungsfest der Freiw. Feuerwehr gefeiert Drei Mit­glieder erhalten Ehrendiplome.

(!) Lang-Göns, 14. Dezember. Unser neues Schulgebäude, an dem bereits drei Jahre gebaut wor­den ist, geht jetzt feiner Vollendung entgegen. Es enthält zwei Schulsäle und zwei Lehrerwohnungen. Voraussicht­lich wird der stattliche Bau int Frühjahr seiner Bestimm­ung übergeben.

F. C. Okarben, 12. Dezember. Die hiesige Vor­bach'sche Mühle wurde heute morgen zwischen 8 und 3 Uhr vollständig ein Raub der Flammen. Das Feuer soll im Maschinenraum entstanden sein.

w- Okarben, 12. Dezember. Heute morgen brach in der hiesigen großen Kunstmühle plötzlich Feuer aus. Hilfe war rasch zur Stelle, sodaß man des Feuers bald Herr wurde.

Darmstadt, 13. Dezember. Um dem schon längst als Nachteil empfundenen Mangel einer einheitlichen Organi­sation der Sänger des Großherzogtums Hessen abzuhelfen, traten am Sonntag hier in derStadt Pfungstadt" 55 Vereine aus dem ganzrn Großherzogtum zusammen und gründeten einenSängerbund für das Großherzog­tum Hessen". 49 Vereine sind dem Bund bereits defi­nitiv beigetreten. Der Bund gliedert sich in 9 Gauverbände oder Bezirke, die eigene Statuten besitzen, die aber zu den Satzungen des Bundes in keinem Gegensatz stehen dürfen. Der Beitrag beträgt pro Kopf der aktiven Sänger 30 Pfg., wird durch die Bezirke erhoben, zum Teil von diesem für eigene Zwecke verwandt, zum Teil an die BundeSkaffe ab­geführt. Außerdem bezahlt jeder neu hinzutretende Verein eine Aufnahmegebühr von Mk. 4. Jeder Bezirk ist sowohl im Hauptausschuß als auch im Mufikausschuß vertreten. Als amtliches Bundesorgan gilt der in Worms erscheinende Sängerbote", den jeder Bundesverein zu halten verpflichtet ist. Derselbe kostet pro Jahr Mk. 3. Der Bund, der sich die Rechte eines eingetragenen Vereins erwirbt, hält in der Regel alle 4 Jahre ein allgemeines hessisches Sängerfest ab, das nächste im Jahre 1902. Der Sitz des Bundes wurde nach Darmstadt gelegt und die vier geschäftsführenden Mitglieder des HauptausschuffeS müffen in Darmstadt domizilieren. Im Januar oder Februar n. IS. findet die endgiltige Wahl der Ausschüsse statt. Bis dahin werden die Geschäfte des Bundes von einem neungliedrigen provisorischen Ausschuß geführt, an dessen Spitze Herr Fr. Ludwig WormS gestellt wurde. Neu­anmeldungen zum Bunde haben in dieser Zeit bei letztge­nanntem Herrn zu geschehen. .

Darmstadt, 12. Dezember. Großfürst Eyrilt hat heute vormittag die Rückreise nach Rußland ange- treteit. Ter Kaiser hat dem Generalleutnant z. D. v. Witzendorff zu Darmstadt den Stern zum König!. Kronenorden zweiter Klaffe verliehen. Auf eine An­frage des Abg. Köhler-Langsdorf über die Besteuerung der ländlichenLuxuswagen", bezüglich deren viel­fache noch Zweifel bestehen, hat Finanzminister G n a u t h folgende Auskunft erteilt:Von der Stempelabgabe für Luxuswagen werden befreit: a) solche Wagen, welche nicht auf Federn ruhen, b) solche Wagen, weiche zu der beruflichen oder gewerblichen Thätigkeit ihrer Besitzer ans- schließltch oder doch vorzugsweise bestimmt sind find be­nutzt werden. Dabei kommt die Höhe des Anschaffungs­preises erst in zweiter Linie in Betracht und bei Zweifeln über die Bestimmung und Benutzung der Wagen im Einzelfalle; in solchem Zweifelsfalle sollen Wagen, deren Anschaffungspreis 1000 Mark nicht übersteigt, nicht als Luxuswagen angesehen werden".

-k- Ans Rh ein Hess en, 13. Dezember. Die vor­gestern erfolgte Verhaftung eines sehr wohlhaben­den Landwirts von Weinheim bei Alzey erregt alfferts großes und peinliches Aufsehen. Der Verhaftete ist mehrere Jahre Witwer und besitzt einige erwachsene Tochter, mit denen er s chw e r e S i 11 l ich k e i t s v e r- ^Echeu begangen haben soll. In der letzten Sitzung des Schöffengerichts in Alzey wurde ein reicher Bür­germeister einer Gemeinde der dortigen Gegend wegen Milchfälschung zu einer Geldstrafe von 10 Mark verurteilt.

F. C. Frankfurt a. M., 13. Dezember. Derabge­gangene" städtische Armenhausverwalter Diflo war früher seines Zeichens Schriftsetzer und gehört der sozial­demokratischen Partei an. Einst arm wie Hiob, hat er sich in seiner Stellung zum wohlhabenden Mann heraufae mogelt.

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