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1899
Sonntag den 26 November
Rt. 279
Viertes Blatt.
Gießener Anzeiger
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GrstisKntsgen: Gießener Fsmiliendlätter, Der heMche Kandwitt, DlSlter für hessische DslKskM-e.
Askaies WS DrssmzieUes.
Gießen, den 24. November 1899.
Das Wiefel. (Von einem Naturfreund eingesandt.) Zur gegenwärtigen Jahreszeit erblickt man manchmal auf dem gestürzten Ackergelände oder auf den Wiesen einen hüpfend sich bewegenden weißen Punkt oder Streifen, der beim Näherkommen rasch verschwindet, als ob ihn die Erde verschlungen hätte. Selten nur hat man Gelegenheit, das
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Am Sonntag, den 19. November, ist Erzherzogin Elisabeth, Tochter der Kronprinzessin-Witwe Stefanie, deren Bild wir heute bringen, mündig erklärt worden. Sie erhält nun ihren eigenen Hofstaat, der mit aller Pracht eingerichtet wird. Damit ist für Kronprinzessin Stefanie ein Hindernis für ihre Ehe mit dem Grafen Lonay aus dem Wege geräumt, und es heißt in der Thal, daß die Vermählung noch in diesem Monat in Ungarn stattfinden soll.
Erzherzogin Elisabeth von Oesterreich.
große Wiesel — Hermelin, Feld- oder Waldwiesel genannt — aus der Nähe betrachten zu können, denn es ist ungemein scheu, begabt mit scharfen Sinnen und imstande, in jedem kleinen Erdloch, im Gras, in Steinen zu verschwinden. Im Sommer ist die Farbe der Wiesels gelbrot oder rotbraun, im Winter — bis auf die schwarze Schwanzspitze — weiß. So klein der Wiesel ist, so ist er doch, gleich seinem noch winzigeren Vetter, dem Haus- oder Speicherwiesel, eines der blutdürstigsten, gefährlichsten Raubtiere die es giebt. Grausam, unglaublich stark im Verhältnis zu seiner Größe, wird es nicht nur den Hamstern und Mäusen, kleinen Vögeln wie dem größeren Federwild, sondern auch dem Hasen, dem Reh und sogar dem Rotwildkalb zum furchtbaren Feinde. Landleute sahen vor kurzem, in zwei Fällen, wie nahe der Stadt Hasen, den furchtbaren Reiter im Genick, der sich festgebissen hatte, nur wankend noch weiterhoppeln konnten — das Reh, das der Hermelin befallen hat, vermag sich meist nicht von dem Mörder zu befreien — nicht die wütendste Flucht durch Gesträuch und Hecken bringt den Vampyr zum Loslassen; es saugt seinem Opfer den Schweiß aus, bis es verendend zu Boden stürzt. In unserer Gegend, an hochufrigen Flüssen und Bächen, unter Gesträuch, Remisen, Stein- und Holzhaufen, in Maulwürfe- und Mäusefahrten, in Hamsterröhren, Höhlen, Weiden und Bäumen, überall hält sich das Wiesel auf. Fast zu wenig wird zu seiner Vertilgung gethan; erst neuerdings wendet sich die Aufmerksamkeit des jagenden Jägers der Vertilgung dieses kleinen Raubgesindels mehr als frührer zu; es verdient in der That fast größere Beachtung als der Fuchs, der gewiß der Niederjagd schadet, der aber schließlich doch auch da sein muß, um die Strecke zu zieren. — Wo Bauleute, Holzarbeiter, Landwirte das Wiesel antreffen, da sollten sie zu seiner Vertilgung beitragen.
♦* Zu unserem Artikel bett, die Fortuna-Los-Gesellschaft schreibt man uns: Der Beitritt zu einer im Anzeiger vom Donnerslag geschilderten „Fortuna"-Gesellschaft hat nach unserer Meinung wenig Verlockendes, wenn sich der Spieler folgendes vor Augen stellt: Der Gewinnplan der hessischen Landeslotterie ist bis jetzt nur den Eingeweihten bekannt. Wir benutzen deshalb einen solchen einer anderen deutschen Lotterie mit 100000 Losen, von welchen 50 000 gewinnen. Die Summe aller Gewinne einschließlich einer Prämie von
300000 Mk. beträgt 10545000 Mk. Auf 2000 Lose (es ist in dem oben angezogenen Artikel von 2000 Mitspieler der Gesellschaft die Rede) entfällt im Durchschnitt ein Haupttreffer von über 100000 Mk. Nehmen w» nun an, die Fortuna-Gesellschaft habe das beispiellose Glück gehabt, die 2000 höchsten Gewinne (keine unter 500 Mk.!) einzuheimsen, so hätte sie nach Abzug des staatlichen Anteils rund 300000 Mk. gewonnen, oder pro Person 1500 Mk., aber nur wenn pro Person wöchentlich ca. 5 Mk. aufgelegt worden wären.- Das ist die wohl niemals vorkommende günstigste Chance der Vereinigung. Kommt in die Gesellschaft aber nur ein Hauptgewinn und zwar der größte mit der Prämie und gewinnen die sonst gespielten Lose sämtlich den niedrigsten Einsatz, was wohl auch niemals vorkommt, so erhält jeder Spieler auf 5 Mark Wocheneinlage etwa 200 Mark mehr, wie seinen Einsatz. Wir unsererseits würden lieber die Bildung kleiner Gesellschaften Vorschlägen, etwa am Stammtisch, im Verein, in Freundes- und Kollegenkreisen, in Arbeiterkreisen, bei Konsum- und Molkereigenossenschaften u. s. w., wie man solche vielfach in Preußen usw. findet. Fällt in eine solche Gesellschaft (man hat hiervon schon oft in der Tagespreffe gelesen) ein Hauptreffer, so ist der Gewinnanteil des Einzelnen wenigstens ein nennenswerter. Bei 30 Teilnehmern enthalten z. B. bei einem Haupttreffer von 500000 Mk. nach stattgehabtem Gewinnabzuge auf die Person immer noch ca 14000 Mark. Die Verlustchancen dieser kleinen Gesellschaften sind nicht wesentlich größer, wie diejenigen der geplanten Fortuna- Gesellschaften. Beim Spiel muß überhaupt der eine Teil verlieren, der andere gewinnen. Das Sammeln von Wochenbeiträgen ä 50 Pfg. oder 1 Mk. übernimmt in einer solchen kleinen Privatvereinigung gewiß gern kostenlos ein angesehenes Mitglied, sagen wir der Wirt, der Vorstand, der Konsumhalter, der Molkereiverwalter usw. Werden die im l voraus zu zahlenden Mitgliederbeiträge außerdem durch rasche Anlage rationell verwaltet, so läßt sich hieraus noch ein kleiner Zinsgewinn erzielen. Wir kennen es, nebenbei bemerkt, aus Erfahrung, daß aus diesem Gewinn des öfteren wohlthätige Handlungen (Weihnachtsgeschenke usw.) bestritten wurden.
Feuilleton.
Britannia und Germania.
G.: Vor kurzer Zeit noch nannte eine Vettel, Ein feiles Weib mich deine giftge Zung Und heute nennst du mich geliebte Schwester Von stolzem Wuchs und treuem, blauen Aug; Woher der Wandel Insulanerin?
B.: Ich hätte jemals deinen Stand beschimpft Und eine alte Vettel dich geheißen?--
G.: O leugne nicht! Als unser Kaiseraar Dem Burnvolk mit mächtgem Flügelschlag Den Gruß entbot, weil Onkel Krüger kühn Die frechen Räuber aus dem Lande trieb Und deine diebschen Söldner niederwarf, Et hob ganz England sich und in den Staub Ward Deutschlands Herrscher von euch frech gezerrt.
B.: Das ist mir nicht erinnerlich, ich kann Mich nicht besinnen, daß ich deinen Herrn Den Kaisersohn aus Hohenzollernstamm, Hab jemals nur mit einer Mien' verletzt.
G.: Du weißt auch nicht, daß jenes Regiment, Das seinen Abmarsch Deutschlands Kaiser jüngst Devot gemeldet an den Strand der Spree Ihn frech gelästert, als er Onkel Paul Das Telegramm hat nach Transvaal gesandt?
B.: Das ist mir Alles, Alles nicht bekannt. Denn Niemand liebet mehr auf dieser Erde Das deutsche Volk als teure Schwester, ich. —
G.: Daß dich der Blitz erschlüge, Heuchlerin! — B.. Hat meine Liebe deinen Wunsch verdient? «.: Deine Liebe! — Ha! Weil du in Nöten steckst
Weil ganz Europa dich 'ne Diebin heißt, Die Länder stiehlt, wo Gold zu rauben ist, Weil selbst Amerika und seine Jingoleute Dem Burenvolk geneigter ist, als dir, Suchst Anschluß du und glaubst, man hätte längst Die freche Sprache vor zwei Jahr'n vergeffen.
B.: Noch einmal Schwester, zweifle fürder nie An meiner Liebe für das deutsche Land.
G.: Der Deutsche ist das Heucheln nicht gewohnt, Und auch das Stehlen liebt er nicht wie du, Denn mächtig noch ergötzt ihn Ehrlichkeit, Deshalb vernimm, wie ganz Germanien denkt, Um dessen Liebe du jetzt so innig wirbst: Zerschmettern möge deine Räuberschaar, Die du ins friedliche Transvaal gesandt Des Jovis Blitz, und Indiens armes Volk, Das ausgepreßt du hast und ausgeraubt, Es möge aufstehn und das Krämerjoch Vom Nacken werfen, das es lange trug. Mit seinen Truppen möge der Khalif, Den du mit Dum-Dum-Kugeln niederzwangst, Anstürmen auf den mutigen Sirdar Und niederwerfen deine Räuberbande, Die dieser Welt das Land Egypten stahl. —
B.: Hast Du nicht beffre Wünsche mir zu bieten?
G.: Nein, nein und nein! — Auf ew'ge Zeiten sei Kein Band der Liebe zwischen uns geknüpft. Denn Deutschlands Herz liebt deinen Schwindel nicht.
B.: Gehab dich wohl, so sei es denn geschieden. Doch wenn du einen Bundsgenossen brauchst —
G.:--Dann lieber Frankreich,
Als das Volk der Briten, Das stets für sich und seinen Markt gestritten.
Gereimte Tagesgeschichte.
„Wie könnt' ich sonst so tapfer schmählen. Wenn thät ein armes Mägdlein fehlen!" Spricht Gretchen. Heut' würd' sie gewiß Sich weiter garnicht drüber grämen, Wenn sie von Lieschen würd' vernehmen, Es sei gefallen Ladysmith.
Epilog.
Die Erde wird nicht untergehen. Nur keine Furcht, sie lebt noch lang,
Denn wer wie sie sich weiß zu drehen, Ist sicher vor dem Untergang.
Auf dem Kirchhof.
Was mag denn nur der arme Junge haben, Er schleicht auf einen Kirchhof vor der Stadt, Da hat gewiß er einen Schatz begraben, — Ja, einen Schatz, den er gestohlen hat.
Die Kaffern.
Die Kaffern hassen ungemein die Buren, Das sei zur Warnung mitgeteilt der Welt, Wir müssen liebend folgen ihren Spuren, Damit man uns nicht auch für Kaffern hält.
Der englische Sonntag.
Der Sonntag sei der Einkehr nur geweiht, Der Bürger füll' den Sonntag ans mit Beten, Doch der Soldat thu' seine Schuldigkeit Und soll den ganzen Sonntag Menschen töten.
Die Germaniamarke.
Sie sindet einig nicht das Reich, das starke, Obschon sich's anders hat der Kopf geträumt: So ist denn unsere Germaniamarke Nicht nur gummiert, sie ist auch noch geleimt.
Jul. Stettenheim.
Nachrichten vom Kriegsschauplätze.
(Ueber London).
In einem erbitterten Gefecht bei Sektfontein wurden 768 Buren getötet, 2057 verwundet und 3234 gefangen genommen. Auf englischer Seile wird ein Säbeltroddel vermißt.
In einer großen Schlacht bei Waterkop wurden drei Engländer verwundet. Der Kriegsminister Windhound teilte dies dem Parlamente in größter Entrüstung über die »verfluchte Frechheit" der Buren mit. Es wird geglaubt*), daß die Verluste der Buren sehr beträchtlich sind. Unser tief religiöfcS Volk war immer stark im Glauben.
Die Buren zerstörten zwei Brücken und drei Eisenbahndämme, nahmen 2000 Engländer gefangen, ein Munitionsdepot weg und mehrere befestigte Ortschaften ein, richteten aber keinen Schaden an. (.Münchner Jugend.")
*) Stereotype Wendung.


