Ausgabe 
28.2.1899 Erstes Blatt
 
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Nr. 50 Erstes Blatt.

Dienstag den 28 Fehruar

1899

Meßmer Anzeiger

General-Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gieren

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zember 1872 getroffenen Bestimmungen, auf Widerruf ge­stattet worden ist.

Gießen, den 24. Februar 1899. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

____________________v. Bechtold.____________________

Aus Rußland.

Seitdem Zar Nikolaus sein sogenanntes Friedensmanifest erlassen hat, ist es wieder recht still geworden im heiligen Rußland. Nur selten dringt einmal eine Kunde von dort zu uns herüber, und einem alten Sprichwort gemäß, müßte es daselbst recht glücklich und friedlich hergehen. Wer ist nicht überrascht worden durch die geheimnisvoll klingenden, mehr oder weniger unklaren Mitteilungen eines Kopenhagener Blattes, nach welchem der Zar regierungsmüde sein soll! Und viele werden aus dem Umstande, daß diese Meldungen aus der dänischen ^Hauptstadt kommen, auf die Richtigkeit schließen. Selbst der Abrüstungsvorschlag wird nicht auf den Zaren selbst zurückgeführ^ stmoern dem Großfürsten Michael zugeschrieben. Ein weiterer aus dem man die Teilnahmlosigkeit des Zaren an der Regier"^ herleiten will, soll in den Maßnahmen im Fürstentum Finlano???/ halten sein, wo man in verfassungswidriger Weise gründ­lichrussifiziert". Wie weit alle diese Mitteilungen und Vermutungen auf Wahrheit beruhen, läßt sich natürlich nicht kontrollieren, aber wir sind der festen Ueberzeugnng, daß den Meldungen gegenüber Vorsicht sehr am Platze ist.

Als der jetzige Zar die Regierung angetreten hatte, da durchschwirrten ebenfalls die unglaublichsten Nachrichten die Luft. Wer hat damals nicht, als die Charaktereigen­schaften Nikolaus II. in den Staub gezogen wurden, die deutsche Fürstentochter von Herzen bedauert, der das Ge­schick die schwere Aufgabe auferlegt hatte, an der Seite dieses Mannes ihr Leben zu verbringen! Pon all den Ungeheuerlichkeiten, die man dem Zaren andichtete, ist nichts eingetroffen. Er ist der aufmerksamste Familienvater und begegnet seiner Frau mit herzlicher Liebe und Achtung. An seinem korrekten Auftreten im internationalen Konzerte darf heute niemand mehr zweifeln. Hat er es doch verstanden, nach der einen Seite hin sich nicht allzusehr zu binden und auf der anderen Seite durch herzliches Entgegenkommen die Freundschaft wiederherzustellen, welche unter seinem Vor. ganger einen starken Riß erhalten hatte. Gegenüber dem Einvernehmen, in welchem Rußland mit Deutschland und Oesterreich steht, fällt die Allianze des ersteren mit Frank­reich gar nicht ins Gewicht. Wir haben ja verfolgt, wie peinlich Zar Nikolaus es bei seinem Aufenthalt in Frank­reich vermieden hat sich irgendwie etwa hinreißen zu lassen, und wir dürfen daraus die Ueberzeugung schöpfen, daß tadellose Korrektheit auch fernerhin das Leitmotiv seiner Re­gierung sein wird.

Die Meldungen des Kopenhagener Blattes aber möchten wir auf Hofklatsch zurückführen. In vielen Dingen sollen ja die politischen Anschauungen des Zaren und seiner Mutter, der dänischen Prinzessin, von einander abweichen. Aus diesem Umstande mag vielleicht irgend eine Hofpartei Kapital zu schlagen suchen und verbreitet deshalb Nachrichten, die dem Ansehen des Zaren Abbruch thun sollen. (xx)

Deutscher Reichstag.

42. Sitzung vom 25. Februar. 1 Uhr.

Am Bundesratstische: Staatssekretär T i r p i tz, Minister T.hielen.

Vor Eintritt in die Tagesordnung erteilt der Präsident Graf B a l l e st r e m das Wort dem Staatssekretär T i r p i tz. Derselbe führt aus, er sei vom Kaiser beauftragt worden, an dieser Stelle der Freude der verbündeten Regierungen Ausdruck zu geben, über die Rettung derBulgaria". Der Kapitän und das Schiffspersonal hätten außerordentliche Bravour an den Tag gelegt. Hier sei wieder ein Beweis der großen Leistungsfähigkeit und Tüchtigkeit der deutschen Handelsflotte, die jedes deutsche Herz mit Freude erfüllen müsse. Es liege hierin die sicherste Gewähr. für das Ge­deihen unserer transatlantischen Linien. Ihm, dem Redner sei es eine ganz besondere Freude gewesen, diesem Gedanken hier Ausdruck geben zu können, da bei den so schweren Ge­fahren zur See deutsche Kriegs- und Handelsflotte Freud und Leid teilen. (Lebhafter Beifall.)

Abg. v. Leve tz ow (kons.) glaubt versichern zu können, daß der ganze Reichstag von den Mitteilungen des Staats­sekretärs mit Freude und Anerkennung Kenntnis genommen hat. Durch die Tüchtigkeit und Unerschrockenheit des Kapitäns und der Mannschaft sei eine große Anzahl von Menschen­

leben gerettet werden und ein schönes Schiff auf wunder­bare Weise vor dem Untergänge bewahrt worden. (Bravo­rufe.)

Präsident Graf B a l l e st r e m erklärt, Herr v. Levetzow habe im Namen aller Mitglieder des Reichstages den Ge­fühlen der Freude Ausdruck gegeben, welche alle beseelten. (Beifall).

Tagesordnung: Etat der Reichseisenbahnen.

Abg. Riff (frs. Vg ) bedauert, daß so manche Wünsche und Beschwerden der Bevölkerung im Elsaß von der Ver­waltung der Bahnen nicht genug berücksichtigt würden, ob­wohl die Bahnen dem Reiche fast 30 Millionen Mark lieber» schüsse brächten.

Minister Thielen bemerkt, der Herr Vorredner ver­lange hauptsächlich Tarifreformen auf Kosten des Reichs. Aber dieses wolle natürlich jeden angelegten Pfennig ver­zinst haben, und da es bisher im ganzen 600 Millionen auf die elsässisch-lothringischen Bahnen aufgewendet habe, so verzinse sich dieses Kapital nur mit durchschnittlich 4,58 Prozent in den letzten drei Jahren, und wenn man die Amortisation mitrechne, sogar nur mit 3,08 Prozent! Eine Ermäßigung der Personentarife sei kein allgemein geteilter Wunsch. Eine «Erdings sei erwünscht: Vereinfachung der Personen­tarife. Eine^l-^^ohub wesentliche Ermäßigung, das sei die große Preisaufgabe^-Ären Lösung nicht ohne Schwierig­keiten sei.

Abg. ©elfer (Els.) hält es'M nötig, den Schwer­punkt der elsässisch-lothringischen Eisenb§^E5^^"ng von Berlin weg etwas mehr nach Elsaß-Lothriugen ,Wt ^u ver­legen. Die neuesten Gehaltsverbesserungen für die'^WN- beamten seien dankenswert, es dürfe aber dabei nicht sein Bewenden haben.

Minister Thielen verteidigt die vorn Vorredner be­mängelten Bahnhofssperren. Dieselben hätten bereits das erfreuliche Resultat gehabt, daß auf allen unterpreußischer Ver­waltung stehenden Bahnen im Vorjahre nicht ein Schaffner verunglückt sei gegen 7 bezw. 8 in den letzten beiden Vor­jahren.

Abg. Wetter le (Els.) beklagt es gleichfalls, daß die Ueberschüsse der Reichsbahnen nicht den Reichslanden selbst, sondern dem Reiche zu gute kämen. Auch bemängelt er, daß die Sekundärbahnen vielfach lediglich den Interessen der Großindustrie, jedenfalls aber nur ganz einseitigen Interessen dienten.

Geheimerat Wackerzapp tritt dieser Behauptung lebhaft entgegen.

Abg. Garnp (Rp.) wendet sich gegen die elsässischen Abgeordneten, die wahrlich feine Ursache hätten, sich über die Eisenbahnpolitik in Elsaß-Lothringen zu beklagen.

Abg. Baron de Schmid (Els.) erklärt, seine Rede verlesen zu müssen, da er der deutschen Sprache nicht mächtig genug sei. Die Elsaß-Lothringer wollten jedenfalls nicht Bürger zweiter Klasse sein; sie litten unter dem Diktaturparagraphen, unter der Last zweier Armeekorps. Auch von der Eisenbahnverwaltung würden sie auf dem Gebiete des Tarifwesens, namentlich durch zu hohe Kohlen­tarife, zum Schaden ihrer Hüttenwerke, benachteiligt.

Minister Thielen bestreitet dies.

Abg. Bueb (Soz.) verbreitet sich über die Notwendig­keit des Umbaues des Bahnhofes in Mülhausen i. E.

Minister Thielen giebt zu, daß die Zustände auf dem Mülhauser Bahnhof unhaltbar seien und wünscht, daß die Verhandlungen wegen der nötigen Verkehrsverbesserungen mit Mülhausen zu einem befriedigenden Abschluß führen möchten.

Abg. Hauß (Els.) bemängelt die ungleiche Behandlung verschiedener Vereine bei den Fahrtvergünstigungen.

Abg. Paasche (nl.) legt Verwahrung ein gegen die Auffassung, als ob aus den Reichsbahnen künstlich lieber» schüsse herausgepreßt würden, welche in den Reichssäckel fließen.

Eine Reihe von Titeln des Kapitels 4 des Etat wird genehmigt.

Das Haus vertagt sodann die Weiterberatung auf Montag 1 Uhr.

(Schluß 6'/, Uhr.)

Deutsches Reich.

Zeitungskontrolle im Reichsland. Es be­stätigt sich, daß die Kontrolle, der eine Anzahl französischer Blätter vor ihrer Ausgabe im Reichsland bis jetzt unter­zogen wurde, aufgehoben worden ist. Die Zeitungen werden von jetzt an den Abonnenten unmittelbar abgegeben. Einzelne Blätter suchen die Erklärung für diese Anordnung auf dem

WM" Abonnements "MU aus den Gießener Anzeiger für den Monat März werden von allen Postanstalten, den Zeitungsträgern und der Expedition, Schulstraße 7, sowie den Zweigstellen, jederzeit entgegen­genommen.

Amtlicher Teil.

Bekanntmachung.

betreffend Schießübungen.

Es wird hiermit zur öffentliche» Kenntnis gebracht, daß das 1. Bataillon des Infanterie- Regiments Nr.1«8 zu Butzbach am 10. u. 11. März bs. Jrs., jedesmal von 8 Uhr vormittags bis 6 Uhr nachmittags im Gelände GriedelGambach mit Schußrichtung südlich des Bockenheimer Baches gegen den chilberberg ein gefechtsmäßiges Schießen mit fcharfer Munition abhalten wird.

Das für den Verkehr gesperrte Gelände, welches 2 Stunden vor Beginn und 1 Stunde nach Beendigung des Schießens von niemand betreten werden darf, wird begrenzt: Im Süden: durch die Straße Gambach-Griedel. Im Westen: durch die Main-Wcser-Bahn. Im Norden: durch die Straße Lang-Göns Holzheim. Im Osten: durch die Straße Holzheim-Gambach.

Die vorerwähnten Grenzen felbst bleiben für den Verkehr frei.

Das im Anzeiger Nr. 40 bekannt gemachte Schießen für den 3. u. 4. März er. findet an diesen Tagen nicht statt.

Gießen, am 28. Februar 1899.

Großh. Kreisamt Gießen.

v. Bechtold.

Gießen, am 28. Februar 1899. Betr.: Wie oben.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen au die Großh. Bürgermeistereien von Holzheim und Lang-Göns.

Die vorstehende Bekanntmachung wollen Sie alsbald auf ortsübliche Weife bekannt machen und diefelbe am Tage vor Beginn des Schießens wiederholen lasten.

v. Bechtold.

Bekanntmachung.

In Kröffelbach (Kreis Wetzlar) ist die Maul- und Klauenseuche erloschen und die Sperrmaßregeln sind auf­gehoben.

Gießen, den 24. Februar 1899.

Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Bechtold.

Bekanntmachung, betr.: Gesuch der Badischen Feuerversicherungsbank in Karlsruhe um Erlaubnis zum Geschäftsbetrieb im Groß­herzogtum Hessen.

Wir bringen hiermit zur allgemeinen Kenntnis, daß durch Entschließung Großh. Ministeriums des Innern der Badischen Feuerversicherungsbank in Karlsruhe die Erlaub­nis zum Geschäftsbetriebe im Großherzogtum nach Maßgabe her in demselben bestehenden Vorschriften, insbesondere der in dem Gesetz vom 25. November 1871, die Versicherung von Mobilien in Feuerversicherungsanstalten betr., und der zur Vollziehung desselben erlassenen Verordnung vom 11. De­

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