Ausgabe 
6.10.1900 Erstes Blatt
 
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DieDaily News" hält das Ergebnis des zweiten Wahltages für die Liberalen günstiger als das des ersten. Der erste Tag ließ den Tories mit dem Siege Mr. Winston ,Sp. Churchills (des bekannten Kriegs-Korrespondenten der Morning Post") in Oldham einen Gewinn von einem Sitz, der zweite Tag hat die Lage umgekehrt und den Li­beralen den Gewinn eines Sitzes verschafft. In Galway hat ein Sohn des populären Lord Morris den nationalisti­schen Kandidaten mit einer Majorität von 117 Stimmen geschlagen und dieDaily News" nennt dies Ergebnis um so bemerkenswerter, als hier zum ersten Mal seit den letzten Jahren die Unionisten in den soliden nationa­listischen Süden und Westen Irlands gedrungen seien. Da­gegen weist die Zeitung auf den Erfolg Sir George Newnes hin, der darauf stolz sein könne, eine Tory-Majorität von 421 Stimmen in eine liberale Majorität von 1115 Stimmen verwandelt zu haben. Sir George habe der liberalen Partei einen besonderen Dienst dadurch geleistet, daß er sich von Lord Roberts habe erklären lassen, die von Kon­servativen gemachte Behauptung, es sei Lord Roberts' Ansicht, daß das Land die Pflicht habe, die jetzige Re­gierung am Ruder zu halten, entspreche den Thatsachen nicht. Die Toris hätten jetzt viel gethan, das Mißver­hältnis zwischen ihren Sitzen und Stimmen auszugleichen, welch letztere um 20 000 sich vermehrt hätten, während die der Liberalen seit der letzten Wahl um etwa 5000 ge­fallen seien. Es müßten daher große Anstrengungen ge­macht werden, wenn die Liberalen die übergroße konser­vative Majorität von 1895 vernichtet sehen wollten.

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Bis Donnerstag abend waren als gewählt bekannt: 222 Ministerielle, 54 Liberale, 43 irische Nationalisten. Die Ministeriellen gewinnen 8, die Liberalen 11 Sitze.

Aus Stadt uud Land.

Gießen, 5. Oktober 1900.

- vn. Darmstadt, 4. Oktober. Heute nachmittag hat der Schlossergeselle Gebhard Pflüger, 25 Jahre alt, aus Ravensburg, zuletzt in Stellung in Offenbach a. M., die

20jährige Katharina Gunst aus Thauan i. W., auf offener Straße nach kurzem Wortwechsel durch 4 Revolver­schüsse ermordet. Nach seiner Angabe hat der Mörder früher ein Jahr Verhältnis mit der G. gehabt, die aber jetzt nichts mehr von ihm hat wiffen wollen. Als er ge­hört hatte, daß sie seit Montag hier bei Lithograph W. in Stellung war, suchte er sie auf und bat sie um eine Unter­redung. Auf der Straße drohte er ihr mit dem Revolver und als sie weggehen wollte, hielt er sie fest und brachte ihr 4 Schüsse in Kopf und Brust bei, sodaß sie sofort tot war. Der Mörder suchte dann zu flüchten, wurde aber von dem herbeigeeilten Publikum erwischt und jämmerlich verhauen, sodaß ihn die Polizei nur mit Mühe retten konnte. Bei seiner Vernehmung verweigerte Pf. anfangs die Nen­nung seines Namens.

Darmstadt, 4. Oktober. Auf ein Schreiben des Detaillistenvereins über das Vorschreiben des Ver­kaufspreises für BrennspirituS durch die Centrale für SpiritusVerwertung beschloß die Handelskammer, über daS Geschäftsgebahren dieses Syndikats an die Negierung za berichten und um deren Einschreiten zu ersuchen.

Offenbach, 4. Oktober. Vor dem Oberlandes­gericht in Darmstadt fand gestern die Berufungs­verhandlung des Großen Kollegs zu Offenbach gegen das erstinstanzliche Urteil in Sachen des Beigeordneten Wolff- Großes Kolleg statt. Nach Verlesung des That- beftandes und Urteils der Vorinstanz regte, wie dieOff. Ztg." berichtet, der Vorsitzende einen Vergleich an, der jedoch nicht angenommen 'wurde. Es wurde alsdann in die Verhandlung eingetreten. Der Vertreter des Großen Kollegs, Rechtsanwalt H a l l w a ch s, beantragte nach aus­führlicher Darlegung Aufhebung des Urteils der ersten Instanz unter Verurteilung Wolffs in die Kosten. Der Vertreter Wolffs, Rechtsanwalt Jäger, beantragte seiner­seits, die Berufung als unbegründet abzuweisen. Nach fast vierstündiger Verhandlung riet der Vorsitzende nochmals dringend zum Vergleich auf der Grundlage, daß das Kolleg die Ausschließung zurücknimmt und Wolff gleichzeitig feinen Austritt erklärt, daß ferner beide die Gesamtkosten teilen. Die Zurücknahme der Ausschließung und die Aus­trittserklärung soll durch die Bevollmächtigten gleichzeitig in einem einzigen Akt geschehen, sodaß nicht eine Partei vor dem Vergleich zurücktreten kann, nachdem die andere ihn erfüllt hat. Beide Parteien zeigten sich schwer tzu einem Vergleich geneigt. Wolff erhob nur Einspruch gegen die Uebernahme der Hälfte der Kosten, da das Kolleg diese Kosten viel leichter tragen könne. Die Verhandlung über

Punkt soll außergerichtlich fortgeführt werden, r^alls das Gericht bis zum 12. Oktober Nachricht von dem V^keichs auf dieser Grundlage erhält, gilt va«? rewHrfS erledigt. Im anderen Falle wird die gericht- liche ^kschmdung m vierzehn Tagen verkündet werden.

Offenbach, . Oktober. In einer benachbarten Ge- memde kam kürzlich bei der Vernehmung eines Grundbesitzers ta Sachen der Neuanlegung des Grundbuches ein Mißver­ständnis vor, das sämtliche Anwesenden in Heiterkeit ver­setzte. Der amtierende Beamte fragt nämlich den betreffen­den Grundbesitzer, ob seine Felder irgendwiebelastet" sind worauf prompt die Antwort erfolgte:Ja, Herr Richte/ mit Kartoffeln!"

- k- Mühlheim a. M., 4. Oktober. Gelegentlich seines 25jährigen Fahnenjubiläums veranstaltet der Ge­sangvereinSonntagsverein" zu Mühlheim a. M. auf Pfingsten 1901 einen nationalen Gesangswettstreit. Wie aus der Ausschreibung ersichtlich, ringen die sich be­teiligenden Vereine in vier Klassen um die Siegespalme. An demselben Tage findet außerdem für die preisgekrönten Vereine noch ein Ehrenpreissingen statt, zu dem dec Großherzog einen Ehrenpreis gestiftet hat. Vereine, die sich für die näheren Bedingungen interessieren, erhalten Auskunft durch den Vorstand des sestgebenden Vereins.

M a i n z, 3. Oktober. Ende laufender Woche werden Mehrere Räte des Eisenbahnministeriums aus Berlin hier Eintreffen, um nochmals Ortsbesichtigungen wegen der

Erbauung der Bahnlinie Mainz-Mombach- Curve-Kastel-Bischofsheim vorzunehmen. Wie wir hören, sollen sich bei der Ausarbeitung der Detail­pläne gegen die Ausführung des ursprünglichen, noch zu Ludwigsbahnzeiten entworfenen Projektes insofern ernste Bedenken geltend gemacht haben, als man ersehen, daß die Durchführung dieses Projektes auf der r e ch t e n Rhein­seite größere Kunstbauten erforderlich macht, die einen so bedeutenden Kostenaufwand beanspruchen, daß die für den Bau der Bahnlinie bewilligten Summen nicht ausreichen würden. Mit Rücksicht hierauf hat man von dem ursprüng­lichen Projekt mehrfach Umgang genommen, und sich zu verschiedenen Aenderungen entschlossen. Ueber diese Aenderungen sollen, wie wir hören, die demnächst von Berlin hier eintreffenden Herren aus dem Eisenbahn-Mi­nisterium nun definitiv Entscheidung treffen. Die Hes­sische Anwaltskammer hält kommenden Samstag in dem Justizpalast hier ihre diesjährige Jahres-Ver­sammlung ab.

Mainz, 4. Oktober. Vor Eintritt in die heutige Sitzung der Stadtverordneten - Versammlung teilte der Oberbürgermeister u. a. mit, daß in der nächsten Sitzung die sozialpolitische Deputation gewählt werde, und daß das Reich den Zuschuß für das Römisch-Ger­manische Museum von 15,000 Mk. auf 30,000 Mk. und die Großh. Regierung den Zuschuß von 4200 Mk. auf 8400 Mk. erhöht habe. Was die Frage der Be­stellung von Schulärzten betreffe, so werde probeweise Medizinalrat Dr. Balser die Stelle eines Schularztes im Laufe dieses Winters in einem Bezirksschulhause versehen. Stadtverordneter M. Mayer berichtete über die bereits erwähnten Abschlüsse der städtischen Rechnungen für das Jahr 1899/1900. Er stellte fest, daß das ab­gelaufene Jahr einen sehr günstigen Abschluß genommen und einen Ueberschuß von 744,905 Mk. ergeben habe. Nach einem Referat des Stadtverordneten Jean Falk sprach sich die Versammlung für die Einführung von Familien- Stammbüchern aus; es soll dafür eine kleine Gebühr erhoben werden. Stadtv. Tiesel referiert über den Be­schluß des Finanzausschusses über den Besuch der Pariser Weltausstellung durch Beamte und Arbeiter der Stadt Mainz. Dr. Gaßner stellte einen Vermittelungs- Antrag und forderte einen Betrag von 4000 Mk., um Be­amte und Arbeiter aus den städtischen Betrieben nach Paris schicken zu können. Auch sollen junge strebsame Leute, die der Bürgermeisterei in Vorschlag gebracht werden, ebenfalls eine Unterstützung aus städtischen Mitteln zum Besuche der Weltausstellung erhalten; der Antrag wurde genehmigt. Die von Stadtv. M. M. Mayer in Vorschlag gebrachte Neuordnung des Oktroidienstes wurde nach längerer Beratung von der Tagesordnung abgesetzt, da der Vor­schlag gedruckt und dann der Versammlung nochmals unter­breitet werden soll.

Hanau, 3. Oktober. Unter der FirmaSüdwest­deutsche Spiritus-Einkaufs-Gesellschaft" wurde heute hier eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung ge­gründet. Die Gesellschaft bezweckt den gemeinsamen Einkauf von Spiritus aller Art im freien Handels­verkehr zur Deckung des Bedarfs ihrer Mitglieder, ohne selbständig Handel zu treiben. Der Gesellschaft steht eine SpirituS-NeinigungS-Anstalt mit einer Million Liter r. Alk. Leistungsfähigkeit im Jahre zur Verfügung. Die Geschäfts­leitung wurde dem Kaufmann Heinr. Jac. Seiffert (t. F. I. Stück Nachf.) zu Hanau übertragen.

Wetzlar, 4. Oktober. Die Wahlmännerwahlen sind auf den 29. Oktober anberaumt, die Abgeordneten­ersatzwahl selbst findet am 5. November statt. An­scheinend für den zurückgetreteneu Herrn von Tieschowitz wird jetzt der frühere Wetzlarer Landrat Stackmann als konservativer Kandidat vorgeschlagen. Außerdem bewerben sich bekanntlich der nationalliberale Bergwerksdirektor Roth und der Antisemit Dr. Förster.

Vermischtes.

* Köln, 4. Oktober. In dem bei Euskirchen ge­legenen Bleibergwerk des MechernicherBergwerksaktien­vereins stürzte ein alter Bau ein, unter dem eine Anzahl Arbeiter vor dem unaufhörlich herniedergehenden Regen Schutz gesucht hatten. Sieben Bergleute wurden unter den Trümmern begraben. Sechs blieben sofort tot, der siebente ist schwer verletzt. Die Gerichts­behörde begab sich alsbald an Ort und Stelle, um Er­hebungen über die Ursache des Unglücksfalles einzuleiten.

Berlin, 4. Oktober. Die Berliner Stadtverord­netenversammlung wählte heute gemäß den Vorschlägen des Ausschusses den Abg. Syndikus Fischbeck und Geh. Oberregierungsrat a. D. v. Friedberg zu unbesoldeten Stadträten. Beim ersten Wahlgang wurden 132 Stimm­zettel abgegeben, von denen 35 unbeschrieben waren, während 93 aus den Namen Fischbeck lauteten. Beim zweiten Wahl­gang erhielt v. Friedberg 84 von 134 Stimmzetteln, während 47 ungiltig waren. Vorher sand die Einführung des Bürgermeisters Brinkmann statt. Oberbürgermeister Kirschner richtete an den neuen Kollegen eine kurze An­sprache. Darauf hieß Stadtverordnetenvorsteher Langer- hans Brinkmann im Namen der Stadtverordnetenver­sammlung willkommen, indem er besonders auf die Wichtig­keit der Selbstverwaltung der Kommunen hinwies und die Hoffnung aussprach, der neue Bürgermeister werde der StadtverordnetenVersammlung bei etwaigen Angriffen auf die Selbstverwaltung treu zur Seite stehen. Brinkmann dankte darauf den beiden Vorrednern und wies kurz aus einige der Aufgaben hin, deren Lösung die Stadtverwaltung sich demnächst angelegen sein lassen müffe, darunter auch die Abstellung der Wohnungsnot.

* DerKladderadatsch", der in seinemBriefkasten" allwöchentlich eine stattliche Zahl vou Druckfehlern, Stil­blüten u. dgl. Sünden anderer Blätter gewissenhaft Revue passieren läßt, hat in seiner letzten Nummer sich selbst einen

wertvollen Beitrag geliefert. Wir finden da folgende Notiz: Das Kleine Journal" vom 25. September schreibt:Der Cid" von Cornelius ging, wie ein Privattelegramm unseres Prager Correspondenten meldet, am Sonntag im dortigen Deutschen Landestheater zum erstenmal in Szene. Sie meinen, Cornelius soll eine Verdeutschung von Cor­neille sein. Kann wohl sein, aber ganz deutsch ist Cor­nelius, der früher den Zunamen Nepos hatte, auch nicht."--Der Briefkastenonkel desKladderadatsch"

scheint sich in mueicia einer verblüffenden Unkenntnis zu erfreuen; er hat offenbar nie gehört, daß es einen nicht ganz unbekannten Tondichter namens Peter Cornelius ge­geben hat, der einst eine OperCid" komponierte. Onkelchen ai tacuiaaea!

* Rom, 4. Oktober. Heute vormittag stellte der Va- tikan der italienischen Polizei die ersten Berichte und Er­gebnisse der bisherigen Nachforschungen über den Dieb­stahl zu. Die gestohlenen Rentenpapiere erreichten den Betrag von 357 310 Lire, von denen 75 110 amerikanische und der Rest italienische Staatsschuldpapiere bilden. Die Diebe raubten ferner 500 Lire Kupons italienischer Wert­papiere. Die Nachforschungen werden fortgesetzt. Mau versichert, die Spuren der Thäter seien entdeckt und Ram- polla hätte befohlen, den Namen der Diebe, sobald sie ent­deckt seien, der italienischen Polizei mitzuteilen.

e Konstantiaopel, 4. Oktober. Der Profeffor der Bonner Universität Rieder, der mit der Reorganisation des türkischen Medizinalwesens betraut ist, stürzte bei der Besichtigung eines Hospitalbaues fünfzehn Meter tief hinab. Rieder erlitt dabei einen Bruch der Füße und eine Verletzung des Rückgrats. Sein Zu st and ist lebens­gefährlich.

Universität und Hochschule.

Aus Jena teilt man mit: Morgen begeht der Profeffor der Theologie, Kirchenrat Dr. Hilgenfeld sein 50jähriges Profefforen- jubiläum. Am 5. Oktober 1850 wurde er zum a.-o. Profeffor der Theologie in Jena ernannt. Sein goldenes Doktorjubiläum konnte Hilgenseld bereits am 25. Mai 1896 feiern. Der bisherige Privat­dozent Dr. Wather Schücking zu Göttingen ist znm a.-o. Profeffor in der juristischen Fakultät der Universität zu Breslau ernannt worden. Der Professor der Nationalökonomie Dr. Schuhmacher in Kiel hat einen Ruf nack Köln als Profeffor und Studiendirektor an die aus dem Vermächtnis des Geheimrats v. Meoiffen zu errichtende Handels­akademie erhalten.

Kunst und Missenschaft.

Kopenhagen, 4. Oktober. Leutnant Andrup kam gestern vor» mittag mit der ganzen Expedition an Bord derAntarcttc" auf der hiesigen Rhede an. Die Expedition untersuchte und kartographierte vom 18. Juli bis 2. September die vollständig unbekannte Strecke vom Kap Dalton 69,28 Grad nördlicher Breite, bis zu der Aggasinsel 67,22 Grad.

Sport, Spiel, Jagd.

-m- Gießen, 5. Oktober. Die Ehrenpreise, welche bei dem diesjährigen Schlußradrennen am nächsten Sonntag zur Verteilung kommen, sind in dem Erker der Firma Ernst Bloedner, Seltersweg ausgestellt und erregen in hohem Maße die Aufmerksamkeit aller Passanten. Der Vorverkauf der Eintrittskarten zu sehr ermäßigten Preisen ist bei den Herren H. Hettler, Südanlage, und Heinrich Noll, Mäusburg, eröffnet worden.

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Fraikfsrter BOiie vom 4. Oktober.

Wechsel auf New-York zu 0.00-00.

Prämie» auf Kredit per ult Okt. 2.05%, do. per ult. Novbr. 3.10 %, Diskonto-Kommandit per ult Okt 2.05%, do. per ult Novbr. 3.10%, Lombarden per ult Okt. 0.75%, do. per ult Novbr. 1.00%. Deutsche Bank 0.00%,

Kotierungen: Kreditaktien 203-203-60-0, Diskonto- Kommandit 171.80-50-90-60 Staatshahn 140.70-00.000, Lombarden 00-25.20, Italiener 93 60, Spanier 71.70-00, Spree, Mexikaner 25.30, Bochumer 174 20-10-20-3.50 bz., Laura 197-196.50 bz., Harpener 180.00-180.20-179.50 bz., Gelsenkirchen 191.00 bz., Privat-Dis- kont 37/9-40/0.

1% bis 2% Uhr: Kreditaktien 203.60-205.10-00 bz., Dis- konto-Kommandit 171.70-172.50-000 bz. G., Staatsbahn 14O.tO bz. Lombarden 24.90 00.00 b., Laura 000-00, Berliner Handelsgesell­schaft 000.00 bz., Sproz. Mexikaner 00.00 bz , 3proz. Portugiesen 00.00-00 bz., Ottomanbank 000.00 bz., Bochumer 000.00 bz., Deutsche Bank 182.70-3.50 bz., Harpener 181-50 bz.

180 000 Menschenleben nachgewiesen, alljährlich die Lungenschwindsucht im Deutschen Reiche. Einen höheren Prozentsatz weist keine andere Krankheit auf. Gegen diesen alten und größten Erb­feind des Menschengeschlechts wurde von Aerzten und Laien ein er­bitterter Kamps geführt, aber bis in die Neuzeit nur mit sehr geringem Erfolg. Erst als durch die Entdeckung des Tuberkelbazillus die medi­zinischen Kreise über die Grundlage dieser schleichenden Krankhett ins Klare kamen, begann man mit besserem Erfolg die Behandlung der­selben. Darüber ist man sich jetzt allseitig einig, daß die Schwindsucht sicher nur in ihren Anfangsstadien geheilt werden kann, daß ihrem Wüten aber am besten Einhalt gethan wird, wenn man ihr die Gelegen­heit soviel wie möglich nimmt, in den menschlichen Körper einzudringen. Dw Prophylaxis, d. h. die Verhütung von Krankheiten, spielt jetzt und mit Recht bte größte Rolle. Abgesehen davon, daß die Tuberkulose sich unter gewissen Bedingungen vererbt, ist sie besonders solchen Personen gefährlich, die sich, sei es leichtsinniger Weise, sei es durch ihren Beruf, häufigen Erkältungen und infolgedessen Krankheiten der Luftwege aus­setzen. Wer öfter an Luftröhren-(Brochial-)Katarrh, Lungenspitzen- oder Kehlkopfassektionen, Asthma, Athemnot, Brustbeklemmung, Husten, Heiser­keit, Bluthusten 2c. leidet, disponiert stets zu ernsteren Krankheiten der Lunge. Er möge rechtzettig diese Unpäßlichkeiten bekämpfen, was um so leichter ist, als es für sie ein Radikakmittel giebt. Da ist nach lang­jähriger Erfahrung der russische Knöterich (Polygonum avio), der in ungemein vielen, selbst den schwersten Fällen Heilung, mindestens aber Linderung gebracht hat Aerztliche Autoritäten und unzählige Geheilte haben die Wirksamkeit dieses Thees anerkannt. Herr Ernst Weide- mann in Liebenburg a. H. giebt in einer lesenswerten Schrift, die ledermann auf Verlangen gratis und franko zugesandt wird, Anleitung über dre Behandlung mit diesem Heilmittel.

Um den Patienten den Bezug dieser Pflanzen in wirklich echter Form zu ermöglichen, versendet Herr Ernst Weidemann den Knöterich« Thee in Packeten ä 1 Mark. Jedes Packet trägt eine Schutzmarke mit den Buchstaben E. W., sodaß sich jeder vor wertlosen Nachahmungen schützen kann und wolle man jedes Packet ohne den Namen E. Weide- mann zurückweisen. Um im Publikum Vertrauen zu erwecken, habe« sich auch Nachahmer gefunden, welche die Weidemann'sche Broschüre teil­weise abgedruckt haben (I) und damit ihren angeblich russischen Knöterich in den Handel bringen wollen. 4984