Ausgabe 
15.5.1900 Zweites Blatt
 
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Dienstag den

Kr. 112 Zweites Blatt

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Kchvtstraße Kr. 7.

Ldreffe für Depefchen: Anzeiger Hieße«- Fernsprecher Nr. 51.

Alle Anzeigen-BermittlungSstellen deS In- und Auslandes »ehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. ZeilenpreiS: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg.

tzrschetnt täglich mu Ausnahme des

MontagS.

2)i t Gießener ^«mikieuvtätter »erden dem Anzeiger w Wechsel mitHess. Landwirt" m.Blätter ßr hesi. Volkskunde" »tchti. 4 mal beigelegt.

Monbag 1 Uhr: Fortsetzung der Debatte.

Schluß 6 Uhr 30 Min.

Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Glätter für hessische Volkskunde.

* Vortrag. Vor einer großen Anzahl Damen ans hiesiger Stadt hielt Freitagabend Frau Baumeister M. Deibel aus Mannheim im Saal desSafe Leib" einen Vortrag über die wichtigsten Stosse in der Ernährung mit besonderer Berücksichtigung der verschiedenen Speisefette, wie Butter, Palmin, Schmalz, der in letzter Zeit sich immer mehr und mehr einführenden Maggi-Produkte und deren gesundheit­liche und wirtschaftliche Bedeutung. An den beifällig auf­genommenen Vortrag schlossen sich die auf Spiritus-Apparaten hergestellten Kochversuche mit Palmin und Maggi. Vor den Augen der Anwesenden wurden in verhältnißmäßig kurzer Zeit die schmackhaftesten Getränke und Speisen zu­bereitet. Die Vortragende verfehlte nicht, die verschiedenen Produkte und Apparate zur Anschaffung in den Haus­haltungen angelegentlich ft zu empfehlen.

Aus dem Militär Wochenblatt. ernte, Lt. im Feld-Artl. Regt. General-Feldzeugmeister (1. Brandend.) Nr. 3, dessen Kommando zur Dienstleistung beim großen ! Generalftave bis Ende Oktober verlängert; v. Bredow, Rittm. L la suite des 2. Leib-Hus.-Regts. Kaiserin Nr. 2 und Vorstand der Militärlehrschmiede in Frankfurt a. M., mit Pension z. D. gestellt und unter Erteilung der Erlaub­nis zum Tragen seiner bisherigen Uniform zum Bezirks­offizier bei dem Laudw.-Bezirk I Trier und zum Pferde- I vormusterungs-Kommissar, Schwenke, Rittm. u. Esk.-Ches im Drag.-Regt. Prinz Albrecht von Preußen (LitthauischeS) I Nr. 1, mit Beibehaltung seiner bisherigen Uniform zum I Vorstand der Lehrschmiede in Frankfurt a. M. ernannt; | Michelly, Hauptm. u. Batt.-Chef im 1. Großh. Hess. I Feld-Artl.-Regt. Nr. 25 (Großh. Artl.-Korps) von dem I Kommando zur Dienstleistung beim großen Generalstabe | enthoben.

? Staufenberg, 13. Mai. Unser beliebter Ans- I flugsort war heute wieder sehr besucht. So hatte sich der I GesangvereinLiederkranz" von G i e ß e n die I hiesige Burgruine als Ausflugsort ausersehen, und in I der WirtschaftZur Stadt Staufenberg" hatten sich jechs I Gesangvereine, je zwei von Altent-Buseck und Mainzlar I und je einer von Lollar und Staufenberg unter der Leitung I von Theodor Kümmel von Lollar zu einem Sängertage hier

I eingefunden. Besonderes Interesse erregte der Einzug der | beiden Mainzlarer Gesangvereine; denn ihnen voraus I schritt eine Musikkapelle, aus einigen der an der Lumda- | bahn arbeitenden galizischen Erdarbeiter bestehend, die I Harmonika, Guitarre, Triangel u. s. w. spielten. Nach- I dem sich sämtliche Vereine in genannter Wirtschaft ge- I sammelt hatten, hielten sie unter Vorantritt der Kummel- I scheu Musikkapelle einen Umzug durch den Ort, versammel- en sich dann wieder in dem Garten ded W.rtschast und verbrachten dort einige fröhliche Stunden, in denen Ge- saug und Mufikvarkage abwechselten^^ ,

nnfeMmÄt Litt und b. ein ®ebennag.

P« «gJ fam^n Äe?m her 1 ^n"schwe s^agel^tte" zog über Bleichenbach, Selters

1900

Mczugspreis vierteljährl. Mk. 2,20 monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn; durch die Abholestellrv vierteljährl. Mk. 1,96 monatlich 65 Pfg.

Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljährl. mit Bestellgeld.

Amtlicher Teil.

Bekanntmachung.

Die landwirtschaftliche HaushaltungSschul- I in Lindheim beginnt ihren 2. diesjährigen 5monatltchen I LchrkursuS Dienstag den 3. Juli * 1 90°-

Die Schule hat die Ausgabe, junge Mädchen zur FLHruug einer wohlgeordneten, einfachen, bürgerlichen HauS- Haltung vorzubereiten.

Gegenstände des Unterrichts sind: ,

Hauswirtschaft und Milchwirt,chast, Gemüsebau, Obst- Verwertung, Gesundheits- und Ernährungslehre, Kranken- pflege, Rechnen, Absasiung von Aussätzen und Br.esen, Buch, sühruug, sowie weibliche Handarbeiten. Auch ist sür gute Lektüre gesorgt und wird der Gesang gepflegt.

Die Schule besitzt einen Garten beim Hause, eigene Molkerei und Geflügelhaltung. .

Die unmittelbare Leitung der Anstalt untersteht einer Vorsteherin (Hausmutter) und einer Assistentin (Jndustrie- lehrerin). Sowohl diese, als die Mädchen wohnen im Anstaltsgebäude. Für Unterricht und Logis sind 20 Mk. pro Kursus, und für Kost und Verpflegung 1 Mk pro Tag zu entrichten; außerdem sind nur noch etwaige Ausgaben für Arzt und Apotheke zu bestreiten.

Ausführliche Programme, aus denen daS Nähere über die Anmeldungen, die möglichst frühzeitig erbeten werden, zu ersehen ist, find von dem Unterzeichneten, sow e.von Herrn Oberamtmann Westernacher in Lmdheim erhältlich.

Büdingen, den 25. April 1900.

Der Vorsitzende des landw. BeztrkSverems.

I r l e.____

Aus Stadt und Sand.

(Anonym- Einsendungen, gleichviel welchen Inhalte», ^ werden grundsätzlich nicht ausgenommen.)

Gießen, 14. Mai 1900.

Von der Universität. Professor Dr. Poppert, Direktor der chirurgischen Klinik dahier, hat "ie jüngst er­folgte Berufung für die Leitung des städtischen Kranken­hauses in Dresden abgelehnt. c v

M Personalnachrichten. Am 10. Mai wurde dem Ober- leutnant unb RegimenlSadjnlanlen Giese im Infanterie- Regiment Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr- 116 das Ritterkreuz 2. Klasse deS Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen; am 9.1. MtS. ist der stellvertretende Vortragende Rat im Ministerium des Innern, Abtmlung sür Landwirtschaft, Handel und Gewerbe, Großh. Regre- ruugSrat Dr. Usinger, zum Kommissar bet der Hand- werkskammer zu Darmstadt gemäß Vorschrift m 8 40 des Statuts sür die Handwerkskammer bestellt worden; tn ben Ruhestand wurden versetzt am 8. ds. MtS^ der Pfand- meister bei dem Rentamt Darmstadt Kaspar «charmann I auf sein Nachsucheu unter Anerkennung seiner mehr tote 50jährigen treugeleisteten Dienste, vom Tage des Dienst­antritts seines NachsolgerS an, der Psandmetster bet dem Rentamt Groß-Gerau Karl Vetter auf setn Nachsuchen I unter Anerkennung seiner langjährigen treugeleisteten Dienste I mit Wirkung vom Tage des Dienstantritts seines Nach-

Oeffentliche Empfehlung und Bitte.

Die in der Regel aus dem Soldatenstand hervorge- oanaenen Krankenwärter der Großh. Hessischen Landesirren­anstalten erscheinen, wenn sie nach 6jähriger Dienstzeit, in einem Lebensalter von in der Regel nahezu. 30 Sauren den schweren und verantwortungsvollen Anstaltsdienst mit gutem Zeugnis verlassen, zweifellos als in Bezug auf Zuverlässigkeit im Dienst und Treue gegen den Arbeitgeber erprobte Leute und als Arbeitskräfte welche, ganz abge­sehen von ihren Kenntnissen und Fertigkeiten in der Kranken- und Jrrenpflege, in nicht wenigen sonstigen Beziehungen Beachtung unb Empfehlung verdienen. Sie sind gesund, kräftig und anstellig, an Gehorsam, Mäßigkeit, Sparsam- kett Geduld, Fleiß, Ordnung und Reinlichkeit gewohnt, | in Bezug auf Aufmerksamkeit, Beobachtungsgabe, Nach- | denken und Gedächtnis nach ihren Anlagen gut entwickelt und im Lesen, Schreiben und Rechnen, wie auch m der Verwaltung kleiner Magazine und Jnventarten geübt.

Für das weitere Fortkommen dieser Manner Sorge tragen zu helfen, sind wir durch den Beschluß unseres Briums iom 27. September 1897 ein sür allemal beauftragt, und bitten wir demgemäß, falls man einen solchen Mann überhaupt und insbesondere in ?merWeise dauernd zu verwenden in der Lage und geneigt ist, die ihm zugleich die Gründung eines Hausstandes ermöglicht, sich umer Angabe der näheren Verhältnisse zunächst an den Unterzeichneten wenden zu wollen. Q . c\rr.n

Da die Krankenwärter der Großh.^"des-Jrrenan- stalten, neben freier Station, einschließlich vollständiger Dienstkleidung, schon von dem 3. Dienstjahre an einen baren Lohn von 500 Mk. beziehen und bet guter Führung nach 6 Dienstjahren eine Prämie von 1000 Mk. erhalten, so würde je nachdem auch eine mäßige Kaution geleistet werden können. . 1OAn

fSeDVenbeim a. d. B-, 9. Mat 1900.

Die Verwaltung des Hilfsvereins für die Geisteskranken in Hessen.

Medizinalrat Dr. Bixberbach, Vorsitzender.

Deutscher Reichstag.

192. Sitzung vom 12. Mai. 1 Uhr.

Vor Eintritt in die Tagesordnung giebt P r ä s i b e tiit Graf Balle st rem eine Erklärung ab, in welcher es beint dast eine Besprechung und Verabredung des ©emoren. konvents unler Abschluß der Linken nicht stattgesunden habe Es seien vielmehr nur einige Herren an ihn heran- getreten um von ihm zu hören, mit welchen geschäftlichen Absichten er sich trage. Die diesbezügliche Auskunft wurde er auch anderen Mitgliedern gegeben haben, wenn sie ihn danach.gefragt hätten. Mit dem Semorenkonvent zu ver­

handeln, habe er keinen Anlaß. Weiter teilt der Präsident mit daß er die Absicht habe, vor Pfingsten! die dritten I Lesungen der verschiedenen Vorlagen zu erledigen, weil es nicht möglich sei, die Flottenvorlage noch vor Pftugsten I zur Beratung zu bringen. Jedenfalls wurden die Pfmgst- I

(S°z.) bemerkt in einer kurzen Er- widerung, er glaube nach wie vor, daß in einer Besprechung I im Seniorenkonvent, ohne Ausschluß einer Partel, rm Zu^ I sammenwirken a'ller Parteien etne glatte Erledigung der I Geschäfte am besten gefördert werde. Er bedaure, daß I der Präsident wegen eines Verhaltens seiner Partei, welches I lediglich durch sachliche Erwägungen dikttert war, diese I Rücksichtnahme, alle Parteien zu Besprechungen heran- I

iLLILnin die Be r a k u n g b e s Uv- sallversicherungsgesetzes betr. -.and- und I I $ ° ^umV VtiegJeine Reihe von Anträgen vor, und zwar I von den Abgg. Gamp (Rp.), v. Richt Hofen (kons.), v Waldow (kons.) und Gaulke (frs. Vg.), bei, denen | es sich hauptsäckjlich darum handelt, innerhalb welchen I Rabmens land- und forstwirtschaftliche Nebenbetriebe dw-

I sem Gesetze, anstatt dem Gewerbe-Unfallgesetz, unterworfen I I L. Regierungsvorlage hatte bestimmt, daß I I durch das landwirtschaftliche berufsgenossenschaftliche I (Statut angeordnet werden könne, daß auch die ergentl^ I Unter das Gewerbeunfallgesetz fallenden Nebenbetriebe den

Vorschrflten gegenwärtigen Gesetzes unterworfen werden! können, wenn in diesen Nebenbetrieben vorwiegend

I land- oder forstwirtschaftliche Arbeiter beschäftigt Werdern I Die Kommission hak dies gestrichen und alle I Nebenbetriebe dem gegenwärtigen Gesetze unterworfen, in- I soweit sie nicht alsFabriken" anzusehen smd.

I ' Ein Antrag Gamp (Rp.) will die Trennung m I anderer Weise vornehmen. Der land- und forstwirtschaft- I lichen! Versicherung sollen unterworfen fern alle Neben- I betriebe 1) zur weiteren Bearbeitung land- und forste I wirtschaftlicher Erzeugnisse des Unternehmers; 2) zur Be- I friedignng von Bedürfnissen seiner Land- und Forstwirt' I schuft: 3) zur Gewinnung ober Verarbeitung von poben- I bestandteilen seines Grundstücks. Der Antrag zahlt dann | nody. diverse Nebenbetriebe auf, die nicht unter dieses I Gesek fallen sollen: Bergwerke, Steinbruche u. s. w.

I Der Antrag v. Richthofen (kons.) will dagegen die I Reaierungsvorlage wiederherstellen.

I Der Antrag v. Waldow (kons.) will rm Anträge I Gamp die Aenderung treffen, daß die Stembruche unter I das vorliegende Gesetz gestellt werden.

, I Der Antrag Gaulke (frs. Vg.) will im Anträge Gamp

Im Laufe der Debatte erklärt sich Ministerialdirektor I v. Woedtke für den Fall, daß man nicht der Regre^ings- I Vorlage den Vorzug geben wolle, für den Antrag Gamp. I

Abq. Roesicke (wildlib.) wendet sich gegen die Nr. 2 I im Anträge Gamp. Werde diese Nummer auftecht erhalten, dann würden dadurch eine Reihe von Nebenbetrieben, die bisher der gewerblichen Versicherung unterstanden, der I landwirtschaftlichen zugeführt^ ~ -r I

Aba. Molkenbuhr (Soz.) verteidigt ine Kommiß I sionssassung gegenüber der Regierungsvorlage und auch I Öem Nach^^weitererDebatte gelangen die Bestimmungen I über die Nebenbetriebe in der Fassung des Antrages Gamp I mit dem Amendement v. Waldow zur Annahme. I

« j a der Vorlage unterwarf die nach diesem Gesetze Versicherten der Versicherung auch hinsichtlich etwaiger häuslichen oder anderen Dienste für den Unternehmer. Die Kommission hat diese Versicherung der Versicherten in Bezug auf solche hauswirtschaftlichen Verrichtungen Nicht zu einer gesetzlichen Vorschrift erhoben, sondern sie von einer entsprechenden statutarischen Regelung abhängig ge- |

! macht Ein konservativer, sowie ein Zentrumsantrag wollen in diesem Punkte die Regierungsvorlage wieder- herstellen. Dieser Antrag wird fast einmütig angenom­men. - § 6 handelt von dem Schadenersatz, der mit emer 13 wöchigen Karenzzeit zu gewähren ist. Ein h^rzu em- gebraditer sozialdemokratischer Antrag wird abgelehUt.

8 6a erfährt auf Antrag des Abg. Roesicke (wildlib.) eine'nicht sehr erhebliche Aenderung, ebenso § 6b auf An­trag des Abg. v. Waldow (kons.).

Bei § 9 beantragen die Sozialdemokraten, daß die partielle Zahlung der Rente in Naturalien jederzeit aw I die Zustimmung des Rentenberechtigten gebunden sen I Weiter beantragen sie Streichung der Bestimmung, wonach I die Rente an Trunkenbolde stets mindestens zu einem Teil I in Naturalien gewährt werden muß.

Der sozialdemokratische Antrag wird hieraus abge- I lehnt, insoweit er sich auf die Trunkenbolde bezieht, I angenommen dagegen, insoweit er im übrigen für die Rentenzahlung in Naturalien die Zustimmung des Be- I rechtsten für erforderlich erklärt.

Wchmer Anzeiger

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Mgmbm las rrfdjramb«. Nummer 6.8 Oorm. 10 Uhr. VV/vlVV VtlV V l V / V V14 V -V

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Amts- unb Anzeigeblatt für den Nreis Gieren