Ausgabe 
28.12.1899 Erstes Blatt
 
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Donnerstag den 28. Decembcr

Erstes BlM

Nr. 304

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Fernsprecher Nr. 51.

London, 27. Dezember. Der aus der Gefangenschaft entkommene Buren-Kommandant Demeillon ist wieder eingefangen. Wie verlautet, sind die Ver- Handlungen wegen Verkaufs der Delagoa-Bai dem Ab­schlüsse nahe.

London, 27. Dezember. Aus Modder River wird gemeldet, daß das Bombardement auf beiden Seiten fortgesetzt wurde. Die Buren schossen aus zu großer Entfernung, sodaß die Geschosie die Engländer nicht erreichten.

Kapstadt, 27. Dezember. Nach der amtlichen Statistik wird die Zahl der hier weilenden englischen Flücht­linge auf 11,664 Mann geschätzt. Diese Zahl nimmt noch täglich zu.

Athen, 27. Dezember. 252 frühere Offiziere und Mannschaften boten der englischen Regierung ihre Dienste für Südafrika an.

* Bom Kriegsschauplatz.

Wir haben unmittelbar nach der Tugela-Schlacht die Gesamtlage in die Worte zusammengefaßt:Der erste Burenkrieg ist zu Ende", und der Verlauf der Ereignisse hat diese Auffassung bestätigt. Was soll noch geschehen, wenn die beiderseitigen Hauptkräfte einander gegenüberstehen und man beiderseits nicht mehr angreifen kann oder will? Man geht dann wieder auseinander. Bei Bunzelwitz im siebenjährigen Kriege hatten Russen und Oestereicher 1761 die durch drei Jahre erstrebte Vereinigung Friedrich dem Großen gegenüber erreicht und trauten sich nicht anzugreifen, der Feldzug von 1792 ging in die Kanonade von Valmy aus, der kein Angriff folgte. Die Engländer wollen erst 50,000 Mann Verstärkungen zusammenbrmgen, notabene mit allem erforderlichen Kriegsmaterial, ehe sie neue ent­scheidende Schritte thun. Die Buren werden voraussichtlich

Meßmer Anzeiger

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Ladysmith, Kimberley und Mafeking bezwingen, während es Methuen wohl noch gelingen wird, wieder hinter den Oranjefluß zurückzukommen, wenn auch unter Opfern. Bis wie weit Bullers Rückzug führen wird, läßt sich nicht sagen.

Wochen, vielleicht Monate können vergehen, und niemand kann wissen, welchen Einfluß das südafrikanische Klima, der Aufstand der Afrikander und die allgemeine politische Lage bis zur Vollendung der neuen englischen Rüstungen aus­üben werden.

Es scheint, daß die Tugelaschlacht ihrer Bedeutung nach vielfach in dieser Weise aufgefaßt worden ist. Die Auffassung hat ihren Ausdruck gefunden in den zahlreichen aufrichtigen Glückwünschen aus dem zivilisierten Europa, die der Vertretung Transvaals zu dem endgiltig abgewiesenen ungerechten Angriff übermittelt worden sind. ES wird dazu geschrieben:

Der Transvaal-Gesandtschaft in Brüssel sind aus Anlaß des Sieges der Buren über General Buller am Tugela- flusse so viele Glückwünsche aus verschiedenen Ländern in Form von Telegrammen und Zuschriften zugegangen, daß man sie nur durch gedruckte Formulare hat beantworten können. In der deutschen Danksagung heißt es:Die von Herzen kommende, aufrichtige Teilnahme und die großen Beweise von Sympathie, die meinem für seine Freiheit und sein gutes Recht kämpfenden Lande von einzelnen sowohl, wie von ganzen Versammlungen entgegengebracht worden sind, müssen zu Herzen gehen und müffen aufs tiefste be­wegen. Ich sage daher namens meiner Regierung und meiner kämpfenden Landsleute herzlichen, herzlichen Dank!" Der Gesandte.

Eine Depesche berichtet nachträglich zur Tuge la- Schlacht.

Turban, 23. Dezember. Wie sich herausstellt, sind die in der Schlacht am Tugela zu der von Oberst Long be­fehligten Artillerie-Abteilung gehörigen Geschütze mit Aus­nahme von zweien, deren Rettung dem Hauptmann Shofield gelang, verloren. Die Bedienungsmannschaft ist fast durchweg gefallen oder in Gefangenschaft geraten.

*

Wie«, 26. Dezember. Nach hier eingelaufenen Privat­meldungen aus einer Buren-Quelle soll Ladysmith am 22. Dezember kapituliert haben. 9000 Engländer, 32 Kanonen und der ganze Eisenbahnpark sowie große Munitionsvorräte sollen in die Hände der Buren gefallen sein.

London, 26. Dezember. Eine Bestätigung der Ge­rüchte über die Uebergäbe von Ladysmith liegt hier nicht vor.

Gerüchtweise verlautet, die Regierung des Oranje- Freistaates verlege ihren Sitz von Blömfontein nach Win bürg, weil Blömfontein sich nicht zur Verteidigung eigne.

Blättermeldungen zufolge hat der Herzog von Connaught dem Lord Roberts gegenüber den Wunsch ausgesprochen, seinem Stabe attachiert zu werden. Lord Roberts gab seine Einwilligung hierzu, die Regierung aber weigerte sich.

Wie aus Lorenzo Marquez gemeldet wird, belaufen sich nach einem amtlichen Bericht der Transvaal-Regierung die Verluste der Buren am Tugela-Fluffe auf 30 Tote und Verwundete. Am 16. ds. sind über 500 Engländer als Gefangene in Prätoria von Stormberg eingetroffen.

Telegramme desGießener Anzeiger".

London, 27. Dezember. Der militärische Kritiker der Times" urteilt sehr pessimistisch über die Lage in Süd­afrika. Die Aufgabe, welche Roberts übernommen, sei von jedem Gesichtspunkte aus mit Schwierigkeiten verbunden. Seine Truppen seien allenthalben auf die Verteidigung be­schränkt und über einen großen Flächenraum verteilt. Oben­drein werde die Leitung der Operationen unter die Kontrolle eines gänzlich neuen Generalstabes fallen. Letzterer werde die Aufgabe haben, eine gänzlich neue Feldarmee aus Truppen, die gegenwärtig nach Südafrika unterwegs seien, zu formieren.

London, 27. Dezember.Daily Mail" meldet aus Gibraltar: Lord Kitchener ist gestern hier eingetroffen. Lord Roberts wird heute früh hier ebenfalls erwartet. Beide werden sich alsbald nach Südafrika einschiffen.

Loudon, 27. Dezember. Aus Chiveley wird berichtet, daß Vorposten des 7. Husaren-RegimentS in der Nähe von Weenen von 60 Buren angegriffen und nieder­gemetzelt wurden. Die Buren überschritten dann wiederum den Tugelafluß.

/^Dte uns aus dem Leserkreise anhaltend gezollte Anerkennung, sowie die stetige Zunahme der Leserzahl bezeugen nachhaltiger als alles andere die Wert­schätzung, deren sich derGießener Anzeiger" zu erfreuen hat. Wir werden auch in Zukunft wie an dem Ausbau unseres Geschäftes, so an der Ver­vollkommnung unseres Blattes unbeirrt weiterarbeiten und hoffen dabei auf die thatkräftige Unterstützung aller beteiligten Kreise rechnen zu dürfen.

Den Postbezug des Gießener Anzeigers nach auswärts zu erleichtern, haben wir den vierteljähr­lichen Bezugspreis auf Mk. 2. bei Bestellung durch die Post herabgesetzt.

Arühk'sche Druckerei,

(Verlag des Gießener Anzeigers.)

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Deutsches Keich.

Berlin, 26. Dezember. Der Kriegsminister stellte, wie aus Posen gemeldet wird, gegen den früher in Rawitsch amtierenden Probst Dulinski wegen Beleidigung des Ofsizierkorps Strafantrag, weil ein Brief Dulinskis, der sich auf das Mitnehmen von Kriegervereinsfahnen in die Kirche bezog, solche Beleidigungen enthielt.

Samstag mittag 12 Uhr hat in der Siegesallee in Berlin die Enthüllung der Kurfürst Georg Wil- Helm-Gruppe, deren Schöpfer der Bildhauer v. Uechtritz ist, stattgefunden. Zur Feier waren erschienen der Kaiser, dem man die Erkältung anmerkte er trug einen grauen Mantel, ganz mit Pelz gefüttert und hochgeschlagenen Kragen die Minister v. Miquel, Graf Bülow, Dr. Studt und v. Rheinbaben, ferner Bürgermeister Kirschner, v. Lucanus, der Polizeipräsident v. Windheim und ein Nachkomme des einstigen Kanzlers von Georg Wilhelm, Legationsrat Prinz Karl Schwarzenberg. Um 12 Uhr erschien der Kaiser. Der erste, den er anredete, war Prinz Schwarzenberg. Der Kaiser frug ihn, ob er sich mit der Geschichte seines Vor­fahrens beschäftigt habe und dankte ihm dafür, daß die Familie ihm für die Darstellung der Büste wertvolle Stiche übermittelt habe. Auf einen Wink des Kaisers fiel sodann die Hülle. Der Kaiser näherte sich dem Bildhauer von Uechtritz und sagte Worte der höchsten Anerkennung zu ihm; er teilte ihm auch mit, daß er ihm den TitelProfessor" verliehen habe. Geh. Rat Spitta wurde zum Geheimen Oberbaurat ernannt. Alsdann machte der Kaiser dem Bürgermeister Kirschner Mitteilung von dessen Bestätigung zum Oberbürgermeister. Ungezwungen mit Herrn Kirschner plaudernd, lenkte der Kaiser selbst die Rede auf das Fried­hofsportal der Märzgefallenen und machte Vorschläge, wie er auch ohne Monument eine würdige Ausstattung des Friedhofes sich denke. Er würde es sehr hübsch finden, wenn die Ruhestätte parkartig gestaltet und mit Blumen ausgeschmückt würde. Weiler sagte der Kaiser zu Herrn Kirschner:Sagen Sie den Herren vom Magistrat und den Stadtverordneten, daß Ich ihnen keineswegs auch nur das Geringste nachtrage." Der Oberbürgermeister Kirschner dankte dem Kaiser für deffen Huld und wurde alsdann von allen Seiten, namentlich auch von den Ministern, herzlich beglückwünscht. Das Gerücht von der stattgehabten Be­stätigung verbreitete sich sofort im Publikum, welches Herrn Kirschner lebhafte Ovationen darbrachte.

Die gemaßregelten Beamten. Von durch­aus zuverlässiger Seite wird mitgeteilt, daß eine größere Zahl der im Sommer zur Disposition gestellten Beamten nach Neujahr wieder im Staatsdienst angestellt wird. Diese Mitteilung entspricht verschiedenen schon in den letzten Tagen aufgetauchten Gerüchten.

Ein nachahmenswerter Vorgang wird aus M.- Gladbach gemeldet. Dort hat sich eine soziale Kommission gebildet, die als Schiedsgericht bei Streiks dienen soll. Die Kommission besteht aus einem unparteiischen Vorsitzenden, vier Arbeitgebern und vier Arbeitnehmern. Von letzteren sind drei ständige Mitglieder in der Weise, daß aus dem christlichen Textilarbeiter, verband zwei uud aus dem deutschen Textilarbeiterverband ein Vertreter genommen werden, während der vierte Ver­treter aus und von den Arbeitern derjenigen Fabrik gewählt werden soll, in der Differenzen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu schlichten sind.

Ein deutscher Panzer-Eiseubahnzug ver­kehrt jetzt auf der Militäreisenbahn Schöneberg-Kunersdorf. Der Zug ist, nach derD. Verk.-Ztg.", durch Grusonsche

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Amtlicher Teil.

Nr. 50 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den20.d.M., enthält:

(Nr. 2632.) Verordnung, betr. Beschränkungen der Einfuhr wegen Pestgefahr. Vom 18. Dezember 1899.

(Nr. 2633.) Verordnung, betr. die Klasseneinteilung der Orte. Vom 18. Dezember 1899.

Gießen, den 23. Dezember 1899.

Großh. Kreisamt Gießen.

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Bekanntmachung.

In Lich ist die Maul- und Klauenseuche erloschen. Aufhebung der Sperrmaßregeln ist angeordnet worden.

Gießen, den 22. Dezember 1899.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

_______________I. V.: Dr. Wagner._______________

Bekanntmachung.

Der Biehmarkt zu Gießen am 9. Januar 1900 muß wegen der MHNn großem Umfang in unserem Kreise und den Nachbarkreisen herrschenden Maul- und Klauenseuche verboten werden.

Gießen, den 22. Dezember 1899.

Großherzogliches KreiSamt Gießen.

_______________I. V.: Dr. Wagner.______________

Bekanntmachung.

Betr.: Die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe, insbesondere den Verkauf von Neujahrs-Glückwunschkarten.

Für den Verkauf von Neujahrs-Glückwunsch» karten am Sonntag dem 31. Dezember l. Js. wird den Papierhändlern die Verkaufszeit auf die Stunden von vormittags 7 Uhr bis abends 7 Uhr mit Ausschluß der für den Vormittagsgottesdienst bestimmten zwei Stunden, von 9 bis 11 Uhr, festgesetzt.

Gießen, den 21. Dezember 1899.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Muhl.