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22.12.1899 Drittes Blatt
 
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Nr. 301 Drittes Blatt.

Freitag den 22 December

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Ein englischer Jurist über den Krieg in Südafrika.

Professor John Westlake, ein englischer Jurist, der schon im Jahre 1874Queens Counsel" undBencher of Lin­colns Inn" wurde, der bewährte Werke über internationales Recht verfaßt hat, und der seit 1888 Professor dieses Rechtes an der Universität Cambridge ist, hat am 9. No­vember d. I. vor der Universität einen Vortrag über den Krieg in Südafrika gehalten. (The Transvaal War, London, 1899, 35 S., groß 8.)

Dieser Vortrag verdient eine weite Verbreitung. Hier wird es genügen, auf zwei Punkte darin aufmerksam zu machen.

Der erste Punkt betrifft die Klagen der britischen Regierung und des britischen Volkes, will sagen, der Gold- und Diamantensucher, gegen Transvaal. Nach diesen Klagen wäre das Gesetz, die Einwanderung von Fremden (und ebenso das die Ausweisung von Fremden) betreffend, gegen die Konvention mit England; ebenso stünde es mit dem Dynamit-Monopol; ebenso mit der verzögerten Einreichung der von der Königin zu billigenden Verträge mit fremden Staaten; ebenso mit der Anwendung der holländischen Sprache in den Schulen; und ebenso mit der viel besprochenen Verweigerung des Wahlrechts.

Mit einer geringen Unsicherheit in Bezug auf die Aus­weisung der Fremden erklärt der Verfasser, alle diese An­klagen seien nicht zutreffend, seien nicht geeignet, die Stellung der britischen Regierung zu schwächen. Er geht so weit, seine Verblüffung über folgenden Satz in der Rede der Königin am 9. August 1899 auszusprechen:Die Lage meiner Unterthanen in der südafrikanischen Republik ist un­vereinbar mit den Versprechungen gleicher Behandlung, auf Grund welcher ich jener Republik die innere Selbständigkeit zugesprochen habe". Nun sind aber das die einzigen Rechtsbrüche, die man den Buren vorgeworfen hat. Folg­lich giebt es keinen rechtlichen Grund für den Krieg. Dies räumt den Verfasser in dürren Worten ein: Ich meine, daß die Forderung unsererseits auf kein gesetzliches Recht gegründet war.

Und doch verteidigt Westlake den Krieg, wenn auch in einer schüchternen Weise. Er meint, daß die britische Forderungvielleicht Berechtigung fände, wahrscheinlich Berechtigung fände, in einer jener Lagen, ... für die man sich auf ein höheres Recht beruft". Berufung auf höheres Recht ist von feiten der Unterthanen oder Halb- Unterthanen: Revolution, von feiten des Machthabers aber: Faustrecht.

Hier finden wir den zweiten beachtenswerten Punkt, nämlich daß die allgemeine Politik (the general policy, die allgemeine Führung des Staatsgeschäftes) Transvaals eine große Gefahr für Britannien bildete und eine uner­trägliche Lage schuf. Es wird jeder gespannt sein zu wissen, wie Transvaal Britannien gefährden konnte. In zweierlei Weise.

Erstens hat Transvaal versucht, Freundschaft mit Deutschland anzuknüpfen. Westlake beruhigt sich hierbei durch die Bemerkung, daß Deutschland seit zwei Jahren jeden Anspruch auf Delagoa-Bai aufgegeben habe, so daß Transvaal umsonst Deutschland anbuhle. (Wehe uns, daß wir nicht die uns zukommende Flotte haben!) Zweitens haben die Transvaaler, die Freistaatler, und eine ganze Menge der übrigen Buren Südafrikas seit geraumer Zeit eine große südafrikanische Republik" angestrebt,aus der England völlig ausgeschlossen sein sollte, nur daß es Erlaubnis erhielte, eine Zeit lang in Kapstadt zu bleiben".

Deswegen war Großbritannien in Gefahr! Deswegen befand sich Großbritannien in einerZangslage!" Die schwachen Buren, die laut Zeugnis der Engländer militärisch und sogar physisch entartet wären, hätten, als Freunde Deutschlands und als ohnmächtige Erstreber einer Republik an der Südspitze Afrikas, das mächtige britische Reich ge­fährdet. Das wäre etwas für den Kladderadatsch.

Doch könnten die Buren schließlich mit der Gefahr dienen, wenn es sein muß. Bismarcks Wort über Süd- afrika könnte erfüllt werden. Die Buren haben Freunde. Deutschland befindet sich schließlich in einerZwangslage" Britannien gegenüber. Deutschland müßte für die ihm so gutgesinnte Republik eintreten, wenn ihre Liebe zu Deutsch­land die Republik in den Krieg gestürzt hat.

Deutschland befindet sich in einerZwangslage" Britannien gegenüber, denn Deutschland muß Walfisch-Bai, Delagoa-Bai und Zansibar haben, und jetzt ist der Tag gekommen, an dem sie zu holen sind. Wenn Frankreich

dabei für Faschoda abrechnet, wenn Rußland dabei für wiederholte Schlappen Genugthuung fordert, so kann die Dringlichkeit der Zwangslage erhöht werden. Daß Britannien inzwischen seine besten Truppen von dendegenerierten" Buren hat hinschlachten lassen, daß es so und so viele seiner eigenen und angekauften, zahmen und unbändigen Pferde und Maulesel auf dem Meere und dem Lande um­hergestreut und vergeudet hat; daß seine großartigen Transportschiffe alle paar Tage an fremde Riffe angefahren sind; daß seine Truppenverpflegung nur nicht alles, sagen wir nur nichtChocolade" undSchlagsahne", übrig zu wünschen gelassen hat; daß seine besten Generale sich allein als Maulhelden hervorgethan haben; daß ein Höchstkommandierender in Afrika feig und kein Gentleman", das angenommene Ehrenwort des Obersten Schiel mißachtet hat; und daß Irländer und Sepoy- Jndier der Meinung sind, daß der Tag für ihre Erhebung nahe herbei gekommen ist, das alles vermindert nicht im geringsten die Forderungen dieserZwangslage".

Caspar Rene Gregory.

Lokales und Ursvinfielles.

1) Vom Lande, 19. Dezember. Unsere Dienst­boten am Ende des 19. Jahrhunderts. Sitzt da in X. das Christinchen bei der Hausfrau und flickt Säcke. Der Abend zog langsam heran und es mußte zu Nacht geschafft werden; schon zweimal hatte die Hausfrau Christinchen vergeblich zum Aufhören gemahnt, worauf sie zuletzt ärgerlich wurde und energisch auftrat. Da antwortete das Christinchen halb gekränkt: Sai wolle jetzt aber aach immer ehare Kopp dorchseatze, e Stimm' hott mr kaa mich! Das ist ein Fällchen aus der Praxis, wie man deren wohl noch mehr finden könnte.

Lang-Göns, 20. Dezember. Gestern gingen dem Fuhrmann K. Ebel II. hier, seine zwei Pferde mit einem beladenen Möbelwagen durch, ohne glück­licherweise Menschenleben zu fordern. Die Pferde rannten rechts um eine Straßenbiegung, woselbst der Wagen in einen Graben stürzte, und die Möbel, Kleiderschränke, Betten u. s. w. große Beschädigungen erlitten.

A«r dem Kreise Offenbach, 18. Dezember. Die in ver­schiedenen Zeitungen verbreitete Nachricht von dem Ver­kaufe der Fürstlich-Jsenburgischen Waldungen an den hessischen Staat hat in den beteiligten Gemeinden eine lebhafte Erörterung hervorgerufen. Daß hierbei die wunderlichsten Ansichten zu hören sind, dürfte nicht allzusehr wunder nehmen. Auch meinen viele, die Kammern würden zu diesem Kaufe ihre Zustimmung nicht geben, während doch mit Sicherheit angenommen wcrden darf, daß dieser Punkt sehr rasch abgewickelt sein wird. Daß aber die be­teiligten Gemeinden auch künftig ihre seitherigen Rechte in derselben Weise wie bisher ausüben könnten, dürfte doch sehr zu bezweifeln sein. Vielmehr ist anzunehmen, daß der neue staatliche Waldbesitz genau so behandelt und verwaltet wird wie der übrige auch, und daß die Rechte der Ge­meinden durch ein besonderes Gesetz zur Abrentung zu kommen haben. Selbstverständlich wird iti solchem Falle die Abrentungssumme dem Kapital des seitherigen Nutzungs­wertes völlig gleich kommen, und die Gemeindeglieder haben daun alle Vorteile davon, während gegenwärtig nur solche Nutzen ziehen, welche die Rechte ausüben können. Jeden­falls dürfen die interessierten Gemeinden der weiteren Ent­wicklung dieser Angelegenheit mit aller Ruhe entgegensehen.

Fulda, 18. Dezember. Heute morgen gegen 4 Uhr fanden die Nachtwächter auf dem Domplatze einen Bären, der an der Nordseite des Domes an das Gitter angekettet war und durch lautes Gebrüll sich bemerkbar machte. Es wurde sofort die Polizei herbeigeholt, die durch Aufstellung zweier Posten dafür sorgte, daß die Passanten und ins -besondere die Besucher des Gotteshauses von dem wütend sich geberdenden Tiere nicht belästigt wurden. Nichtsdesto­weniger entstand eine nicht geringe Aufregung und nach und nach ein ziemlicher Menschenauflauf. Von der Polizei wurde festgestellt, daß gestern nachmittag ein Trupp Bärenführer unsere Stadt passiert hat, von dem ein Teil nach Kohlhaus, ein anderer Teil nach Maberzell weitergezogen ist, während die übrigen auf dem Leipzigerhofe ihr Nachtquartier auf­geschlagen hatten. Zwei Gäste des Leipzigerhofes haben nun in der Nacht sich den höchst zweifelhaftenSpaß" ge­macht, den Bären loszubinden und nach der Stadt mitzu­nehmen, wo sie ihn, wie oben bemerkt, auf dem Domplatze anketteten. Heute vormittag gegen 8 Uhr meldeten sich die

aus Bosnien stammenden Eigentümer, um den verlorenen Meister Petz wieder in Empfang zu nehmen. Da das Tier weder einen Maulkorb noch einen Nasenrmg trug, hätte es sehr leicht großes Unheil anstiften können, wenn nicht die Polizei alles aufgeboten hätte, um für die Sicherheit der Personen zu sorgen. Den nächtlichen Bärenführern aber dürfte derSpaß" teuer zu stehen kommen.

Arbeiterbewegung.

Frankfurt a. M., 18. Dezember. Dee anfangs November ausgebrochene Aus st and im Ma urerge werbe geht seinem Ende entgegen. Der Ausstand war dadurch entstanden, daß die der Gewerk- schaft angehörigen Maurer sich weigerten, mit Nichtorganisierten an einer Baustelle zusammen zu arbeiten. Sie wollten dadurch einen Druck zum Anschluß an die Gewerkschaft ausüben und den Arbeitgebern ihre Macht zeigen. Als die Arbeitgeber die Entlassung der Nichtorganisierten ver­weigerten, wurde über vier Baugeschäfle die Sperre verhängt, und dar­auf antwortete der Verband baugewerblicher Unternehmer mit der Kün­digung sämtlicher Gewerkschaftsmitglieder. Die Gewerkschaftler nahmen anfangs den Mund recht voll; der Schriftführer ihres Centralverbandes, Silberschmied, reiste aus Berlin hierher, hielt Versammlungen ab und forderte zum Ausharren auf; aber selbst die sozialdemokratische Presse hatte den Vorstoß der Maurer zur gegenwärtigen Winterszeit unklug genannt, und das Ende vom Liede ist denn auch ein Rückzug der Ar-, beitnehmer auf der ganzen Linie. Den versöhnlichen Bemühungen des Hamburger Bömelburg, der als Vorsitzender des Centralverbandes deutscher Maurer persönlich mit dem Unternehmerverband in Unter­handlung trat, ist es gelungen, eine Verständigung herbeizuführen. Da­nach darf das Zusammenarbeiten von organisierten und üxchtorgani- sierten Arbeitern auf einer Baustelle weder von dem Lohnausschusse iwch von einzelnen Arbeitern beanstandet werden Die Einstellung und Ent­lassung von Arbeitern steht dem freien Ermessen des Arbeitgebers an­heim, und Versammlungen der Maurer während der Arbeitszeit dürfen nur im Einvernehmen mit dem Ausschüsse des Verbandes baugewerb« lichcr Unternehmer einberufen und abgehalten werden. Die Gewerk­schaft hat also ihre sämtlichen Forderungen zurückgezogen, auch die Sperre über die vier Baugeschäfle wieder aufgehoben. Nur einige nebensächliche Punkte, z. B. die Zulässigkeit der Akkordarbeit, sind noch streitig, und darüber soll das Gewerbegericht als Einigungsamt an- gerufen werden. ________________________________________

Aus dem Gelchastsieiien.

Die Defitllierkunst der geistigen Getränke auf warmem Wie auf kaltem Wege von A. L. Möwes. Berlin 1857. Seite 308. Bau de Cologne auch Kölnisches Wasser genannt, ist von allen visher fabrizierten Parfümerien unstreitig di-jentge, welche den größten Ruf in allen Teilen der Erde e. langt hat. Da dasselbe bei der enormen De-brettung, die es in der ganzen zivili­sierten Welt seit mehr als 150 Jahre gefunden, auch als Handels­artikel sehr wichtig geworden ist, so möchte e8 manchem Leser viel­leicht nicht uninteressant sein, über den eigentlichen Ei findet des­selben etwas näheres zu erfahren. In der Regel bat man den Gründer der jetzt noch in Köln b'stchenden Firma Johann Maria Farina als den ersten Verfertiger deS Kölntschm Wassers angesehen: wie jedoch in neuester Zell historisch nachgewiesen worden, war kein Farina, sondern der in der zweiten Hälfte des siebzehnten Jahr­hunderts in Köln lebende Jtali.ner Johann Paul FemtniS der Er­finder des Eau de Cologne. Femintö wird dem Kölner städtischen Archiv schon im Juni 1695 als erster Verfertiger des Kölnischen Wassers angeführt, ebenso erwähnt seiner die Kölnische Chronik mit dem Zusätze:Er zog auS Kräutern die Essenzen, woraus dies Wasser besteht, und die mit Weingeist aufgelöst wurden Das Mt- hältnts der Zusammensetzung dieser Ingredienzien bildet das Ge­heimnis, das nach dem Tode des Erfinders an den Johann Amon Farina in der Stadt Mailand, Hochstraße alte Nr. 4506 (jetzige Nr. 129), vertragsmäßig überging." Somit ist wohl die letztgenannte, noch heule zu Köln in eben demselben Hause bestehende berühmte Firma als die älteste der verschiedenen Fatina's zu betrachten. Schon am 13. Januar 1727 wurde das von dem Erfinder Johann Paul Femtnts verfertigte ächte Kölnische Wasser von der medt- zintschen Fakultät der Kölnischen Hochschule approbiert.

Wetterbericht Im No, dosten des Erbteils besieht das un- gewöhnlich hohe barometrische Maximum fort, dessen Kern eme Intensität von mehr als 790 Mm. aufwetst. liebet dem Mtllelmeer- pebtet Hill sich dagegen ein Minimum ausgebildet, welches »brr Mittel-Italien stellenweise heftige Nordostwinde verursacht. -Bei unB ist das Welter metstenorts nebelig, und hält der Frost noch allent­halben an, während die Hochstattonen fortgesetzt Temperatur-Umkehr haben. Voraussichtliche Witterung: Zunächst noch teils beiteres. teils nebeltoes Frostwetter.________________

v: Hy de? Schule. Ein kleiner Schüler der Volksschule in Plauen i. V. nahm sein noch nicht schulpflichtiges Brüderchen, da die Mutier abwesend war, mit in die Schule. Der Lehrer wies dem meinen einen Platz neben seinem Bruder an. Der Kleine sitzt mäuschenstill da und beobachtet das Leben in der Schule. Mit der Zeit wird ihm ;edoch die Sache langweilig, er rutscht unruhig hin und her und spricht schließ­lich etwas zu seinem Bruder. Der Lehrer, neugierig, was der Kleine wohl haben mag, fragt den Bruder:Was hat denn Dem Bruder zu Dir gesagt?" und erhält hierauf zur Antwort:Er hat gesagt:Ye, wenn werd denn nun mol eener dorchgewichst?" ______

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