Ausgabe 
29.6.1899 Drittes Blatt
 
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M. 150 Drittes Blatt.

Donnerstag den 29. Juni

1899

1 fti'-telitt Ugfl4 v wnkuSnahme deS NontagS.

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Deutsches Reich.

r«n»stadt, 27. Juni. Seine Königliche Hoheit der O illvßl erzog empfingen am 27. Juni den Staatsminister R ivlhe. Seine Königliche Hoheit der Großherzog werden DDim margen, 28., ab wieder Audienzen erteilen, sowie M Wangen und Bortrage im Großherzoglichen Nesidenz- schWtz entgegennehmen.

1® mstadt, 27. Juni. Seine Königliche Hoheit der G-illvßherzog siedelten heute früh vom Neuen Palais in da<«8roZherzogliche Residenzschloß über und nahmen daselbst daurFrilhstück mit Ihrer Königlichen Hoheit der Groß- he Etz in ein.

- Aus St. Petersburg übermittelt der Telegraph bie1 Nachricht, daß Ihre Majestät die Kaiserin Alexandra Fe> vdorrowna einer Großfürstin das Leben gegeben hal^, lve! che den Namen Maria (dies ist der Name der KaaM Mutter) erhielt. Diese Nachricht wird nicht nur im vtitmi russischen Reiche, sondern auch im alten hessischen He imtlümde der Kaiserin, das ihr die Liebe und Treue in t oCfm Maße bewahrt hat, mit großer Freude und auf- richptigkH Wünschen für das weitere Wohlbefinden der hohen Fr,W angenommen werden.

Berlin, 27. Juni. Wie aus Kiel gemeldet wird, nahm icri hilf er an der heutigen Segel-Regatta des kaiserlichen Aa- Mblbs von Kiel nach Eckernförde an Bord desMeteor", die r Haifa rin auf derIduna" teil.

Nttllin, 27. Juni. Der konservative Abgeordnete Weidmann (Wiesbaden), dessen Wahl von der Wahl- prüHngS Kommission für ungiltig erklärt worden ist, hat sein« Mamdat niedergelegt.

Iotzum, 27. Juni. Auf den Zechen Schamrock und FrvÄsich der Große fanden im Laufe der Nacht große Kr ioaroaltle statt. Aus den Häusern wurden hunderte von SckWri abgegeben, die von Gendarmen erwidert wurden. Ob) hierbei ernste Verletzungen vorgekommen sind, ist noch nickDl bestaunt. Fünf Agitatoren wurden verhaftet. Ein altelm Brugmann wurde, als er von der Schicht heimkehrte, vom kn Streikenden überfallen und schwer verwundet. In vovigliückter Abendstunde standen tausende von Arbeitern auf» In Straße, verhielten sich jedoch ruhig. Zur Früh- schiiifi! fi.itb heute auf der Zeche Schamrock 313 Arbeiter, aufii Itr Zeche von der Heyte 76, auf Julia 43, auf Friedrich der i ksiche 225 Bergleute nicht angefahren.

Schum, 27. Juni. Auf der Zeche Friedrich der Große ist iiutt«ügd wieder großer Tumult ausgebrochen. Die AuLM"igen empfingen die Arbeitswilligen mit einem Stein-

Feuilleton.

pariser Wettaussiessung 1900.

Von H. de Rose.

(Nachdruck verboten.)

Der Pavillon der Stadt Paris.

Sie Stadt Paris beteiligt sich mit einem Aufwand von« iMillionen Franks an den Unternehmungen und den FestWeiten der Ausstellung. Von diesen 3 Millionen vntfrrim nur 600,000 Franken auf den Ausstellungspavillon der -toabit. Aber diese Mittel sind hinreichend, einen schönen, gcräM'gien Pavillon zu errichten, und allen Verwaltungs- zwettUii her Stadt einen weiten und würdigen Raum zu bichini _ . c , _ .

r-r Pavillon wird auf dem Quai des rechten Seme- Usernt-vsmabwärts vom Pont des Invalides errichtet. Es ist MOie denkbar günstigste Lage, denn unweit davon hcfiiiiikl jjich die monumentale Alexanderbrücke, der Mittel- punlflkn Ausstellung. Auch wird der Pavillon an dieser Stellv! ivsüt sichtbar sein und sich dem Auge des Beschauers ruf ikm jenseitigen Ufer vorteilhaft präsentieren. Wie alle BamW tüer Ausstellung, welche am Seine-Ufer errichtet werk-.ii, iivird auch der Pavillon der Stadt Paris zum TeiU auf dem Uferdamm stehen und auf Pfählen funda- menÄim. ,

ter Pavillon ist 100 Meter lang, 28 Meter tief; em 53 »iHiteüT breiter Mittelbau tritt um 8 Meter vor die FluvÄ dver Hauptfront. Der Bau umfaßt eine einzige qroßPthMe, die in Höhe des ersten Stockwerkes nut einer 6 MA«n breiten Gallerie versehen ist. Aber diese weite HallÄivllll nicht eintönig wirken, und deshalb wird der Bod ilN dc-ö Mittelbaues um 80 Zentimeter tiefer gelegt und

Hagel. Die Gendarmerie schritt mit blanker Waffe und den Karabinern ein und trieben die Tumultuanten auseinander. Die Gendarmerie ist mit scharfen Patronen ausgerüstet.

Vermischtes.

Hamburg, im Juni. Die Seeschiffahrt Ham­burgs nimmt auch im laufenden Jahre beständig zu, wie der jetzt vorliegende Monatsausweis für Mai abermals zeigt. Es sind danach vom 1. Januar bis Ende Mai

aus See in See

angekommene

gegangene

Schiffe Tons-Reg.

Schiffe Tons-Reg.

1894

3414 = 2,382,141

3379 = 2,378,570

1895

3285 = 2,471,876

3226 = 2,442,362

1896

4011 = 2,579,714

3968 ---- 2,566,903

1897

4205 = 2,619,967

4240 2,705,225

1898

4716 = 2,916,182

4633 = 2,854,949

1899

4991 = 3,133,278

4935 = 3,118,301

Zu dieser ganz beträchtlichen Zunahme ist ergänzend zu bemerken, daß, obwohl im laufenden Jahre die Zahl der aus See leer ankommenden Schiffe sich nicht wesentlich gegen das Vorjahr vergrößerte, von 22,03 Prozent in 1898 auf 24,42 Prozent in 1899, doch die Zahl derjenigen Schiffe, die den Hamburger Hafen, ohne Ladung gefunden zu haben, also leer, verlassen mußten, von 26,42 Prozent der Gesamt- zahl in 1898 auf 25,67 Prozent in 1899 gesunken ist, so daß die Labemöglichkeit sich jedenfalls gebessert hat.

* Um wieviel wachsen unsere Haare täglich? Ueber diesen Vorgang hatte man bisher nur ungenaue Vorstellungen. Vor Jahrzehnten hatte ein Beobachter die täglich abrasierten Bartstoppeln gemessen und hiernach das tägliche Wachs­tum auf eine halbe Linie berechnet. Diese in Johannes Müll er 'sArchiv" veröffentlichte Mitteilung hatte man dann als allgemein gütig für das menschliche Haar ange­nommen und das Wachstum des Kopfhaares sonach auf mehr als 30 mm. den Monat taxiert. Dieses Längenmaß übertrifft das wirkliche Wachstum um mehr als das Doppelte. Nach genauen Untersuchungen, die Pohl (Pincus) jüngst über diesen Gegenstand veröffentlicht hat (in den Akten der Leopoldinisch-Karolinischen Akademie und in der Berliner Anthropologischen Gesellschaft,) läßt sich ein so allgemein gütiges Maß überhaupt nicht angeben. Die Wachstums­geschwindigkeit der Haare gesunder Menschen ist in verschiedenen Lebensaltern verschieden und steht auch bis zu keinem gewissen Grade unter dem periodischen Einfluß der Jahreszeit, ein Einfluß, der ja das gesamte Haarwachstum und den

Haarwechsel der Tiere regelt. Ferner haben die Randstreifen des Kopfhaares Schläfen und Nacken eine geringere Wachs­tumsgeschwindigkeit als die übrigen Partien. An diesen Stellen ist auch die typische Länge das ist diejenige Länge, welche das Haar erreicht, wenn es nicht vor Vollendung seines Lebenslaufs abgeschnitten wird erheblich geringer. Schließlich zeigte die genaue Beobachtung, daß selbst Haare, welche dicht nebeneinander stehen, verschieden schnell wachsen. Die Erklärung dieser Erscheinung gab interessante Aufschlüsse: je 24 benachbarte Haare stehen in engerem anatomischen Zusammenhang und in einer derartigen Abhängigkeit von einander, daß immer ein Haar der Gruppe schneller wächst als die übrigen, doch nur eine Zeit lang, daß dann auf ein anderes Haar die größte Wachstumsgeschwindigkeit übergeht und so fort, bis das erste wieder an die Reihe kommt. Nach diesem Plan ist auch das Ausfallen und der Ersatz der Haare alternierend angelegt, sodaß niemals sicht­bare kahle Fleckchen im Haarkleid entstehen können. Nach Berücksichtigung aller dieser Verhältnisse ergaben nun die Messungen ein Mittelmaß, welches für das 11. bis 17. Lebensjahr durchschnittlich 12,5 mm. pro Monat, für das 20. bis 24. Lebensjahr 15 mm, für das 60. Lebensjahr 11 mm. beträgt. Die genaue Prüfung ergab ferner, daß, entgegen der allgemeinen Annahme, das Kurzschneiden die Geschwindigkeit keineswegs vermehre, daß Kahlschneiden oder Rasieren sie vielmehr für etwa vier Wochen vermindert. Erwähnt sei noch, daß vom Baarthaar auf das Haupthaar überhaupt keinerlei Analogie zulässig ist; Bau und Dicke beider Haararten sind wesentlich ver­schieden. Nach diesen Mitteilungen braucht kaum gesagt zu werden, daß auch Krankheit, örtliche wie allgemeine, die Schnelligkeit des Haarwachstums beeinflussen wird. Das Haar ist eben mit den individuellen physiologischen Bedingungen des Organismus, auf dem es wächst, viel zu eng verbunden, als daß es angängig wäre, seine Lebenserscheinungen los­gelöst von dem letzteren zu betrachten. Frkf. Ztg.

Milch leichter verdaulich.

Oft können Kinder und Kranke die nahrhafte Milch nicht ver­tragen, weil sie im Magen gerinnt. Diese werden es mit Freuden erfahren, daß, wenn Milch mit ein wenig Mondamin gekocht wird, dieselbe bedeutend leichter verdaulich und selbst schwachen Magen zuträglich wird. Säuglingen ist nur Milch zu geben, aber nach Durchbruch der Zähne, wenn Zusatz zur Milch erwünscht wird, ist Mondamin in hohem Grade dazu geeignet. Mit Milch gekocht, bietet Mondamin eine wirklich nahrhafte Kost, welche alle Bestand- teile zum Ausbau des Körpers besitzt. Die alleinigen Fabrikanten für Mondamin sind Brown & Polson, welche einen mehr denn 40jährigen Weltruf besitzen. Es ist erhältlich in Paketen ä 60, 30 u. 15 Pfg.

mit gärtnerischen Anlagen geschmückt. Man hat sich über­zeugt, daß derartige Anlagen auf vertieftem Terrain sich dem Auge malerischer darbieten. Von diesem inneren Garten aus führen zwei Treppen, und zwar je aus Doppel­läufen bestehend, zu den Gallerten empor. Am oberen Aus­tritt münden die Treppen in einen prunkvollen Portikus, welcher den Holzbildhauern ein dankbares Stück Arbeit liefern soll. Garigey, der Architekt dieses sehr bemerkens­werten Hauses, will durch dieses dekorative Zwischenglied die strenge Regelmäßigkeit und Eintönigkeit des 100 Meter langen Saales unterbrechen.

Inmitten dieses Gartens, welcher manche Einrichtungen der öffentlichen Parkanlagen der Stadt zeigen soll, wird man einen prächtigen Springbrunnen aufstellen mit vier sichtbaren Reservoirs mit vier nach den Flußläufen der Stadt, nämlich Avre, Qurcq, Seine und Vanne, gerichteten Entwässerungsrohren. Ferner wird die Verwaltung, um ihr Interesse an den schönen Künsten zu bekunden, die seit der letzten Weltausstellung auf Kosten der Stadt­gemeinde erworbenen Statuen in diesen grünen Rahmen hineinsetzen.

Der sich an die Gartenanlagen beiderseits anschließende Raum wird der Straßenbauverwaltung, dem öffentlichen Beleuchtungswesen, sowie den Wasser- und Kanalisations­werken zugewiesen. Dann folgen Abteilungen, welche das Wirken gemeinnütziger Institute der Stadt, der Kranken­häuser, Arbeitshäuser, der Armenpflege u. s. w. veran­schaulichen. Daran schließt sich die eigentliche Kämmerei­verwaltung der Stadt, und endlich die Pariser Polizei mit ihren verschiedenen Verwaltungszweigen. Unter anderem wird man auch hier die berühmten anthropometrischen Vor­richtungen des Herrn Bertillon sehen. Die Gemeinde­vertretung aber beabsichtigt, ihr gemeinnütziges Wirken sogar

durch einen Kinematographen zu veranschaulichen; das ist sehr beachtenswert, da die Besucher der Ausstellung kaum Zeit und Gelegenheit finden dürften, die großen Humani­tären Institute von Paris während der Ausstellung zu besuchen.

Im Obergeschoß wird man eine Ausstellung von Bildern und allerlei Antiquitäten sehen, welche sich auf die Geschichte der Stadt beziehen. Auch sollen hier die im Besitze der Stadtgemeinde befindlichen Kunstschätze untergebracht werden, mit Ausnahme der schon erwähnten Statuen. Die präch­tigen, 700 Quadratmeter bedeckenden Gallerten werden die Objekte der Hochbauverwaltung, des Volksschulwesens, der städtischen Bibliotheken, sowie der Hochschulen und wissen­schaftlichen Institute aufnehmen. Man kann sich vorstellen, daß alles dies sehr instruktiv für die Wissensdurstigen, für die große Menge aber, welche ihre Schaulust befriedigen will, etwas langweilig sein wird.

Das ganze Gebäude wird in Holz ausgeführt; doch will man in Rücksicht auf die zur Ausstellung kommenden Kunstwerke die Stützen zum Teil durch Draperien verkleiden und das von oben einfallende Licht durch Vorhänge mildern. Das Obergeschoß wird zwei übereinander liegende Fenster­reihen aufweisen, welche nur durch schmale, mit Stuckfriesen bekleidete Pfeiler unterbrochen werden. Der ornamentale Schmuck soll vorzüglich aus Wappen bestehen. Ein breiter Fries unter dem Hauptgesims wird die Attribute der zwölf Innungen der Stadt Paris enthalten. Die Dachbildung wird durch steile Giebel belebt.

Der Bau, über dessen Gesamtwirkung man heute natür­lich noch kein abschließendes Urteil fällen kann, verspricht einer der interessantesten der Ausstellung zu werden; jeden­falls wird er den dürftigen städtischen Pavillon des Jahres 1889 bei weitern in den Schatten stellen.