Freitag den 31. März
Drittes Blatt
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Gießener Anzeiger
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und politisch klug erscheinen zu lassen. Die Vlamen halten bis heute tausendmal recht, Einspruch zu erheben, als man sie, obgleich sie die Mehrheit der Bevölkerung Belgiens ausmachen, noch als minderwertige Uitlanders behandelte. In der Hauptsache haben sie nun durch die amtliche Gleichstellung der vlamischen Sprache mit der französischen Ge- nugthuung erhalten. Allerlei bleibt auch jetzt freilich noch zu erstreben übrig.
Toulon, 29. März. Der Kreuzer „Danssart" hat Ordre erhalten, sich für eine Expedition bereit zu halten und die nötigen Kohlen und Mundvorräte an Bord zu nehmen. Wie es heißt, wird dieser Kreuzer nach den egyptischen Gewässern oder dem Roten Meere entsendet werden, um die aus Abessynien zurückkehrende Kolonne Marchand nach Frankreich zurückzubringcn.
der Reklamation werden wie folgt geschildert: „Im Juni 1896 befahl der Sultan, den Gouverneur (Kaid) von Eem-sab (unweit Casablanca) zu verhaften. Dieser Befehl wurde mit unzulänglichen Mitteln auszuführen versucht, sodaß der Kaid Wind davon bekam, und entfliehen konnte. Kaum hatten die Nachbarstämme diesen Sachverhalt erfahren, als ein allgemeiner Aufruhr ausbrach, der mit vollständiger Plünderung und Zerstörung dieser Stadt endigte. Hierbei wurden die Abgesandten des Sultans vertrieben und den europäischen Kaufleuten, die in der von Casablanca nicht weit entfernten Stadt Filialen ihrer Waren-Depots unterhielten, schwerer Schaden zugefügt. Die geschädigten Europäer, darunter auch viele Deutsche und ihre Schutzbefohlenen wandten sich an ihre Konsuln und diese nach Untersuchung der Reklamationen an ihren Gesandten in Tanger. Der Sultan sah die von den Gesandten einmütig beförderten Klagen als zu recht bestehend an, und versprach, nach Züchtigung der Rebellen die Verluste durch Kontribution zu ersetzen. Erst im letzten Quartal 1897 konnte sich der Sultan von seinem Harem trennen, und im März 1898 endigte die Strafexpedition mit einer völligen Niederlage der Aufrührer. Von diesen wurde der angerichtete Schaden mehr als zwanzigfach bezahlt, aber trotz der energischsten Mahnungen der Gesandten ist bis zu heutigem Tage nicht ein Heller davon für die berechtigten Schadenansprüche der Deutschen zu erlangen gewesen. Der allgewaltige Minister Bu Ahmed hat die Kontribution verschlungen und vertröstete die auswärtigen Geschäftsträger von Monat zu Monat. Der s. Z. entflohene, inzwischen aber wieder eingesetzte Kaid von Eem-sab habe die Verpflichtung, den Schaden zu decken, übernommen, und würde dies in allernächster Zeit auch thun. Diesem fällt es natürlich nicht im Traum ein, sich auch nur von einem Teile seiner versteckt gehaltenen Schätze zu trennen. Die englischen Ansprüche sind inzwischen befriedigt worden, über die von den Deutschen erhobenen aber hat man sich lustig gemacht, man glaubt nicht, daß Deutschland ihnen den nötigen Druck geben könnte." Inzwischen ist der „Bussard" vor Tanger erschienen und nach kurzem Aufent halt wieder abgedampft. Das läßt auf sehr schnelle Erledigung der Sache schließen.
Vermischtes.
* Der Dampfer „Bulgaria" ist, wie bereits gemeldet, am 28. in Plymouth eingetroffen und wurde besucht von dem Mayor von Plymouth und den Mitgliedern des Rates, den Vertretern der Handelskammer und des Handelsvereins, sowie von vielen Damen und Herren der Gesellschaft. Hierbei wurde dem Kapitän Schmidt, den Offizieren und der Mannschaft der „Bulgaria" nachfolgende Adresse überreicht: 28. März 1899. An den Kapitän Gustav Schmidt und die Offiziere und die Mannschaft des Dampfers der Hamburg- Amerika-Linie „Bulgaria". Wir, der Mayor von Plymouth, die Handelskammer von Plymouth und des Handelsvereins von Plymouth, heißen Ihr Schiff herzlich willkommen in diesem Hafen. Wir haben mit dem größten Interesse und der größten Bewunderung von Ihrem ausgezeichneten Verhalten während des Sturmes im letzten Monate gelesen. Am 1. Februar wurden Sie von einem Orkane heimgesucht, und am 2. Februar wurde Ihr Steuerruder weggerissen. Obwohl Sie tagelang dem Wind und den Wellen preisgegeben zwischen den Wogen lagen, sechs bis sieben Fuß hoch Wasser im Schiffsraum hatten, ihre Boote weggeschwemmt wurden und furchtbare Seen fortgesetzt über Ihr Schiff brachen, brachten Sie es dennoch fertig, am 21. Februar ein Ruder zu setzen und steuerten schließlich Ihr Schiff, das 800 Meilen von den Azoren entfernt war, glücklich in den Hafen Punta Delgada. Einer seefahrenden Nation angehörend und Vertreter eines Hafens, der nicht unbekannt ist in der Geschichte, wünschen wir Ihnen unsere wärmsten Glückwünsche zu entbieten und Ihnen unsere Gefühle für die totesmutige Haltung auszusprechen, welche alle ausgezeichnet hat. I. Pethick, Mayor of Plymouth, T. G. Greek- WillS, Vorsitzender der Handelskammer des Hafens von Plymouth, I. R. Lake, Vorsitzender des Handelsvereins von Plymouth. Der Vize-Mayor und zweite Vorsitzende der Handelskammer von Plymouth hielten, für England sprechend, nach der Uebergabe der Adresse an Kapitän Schmidt, eine längere Ansprache, in welcher das heldenmütige Verhalten des Kapitäns, seiner Offiziere und Mannschaft in begeisterter Weise gefeiert wurde. Hierauf erwiderte Kapitän Schmidt mit folgender Ansprache: „Herr Mayor, Herr Vorsitzender der Handelskammer, Herr Vorsitzender des Handelsverein, meine Damen und Herren! Ich möchte Ihnen danken für die hohe Anerkennung, welche mir, den Offizieren und der Mannschaft des Dampfers „Bulgaria" von Ihnen, als Vertreter der Stadt Plymouth, gezollt worden ist, und nehme diese Anerkennung an als ein Zeichen der herzlichen Empfindungen der großbritanischeu Nation, eine Anerkennung, der von uns allen der größte Wert beigelegt wird, eine Anerkennung, die von meinen Landsleuten und von den Deutschen, wo sie auch immer sich befinden mögen, sehr hoch geschätzt werden wird. Ihre ehrende Adresie wird für immer als eine freundliche Erinnerung an den Hafen von Plymouth aufbewahrt werden." Bei der Abfahrt wurden Hochrufe auf den Kapitän, die Offiziere und die Mannschaft ausgebracht. Die Mannschaft der „Bulgaria" soll am Samstag nachmittag gegen 1 Uhr an der St. Pauli-Landungsbrücke in Hamburg eintreffeu und von dort mit Wagen nach dem Rathause gefahren werden, wo sie vom Senat empfangen wird. Hierauf begiebt sich die Mannschaft auf Einladung der Handelskammer auf die Gallerie der Börse und wird von dort nach dem Ratskeller geführt, wo ihr die Handelskammer ein Mittagessen darbietet. Der Kaiser hat außer dem Gesandten Grafen Wolff-Metternich den General-Inspekteur der Marine, Admiral Köster, und den kommandierenden General des 9. Armeekorps, General v. Massow, mit seiner Vertretung beauftragt.
Ausland.
Wien, 29. März. Die Sprachenfrage in Oesterreich ist auch in dem Landtage des vom Slaventum am nächsten bedrohten deutschen Kronlandes zur Erörternng gelangt. Im nicderöstcrreichischen Landtage befürwortete Abgeordneter Kopp einen gegen die Sprachenverordnuugen gerichteten Antrag Hofer. Statthalter Graf Kielmansegg richtete im Namen der Regierung an alle dazu Berufenen die Aufforderung im Interesse der Allgemeinheit zur Beratung zusammenzutreten, damit ein Einverständnis über Lösung der Streitpunkte erzielt werde. Sollte sich diese Hoffnung erfüllen, dann werde für die Regierung kein Anlaß vorliegen, anderweitige Schritte zu thun, um der Lahmlegung der verfassungsmäßigen Thätigkeit der Reichsvertretung zu begegnen. Nach längerer Debatte wurde der Antrag des Verfaffungsausschusses: „Der Landtag erklärt die Zurücknahme der Sprachenverordnnngen nicht nur im Interesse der Deutschen, sondern auch Oesterreichs für eine unerläßliche Notwendigkeit und weift jeden Versuch zurück, die Sprachenverhältnisse auf einem anderen Wege, als durch Reichsgesetze, etwa durch den Paragraphen 14, zu regeln", angenommen, jedoch mit Ausnahme der Stelle betreffend den Paragraphen 14, welche abgelehnt ward.
— Die künftigen Gehälter der Offiziere sind im Staatshaushalt von 1900 wie folgt eingestellt: Für den Leutnant 840 Gld., für den Oberleutnant 1020 Gld., für Den Hauptmann zweiter Klasse 1200 Gld., für den Haupt mann erster Klasse 1500 Gld., für den Major 2100 Gld., für den Oberstleutnant niederer Gebühr 2600 Gld., für den Oberstleutnant höherer Gebühr 3000 Gld., für den Oberst 3600 Gld. jährlich.
Belgien. Die Errungenschaften des Vlamen- tums mehren sich. Die Regierung hat den Führern der vlamischen Bewegung versprochen, ihrem Ersuchen, die Universität von Gent allmählich zu einer vlamischen Universität umzugestalten, ihre wohlwollende Aufmerksamkeit zu schenken. Natürlich regnet es wieder grobe Beschimpfungen und Drohungen aus dem Lager der Französlinge gegen den „vlamischen Nimmersatt". Diese Schilderhebung und der Umstand, daß die Negierung die Vlamen vor den nächstjährigen Kammerwahlen abermals verpflichten möchte, sind dazu angethan, diesen Schritt der Vlamen als zeitgemäß
uns NadM ng für Herrenmoden.
Deutsches Reich.
Berlin, 29. März. Sozialdemokratische Partei- ! uiti olle. Für die Art, in der die Sozialdemokratie ihre Genossen unter beständiger Aufsicht hat und ihre !lLWege organisiert, ist eine Liste der seit der letzten »richNagswahl aus dem 2. Berliner Reichstagswahlkreis »kizotz-enen sozialdemokratischen Wähler, die der „Vorwärts" Daöfffntlicht, von großem Interesse. Ungefähr die Namen win :jOOOO Genossen werden nach Berufsarten geordnet auf- ,gezähl». Sie sind aus dem zweiten Wahlkreise verschwunden, twhbtm sie bei der Wahl am 17. Juni 1898 abgestimmt Hüben, und die Genossen werden aufgefordert, ein jeder in f jsinem Hause und in seiner Werkstatt, nach ihnen zu forschen, itm bcr Wahlausschuß ihrer trotz aller Bemühungen nicht (hd habhaft werden können. Die Sozialdemokratie hat, t®it diie „Magdeb. Ztg." dazu bemerkt, bisher immer be- Htiitten.', daß zur Organisierung der Wahlsiege die Partei- in den einen oder den anderen Wahlkreis je nach lörbüffsnis abkommaudiert wurden. Aber die jetzt erfolgende !8tiöß>entlichung der Namen von etwa 3000 Genossen, die skil dtin Juni v. I. plötzlich aus dem zweiten Wahlkreis ißitbei verschwunden sind, rückt diese Ableugnung in eigen- lülmliche Beleuchtung. Die öffentliche Bekanntgebung der : 'Tamer i von so vielen Wählern, welche die sozialdemokratische *- Partei für sich in Anspruch nimmt, bekundet zugleich, wie liiKb siie selbst das Wahlgeheimnis schätzt.
— lieber den Major von Wißmann, der be- lüyntlich auf einer Reise in Südwestafrika begriffen war, rraren in der letzten Zeit einige Besorgnisse aufgetaucht, da eShietz, daß die europäischen Begleiter ihn verlaffen hätten. 4Vir können nun mitteilen, daß der Reisende wieder gesund i Drunter in Swakopmund eingetroffen ist und über Slchlabt und der Ostküste nach Deutschland zurückkehren blühte, wo er in etwa vier Wochen erwartet wird.
— Sozialdemokratische Konsequenz. Das 2!6jahrige Jubiläum, das „Genosse" Dreesbach als sozial- dne:i!okratischer Agitator gefeiert hat, veranlaßt die sozial - e ickratische Mannheimer „Volksstimme", den Einfluß zu rillen, den die sozialdemokratische Partei auf die Mann- Bevölkerung im Laufe der Jahre gewann. Das ge- nidintt Blatt schreibt bei dieser Gelegenheit u. a.: „Dieser Z k tzrtz an Vertrauen ist von der Persönlichkeit der Vertreter n nm eännial nicht zu trennen. Darum haben wir ein gutes fltijdjt, ohne uns dem Vorwurf des Pcrsonenkultus auszu- v tfln, der Persönlichkeit Dreesbachs unseren Dank zu zollen mmi bie Thatsache zu würdigen, daß ein gut Teil der Er- fi tilge, welche die Partei hier errungen hat, den persönlichen Migkeiten ihres Führers geschuldet ist. Und indem die Utonti dies thut, ehrt sie nur ihre eigene Geschichte und bitait sich selbst." — Man wird sich dieser Worte erinnern, itien wieder bei einer Bismarck Gedenkfeier die sozialdemo- krtcksche Presse die nationalgesinnten Deutschen als „Götzen- b feier", „Bismarck-Anbeter" usw. lächerlich und verächtlich z:Z machen sucht. Was dem sozialdemokratischen Agitator, dfedoch nur ein untergeordneter Führer seiner Partei ist, üTiber „Volksstimme" unter ausdrücklicher Zustimmung des „Niwärts" zugebilligt wird, das werden die national; zit'fiiUen Deutschen dem Hauptbegründer der nationalen 8 iifyei t doch wohl auch in Dankbarkeit und Verehrung zu- Mgeii dürfen. Daß sie dabei nur ihre eigene Geschichte mm! Damit sich selbst ehren, bezeugt ihnen die sozialdemo- kb'ch'che Presse durch obige Auslassung jetzt selbst.
M. N. N.
— Welche Bedeutung der Handel zwischen Zhrnüschland und Australien hat, geht aus den Mlerlungen des deutschen Konsuls hervor. Im letzten Ische betrug die Gesamtausfuhr Deutschlands nach Austra- ida 21,3 Mill. Mark, wogegen von hier nach deutschen S[ii|en für 85,3 Mill. Mark Waren gingen, darunter allein H 6 8 Mill. Wolle, ferner für 9^ Mill. Edelmetalle, IL'.Mill. Edelsteine (besonders Opale), l'/s Mill. Gummi, 2^ Mill. Häute und Felle, ®/4 Mill. Talg, >/2 Mill. Nutzholz und Bork usw. Die wichtigsten von Deutschland hier- fytrrlonnmenben Waren sind Baumwollgewebe (2«/4 Mill. Muy, Droguen und Chemikalien (1,8 Mill.), Eisenwaren Wki <i Mill.), Cement (fast 1 Mill.), Glas- und Holzwaren OHMM.), Instrumente und Maschinen (53/< Mill.), außer- dürr Mer, Zucker, Cigarren, Kurz- und Lederwaren, Papier, V^llwaren u. a.
— Der „Bussar d" vor Tanger. Das Anlaufen btiti kveuzers „Bussard" in Tanger ist auf eine Reklamation bim in Marokko lebenden Deutschen zurückzuführen, die von dimdemtschen Geschäftsträger unterstützt wurde. Die Gründe
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