1809
Drittes Blatt
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Hilfe durch Errichtung von eigenen Viehversicherungskassen i oder geeignete Abschlüsse mit bestehenden Viehversicherungs- gesellschasten den Versuch zu machen, die Fleischer vor den schwersten Schäden, die ihnen aus der Verordnung erwachsen können, zu bewahren. Zu einer sehr lebhaften und lehrreichen Erörterung gab natürlich das Fletschbeschaugesetz I Veranlassung. Der Reichstagsabgeordnete Dr. Vielhaben hielt hierzu den einleitenden Vortrag. Er suchte die Notwendigkeit des Zusammengehens der Fleischer mit den Agrariern nachzuweisen, da die Fleischer allein zu schwach seien, ein Gesetz nach ihren Wünschen durchzusetzen. Vor allem komme es darauf an, der Ueberschwemmung Deutsch- I lands mit ausländischen, insbesondere amerikanischen Fleiscy- waren ein Ende zu machen, die das Fleischergewerbe zu erdrücken drohe. In diesem wichtigsten Punkte hatten Fleischer und Landwirte das gleiche Interesse. Deshalb I müßten sie sich in minder wichtigen Streitpunkten gegenftitg Zugeständnisse machen. Die Fleischer hätten bei ihrer I Vereinbarung mit Vertretern der sämtlichen deutschen Bauern- I , vereine in Frankfurt a. M. den Landwirten m der Befreiung der Hausschlachtungen von der Fleischbeschau nach- gegeben; dafür seien die Agrarier bereit, künftighin der I Wiedereinfuhr lebenden Viehs soweit sie ohne Gefahr der Seucheneinschleppung geschehen könne, keinen VZlderstan I entgegenzusetzen. Mit diesem Erfolge sollte auch der Fleischerverband sich zufrieden erklären. Die Ausfassung Vielhabens fand bei den Delegierten des Verbandes zum Teil recht energischen Widerspruch. Man war der Meinung, daß das Fleischergewerbe bei der Frankfurter Vereinbarung ein schlechtes Geschäft gemacht habe; die Befreiung der Hausschlachtungen bedeute em weitreichendes Entgegen- | kommen, während auf die Zusage der Agrarier wegen der Vieheinfuhr nach den bisherigen Erfahrungen in dieser Frage kein großer Wert zu legen sei; die Seuchengefahr
I könne auch in Zukunft immer wieder als Vorwand gegen die Vieheinfuhr vorgeschoben werden. Anträge wurden zu
I dieser allgemeinen Frage indes nicht gestellt. Zum Fletsch' I beschaugesetz selbst wurden namentlich gegen zwei Ve- I stimmungen schwere Bedenken geltend gemacht; einmal gegen die erst von der Reichstagskommission in das Gesetz hinem- qebrachte Vorschrift des § 14, wonach geschlachtetes Vieh
I nur in ungeteiltem Zustande eingeführt werden dürfe. I Dies werde zur Errichtung von Schlachthäusern an der Grenze führen, aus denen dann das Fleisch in Gefrier- waqen durch das ganze Reich vertrieben werden wurde.
I Hierin liege die große Gefahr, daß nach amerikanischem Muster der deutsche Fleischhandel in wenigen Händen sich konzentriere und der kleine und mittlere Fleischer um seme I Existenz gebracht werde. Ebenso war man der Ansicht, daß der § 19, wonach Fleisch, das einmal untersucht sei, im deutschen Reiche nicht mehr untersucht werden dürfe, dem Großbetrieb Vorichub leiste und bekämpft werden müsse. Endlich wurden die Bestimmungen gegen die An-
I Wendung von Konservierungsmitteln als zu scharf bemängelt. Im Gegensatz zu diesem und sonstigem strengen Vorgehen gegen das Fleischergewerbe wurde die unerhörte Milde der | Behörden gegenüber der Fütterung des Schlachtviehs durch die Landwirte mit drastischen Worten beleuchtet. Die Fütterung mit Kunstfutter wurde geradezu als eine Fälschung : bezeichnet. Man faßte eine Resolution gegen diese Fütterung und verlangte ein Verbot der Schwemefütterung mit Abdeckereiabfällen. Der Verband nahm sodann einen Antrag an, daß bei der Einführung der allgemeinen Fleischbeschau haibinvalide Fleischer soweit als möglich als Beschauer anqestellt werden möchten. Heber die Notwendigkeit der Errichtung von Zentralarbeitsnachweisen im Fleischerverband ainqen die Meinungen auseinander. Es stellte sich heraus, daß das Bedürfnis dafür in einzelnen Landesteilen vorhanden ist, in anderen nicht. Der Verbandstag beschloß deshalb die Frage den einzelnen Bezirksvereinen zur Entscheidung zu überlassen. Bezüglich der Konsumvereine, durch die sich das Fleischergewerbe schwer geschädigt sieht, wurde beschlossen, dahin zu wirken, daß sie starker als bisher zu den Steuern herangezogen werden und ihre Errichtung von dem Bedürfnis abhängig gemacht werden solle. Die übrigen Punkte der Tagesordnung betrafen wehr innere Angelegenheiten des Verbandes. — Der nächste Verbandstag soll in Nürnberg abgehalten werden.
* Ein 'fesselndes Raturschauspiel wurde am Montag vormittag in Warmbrunn während des Kurkonzerts aus einer in der Nähe des Kursaales gelegenen Wiese beobachtet. Urplötzlich, bei vollständiger Windstille, begann das auf der Wiese lagernde halbtrockene Heu sich in kreisrunder Form zu bewegen. Die rotierende Bewegung griff immer weiter
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Vermischtes.
' D« Ausnutzung der Urheberrechte. Daß der englische I । BuckMdi-l in der Lage ist, entweder zu Lebzeiten oder kurz andrem Tode eines Schriftstellers dessen Werke wirklich der i Gemeinheit zugänglich zu machen, zeugt von einer I trefifii Organisation. Die Regel des internationalen Hrh Äimchts, daß die Werke verstorbener Schriftsteller noch dreWia Jahre nach deren Tod geschützt sind, bildet für die I cngbiHm Verleger fein Hindernis, Volksausgaben zu vertust iüülttn. Vor einigen Jahren gab die Firma Ma cm Ulan I u Ogo,ßambon und New-York, eine ungemein ansprechende, billi g Sammlung der Werke Alfred Tennysons in kleinen Bämilchm heraus. Jetzt ist sie weiter gegangen, indem sie für t bin t ngemein billigen Preis um 3% Shilling die samt- I licheimWei'ke desselben Dichters in einem Bande herausgegeben hat ;ber Druck ist klar und für jedes normale Auge groß geniiwtz des Papier von besserer Beschaffenheit als dasjenige uns«;:»! Volksbücher, der Einband in Ganzleinen einfach I und t geschmackvoll. Kein Engländer darf sich die Anschaffung I einen»; «Drnnyson" mehr versagen, es gibt Ausgaben für! alleL IDliiin muß neben dem weiten Geschäftsblick der Verleger, I die inj diese Weise mit Erfolg auf die Masse hin arbeiten, I auckvy die Bereitwilligkeit loben, mit der die Erben der I Urft itber :,mf diese Pläne eingehen. Auf dem Festlande gehör ct dies, rationelle Art der Verbreitung zu den Ausnahmen; VemMcr und Rechtsnachfolger verschanzen sich in die feste Sirini bror Urheberrechte. Zwei Beispiele aus Deutschland I und i ftaükreich sind bezeichnend. Vor zwei oder drei Jahren I mariea Rückerts Werke „frei" geworden; es erschienen meh'Mk Ausgaben, allein wir möchten wissen, mit welchem I Erftach. Hütte man „Rückert" etwa kurz nach dem Kriege auf*!, als der Dichter noch srisch tm Andenken des den Mm'Lolkes lebte, die gesammelten Werke wären sicherlich zu bmilcii Tausenden Exemplaren abgegangen. In Frankreich habdeer. wir ein Gegenstück an Viktor Hugo. Dieser hatte zwai'i Gr und, sich über den unberechtigten Nachdruck zu > beWm, dem seine Werke bis spät in die fünfziger Jahre ausAchM waren, allein er war bekanntlich ein Geldmensch, wciMniG ein Geizhals, und traf in seiner Selbstüberschätzung die !>M Verfügung, daß erst nach und nach seine hinterlassenen WeLiÄr biie Nachwelt erfreuen dürften, setzte hohe Verkauss- prc siji am und schloß wirkliche Volksausgaben vollständig aus;.-. )i:tzt noch erscheint alle paar Jahre ein Band „Hugo" neu vom den bereits früher erschienenen Werken gibt es cüirt’oöea zwei Sammlungen, allein sie werden nicht mehr qefM Di- Seit für Hugo ist vorbei K-uu-r der sra Mischen Sitteratur und des französischen Geschmacks fyaEMi biied bei seinem Tode, als man endlich den Halbgott etwMk kiitisch beleuchten durfte, vorausgesagt. Einiges, wie Leuisliserables ober Notre- Dame de Paris, sindet noch Absatz, im 2 ibriogen aber gehört der große Romantiker mehr der Litidlmiurgeschichte an, als er Volksgut geworden ist. Vor furmyn ffand in London ein internationaler Verlege r- l oima ß statt. Er zeichnete sich durch schwachen Besuch . unU»'ch.Lltlose Verhandlungen aus. Nur die Frage des
' amaiÄmischen Büchernachdrucks wurde etwas eingehend eröQ3t:?ty bot aber nur für die Engländer und Amerikaner eina ^mittelbares Interesse. Die nächste Tagung sindet auftj^iR anlassung des Herrn Karl Eiigelhorn, eines unserer verÄftstlichsten Vulgarimtoren unter den Verlegern, in Leipzig staÄÄ Es würde sicherlich dem Buchhandel und dem lesenden PukMiIivn zugute fommeu, wenn man dort die verschiedenen ErWiuingen mit der Ausnutzung des Urheberrechts, dem BrWssireise, dem Verfahren zur Verbreitung der Auflagen uftM gciiindlich erörtern wollte. Jedes Land hat seinen Zopf unÄiiiMs könnte von dem andern lernen.
' Der deutsche Fleischerverband hielt seinen diesjährigen, 2^.!.6e:rbanbdtag am 21. und 22. Juni in Posen ab. JrjW Auife des letzten Geschäftsjahres sind dem Verbände lllld Mitglieder neu beigetreten, sodaß er zurzeit 28174 MWrNer umfaßt. Aus den zahlreichen und wichtigen Gck.xMnden der diesmaligen Verhandlungen ist, wie die „A/iftmeine Fleischer-Zeitung" berichtet, zunächst zu er» wächm die Kaiserliche Verordnung über die Hauptmangel behn Meh und die Gewährfrist. Lebhafte Klage wurde da^:u! geführt, daß die Zahl der Hauptfehler, für die der VMchsrr dem Käufer haftbar sei, unbegreiflich knapp be- menfjiii sei; den Landwirten und Viehzüchtern seien auf KlÄfti, der Fleischer auch bei dieser Gelegenheit wieder V«ÄM, zugewendet worden. Die Versammlung beschloß, bwt®6 tidn Immediatgesuch beim Kaiser wegen Ergänzung beitü Haciuptmängel für Schlachtvieh vorstellig zu werden, awÄncheits aber für alle Fälle auf dem Wege der selbst-
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um sich und nahm ein immer lebhafteres Tempo an. Allmählich flog das ganze Heu irn Gewicht vori vielenlCentnern pfeilschnell in die Höhe, woselbst es, in kleine Atome zerstäub? eine ziemliche Strecke in der Luft fortgetrieben wurde und schließlich auf die angrenzenden Felder herabstel. Ganz in der Nähe stehende Personen hatten wahrend des ganzen, wohl durch eine Windhose hervorgerufenen Vorganges auch nicht den leisesten Lustzug verspürt. . .... 8
* Die Wiederbelebung des altgriechischen Frauenlos ums. Die Frauen, die dem „Oakland Good Health Club in Chicago angehören, beschlossen jungst, Zukunft weder Schnürleibchen, noch den Körper umspannende Gürtel, noch Schnürschuhe, welche den Unterteil des Seines zusammen- vressen zu tragen. Dieser Beschluß wurde einstimmig in einer Versammlung des Klubs gesaßt, in welcher Fräulein Armstrong eine interessante Arbeit über alle ^ra“cnIcitL^ die von zu engen Kleidungsstücken herruhren, verlas. Am Schluß ihres Vortrags empfahl Fräulein Armstrong die
I Einführung des griechischen Kostüms, das dem Körper voll Freiheit der Bewegungen läßt. Der „Oakland Good Health Club" wurde vor einigen Jahren ^uer beeister e Anhängerin des „Ralstonismus" gegründet, ver die Menschen über den Wert der Gesundheit aufklaren und> sicemem Nahrunqsreqime zuführen will, das ausschließlich Cerealien,
I Obst, Fische und junge Hühner umfaßt. Die Mitglieder des Klubs müssen außerdem etwas Gymnastik ftreiberi früh morgens barfuß durch den Thau waten und beizeiten schlafen gehen. Auf einem Bankett, wo gehacktes Huhner-
I fleisch und Weizenbrei das ganze Menu bildeten, wurde die I ^l)ee der Reform der Frauenkleidung geboren. Die Frauen, die die in der Generalversammlung übernommene Verpflichtung nicht halten, machen sich nicht strafbar; dasie alle aber, ohne dazu gezwungen zu fein, auch die im Klub geltenden Nahrungsvorschriften getreu befolgen, darf man wohl annehmen, daß man die meisten Mitglieder des Klubs I bald mit flatternden Faltenroben, wie sie im Altertum üblich I waren, bekleidet sehen wird.
UmverMs Nachrichten.
— Beluchsziffern der deutschen Hniversitäten. An den deutschen Universitäten (einschliehlich der Akademie Münster) find im lausenden Sommer 33,563 Studenten immatrikuliert gegen 32 233 tm Winter und 32,230 tm vorigen Sommer, also nMer eine
SÄ i1^7 M Äb S SÄ feÄ ®r?bnS (775 (u“? Sn 814 XÄX ,77R nnb 7331 £na 732 (664 unb 755), Münster 594 (566 unh 537) und endlich Rostock 475 (448 und 462). 31,279 sind als Angebörtge des deutschen Reiches, 2284 als Ausländer verreichne
Landwirtschaft. Die Juristen, Philologen und Mathematiker wet en wieder eine starke Zunahme, die evangelischen Theologen und auch die Mediziner eine langsame Abnahme auf.
Mteratur, Wissenschaft und Kunst.
- Das scheidende Jahrhundert hat uns so viele und so aroüe Fortschritte auf allen Gebieten gebracht, daß es schwer ist, I dieselben sämtlich zu übersehen. Umsomehr ist es zu bearüßen, wenn uns über e7n oder den anderen Gegenstand eine so tnstrnive und I anziehende Zusammenstellung geboten wird, wie sie Herr Postkontrolor Hans v. Hellrigl in seiner Karte: ^ie Entwi^ des Televhonwesens in Oesterreich 1881 bis 1898 , I Preis 50 Kreuzer, hergestellt und erschienen in b" Astens bekannten kartographischen Anstalt G. Freytag & Berndt V1I/1, veröffentlicht. I Nebst einer Karte, die alle derzeit bestehenden Telephonlinien Oesterreichs überseden läßt, gibt der Verfasser in deutlichen Diagrammen an, welche größeren tnterurbanen, bezw. internationalen' Berbindungen I in Oesternich bestehen und seit wann, die Anzahl der interurban verbundenen Orte (1886:2 — 1898:228), die Verteilung der Ende I 1898 angeschloffenen Teilnehmer und öffentlichen Sprechstellen auf die Landeshauptstädte und größeren Orte bezw. der Telephon- I nebe „nd Teilnehmer auf die einzelnen Kronländer, Daten über das tnoeftlerte ftapital, di- Dicht- d-r T-,-pb°nI-ttun«-n durch Bmchnung I der Bodenfläche auf 1 Kilometer Draht, die Anzahl der Gespräche ver Teilnehmer, das Verhältnis der Teilnehmer zur Einwohnerzahl ' " Es würde lu weti führen, all di- int-rch-ntm D-I-n ht-r I -tnaebend zu besprechen, so gerne wir das auch möchten; wir empfehlen I jedoch unseren Lesern, die in allen Buchhandlungen erhältliche Karte sich anzuschaffen uud daraus die großen Fortschritte dieses modernste I Verkehrsmittels zu entnehmen, das uns heute schon so unentbehrlich I ist, daß wir uns ohne dasselbe gar nicht mehr behelfen können.


