Ausgabe 
27.9.1899 Zweites Blatt
 
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Nr. 227

weites Blatt

Mittwoch dm 27. September

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Hnne^wt »en Anzeigen zu der nachmittag- für den ti| erscheinenden Nummer bi- vor«. 10 Uhr.

-kedaktion, Expedition und Druckerei:

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er ein großer Jagdliebhaber. Eine Menge Jagdschlösser, unter welchen sich auchWolfsgarten- befindet, führen ihre Entstehung auf diese Neigung zurück, welche den Landgrafen auch die Parforcejagden einrichten ließ. Im Schlößchen ist sein Bild in verschiedenen Aufnahmen vorhanden. Heber» Haupt besitzt Wolfsgarten einen Schatz von Familien. Porträts, welcher für die weit verzweigten verwandtschaft­lichen Beziehungen der hessischen Dynastie mit deutschen und ausländischen Fürstenhöfen sprechendes Zeugnis ablegt. So treffen wir im Speisesaale die Porträts verschiedener bayerischer Kurfürsten, gemalt von Desmarses, einem tüch. Ligen Koloristen zu Anfang des 18. Jahrhunderts. Auch Früchte des emsigen Fleißes von Joh. Konrad Seekatz blicken uns von der oberen Hälfte der Wände entgegen, die sie wie eine Bordüre einzufaffen scheinen. Die Motive dieser Bildchen sind meist idyllischer Natur, und was ihre Aus­führung anbetrifft, so kann auch auf sie das Lob Goethes angewendet werden, welches dieser der Malweise Seekatzens im allgemeinen zollt: seine Landschaften mit Figuren und Tieren sind gut geordnet, korrekt in der Zeichnung und kräftig in den Farben.

Es giebt in Wolfsgarten wohl kein Wohnzimmer ohne bildnerischen Schmuck. In dem Prinzen- und Kavaliersbau sind die Wände übersäet mit Stahlstichen, Silhouetten und Aquarellen. Die letzteren, meist von Schnittspahn, geben eine Anschauung von dem damaligen Darmstadt und seinen Schlössern nah und fern. Auf einem Bildchen sieht man eins der alten Thore: Jägerthor, Rheinthor, die heute noch im Sinne der Richtungsangabe im Gedächtnis der alten Darmstädter Generation fortleben. Auf einem anderen erblickt man den Häuserkomplex desFürstenlagers" bei Auerbach, wie er beschaffen gewesen sein mag, als dort noch allsommerlich Residenz aufgeschlagen wurde, die einstige

Süd-Afrika.

Bei der Schwierigkeit der Situation in Süd-Afrika wird unfern Lesern die bei­folgende Karte angenehm sein, durch welche die Lage von Transvaal und dem Oranjesreistaat zur Kap- kolonie genau zu erkennen ist. lieber die Boeren und ihre Heimat haben wir in letzter Zeit ausführlich be­richtet. Die Verkehrsver- hältniffe stoßen in Südafrika bei dem gebirgigen Charakter des Landes oft auf recht er* hebliche Schwierigkeiten,den­noch sind sehr viel Eisen­bahnen vorhanden, z. B. in der Kapkolonie 3647 Kilo­meter, in Natal 676 Kilo­meter, im Oranjefreistaat 754 Kilometer. Für den sonstigen Verkehr dienen in

Stzceffe für Depeschen: Anzeiger chietze».

Fernsprecher Nr. 51.

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Dianaburg" mit demBassin", die jetzt überhaupt nicht mehr existiert, u. s. w. In noch ältere Zeit versetzt uns eine Landschaft des Malers Sonntag; sie stammt aus dem Jahre 1747 und zeigt dieBergstraße", vom Melibokus aus gesehen.

Abgesehen von dem wuchtigeren, prunkvolleren Gepräge des Speisesaales, ist die ganze Einrichtung sehr einfach ge­halten: Schlichte, unparkettierte Fußböden, schmucklose, getünchte Decken, die Möbel meist mit einfachen Stoffen überzogen.

In den Zimmern des sogenanntenPrinzessinnen­baues" hat die Kaiserin Alexandra von Rußland manchen Sommer ihrer Mädchenzeit verlebt. Sogar ihre Handschrift hat die Prinzessin Alix hier zurückgelaffen, nicht in Tinte oder Holzschnitt, sondern in Blumenschrift. Auf zwei der weißen Thüren sind einige lose Blumenranken (Brombeerzweige) mit leichter, geschickter Hand hingeworfen. Die Prinzessin soll die Absicht gehegt haben, das nüchterne Weiß der anderen Thürfüllungen auch mit ähnlicher Blüten- zier zu beleben. Dann kam die Verlobung, bald darauf die Vermählung, die sie den harmlos-idyllischen Frühlings­tagen erster Jugend für immer entrückte, aber keineswegs den trauten Räumen vonWolfsgarten", das sie jetzt schon zum dritten Male als Gast wieder begrüßt.

Unter den vielen Ansichtspostkarten, welche der Besuch des Zarenpaares auf den Markt geworfen, befindet sich auch eine mit der Ansicht von Wolfsgarten, von Louis Andreß gefertigt. Doch steht noch eine andere in Farben­druck in Aussicht, welche das Papierhaus (Sibert nach einem Aquarell des Hoftheatermalers Schlegel anfertigen läßt.

M.

vierteljährlich

, 2 Mart 20 Pf*, monatlich 75 Pfß. ' mit Bringerloh«.

Lei Postbezug

2 Mart 50 Pf,, vierteljährlich.

der Regel Maultiergespanne. Transvaal und der Oranje- Freistaat sind fast überall von englischem Gebiet um- . schlossen, im Osten von R Transvaal liegt Portugiesisch - Ostafrika. Die Versorgung der Boeren mit Waffen dürfte deshalb auf erhebliche Schwierigkeiten stoßen, doch nimmt man, wohl auch nicht mit Unrecht, an, daß die Boeren sich schon früher sehr aut bewaffnet haben.

im Monde zergehen za (gelost zu nehmen und nicht unnütz klagen,

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die nicht mit staatlicher Genehmigung im Großherzogtum zugelasfen sind, spielt. Seither war zwar im Großherzog­tum der Verkauf und das Feilbieten von nicht aus­drücklich von der Obrigkeit erlaubten Klaffen- ober Zahlen­lotterien, nicht aber das Spielen in solchen Lotterien den Einwohnern verboten. Es erscheint deshalb die Frage berechtigt, ob nicht zum Schutz vor Strafe für solche Per­sonen, die bei Erlaß des fraglichen Gesetzes bereits Lose auswärtiger Lotterien spielten, eine Übergangsbestimmung zu treffen wäre, wonach den Interessenten gestattet wird, ihr Los bis zu Ende zu spielen. Da notorisch Lose der verschiedenen deutschen Klassenlotterien zu Hunderten und Tausenden im Großherzogtum gespielt werden, so erscheint die hier aufgeworfene Frage zweifellos von großer praktischer Bedeutung. Die Verhandlungen zwischen der Großh. Regierung und der Bank für Handel und Industrie, betr. die Hessische Klassenlotterie, sind, wie wir hören, noch zu keinem definitiven Abschluß gekommen, da noch keine Einigung über die Pachtsumme erzielt werden konnte.

** Vierte Wageuklaffe. Nach der neuesten Verfügung der Bahnverwaltung können, wie auswärtige Blätter berichten, jetzt auch die Reisenden vierter Klasse die Fahrt unterbrechen, nur muß die Unterbrechung durch den dienstthuenden Beamten bescheinigt werden.

** Die Entwickelung des Deutschen Flotteuvereins dessen Provinzialverein für Oberhessen (wie wir bereits meldeten) am Freitag abend hier imCaf6 Ebel" eine Ver­sammlung abhielt ist auch in den stilleren Sommer­monaten eine außerordentlich günstige gewesen und die Organisation des Vereins in sehr erfreulicher Weise weiter ausgebildet worden. Am 1. Juli betrug die Mitgliederzahl 43496, am 1. September, obwohl zahl­reiche Anmeldungen bei den Provinzialgeschäftsstellen noch nicht an die Zentralstelle weitergegeben waren, bereits 62939; ein schöner Beweis dafür, wie siegreich die Idee von der Notwendigkeit einer starken deutschen Flotte alle deutschen Patrioten mehr und mehr durchdringt. Aus den zahlreichen Vereinen, welche wiederum die körperschaftliche Mitgliedschaft des Deutschen Flotten - Vereins erworben haben, ist der Deutsche Eisenbahnbeamten-Verein zu Hannover mit 9000 Mitgliedern hervorzuheben. Es haben sich dem Flotten-Verein angeschloffen 19 Marinevereine, 46 Krieger­und Landwehrvereine und 55 sonstige Vereine, unter denen alle Gattungen vertreten sind. Ferner erklärten ihren Bei­tritt 67 Aktiengesellschaften und Fabriken.

§ Aus Oberhessen, 25. September. Der Gothaer WetterprophetHabenichthatmit seiner Vorhersagung,

Lokales uad NrsvmKürs.

Gießen, 26. September 1899.

** Wichtiger Entscheid. Für Geschäfts- und Kaufleute dürfte nachstehender Entscheid von höchster Wichtigkeit fein: Eine Erlanger Firma war mit einer Münchener Fahrrad- utensilienfabrik in Geschäftsverbindung getreten und hatte auch eine Bestellung gemacht. Die Bestellung wurde auch ausgeführt, nachdem von der Erlanger Firma ein vom Ver­käufer ausgestellter Bestellschein über Zahlungsverpflichtung und Zahlungsmodus unterzeichnet war. Auf diesem Bestell­schein befindet sich nun am unteren Rande unter der Unter-

Feuilleton.

Schloß Wolfsgarten.

Originalplauderei für den .Gießener Anzeiger".

(Nachdruck derboten.)

Erst unter dem jetzigen Großherzog Ernst Ludwig be­kommt Schloß Wolfsgarten feinen ganz bevorzugten Platz in der Reihe der Großherzoglich Hessischen Sommcrresidenzen. Die ftüheren Großherzöge empfanden einen stärkeren Zug für Seeheim und Romrod.

Unter all den zierlichen und ziemlich versteckt angelegten Jagdschlössern zeichnet Wolfsgarten sich durch die weite, massive Bauart aus, die auch wohl in der Uebergangd» jahreszeit ein behagliches Wohnen daselbst gestattet.

Wenn Wirbelwinde und Regenschauer an unsere Fenster schlagen, denkt man unwillkürlich: Himmel, wie ungastlich muß es jetzt in Wolfsgarten fein! Das stimmt nicht. Der große Speisesaal mit seinem mächtigen Kamin, dem noch zwei Oefen Gesellschaft leisten, den breiten Spiegeln in Eichenholzrahmen, den schweren Leuchtern in Karyatiden­form, den Lampen mit Spieldosen, strömt in seiner alter­tümlich-gediegenen Einrichtung den Eindruck des Behaglichen aus, ob nun auf den mit echter Goldledertapete bekleideten Wänden der Helle Schein der Lampen ober der milde Glanz der Herbstsonne flimmert.

Erbaut ist Wolfsgarten vom Landgrafen Emst Ludwig (16781739), der in seiner Jugend am Hofe von Versailles französischen Geschmack kennen lernte, und dann gleich anderen deutschen Fürsten denselben in der Heimat nschzuahmen suchte. Mit seinen Zeitgenossen teilte dieser Fürst noch den Hang zu alchemistischen Experimenten, welchem er bedeutende finanzielle Opfer brachte. Auch war

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im, Fäulnis und Ibiidungen.

. in Eis- und Lagerkellern ieg (Mistbeetkästchen etc,) 120 Jahren bewahrt und Brochären kostenfrei, lein,**

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»erden dem Anzeiger wöchentlich viermal bei gelegt.

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Gießener Anzeiger

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Amts- unb Anzeigeblatt für den Ureis Gietzen.

j schrift des Bestellers in kleinem Drucke die Bemerkung: Zahlbar in München". Da nun nach Ablauf der Frist die Erlanger Firma Zahlung nicht leistete, stellte die Münchner Firma gegen den Schuldner am Münchener Land­gerichte Klage. In der Sitzung der Handelskammer kam dte Sache zum Aufrufe und bestritt primär der Vertreter des Beklagten die Zuständigkeit der Münchner Gerichte, da dte Vertragsbedingung:Zahlbar in München" unter der Unterschrift des Bestellers stehe und die Unterschrift wohl alles Obenstehende acceptierend bestätige, allein was unter der Unterschrift noch geschrieben oder gedruckt stehe, sei nicht in diese Acceptierung mit inbegriffen. Das Gericht erkannte jedoch diesen Einwand als nichtig und wies den Antrag auf Unzuständigkeitserklärung der hiesigen Gerichte ab.

** Das Gesetz über die Einführung einer staatlichen Klaffeulotterie, welches am 1. d. Mts. in Kraft getreten ist, enthält u. a. die Bestimmung, daß mit Geldstrafe bis zu 600 Mk. bestraft wird, wer in außerhessischen Geldlotterien,

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SÜDAFRIKA

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