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Gießener Anzeiger
General-Anzeiger
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scheinenden Nummer bx4 Bonn. 10 W Wüsteruugen spätesten- efccwH vorher.
Gefahr eines völligen Scheiterns der Konferenz überwunden. Die beiden wichtigsten Gegenforderungen Deutschlands, die weiterhin einstimmig bewilligt wurden, waren: 1) daß das sogenannte permanente Tribunal nicht als ein wirklicher, dauernder Gerichtshof eingerichtet werden, sviidern im wesentlichen nur eine dauernde Liste von S ch i e d s r i ch t e r n sern dürfe, aus denen eintretenden Falles das Schiedsgericht gebildet werden könne; 2) daß jeder obligatorische Charakter des Schiedsgerichts aus der Konvention beseit i q t werde. Auf dieser Grundlage erfolgte sodann riedlich und schiedlich in vollstem Einverständnis der Abschluß der ganzen Arbeit in Komitee, Kommission und
also in der Kapkolonie kaum noch etwas zu verlieren. So begann benn um 18.36 der erste „Treck". Fritsch erzählt dann wie diese „Trecks" wiederholt lverden mußten, und ^ Gründung des Oranjefreistaates und der Transvaal- Republik führten. Aus be„ Oranjestaat hatten die Engländer bald nach seiner Gründung ihre Hand gelegt, da Berichte über den steigenden Wohlstand des Landes nach England gelangt waren und die Habsucht der dortigen Jingoes ge- reUt hatten, wogegen Transvaal, wo anscheinend nichts ru holen war in der Konvention von 18o2 seine völlige Selbständigkeit gewährleistet erhalten hatte. Bald darauf (1854) wurde auch der Besitz des Oranfestaates den Briten leid da dessen Reichtum doch nW ihren Erwartungen entsprochen hatte, und so „warf England das Land wieder von sich wie ein altes Kleidungsstück, das die Ausbesserung nickt mehr lohnt", und der Staat wurde wieder einmal unabhängig. Tas hinderte aber nicht, wie Fritsch fagt, daß als dort Diamanten entdeckt wurden, die ^stglauder ohne jeden Vorwand, lediglich gestützt auf das Recht des Stärkeren, 1871 die Tiamantfelder Wegnahmen und daß 1877 nachdem in Transvaal Gold gefunden war, durch einen frevelhaften Rechtsbruch die Konvention von 18o2 beseitigt und die Republik einverleibt wurde, „weil die Mehrzahl der Bevölkerung die Annexion wünsche"
Die Frage nach der Art dieser „Bevölkerung" fuhrt Fritsch auf den Gegensatz zwischen den Farmern, d. th den Buren, und der eingewanderten buntscheckigen Bewohnerschaft der Städte, den Winkel- (d. h. Laden-) Inhabern, den Goldsuchern und Miuenarbeitern; er sagt: „Der unglückselige Unterschied zwischen Südafrika und anderen Ländern beruht darin, daß Farmhaus und Winkel sich rn völliger Absonderung voneinander hielten; deshalb hat es zur Bildung einer einheitlichen, von der gleichen Liebe I zum heimatlichen Boden beseelten Bevölkerung garnicht I kommen können. War der feindliche Gegensatz schon groß
Konferenz." _____
Die Kriegsleitung der Buren hat sich nicht entschlossen, nach der Aufgabe der Belagerung von Ladi)- smith auch das nördliche Natal, wie ^eneralBuller wähnte, aufzugeben, und etwa unter Zurücklassung von einigen tausend Manu, die zur Verteidigung der yaupt- zuzugswegc nach Transvaal und dem O r a n j e ft a a t □erlügt haben würden, mit dem Gros der Transvaal-Streit- Mte zu dem Freistaatheere bei Kroonstad zu stoßen, son- a> dern sie hat nach tooonftab nur etwa bie HM- des Trans S vaal-Heeres abrückeu lassen und nut dem Rest von 12 000 I Mann und 16 Geschützen die Position der Biggarsbergc; - nördlich und nordöstlich von Ladysmith - besetzt Zwar berichten Deserteure, daß der Rückmarsch auf Larngv-Neck I besclstossen sei und es wurden bereits Frauen und Kinder nach Vrede im Freistaat und nach Transvaal zuruckgefandt. Allein die letztere Maßregel kann auch aus einen bevorstehenden ernsteren Kampf deuten, der um so wahrschein- | sicher scheint, da man auch engllscherielts das Vorgehen General BullerS in nächster Zeit erwarte!.
Die Hauptzugänge zur Südostgrenze Transvaals bilden der 5575 englische Fuß hohe Paß von Laings-Neck, unweit des 6500 Fuß hohen, aus dem Kriege von 1881 bekannten, Amajnba-Berges; ferner die Wege von Bstgogo "nd New- Castle nach Volksrust und Wakkerstrom; die alte Poststraße von Quaggas-Neck nach Transvaal, heute nur noch Kaffern- pfad; der schwierige Gebirgsweg von Quaggav.nach Johannesburg und oie Staatsstraße über den Botha-Paß und Vrede, die von diesem Paß ab zum gewöhnlichen Gebirgsweg wird. Ta die Besetzung dieser Zugänge, sowie die gleichzeitige der weiter südlich gelegenen -"akcnsbeig- nasse des Botha-, Müller-, Brandon- und Bramho^Pafses, nebeiT der bereits erfolgten des de Beer-, van Reenen-, Tintwa- oder BezuidenWut- und Olivers-Hoe^Pasfts^ rn den Drakensbergen, die ohnehin Nicht beträchtlichen Streitkräfte der Transvaal-Armee noch mehr zerspittert haben würde, ohne dabei die Garantie zu bieten, daß Genera Buller nicht das Forcieren eines oder einiger derselben gelänge, und da die Verlegung der Nachschubs- und Verbindungslinie des Transvaal-Heeres mit der Heimat, auf die Balin Pretoria-Kroon'stad-Bloemsontem offenbar zuviel Schwierigkeiten bot, so scheint sich der Burenbefehlslfaber in Natal, General Louis Botha, der übrigens zum Vize
präsidenten der Republik ausersehen sein soll, entschlossen zu haben, mit der Besetzung der Position der Biggarsberge seine Streitkräfte in Natal mehr zusammen- und damit zugleich noch ein beträchtliches feindliches Gebiet besetzt zu halten, und dort wenigstens zum Teil auf Kosten des Feindes zu leben und die eigene Südostgrenze zu schützen.
Tie Biggarsberg-Position besteht aus einem plateau- nrtiacn Bergzuge, der sich im Westen am Einschnitt be* Brandow-Passes beginnend, von den Drakensbergen iw östlicher Richtung überall in einer Höhe von 5000 englischem Fuß zum Thal des Buffalo-River und damit bis zur Greb des Zululandes erstreckt, und dessen steile Kuppen sichdurch- sckntttlich etwa 1000 Fuß über die Sohle der ihnen südlich vorgelagerten Thäler des Sunday-River, ^wsinga-Riverv । Steinkop-Spruits und des Waschbankflusses erheben. Na- I meutlick die Berggruppe des Hlatikulu- und ^zfmene-- Berges kann schon als durch ihre natürliche Beschaffenheit als fast uneinnehmbar gelten.
Allein die Position der Biggarsberge hat bei ihrer Längenausdehnung von Nicht^weniger rau: 11 beut»|$en Meilen den empfindlichen Fehler, daß sie auf die Dauer I ,eaen einen geschickt geleiteten konzentrierten Anmarsch der 40 000 Mann, über welche General Buller verfugt, I in mehreren Kolonnen schwer zu halten ist.
Drei tiefe und ziemlich schmale Thaleinschnitte der des I oberen Sunjday-River am Brandon-Paß und der eine» I Zuflusses des Umsinga-River von Road .^unction, sowie I her des Waschbankthals bilden die natürlichsten leichtesten I qu- und Uebergangswege über die Biggarsberge. Unter I ihnen ist der des Waschbankthals der passierbarste, und I östlich d esselben erstreckt sich eine schwer zu verteidigende 1 unübersichtliche Waldzone, sodaß schon General Joubert I sich veranlaßt sah, den linken Flügel seiner Verteidigungs I stellung auf 5450 Fuß hohe Erhebung des ^mpate-Berges, I eine deutsche Meile nordwestlich Dundees und auf den One T?ee Hill und die Höhe bei Glest-coe zu verlegen, und I damit den linken Flügel der Stellung hinter das Thal von Dundee-Glencoe zutückzubiegen. immerhin behalt
I dabei die Verteidigungsstellung der Buren noch eine -ange I von neun deutschen Meilen.
I Von den Buren besetzt sind auf den Biggarsbergen der Pongwenikop, der Hlatikiilu-Berg und der ^mpate- Berg, ferner Gibsons Farm und der Gandycleugh-Paß an
I den Drakensbergen. Ein Lager von 3000 ^ann befindet I sich bei One Tree Hill am Road Junction-Paß, über den I die Staatsstraße von Ladysmith nach New-Castle fuhrt und ein ebenso starkes bei Glencoe, wo die Staatsstraße von I Ladysmith nach Dundee und von dort nach New-Castle und die Bahn von Ladysmith nach New-Castle un Laschbankthal die Biggarsberge durch,chneidet. Außerdem kleinere Lager über die Biggarsberge und bei Dundee ver- : streut. Eine dritte Staatsstraße, die von Pomeroy und
Helpmakaar, führt direkt aus Duudee und die Po itwn de^ Fmpate-Berges, sodaß eine Umgehung der Stellung der Biggarsberge im Osten, es sei denn durch das ganz unwirtliche und unwegsame Zululand jenfeit^ des Buffalo-
Feuilleton.
Piosessor Gustav Fritsch «der Aü-asrika.
Geheimrat Proscjsor Tr. Fritsch, der V^ser ber Werke ,Tie Eiugeboresten Südafrika» und „Drei ^ayre in Siibasrika" u„b einer ber kompetentesten Beurtei^ der Meui'cken und Dinge im Kaplande und in den Buren- republiken, hat aus Aulaß. des Krieges jetzt in bekannten geographischen Zeitschrift „Globus" eine- Rnhe von: Artikeln veröffentlicht, die uns em historisch wohl begründetes Bild von den Verhältnissen geben die zu dem Rmgen des tapferen Burenvolkes um ferne Freiheit und der letzten großen Vergewaltigungsaktion der Briten geführt haben, wir heben einzelnes daraus hervor.
" Fritsch zeigt zunächst, daß das Verhalten der Engländer den Buren wie überhaupt den holländischen Afrikanern oeaenüber von jeher vor den einfachsten Forderungen der Nchlichkeit und Gerechtigkeit nicht hat bestehen können, s&te ■sm» «»- ihren englischen „Beschützern" zu entgehen. Und warum waren iene so undankbar" und so „unverständig",, ihre mit blutigem Schweiß erworbene und ausgebaute heimatliche Scholle aufzugeben und hinauszugehen in die heulende Wildnis? M- Buren hotten begründete.V°r°nlassung dazu: Sie wurden betrogen um die seierlich versprochene Eiitschädigustg für die Freigabe ihrer J U J Sidi ickußlos den Anäruffen der von den Briten protegierirn ÄS ausgesetzt und wurden von den oon englischen sogenannten PhilanA)ropen aufgeh tz * f ., Sotten in einem blutigen Ausstande bedroht s h
nemm als die Häuptstapelartikel Wolle, Felle und Vieh waren, so wurde er riesengroß, als die Entdeckung Abbauwürdiger Goldminen in Transvaal scharen beutegieriger Goldsi'icher nach dem Lande brachte,, und die gewalfiige Minenindustrie von Johannesburg sich gleichsam über Nacht entwickelte. Was gi n g dies eLeut^.Südafrika an! Reich werden wollten sie, und zwar möglichst scknell, daher vereinigten sich ihre Interessen ganz svlidari,ch mit den der vornehmen Kapitalisten in England, die von ihren Minenpapapieren hohe Dividenden sehen wollten. Diese Minenarbeiter und Shopkeeper von Johannesburg, das war die „Mehrzahl der Bevölkerung"'."
Es erübrigt sich, auf die Ereignisse der letzten beiden Jahrzehnte einzugehen, sie bewegen sich olle im gleichen Geleise bis auf die von einer widerlichen, heuchlerischen Begehrlichkeit geleiteten Verhandlungen vor, Ausbrucy de» setzchen Krieges; Fritsch kennzeichnet sie treffend, wenn er agt9 „Das frivole Feilschen Englands um die Bedingungen der Erlangung des Bürgerrechts für ferne ©taat»* angehörigen in Transvaal ist ja nur em lerer Vorwand, um die eingeborene Bevölkerung moglichst fchnell nieder- zustimmen,'so Fänge daran festgehalteu wird, daß die Personen, die so sehr darauf bringe», bas Bürgerrecht m Transvaal zu erringen, gar nicht baran benken, ihr englisches Bürgerrecht aufzugeben."
So ist es dahin gekommen, daß die rot umTorniiertciT Schergen der englischen Regierung den Kolonisten das a n meisten verhaßte Geschlecht nnf ^den geworden suib. blieb der Bur eben ein Bur und fah l^^ve Rettung, s seine Kräste reichten, nur im Bestreben der Gewa t m t Gewalt zu begegnen. Und die weißen Afrikaner: der ye Uakn K-chkolouie, deren Schwert nun btc Sum. ber betbin Republiken geworden sind, empfmden c^ech . fagt
ersten Eindringen ^er Giiglanber T Heimat-
Fritsch weiter, „bis auf beu heutigen -rag yai ;
I>I!«III>I«IA > I»«WlsltTirp———.......
Politische Tagesschau.
Einer ber beutschen Delegierten zur Haager Konferenz, der Königsberger Rechtslehrer Philipp Zorn, mebt lischst wertvolle Ausschlüsse über die Völkerrecht- Heben Ergebnisse der Haager Konferenz.Von den Mitteilungen Zorns srnd diejenigen bewnders interessant, die sich auf das Kompromiß betreffs be* oatorischen Schiedsgerichts beziehen. Bekanntlich war die Einrichtung eines permanenten Schiedsgerichts- bofes nicht im russischen Entwürfe vorgesehen, fonberu vom britischen Botschafter Pauncefote vorgeschlagen worden. Der Gebanke würbe darauf m nicht weniger als drei Vorlagen, einer englischen, emer russischen und einer amerikanischen, formuliert. In dem vorberatenden Komitee waren sieben Großmächte und drei Mittelltaaten vertreten, Z 0ro6nlä^^tc unb bic drei Mittelstaaten waren von wnitjeiein jiir den Gedanlen des permanenten Tribunals jestgelegt. Was die übrigen Großmächte «nlangt^.jenahm ber Vertreter Ocsterrcichcklngarns, mit allem Vorbehalt für seine Regierung, das permanente Tribunal an, Frant- reich trat im weitesten Umfange auf den Standpunkt der vier Großmächte, nur Deutschland allem lehnte den Plan Sir Panncefotes ab. Maßgebend für diese Haltung Deutschlands waren die Traditionen der Bismarck fchen Politik, bie Zorn folgendermaßen umschreibt : .
„Eine klare, sichere, feste, ruhige Politik, die m sorgsamster Erwägung der eigenen Staatsinteressen und ber gebotenen allgemeinen unb besonberen internationalen Rücksichten voranschreitet, ebenso entfernt von thatloser Apathie, wie von verwirrenben Jntriguen unb Abenteuern, bedarf derartiger besonderer Mittel nicht fon- bern weiß sich am besten geborgen m ber Arbeit bet eigenen Staatsmänner unb ber eigenen Diplomatie, nut Don sich und mit sich erroagenb, ob etraa m einem einzelnen Falle bas außerorbentliche Hilfsmittel ernes Schiebsrichters ober Schiebsgerichtes bem gewissenhaft erwogenen Staatsinteresse entspreche " ,
Demgemäß lehnte Deutschlcrnb bas Profekt Paunce- fotes unter Anerkennung des Gedankens, auf ^n eine reifere Zukunft wohl zurückkommen werde, ab. Aus oer Verhandlung ergab sich, wie Zorn kservorhebt, fedensaUs eines zur Evidenz: man wollte, weim irgend möglich, -
und M^°d°mitH^r weiteren Mitarbeit an dieser Frage aus oder Deutschland schloß sich dem Gedanken an und stellte dafür seine Gegenforderungen. Nach .langen, ernsten Ei-wagungen wurde der zweite Weg beschritten und damit deutscherseits ein Abschluß, der Arbeiten der dritten Kommission wohl überhaupt ermöglicht. Dankbar wurde allerseits dieses E n t g c g e ii k o m m e u D e u t s ch la n d s gewürdigt und damit war die eine zeitlang ernstlich drohende


