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1.4.1900 Erstes Blatt
 
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1. April B. I

Alle Anzeigen-BermittlungSstellen deS In- und AuSlanv-. nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegn ZeilenpreiS: lokal 12 Pfg., auSiWtß 20 Pfg

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vom heutigen Tage. 4) Bezüglich der Kosten: die Kosten der Parteien werden wettgeschlagen. Die Gerichtskostcn nach dem gemäß Artikel 5 des Schiedsgerichtsvertrages aufzustellenden Verzeichnisse sind von den Parteien zu gleichen Teilen, d. h. von jeder ist ein Drittel zu tragen. 5) Die Anträge der Parteien werden, so weit sie mit obigem Dispositiv nicht übereinstimmen, abgewiesen. 6) Eine authentische Ausfertigung vorstehenden Urteils ist jeder Partei durch Vermittelung deS Schweizer Bundes­rats zuzustellen.

Das Urteil ist klar, Portugal wird es anerkennen und zahlen müssen. Da aber das Königreich kein Geld hat, so wird es sich dieses Geld irgendwo borgen, und da ist auch der gefällige Freund in der Nähe und hält schon die volle Hand hin. England wird das Geld vorstrecken, die Garantie für die Zahlung übernehmen und zu seiner Sicherheit die Delagoabai als Faustppfand nehmen und besetzen. Auf diese Art hat man auf einige Millionen sich das Eingangsthor zur südafrikanischen Republik ge­sichert, die selbst dann, wenn sie im Kriege nicht unter­liegt, wirtschaftlich in die Hände Englands gegeben ist.

Gefunden: 1 Vorstecknadel und 1 Stück Tuch. Gießen, den 31. März 1900.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Muhl.

Adrefie für Dcpcfchcn: Anzeiger chieß^

Fernsprecher Nr. 51.

Gratisbeilage«: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Muer für hessische Volkskunde.

Kirchhain, den 27. März 1900.

Der K. Landrat:

Fhr. Schenck zu Schweinsberg.

* Politische Tagesschau.

Gieß°en, den 31. März 1900. I

Der Schiedsspruch in dem Delagoastreit ist nunmehr nach zehnjähriger Verhandlung von dem Berner Schiedsgerichte gesprochen und veröffentlicht worden. Wenn es sich in dieser Frage auch nur um Civilansprüche seitens Privater an die portugiesische Regierung handelt, so hat doch der ganze Schiedsspruch gerade im gegenwärtigen Augenblicke hohes politisches Interesse. Der Streit dreht sich, wie in Er­innerung gebracht sei, um die auf sechs Millionen Dollars bezifferten Ansprüche, welche die an dem Bau der Bahn von Lourenzo Marques nach Prätoria beteiligten Unter­nehmergesellschaften gegen die portugiesische Regierung gel­tend machen. Hinter den Unternehmergesellschaften steht in erster Linie Großbritannien, das, seitdem durch das schieds­richterliche Urteil des Jahres 1875 die Delagoabai unbe­strittener Besitz Portugals ist, seine Bemühungen, Portugal | aus diesem Besitz zu verdrängen, nie eingestellt und diese Bemühungen verdoppelt hat, seitdem es offen die Hand nach dem Transvaal ausstreckte. Geht Transvaal früher oder später in englischen Besitz über, dann wird der Wert dieses Besitzes ins ungemeffene erhöht, wenn durch den Erwerb der Delagoabai eine unmittelbare Verbindung Transvaals mit dem Meere geschaffen wird. Das Schiedsgericht in Bern hat nun am 29. März folgendes Urteil gefällt:

1. Das Schiedsgericht lehnt alle auf eine Ergänzung der Enquete abzielenden Anträge ab; es lehnt ebenfalls ab, das Urteil in der Hauptsache und das Urteil, betr. die Entschädigung für Ländereien, zu trennen; 2. es be­schließt dagegen, ein definitives Urteil in der Hauptsache sofort zu erlassen, und den Parteien eine authentische Ausfertigung des Dispositivs zuzustellen, welcher eine Ausfertigung des vollständigen Urteils mit den thatsäch- lichen und rechtlichen EntscheidungSgründen in kurzer Frist folgen soll. Hierauf gestützt, fällte das Gericht folgenden endgiltigen Spruch: 1. die Regierung von Portu­gal wird verurteilt, den Regierungen der Ver­einigten Staaten und von Großbritannien zu­sammen über die bereit« im Jahre 1890 a conto ge­leisteten 28 000 Pfund Sterling hinaus zu bezahlen die Summe von 15314000 Francs Schweizer Währung zuzüglich der einfach berechneten Zinsen von 5 Prozent dieser Summe vom 25. Juni 1889 bis zum Zahlungstage. 2) Diese Summe soll nach Abzug der auf die klagenden Parteien entfallenden Prozeßkoften und zuzüglich des von den im Jahre 1890 bezahlten 28OOO Pfd. Sterl. noch vorhandenen Restes verwendet werden zur Befriedigung der Obligationsgläubiger der Delagoabai- Compagnie, eventuell auch anderer Gläubiger derselben nach der Rangfolge ihrer Forderungen. Die klagenden Parteien haben zu diesem Zwecke einen Berteilungsplan aufzustellen. Die Regierung von Portugal hat der Re­gierung der Bereinigten Staaten denjenigen Betrag aus­zuzahlen, der nach Maßgabe des Verteilungsplanes der von ihr vertretenen Firma Mac Murdo als Obligations­gläubigerin ersten und zweiten Ranges zukommt. Den Rest hat die Regierung an Großbritannien zu Händen aller übrigen Berechtigten auszuzahlen. 3) die im letzten Absatz des Artikels 4 des Schiedsgerichts­vertrages vorgesehene sechsmonatige Zahlungsfrist läuft

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Sitzung in fliegender Hast auf und verriegelte sich in seinem Zimmer. Währenddessen hielten die Roten und Radikalen ein Possen-Rumpfparlament ab. Am Tage darauf riefen beim Eintritt des Präsidenten, der Minister und der Regierungsmehrheit in den Sitzungssaal die Mitglieder der äußersten Linken dem Präsidenten zu:Hinaus!"hin­aus!" und bewarfen ihn mit Papierkugeln. Die Quästoren forderten dann die Deputierten der äußersten Linken auf, sich zu beruhigen. Da diese aber fortfuhren zu schreien und zu lärmen, bedeckte sich der Präsident und hob unter lebhaftem Beifall der Mehrheit die Sitzung auf. Die Deputierten verließen dann ohne weiteren Zwischenfall den Saal.

Die gegenwärtig zwischen Rußland und Bulgarien be­stehenden Beziehungen werden von mancher Seite,, insbe­sondere in Oesterreich, mit Mißtrauen betrachtet. Ob dies gerechtfertigt ist, läßt sich nicht feststellen, da man sich so­wohl in Petersburg wie in Sofia in Geheimniskrämerei gefällt. Nach unserer gestrigen Meldung ist zurzeit ein triftiger Grund hierzu nicht vorhanden. Von einem Konflikt zwischen Rußland und Japan war in diesen Tagen die Rede; ob er über den Austausch von Noten hinausgehen wird, müffen erst die Ereigniffe lehren.

Politische Wochenschau.

Gießen, 31. März 1900.

Die Parlamente haben ihre Osterferien bereits begonnen, nachdem sie in verletzten Woche nur noch ein kümmerliches Daßein geführt hatten. Das Hauptintereffe galt den Be­ratungen der Flottenkommission, und die gesamte Presse beschäftigt sich jetzt mit der Deckungsfrage, die freilich vor- ISujfig noch nicht akut ist, weil die Reichseinnahmen jede VesorgniS ausschließen; aber da auf die fetten Jahre wieder Maere kommen können, so ist es selbstverständlich, daß man auch für diesen Fall Vorsorge trifft. Ueber die Art etwaiger nmer Steuern gehen die Ansichten jetzt noch auseinander, aber eS dürfte schließlich doch eine Einigung erfolgen, auf Sriund welcher das Flottengesetz die Zustimmung des Reichs- lagrs finden wird. In Preußen hält die Agitation der interessierten Kreise gegen die Warenhaussteuer an, und es dürste dadurch kaum die Neigung der Mehrheit des Abge­ordnetenhauses, welche der Einführung einer solchen Steuer lympathisch gegenübersteht, beeinflußt werden. Daß auch die lex Heintze noch immer im Vordergründe des JntereffeS ficht, wollen wir nur registrierend bemerken; der Entwurf ötilltcrt immer mehr an Aussicht auf Verwirklichung.

Im südafrikanischen Kriege haben sich Ereignisse von hervorragender Bedeutung nicht zugetragen. Die Buren bckllagen den Verlust ihres bedeutendsten Generals Joubckrt, aber hoffentlich hat dessen Tod nicht die von manchen Seiten befürchtete Tragweite für den Fortgang des Feldzuges. Das englische Borrücken ist eingestellt worden, und der Krieg lhsint auf einem toten Punkte angelangt zu sein. Neue Hoffnung belebt die Burenfreunde, nachdem die Befürchtung mnt Abfalle der Freistaatburen sich als unbegründet er- iviesen hat. Die Entscheidung des Schiedsgerichts in der revagoabay-Angelegenheit, die wir an anderer Stelle heute Meilen, kommt augenscheinlich sehr den Engländern ui statten. , ,

Stark geschwankt hat in der letzten Woche das ftanzösische Minett Waldeck Rouffeau. Wenn es schließlich auch einen Stwg davon getragen hat, so ersieht man aus dem Verlaufe dn: gegen die Regierung gerichteten Angriffe, wie unsicher bie politische Lage in Frankreich, selbst unter den jetzigen urrmalen Berhältniffen ist. .

Auch in Italien gab eS einen harten Kampf m der Laimner. Am Dienstag ereigneten sich kaum zu befchrei- taabe Tumultszenen. Der Kammerpräsident hob die

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Amtlicher Heil.

Bekanntmachung.

Betr.: Ankörung von Bullen Vogelsberger und Simmen« thaler Rasse auf dem am 5. April l. Js.^zu Grünberg stattfindenden Biehmarkte.

Gelegentlich deS am 5. April dsS. IS. statt- findenden Biehmarktes zu Grüuberg soll zum Zwicke der Ankörung eine öffeutliche Faselschau durch die Körkommission, und zwar von 10 Uhr vormittags ve- ginr end, abgehalten werden. Es werden nur sprungfähige 8ul en Vogelsberger und Simmenthaler Raffe berücksichtigt; dies! Iben müssen bei Meidung der Wegweisung sicher ge- Mt sein, und dürfen vor 10 Uhr nicht aufgetrieben werden.

Gießen, den 30. März 1900.

Großherzogliches Kreis amt Gießen.

I. V.: Boeckmaun.

Meßmer Anzeiger

Mneral-AnMer

Bekanntmachung.

Am 1. April d. IS. wird der Betrieb auf der Ohm- Ihal bahu (Kirchhain-Schweinsberg) für Personen- und Güter­verkehr nach folgendem Fahrplan eröffnet werden.

.»h Anzeigen zu der nachmittag- für ><x Agenten lefl erscheinenden Nummer bi- norm. 10 Uhr. WHffklunfltn spätesten- »bendS »orher.

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Hessischer Landtag.

Zweite Kammer der Landftärrde.

M. GL Darmstadt, 30. März 1900.

Bei Fortsetzung der Beratung der Regierungsvorlage betreffend die Nachtragssordernngen der Mini- sterien pro 1900/01 wies Präsident Haas darauf hin, daß sich die Abgeordneten streng an die Sache halten möchten, indes ohne Erfolg; das fortwährende Eingreifen der Präsidenten vermochte der Redelust verschiedener Ab­geordneten nur wenig Einhalt zu thun.

Für Gymnasien, Realgymnasien, Ober­realschulen und Realschulen wurden 36075 Mk. bewilligt.

Die gestrigen Ausführungen des Abg. David, gaben |bem Geh. Oberschulrat Nodnagel Veranlassung, über die an­geblichen Willkürlichkeiten beim Anstellnngsver- fahren zu sprechen. Er entwickelte die hierbei maß­gebenden Grundsätze, die die Regierung mit größter Ge­wissenhaftigkeit einhalte. In allen Perfonalfragen gehe die Regierung mit dem größten Wohlwollen vor, aber diesem Wohlwollen sollten auch die Lehrer ein gewisses Maß von Vertrauen und Einsicht entgegenbringen; der Sache würde besser gedient, wenn die jungen Herren, um die es sich zumeist handele, von ihrer Behörde selbst Auf­klärung verlange, die gerne hierzu bereit sei, statt sich an den Abg. David zu wenden und auf dessen Oppositions­lampe neues Oel zu gießen (Heiterkeit).

Abg. Ulrich will sich freuen, wenn die neue Schul­abteilung andere Grundsätze als die alte befolgen wird. Für Schullehrerseminarien werden 1200 Mk., für Lehrer- präparanden-Anstalten 1080 Mk., für Hofbibliothek und Museum 4570 Mk., für das Römiscksi-Germanische Zentral- Museum in Mainz 8400 Mk., für Landeshospital Hofheim 17 000 Mk., für Landesirrenanstalt Heppenheim 14 000 ^f., für Landwirtschaft und Förderung von Bodenmeliorationen verschiedene höhere Beträge bewilligt rc.

Von den Mehrforderungen für das Ministerium der Finanzen kommt nach Genehmigung der für das Braunkohlen - Bergwerk Ludwigshoffnung geforderten Summen Tit. 3, Badeanstalt Salzhausen zur Be­ratung. .

Abg. Erk bringt namens des dortigen Kurvereins Beschwerden gegen den Badekommissär, den pensionierten Forstmeister Schnittspahn, vor, der völlig ungeeignet für die Stelle sei; es werde eine Vergewaltigung der öffent­lichen Meinung sein, wenn man ihn in seiner Stelle belasse. Die Regierung fordert die Erhöhung der dem Bade­kommissär bisher gewährten Vergütung von 400 Mk. auf 800 Mk.; die Minorität des Ausschusses, deren Standpunkt Abg. Erk vertritt, beantragt, die 800 Mk. zu streichen, die Majorität will es bei den 400 Mk. belassen.

Abg. Köhler-Langsdorf bestätigt und erweitert die I vorgetragenen Beschwerden.

Finanzminister Küchler hält die Beschwerde für wenig geeignet, in erster Instanz vor der Kammer des Landes verhandelt zu werden. .

Abg. Erk erklärt, er habe die Sache vorgebracht im Interesse des Bades, der Regierung und der leidenden Menschheit. , t

Rach weiteren Ausführungen des Abg. Köhler- Langsdorf und Ministerialrat Milbrand, der die An- griffe ungerechtfertigt nennt, wird der Antrag der: Mino rität angenommen und damit der ganze ^0 0 JmTni*

Bei Beratung der Mehrforderunqen für das Mini ft p r i u m her u st i z sind die Ausfü^ungen des Justtz- mnit»?Dr Di^ mar die Ansrag-n und Anregungen

I 7°n Abgg Wolf und Schmeel zu der Forderung von

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