8 Fritzlar, 14. März. Ein herber Schicksals I schlag traf die Familie des Herrn Bäckermeisters Adam Itter hier. Dessen Lehrjunge war vorgestern mit Holzspalten beschäftigt, wobei ein Stück Holz absprang und das kleine, drei Jahre alte Söhnchen Martin, welches sich in unmittelbarer Nähe aufhielt, an den Leib traf jhb zwar so unglücklich, daß sofort ärztliche Hilfe in Anspruch ge nommen werden mußte. Gestern nachmittag ist der Knabe infolge der erlittenen inneren Verletzungen gestorben. — Gestern nachmittag fand im Stadtpark Hierselbst eine Ver- sanrmlung der selbständigen Feuerarbeiter statt. Betr. Innungen wurde ein vorgelegtes Statut durchberaten und nach einigen Aenderungen gutgeheißen. Dasselbe soll dem Herrn Landrat Noeldechen zur Genehmigung "eingereicht werden. Mit Erledigung der Geschäfte ist ein provisorisch gewählter Vorstand beauftragt worden.
A Waber», 14. März. Zu der gestern nachmittag Hierselbst stattgehabten Versammlung der selbstän digen Holzarbeiter waren außer Wabern noch Meister erschienen aus Haddamar, Fritzlar, Lohne, Werkel, Geismar und Obermöllrich, im ganzen 23 Teilnehmer. Nach Besprechung von Jnnungsangelegenheiten wurde beschlossen, ein Statut auszuarbeiten und zwar nach dem Muster schon vorhandener Innungen. Die Versammlung nahm nach längerer Debatte, bei welcher auch der Tag der nächsten Versammlung in Erörterung gezogen wurde, folgenden Antrag einstimmig an: „Die Versammlung bittet den Herrn Landrat Noeldechen, die Handwerker derjenigen Gemeinden, welche zu dem Amtsgerichtsbezirke Fritzlar gehören, auffordern zu wollen, daß dieselben sich zu der am Sonntag, den 25. März d. I. im Stadlpark zu Fritzlar stattfindenden Generalversammlung einfinden behufs Feststellung des Statuts und Vornahme der Vorstandswahl; ferner zu bitten, der Herr Landrat wolle zu nächster Versammlung selbst erscheinen oder einen Vertreter senden behufs Erläuterung der einschlägigen Paragraphen der Gewerbeordnung.
Universität und Hochschule.
— Ernanntr Der praktische Arzt Dr. A. Treyer in Freiburg (Schweiz) zum a.-o. Professor für innere Medizin an der UnioersitSt Lausanne.
— Berufen: Der Privatdozent vr. Binder von der rechts- und fiaatSwifsenschaftlichen Fakultät in Würzburg an die Universität Rostock. Er wird dem Rufe Folge leisten.
— Straßburg, 14. März. Der akademische Senat der hiesigen Universität hat sich neuerdings mit der Frage der Zulassung von Frauen als Hospitantinnen befaßt. Es bleibt bei dem bekannten Beschlüsse vom vorigen Sommer, wonach jeder Dozent berechtigt ist. Frauen als Hospitantinnen zu feinen Vorlesungen und Uebungen zuzu-
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das Gelingen des litterarischen Bierabends abhängt, waren | meist in guten Händen.
I H. Stadttheater. Wie bereits mitgeteilt, hat am I Freitag, dem 16. d. M., der jugendliche Liebhaber und I Bonvivant unseres Stadttheaters, Herr Alwin Henry, I sein B e"n efiz. Der jugendliche Künstler, der an diesem I Abend den „Jack" in dem bekannten Schwank „C h a r l e y s I Taut e" spielen wird, hat mit Absicht eine Rolle gewählt, I in der er seine Kunst im besten Lichte zeigen kann. — Herr I Henry hat sich bald bei Beginn der Spielzeit die Sym- I pathieen unseres Theaterpublikums zu erwerben gewußt, I nachdem er sich als „Alfred".im „Schlafwagenkontroleur" I und auf klassischem Gebiete als „Brackenburg" (Egmonk) I und „Carlos" vorzüglich eingeführt hatte. Durch alleLeist- I ungen Henrys geht ein lebenswarmer, natürlicher Ton; I wesentlich unterstützt wird der strebsame Künstler durch ein I jugendfrisches Aeußere und gewandtes Auftreten. Da Herr Henry echte Begeisterung für seine Kunst und ein lebhaftes I Temperament besitzt, dürfte er wohl bald unter der breiten | Masse der Schauspieler einen Platz einnehmen, der seinen I Zielen entspricht. Am .Städttheater in Breslau wird der Benefiziat ein zweimaliges Gastspiel absolvieren und
I zwar unter Aussicht auf ein längeres Engagement. Herr I Henry wird im April voraussichtlich als „Waldemar" in | „Jugendfreunde" und als „Jack" in „Charleys Tante" | probeweise in Breslau gastieren, also in derselben Rolle, I die er für sein hiesiges Benefiz gewählt hat. — Es würde I zu weit führen, alle Rollen hier anzuführen, die Herr Henry I im Laufe der Saison gespielt hat, wir wollen uns mit I der Bemerkung begnügen, daß er selbst so heterogene Auf- I gaben, wie den „Armand" (Kameliendame) und „Kalb" I (Kabale und Liebe), „Bellmaus" (Journalisten) und „Wald- I schrat" (Versunkene Glocke), von „Folgen" (Krieg im Frie- I den) und „Wastl" (Gewissenswurm) gleich gut löste.—Das I Stück selbst, das der Benefiziat gewählt, bedarf keiner Em- I pfehlung. Der Beifall, den es überall gefunden hat, wird I ihm auch hier treu bleiben.
** Rittershaus-Konzert am Samstag, dem 17. März, I abends 8 Uhr im großen Saale des Gesellschafts- j I Vereins. Stimmen der Presse: Man merkte den Hörern die Freude an, sich an dieser prächtigen, für den Saal fast zu starken echten Tenorstimme so recht nach Herzenslust erlaben zu können rc. (Berliner Börsen-Kourier). Herr Rittershaus besitzt eine kraftvolle, gesunde Stimme von echtem Tenorklang, er versteht sich auf glanzvolle Kraft- entfaltung und eindrucksvolles Pianosingen rc. (Berliner Lokal-Anzeiger). Rittershaus ist ein dramatischer Sänger ersten Ranges; er verfügt über tadellose, allseitig umfangreiche Stimmmittel, die er mit Meisterschaft zu behandeln versteht. Seine sämtlichen Gesangsdarbietungen waren echte Kunstleistungen. Von bestrickender Wirkung war der Schmelz seiner umfangreichen Stimme rc. (Frankfurter Od.-Ztg. 5./1. 1900). Herr Rittershaus ist im Besitz einer Tenor-
1 stimme von enormem Umfang, von einem ganz entzückenden Wohlklange, einer überraschenden Ausgeglichenheit in allen I Registern, von einer hinreißenden Zartheit und wiederum I von einer wahrhaft staunenswerten Kraft und Fülle — I reines Edelmetall rc. (Gubener Tageblatt 6./1. 1900). I Ein Künstler von Weltruf, Alfred Rittershaus, hielt gestern I abend in unserer Stadt Einkehr. Wie überall, so erregte I der berühmte Sänger auch beim hiesigen Publikum durch I seine phänomenalen Stimmmittel die größte Bewunderung rc. I (Glogau. Niederschl. Anz. 9./1. 1900). Rittershaus singt I in allen Fibern erzitternd und versteht /ein ganzes starkes I Empfinden in Tönen zum Ausdruck zu bringen. Daher I kam es, daß das Publikum in innerster Seele gepackt und I förmlich elektrisiert wurde. (Kieler Ztg. 9./10. 99). Alfred I Rittershaus besitzt eine herrliche Tenorstimme von wunder- I barem Glanz und schmetterndem Klange und ist dabei ein I Gesangskünstler, wie es nur wenige gibt. (Luzerner Tage- I blatt).
H. Lollar, 15. März. Das 4jährige Söhnchen des I Buchhalters Nies spielte mit seinem 5jährigen Brüderchen I auf dem an der Gießener Straße gelegenen Zimmerplatze. I Das Kind wollte sich sein Wägelchen holen, damit es nicht I beschädigt würde, als zwei Zimmerleute einen Balken heran- I trugen, ohne das Kind zu bemerken. Sie warfen den I Balken zur Erde und trafen das Kind so an den Kopf, I daß es nach wenigen Zuckungen eine Leiche war.
— Mendorf a. d. Lda., 14. März. Der heutige Früh- I jahrSmarkt war durch die Ungunst der Witterung beein- I trächtigt und infolgedessen weniger stark besucht. Dennoch I ging der Handel auf dem Viehmarkt ziemlich flott. Ferkel I wurden per Paar mit 30—40 Mk. bezahlt, Einlegeschweine I mit 60—70 Mk. Ein Mutterschaf mit Lamm kostete 22 I bis 25 Mk., ein einjähriges Lamm durchschnittlich 18 Mk. I
(-) Gettenau, 13. März. Zum erstenmale seit es I läuft, d. h. vom 1. Oktober 1897 an, ist unserer trefflich I geleiteten Nebenbahn Friedberg-Nidda auf hre- I siger Strecke ein kleines Eisenbahn-Mißgeschick zugestoßen, I das jedoch tfeine unglücklichen Folgen hatte. Als der I Güterzug um 2 Uhr auf der hiesigen Station einlaufen I wollte, that es einen kleinen „Knucks", es brach eine I Schraube an einem Waggon, und dieser, glücklicherweise I unbeladen, sprang von der Eisenbahnschiene aufs Trockene.'I Gleich darauf fuhr der Personenzug 2 Uhr 33 Minuten I von Nidda ein, und diesem war der Weg zum Weiterfahren I verlegt. Unverzüglich wurde telephoniert und nach kurzer I Zeit war Hilfe von Nidda zur Hand. Man sagt zuweilen im I praktischen Leben: da ist eine Schraube los? Bis eine solche I aber wieder festsitzt, oder das Lockergewordene wieder ver- I schraubt ist, dazu gehört doch ein schönes Stück Arbeit. I Und so war es auch hier. Nach zweistündiger tüchtiger I Arbeit war alles wieder in Ordnung und die Züge setzten I sich nach Ost und West zur allgemeinen Beruhigung wieder I in Bewegung.
Darmstadt, 15. März. 10 Uhr 30 Min. Telephon- I Meldung. Wie uns aus zuverlässiger Quelle mitgeteilt I wird, sind die Landtagsabgeordneten heute davon benach- I richtigt worden, daß der Landtag am 27. März zu kurzer I Beratung zusammentritt. Die Mitglieder der ersten I Kammer werden am 28. März zu kurzer Beratung zu- I sammentreten. — Die gestern abend in der großen Oper I stattgefundene Protest-Versammlung gegen die lex ]
tfj. Gießen, aus Grund des § Ausübung des Ri- fein kann, durste in wohl noch nicht bü betreff? einferer etrt Wan frf/reibt uns b 'Mgen Gesellschafts, M dieses Hereins Gk Marl unterschlagen gangen zu haben. Es unseres Amts- und L ten Vereins sind. V als beisitzende Richte i des nlubdieners Rect ' ^rder Hauptverhand ”blie in ihrer Eigens Greins nicht selbst 1 . ober geschädigt seien 1 Anzeige und 3>wzetzordnuna - ’bw Mtexamt uns
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. Heinze war äußerst zahlreich besucht. Profesior Otto I Harnack hatte das Referat. An der Debatte beteiligten I sich Landgerichtsrat von Hesser und Landtagsabgeordnetei I Geh. Justizrat Dr. Hosang und Hofschauspieler Hecken. I Es wurde eine Resolution einstimmig angenommen, I nach welcher in der Annahme der §§ 184a und b ein? I schwere Schädigung der Kunst in Deutschland erblickt wird, und soll diese Resolution sofort dem Reichstag, sowie der Hessischen Kammer und dem Bundesrat zur Berücksichtigung zugehen.
A Groß Umstadt, 14. März. Die Schlußprüfungen, der hiesigen Real- und Landwirtschaftsschule wurden gestern in Anwesenheit des Geh. Oberschulrates Dr. Nodnagel aua Darmstadt abgehalten. Demselben unterzogen sich 5 Zöglinge aus der Landwirtschaftsschule und 24 aus der Realschule. Seit Einführung des Schlußexamens dürfte eine so hohe Abiturientenziffer nicht erreicht worden sein. Das schriftliche Examen wurde schon vor einigen Wochen von | sämtlichen Schülern beider Lehranstalten gemeinschaftlich | absolviert. Das mündliche Examen wurde dagegen gestern getrennt abgehalten und zwar für die Landwirtschaftsschüln am Vormittage und für die Realschüler am Nachmittage. Sämtliche Landwirtschaftsschüler erhielten das Befähigungszeugnis für den Einjährigendienst. Von den 24 Realschülern wurden auf Grund ihrer Jahresleistungen und ihres guten schriftlichen Examens 8 von der mündlichen Prüfling, entbunden; dagegen mußte ein Schüler von demselben ausgeschlossen werden. Von den übrigen 15 Realschülern bestanden 13 auch das mündliche Examen. Am Schluffe der in vorgerückter Stunde beendeten Prüfungen richteten sowohl der Vertreter der obersten Schulbehörde, als auch Herr Realschuldirektor Dr. Lahm herzliche Abschiedsworie an die Abiturienten.
(!) Mainz, 14. ,März. Mainz ist in diesem Jahre der Zusammenkunftsort zahlreicher Kongresse. Zuerst findet in der Zeit vom 9. bis 13. Juni der Kongreß deutscher Gas- und Wasserfachmänner statt, welchem sich zunächst in den Tagen vom 21. bis 24. Juni der deutsche Journalisten- und Schriftsteller-Kongreß anschließt. Hieran reiht sich Ende Juli der vierte Kongreß der deutschen freiwilligen Sanitäts-Kolonne zum Roten Kreuz, dem im August und September noch Zusammenkünfte verschiedener Lehrer- und Lehrerinnen-Korporationen folgen werden. In Verbindung mit der Gutenbergfeier versprechen diese Veranstaltungen in diesem Jahr einen außerordentlichen Fremdenzufluß nach Mainz, der noch durch die aus Nord oeutschland kommenden Besucher oer Pariser Weltausstellung eine bedeutende Steigerung erfahren wird. — Zwischen den Feuerbestattungsvereinen von hier und Wiesbaden und der hiesigen Bürgermeisterei schweben eben Verhandlungen wegen Erbauung eines Krematoriums. Es bestand die Absicht, diesen Bau auf dem Friedhof aus- zuführen, was aber mit Rücksicht auf eine alte gesetzliche Bestimmung, daß auf dem hiesigen christlichen Friedhof nur Christen begraben werden dürfen, nicht angängig ist. Jetzt will man für das Krematorium ein Terrain erwerben, das unmittelbar an den christlichen Friedhof grenzt. — Bei den Vorbereitungen zum Gu t enb ergse ft, das! eben hier das ^allgemeine Interesse in Anspruch nimmt, ist jetzt ein kleiner Mißton hervorgetreten, indem in einer letzter Tage stattgehabten Versammlung der Buchdruckergehilfen allgemein die Stimmung laut wurde, sich nicht aktiv an dem Feste zu beteiligen. Wie verlautet, erachten sich die Gehilfen bei dem Festarrangement zurückgesetzt.
würde man jede« Haus, in welchem eine Mehrzahl von Prostituierten zmammrnwvhnen, und die polizeilich gewerbsmäßige Unzucht treiben, nn landläufigen Sinne als öff-ntlickes Haus bezeichnen können. Man hälte ielbstoerständlich auch diese Häuser als Bordelle bezeichnen können; denn das sind Synonyma. Die heutige Sachlage ist die, es wohnen auch in der Straße, von der der Abg. Bebel gesprochen hat, eine Mehrzahl von Prostituierten zusammen in Hausern, und in diesem Sinne kann man sagen, daß in Hamburg Bordelle existieren. (Gelächter links.) In eine Diskussion über etwaige Vorteile der Lokalisierung, Kalerntkrung und der Isolierung will ich nicht naher eingehen. Tue Ansichten über die Vorzüge dieser Systeme gehen auseinander. Ich glaube, daß es dem Interesse des Gros der Beoö kerung einer Großstadt entspricht, die Prostituierten in ver- hältntSmäßig wenige Straßen zu lokalisieren, als das moralisch- Gtst sich verbreiten zu lassen. W nn ich auch in diesem Zusammenhänge alle Angriffe, die der Abg. Bebel gegen meine Regierung gerichtet hat, als in theei berechtigt gelten lass-, so muß ick doch den Vorwurf mit voller Entrüstung zurückweisen, meine Regierung batte, um ein wertvolles Terrain, das das Kloster seit Jahrhunderten be fitzt, wertlos zu machen, Li d-sstn nächste Nähe öffentliche Dirnen gelegt. Dazu ist ein Mitglied des Hauses einem Regierungsv-rtreter gegenüber nicht berechtig'. Alle diese Fragen sind ja von der weittragendsten Bedeutung, diese wird, glaube ich, in ihrem vollen Umfange erst eine spätere Generation erkennen. Man muß sich einmal mit der Prostitution abfinden: tolerari posae, vielleicht sogar neceaaarium est. Eine so große Bedeutung b«e Beurteilung dieser Frage vm einem höheren und größeren Gesichtspunkte hat, so wird doch ein wesentlicher SitllichkeitSfortschritt aus diesem Gebiete nur sehr langsam erfolgen können.
„ Schrempf (d.-k): Ich halte e8 geradezu für Gewifsens- Pflicht, öffentlich zu erklären, ob wir auf der Moral der Bibel und * ^schöpftenKateckismus stehen oder nicht; datum handelt
ui , Gach links) mögen dazu mit ironischer ober ernsthafter r Heiterkeit) Stellung ne.men. Für uns stehl das i
ia-Peber Mitte zwischen dem fünften und dem siebenten (stürmische Heiterkeit links), zwischen Mord und Diebstahl. Gegen Vie Begünstigung der Prostitution durch die Polizei protestiere tch im Jtamen der Armen, die keine Hure, et treiben. (Einige Damen auf brr Tribüne verlassen den Saal.)
. Stöcker: Herr Stadthagen hat mir vorgeworfen, ich hätte
^urch die Verhinderung der Organisierung der Arbeiterinnen o-x t/c Q” der Verbreitung der Prostitution auf mich genommen, .jm habe niemals bei der Erdrosselung eines Arbeiterinnenvereins mttgewtrkt, sondern noch in letzter Zett mich bemüht, einen Arbeite- nnnenöerein zu gründen. Die Berliner Stadtmission hat seit 1884 | öen Kampf gegen die öffentliche Unsittlichkeit der Männer aufge- I H?mJPcr,4. niemand vor mir hat das gethan. Ich beschäftige in der 1 ötaotmOnon fünf Arbeiterinnen, die nichts weiter zu thun haben, I als Ote unglücklichen weiblichen Wesen zu retten, die der Prostitution I verfallen sind; aus der von mir gegründeten Zufluchtsstätte für die- I l-l r , Eine selbständige Anstalt geworden, die im höchsten Ge- I öeiben steht. Was aber thut die Sozraldemokratie? GacnichtS thut I jie, nur räfonnieren thut sie, wie sie überhaupt nichts thut, um dem I ^olfe auf zu helfen. (Lärm links.) Wenn Sie mir nicht antworten I tonnen, dann hören Sie auf mit ihrer Kritik, die nicht einen Schuß I %u*bcc wert ist. (Lebhafter Beifall rechts.) Von mir und meinen I Gesinnungsgenossen weise ich eS ab, daß wir jemals die Prostitution |
- geS Uebel bezeichnet haben; wir wollen gewerbliche Un- I ^u-n -jl ra'cn' bei den Frauen, so bei den Männern; deshalb I »iU ich das Schutzalter erhöhen und habe ich 1892 den Arbeitgeber- I Paragraphen wesentlich mit veranlaßt.
8A^PvQ^n (Str" ^hr schwer verständlich): Nach den Reichs- I gerichtsentscheidungen würde Hamburg, wenn die hier vertretene I Auffassung bei der Hamburgischen Regierung thatsächlich vorhanden I in, bezüglich der Duldung der Bordelle gegen das Gesetz verstoßen. I lL>ehr richtig! rechts.) Für den Paragraph 181 b besteht ein Be- I öurfniS imabt mehr. Ein Schwanken in der Auffassung der Frage I seitens deS Zentrums liegt keineswegs vor. Redner wendet sich dann I gegen einen vom Staatssekretär über die Merkmale der Bordelle in I der zweiten Lesung gemachte Ausführung, die er als unrichtig I bezeichnet. I
Die §§ 180, 81, 81a werden angenommen. §§ 181b und 182 I werden abgelehnt. Dann folgt Debatte über $ 182a (Arbeitgeber- I Paragraph).
Schluß nach 6 Uhr.
Lokales und Vrovinfielles.
P. The ater ver ein. Als achte Vorstellung des I Vereins wurde „Jugend von heute" von Otto Ernst ge- I geben, ein Stück, das der Verfasser, man weiß nicht recht I warum, als „deutsche" Komödie bezeichnet. Daß es in I den letzten Wochen viel Beachtung gefunden hat, ist schon I m der Vorbesprechung erwähnt; viele Stimmen der Kritik I haben sich jedoch ablehnend verhalten. Man giebt im all- I gemeinen zu, daß der Dichter mit der Aufstellung seines I Problems einen glücklichen Griff gethan hat, erhebt aber I den Vorwurf, daß er zu viel mit Schlagwörtern arbeitet, I und vermißt in Aufbau und Ausführung das nötige dra- I matische Geschick. Auch hier in Gießen schienen die Mei- | nungen der Zuhörer geteilt, und der Beifall bei den Akt- I schlüssen galt wohl mindestens ebensosehr den Schauspielern I wie dem Stück. In der That konnte man mit der Ein- I studierung sehr zufrieden sein; es war offenbar viel Fleiß I auf die Einprägung der mit schwierigen Kraftwörtern I Nietzsches, gespielten Reden und Redensarten verwandt I worden. Das Zusammenspiel klappte, und die An- I Ordnungen waren namentlich bei den verschiedenen Tisch- I szenen, ohne die unsere neueren Dichter selten auskommen, I zweckmäßig getroffen. Daß die Rosenlaube des vierten I Aktes im Nu einen so durchdringenden Kleistergeruch im I Zuschauerraum verbreitete, mußte man freilich mit in Kauf I nehmen. — Als Gast machte sich Herr Willy Löhr vom Darmstadter Hoftheater in der Rolle des Dr. Hermann Kröger beim hiesigen Publikum in vorteilhafter Weise be- I kannt. Seine Umwandlung vom Uebermenschen zum ge- I wohnlichen Sterblichen gelang gut, und gerade die Zurückhaltung, die sich der Künstler in der ersten Hälfte auferlegte, I machte seine Leistung in der letzten um so wirksamer. Den I oo)en Dämon Hermanns, Erich Goßler, verkörperte Herr I durchaus richtig; hie und da, namentlich im zweiten I "x er eut wenig zu leise. Der schmierige Lrtterat I unö Schmarotzer Egon Wolf wurde in Erscheinung und I x!Ven .?errn Rolan so komisch gegeben, daß er I durch den pathetischen Vortrag seiner verrückten Dichtungen I ebenso wie durch bloses stummes Spiel die allgemeine Lach- I tust erregte Eine ganz vorzüglick)e Leistung bot Fräulein Hammer als Klara Hendrichs. Sie wußte'den Zuschauer mit dem größten Interesse für ihren Feldzug gegen die falsche Genialität zu erfüllen, und es war lediglich Schuld des Dichters, der plötzlich diesen Faden wieder fallen läßt daß das Interesse im letzten Teil abnimmt. Tie gute alte Zeit wurde von Herrn Walter und' Frau Helm als Ehepaar Kröger im schürfen Gegensatz zur Jugend dargestellt, und die Verwendung dialektischer Anklänge erschien unge- I zwungen genug. Fräulein Eichenwald gelang die Umwandlung in den frühreifen Obersekundaner Hans aus- I gezeichnet, und auch die Nebenrollen, von denen wesentlich |


