Ausgabe 
27.9.1899 Erstes Blatt
 
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September 1899. ndbung aus Darm- PP wurde durch Ent- inisteriums der Justiz Achtungen eines Amts- fach beauftragt.

Inserat!) Da infolge esehalle zur Bersilgung n älteren und jüngeren i wir beschloßen, um iebigen, unfere jungen b Mar in bet Weise, tag (68 Uhr) alt ib (unter 16 Jahren) M drn ÄMchetageL Slag) nur an Tr- wn. Diese Neuerung

Wir bitten also bit )ie Freitage der Jugend en Ausleihetagen keine e Lesehalle zu schicken, Besorgung von Bücher« :eitags zu thun, und Seiet unter 16 Jahre» von jetzt ab nur noch Immen. Wir erlaube» daß wir von nächster Mittwochs oder Sams- e Freitags kommen, m sie aus die chnen zu Jen. Wir hvW'

ng in die Ausleche« Z Mer tu bienen. :nund als einem ethischen 1 u inen Leserkreis Lesehalle auszuschließen- s-ss **ta«

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beraubt zu haben. Dem Kraifing soll Uhr und Kette, ein Taschenmesser und 1 Mark 40 Pfennig bares Geld abgenommen worden sein. Die Angeklagten erklären, sie seien am 10. September, gemeinsam von Cassel kommend, gegen Abend nach Ruttershausen ge­kommen, wo Kirchweih war und wo einige Leute ihnen Bier und Schnaps gespendet. Die Angeklagten befanden sich auf der Wanderschaft nach Frankfurt, wo sie Stellung zu finden glaubten. Gegen 11 Uhr abends kamen sie nach Lollar, wo sie versuchten, Nachtquartier zu be­kommen; sie entschlossen sich aber doch nach Gießen zu gehen, und auf dem Wege dahin trafen die drei Angeklagten den Krailing, der des gleichen Weges ging und sic friig, wo sie hin wollten. Er lud sie ein, mit ihm zusammen zu gehen, da Wieseck kurz vor Gießen liege. Sie lehnten das Mitgehen ab und ließen den Mann ein Stückchen vorausgehen. Plötzlich sagte Arnemann:Von dem können wir etwas toben." Lukat will dann stark hinter Krailing hergegangen sein, und diesen höflich gebeten haben, ihm sein Geld zu geben, da er und seine Reisegenoffen keins mehr hätten. Krailing habe, so erklärt wenigstens Lukat ihin30bis40Pfg.gegebenundzwar gutwillig. Arnemann, der ebenfalls näher gekommen sei, habe aber ver­langt, der Wilscecki solle seine Uhr hergeben, was dieser auch that. Lukat belastet seine Mitangeklagten; diese seien damit einverstanden ge­wesen, daß man den Krailing berauben wolle, beide seien dabei gewesen, als Krailing die Sachen herausgab. Der Raub sollte am andern Tage geteilt werden. Schmenger habe ihm kurz vor Gießen ein Fünfmarkstück gegeben mit dem Bemerken, er solle ihm dies aufheben als Zeichen, daß er mit ihm zusammen bleiben wolle. Kurz vor Gießen wurden die An­geklagten von einem Radfahrer eingeholt, der ihre Verhaftung bewirkte. Schwenger erklärt, als er mit dem Genossen zusammen kam, habe er noch 7 Mk. gehabt, allerdings habe er diesem nichts davon gesagt. Die Begegnung mit Krailing bei Lollar fand an jener Stelle der Straße statt, wo der Wald anfängt. Schwenger sagt aus, er und Arnemann seien nüchtern gewesen, wohl aber schien ihm Lukat angetrunken zu sein. Er bestreitet, daß er mit seinen Genoffen den Raub vorher überlegt, oder sich an der That überhaupt beteiligt habe. Lukat habe zwar gefragt:wollen wir dem Mann sein Geld abnehmen?", doch habe er, Schmenger, darauf erwidert:Laßt doch dem Mann sein Geld". Als Lukat dem Krailing das Geld abnahm, will Schmenger etwa zehn Schritt mit dem Arne­mann hinterhergegangen sein. Schmenger hat gesehen, wie Lukat den Mann gestellt hat, ob dieser dem Krailing das Geld und die Sachen mit Gewalt abgenommen, will er nicht gesehen haben, es sei dazu zu dunkel gewesen. Schmenger bestreitet, den Mann überhaupt ungefaßt zu haben. Lukat habe die ganze Sache allein gemacht, die Beraubung sei vor sich gegangen, ohne daß er versucht habe, sie zu hindern, er gestehe aber ausdrücklich ein, dicht neben dem Lukat gestanden zu haben, als dieser den Krailing ausraubte. Richtig ist, daß Lukat nach voll­brachter That von Teilen gesprochen hat, doch will Schmenger erroiebert Haden, er habe nicht das Herz, von den geraubten Sachen etwas anzunehmen; hierbei erfuhr Lückert, daß Schmenger noch 5 Mk. habe und erhielt diese auf Verlangen, weil er drohte, es mit Gewalt zu nehmen. Später habe er dann seine 5 Mk. zurück erhalten. Auf Be­fragen, ob sich der Angeklagte denn für unschuldig halte, erwiderte der­selbe, er sei nur mitgegangen, habe aber direkt nichts gemacht. Der Vorsitzende fragt den Angeklagten, ob er glaubt, daß das Sprichwort Mit gegangen, mit gehangen" auf ihn im vorliegenden Fall keine An­wendung finde, worauf dieser schweigt. Der Angeklagte Arnemann will nur angeheitert gewesen fein, als man beim Dunkelwerden am Tage vor der That Ruttershausen verließ. Lukat schien ihm jedoch betrunken zu sein. Lukat hat in Lollar noch eine Flasche Bier getrunken. Er schildert die Vorgänge des abends wie die beiden Mitangeklagten. Krei­ling habe sie am Ende der Dörfer aufgefordert, mit ihm zu gehen, was man aber ablehnte. Später sprach Lukat vom Erben, worunter man auf der Wanderschaft die Annahme eines Geschenkes versteht. Lukat sagte:Laßt mich nur machen, wenn ers nicht giebt, brauch ich Gewalt. Lukat ließ sich Arnemanns Stock geben, ging scharf hinter Krailing her nnd riefhalt"! Was darauf geschehen, konnte man deut­lich bei der Dunkelheit nicht sehen. Als Arnemann, der langsam weiter ging, nach etwa dreißig bis vierzig Schritten, an Lukat und Krailing herankam, hatte der erstere seine Hände an Krailings Schulter und später an dessen Arm. Der Angeklagte habe ruhig dabei gestanden und zugesehen, wie Krailing beraubt wurde, ohne das mindeste zu thun. Der Angeklagte erklärt, daß Schmenger sich aktiv bei der That eben so wenig beteiligt habe, als er selbst. Er könne nur sagen, Lukat habe dem Krailing die Taschen durchsucht, das könne er bestimmt sagen. Damit ist die Vernehmung der Angeklagten beendet. Es tritt vor der Vernehmung der Zeugen eine Pause ein.

Vermischtes.

Aachen, 25. September. Der verstorbene Kom­merzienrat Talbot vermachte 100,000 Mk. der Arbeiter­pensionskasse seiner Fabrik und 200,000 Mk. sür wohl­tätige Stiftungen.

* Osnabrück, 24. September. Der Bischof von Schweden, Msgr. Dr. Albertus Bitter, beging heute in dem benachbarten Melle, seiner Vaterstadt, die Feier seines 25jährigen Priesterjubiläums. Dr. Bitter hat sich am Stockholmer Hofe eine sehr vorteilhafte Po­sition erobert, genießt dort großes Ansehen, und hat auch in Preußen Anerkennung durch Verleihung des Roten Adlerordens 2. Klasse gefunden. Er ist gleichzeitig Titular- bischof von Doliche, und einer der wenigen katholischen Geistlichen, welchen es gestattet ist, einen Vollbart zu tragen. Während des Kulturkampfes war Bitter einer der wenigen, welche bestrebt waren, die Gegensätze zu mildern und ver­söhnend einzugreifen.

Braunschweig, 25. September. DerKöln. Ztg." geht von hier folgendes kuriose Telegramm zu:Der Magistrat beantragt die Einführung der Biersteuer, deren Ertrag zur Erhöhung der Lehrergehälter ver­wendet werden soll." (Prosit!)

* Kiel, 25. September. Der letzte Sturm in der Ostsee und den dänischen Gewässern hat zahlreiche Schiffs Unfälle herbeigeführt. Auf Seelandsreff scheiterten und bei Varberg kenterten unbekannte Segelschiffe. Die Besatzungen sind umgekommen. Bei Fäggesund sanken zwei Segler. Außerdem sind viele Schiffe gestrandet und havariert.

* Wien, 25. September. Zum Kuttenberger Prozeß melden die PragerNarodni Listy": Erb mann und Wassermann, die angeblichen Mitschuldigen Hilsners, seien bereits verhaftet. Josua Erbmann aus Trebitsch sei, wie von dort geschrieben wird, 48 Jahre alt, halb blind Md so lahm, daß er auf Krücken geht. Er ist als vaga­bundierender Bettler bekannt, war am 24. März in Trebitsch und ging von dort nach Fananitz. In Kuttenberg werden durch Hilsners Zellengenossen Arator weitere Details des Hilsner'schen Geständnisses verbreitet. Er habe drei Mit­schuldige genannt und behauptet, die Ermordung der Hruza sei schon ein Jahr vorher verabredet worden.

* Leipzig, 24. September. Heute wurde in derSchönbach- ^aße in Stötteritz die 15 Jahre alte Tochter der Witwe Zehrfeld von einem Motorwagen der elektrischen »Straßenbahn überfahren und auf der Stelle

getötet. Die Unglückliche war beim Ueberschreiten des Geleises mit dem Schuhabsatz in einer Weiche hängen ge­blieben und zu Falle gekommen. Der Wagenführer hatte den in voller Fahrt befindlichen Wagen nicht schnell genug zum Halten bringen können.

* Meran, 25. September. In Lana fuhr eine leere Lokomotive auf den Meraner Personenzug. Zwei reisende Damen wurden verwundet.

* Plauen, 25. September. In der Umgegend sind so viele Fälle von Diphtheritis festgestellt worden, daß mehrere Schulen geschlossen werden mußten.

* München, 25. September. Die durch das Hoch­wasser verursachten Verkehrsstörungen sind jetzt so weit wieder gehoben, daß die Orient-Expreßzüge und auch die übrigen Expreßzüge wieder verkehren können und daß, laut amtlicher Mitteilung, der volle internationale Schnell- und Expreßzugverkehr zwischen Bayern und Oesterreich wieder­hergestellt ist.

* New-Hark, 25. September. Bei Florenz im Staate Colorado stieß ein Vergnügungszug auf einen Güterzug, wobei 10 Personen getötet und viele verwundet wurden.

Arbeiterbewegung.

Krefeld, 24. September. Die von uns schon kurz erwähnte Lohnbewegung unter den Färbern nimmt nach einer Korrespondenz derK. Z." hier eigentümliche Formen an In einer Anzahl von ©eibenfäi;bereien ist gestern zwischen den Färbereibesitzern eine Einigung auf der Grundlage zustande gekommen, daß der Wochenlohn der Jüngern Arbeiter auf 19 Mk. 50 Pfg. der der älteren Arbeiter auf 21 Mk. fest­gesetzt worden ist. Es sind dies die Firmen W. Biermann, H. v. d. Linde, Overbeck u. Hornholtz, Nrruen Gebr., I. Aug. Voß Sohn, Gebr. v. Beckerath, Eugen Stolte, R. Schnitzler, E. A. Kotigen, v. Beckerath u. Cie. und Hoddick u. Cie. Bet der Firma Hch. Voß, die die Forde­rungen der Arbeiter ablehnt, traten gestern abend 40 Arbeiter in den Ausstand, und die Färber der Firma Langenberg, Pfeiffer, Heitgers u. Cie. werden aus demselben Grunde am Montag oder Dienstag nach- solgen. Während so mit wenigen Ausnahmen ohne Kampf eine Eini­gung zwischen beiden Teilen erzielt worden ist, sind die Arbeiter der beiden Aktiengesellschastcn Krefelder Seidenfärberei und G. Büschgens u. Sohn noch weiter ausständisch, und sie sind, wie eine große Färber­versammlung heute vormittag gezeigt hat, noch nicht gewillt, die Arbeit wieder aufzunehmen, obwohl die beiden Häuser, wie schon telegraphisch gemeldet worden ist, nicht nur die Forderung eines Wochenlohns von 21 Mk. zugestanden, sondern ihn auch für die jüngern Arbeiter bewilligt haben, obschon in der Lohnliste der Arbeiter eine Altersstufe festgesetzt war. In der von 1500 Färbern besuchten Versammlung, in der bezeich­nenderweise auch der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete sür Fürth- Erlangen,Arbeitersekretär" Seggietz aus Nürnberg, auftauchte und zum weiteren Ausharren im Kampfe ermunterte, wurde unter allgemeiner Zustimmung die Losung ausgegeben: Es wird weiter gestreikt. Die Arbeiter, die so bequem erhebliche Zugeständnisse erlangen, wollen jetzt noch andere Forderungen stellen.

Le Creuzot, 25. September. Der Unterpräfekt hat sich bereit erklärt, die Vermittelung zwischen den Streikenden und den Direktoren zu übernehmen. Letztere beraten mit den Aktionären, welche Antwort sie den Streikenden geben sollen. Gestern Nachmittag wurde eine bedeutende Kundgebung zugunsten der ausständischen Arbeiter veranstaltet, wobei zahlreiche sozialistische Fahnen getragen wurden. Frauen und Kinder nahmen daran teil.

Jagd und Sport.

Darmstadt, 25. September. Das große internationale Herbst-Rad-Wettfahren des Radfahrervereins Darmstadt, das gestern auf der Rennbahn an der Heidelbergerstraße trotz der ungünstigen Witterung stattgefunden, nahm den besten Verlauf. Im Erstfahren (offen für Herrenfahren, die noch keinen Preis auf der Rennbahn er­rungen) ging Herr Christ Pfeiffer (Arheilgen) mit 3 Min. 51 Vs Sek. als erster über das Band; im Großen Hauptfahren von Darmstadt (offen für Berufsfahrer) war erster Franz Verheyen (Frankfurt) mit 3 Min. 43 Sek.; im Fahren uni den Wanderpreis Sr. Großh. Hoheit des Prinzen Wilhelm war erster Erich Möder (Frankfurt) mit 3 Min. 41 Sek.; im Mehrsitzerfahren (offen für Berufsfahrer) waren erste Franz Verheyen (Frankfurt) und Karl Weeck l Dortmund) mit 3 Min. 27Vs Sek; im Verlosungsfahren (offen für Berufsfahrer) siegte Herr Henry Mayer von Hannover mit der Gewinn-Nummer 501 (der ober die glückliche Gewinnerin des Fahrrads meldete sich nicht, war jeden­falls nicht mehr auf dem Rennplatz) in 1 Min. 23VS Sek; im 25 Kilo­meterfahren (offen für Herrenfahrer, 50 Runden) siegte als erster mit 38 Min. 11 Sek. Andreas Gräf von Frankfurt a. M. Dem Nennen wohnte, wie dasD. T." berichtet, der hohe Protektor des Vereins, Se. Großh. Hoheit Prinz Wilhelm, an.

Handel und Uerkehr. Volkswirtschaft.

Gieße«, 26. September. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter per Pfd. JL 0.951.10, Hühnereier per St. 78 H, 2 St. 1415 Enteneier 1 St. 0-0 H, Gänse­eier per St. 600 Käse 2 St. 58 H, Käsematte 2 St. 56 Z, Erbsen per Liter 19 Linsen per Liter 30 H, Tauben per Paar

X 0.700.80, Hühner per St. v* 1.001.80, Hahnen per Stück X 0.600.90, Enten per St. 1.802.00, Gänse per Pfund ** 0 000.00, Ochsenfleisch per Pfd. 6874 H, Kuh- und Rindfleisch per Pfd. 6264 H, Schweinefleisch per Pfd. 6674 4, Schweine­fleisch, gesalzen, per Pfd. 78 Kalbfleisch per Pfd. 6066 Hammelfleisch per Pfd. 5070 H, Kartoffeln per 100 Kilo 4.00 bis 5.50 JL, Weißkraut per St. 0000, Zwiebeln per Ctr. 5.506.50, Milch per Liter 16 4, Zwetschen per Ctr. 5,507,00.

Dauer der Marktzett oon 8 Uhr morgens btS 2 Uhr nach­mittags. Während der ersten 3 Stunden der Marktzeit darf im Umheniehen nicht feilgeboten werden.

Darmstadt, 25. September. Die Wochenmärkte prangen in herbstlicher Fülle. Von den Märkten der vorigen Woche sind nach demD. T." an Durchschnittspreisen hier zu notieren: Butter V, Kg. 1,201,25 Mk., in Partien 1,081,12 Mk., Eier 5-8 Pfg., Hand­käse 410 Pfg., Schmierkäse Ve Ltr. 1516 Pfg., Aepfel, je nach Sorten, p./a Kg. 20-25 Pfg., Falläpfel 10-12 Pfg., Birnen desgl. 2030 Pfg., Kochbirnen 1015 Pfg., Nüsse 100 Stück 7090 Pfg., Preißelbeeren p. Maß (2 Liter) 6570 Pfg, Pfirsiche */e Kg. 20 bis 40 Pfg., Zwetschen p. Gentner 1112 Mk., 100 Stück 4045 Pfg., Vs Kg. 1416 Pfg., italienische Trauben V, Kg. 35-40 Pfg., hiesige 1825 Pfg., Kartoffeln: rote p. Malter (100 Kg.) 4,805,00 Mk., P. Kumpf (10 Liter) 4850 Pfg., weiße 5,506,00 Mk, bezw. 60 bis 70 Pfg., Ueberrheiner 89 Mk, bezw. 7080 Pfg., Salatkartoffeln p. Kumpf 90 Pfg. bis 1 Mk., Rettige 410 Pfg., Meerrettig 100 Stück 712 Mk., p. Stück 8-20 Pfg., Kopfsalat 4-8 Pfg., Endivien 48 Pfg., Schälgurken 415 Pfg., Gurken zum Einmachen p. 100 Stück 12 Mk., Bohnen V, Kg. 10-25 Pfg., Wirsing 4-8 Pfg., Weißkraut 100 Stück 8-12 Mk., p. Stück 1014 Pfg., Rotkraut 10-20 Pfg., Blumenkohl 1025 Pfg., Römisch-Kohl p. Bündel 17 Pfg., Paradies­äpfel V» Kg. 20 Pfg., Zwiebeln p. Gentner 56 Mk., p. V» Kg. 5 bis 6 Pfg., Gänse 46 Mk, Enten 2,003,50 Mk., Hahnen 80 Pfg. bis 2,50 Mk., Suppenhühner 12 Mk., Tauben 3560 Pfg., Feldhühner: alte 4060 Pfg, junge 60 Pfg bis 1,30 Mk., Lapins 80 Pfg. bis 1,20 Mk., Hasen 2,503,50 Mk., vom Fischmarkt p. Kg. Hecht 90 Pfg, Barsch 60 Pfg.

Schiffsnachrichten

Norddeutscher Lloyd, in Gießen öeitreten durch die Agent« Earl L00S und I. M. Schulhof.

Bremen, 22 Septbr. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Oldenburg, Capitän H. Gathemann, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist gestern 7 Uhr abends wohlbehalten in New- Aork angekommen.

Für die vom Hochwasser Beschädigten gingen weiter bei uns ein: Von Dr. <5. 2 Jt, Bg. 20^, Ungenannt 2 JL, T. & S. 10 vM, R. P. 5 JL, Ungenannt 0.60 Jt, P. Sp.

15 » 3 ** Summa 57.60 JL Insgesamt

Weitere Gaben nimmt gerne entgegen

Die Expedition des »Gießener Anzeiger".

Neueste Meldungen.

Depeschen deS BureauHerold".

Berlin, 26. September. Nach einem Telegramm aus Skabersjoe kehrte der Kaiser nach der gestern nachmittag in Böckebergsstätt abgehaltenen Jagd dorthin zurück, wo die Ankunft kurz vor 7 Uhr erfolgte. Von dort aus fuhr der Kaiser alsbald nach Malmö weiter und begab sich unter stürmischen Ovationen einer großen Volksmenge an Bord derHohenzollern". Die Abreise nach Danzig erfolgt voraussichtlich heute früh.

Wien, 26. September. Wie aus Prag berichtet wird, erweist sich die Meldung derNarodni Listy'' von der Verhaftung Erbmanns und Wassermanns als unwahr. (Vgl. Vermischtes.)

Preßburg, 26. September. Aus der Strafanstalt Jllava sind 12 schwere Verbrecher entsprungen, von denen bis jetzt nur vier eingefangen werden konnten.

Paris, 26. September. Die wegen der Plünderung der Josefskirche angeklagten Personen wurden gestern zum letztenmale verhört. Von den 27 Angeklagten wird nur etwa die Hälfte verfolgt werden.

Paris, 26. September. Gelegentlich der Ueberführ- ung der Leiche Scheurer-Kestners nach dem Ost­bahnhofe versuchte eine Gruppe der Nationalisten eine antisemitische Kundgebung in Szene zu setzen. Die Demon­stration scheiterte jedoch an der ablehnenden Haltung der Bevölkerung. Wie es heißt, versuchten die Nationalisten den Kriegsminister Gallifet gegen das übrige Kabinett aufzureizen.

Paris, 26. September. Die heutigen Blätter berichten über einen Zwischenfall, welcher gestern bei der U e b er- führung der Leiche Scheurer-Kestners sich er­eignet hat. Ein Hauptmann in Uniform trat in die Reihe der Leidtragenden auf Picquart zu und sagte zu diesem: Wollen Sie mir die Ehre erweisen, Ihnen die Hand drücken zu dürfen." Picquart antwortete:Recht gern" und reichte ihm die Hand, worauf der Hauptmann sich wieder entfernte.

London, 26. September. Die Militärbehörden von Portsmouth sind in der größten Aufregung infolge des Verschwindens der beiden Hefte, welche die geheimen Signale der englischen Flotte enthalten. Kontre- Admiral Aldrich ließ sofort eine Untersuchung einleiten. Alle im Bureau angestellten Offiziere mußten das Resultat der in ihren Wohnungen angeordneten Haussuchungen ab­warten und durften sich nicht entfernen. Das Verschwinden dieser wichtigen Dokumente ist unerklärlich. Bis jetzt sind noch keine Verhaftungen vorgenommen worden.

Moskau, 26. September. Die reiche Gräfin Su- marokow ist während der Fahrt auf der Moskau- Kursker Eisenbahn in einem Waggon erster Klasse durch Einschläferungsmittel betäubt und ihrer Reisetasche, in welcher Juwelen im Werte von 50000 Rubel und 5000 Rubel in Kreditbriefen sich befanden, beraubt worden. Der That verdächtig sind zwei elegant gekleidete Damen, angeblich Gutsbesitzerinnen, welche in demselben Wagen fuhren und vor dem Erwachen der Gräfin verschwanden.

Prätoria, 26. September. Die in Südafrika ansässigen Schweden beschlossen in einer Versammlung, Trans­vaal gegen England zu unterstützen. Die öster­reichischen Juden hielten ebenfalls ein Meeting ab, in welchem sie erklärten, Transvaal mit Geld und Blut bei­zustehen. Auch die Irländer beschlossen bis auf den letzten Blutstropfen für die Unabhängigkeit Transvaals zu kämpfen.

Die Miuifterkrifis in Oesterreich.

Wien, 26. September. Das Kabinett Liechten­stein kommt nicht zustande, da Fürst Alfred Liechten­stein das Ministerium vorwiegend aus den Parteien der Rechten bilden wollte, wodurch die Situation noch verschärft worden und eine Verständigung mit den deutschen Oppositions- Parteien unmöglich gemacht worden wäre. Liechtensteins Audienz beim Kaiser hatte wahrscheinlich nur den Zweck, die Mission zur Kabinettsbildung in die Hände des Monarchen zurückzulegen.

Wien, 26. September. Der Stand derMinister- krisis ist andauernd unverändert. Nachdem Gerüchte zirkulieren, daß der Kaiser neuerdings Chlumetzky mit der Bildung eines deutsch-liberalen Kabinetts betraut, äußerten sich die Polen und Tschechen, daß, falls ein solches Kabinett zustande kommen würde, die Rechte dasselbe sofort durch die schärfste Opposition zu stürzen suchen werde.

Attentäter Knesevie hingerichtet.

Belgrad, 26. September. Gestern nachmittag 4 Uhr wurde der Attentäter Knesevic auf dem Karabnrma- Felde hin gerichtet. Bei der Beichte vor dem offenen Grabe erzählte er nochmals, daß Oberst Nikolic, ferner Dimic und Kowacsevic unschuldig seien. Diese wurden aber schon nachmittags in Sträflingskleidern nach der Festung gebracht.