Ausgabe 
24.9.1899 Zweites Blatt
 
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brechung der Erntearbeiten auf den Wiesen eingetreten. Nächsten Dienstag mittag findet die Aepfelversteige- rung der hiesigen Gemeinde statt.

e. Friedberg, 22. September. Die feierliche Eröff­nung der vom Ober hessischen Obstbauverein im großen Saal des Saalbaus arrangierten Obftausstellung für die Kreise Friedberg, Gießen und Alsfeld fand heute mittag um 5 Uhr statt. Die Eröffnungsfeier war stark besucht. Der Präsident des Vereins, Herr Geh. Regierungs­rat Dr. Braden, begrüßte in seiner Eröffnungsrede zunächst die Anwesenden, besonders die Herren Provinzialdirektor von Bechtold, Landesökonomierat Müller und Freiherrn von Schenk. Er erwähnte, daß diese Ausstellung die zweite in Friedberg sei, und daß die erste wohl stärker beschickt war, die jetzige aber doch mächtiger wirke. Die für sie gestellten Aufgaben seien eben ganz andere gewesen. 1890 konnte alles ausgestellt werden. Jetzt waren ganz bestimmte Aufgaben gestellt und alles gegliedert; denn die Hauptauf­gabe der Ausstellung sei doch die Belehrung. Trotzdem die gestellten Aufgaben recht schwierige gewesen seien, seien sie nach Aussage der Preisrichter in vorzüglicher Weise gelöst. Das sei umsomehr anzuerkennen, als der Verein noch jung sei. Aber überall, nicht bloß in der Ausstellung, machten sich trotzdem schon die Folgen der Vereinsthätigkeit bemerk­bar. Die seitherigen Ausstellungen hätten dem Verein immer Ehre eingebracht, und so wäre die Hoffnung be­rechtigt, daß auch die Dresdener im nächsten Monat, an der sich der Verein beteiligen wolle, ihm solche bringe. Der Verein habe Ms die Unterstützung der Regierung und der oberen landwirtschaftlichen Behörde erfahren und mit Interesse hätten diese seine Thätigkeit verfolgt. Auch Se. König!. Hoheit der Großherzog habe lebhaftes Interesse an der Entwicklung der Landwirtschaft und ihrem wichtigen Zweig, dem Obstbau. Darum fordere er die Anwesenden auf, ihre Huldigung unserem Landesfürsten darzubringen, in dem Rus: Se. König!. Hoheit der Großherzog lebe hoch, hoch, hoch. Nachdem das begeistert aufgenommene Hoch verklungen war, erklärte er die Ausstellung für eröffnet. Ausführlicher Bericht über dieselbe folgt.

Darmstadt, 22. September. Im hohen Alter von 93 Jahren schied gestern abend nach kurzem Krank­sein der Großh. Hofmusikdirektor i. P. Herr Wilhelm Niederhof aus dem Leben. Unter Grotzherzog Ludwig I. in die Großh. Hofkapelle eingetreten, wirkte der nunmehr Verstorbene in ehrenvollster Weise wohl länger als ein halbes Jahrhundert als Violinspieler, Konzertmeister und Dirigent in derselben. Von der jüngeren Generation kaum gekannt, stand Niederhof seiner Zeit viele Jahre hindurch im musikalischen Leben Darmstadts an vorderster Stelle.

(,.D. A.")

Darmstadt, 22. September. Das Zarenpaar trifft auf Station Gelsbach, der dem Jagdschlösse Wolfsgarten uächstgelegenen Station, morgen nachmittag nach 1 Uhr ein. Zum Ehren- und Sicherheitsdienst sind nach Wolfsgarten kommandiert 50 Mann Infanterie mit einem Offizier, eine Schwadron Dragoner. Die Soldaten sind teilweise in benachbarten Ortschaften untergebracht. Gendarmerie, auch russische Geheimpolizisten sind eingetroffen. Die Einweihung der hier auf Mathildenhöhe erbauten russischen Kapelle, die im Innern noch nicht vollendet ist, soll Anfangs Oktober erfolgen.

cf Mainz, 22. September. Durch gegenseitige Unter­schrift wurden heute Nachmittag den Verträgen bindende Gestaltung gegeben, die nach mehrstündiger Bemühung in den vereinigten städtischen Finanz-, Bau-, und Nechtsaus- schüssen am heutigen Morgen mit Vertretern der Stadt Mainz und Bevollmächtigten des Kriegsministeriums wegen des vielfach erwähnten Austausches größerer militärfiskalischer Komplexe hier endlich abgeschloffen worden sind. Wie wir vernehmen, gehen nach den verein­barten Verträgen im Jahre 1904 folgende militärische Ge­bäude: Schloßkaserne, Flachsmarktkaserne, Welschnonnen­kaserne, Militärbäckerei und Militärschlachthaus in freien Besitz der Stadt Mainz über. Als Entschädigung für das Gelände, das einenGesammtfiächeninhalt von32,560Quadrat- meter hat, zahlt die Stadt zunächst eine Barsumme von 450,000 Mk., weiter stellt sie in der Neustadt Terrain für eine neue Jnfanteriekaserne und drittens hat die Stadt die sich auf 2,800,000 Mk. belaufende Bausumme für die neue Jnfanteriekaserne zu tragen. Die städtischen Vertreter haben sich bei Abschluß dieser nur noch der formellen Genehmi­gung des Kriegsministeriums und der Stadtverordneten­versammlung unterliegenden Verträge gesagt, daß der Stadt hierdurch wohl wieder große finanzielle Opfer er­wachsen, ihr auf der andern Seite aber der Besitz der vorerwähnten militärischen Gebäude Gelegenheit gibt, nach mancher Richtung hin der Stadt neues Licht und Luft zu schaffen.

* Frankfurt a. M., 22. September. Eine Falsch­münzerbande. Der Frankfurter Polizei ist es gelungen, in Bockenheim eine Falschmünzerbande auszuheben. Man hat im Laufe dieses Sommers eine größere Anzahl falscher Ein-, Zwei- und Fünfmarkslücke angehalten, doch war es bisher nicht möglich, der Falschmünzer habhaft zu werden. Erst auf eine anonyme Anzeige hin konnte man den Thätern auf die Spur gelangen. Die Polizei verhaftete den Tech­niker Theodor Sprengel aus Friedberg und den Kaufmann Ludwig Lehr aus Offenbach. Bei einer Haussuchung fand man die zur Fabrikation gehörigen Werkzeuge, Formen aus Wachs, Blei, eine Presse u. s. w., auch einige falsche Geld­stücke. Die Schuldigen bestreiten die ihnen zur Last gelegte That, vor allem wollen sie nicht zugeben, das gefälschte Geld in Kurs gesetzt zu haben.

Homburg v. d. H., 22. September. Die Einweihung der russischen Kapelle fand heute vormittag 11 Uhr in Gegenwart der Kaiserin Friedrich, der Prinzessin Christian von Schleswig-Holstein, der Prinzessin Friedrich Karl von

Heffen, der Prinzessin Schaumburg-Lippe, der hiesigen Staats- und städtischen Behörden durch die russischen Geist­lichen von Berlin, Wiesbaden und Weimar statt. In Ritters Parkhotel vereinigte die Teilnehmer ein Mahl; die Fürst­lichkeiten fuhren nach Schloß Friedrichshof im Wagen zurück.

Vermischtes.

* Kiel, 22. September. Die Untersuchung der Ursache der Explosion auf dem kleinen Kreuzer Wacht" ist seitens der kaiserlichen Werft ausgeführt und beendet worden, Sie hat ergeben, daß ein Verschulden der Bedienungsmannschaft die Katastrophe herbeigesührt haben muß. Ueber den Befund der Untersuchung wird geschrieben: An dem Kessel, welcher den Tod von vier Marinepersonen verursachte, ist äußerlich kein Merkmal der Explosion wahr­nehmbar, und selbst die Beschädigungen der Feuerbuchse sind für das Auge eines Laien kaum darnach angethan, eine so folgenschwere Katastrophe zu veranlassen. Aber für den Fachmann ist der Anblick der an der oberen Decke im Mittel um etwa 30 Ctm. nach unten zusammengedrückten Feuerbuchse überzeugend; ihn überkommt beim Anblick ein Grauen, er weiß, mit welcher Gewalt die auf zehn At- mospähren Spannung entwickelten Dämpfe ihre Befreiung selbst durch die kleinste Oeffnung suchen. Kein Riß ist in der Feuerbuchse, der cylindrischen, zur Aufnahme der Feuerung bestimmten Röhre, zu entdecken. Nur dort, wo die Röhren der sogenannten Stehbolzen aus ihrem Stütz­punkt herausgerissen sind, haben die Verschraubungslöcher dem Dampf den Austritt gestattet. Gerade der Umstand, daß die Stehbolzen aus der Decke heraus- und nicht ab­gerissen sind, hat darauf hingewiesen, daß der Kessel nicht in vorschriftsmäßiger Weise mit Wasser gespeist worden ist. Man fand, daß die Stehbolzen mit dem Nietkopf, nachdem sie infolge Wassermangels rotwarm geworden waren, aus der Feuerdecke herausgerissen wurden oder, richtiger gesagt, die glühende Decke der Feuerbuchse nach unten gedrückt und von den Bolzen abgestreift worden ist. Kein Nietkopf ist abgerissen, sie sind sämtlich entgegengesetzt umgebörtelt, (wie der Sturm einen Regenschirm nach oben krämpt). Letzteres wie auch die aufgeweiteten Löcher für die Stahlbolzen, sind der sichere Beweis, daß die Feuerbuchse im oberen Teile im glühenden Zustande war, den die Bedienungsmannschaft durch Unachtsamkeit verschuldet hat. Die Unachtsamkeit sollte leider der Mannschaft das Leben kosten. Der Kreuzer Wacht" wird von hier nach Wilhelmshaven übergeführt, um dort repariert zu werden.

* Munster, 22. September. Der Dortmund-Ems- Kanal ist nach amtlicher Meldung von Münster bis Berges­hövede vom 1. Dezember bis zum 1. März gesperrt.

* London, 22. September. Das Geschäft der Fa­milie Chamberlain an der Transvaalfrage! Nachforschungen, welche von Transvaalischer Seite in Lon­don angestellt wurden, haben, so schreibt man, ergeben, daß nicht nur der Kolonialsekretär Chamberlain selbst, son­dern auch zahlreiche Mitglieder seiner Familie, sowie etwa ein Dutzend ihm verschwägerter Familien an den hervor­ragendsten industriellen Unternehmungen Transvaals sehr stark beteiligt sind. Ganz besonders aber ist dies der Fall bei der Kynoch-Dynamit-Fabrik, deren leitender Di­rektor der Bruder des Ministers, Arthur Chamberlain ist. Im August 1897 besaß der letztgenannte Herr 2229 Anteile dieser Fabrik mit dem Nennwert von 445 800 Mk., während der Minister Chamberlain selbst 2502 Anteile besaß. Aller­dings gebraucht er die Vorsicht, sich nicht mit seinem Namen als Aktionär einzuschreiben, sondern alsungenannter Teil­haber" sich von der Bank von England vertreten zu lassen. Im August 1898 hatte sich das Besitzverhältnis bereits derart verändert, daß der Bruder Arthur die Anzahl seiner Anteile auf 3310, und derungenannte" Kolonialminister die Zahl seiner Anteile auf 4643, d. h. auf einen Nenn­wert von über eine Million Mark gebracht hatte. Die Ziffern der Anteile von acht anderen männlichen und weib­lichen Trägern des Namens Chamberlain schwanken gegen Ende vorigen Jahres zwischen 200 und 750. Hiermit halte man nun die Thatsache zusammen, daß gerade in der zweiten Hälfte des Jahres 1898 Chamberlain fortwährend neue Druckmittel in Anwendung brachte, um die Transvaal­regierung zur Ausgabe des Dynamitmonopols zu nötigen, bis er endlich in seiner Note vom 13. Januar 1899 diese Forderung in schroffster Form stellte. Hätte sich damals die Regierung der Südafrikanischen Republik dem Macht­spruche Chamberlains gebeugt, so wäre sicherlich der Kurs der Kynoch-Aktien sofort mindestens auf das Doppelte hinaufgcschnellt, und die Mitglieder der Familie Chamberlain hätten allein mit diesem einen Geschäft ihr Vermögen um zwei Millionen Mark vermehrt. Im Übrigen werden die diesbezüglichen Ermittelungen fortgesetzt, und man hofft binnen kurzem auch über andereBeteiligungen" der Cham­berlains Mitteilungen machen zu können.

Hammerfest, 22. September. Der Schiffer Larsk Ask ist mit dem Kutter Martha heute hier angekommen und hat die von ihm gefundene Boje, gezeichnetAndrees Polarexp ed ition", mitgebracht. Die Boje scheint ge­öffnet worden zu sein, da der Anschraubeteil, der oben den Hohlraum der Boje schließen sollte, fehlt und nur Sand herausfiel, als man die Boje aufhob. Eine Depesche wurde in der Boje nicht gefunden. Ans Befehl des Ministeriums des Innern wird heute das zuständige Seeamt ein Verhör abhalten.

* Warschau, 21. September.Rechter Hand, linker Hand ...!" Der hier erscheinende Kuryer Podzienniz teilt folgendes Kuriosum mit: In einem Dorfe unseres Kreises fanden dieser Tage drei Trauungen statt, welche große Sensationen hervorriefen. An einem und demselben Tage ließen sich ehelich verbinden: ein 76 Jahre alter vermögender Bauer mit einem 22jährigen armen Mädchen, des Bauern Tochter, ein Witwe von 54 Jahren

mit einem 23jährigen Knecht, endlich deren Sohn, ein Jüng­ling von 25 Jahren mit einer 50 Jahre alten vermögenden Witwe. Es heiratete also an einem Tage: der Großvater, seine Tochter und sein Enkel es giebt also auch in Ruß- landVernunftsehen!"

Schisssnachrichteu

Norddeutscher Lloyd, tn Gießen vertreten durch bit Agenten Carl Loos und I. M. Schulhof.

Bremen, 22. Septbr. [33er transatlantischen Telegraph.! Der Schnellpostdampfer Saale, CapttLn C. Pohle, vom Norddeutsch« Lloyd tn Bremen, ist gestern 7 Uhr morgens wohlbehalten in New- Aork angekommen.

Für die vom Hochwasser Beschädigten gingen weiter bei un6 ein: Von N. N. 0.60 X, E. N. 2 X. Dr. H- 5 X, Else 2 X, D. B. 3 X, H. S. 20 X, G. G. 20 X, Frl. A. T. 2 X, Frau M. T. 10 x. W. 5 X, Prof. Kr. 5 X, Frau H. Wwe. 10 X, H. Sch. 15 X, Prof. N. N. 20 X Summa 119.60 X 3n§flefxmt 296 60 X

Weitere Gaben nimmt gerne entgegen _____________Die Expedition de« »Gießener Anzeiger^.

Verkehr, Kan-- und VaiksVirlfthast.

Gießen, 23. September. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter per Pfd. X 1.101.20, Hühnereier per St. 78 2 St. 0000 H, Enteneier 1 St. 00 Gänse­

eier per St. e00 H, Käse 2 St. 58 Käsematte 2 St. 56 Erbsen per Liter 19 Linsen per Liter 80 H, Tauben per Paar

X 0.700.80, Hühner per St. X 1.001.30, Hahnen per Stück X 0.600.90, Enten per St. X 1.802.00, Gänse per Pfund X 0.000.00, Ochsenfleisch per Pfd. 6874 4, Kuh- und Rindfleisch per Pfd. 6264 H, Schweinefleisch per Pfd. 6674 Schweine­fleisch, gesalzen, per Pfd. 78 Kalbfleisch per Pfd. 6066 Hammelfleisch per Pfd. 5070 H, Kartoffeln per 100 Kilo 6.00 bis o.oo X, Weißkraut per St. 0000, Zwiebeln per Etr. 5.506.50,

Milch per Liter 16 H.

Dauer der Marktzeit von 8 Uhr morgend bis 2 Uhr nach­mittags. Während der ersten 3 Stunden der Marttzett darf im Nmbenieben nicht feilgeboten werden.____________________________

Neueste Meldungen.

Depeschen des BureauHerold'.

Berlin, 23. September. Der Kaiser chat gestern Snogelholm verlaffen und sich über Malmö nach SkaberSjoe begeben, wo die Ankunft um 2 Uhr erfolgte. Zur Be­grüßung des Kaisers war u. a. der Kronprinz von Schweden anwesend. Nachmittags fuhr der Kaiser in Begleitung des Kronprinzen zur Jagd und kehrte gegen halb 6 Uhr in« Schloß zurück.

Nach einer Meldung aus Kiel fuhr der Zar gestern nachmittag mit dem Großherzog von Mecklenburg- Schwerin auf einer Dampfpinasse nach demPolarstern", während die Zarin mit der Prinzessin Heinrich eine Spazier­fahrt machte. Um 8 Uhr abends fuhr das Zaren­paar nach Darmstadt ab.

Finanzminister v. Miquel ist von seiner Unpäß­lichkeit wiederhergestellt, und ist gestern, wie gewohnt, in den Bureaus erschienen. Die Reise nach Schlesien ist bis auf weiteres aufgegeben.

Wien, 23. September. Nach einer Meldung des Fremdenblattes sind die Gerüchte, daß die Lage in Serbien eine beunruhigende sei und eine serbische Minister-Krifis bevorstehe, unrichtig.

Paris, 23 September. Den letzten Meldungen zufolge soll sich der Herzog von Orleans augenblicklich in Spanien aufhalten. Die Meldung über die Nieder- metzelung der Expedition Toureau Lamy be­stätigt sich. Es ist eine Wiederholung der Zerstörung der Expedition Flatters im Jahre 1881. Die Tuaraghs waren über 1000 Mann stark in einer Grube versteckt und überfielen die Expedition, welche nach heftigem Widerstande überwältigt wurde. Die kleine Truppe, welche die ganze Saharah mutig durchquert hatte, ist vollständig aufgerieben.

Algier, 23. September. Hier geht das Gerücht, Max Negis sei zu Cherchon, 140 Kilometer von Algier entfernt, verhaftet worden. Die Meldung bedarf jedoch der Be­stätigung. ____________

Zur KrisiS irr Oesterreich.

Wien, 23. September. Die Demission des Kabinetts Thun soll heute überreicht werden. Man vermutet auf der Linken, Chlumetzky werde unter der Voraussetzung der Erfüllung gewisser Forderungen der Opposition die. Neubildung des Kabinetts in die Hand nehmen. Andererseits fallen die vielfachen Konferenzen des Prinzen Alfred Liechtenstein mit dem Grafen Thun, welcher gestern auch vom Kaiser empfangen wurde, auf.

Wien, 23. September. DasFremdenblatt" demen­tiert die Gerüchte von der angeblich bereits erfolgten Demission des Kabinetts Thun.

Wien, 23. September. Die Blätter veröffentlichen die auf den Ausgleich mit Ungarn bezüglichen, auf Grund des § 14 erlassenen Gesetze.

Dr. Boeckel über Dreyfus und Transvaal.

Berlin, 23. September. Eine von ca. 600 Personen besuchte Versammlung, die vom deutschen Volks­bunde einberufen war, tagte gestern abend. Reichstags- Abgeordneter Dr. Böcke! sprach über den Fall Drey- sus undüberTransvaal. Er drückte seine Befriedigung über die Begnadigung Dreysus aus und hofft, daß die Sache dadurch aus der Welt geschafft sei. Bezüglich Trans­vaals sagte er, Deutschland habe wichtige wirtschaftliche Interessen in Süd-Afrika. Mit Transvaal fielen auch unsere süd-afrikanischen Kolonien. Wenn möglich, sollte der Fall im Reichstage zur Sprache gebracht werden. Der Deutsche vertraue jedoch auf feinen Kaiser, der bald das entscheidende Wort zu gunsten Transvaals sprechen möge. In diesem Sinne nahm die Versammlung eine Resolution an und sandte Telegramme an Kaiser Wilhelm und den Präsidenten Krüger.