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28.2.1899 Zweites Blatt
 
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Dienstag den 28. Februar

Zweites Blatt

Nr. 50

1899

(Gießener Anzeiger

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Reue Kämpfe der deutschen Schutztruppe.

Bon neuen Kämpfen der deutschen Schutztruppe am Viktoria Nyansa-See bringt die letzte Post aus Dar-es- Salaam folgende Meldung:

Am Ostufer des Viktoria, unweit der englischen Grenze, herrschten seit Juli 1898 ziemlich umfangreiche Unruhen unter den dortigen Eingeborenen, den Wasweta, Wakenje und Warege. Hauptmann Schlobach war daher gezwungen, nach jenen Gebieten eine größere Strafexpedition zu unter­nehmen, welche trotz des von diesem Offiziere versuchten gütlichen Ausgleichs mit einem für die Wasweta sehr blutigen Kampfe und mit der Erstürmung von deren Boma (Festung) Kiboroswa endigte. Hauptmann Schlobach gründete nördlich des Maraflusses an der Mori-Bucht eine neue Station und stellte sie unter den Befehl des Leutnants Sand, dem neben dem deutschen Unteroffizier Begoihu 40 Askaris (Sudanesen) und eine Schnellladekanone über­lassen wurden. Darauf begab sich Schlobach mit dem Rest seiner Leute zurück nach Muansa. Die Wakenje unter ihrem Sultan Kibore verhielten sich der neuen Station gegenüber sehr freundlich, und von den umliegenden Ge­bieten trafen täglich kleine Gesandtschaften ein, die ebenfalls ihre Friedfertigkeit bezeugten. Die gestraften Wasweta ver­hielten sich anfangs ebenfalls sehr ruhig und gaben gleiche Versicherungen ab. Im Stillen aber rüsteten sie von neuem und waren durch die von ihnen ausgehenden Droh­ungen den benachbarten Stämmen gegenüber vor deren Verrat gesichert.

Leutnant Sand war eifrigst mit dem Ausbau seiner Station beschäftigt, so daß er sich nicht auf größere Streif­züge während dieser Zeit einlassen konnte. Endlich, Aus­gangs Oktober kamen ihm doch beunruhigendere Gerüchte zu Ohren, die sich durch ausgesandte Kundschafter im vollen Umfange bestätigten. Die Wasweta hatten inzwischen süd­östlich von Kiboroswa eine neue durch meterstarke Mauern und drei Meter hohe Dornenverhaue befestigte Boma an­gelegt, die in ihrer versteckten, aber von der Natur sonst begünstigten Lage ein vorzüglicher Stützpunkt ihrer räuberischen Unternehmungen war. Obgleich jene Boma acht Tages­märsche von der Station Mori entfernt liegt, planten die Wasweta einen Ueberfall derselben, dem aber Leutnant Sand zuvorkam.

Mit dem Geschütz und 30 Askaris nebst etwa 100 Wakenje zog er den Wasweta entgegen und traf sie unter­wegs in der Landschaft Jrieni auf dem Vormarsch begriffen. Die drohende Haltung derselben ließ keinen gütlichen Aus­gleich erwarten, weshalb sofort zum Angriff übergegangen wurde. Trotz der bedeutenden Ucbermacht wurden die Was­weta nach dreiviertelstüudigem Kampfe mit starken Verlusten geschlagen, während die Schutztruppe nur zwei Leichtver- verwundete zählte. Leutnant Sand setzte mit Hilfe der Wakenje sofort mit einer energischen Verfolgung ein und gelangte fast gleichzeitig mit den Flüchtigen vor der neuen Boma an.

Am nächsten Tage, dem 12. November, beschoß er die etwa 400 Meter umfangreiche Boma und ging nach gelegter Bresche zum Sturme vor, der trotz der heftigen Gegenwehr der Wasweta mit deren Vertreibung endete. Hierbei und bei der Verfolgung der Fliehenden thaten die Wakenje vor­zügliche Dienste und brachten gegen 50 Gefangene und etwa zehn Zentner Elfenbein als Beute ein. Zwei von den aufständigen Häuptlingen gerieten ebenfalls in ihre Hände und wurden standrechtlich erschossen. Die Boma wurde niedergerissen und nach fünf Tagen der Rückmarsch nach der Mori-Bucht angetreten.

Bezeichnend ist in dieser Sache das Verhalten der Engländer, durch welche obige Meldung zur Küste gelangte. Sie behaupten, daß zu dem energischen Vorgehen Schlobachs und später Sands wenig Ursache gewesen sei, da die Was­weta früher stets die friedlichsten Leute gewesen seien und nur durch deutsche Eingriffe in ihre Rechte zur Gegenwehr gezwungen worden seien. Dem gegenüber ist aber festgestellt worden, daß die Unruhen der Wasweta nur durch solche im benachbarten englischen Gebiete Ugaja und Kossouha hervorgerufen wurden, und daß in jenen Gebieten ansässige Araber die Wasweta durch Verkauf von Waffen unterstützt haben. Die Einrichtung des Offizierpostens in der Mori- Dilcht gilt deshalb auch in erster Linie als Beobachtungs­posten für die unsichere Lage in den englischen Grenz­gebieten. Die deutsche reichgesegnete Landschaft Schari mit tijrcn wohlhabenden Wakuafi-Kolonien und ebenso Ukiza haben seit Jahresfrist unter den räuberischen Einfällen der englischen Wagaja sehr zu leiden, ihnen ist durch die deutsche Station ein besserer Schutz geschaffen worden.

Deutschlands Rechtfertigung im Kongreß

Erfreulich ist es und recht ungewöhnlich, so schreibt man derKöln. Ztg." aus Washington vom 4. Februar, daß ein durchaus amerikanisch fühlender Patriot ausdrücklich die Gelegenheit ergreift, im Plenum des Abgeordnetenhauses zum Schutze von Deutschlands Interessen machtvolle Worte zu reden und glücklicher, als die mehr stillschweigenden Sympathien der Bundesregierung es bisher vermocht, das alberne Gerede von Deutschlands Feindschaft gegen die Vereinigten Staaten zu stören. Es ist John I. Lentz aus Ohio, der sich dieses große Verdienst mit seiner glänzenden Rede vom 25. Januar erworben hat, in der er die Ver­stärkung des stehenden Heeres als eine undemokratische, imperialistische Maßregel bekämpfte. Es ist bekannt, daß gewisse Kreise die Hetze gegen Deutschland, besonders mit Rücksicht auf die vou der herrschenden Partei geforderten außerordentlichen Verstärkungen der Wehrkraft zu Wasfer und zu Lande bis in diese Tage hinein geschürt haben, da­mit sich ein mehr oder weniger deutlich anzuerkennendes Kampfmittel daraus ableiten ließe für die heftig bekämpften Vorlagen. Im Zusammenhang damit sagte der Abgeordnete von Ohio:

Wir werden heutzutage überschüttet mit Krieg und Kriegsgerüchten. Seit dem Sommer bekommen wir viel zu hören und zu lesen von einem Freundschaftsbund mit Großbritannien. Den einen Tag sprechen die Zeitungen unter schreienden Ueberschriften von der Frechheit Deutsch­lands, den nächsten Tag nehmen sie in irgend einer Ecke des Blattes alles wieder zurück und erklären alles weg. Den einen Tag erzählt man uns, Admiral Diederichs habe dies und das gethan, den andern Tag hat ers wieder nicht gethan. Nun scheint mir, man muß dem deutschen Volk wohl eben so viel gesunden Menschenverstand zubilligen, wie irgend einem Volk der Erde. Warum sollte Deutschland mit uns Streit suchen oder gar Krieg? Warum sollte Deutschland mit seinen 50 Millionen Krieg wollen mit den 75 Millionen der amerikanischen Republik, von denen zwischen 15 und 20 Millionen seine Abkommen, seine Söhne und Enkel, seine Töchter und Enkelinnen sind? Telegramme der Associated Preß, in Hongkong fabriziert und über die Erde verbreitet, hatten uns fortwährend erregt unter dem Eindruck, daß Deutschland den Krieg wünsche. Und wenn man in den letzten Tagen die auf Samoa bezüglichen Ueberschriften las was war der Eindruck? Man mußte denken, Deutsch­land suchte Krieg mit uns. Was würde es durch den Krieg gewinnen? Glauben Sie denn, Deutschland würde der paar elenden Inseln wegen den Krieg haben wollen? . . . Die einzige Reibung, die zwischen beiden Ländern vorhanden ist, hat sich auf dem Gebiet der Zollgesetzgebung gebildet. Auf der einen Seite haben wir eine Mauer hoher Schutzzölle errichtet. Die landbesitzenden Adeligen Deutschlands, als Agrarier bekannt, sehen darin eine Bedrohung und Schädigung ihrer Interessen, der vorzubeugen sie uns mit Gesetzen ant­worten wollen, die amerikanisches Schweinefleisch und Rind­fleisch vom deutschen Markt ausschließen sollen. Wenn wir es für recht halten, deutsche Knöpfe und deutschen Zucker abzuwehren, so sollten wir anständig genug sein, zuzugeben, daß jene Nation ein Recht hat, an uns Vergeltung zu üben mit Gesetzen, die unser Getreide und unser Fleisch ausschließen. Deutschland sucht einen Markt für die Erzeug­nisse seiner Werkstätten, Amerika sucht ihn für die seiner Landwirtschaft. Wenn wir hohe Schutzzölle beschließen, müssen wir auf ähnliche Maßnahmen von der anderen Seite gefaßt sein. Darüber hinaus gibt es keine Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden Ländern. Herr White, unser Botschafter, hat nicht nur in seiner Dresdener Rede vom 4. Juli, sondern auch neuerdings wieder betont, daß man uns in Deutschland durchaus freundlich gesinnt ist. Ja, ich wage zu behaupten, daß niemand hier im Hause irgend etwas aus dem Aus­wärtigen, Kriegs- oder Marine-Amt beibringen kann außer Beweisen gewissenhaftester Neutralität Deutschlands während unseres Krieges mit Spanien. Ich wünsche, auf den Lehren von Thomas Jfferson zu verharren: Friede, Handel, ehr­liche Freundschaft mit allen Völkern, verpflichtende Bünd­nisse mit keinem. Ich wünsche die Freundschaft Englands, aber ich wünsche die Freundschaft Englands nicht mehr, als die irgend eines andern Landes, mit dem wir Berührungs­punkte haben, Englands nicht mehr als Deutschlands, Ruß­lands oder Frankreichs. Schließlich ist das ganze doch nur eine Frage des eigenen Vorteils. Wenn England während des Krieges uns auch nur irgend einen einzigen Gefallen qethan hätte, würde es sich an Spanien vergangen haben, da es vor aller Welt seine strengste Neutralität verkündigt

hatte. Hätte Deutschland im Kriege gegen Spanien uns nur einen einzigen Gefallen gethan, würde es sich ebenso des Bruches der Neutralität schuldig gemacht haben.

Deutsches Reich.

Berlin, 25. Februar. Beim Kaiserpaar fand heute mittag zu Ehren des Geburtstages des Königs von Württem­berg eine Frühstückstafel statt, zu welcher n. a. der Erb- prinz zu Wied, der württembergische Gesandte, Fürst Hohen­lohe und Staatssekretär v. Bülow geladen waren.

Berlin, 25. Februar. In der Reichstags-Kom­mission für die Novelle zum Bankgesetz wurde heute auch der Artikel 3 der Vorlage in der Negierungs­fassung mit großer Mehrheit angenommen.

Berlin, 25. Februar. Das Abgeordnetenhaus genehmigte heute bei Beratung des Etats des Finanz Ministeriums die Positionen zum Neubau der Kaiser Wilhelm- Bibliothek und des Provinzial-Museums in Posen ein­schließlich der inneren Einrichtungen in Höhe von 752400 Mk. Alsdann begann die Beratung des Berg-, Hütten- und Salinen-Etats, die jedoch heute noch nicht beendet wurde. Montag Fortsetzung der Debatte.

Berlin, 25. Februar. Paul Lindau hat seine Ent­lassung als Intendant des herzoglichen Hoftheaters in Meiningen erbeten, die ihm auch vom Herzog bewilligt wurde.

Berlin, 25. Februar. Sicherem Vernehmen derNordd. Allgem. Ztg." nach wird der in der Landtags-Thronrede angekündigte Gesetzentwurf betreffend die Revision d er preußischen Medizinal-Berfassung in der nächsten Zeit dem Landtage zugehen.

Berlin, 25. Februar. Der Gesetzentwurf zur B e fteuerung der Warenhäuser ist vom Minister des Innern den Handelskammern mitgeteilt worden. Die Gut­achten werden bis zu Anfang März gefordert.

Arbeitskammern. Beim Zusammentritt des Reichstages hatten die Zentrumsabgeordneten Dr. Lieber und Dr. Hitze folgenden Antrag über die Einrichtung von Arbeitskammern eingebracht:Die verbündeten Regierungen zu ersuchen, thunlichst bald dem Reichstage einen Gesetzentwurf zum Zwecke der Errichtung von Arbeits­kammern vorzulegen, um so den Arbeitern den freien und friedlichen Ausdruck ihrer Wünsche und Beschwerden zu ermöglichen, und den Staatsbehörden Gelegenheit zu geben, sich über die Verhältnisse der Arbeiter fortlaufend zu unter­richten und mit den letzteren Fühlung zu nehmen (Kaiser­liche Februarerlasse vom 4. Februar 1890)."

In der Samoafrage hat ein soeben von Apia zurückgekehrter Chicagoer, W. Pickard, in derChicago Evening Post" vom 19. Januar den Oberrichter Chambers als moralisch verantwortlich für das Blutvergießen auf Samoa bezeichnet. Chambers habe eine höchst übertriebene Meinung von der Wichtigkeit seines Amtes, und seine Un­wissenheit betreffs der Verhältnisse und Gewohnheiten der Einwohner sei unverzeihlich.

DieTägl. Rundsch." schreibt: Bekanntlich hat Herr von Vollmar auf dem letzten Parteitage der Sozial­demokratie erklärt:Es könnte der deutschen Sozialdemo­kratie garnichts Unglückseligeres passieren, als daß wir jetzt genötigt wären, diepo litische Machtzuübernehmen". Einen interessanten Grund hierfür giebt Herr Emil Zimmermann an, der in der MonatsschriftDer Thürmer" unter dem TitelSchein und Sein im demokratischenSozia­lismus" Betrachtungen und Erfahrungen mitteilt, die er früher, u. a. als Redakteur desChemnitzer Beobachters", gemacht hat. Anknüpfend an das im Eingang wieder­gegebene Wort von Vollmars schreibt Zimmermann: Es würde eine Vetternwirtschaft geben, wie sie toller gar nicht zu denken wäre und ein unausstehliches Jagen nach Aemtern und Stellen. Schon heute ist es in der Sozialdemokratie leider eine nicht seltene Erscheinung, daß die tüchtigsten und opfermutigsten Leute öffentlich angegriffen, heruittergeriffen und nach allen Regeln der Kunst in den Versammlungen abgeschlachtet werden; weshalb? Lediglich deshalb weil sie irgend einen Posten in der Partei bekleiden, und weil sehr viel andere da sind, die ihn glauben ebenso gut oder noch besser ausfüllen zu können. Gewerbsmäßige Nörgler giebt es in jedem sozialdemokratischen Verein und Bereinchen, die jeweiligen Vereinsleiter wissen schon die Mittel, den Kläffer still zu machen! wir wollen ihn zum stellvertretenden Revisor machen! heißt es. Seine Wahl wird dann wirklich durch- gesetzt, und der Kläffer ist still, er hat ja das ersehnte Amt. Diese Aemterjäger sind die schrecklichsten Diskussionsredner