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Nr. 226 Zweites Blatt Dienstag den 26. September 189»
Meßmer Anzeiger
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Kaiser Nikolaus in Darmstadt.
(Telephonmeldung des „Gießener Anzeiger.")
Darmstadt, 25. September.
Der Hofzug mit dem Kaiser und der Kaiserin von Rußland und den drei Großfürstinnen traf am Samstag nachmittag um l3® Uhr auf Station Egelsbach ein. Der Großherzog und die Großherzogin mit Prinzeß Elisabeth und Prinz Wilhelm von Hessen, dem Prinzen Ludwig von Battenberg und der Kronprinzessin von Rumänien hatten sich auf dem Bahnhof ' zum Empfang eingefunden. Außerdem waren anwesend Staatsminister Rothe, der russische Gesandte nebst Gemahlin, welche ein prachtvolles Bouquet überreichte, der russische Militär-Attache, außerdem Kammerherr Graf Lehndorf, Sekretär der Kaiserin, Hofdame Freiin von Rotsmann, Oberst von Krausnitz, Generaladjutant des Großherzogs, Oberstallmeister von Riedesel, die Adjutanten von Roeder und Krämer, Geheimrat Haas- Offenbach, Major von Knesebeck, der Bürgermeister und der Beigeordnete von Egelsbach. Die Herrschaften fuhren in 14 Hofwagen nach dem nahe gelegenen Schloß Wolfsgarten. In dem ersten vierspännigen Wagen saßen die Kaiserin von Rußland und die Großherzogin. In dem Gefolge fiel besonders die Amme der jüngsten Großfürstin in russischem Nationalkostüm auf. Die russischen Herrschaften erschienen in tiefer Trauer; der Hofzug mit dem Teil des Gefolges, der hier im alten Palais wohnt, fuhr nach Darmstadt.
Anläßlich der Anwesenheit des Zarenpaares in Darmstadt, welche sich voraussichtlich bis Ende Oktober ausdehnen wird, dürfte der Großherzog wohl Gelegenheit nehmen, dem russischen Monarchen die Künstlerkolonie, welche ec unter der Aufbietung persönlicher Opfer zur Hebung des heimischen Kunstgewerbes geschaffen, vorzustellen. Sie besteht aus Pariser, Münchener, Mainzer, Hamburger und Wiener Künstlern, die frei und unabhängig wirken können und nach keiner Richtung hin gebunden sind. Die Herren beziehen ein Jahresgehalt aus der großherzoglichen Schatulle und werden auf der Pariser Ausstellung ihr erstes gemeinsames Werk, die völlige Ausstattung eines eleganten Zimmers, dem öffentlichen Urteil unterbreiten Von Darmstadt will sich die Kaiserin von Rußland auf kurze Zeit nach Balmoral begeben, wohin sie ihre Schwestern, Prinzessin Viktoria von Battenberg und Großfürstin Elisabeth, die Gattin des Großfürsten Sergius Alexandrowitsch, begleiten werden. Zum
* Aas örogtnmm des Gießener Ztadttheaters für die Kpießeit 1899,1900.
Die Thatsache läßt sich nicht widerlegen, daß zu keiner Zeit das Jntereffe am Theater so rege war, wie in unseren Tagen. Nicht in jener Blüteepoche des griechischen Dramas, wo sich die dichterische Kraft des glänzenden Dreigestirns Aischylos, Sophokles und Euripides in den Dienst der nationalen Sache stellte; nicht zur Zeit eines Lope und Calderon, wo der Katholizismus seinen Reichtum entfaltete; nicht in den Tagen Shakespeares, der Englands Weltherrschaft und seine jungfräuliche Königin nicht genug feiern konnte; nicht in Frankreich unter dem Szepter des Sonnenkönigs; nicht in Deutschland, wo unsere Litteratur an einem kleinen Fürstenhofe neu erstarkte und eine klassische Nach' Hüte erlebte. Zu keiner Zeit genoß das Theater einer solchen Popularität. Aber die Thatsache bleibt bestehen, daß trotz des zunehmenden materiellen Wohlstandes, trotzdem sich der Kreis dessen, was die Bühne darstellen darf, immer mehr erweitert, die künstlerische Ernte sehr gering ausfällt. Alle Schwesterkünste bringen durchschnittlich mehr Kunstwerke hervor, als das Drama, weil sie nicht in dem Maße an die Rücksicht auf das Publikum gebunden sind. Das Publikum ist Richter, und dieser Richter hat das letzte Wort zu sprechen. ES will vor allen Dingen amüsiert werden. Darum sind die Dramatiker zu einem schwächlichen Kompromiß zwischen Kunsthöhe oder Höhenkunst und Tages- geschmack gezwungen. Und immer mehr wird das Theater in eine Richtung gedrängt, die. mit der Spezialitätenbühne Fühlung zu gewinnen sucht. Dieses abwechselungsreichere Genre ist auf dem Wege, die Vorherrschaft an sich zu reißen, zumal in den Großstädten, wo eine während des Tages dumpf arbeitende Menge das Bedürfnis hat, sich am Abend auszuspannen, Erholung von den Lasten des Berufes zu suchen. Diese Bevölkerung ist nicht mehr imstande, ein ernstes Drama aufzunehmen, sie will zerstreut sein; und
Besuch der Königin von England begiebt sich ebenfalls dahier die I österreichische Kronprinzessin Witwe Stefanie mit ihrer Tochter, ' der Erzherzogin Elisabeth, und mit Prinzessin Clementine, ihrer Schwester, in Begleitung des Königs von Belgien. Prinzessin Clementine, welche 27 Jahre zählt, ist bis jetzt unvermählt geblieben, seit der Wille ihrer Mutter sich vor sieben Jahren chrer ehelichen Verbindung mit ihrem Cousin, dem nunmehr verwitweten Fürsten Ferdinand von Bulgarien, entgegenstellte.
* * *
Während seines Aufenthalts in Kiel ist dem Zaren ein lustiger Zusammmenstoß passiert. Bei einem Spaziergang durch den Düsternbrook schlenderte der in Zivil befindliche Zar in Begleitung seines Adjutanten durch die Parkanlagen. Plötzlich prallte etwas gegen den Zaren: es war ein Matrose der deutschen Kriegsmarine, der einen dienstlichen Auftrag auszuführen hatte und in der Eile mit dem ihm wegen seiner Zivilkleidung unbekannten Zaren zusammengestoßen war. Ein „Pardon" von Seiten des weiterstürmenden Matrosen und ein höfliches „Bitte" aus dem Munde des Russenkaisers und der deutsch-russische Zusammenstoß war friedlich beigelegt.
Der Kaiserzug, mit dem das russische Kaiserpaar nach Darmstadt reiste, besteht nach den „H. R." aus elf vierachsigen Wagen von dunkelblauer Farbe, die an den Seitenwänden mit goldenen Streifen eingefaßt ist. Jeder Wagen hat 8 bis 12 Fenster; der Zug ist etwa 200 Meter lang. Sämtliche zur Reinigung und Unterhaltung der Wagen dienenden Gerätschaften werden im Zuge mitgeführt. Zur Aufnahme der Anlagen für die elektrische Kraft dient ein besonderer Wagen. Ferner ist ein Küchen- und ein Speisewagen eingestellt. Von dem etwa 50 Mann starken Wagenpersonal sprechen nur wenige und zwar nur gebrochen deutsch. Die Beamten tragen blusenartige Röcke aus schwarzem Tuch mit schwarzlackirrtem, ledernem Gürtel um den Leib und weite, ebenfalls schwarze Beinkleider, die in langen Stiefeln stecken. Als Kopfbedeckung dienen runde, schwarze Pelzmützen. Der Zug wird, wenn der Zar sich darin befindet, immer nur in ein und derselben Richtung gefahren und muß deshalb stets nach Einlaufen in eine Kopfstation gedreht werden, um demnächst wieder in der vorgeschriebenen Richtung hinauszufahren. Selten reichen die Bahnhofsanlagen aus, um einen solchen Zug von 200 Meter Länge zu drehen, und wohl keine Station ist mit i Drehscheiben ausgerüstet, um die über 20 Meter langen
wenn sie diese Befriedigung nicht im Theater findet, wendet sie sich dem Variete zu.
In einer kleinen Stadt kann das Theater erziehlicher wirken. Es muß seine Aufgabe darin suchen, den Geschmack des Publikums zu heben und zu läutern. Das wird ihm leichter werden, wenn es, wie in Gießen, auf die Unterstützung leitender Kreise zählen darf. Freilich muß es den Wünschen aller Klassen soviel wie möglich Rechnung tragen, und diese Wünsche mögen ost recht weit auseinandergehen. Aber daraus kann man einer ernstlich strebenden Bühne keinen Vorwurf machen, das ist in unseren sozialen Zuständen begründet. Keine Zeit hat so viele Gattungen, Arten und Abarten des Dramas gepflegt, wie die unsrige. Es hat jahrhundertelanger Entwickelung bedurft, um zwischen die beiden Endstationen der Tragödie und der Komödie Bindeglieder zu schieben. Wo immer ein Stück des Lebens gebannt ist, da fragen wir nicht viel nach der Gattung. Die Summe aller dieser Stilarten ist doch nur ein Bruchstück vom farbigen Abglanz des Lebens. Wir verlangen von dem Dichter nur, daß er einen wahrheitsgetreuen Ausschnitt unseres Daseins liefere, und daß er das willkürliche Nebeneinander einer höheren Idee unterordne. Wenn ihm das in einem Schwank gelingt, soll es uns recht sein; denn gleich Friedrich Hebbel ist uns allen eine gute Posse lieber, als ein schlechtes Trauerspiel.
Soweit eine Vorankündigung Schlüsse zuläßt, war die Direktion des Gießener Stadttheaters eiftig bemüht, einen möglichst mannigfaltigen Spielplan zu entwerfen. Keine Richtung scheint übergebührlich bevorzugt, keine stiefmütterlich behandelt. „Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen": so empfiehlt es schon der Direktor im Vorspiel zum „Faust". Einen Teil dieser Werke zur Aufführung zu bringen, erfordert schon, wenn man die Zahl von ungefähr hundert Vorstellungen ins Auge faßt, die angestrengte Arbeit der Schauspieler, die sich in neue Rollen doch erst einleben müffen. Ueber die hauptsächlichsten Novi
Wagen einzeln zu wenden. Deshalb müssen die Züge gewöhnlich eine Rundfahrt über viele Stationen antreten, wodurch die erforderliche Drehung erreicht wird. Zu diesem Zwecke fuhr der Kaiserzug am Mittwoch von Kiel über Neumünster nach Ascheberg und von dort nach Kiel zurück, wobei er eine Leerfahrt von 83 Kilometer zurücklegte. Nebenbei sei noch bemerkt, daß beim Uebergang von Rußland nach Deutschland die Entfernung her Näder jeder Achse verringert werden muß, da die deutschen Bahnen geringere Spurweite als die russischen haben.
Ksksies und MovinMrs.
Gießen, 24. September 1899.
•* Königsurlaub. Während des nunmehr eingetretenen sogenannten Königsurlaubs d. h. der Zeit zwischen Reserve- Entlassung und Rekruten-Einstellung, tritt bei den einzelnen Truppenteilen keineswegs eine dienstliche Ruhepause ein. Vielmehr wird in erster Linie die durch das ungünstige Wetter der letzten Manövertage stark beschädigte Bekleidung und Ausrüstung wieder in stand gesetzt, dann erfolgt die Zusammenstellung der für die Rekrutenausbildung bestimmten Chargen in eigene Trupps zu einer sie auf jene Thätigkeit vorbereitenden Unterweisung. Auch einzelne Hebungen des Beurlaubtenstands finden demnächst noch statt, so beispielsweise beim Train. Im übrigen bildet diese an und für sich kurze Zeit noch Gelegenheit zu umfangreicheren Beurlaubungen von Offizieren und Kapitulanten, an welchen das übrige militärische Dienstjahr mit seinen mannigfachen und zahlreichen Anforderungen ohnehin nicht reich ist.
** Offene Lehrerstelleu. Erledigt sind: eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerftelle an der Gemeindeschule zu Neu-Isenburg, ntit der Stelle können die Funktionen eines Oberlehrers, dem eventuell eine Vergütung von 300 Mk. und mehr gewährt werden kann, verbunden werden; die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Höllerbach, dem Herrn Fürsten zu Löwenstein-WertheimNosenberg und dem Herrn Grafen zu Erbach-Schönberg steht das Präsentationsrecht zu derselben zu; die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende 1. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Mittel-Gründau, mit der Stelle ist Organistendienst verbunden, dem Herrn Fürsten zu Isenburg und Büdiügen steht das Präsentationsrecht zu derselben zu; die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende 2. Lehrerstelle yan der
täten sei hier ein kurzes Wort der Orientierung gesagt: Sudermann und Wildenbruch haben mit ihren letzten Werken keine Treffer gezogen. Des ersteren Märchendichtung „Die drei Reiherfedern" ist überall nur einer lauen Aufnahme begegnet, und Wildenbruchs „Gewitternacht" mußte sich sogar eine empfindliche Ablehnung gefallen lassen. Die Direktion konnte also billigerwrise auf diese beiden Werke verzichten. Auch Max Halbe, der Dichter der „Jugend", war in der verflossenen Spielzeit nicht vom Glücke begünstigt. Seine Renaissancetragödie „Der Eroberer" wurde bei der ersten Aufführung unter Hohnlachen begraben, und sein modernes Drama „Die Heimatlosen" vermochte die erlittene Scharte nicht recht auszuwetzen; immerhin hat es seine Bühnenwirksamkeit bewiesen. Dem geschmeidigen Ludwig Fulda bleiben so trübe Erfahrungen erspart, er kennt den Geschmack seines Publikums. Seine Tragödie „Herostrat" könnte auch mit den beschränkteren Mitteln einer kleinen Bühne zur Darstellung kommen, den Schauspielern sind durchweg dankbare Rolle geboten. Viel bedenklicher will mir dagegen eine Aufführung des „Cyrano von Bergerac" erscheinen, weil sie sehr große Anforderungen an die Jnszenierungskunst stellt, ganz abgesehen von der Fülle der darin auftretenden Personen. Hier hat sich Fulda auf der bewährten Höhe seines UebersetzungStalents gezeigt. Von den drei Einaktern, die zu einem „Fulda-Abend" vereinigt werden sollen, sind „Die Zeche" und „Ein Ehrenhandel" neu, anspruchslose Opuscula, die überall des Erfolges sicher sein können.
Vollblütiger, saftiger ist im Vergleich hiermit Max Drey er's „Unter blonden Bestien". Dieser junge Dichter, der sich sehr rasch einen Platz in der allerersten Reihe erobert, verdankt ihn seinem letzten Schauspiel „Hans". Seine Hauptvorzüge offenbaren sich hier in einer teilweise wundervollen Zeichnung der Gestalten und in eitlem sprühenden Dialog, der von getüftelter Geistreichelei ebensoweit entfernt ist, wie von platter Nüchternheit; der Hauptfehler des Stückes


