Samstag den 29. April
1800
Erstes Blatt.
ilatz II
Bank-
Mt Lnjeigen-Bermittlung-ftelle» M In« und LuSlandrA nehmen Auzrigen fir den Eteßeaer Anzeiger entgelte.
1 Expedition und Druckerei:
Kchnkstr.^e Ar. 7.
11> H> eßener >eeeiffle*IUtUr UKrbTCü kn Anzeiger wt,cha«LH viermal
beschlossen, und zwar sollen dieselben zur Hälfte bis Ende 1900, der Rest bis Ende 1905 begeben werden.
Ein Antrag v. Levetzow will bte gesamten 60 3Jtin. bis Ende 1900 begeben wissen.
Ein Antrag Arendt will, daß die neuen 60 Millionen Mark Aktien nicht dem Publikum zur Uebernahme angeboren, sondern samt und sonders vom Reiche übernommen "'^Abq^Arendt (Rp.) empfiehlt zunächst seinen Antrag; des weiteren betont er, daß es wohl das Richtigste ftin würde, die Reichsbank zu verstaatlichen. Werde sem Antrag abgelehnt, dann bitte er um Annahme des Antrages ü ^AbgOwy. (kons.) plaidiert gleichfalls für Ver
staatlichung der Reichsbank, weil dies im Interesse der Allgemeinheit liege. Charakteristisch sei es, wie sich dre Sozialdemokraten trotz ihres Antikapitalismus diesmal ans die Gegenseite geschlagen hätten, eingestandenermaßen nur aus Haß gegen die Agrarier. .
Abg. CahenSly (Tentr.) bittet um Ablehnung des Antrages v. Levetzow und des Antrages Arendt und um Annahme der Kommissionsbeschlüsse.
Reichsbankpräsident Koch empfiehlt gleichfalls Ablehnung der beiden Anträge. r . _ . .
Abg. Gamp (Rp.) zählt auf, was ferne Freunde ,n der Kommission alles erreicht hätten. Er nehme nicht Anstand, dies rückhaltlos auzuerkennen. Er bitte um Annahme der Sommissionsbeschlüsse. ..
Abg. Büsing (nl.) erklärt, seine Freunde lehnten btt Anträge ab und stimmten einstimmig dem Ergebnis der Kommissionsberatung zu. .
Abg. Fischbeck (frs. Bp.) und Abg. Siemens I (frs. Bg.) geben eine gleiche Erklärung ab.
Abg. Arendt (Rp.) sucht nochmals seinen Antrag zn
«drrffc für Depeschen: Anzeiger chletze*.
Fernsprecher Nr. 51.
Baer.
5. Montag, den 15. Mai, mittags 1 Uhr in Ruttershausen, nachmittags 4 Uhr in Allendorf a. d. Lahn.
6. Mittwoch, den 17. Mai, vormittags 10l/2 Uhr in Großen-Linden. r
Die Züchter von Vogelsberger Vieh, welche ihre Tiere in das Herdbuch eintragen lasten wollen, werden ersucht, ihre betreffenden Tiere an einem von betr. Großh. Bürgermeisterei hierzu bezeichneten Ort aufzustellen, damit die Arbeiten der Kommission ohne Aufschub erledigt werden fÖnIl<Knmdbungen zur Körung sind au den Vorsitzenden dieser Kommission Herrn Oberamtmann Hoffmann, Hof-Güll, oder den Geschäftsführer, Herrn Oberverwalter Beilstem, Laubach zu machen. Bei diesen Körterminen sind ebenfalls die schon angekörten weiblichen Tiere und die von solchen stammende Nachzucht vorzuführen.
Laubach, den 27. April 1899.
Der Präsident deS landw. Vereins für die Provinz Oberhesten: Friedrich Graf zu SolmS-Laubach.
weaung setzt, dient der Dorfwahrsager oder der heilkundige Schäfer, der durch klugen Rat und scherzhaften Hokuspokus die zürnenden Liebenden versöhnt.
Schon bei dieser Jugendarbeit bekundet Mozart die später oft bethätigte Fähigkeit seiner Musik, das Gemeine zu adeln und das Alltägliche in die ihr eigentümliche hohe und reine Sphäre der Kunst zu erheben. Geradezu verblüffend ist es, mit welcher Sicherheit der kaum den Kinderschuhen entwachsene Künstler den Grundton des deutschen Singspiels im Gegensatz zur italienischen Oper zu treffen und festzuhalten weiß. Von den 16 Stücken des Singspiels stehen nur zwei in Moll, das eine, in welchem Basti en mit Selbstmord droht, leitet sehr bald ins Dar des nachfolgenden Duetts über. Das Andante maestoso in C-moll, welches die Zauberkünste des Colas begleitet, macht darum gerade einen besonderen Eindruck. Wahrhaft köstlich ist die innig rührende Stelle im Duett der Liebenden, welche diese in die Erinnerung an chr entschwundenes Glück befangen zeigt. Da hat der junge Wolfgang wohl seiner glücklichen, ersten Kinderjahre gedacht.
, Der Kuriosität wegen verdient noch erwähnt zn werden, daß der Orchester-Jntrada mit dem Hauptsatze der Eroiea" Beethovens Takt für Takt, Rote für Note über- einstimmt. Hier aber klingt dieser weltberühmte Helden- gedanke garnicht heroisch, sondern idyllisch. Ck,
JeW
i Lent. MW M unb 90 Pfg. aumchn M Wer._____
$|e|ug»pret» virrlrljährlich 2 Mark 20 W moaathd) 75 Pfß. mit vrmgcrloh«.
Bei Postbezug 2 Mark 50 Psg. vierteljährlich.
Gratisbeilagen: Gießener Familienblättcr, Der hessische Landwirt, Dliitter für hessische Volkskunde.
Deutscher Reichstag.
73. Sitzung vom 27. April. 1 Uhr. Tagesordnung: Zweite Lesung der
aesetz Vorlage.
Nach der Vorlage sollte das Bankgrundkaprtal von bisher 120 Millionen auf 150 Millionen erhöht werden. Die Kommission hat eine Erhöhung um 60 Millionen
NH 100
trtWW ttgNch m,' i llernhme bei lirtagi.
Bekanntmachung,
betreffend: Feldbereinigung in der Gemarkung Daubringen, ।
Kreis Gießen.
Nachdem vom Gemeinderat von Daubringen der Antrag auf Feldbereinigung der Gemarkung Daubringen gestellt worden ist, und nachdem dieser Antrag von der Großh. Oberen landwirtschaftlichen Behörde für zulässig erachtet und der Unterzeichnete zum Kommissär zur Leitung der Abstimmung ernannt worden ist, so wird hiermit Tagsahrt zur Abstimmung der beteiligten Grundeigentümer über den erwähnten Antrag auf
N)ontag den 15» Wlai 1899, vormittags W/t bis 12 Uhr in den Schulsaal zu Daubringen bestimmt.
Diejenigen beteiligten Grundbesitzer, welche tn der anberaumten Abstimmungstagfahrt weder persönlich, noch durch gehörige Bevollmächtigte abstimmen, werden als für das Verfahren stimmend angesehen.
Gleichzeitig fordere ich hiermit die außerhalb des Be- reinigungsbezirks wohnenden Ausmärker auf, zur Wahrung ihrer Interessen einen im Bereinigungsbezirk wohnenden Bevollmächtigten zu bestellen, da eine weitere besondere Zuschrift im Laufe des Verfahrens nicht mehr erfolgt.
Friedberg, den 27. April 1899.
Der Kommiffär zur Leitung der Abstimmung: Süffert, Großh. Kreisamtmann.
Amtlicher Ml.
Bekanntmachung.
Met ixth'mk): Die Zulassung von Losen auswärtiger Lotterien zum Vertrieb im Großherzogtum; hier Gesuch der oberbadischen Zuchtgenoffenschaft um Erlaubnis zum vertrieb der Lose einer Zuchtviehverlosung zu Radolfzell.
8w-cherzogliches Ministerium des Innern hat dem ttorAiit) der oberbadischen Zuchtgenossenschaften die Erlaub- 1-3 ; erteil, die Lose einer anläßlich deS am 19. September Radolfzell stattfindenden Centralviehmarktes zu ■kti-.rjflQltenbcn Verlosung von Zuchtvieh innerhalb beS Groß- oerjijiojtiin 8 zu vertreiben.
ilad beni von ber zustänbigen Behörbe genehmigten - c Wn-lsplan bürfen 30000 Lose i 1 Mark ausgegeben icr In nmb werben 19000 Mk. zum Ankauf von Gewinnsten »cttrttnbei werben.
Sir ßen, am 26. April 1899.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Bechtold.
Feuilleton.
Wits „Aastien und Aastienne".
Dilettanten Ausführung am 3. und 4. Mai.
fcjr von einer Mozart'schen Jugenboper spricht, denkt Aei Irlich an bie „Entführung aus bem Serail"
ben „Idomeneo", selten fällt babei jemanben iiri;kj er vor biesen schon eine große Zahl bramatischer Mlte'orrke geschaffen hatte. Mozart war ein Mann von rL^ihren, als er bie letzte Oper „Titus" komponierte, nnnü-i war ein lOjähriger Knabe, als er seinen ersten drstl-mischen Versuch machte.
Zm ben zartesten und duftigsten ErstlmgSblüten gehört unan^ Singspiel „Bastien und Bastienne", welches dem w elfjährige Mozart als deutsche Operette bewiiiiwtc. Das Gedicht von „Bastlen undBastienne" •4t jj c Grunde nichts weiter, als eine Dramatisierung ber bewcüsm, in alle Sprachen ber Welt übergegangene neunte OlMOtims'bem brittenBuche des Horaz: .Donec gratus eriiin iiibi*. Setzen wir für Horaz und Lydia Rouffeaus SdMfe mb Colette, beziehungsweise Basticn unb Bastienne, so - türm wir bie Geschichte beS eifernben Liebespaares, bad flö'tz streunen scheint, nur nm sich desto inniger zn ^r- i
. Zum bramatischen Hebel, der bei Ganze In Be- |
Meßmer Anzeiger
ÄürjÄ'ÄXÄrs’Ä E>euertll-^^uzeiger
Amts- und Anzeigeblatt f«t? den AreisGietzen.
empfehlen. , r ,
Hierauf wirb derselbe fast einmütig abgelehnt.
Der Antrag Levetzow wirb ebenfalls abgelehnt.
Beim Artikel 2 befürwortet Abg. Schönlank (Soz.) ben von seiner Partei gestellten Antrag, ben Dividenden- bezug ber Anteilschein-Inhaber auf 5 Proz. im Maxunum zu begrenzen. t .
Abg. Graf Kanitz (kons.) beantragt, baS Dwidenben- maximum auf 6 Proz. festzusetzen.
Unter stürmischer Heiterkeit bes Hauses erheben sich für ben sozialbemokratischen Antrag außer ben Sozialdemokraten selbst noch die Deutschkonservativen und Antisemiten. Mit derselben Minderheit fällt auch der konservative Antrag.
Auf Antrag des Abg. Fischbeck (frs. Bp.) erhält sodann § 31 Satz 3 des Bankgesetzes eine redaktionell etwas veränderte Fassung.
Artikel 5 handelt vom Privatdiskontsatz.
Nach § 1 soll die Reichsbank nicht mehr unter bem offiziellen Diskontsatz diskontieren dürfen, sobald beileibe 4 Proz. „erreicht oder überschreitet". Nach § 2 sollen bic Privatzettelbanken sich auf dasselbe Verbot verpflichten, widrigenfalls ihnen das Notenausgaberecht soll gekündigt werden können.
Ein Antrag Heim (Centr.) will Streichung der Worte „erreicht oder". . ,
Ein Antrag v. Levetzow (kons.) will der Reichsbank überhaupt verbieten, unter ihrem offiziellen Banksatz zu diskontieren. Die Privatzettelbanken ferner sollen nicht um , mehr als V, Proz. (nach den Kommissionsbeschlüssen »/« Proz ) unter ben Reichsbankbiskont hinabgehen bürfen.
Bankpräsident Koch erbittet Ablchnung deS konservativen Antrages. Redner erklärt sich außerdem noch gegen einen zweiten Teil des Antrages Heim, der auch eine Aenderung im § 43 des Bankgesetzes den Bundesrat grundsätzlich in seiner Befugnis, ben Privatbanken bas Noten- ausgaberecht zu künbigen, beschränken will.
Staatssekretär Graf Posabowsky bekämpft lebhaft I den Antrag Levetzow.
Nach weiterer Debatte werden unter Ablehnung aller Abänderungsanträge bic Sompromißvorschläge der I Kommission angenommen.
Auch der Rest des Gesetzes wird in der S o m m i s s i o n S- ! fassung angenommen.
Morgen 1 Uhr: 2. Lesung ber Justizanträge Rrntelar I unb bet lex Salisch. Vorher 3. Lesung be« Bankgesetze«.
Schluß 5V, Uhr.
Deutsches Mch
Darmstadt. 27. April. Seine Majestät der Saiser I werden, von SarlSrnhe kommend, morgen mittag 12 Uhr
Bekanntmachung.
gnt Dienstag, 2. Mai, abends 6 Uhr, findet im I >eiMsch<-u Saale gegenüber dem Hotel Viktoria dahier, I ritt t lortrag des Herrn Pfarrers Schrimpf von Butzbach Hdtitilber das Thema:
.„Wie wird man ein praktischer Imkerst", Vi rezent alle, die sich für die Sache interessieren, hiermit dugijidabeii sind.
Sürßen, den 20. April 1899.
Der Direktor des landw. Bezirksvereins.
v. Bechtold. ■
Bekanntmachung.
CetlÄb: Die Abhaltung von Sörterminen zwecks Aufnahme der Zuchttiere in das Provinzialherdbuch iw 1. Körbezirk.
vi« Körkommission des 1. KörbezirkeS (BogelSberger VieW viird nachstehende Körtermine abhalten:
1 Donnerstag, den 4. Mai, vormittags 10 Uhr n i toter, nachmittags 2 Uhr in Grünberg, nachmittags d l'w im Weickartshain.
z Samstag, den 6. Mai, vormittags 10 Uhr tn OuMoun, nachmittags 2 Uhr in Göbelnrod, nachmittags 5 Wr im Beltershain.
r. Montag, den 8. Mai, vormittags 10 Uhr tn Saüsi», nachmittags 3 Uhr in Reiskirchen, nachmittags 5 l'ch m Großen-Buseck.
I Freitag, den 12. Mai, vormittag- 11 Uhr m YnÄch^ridsfelden, nachmittags 3 Uhr in Steinbach.________


