1800
Dienstag den 25. April
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Feuilleton.
Ktiver ßromwell.
Der Lord-Protektor von England.
Jim Gedächtnis seines 300. Geburtstags. 25. April, von Dr. Walter Göhring.
(Nachdruck verboten.)
,ölvn der Parteien Gunst und Haß verwirrt, schwankt jein Harakterbild in der Geschichte" — oder vielmehr, es schlaft nicht mehr, denn Klio mit ihrem gerechten Griffel har: cklich das Bild des großen Feldherrn und Staats- ma.uvw von den Flecken gereinigt, mit welchen die Wut und bm: haß, seiner Feinde es bedeckt hatte. Jedes von ge- häs'.Dr Tendenz freie Geschichtswerk läßt jetzt den ausge« jet',£.ti<n Eigenschaften Oliver Cromwells Gerechtigkeit wilidchhren, ohne daß man auf der anderen Seite die <5dtyctt7i feines Charakters verkennt. Ein Jdealmensch war eriiiMlich nicht, sondern eine entfchloffene, eiserne Ge- roaidütiiir, wie der Ernst der Zeit sie erforderte. Die Ge- schixch '«lt-Englands ist mit Blut geschrieben — und alles in coftan bildete Cromwell gegen Monarchen vom Schlage Kalii^I. und II. immer noch das kleinere Nebel, denn wäh- icrihttafe ein Conglomerat von fast ausschließlich schlechten EilWchaften bildeten, stempelten ihn große und wahrhaft ber'Mbsrnswerte Talente und Züge zu einem der besten M»lbchh<llber Britanniens.
Lelianntlich hat sich England erst durch eine jahrhunderte lamZ! blutige Vergangenheit zu seinem gegenwärtigen Zu- ftauikPjm bürgerlicher Freiheit hindurchgerungen. Grausame Rritsgi iinb furchtbare Revolutionen erschütterten das un- glri:«Lch-! Land bis in seine Tiefen, und die Reformation waiMhiur wie in anderen Staaten einen neuen Zankapfel an tut übte Parteien. Erst unter Elisabeths glorreicher RelMmi.-g kehrten vorübergehend Ruhe und Friede tu das gecMllr: Land ein, Handel und Schifffahrt blühten unter ihrksa Mrsorglichen Herrschaft auf, selbst das mächtige
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als auf den ersten Blick scheinen wollte. In der konservativen Partei herrschen zwei Strörnrnungen in Bezug auf die Beurteilung der Vorlage. Die eine folgt der strikt agrarischen Losung, die allerdings keinem anderen ceterum censeo zugänglich sein dürfte, als dem, daß die Vorlage abgelehnt werden muffe. Die andere möchte sich der Einsicht nicht verschließen, daß in der vielangefochtenen Gesetzesvorlage doch ein nicht unwesentlicher Schutz der heimischen Landwirtschaft gegen eine unlautere Konkurrenz des Auslandes liege. Auf diese Weise ist zu hoffen, daß sich eme Mehrheit im Reichstage zusammensinden werde, für welche die hygienischen und sozialpolitischen Folgen emes Fle's.chschau- qesetzes höher stehen, als die Sorgen, daß die Landwirtschaft ihr Streben, die Viehproduktion noch rascher zu vervoll-
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Deutsches Keich-
M i, 22. April. Die Kaiserin ist heute nachmittag !lLh ir Primkenau zum Besuch ihres Bruders, des Herzogs ^'n ri Tümther von Schleswig-Holstein und deffen Gemahlin eumtetiojpn. Das herzogliche Paar war zum Empfange der üflüijtirm anwesend. Auch ein zahlreiches Publikum hatte I sich । tincstsunden. Auf dem Bahnhofe Sprottau, den die 8aif*til «uf ihrer Durchfahrt passierte, brachte eine große terric der Kaiserin herzliche Ovationen dar.
knl a, 22. April. Das Staatsministerium r it 1 silllL nachmittag um 3 Uhr ün Dienstgebäude unter . mi korktz des Reichskanzlers Fürsten Hohenlohe zu einer SitztzZg zirsammen.
kerliu, 22. April. Minister v. Miquel empfing ifstvtTtnabrmd drei Herren des Vor stand es des Central- ' . Waides des Vereins selbständiger Ge- , f ledetr eib end er. Die Herren erörterten in Anlehnung in Mi dem Minister eingereichte Denkschrift die Lage der lutufltim und kleinen Gewerbetreibenden, die Gefahren der ito iW Warenhäuser usw. Der Minister legte dar, wie fehlt bet Regierung die Erhaltung eines gesunden, gewerbe- thäMzen Mittelstandes am Herzen liege. Er empfahl die vil üoing won Kredit- und Einkaufs-Genossenschaften.
Sirbin, 22. April. Die „Post" konstatiert, daß die MeMng der deutsche Kreuzer ..Gefion" werde sofort uackiH Za m o a abgehen und ein anderer ihm bald folgen, an i hiesiger unterrichteter Stelle als unrichtig bezeichnet wir 3. t,
fltrliin, 22. April. Zur Maifeier, die diesmal anl-lHich der 10jährigen Wiederkehr des Pariser Beschlusses gawH brsivnders begangen werden wird, treffen die Gewerk- chachin und politischen Vereine große Vorbereitungen. Am ! ®ai halten alle Gewerkschaften große Versammlungen ab !md nbends finden Festlichkeiten in Sommerlokalen statt. Voiutiimr Arbeitsruhe wird bei den meisten Gewerken AbMb.genommen, um Konflikte zu vermeiden. Die An- .ud:)iijltn halten gesonderte Maifeiern ab. Die erste Matfest- 5et<ting list bereits heute in Berlin erschienen.
U.k .6. Berlin, 22. März. Wie wir aus dem Reichs- t(ii3nt osrnehmen, stellen sich die Aussichten des Fleisch- sch öoigi setzes in Wirklichkeit doch etwas günstiger dar,
Spanien, die erste Seemacht jener Zeit, sah sich bald überflügelt. Unter ihren Nachfolgern brach die Verwirrung indessen um so schrecklicher wieder herein. Jakob L, der Sohn Maria Stuarts, ein feiger, charakterloser und selbstherrlicher Monarch, machte sich zwei mächtige Religionsparteien, die Presbyterianer und Puritaner, zu erbitterten Feinden, er ward der Urheber jenes schroffen Gegensatzes zwischen Volk und Königtum, ber au erbüterteri
Streitigkeiten zwischen beiden Teilen führte, und schließlich mit dem Untergange der Stuart'schen Dynastie endigte. Sein Sohn Karl I. (1625—1649), mit einer französischen katholischen Prinzessin vermählt, und bei seiner Thronbesteigung 25 Jahre alt, war bei dem englischen Volke Nicht beliebt weil er eine Katholikin zur Frau genommen hatte, und den verhaßten Günstling seines Vaters, Buckingham, als Minister behielt. Dazu kam noch, daß er cm eigensinniger, willkürlicher Mann war, der, wie sein Vater m der gänzlichen Unterdrückung der Volksrechte und einer absoluten Monarchie das Ziel seiner beschränkten und kurzsichtigen Politik erblickte. Mehreremale loste er das für ein Recht kämpfende Parlament aus, elf Jahre regierte er ohne Parlament und trieb die Steuern mit Waffengewalt ein ia er berief erst dann die Volksvertretung wieder, als die' presbyterianischen Schotten infolge religiöser Bedrückung sich erhoben und 1640 unter Montrose und Leslie m England einfielen. Das Parlament weigerte sich aber, bic geforderten Kriegsmittel zu bewilligen, bevor der Komg nicht Abhilfe für die Beschwerden des Volkes geschafft hätte, trotzdem diese Mittel in herrischster Weise als eme Art schuldiger Tribut gefordert wurden. Der König loste es daher nach vier Wochen bereits wieder auf, um es im Drange der Not im November wiederum zusammenzuberufen. Am 3 November 1640 versammelte sich das Parlament, um sich erst 20 Jahre später wieder aufzulösen: Das ..lange Parlament" heißt es deshalb in der Geschichte. Energisch traten die Abgeordneten auf, der König mußte seinen Minister Strafford opfern, der des Hochverrats angeklagt wurde und am 11 Mai 1641 das Schaffot bestieg. Maffenmorde der Protestanten in Irland forderten scharfe Maßregeln der
Parlaments heraus, sodaß Karl schließlich den Entschluß faßte, die Führer der Opposition einfach gefangennehme», und unschädlich machen zu lassen. Das Parlament leistete thätlichcn Widerstand, und der König mußte endlich zu den Waffen greifen. Mit Mühe brachte der verhaßte Tyrann ein Heer auf, wogegen dem Parlament die Kämpfer in Masse zuströmten. Trotzdem war anfangs bei seinen Waffen der Sieg, weil er kriegsgewandtere Truppen besaß. Da trat ein Mann auf, welcher das Parlamentsheer in kurzem in eine kriegsgeübte, unbesiegbare Macht verwandelte und die Verteidigung des unterdrückten Volkes mit Erfolg in die Hand nahm: Oliver Cromwell.
Der nachmalige Lord-Protektor von England war ,m Grunde genommen'ein einfacher Landmann, ein Puritaner von strenger Gläubigkeit. Geboren am 25. April 1599 zu Huntingdon, bezog er mit 17 Jahren die Universität zu Cambridge, studierte die Rechte und nahm schon im Alter von 21 Jahren, nachdem er sich mit einer Kaufmannstochter verheiratet hatte, die Advokatenpraxis auf. Die Angaben seiner Feinde, daß er in Cambridge und London ein wüstes Leben geführt habe, haben sich als Verleumdung herausgestellt. Im Gegenteil erwarb er sich durch ernsten Sinn und praktische Tüchtigkeit bald das Vertrauen seiner Mitbürger, die ihn zum Friedensrichter und mit 29 Jahren in das Parlament wählten. Vermutlich hatte die Energie, womit er die Stadtverfassung von Huntingdon gegen die Ueber- griffe der Negierung verteidigte, die Aufmerksamkeit der Wähler auf ihn gelenkt. Weder im kurzen Parlament, noch' im langen spielte er eine bedeutende Rolle, er sprach selten und mit einer nicht angenehmen schrillen Stimme, dagegen betrieb er eifrig die Verbesserung seiner Wiesen und die Austrocknung der Moraste bei Ely. Seine Gegner schildern ihn als Parlamentarier von ordinärem Aussehen mit grober, unsauberer Wäsche, mit gedunsenem, rötlichem Gesicht. Anders nimmt sich die Zeichnung Forsters aus, welcher in seinen Zügen einen Ausdruck ruhiger, unverwüstlicher Heber- legenheit findet: „Die Züge gleichsam aus einem Stück knorrigen Eichenholzes geschnitten, die Naie groß und ro, die Wangen plump, bewarzt, gerunzelt und bleich; Die Augen-
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............. , „mein ganzer Besitz ist verwüstet alles Transportable Ich wurde einfach ergriffen geplündert, Geld, goldene Uhren, Gewehrt: alles ist fort
----- ™ - -- ich besitze zurzeit nur einen Anzug. Vielleicht steht jetzt nicht einmal mehr mein Haus. Ich werde arm rote Hwv aus der Affaire hervorgehen. Wer entschädigt mich?"
Karlsruhe, 22. April. Der König von Schweden ist heute nachmittag mit dem v-Zug 5 Uhr 48 Min. nach Frankfurt abgefahren. — Für den Aufenthalt des Kaisers sind bis jetzt folgende Dispositionen getroffen: Der Kaiser trifft Montag den 24. ds. hier ein (vormittags 10 Uhr 4 Mm.) und begiebt sich am Nachmittag des zweiten Tages
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aeaen das Versprechen, daß ich den „Falke" nicht verlassen würde. Die beiden genannten Herren protestierten gegen diese mir ausgezwungene Beschränkung meiner pcriijnlidjCM Freiheit, jedoch bis heute (23. März) vergeblich. An Bord der Porpoise" wurde ich von Kapitän Sturdee m der gemeinsten Weise insultiert. Ich erkundigte mich bet. Generalkonsul Rose und Kapitän Schönfelder, ob mir gestattet von Bord des „Falke" einen Brief an Kapitän Sturdee zu richten. Beide Herren baten mich jedoch, dies nicht zu thun. Ich hatte die Absicht, Sturdee wegen der nur an* qethanen grundlosen Beleidigungen und, da ich auf andere Weise für dieselben doch keine Genugthuung erlangen kann, vor den Säbel oder die Pistole zu fordern, was ich nun- äää AKW aws 1WWZ-SLML TS» s
wies der Staatssekretär Hay den amerikanischen Konsul hatte^ Er meint^bami^ro ^aafa^Regierung. General- auf Samoa an, zu versuchen, den Frted*ennor ber «[_ 5 q Qq itän Schönfelber, ebenso alle Deutschen
fünft der Samoa-Kommission wiederherzustellen und fa I . ’ J. “ -ne aruudlose Arretierung. Kautz und f,abe® oa «nrir Heber die Verhaftung des man hier mit der Mataasa-Sache identisiziert - treu er- -ZtzM-MlZ-ZLIGL verhaftet und an Bord der „Pvrpvise" gebracht wurde. Herr Marquardt schreibt: „Ct und an Bord des englischen Äriegsschches „Porpoise" ge- bracht und dort vom Kapitän Sturdee angeklagt „with beeing ander arme fighting againet british sailors“ („betroffen zu sein, daß ich bewaffnet gegen englische Seeleute focht"). Da dies eine grobe Lüge war und infolge deffen die Anklage natürlich nicht bewiefen werden konnte, so wurde ich nach vierzehnstündiger Gefangenschaft als Kriegsgefangener auf Intervention des Generalkonsuls Rose und des Korvetten-Kapitäns Schönfelder freigegeben, aber nur
9hr, 96 Zweites Blatt


