Wetterau einen schönen Wirkungskreis gefunden hätte, in dem man ihm immer mit dem nötigen Verständnis entgegengekommen wäre. Sein Hoch galt der Landwirtschaft.
b. Bruchenbrücken, 6. August. Der Wetterauer Zweigverein der Gustav-Adolf-Stistung feiert nächsten Sonntag (12. August), nachmittags 2 Uhr, hier sein diesjähriges Jahres fest. Da unser Ort Station an der Main-Weser-Bahn ist, so wird sich die Feier großen Zuspruchs erfreuen.
§ Lauter, 6. August. Vor kurzem wurde auf dem Felde, an der Straße zwischen Laubach und Lauter, an einem dort arbeitenden Mädchen von einem unbekannten Menschen ein Notzuchtverbrechen auszuüben versucht. Der Mann, dem der Versuch nicht gelungen, entkam. DaS angefallene Mädchen erstattete Anzeige und gab eine genaue Beschreibung des Wegelagerers. Der Umsicht des Fußgendarmen Dörr zu Ruppertenrod gelang es, den Menschen in der Person des Georg Thomas aus Ober- Ohmen zu ermitteln und vorgestern in Hast zu bringen. Der Inhaftierte soll schon ähnliche Versuche unternommen haben.
Darmstadt, 6. August. Die in Darmstadt am 18. August 1895 zur 25 jährigen Erinnerungsfeier versammelten Kriegskameraden aus 1870/71 beschlossen ein auf den 19. August 1900 anberaumtes Rendezvous auf der Oppenheimer „Landskrone". Inzwischen wurde dieser begeistert «aufgenommene Beschluß dahin erweitert, daß sämtliche Kameraden der ehemals Großherzoglich Hessischen Pionier-Kompagnie und die während der Feldzüge 1866 und 1870 ihr angehörenden Trainsoldaten ebenfalls zu dieser Kriegerversammlung eingeladen werden sollen. Da aber am 19. August auf der „Landskrone" in Respektierung eines schon vor Jahren gefaßten Beschlusses auch ein Gau- Turnfest gefeiert wird, so findet das kriegskameradschaftliche Erinnerungsfest nicht in Oppenheim, sondern am 19. August zu Nierstein statt. Zu dieser schönen Feier werden neben dem Obersten Brentano auch die übrigen Offiziere, sowie der Militärarzt aus 1870/71, Dr. Schramnr und die Familienangehörigen der alten Kampfgenossen erwartet. Mit den vorbereitenden Schnitten zur würdigen Begehung der patriotischen Veranstaltung wurde-der Großh. Hochbauauffeher A. Dorn zu Mainz betraut.
Frankfurt a. M., 6. August. Heute wurde der Fern- sprech-Verkehr zwischen Frankfurt—Paris und Berlin—Paris ausgenommen. Die Verständigung war sehr gut._______________________
Vermischtes.
* Berlin, $• August. Wegen Erkrankung an e ch t c n P o cke n ist gestern abend eine Kaufmannsfrau mit ihren fünf Kindern von Kl.-Glienicke bei Potsdam nach Berlin in ein Krankenhaus gebracht worden. Es handelt sich um leichte Fälle. Gegen eine etwaige Weiterverbreitung durch Ansteckung sind sofort alle erforderlichen Maßregeln getroffen worden.
* Plauen, 5. August. Die Erdbeben im oberen Vogtland sind nach mehrtägiger Unterbrechung vergangene Nacht mit neuer Heftigkeit aufgetreten. Die Stöße waren teilweise von starken Gewittern mit Sturm- wind begleitet. Die Aufregung in der erschreckten Bevölkerung steigt zusehends.
* Sellin (Rügerr), 4. August, lieber 100 Personen wollten heute frilh mit dem Stettiner Dampfer „Freya" Sellin verlassen. Zum Anbooten wurden neun Ruderboote (davon 3 mit Gepäck beladen) und ein Segelboot benutzt. Letzteres war nur von einem Bootsmann geführt und angeblich überfüllt. Die Zahl der Insassen ist unbekannt. In der Nähe des T-amPsers kenterte das Segelboot, nach Aussage des Badeverwalters infolge einer Windhose, nachj Aussage der Bootsleute, weil das volle Boot überstürzte ünd die geängstigten Insassen aufstanden -ind nach der entgegengesetzten Seite drängten. Als der Unfall geschah, war erst ein Ruderboot entladen, ein zweites folgte schnell ünd konnte sich so ebenfalls an den Rettungsversuchen beteiligen. Ter Dampfer gab ununterbrochen Notsignale mit der Dampfpfeife, die sogar Binzer Boote herbeiführten. Ein Rettungboot des Dampfers wurde sofort ins Wasser gelassen. Die meisten Personen wurden durch nahebei ankernde fremde Fischerboote auf den Dampfer gerettet. Genaue Feststellungen über den Umfang des Unglücks sind dadurch erschwert, daß der Dampfer weiterfuhr, ohne eine Mitteilung über Zahl und Namen
der Geretteten zu hinterlassen. Aus telegraphischen Nachfragen von Göhren und Heringsdorf geht hervor, daß Prof Hoeffer aus Breslau, seine Gattin, eine Frau Schulz aus Berlin nebst Kind und Mädchen vermißt werden. Außerdem soll eine Familie Wolter, angeblich aus Helmstedt aus drei Personen bestehend, umgekommen sein. Ein Sanitätsrat Krause starb an Bord infolge Herzschlages In den Nachmittagsstunden wurde bisher vergeblich die Unfall- stelle durch Fischer abgesucht. — Dazu werden noch folgende Einzelheiten gemeldet: Als der Passagierdampfer „Freya" am Morgen des Samstags um 7 Uhr in Sicht kam und auf der Höhe von Sellin die Anker lichtete, um die nach Stettin ihren Kurs richtenden zahlreichen Passa- giere cüus Sellin aufzunehmcn, stachen 9 Ruderboote und vin Segelboot, das nur mit einem, aber sehr erfahrenen und erprobten Schiffer bemannt war, in See, die die abfahrenden Badegäste an den Dampfer zu bringen hatten ~'er Segler befand sich unter den letzten Booten. Als das erste, vom Schiffer Hoffmann geführte Ruderboot seine Passagiere ausgebootct hatte, bemerkte der Führer des Bootes, daß der Segler sich ganz auf die Seite legte. Sofort ahnte er das Unheil und eilte zur Unalücksstätte. Man sagt, daß dler Segler sich 100, nach; anderer Darstellung 3—400 Meter vom Dampfer befunden habe, als die Katastrophe eintrat. Man glaubt, daß das Fahrzeug entweder von einer hochgehenden Welle erfaßt wurde, oder sich vornüber gebeugt habe und so gekentert sei und unter Vollwasser gestanden habe. Schreckliche, ergreifende Szenen spielten sich ab, überall Schreien, Weinen, Flehen, ein großer Teil der Insassen hielt sich am Rand des Bootes fest oder hatte an der Segelraa Zuflucht und Halt gesucht. Ein anderer Teil war in die Fluten gefallen und rang verzweifelt um seine Rettung. Der Schiffer Hoffmann, der zuerst herbeigeeilt war, machte zunächst auf die im Wasser schwimmenden Personen Jagd und hatte es seiner Gewandtheit und Geistesgegenwart zu verdanken, daß er sieben Personen seine Hilfe zur Verfügung stellen konnte Ein korpulenter Herr konnte ihm entgegenschwimmen und wurde unter größter Kraftanstrengung von Hoffmann in dessen Ruderboot geborgen, auch einer Dame, die so aut wie verloren war, reichte er die rettende Hand. Von der „Freya" wurden schleunigst die Rettungsboobe gelöst, auch andere von Sellin zur Hilfeleistung herbeieilende Boote griffen ein, ebenfalls zwei von Karlshagen am Freitag herübergekommene Segelboote. Die Selliner thatcn ihr möglichstes, um d,ie Unglücklichen zu bergen. Alle Verunglückten, soweit sie gerettet waren, wurden auf Verlangen an Bord der „Freya" gebracht, zwei Professoren, darunter Prof. Eismann vom Friedrich-Wilhelms-Gymnasium in Posen, waren stark angegriffen und bewußtlos. Drei Personen, Buchhändler Wolter aus Helmstedt mit Gattin und Kind, wurden von einer Verwandten der Frau im Wasser um ihr Leben ringend erblickt. Sie sind alle drei ertrunken. Die Gattin eines Berliner Bankbeamten Schulze ist gerettet, während ihr Kind ertrank. Auch Prof. Hoeffer, außer der Gattin, dürfte mit der übrigen Familie gerettet sein. Die Angabe der Zahlen der ins Wasser Gefallenen schwankt zwischen 14 und 20. Seitens der Badeverwaltung wurde in Swinemünde telephonisch Nachfrage gehalten und von dort aus scstgestellt, daß einer der Geretteten, Sanitätsrat Krause jaus Berlin, während der Fahrt an Bord der „Freya" gestorben sei ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben. Panischer Schrecken hatte das Gros der Bevölkerung ergriffen; von früh an war der Strand belebter als je, und wurde das ans Land gebrachte Wrack des Seglers, in dem verschiedene Kleidungsstücke und Hand- gepäck wirr durcheinander lagen, in Augenschein- genommen. Die Urteile über das Unglück selbst gehen sehr auseinander; allgemein wird das Schicksal der Verunglückten beklagt Zur Untersuchung des Thatbestandes sind Samstag und Sonntag eingettoffen der Amtsvorsteher Fürst Putbus, der Vertteter des Bergener Landrats Bülow, der Granitzer Gemeindevorsteher, Förster Schneider und der Gendarm Kutz aus Göhren.
* Schahs als Künstler. Der Schah machte, wie aus Paris berichtet wird, bei seinem Einzug in Paris einen sehr abgespannten Eindruck. Trotzdem aber hat er seiner Vorliebe für musikalische Genüsse nicht entsagt. Als er entdeckte, daß sich in der Villa Evans kein Klavier befand, fragte er, ob er nicht sofort eins bekommen könnte. Ein Fabrikant, der den Schah in Teheran bedient, wurde antelephoniert, und nach kaum einer Stunde war das große Klavier da, das von acht Männern in den Salon geschleppt wurde, wo es bleiben soll. Das Klavier war bald für den
Schah bereit, er setzte sich hin und spielte einen Walzer und dann ein Nocturno. Er hat musikalisches Gesühl, aber seine Finger, sind etwas kurz und haben keine Muskelkraft. Aber das Klavier ist ihm, wie er sagt, ein angenehmer Gefährte. Mehrere Mitglieder seines Gefolge- sind ausgezeichnete Spieler. Sie verstehen, ihn dadurch bei guter Laune zu erhalten. Der Schah ist auch sehr belesen und er schätzt die Literatur sehr hoch; aber er besitzt freilich nicht die Fähigkeiten seines Vaters, der sich sowohl als Maler wie als Schriftsteller und Dichter bethätigte. Als Barde konnte NaSr-ed-din „die Nachtigall der Feder um die voll erblühten Rosen des Harems flattern lasten." Auf seiner Reise durch Europa schrieb er auch ein Tagebuch, d. h. er diktierte eS in jeder Nacht seinem Sekretär; eine englische Uebersetzung des interessanten und amüsanten Werkes wurde von Murray veröffentlicht. Die Liebe zur edlen Dichtkunst ist in der Familie des Schahs überhaupt herkömmlich. So war auch der Ururgroßvster des gegenwärtigen Schah ein Dichter; von diesem wird ein hübsches Geschichtchen erzählt. Trotzdem er selbst dichtete, hielt er sich doch, vielleicht in geheimer Selbsterkenntniß, einen Hofpoeten, und zwar einen, der zugleich ein scharfer Kritiker und ein Humorist war. Eines Tages hatte Seine Majestät einige Verse beendet; er schickte nach seinem Hospoeten und deklamierte sie ihm vor. „Was hältst Du davon?" fragte der „König aller Könige". „Und müßte ich Euch auch zum Opfer fallen", war die Antwort, „aber ich halte das Ge- dicht für Unsinn". „Fort mit Dir", donnerte die beleidigte Majestät, „führt den Esel in den Stall!" Und so geschah es. Nach einiger Zeit hatte sich des Königs Wut einigermaßen gelegt. Da dachte er daran, einen zweiten Versuch mit dem Hofdichter zu machen, jedoch mit einem anderen Gedicht. Wieder ließ er den Dichter holen und deklamierte es ihm vor. Nach einer kurzen Pause stand der Hofpoet aus und wollte hinausgehen. „Wohin gehst Du?" fragte ihn der König. „Nach dem Stall", antwortete er. Dieses Mal mußte der „König aller Könige" jedoch lachen — aus seine eigenen Kosten.
— Der verein Hundesport für «letzen und Umgegend beschloß in seiner gestern abend im Hotel „Prinz Karl" abgehaltenen Monatssitzung, im Mai n. Js. eine Hundeausstellung in Gießen zu veranstalten.
Familien Nachrichten.
Gestorbenr Herr Gustav Berbenich, Großh. PalaiS-Jnspektor in Darmstadt.
Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.
Frankfurter Börne vom 6. August.
Wechsel auf New-York zu 0.00-00.
PrÄmieu auf Kredit per ult Äug. l.eO’/o, do. per ult Sept 2.70o/o, Diskonto-Kommandit per ult. Äug. 1.30 %, do. per ult. Sept. 2.350/o, Lombarden per ult Ang. 0.70%, do. per ult Sept. 1.10%. Deutsche Bank per ult. Juli 0.00 o/o,
Notierungen: Kreditaktien 206.60-50-60.000, Diskonto- Kommandit 175.40-20-00, Staatsbahn 140.80, Lombarden 25.50-00, Italiener 93.50, Spanier 71.70-60, Bproz. Mexikaner 26.20, Bochumer 191.80-20.0 Laura209.30bz., Harpener 188 182.10 bz., Gelsenkirchen 191.80 bz., Ungar. Goldrente 00, Oesterr. Coupons 00.00, Amerlk. Coupons 0.00, Privat-Diskont 4,/6°/o-
ly« bis 2® h Uhr: Kreditaktien 206.50-30.00-0 bz., Diskonto-Kommen di t 176.20-174.50-70 bz., Berliner Handelsgesellschaft 00 bz., Staatebahn 139 90-00 bz., Lombarden 25.50 b., Laura 00,00. Harpener 181.50-180 bz„ Hibernia 201.20-200.50 bz.
Wegen vorgerückter Saison
▼erkaufe ich die noch vorrätigen Wasch-Anzüge, Blusen, Hosen, Loden-Joppen und Sommer-Havelocks zu bedeutend herabgesetzten Preisen.
ist Markus Bauer.
flk AyXfi aU (Hessen) zw. Darmstadt u. Heidelberg, ■■ WÄvU Hotel u. Pension „zur Krone**, Sommerfrische. Pensionsprospekt u. Führ. grat. Bes : G. Diefenbach.
Auch
Weinessig-Essenz
wird aus essigsaurem Kalk hergestellt, etwas aromatisiert, hat — ebenfalls giftige Wirkung.
4531 Die Abwehrkommlssion des Deutschen Essigfabrikanten-Verbandes.
Städtischer Arbeitsnachweis Gießen
Scnrtenftrofte 9.
er i. "»sedol der ArdeU^-Mrrr 1 Kellner, 1 Hausbursche, 1 landwirtschaftl. Arbeiter, 2 Fuhrknechte, 1 Lauffrau, 2 Schreibgehilfen, 1 Taglöhner.
.. . der Arbeitgeberi 1 Drechsler, 1 Metzger, 1 Schneider, 6 Bau«
deiner 1 Küfer 2 Einleger, 1 Hausbursche i. A. von 14-16 Jahren, 1 Bier- sahrer, 2 landwirtsch. Arbeiter - Dienstmädchen, 1 Lauffrau, 1 Hausmädchen zu zwei Damen bei hohem Lohn, 1 Schreibgehilfe.
Lehrlinge r 1 Bäcker, 1 Buchbinder, 1 Friseur, 1 Glaser, 1 Kellner, 1 Kupferschmied, 1 Mechaniker, 1 Sattler, 2 Schneider, 2 Schreiner, 3 Schuhmacher, mehrere Spengler gegen tägliche Vergütung, 1 Wagner.
Nachdem mir von den Vereinigten Hanf gehl auch- und Gummiwaren-Fabriken zu Gotha, Aktien-Gesellschaft, früher Gebr. Bürbach & Co., die Haupt - Vertretung ihrer Fabrikate für den Kreis Giessen übertragen worden ist, halte ich mich zur Lieferung von
Spritzen- u. Gartenschläuchen
in Hanf, Flachs und Gummi bestens empfohlen. 5142
A. Dickore, SchauMstkaße 8.
Zwiebelkuchen
Montag, Mittwoch und Freitag, von 9 Uhr ab. 4684
Hofbäcker Noll, Mäusburg 12.
Neue Kartoffeln
Frührosa, 100 Pfd. 8 Mark frei ins
Haus geliefert. — Bestellungen nehmen die Mllchverkäufer entgegen oder per Postkarte. 03097
Hofgut Friedelhausen.
I. Keifer, «ntsMter.
Hadwntr-Badeökn
O’R-P« Ubar &OOQO im 6ebrauet) D-R.P.
1 fioubens (fosbtizökn
jf QrMls.Oertrater an laMalkn PUlZCft»
' J.ß.BoubenSobn €arl/Rad>civ
4436
Jean Dern & Cie.
Westaulage 31 Giessen Telephon 21
unterhalten stets große» Lager in
Meißner Kachel-Oefen
aller Art rmd Stil, einfach tmb reich dekoriert
nrtf geivS-ieticher Aegullerrmg und «mertti «irischem Aenerrrrrgr-Fysiem.
Spezialität: Altdeutsche Kachel-Oefeu «»d Kamine.
BV DaS Setze« der Vefev geschieht durch Fachleute unter Garantie meisterhafter, kompletter Ausführung. 1746
OODCXXXXXXXXXXXXaiOfOOCXXJOOCXXXXXXXXXXXI


