Gemeindeschule zu Mittel-Gründau; die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende 1. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Falken-Gesäß, dem Herrn Grafen zu Erbach-Fürstenau steht das Präsentationsrecht zu derselben zu; die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende 2. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Weiten-Gesäß; eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Geiß-Nidda, sämtlich mit dem gesetzlichen, nach dem Dienstalter sich bemessenden Gehalt.
* • Die Verdeutschung von Fremdwörtern in der Armee wird weiter fortgesetzt. Nach der „Märk. Volksztg." ersetzt eine neue Vorschrift Menage durch Mannschaftsküche, Kantine durch Marketenderei, Oekonom durch Wirtschafter, Garderobe durch Kleiderablage.
* * Mit Umhängetaschen werden auf Veranlassung des Reichs-Postamts bei einigen Postanstalten die Ortsbriefträger an Stelle der jetzt gebräuchlichen, zum Umschnallen um den Leib eingerichteten Briefträgertaschen versehen werden, um zu erproben, ob diese Trageweise für die Handhabung des Bestelldienstes und insbesondere auch vom gesundheitlichen Standpunkte etwa den Vorzug verdient.
* * Die Einführung einer ermäßigten Portolaxe für sogenannte Geschäftspapiere, das sind Prozeßakten, Rechnungen, Quittungen, Manuskripte für den Druck, Ladescheine und dergleichen im Jnlandsverkehr soll seitens der Reichspost geplant sein. Die meisten auswärtigen Staaten lassen schon heute „Geschäftspapiere" als Drucksachen zu, so daß diese Ermäßigung bisher nur für Postsachen galt, die von Deutschland aus ins Ausland, nicht aber für solche, die in Deutschland selbst verschickt wurden. Nach der „Nordd. Allg. Ztg." ist es im Neichspostamt noch nicht bis zu dem erwähnten Plan gediehen, sondern es finden nur Erwägungen in der angedeuteten Richtung statt, deren Ergebnis sich zurzeit noch nicht übersehen lasse.
Mainz, 24. September. Der heute hier stattqe- habte 6. hessische Katholikentag war außerordentlich zahlreich besucht. Die weiten Räume der „Stadthalle" waren samt ihren Galerieen bis auf den hintersten Winkel besetzt und dürften mindestens 6000 Personen anwesend gewesen sein. Zahlreich waren die umliegenden katholischen Orte vertreten. Von Parlamentariern hatten sich eingefunden die Reichstagsabgeordneten Lieber Camberg, Carl Trimborn-Köln, Dr. Schmitt-Mainz, die Landtagsabgeordneten Dr. Dael-Bensheim, Dr. Brentano-Offenbach, Dr. Frenag- Mainz, Pennlich-Bingen und Moltan-Mainz. Ferner war Bischof Haffner erschienen, der eine Ansprache an die Versammlung richtete. Nachdem Dr. Schmitt unter riesigem Beifall die Versammlung eröffnet hatte, sprach zunächst Christl. Rat Dr. Werthmann-Freiburg über die Pflichten der Katholiken auf dem Gebiete der Wohlthätigkeit und dann Trimborn-Köln Uber die Bedeutung des katholischen Vereinslebens. Dritter Redner war der Reichstagsabgeordnete Lieber, der über die allgemeine politische Lage im Reiche sprach und dabei die veränderte Situation und die veränderte Stellung des Centrums beleuchtete, dabei betonend, daß das Centrum nie einiger sei als im gegenwärtigen Augenblick. Als den gefährlichsten Feind bezeichnet Dr. Lieber die Sozialdemokraten, mit denen das Eentrum nie paktieren könne. Nach Lieber sprach noch Reichstagsabgeordneter Dr. Schmitt-Mainz, der sich über hessische Verhältnisse verbreitete und über die Imparität gegen die Katholiken bei Staatsanstellungen klagte. Die kommenden Landtagswahlen berührend, betont Dr. Schmitt ähnlich wie Lieber, daß man bei der Entscheidung immer die Sozialdemokratie als den größten Feind betrachten müsse.
□ Mainz, 24. September. In Anwesenheit von ca. 150 Mitgliedern tagte heute und gestern hier unter dem Vorsitz des Abgeordneten Haußmann-Stuttgart der 20.
liegt darin, daß sich in einem eng bemessenen Zeitraum zu viele bedeutsame Seelenkrisen zusammendrängen. „Hans" ist die Tochter eines Professors der Biologie, eine Figur von erquickender Frische. Daß derselbe Dreyer einen Junggesellenschwank „Großmama" geschrieben hat, stellt seiner Vielseitigkeit und seinem rastlosen Schaffensdrang das beste Zeugnis aus. Ein weicherer Poet ist der Wiener Arthur Schnitzler, dessen stimmungsvolle „Liebelei" berühmt geworden ist. Auch er hat die weitverbreitete Einaktermode mitgemacht und drei Merkchen verbunden, durch die sich das Grundmotiv von Schein und Sein zieht. „Der grüne Kakadu", nach einer verrufenen Spelunke genannt, führt auf den Hintergründe der französischen Revolution in einem an grotesken Zügen überreichen Rahmen eine schaurige Episode vor. Mit wenig Strichen hat hier der Dichter ein geniales Bild gezeichnet. „Die Gefährtin", ein düsteres Nachspiel zu einer unglücklichen Ehe, ist Insofern ein echter Schnitzler, als hier sein LieblingsthemavomVerhältnis,wcnnauchinneuerSchattierung, behandelt wird. „Paracelsus" endlich, der desselben Autors „Frage an das Schicksal" ins 16. Jahrhundert zurückverlegt, ist ein leichtes Vorspiel, dem etwas weniger Politur, mehr Hans Sächsische Derbheit zu wünschen wäre. Auch das Nesthäkchen auf dem Parnaß, Georg Hirschfeld, dessen erstes Drama „Die Mütter" bislang sein bestes geblieben ist, fehlt nicht mit der Dienstmädchenkomödie „Pauline", der der unverfälschte Berlinische Jargon, so trefflicher ausgenutzt wird, doch außerhalb der Rcichöhauptstadt nicht förderlich sein dürfte. Ein Dienstmädchen als Heldin einer Komödie ist sicher originell. Im Roman haben die Goncourts und andere daS schon vorher erprobt. Hirschfeld giebt vier Akte ohne die winzigste Handlung, aber voll ausgezeichneter Beobachtungen, nur daß Beobachtungen noch keine Handlung ausmachen und selbst ausgezeichnete Beobachtungen noch lange kein gutes Stück ergeben. In die erste Reihe gehört ferner noch das Märchen „Königskinder" von der Münchnerin Ernst RoSmer. Ich möchte meine Bedenken gegen eine
Parteitag der deutschen Volkspartei. Von bekannten Personen waren anwesend: Leopold Sonnemann- Frankfurt, die Neichstagsabgeordneten Konrad und Friedrich Haußmann, Abgeordneter Eckart, die Reichstagsabgeordneten Köhl - Würzburg und Muser - Mosbach, die Professoren Dr. Heimburger - Karlsruhe und Dr. Hoffmann - Stuttgart. Außerdem waren als Gäste anwesend die der freisinnigen Volkspartei angehörigen Reichstagsabgeordneten Bräsicke- Tilsit und Wintermeyer-WieSbaden. Während die gestrigen Beratungen sich nur auf Rechnungsablage und Erstattung von Reichs- und Landtagsberichten durch die Landtags- abgeordneten Saenger und Reichstagsabgeordneten Augst beschränkten, kam in der heutigen Sitzung die wichtige Frage der Arbeitslosen-Versicherung zur Verhandlung, welche auf verschiedenen Parteitagen der Volkspartei bereits Gegenstand eingehender Erörterung war und bisher immer lebhaften Widerstand bei den Parteimitgliedern aus Württemberg gefunden hatte. Referent war Leopold Sonnemann-Frankfurt, der in sehr eingehender Weise die ganze Materie behandelte und das Fehlen einer Arbeitslosen- Versicherung als eine große Lücke in unsrer Sozialgesetzgebung bezeichnete. Von mehreren Parteimitgliedern aus Württemberg wurden zwar einzelne Bedenken gegen eine solche Versicherung gemacht, doch nahm der Parteitag folgende von Sonnemann vorgelegte und dem engeren und weiteren Ausschuß sanktionierte Resolution einstimmig an: 1. Gemäß dem Programm der Deutschen Volkspartei ist eine Versicherung gegen die wirtschaftlichen Folgen unverschuldeter Arbeitslosigkeit eine der nächsten und dringendsten Aufgaben der deutschen Sozialpolitik. 2. Insoweit nicht die Gewerkschaften und Gewcrkvereine die obligatorische Versicherung zu übernehmen in Der Lage sind, ist eine Versicherung auf kommunaler Grundlage mit ortsstatutarisch einzuführendem Versicherungszwang zur Zeit der gangbarste Weg, um diese Aufgabe zu lösen. 3. Der erste Schritt, diese Versicherung zu fördern, wie es das Parteiprogramm verlangt, wäre ein Reichsgesetz, das den Gemeinden die heute fehlende Berechtigung gäbe, eine Versicherung auf solcher Grundlage bei sich einzuführen und das zugleich gewisse Normativbestimmungen aufstellte. 4. Die Gemeinden müßten vollständige Freiheit behalten, die Versicherung einzuführen oder nicht; diejenigen Gemeinden, welche davon nicht Gebrauch machen wollen, würden von dem Gesetz ganz unberührt bleiben. 5. In dem von der Kommission ausgearbeiteten Gesetzentwurf sieht der Parteitag die geeignete Grundlage für ein solches Gesetz.
Bingen, 23. September. Hinter dem Technikum hier wurde heute ein steinerner Sarg mit einem Gerippe aufgefunden. Die Länge der Leiche muß mindestens 1,95 Meter gewesen sein, da das Gerippe gekrümmt im Sarge liegt. Bemerkenswert ist, daß der Steinsarg aus 2 Stücken besteht, während die Römersärge aus einem Stücke gearbeitet waren. — Das Wasser ist seit einigen Tagen wieder langsam fallend. Es dürfte dies nicht lange dauern, da neuerdings große Regenmassen gefallen sind, die ein Steigen des Wassers bringen müssen.
Worms, 23. September. Der ledige Kaufmann U. in der Goethestraße hat sich gestern auf dem Speicher des Hintergebäudes seiner Behausung mittels Revolvers entleibt. Langwieriges Leiden soll die Veranlassung zu dem Selbstmord gewesen sein.
Vermischtes.
* M.Gladbach, 23. September. Auf dem Festmahl anläßlich der Enthüllung des Bismarck-Denkmals wurde ein Briefwechsel vorgelesen, der beweist, daß Professor Falb seinen guten Humor noch nicht verloren hat. Eine Stammtischrunde hatte nämlich vor einigen Tagen an „Herrn Falb, Wetteragent in Köln" eine Postkarte gesandt, in der er gebeten wurde, zur Enthüllung des Denkmals
Aufführung nicht unterdrücken, wenn man der Handlung nicht die für sie bestimmte Humperdinck'sche Musik mitgiebt. Das Melodram ist gewiß ein Zwitter, aber es wäre ein unberechtigter Eingriff, wollte man den Goldreif, den der Komponist geschmiedet, weglassen. Damit wäre die Zahl der hervorragenden Werke erschöpft.
In gemessenem Abstand mögen noch folgen: „Eine Liebesheirat" von Frau A. Baum berg (es ist merkwürdig, daß die meisten Vorkämpferinnen der Frauenemancipation mit dem männlichen Pseudonym kokettieren) und des Fürsten Wrede „Das Recht auf sich selbst". Ein übles Vorstadtmachwerk, wiewohl es von Paris bezogen wird, ist„Zaza". Leider enthält diese in jeder Phase verlogene französische Importware eine Paraderolle, für die eitle Schauspielerinnen nur zu dankbar sind. Zum schlimmsten Import gehört auch der „Schlafwagenkontrolleur". Eine Niete von der betriebsamen Schwankfirma Blumenthal und Kadelburg „Mathias Gollinger". Aber schon wiehert verheißungsvoll des „Weißen Rößl's" zweiter Teil: „Als ich wiederkam". Vermutlich werden alle deutschen Theater mit dieser Fortsetzung ein Zugpferd bekommen, das ihrem Thepiskarren über alle Fährmsse hinweghilft. Natürlich wird die Direktion neue Werke, die in Berlin, München oder Wien ihre Feuerprobe bestanden haben, möglichst schnell erwerben.
Schon jetzt läßt sich Voraussagen, daß die beginnende Saison eine Hochflut von Novitäten bringen wird. Unsere Dichter arbeiten eben mit einer Fixigkeit, als ob sie Lope de Vega um seine Fruchtbarkeit beneideten. Sie gönnen ihren Werken nicht genug Zeit zum Ausreisen, weil sie glauben, bei den raschlebigen Zeitgenossen in Vergessenheit zu geraten, wenn sie nicht jede Saison mindestens einmal ihre Aufwartung machen. Daher die geringe litterarische Auslese während der letzten Jahre. Dieser bedenkliche Hang zum Handwerksmäßigen schlägt der dramatischen Kunst niemals zum Heil an.
Ueber die älteren Werke, die zur Ausführung vorgesehen
gutes Wetter zu bestellen; auf seine freundliche Mitwirkun werde fest gerechnet. Diese Karte hat nun über Köln un Wien Professor Falb in Berlin, wo er jetzt seinen Wohnor hat, richtig erreicht, und Falb antwortete folgendes: „Sehr geehrte Herren! Ohne Sturm ist bei dem „Alten im Schlapphut" nun einmal nichts abgelaufen. Also: die Hüte festhallen, dann wirds schon gehen. Hochachtend Rudolf Falb/' Falb hatte es diesmal richtig getroffen.
• Wiesbaden, 23. September. In der vergangenen Nacht hat sich ein hier weilendes Fräulein Brun aus Petersburg in einem Anfall geistiger Störung aus dem Fenster gestürzt. Infolge der erlittenen Verletzungen, trat der Tod bald darauf ein.
* Jena, 23. September. O alte Burschenherrlichkeit! In dem nur durch die Saalebrücke von Jena getrennten Nachbarorte Wenigenjena wird jetzt mit dem Abbruch des weitbekannten Gasthofes zur grünen Tanne zum Zweck eines Neubaues begonnen. Mit dem alten Hause sind mancherlei geschichtliche interessante Erinnerungen verknüpft. Goethe, der dort 1818 wohnte, dichtete daselbst den „Erlkönig". Am 12. Juni 1815 erfolgte in der „Tanne" die Gründung der deutschen Burschenschaft.
• Hamburg, 23. September. Einen Tausendmal: schein als Geschenk für seine Ehrlichkeit hat ein Pferdeknecht hierselbst erhalten. Ein Pferdehändler am „Grünen Jäger" hatte sein Taschenbuch mit etwa 56 000 Mk. Inhalt in Reichskassenscheinen verloren. Als ein Pferdeknecht ein Pferd ins Freie führen wollte, fand er die Brieftasche auf einem Dunghaufen. Da der Knecht den Namen des Verlierers in dem Taschenbuch vorfand, eilte er schleunigst ins Hotel und überbrachte dem Pferdehändler sein verlorenes Eigentum. In der Freude über den wiedergesundenen Schatz und gerührt durch die Ehrlichkeit des Pferdeknechtes gab der Händler diesem einen „Tausender" zum Geschenk.
* Prag, 22. September. Das Geständnis des Hilsner erregt in Kuttenberg großes Aufsehen, obwohl angenommen wird, daß Hilsners Angaben vollständig erlogen sind. Hilsner hatte nach seiner Verurteilung eine gemeinsame Zelle mit einem wegen Todschlags in Untersuchung befindlichen Schuhmacher, der aber nicht wegen dieses Verbrechens, sondern blos wegen eines Vergehens zu drei Monaten Arrest verurteilt wurde. Als Hilsner mit diesem vorgestern abend aus dem Fenster in den Gefängnishof schaute, wurde gerade eine Telephonleitung installiert. Der Zellengenosse machte Hilsner gegenüber die Bemerkung, es werde der Galgen für ihn errichtet, im Hofe stehe bereits der Scharfrichter. Hierdurch wurde Hilsner derart erschreckt, daß er ein Geständnis abzulegen sich bereit erklärte. Er erzählte nun, daß er mit zwei Glaubensgenossen die Agnes Hruza ermordet habe, und fügte hinzu, daß feine Komplizen das Blut des Mädchens aufgefangen und weggetragen hätten. Das Geständnis wiederholte er vor dem Untersuchungsrichter. Diesem nannte er auch die angeblichen Komplizen, die nun steckbrieflich verfolgt werden. Man nimmt an, Hilsner habe den Versuch gemacht, durch dieses Geständnis wenigstens einen Aufschub der vermeintlich bevorstehenden Hinrichtung zu bewirken.
Belgrad, 22. September. Der Präsident der Belgrader Börse, ein mehrfacher Millionär, DimitrijeStamen- kovic, hat sich wegen schwerer Krankheit durch einen Schuß in den Unterleib getötet.
* Hammerfest, 23. September. Wie sich nunmehr herauSstellt, hat die Andree 'sch e Boje einen furchtbaren Stoß erhalten, welcher eine derartige Veränderung der Gestalt des Körpers herbeiführte, daß man in das Innere des Cylinders nicht hineinsehen kann und dieser wahrscheinlich von der Seite geöffnet werden muß, damit die Untersuchung des Inhaltes des Cylinders erfolgen könne. Die Boje wurde am 12. September bei einer Bärenjagd auf der Nordostseite des König Karl-Landes gesunden.
sind, bedarf es keiner langen Erörterung. Die Klassiker können nicht genug herangezogen werden. Nur hüte man sich vor Werken, die ein allzu großes Aufgebot von Personen verlangen, weil es sonst nicht ohne Verstümmelungen hergeht. „Götz" und „Wallenstein" erfordern in dieser Hinsicht einen beträchtlichen Aufwand. An Heinrich von Kleist sollte man nicht vorübergehen; „der Prinz von Homburg" ist auch auf einer kleinen Bühne zu bewältigen, und „der zerbrochene Krug" lohnt stets die Mühe einer Neueinstudierung. Auch Grillparzer dürfte getrost etwas mehr berücksichtigt werden. „Weh dem, der lügt" ist eine der wenigen Perlen unserer Lustspiellitteratur. Neben „Mcdea" und „Sappho" sollte man es einmal mit dem Esther-Fragment und der „Jüdin von Toledo" versuchen. Endlich sollte Anzengruber nicht vergessen werden. Nur „der Pfarrer von Kirchfeld" ist auch in Deutschland ein populäres Volksstück geworden. Die herbe Tragik des „Vierten Gebots" stößt gelegentlich auf Widerspruch. Niemand vermag sich jedoch dem Zauber der Komödien des österreichischen Dichters zu entziehen. „Doppelselbstmord" und „der G'wissenswurm" verfehlen niemals ihre Wirkung auf ein unbefangenes Publikum. In einer Scene Anzengruber steckt doch mehr Humor als in Oscar Blumenthals sämtlichen Schwänken. Hier soll sich die Bühne auf ihre Pflicht als Dienerin der Litteratnr besinnen.
Fühlung zwischen Bühne und Publikum bleibt ein erstrebenswertes Ziel, und sicher ist die Direktion, die am Beginn einer Winterkampagne steht, dem Publikum gegenüber von dem Wunsch beseelt, den Anzengruber in schlichten Versen so ausspricht:
„Drum lasset uns in Freundschaft Einander recht verstehn Die kurze Strecke Weges, Die wir zusammengehn!" Xy.


