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24.9.1899 Erstes Blatt
 
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Gießen, 2<

I)er Kaiser und die Kochwasser-Katastrophe in Sayern.

Seine Majestät der Kaiser hat sich über die Hoch- waffer-Katastrophe in Bayern nach Norwegen Bericht er­statten und Sr. Königl. Hoheit dem Prinzregenten und der bayerischen Regierung seine Anteilnahme aus­sprechen lassen. Der Kaiser hat ferner sofort die Initiative ergriffen, daß im übrigen Deutschland eine Hilfs­aktion eingeleitet werde. Zu diesem Zwecke hat, wie wir bereits gestern kurz mitteilten, Ihre Majestät die Kaiserin auf Wunsch ihres Gemahls sich an die Spitze dieses humanitären Unternehmens gestellt, und das Zentral­komitee vom Roten Kreuz durch eine Ordre beauftragt, Sammlungen zum Besten der durch das Hochwasser Ge­schädigten herbeizuführen, und den Ertrag nach München zu leiten. Das Komitee ist schon am Freitag Abend unter seinem Vorsitzenden Kammerherrn v. d. Knesebeck in Berlin zusammengetreten, um nähere Beschlüsse zu fassen.

Der Kaiser und die Kaiserin haben zu der Sammlung einen Beitrag von 30,000 Mark ge­zeichnet.

Das Handschreiben der Kaiserin an das Zen­tralkomitee der deutschen Vereine hat folgenden Wortlaut:

Die Hochwasser-Katastrophe, die über das schöne bayerische Alpenvorland herctngebrochen ist, erfüllt Mich mit schmerzlicher Teil­nahme. Der angerichtete Schaden, noch nicht zu ermessen, fordert schleunige Hilfeleistung. Th-tkrästtg sind damit in Bayern das Königshaus, die Regierung und der Magistrat der hart betroffenen Hauptstadt vorangegangen. Aber Ich bin überzeugt, daß im ganzen übrigen deutschen Vaterlands das Verlangen, helfen zu können, ein allgemeines ist, und daß mit Mir Tausende der Tage dankbar ge­denken, die sie in dem gesegneten Hochland verleben durften, dessen Bewohner nun, von schwerem Schicksalsschlag hart betroffen, unseres innigen Mitgefühls gewiß sind.

Es ist daher Mein herzlicher Wunsch, alle hllfsbereiten Kräfte zu gemeinsamer Thätigkett zu vereinen, und Ich beauftrage das Zentralkomitee der deutschen Vereine vom Roten Kreuz, durch einen Aufruf in möglichst weitem Umfang eine Sammlung von Geld­spenden zu veranlassen, deren Ergebnis dem Zentral-Htlfskomitee in München zu überweisen ist.

Neues Palais, den 21. September 1899.

Auguste Victoria I. R. .

Das unterzeichnete Central-Komitee bittet um möglichst zahlreiche Spenden aus allen Kreisen, die ihrer Teilnahme an der Heimsuchung des bayerischen Landes und seiner Be­wohner Ausdruck zu geben wünschen. Die Kasse der könig­lichen Seehandlung Berlin W., Jägerstraße 21, ist bereit, die für diesen Zweck bestimmten Gaben entgegenzunehmen, über welche in der Presse Rechnung gelegt werden wird. Die weiteren Sammelstellen sind durch Plakate kenntlich ge­macht. Berlin W., Wilhelmstraße 73. Central-Komitee der Deutschen Vereine vom Roten Kreuz. B. von dem Knesebeck, v. Spitz, General der Infanterie z. D., Dr. Koch, Präsident der Reichsbank, Lademann, Erster Staatsanwalt beim königl. Landgericht II., Magnus, Geh. Regierungsrat, Frhr. v. Zedlitz und Neukirch, Präsident der Seehandlung, Dr. Lieber, Generalarzt a. D. Die den Ueberschwemmten aus Gießen zugedachten Gaben bitten wir weiter an den Gießener Anzeiger abliefern zu wollen. Vgl. Lokales" in heutiger Nr. d. Red.)

Mari Montag d. Js», vl soll der tarn M 6$a$en Unterzeichneten

W, ton Dni

Deutsches Reich.

Berlin, 22. September. Der Kaiser in Schweden. Kaiser Wilhelm hat bei seinem Besuche in Snogeholm dem Kammerjunker Grafen Alfred Piper den Kronenorden 2. Klasse verliehen, dem Leutnant Gyllenswaerd und dem Rittergutsbesitzer Franz Marcker den Kronenorden 3. Kl., dem Grafen Erik Piper den Rothen Adler-Orden 3. Kl., dem Unterleutnant C. A. Piper und dem Verwalter Andersson den Kronenorden 4. Kl. Die Gräfin Piper in Snogeholm erhielt das Bild des Kaisers in kostbarem Rahmen.

Die Jagdbeute am Donnerstag Nachmittag waren waren acht Rehböcke. Der Kaiser machte zwei Doubletten. Freitag wurde die Jagd fortgesetzt. Der deutsche Konsul in Malmö, Hallbaeck, gab Donnerstag den Offizieren der Hohenzollern" und derHela" ein Mittagessen. Landes­hauptmann Dickson brachte ein mit großem Jubel aufge­nommenes Hoch auf Kaiser Wilhelm aus, der Kommandant derHohenzollern", Graf Baudissin, ein Hoch auf den Admiral ä la suite der deutschen Marine König Oskar. Auf das Mittagessen folgte ein Kommers.

Die Rückkehr des Kaisers von Schweden nachDeutschland sollte, wenn nicht ungünstige Witterungs­verhältnisse die Seefahrt beeinträchtigten, am Montag gegen 8 Uhr früh, erfolgen und zwar, wie bereits mitgeteilt, nach Neusahrwasser. Jetzt verlautet jedoch, daß die Ankunft noch zwei Tage hinausgeschoben sei. Jedenfalls wird der Herrscher in Gegenwart des General-Inspekteurs der Marine, Admiral Köster, den großen PanzerkreuzerKaiser" besichtigen, der seit dem Sommer 1895 Flaggschiff des in den chinesischen Gewässern befindlichen Kreuzergeschwaders gewesen, und nunmehr in die Heimat zurückgekehrt ist. So­bald die Besichtigung ihr Ende erreicht hat, fährt der Kaiser über Danzig nach Langfuhr, um dort im Offizierkasino des 1. Leib-Husaren-Regiments Nr. 1 zu frühstücken. Hieran schließt sich ohne jeden Zwischenaufenthalt die Weiterreise nach Rominten.

Wie aus Kiel telegraphiert wird, haben wegen des andauernd regnerischen Wetters der Kaiser und die Kaiserin vonRußland das Schloß heute nicht verlassen. Um V/4 Uhr fand daselbst eine größere Tafel statt, an der die Prinzessin Heinrich, das Zarenpaar, das beider­seitige Gefolge, der Standarten - Admiral des Kaisers Nikolaus sowie die Kommandanten der beiden russischen Kaiser-Aachten Polarstern und Standard und die in Kiel anwesenden Admirale teilnahmen.

Der Kaiser hat, wie dieNational-Ztg." erfährt, das Protektorat über das neu zu gründende Bismarckhaus in Stendal abgelehnt.

Der Kultusminister Dr. Studt ist von Münster

Ausland.

Wien, 22. September. Die israelitische Kultus­gemeinde protestiert feierlich st gegen die in den Polnaer Prozeß hineingetragene Be­schuldigung, daß das Judentum oder irgend eine jüdische Sekte den rituellen Gebrauch von Menschen­blut lehre oder gelehrt habe. Einer gleichen Be­schuldigung seien unlängst in China Hunderte von Christen zum Opfer gefallen. Die Kultusgemeinde habe geschwiegen, so lange nur ihre materiellen Interessen geschädigt worden seien. Da man jetzt aber noch an ihr Heiligstes Hand anlege, wolle sie, wie die Väter gethan, mit Gut und Blut für die Ehre und Reinheit ihrer Religion eintreten. Zugleich erläßt der Verein gegen den Antisemitismus einen Aufruf an die gesamte Intelligenz Oesterreichs, mitzuwirken, daß durch die Erlangung einer eingehenden gerichtlichen Unter­suchung über die gefährliche Verleumdung volles Licht ver­breitet werde.

Wien, 22. September. Nach einer aus Cettinje hier eingegangenen Meldung ist die Verlobung der Prinzessin Xenia von Montenegro mit dem Prinzen Nikolaus von Griechenland unmittelbar bevor st ehend.

Prag, 22. September. Es wird bestätigt, daß Leo Freiherr v. Skrbensky zumErzbischof von Prag berufen worden ist.

Paris, 22. September. Der Tod des Divifions generals Brault hat in militärischen Kreisen großes Aufsehen erregt. Da die Witwe des Ver­storbenen völlig mittellos ist, wird der Kriegminister Vor­schlägen, der Witwe eine Tabaksagentur 1. Klaffe zu über­tragen.

DreyfuS.

Ueber neuere Aeußerungen DreyfuS' ver­öffentlicht derFigaro" den Bericht seines Redakteurs Huret, der DreyfuS bis Avignon begleitete. Das Gespräch Hurets mit Dreyfus nahm seinen Ausgang vom Tode Scheurer-Kestners:Wie werde ich jemals", sagte Dreyfus, allen Bekannten und Unbekannten meine Dankesschuld ab­tragen können? Von fünftausend Briefen, die mir allein zugingen (meine Frau erhielt noch mehr) habe ich keine» beantworten können. Nun werde ich wohl zum schreiben kommen. Ich bleibe bei meinem Schwager in Carpentras; ich will nicht nach Italien, da ich nicht liebe, mich in Szene zu setzen. Ich erhielt Briefe, unterzeichnet von aktiven Offizieren, welche mich mit Stolz erfüllten. Die zwei Kameraden des Kriegsgerichtes, welche mich freisprachen, schwöre ich, haben in meiner Seele richtig gelesen. Den tiefsten Eindruck während der Verhandlung machten mir FreystätterS Worte. Hierdurch wurde mir auch sofort zur Gewißheit, waS ich stets vermutete: Man häufte 1894 Schuldbeweise auf, weil man sich in eine Sackgasse ver­rannt wußte. Meine Ehre muß ich wieder haben. Einen Tag lang will ich wieder derHauptmann" Dreyfus sein. Dann werde ich freiwillig die Armee verlassen. Fortan werde ich nur der Erziehung meiner Kinder leben. Wenn mein Sohn Pierre erwachsen sein wird, werde ich ihn meine Tagebücher von der Teufelsinsel lesen lassen. Er wird )ann verstehen, warum es eine Zeit gab, da ich sein Bild, das seiner Schwester und seiner Mutter nicht auf meinem Tische sehen konnte. Der Anblick dieser Bilder, anstatt mir Mut einzusiößen, hätte mich fast zum Selbstmorde ge­trieben. Ihr anderen könnt es nicht verstehen; ich selber habe heute Mühe, mich in jenen Seelenzustand zurück­zuversetzen." . . .

DieAurore" veröffentlicht ein langes offenes Schreiben Zola's an Frau Dreyfus. Es beginnt damit, das erste Zusammenleben des Freigelassenen mit seiner Familie auszumalen. Mein Werk, so fährt Zola fort, war anfänglich ein Werk menschlicher Solidarität, des Mitleids und der Liebe. Keine politischen Zwecke lagen in meinem Thun. Der Unschuldige ist nun seinen Leiden ent­hoben und damit ist das erste Ziel erreicht. Aber die Be- gnadigung ist doch bitter als moralische Qual nach so viele» physischen Schmerzen. Das Schlimmste dabei ist, daß an­scheinend alles von langer Hand vorbereitet war. Wie traurig, daß die Regierung eines Landes gnädig ist, wo sie gerecht sein soll. Die Rehabilitation des Unschuldige» ist nötig, weniger für ihn als für Frankreich. Dahin zielen nunmehr unsere Anstrengungen.

In demselben offenen Briefe an Frau DreyfuS führt Zola ferner aus, die Dreyfus-Sache sei eine Sache des Volkes geworden. Seine Ausfälle gegen die Generalität sind stärker als in allen früheren Briefen. Zola erneuert namens aller Mitkämpfer den Schwur, die Weltausstel­lung werde nicht eröffnet werden, ohne daß sich Frankreich durch die regelmäßige Freisprechung von Dreyfus rehabilitiert hätte.

Algier, 22. September. Wie nunmehr feststeht, hat Max Regis nachts die Villa Antijuive verlassen. Wohin er sich gewandt hat, ist nicht bekannt; das BlattTele­gramme" sagt, er habe auf einem kleinen Schiff die Fahrt nach Spanien angetreten. Acht seiner Genossen sind verhaftet.

Die Polizei hingegen ist der Ansicht, daß der aus seiner Villa gefiüchtetc Max Regis sich in der Umgegend von Algier aufhält und nicht nach Spanien entkommen ist. Auch glaubt man, daß er von seinem Versteck aus einen Handstreich vorbereitet. Sein Signalement ist allen Ge­richtsbehörden übermittelt worden

London, 22. September. Es verlautet, der heutige Ministerrat werde wahrscheinlich keine sehr drastischen diplo­matischen Schritte ergreifen, aber im Hinblick auf die zweifel­hafte Haltung des Oranje-Freistaates beschließen, weitere TrupPen nach Süd-Afrika zu entsenden. Chamberlain werde voraussichtlich beauftragt werden, eine neue Note an die Buren-Regierung zu senden, welche lediglich erklärt, daß ihre jüngste Antwort als un­befriedigt erachtet werde, und daß die britische Regierung fernerhin ihre Forderung formulieren werde. Diese Forder­ungen würden möglicherweise erst dann gestellt werde», wenn mehr britische Truppen zur Geltendmachung der neuen Forderungen in Südafrika nötig sein würden.

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Gießen, 19. Großh.

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nach Beendigung der Abschiedsfeierlichkeiten nach Berlin wieder zurückgekehrt und hat der gestrigen Sitzung des Staatsministeriums beigewohnt.

Die gestrige Sitzung des preußischen Staatsministeriums dauerte bis 71/, Uhr. Minister v. Miquel, dessen Befinden sich zwar bedeutend gebessert hat, konnte trotzdem der gestrigen Sitzung des Staats­ministeriums seines leidenden Zustandes wegen nicht bei-, wohnen.

Die Organisation der Benne nschiff fahr ts- betriebe hat heute in einer Versammlung einen be­friedigenden Abschluß gefunden. Der Verein deutscher Binnenschifffahrtsbetriebe hat sich heute konstituiert.

Zum Zusammenoperieren von Flotte und Landheer. Es verbiet zweifellos große Beachtung, daß der Vizeadmiral v. Diederichs, unser jetzt ältester Vize­admiral, bis auf weiteres zu seiner Information zum Generalstab der Armee kommandiert worden ist. In letzter Zeit ist, wie derHann. Kourier" erinnert, bei allen Uebungen der Flotte der Gesichtspunkt eines gemeinsamen Operierens mit dem Landheer nicht aus den Äugen gelassen worden, und es wird daher die Abkommandierung dieses hohen See­offiziers zum Generalstab nach Berlin auch nach dieser Richtung hin in Verbindung gebracht. Dem vorjährigen großen Flottenmanöver wohnte ein Generalstabsoffizier an Bord des Flottenflaggfchiffs bei; diesmal waren deren zwei kommandiert, darunter auch der deutsche Militärbevollmächtigte in Petersburg. Außerdem hatten laut kaiserlicher Ordre auch der Vizeadmiral v. Diederichs und der Chef des vor etlichen Monaten neu gebildeten Admiralstabes, Kontreadmiral Bende- mann, den Flottenmanövern beizuwohnen.

Zur Kanalfrage. Die Handelskammer zu Minden faßte in ihrer letzten Gesamtsitzung einstimmig nachstehende Resolution:

Die Handelskammer w Minden hat zu ihrem großen Bedauern die Ablehnung des Gesetzentwurfes betreffend den Bau eines Schiff­fahrts-Kanals vomRhein bis zurElbe seitens des preußifchen Abgeordnetenhauses zur Kenntnis genommen. Getreu ihrem lang­jährigen Wirken für die Verwirklichung dieses für den gesamten Staat und seine verschiedenen Erwerbsgruppen wirtschastlich bedeut­samen Kulturwerkes und durchdrungen von der unabweisbaren Not­wendigkeit der Schaffung desselben beschließt sie, in den Bemühungen für den Bau des Rhein-Elbe-Kanals unverdrossen zu verharren. Sie gibt dabei der Erwartung Ausdruck, daß die königliche Negierung ihrerseits an der Gesetzesvorlage festhält und den Versuch unternimmt, durch geeignete Erweiterung derselben die Vertreter widersprechender Landesteile und Erwerbszweige für die Annahme zu gewinnen.

M.P.C. Wenn man dem bisherigen Schicksal der Kanalvorlage auf den Grund geht, so läßt sich nicht verkennen, daß weitaus am meisten ausschlaggebend für die gefallene, aber, wie man hoffen darf, nicht unabänderliche Entscheidung die Haltung der Mehrzahl der schlesischen Ab­geordneten gewesen ist. Sehr drastisch erhellte dies beson­ders bei der zweiten Lesung aus der Rede, welche der Reichstagspräsident Graf Balleftrem in seiner Eigenschaft als schlesisches Mitglied der Zentrumsfraktion des Abge­ordnetenhauses hielt. Auch Herr v. Kardorff und Graf Limburg-Stirum, deren Kanalgegnerschaft mit großem Ge­wichte in die Wagschale der Entscheidungen fiel, sind be­kanntlich Schlesier. Das Verhalten dieser Herren ent­sprach der Stimmung in den landwirtschaftlichen, industriellen und Handelskreisen der Provinz. Es war vielleicht ein Fehler von Seiten der Regierung, daß sie auf die Dis­kussion über alle möglichen Kompensationen einging, statt sich darauf zu beschränken, einen umfassenden Plan für die schlesischen Kompensationen auszuarbeiten. Nachdem den Schlesiern die Aussicht eröffnet worden ist, daß die neue Vorlage diesen Plan als integrierenden Bestandteil auf­weisen werde, beginnt die Stimmung dort umzuschlagen. Uebrigens ist es eine alte Erfahrung, daß sich in der Pro­vinz Schlesien jedesmal der König, wenn er ruft, zuerst und am bereitwilligsten Geltung verschafft.

Breslau, 22. September. Die 19. Jahresversammlung des deutschen Vereins für Armenpflege und Wohlthätigkeit wurde gestern unter dem Vorsitz des Beigeordneten Seyffardt-Krefeld bei zahlreicher Beteiligung eröffnet.

Kirche und Schule.

Berlin, 21. September. Der vorwiegend ungünstige Ausfall von Extraneerprüfungen ist eine feststehende Thatsache, die auch in diesem Semester wieder ihre Bestätigung gefunden hat. Die­jenigen jungen Leute, welche ihren Bildungsgang nicht auf einem Gym­nasium selbst vollendet haben, werden zur Ablegung der Prüfun­gewöhnlich vom Provinzial-Schulkollegium dem Gymnasium zu Spandam überwiesen. In der soeben beendeten Prüfung haben von 16 Kandidaten nur fünf bestanden.

Betreffs des Militärdienstes der Lehrer hat der Kreis­verband Westpriegnitz auf der Provinzial-Lehrerversammlung zu Lands­berg a. W. beantragt:Der Vorstand des Provinzialverbandes möge auf die Lehrervereine in Garnisonstädten dahin einwirken, daß sie Lehrern, die in ihrem Orte einjährig dienen wollen, in wirtschaftlicher und anderer Beziehung möglichst Erleichterung zu verschaffen suchen." Der Antrag ist folgendermaßen begründet:Da eine große Zahl der militärpflichtigen Lehrer wenig bemittelt ist, so wird es eine wesentliche Hilfe für sie sein, wenn die zur Ableistung des Militärdienstes erforder­lichen Kosten durch Empfehlung leistungsfähiger Beklerdungsfirme«, preiswerter Wohnungen, anständiger und billiger Speisehäuser rc. nach Möglichkeit verringert werden." ____________

Wetterbericht vom 23. September 1899.

Das gestern über Skandinavien gelegene Mmimum ist nordwärts abgezogen. Gegen den Kontinent herein ist den letzteren ein Ausläufer vorgelagert, welcher für Nordwest- änd Mittel-Deutschland zu trübe», stellenweise regnerischer Witterung Veranlassung giebt. Die Luftbeweg­ung ist in den genannten Gebieten sehr lebhaft. An der Nordseeküst« und über England trägt dieselbe einen stürmischen Charakter. 3* Mittelmeergebiet ist das Barometer gestiegen und besteht am Nordrande der Alpen heute föhniges Wetter. Voraussichliches Witterung- Im Norden trüb und regnerisch, im Süden Föhn-Einfluß und heiter. Später gleichfalls Trübung mit Niederschlägen.