Ausgabe 
22.8.1899 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Kaisers konnte man sich unschwer vorstellen, daß sie auf die Zuhörer einen tiefen Eindruck gemacht und lebhafte Be­geisterung hervorgerufen haben mußten. Die in St. Privat gehaltene Rede bewegt sich auf einem ganz anderen Gebiete, aber wiederum kann man sich vergegenwärtigen, von welcher mächtigen Wirkung sie sein mußte.

Das ruhige und stolze -Selbstbewußtsein, das den Kaiser an der Stätte einer der glänzendsten Waffenthaten aller Zeiten erfüllen mußte, hat in seiner Rede einen würdigen Ausdruck gefunden, ihn aber nicht verhindert, den rühmlich .unterlegenen Gegnern ritterliche Worte der An­erkennung zu widmen und die Erinnerung an unvergängliche Kriegsthaten mit dem Hinweis auf die Segnungen des Friedens zu verbinden. Den Anknüpfungspunkt dafür fand der Kaiser in der das Denkmal schmückenden Engelsfigur.

Man denkt bei dieser hochherzigen und versöhnenden Haltung gegenüber dem damaligen Feinde unwillkürlich an die Szenen, die sich in der ungarischen Hauptstadt abzu­spielen pflegen, so oft es sich um den im ehrlichen Kampfe rühmlich gefallenen Gegner, General Hentzi handelt; man malt sich auch aus, welcher Art die Reden eines französischen Staatsoberhauptes unter ähnlichen Verhältnissen sein würden. Schwerlich wird es selbst in Ungarn und Paris viele geben, die nicht eingestehen, daß der Vergleich nicht zum Vorteil der magyarischen und französischen Art ausfällt.

Der Engel, der sich friedlich ruhend auf sein Schwert stützt, ist die Allegorie, der der Kaiser eine allgemeine Be­deutung beigelegt wissen will. Die friedlichen und ehrenden Worte, die er dabei über die gefallenen französischen Helden sprach, weisen darauf hin, in welchem Sinne er dies ge­meint hat. Deutschland will das Schwert, das es friedlich in der Scheide hält, nicht ziehen; aber es stützt sich auf sein Schwert. Wer da will, mag das vom Kaiser Unaus­gesprochene ergänzen: Deuschland ist nicht gewillt, sein er­probtes Schwert durch einen Hirtenstab ersetzen zu lassen. Denn es weiß, daß sein Schwert eine bessere Bürgschaft des Friedens ist, als der Hirtenstab.

In Frankreich wird auch diese Rede, wie manche frühere Rede und That des Kaisers zweifellos viel kommen­tiert und bewundert werden. Schon einmal hat man in Frankreich von dem Kaiser die prägnante und ausdrucksvolle Wendung gebraucht: Ceat quelquun 1 Es ist ein ganzer Mann! Die kriegerisch stolze und energisch friedliche Rede von St. Privat wird sie in diesem treffenden Urteil be­kräftigen.M. N. N."

Prozeß Dreyfus.

Rennes, 19. August.

Eröffnung der Sitzung 6«/, Uhr. Erster Zeuge Kommandant Cuignet. Derselbe war seinerzeit mit der Durchsicht des geheimen Dossiers beauftragt, und hat die Fälschungen Henrys entdeckt. Vor dem Kassationshof war er neben Roget der leidenschaftlichste Ankläger. Er be­schuldigte auch Dupaty de Elam der Fälschung. Der Zeuge erklärt, daß er einen neuen Beweis beibringen könne für die indiskrete Art, in welcher Dreyfus sich Mitteilungen zu verschaffen suchte. Er habe sich mit Minen zu beschäftigen gehabt, welche im Kriegsfall die Eisenbahnstrecken zerstören sollten. Dreyfus sei mit einer ähnlichen Arbeit betraut ge­wesen, habe aber nur Kenntnis gehabt von den Minen der Ostbahn. Eines Tages habe Dreyfus gebeten, Mitteilungen über den Centraldienst zu erhalten. Er, Cuignet, habe solche verweigert, trotzdem sei es Dreyfus gelungen, sich diese Noten zu verschaffen. Bei einer späteren Haussuchung bei Dreyfus seien dieselben nicht gefunden worden. Er frage nun, wo diese Noten geblieben seien. Er halte Dreyfus für schuldig und stütze seine Ueberzeugung erstens auf das Ge­ständnis Dreyfus, zweitens auf das Bordereau und drittens auf den geheimen Dossier. Im Kriesministerium existiere ein Dossier, welches Einzelheiten über die Jntriguen zwischen Persönlichkeiten, die heute noch eine hervorragende Stelle bekleiden und Repräsentanten einer fremden Macht enthielte. Dasselbe habe noch kein Richter gesehen. Zeuge erklärt weiter, Dreyfus sei nicht der einzige Spion gewesen. Der Agent A. sei speziell mit Spionage beauftragt gewesen. Derselbe verteidige heute Dreyfus und wolle ihm Esterhazy unterschieben. Als Zeuge sagt, es sei dargethan, daß Dreyfus Verrat geübt, stößt Dreyfus einen Ruf aus, der nicht verstanden wird.

Nochmals auf den Agenten A. zurückkommend, bemerkt Cuignet, demselben sei einmal gestattet worden, als einziger Ausländer einer Reiterübung beizuwohnen. Er habe nachher nach Hause geschrieben, wie kindlich sich die französischen Offiziere von ihm die Würmer aus der Nase ziehen ließen. Cuignet ruft mit Donnerstimme: Wir werden niemals zu­geben, daß ausländische Offiziere solcher Gattung vor einem französischen Gericht gegen französische Offiziere aussagen. In der Panizzardi-Depesche sieht Zeuge den Beweis der Be­ziehungen Dreyfus zu Italien. Auch der Bericht des Obersten Schneider bezeuge die Schuld Dreyfus. Der Bericht sei von General Chamoin als unanfechtbar echt bezeichnet worden. Ein authentisches Zeugnis sei auch bei den Akten über einen Toast, den Schneider bei einem Abschiedessen zu Ehren des Agenten A. gehalten hat, und welcher schließt mit den Worten: Lange noch wird man in allen Armeen der Welt von ihm sprechen und wird sagen, das war ein Kerl. Hierauf fragt einer der Richter, ob Cuignet Einzelheiten über die Fälschungen Henrys geben könne. Cuignet teilt einige schon bekannte Details mit. Carriöre sagt hierauf mit brummiger Stimme: Ein Zeuge hat hier über einen Bericht eines in Frankreich beglaubigten ausländischen Offi­ziers eine Erklärung abgegeben. Im Namen der Regierung mache ich über diese Erklärung meine Vorbehalte." Auf Verlangen von Demange verliest der ©refftet einen Teil von Cuignets Aussagen vor dem Kassationshof, welche sich mit den heutigen Aussagen Cuignets in Widerspruch be­finden.

Auf die Frage Demanges, ob der Rapport eines Militärattachees so gelautet, wie Mercier ihn vorgelesen, antwortet Cuignet:Es stand auch noch etwas anderes darin. Es war von der Revisions-Campagne zu gunsten Dreyfus' die Rede, sowie von einem Besuch bei Agent A." Demange stellt noch verschiedene Fragen über die Fälschungen Henrys und das DokumentCette Canaille de D. Cuignet sagt, dies Dokument sei ihm verdächtig erschienen. Dreyfus ruft laut:Es ist schändlich, daß man zwei Stunden lang so gegen einen Unschuldigen sprechen darf.

Carriöre teilt mit, daß Dupaty de Clam krank sei und nicht kommen könne. Wenn fein Befinden sich nicht bessere, müsse man seine Aussagen verlesen. Demange verwahrt sich hiergegen.

General Boisdeffre gibt als nächster Zeuge die bekannte Vorgeschichte des Dreyfus-Falles wieder. Bezüglich des Ge­ständnisses Dreyfus' kann er sich nicht erinnern, daß Picquatt ihm die Mitteilung über ein Geständnis Dreyfus' über­bracht habe. Betreffs Picquarts erklärt der Zeuge, er habe zuerst gezögert, denselben in den Generalstab zu nehmen und habe es nur auf eine Empfehlung Gallifets gethan. Zeuge spricht nun über den Fall Esterhazy und kommt dann wieder auf Picqart zurück. Im Interesse des Dienstes habe er den Kriegsminister ersucht, Picquart aus dem General­stab zu entfernen und nach Tonkin zu senden. Demange fragt, ob er etwas von Beziehungen Picquarts zu Dreyfus wisse. Demange fragt außerdem noch den Zeugen, ob nach der Verurteilung Dreyfus' Schriftstücke verschwunden seien. Der Zeuge bejaht dies.

Nachdem Dreyfus auf die Frage, ob er noch etwas zu sagen habe, mit Nein geantwortet hat, tritt eine kleine Pause ein.

Nach Wiederaufnahme der Verhandlung wird General Gonse aufgerufen. Derselbe sagt, Esterhazy habe nie Geld für Nachrichten bekommen, er halte es auch für unmöglich, daß das Bordereau von Esterhazy und Dupaty de Clam angefertigt sei. Er bestreite auch, daß Henry sich zur An­fertigung von Fälschungen für das geheime Dossier Dupaty de Clams bedient habe. Ein Mitglied des Gerichts stellt die Frage, ob Dreyfus je während 24 Stunden die Schrift­stücke betreffs der Deckungstruppen in Händen gehabt habe. Zeuge kann hierüber keine Auskunft geben. Gonse be­streitet, die von Bertulus erwähnte tragische Szene mit Henry. Er teilt mit, daß Henry, als er ihm das falsche Schriftstück einhändigte, ihn ersuchte, es nicht Picquart zu zeigen. Auf die Frage Demange antwortet Gonse, er habe Picquart angewiesen, von einer Untersuchung gegen Ester­hazy wegen der Unterschrift des Bordereaus abzusehen. Dreyfus schildert hierauf, wie schwer es sei, in das Bureau des Ministeriums- zu gelangen. Nach einer scharfen Aus­einandersetzung zwischen Picquart, Gonse, und Billot wird die Sitzung um 9/412 Uhr auf Montag Morgen vertagt.

Deutsches Keich.

Darmstadt, 19. August. Seine Königliche Hoheit der Großherzog sind gestern abend von Bayreuth wieder auf Jagdschloß Wolfsgarten eingetroffen.

Darmstadt, 19. August. Ihre Königlichen Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin werden sich voraussichtlich morgen abend nach Mainz begeben und im Großh. Palais daselbst Wohnung nehmen. Die Begrüßung Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs mit Seiner Majestät dem Kaiser findet am Montagmorgen bei Wärterbude 39 der Strecke MainzAlzey statt, von wo sich die Allerhöchsten Herrschaften zum Paradefelde, dem Großen Sande, begeben, während Ihre Königliche Hoheit die Großherzogin Ihre Majestät die Kaiserin Friedrich um 9 Uhr 40 Min. auf der Station Kastel abholen und sich mit dem hohen Gaste ebenfalls zur Truppen­schau begeben werden. Um 3 Uhr mittags werden Seine Majestät der Kaiser nach Wolfsgarten abreisen, von wo gegen abend die Weiterreise stattfindet.

Bad-Nauheim, 19. August. Bischof Dr. Haffner von Mainz traf heute hier ein und weilte mehrere Stunden bei dem hier die Kur gebrauchenden Erzbischof v. St ab lew sky von Gnesen-Posen.

Bad Nauheim, 19. August. Fürst Ferdinand von Bulgarien reist heute nacht zu den Festspielen bei Bayreuth ab.

Berlin, 20. August. Nach derNational-Zeitung" herrscht in den weitesten politischen Kreisen die Ansicht, daß das preußische Staatsministerium die gestrige Niederlage nicht zu überstehen vermöge und daß es seine Entlassung einreichen werde. Seine Umbildung dürfte unter Beibehaltung einiger jetziger Minister erfolgen.

Berlin, 19. August. Im Abgeordnetenhause war heute schon lange vor Beginn der Sitzung der Sitzungssaal und die Tribünen stark besetzt. Am Ministertische hatten sich Fürst Hohenlohe und die Minister Miquel, Thielen, Bre- feld und Hammerstein eingefunden. Zur dritten Lesung )er Kanal-Vorlage haben die Nationalliberalen den Antrag eingebracht, in welchem die Regierungs-Vorlage einschließlich )es schlesischen Kompromiß-Antrages wieder hergestellt werden soll. Ferner liegt ein Antrag des Zentrums vor, nur den Dortmund-Nhein-Kanal und die Verbindung von Dortmund bis Bevergern wieder herzustellen. Sodann will eine frei» konservative Resolution im Falle der Ablehnung der Dvrt- mund-Nhein-Strecke die Regierung um eine Vorlage be­treffend Kanalisierung der Lippe ersuchen. Als erster Redner erhält das Wort der Abgeordnete von Wangenheim (Bund )er Landw.) der den bekannten ablehnenden Standpunkt der großen Mehrheit der konservativen Fraktion nochmals dar­egt. Abg. Hobrecht (natl.) empfiehlt den nationalliberalen Antrag zur Wiederherstellung der Regierungs-Vorlage. Abg. von Kardorff (freikons.) erklärt, daß der größte Teil einer Partei für den Dortmund-Rhein-Kanal stimmen werde, wenn die Regierung denselben als ausführbar bezeichnet. Geschehe dies nicht, so würde sie den Dortmund-Rhein-Kanal

ablehnen. Minister Miquel erwidert, die Staats-Regierung halte selbstverständlich an der Annahme der gesamten Kanal- Vorlage unbedingt fest. Ob ein Teilstück technisch durch­führbar sei, könne er heute nicht sagen. Aber die Staats­regierung würde selbstverständlich, wenn beide Häuser nur dieses Teilftück bewilligen sollten, die Frage der Durchführ­barkeit nochmals sorgfältig prüfen. Abg. Richter führt aus: Seine Freunde seien nicht in der Lage, den Dortmund- Rhein-Kanal allein zu bewilligen, sie würden nur für die ganze Vorlage, also für den nationalliberalen Antrag stimmen. Abg. Fritzen (Zentrum) bittet, dem Zentrumsantrage zuzu­stimmen. Seine Freunde würden eine Auflösung des Land­tages für ein nationales Unglück halten, weil alsdann em wüster Jnteressenkampf beginnen würde. Abg. Rickert (freif. Ver.) sagt namens seiner Freunde, daß dieselben dem natio­nalliberalen Anträge zustimmen werden. Ein Teil seiner Partei sei auch bereit, für den Zentrumsantrag einzutreten. Nur müßte die Absicht der Regierung erst vollkommen klar gestellt werden. Abg. Graf Limburg-Stirum (kons.) erklärt, daß seine Freunde für den Zentrumsantrag nicht eintreten könnten, denn jeder Kanalbau würde die Resultate erschüttern, welche wir mit unserer Eisenbahn-Politik glücklich erreicht haben. Ministerpräsident Fürst Hohenlohe bittet das Haus, sich keinerlei Illusion darüber hinzugeben, als ob mit einer Ablehnung des Mittelland-Kanals die Frage erledigt sei. Diese Frage werde damit nicht von der Tagesordnung ver­schwinden, sie werde wiederkehren, und die Regierung werde alles anwenden, um den Kanal zur Annahme zu bringen. Auch den Hinweis darauf könnte er nicht unterlassen, daß das Verhalten der Konservativen in dieser Frage sehr folgen­schwer sei für ihr ferneres Verhältnis zur Regierung und daß im Falle der Ablehnung der Vorlage diese Wirkung eine unheilvolle fein würde. (Bewegung und Unruhe rechts). Vizepräsident Miquel erwidert auf die Ansprache des Ab­geordneten Rickert, daß die Regierung auf der Bewilligung des Mittelland-Kanals auch dann bestehen werde, wenn heute nur der Dortmund-Rhein-Kanal bewilligt werde. Es wird nunmehr über den § 1 des nationalliberalen Antrages abgestimmt und derselbe mit 235 gegen 147 Stimmen ab- gelehnt. 32 Abgeordnete enthielten sich bet Abstimmung. Nunmehr wird über den § 1 des Zentrums-Antrages ab­gestimmt. Derselbe wird mit 275 gegen 134 Stimmen ab» gelehnt. Ohne weitere Debatte wird der Rest der Vorlage gleichfalls abgelehnt. Vom Abgeordneten Arendt (freikons.) ist eine Resolution eingebracht, die Regierung zu ersuchen, eine Vorlage über die Verbindung des Dortmund-Ems- Kanals mit dem Rhein durch Kanalisierung der Lippe oder durch eine andere leistungsfähige Wasserstraße zu machen. Das Haus lehnt diese Resolution ab. Die die Kanal-Vor­lage betreffenden Staatsverträge mit Bremen, Braunschweig und Lippe werden von der Tagesordnung abgesetzt. Montag 11 Uhr kleine Vorlagen,

Berlin, 19. August. Im Abgeordnetenhause' verlautete, daß heute vor der Sitzung die Landräte und höheren Regierungsbeamten, welche Mitglieder des Hauses sind, zum Minister des Innern berufen wurden, welcher ai fie das Ansinnen gestellt habe, für die Regierungs-Vorlage zu stimmen. (?!)

Berlin, 20 August. Das deutsche Konsular­wesen. Wie man aus Washington schreibt, hat dort ei» vom amerikanischen Generalkonsul in Berlin, Herrn Frank H. Mason, dem Ministerium des Aeußern übersendeter Be­richt über die bevorstehende Umänderung des deutschen Konsulardienstes lebhafte Beachtung gefunden. Diesem Be­richte zufolge will man verschiedene Mängel, die diesem Dienste bisher anhafteten, beseitigen. So hätten, wie Herr Mason ausführt, verschiedene Anzeichen bewiesen, daß einzelne deutsche Konsuln und ihre Untergebenen für de» Kaufmannsstand eine gewisse Geringschätzung an den Tag gelegt hätten. Einen empfindlichen Uebelstand habe ferner baS bisher befolgte System ber Versetzungen gebUbet, wobei bie Konsuln nicht selten so rasch von einem Orte nach bem anberen eilen mußten, baß ihnen bie Möglichkeit entzogen mürbe, bie in ihren Stellungen erworbenen Kenntnisse und Erfahrungen zum besten ihres Laubes zu verwerten. Hierin soll nun ein Wandel eintreten. Der Konsulardienst soll, wie Herr Mason berichtet, in Zukunft zu einem wirksame» Mittel für die Einbürgerung des deutschen Handels selbst in den entlegensten Erdwinkeln werden. Man werde zu diesem Behufe diesen Dienstzweig mit derselben wissen­schaftlichen Gründlichkeit reorganisieren, wie sie das Militär-, Erziehungs- und Jndustriewesen Deutschlands kennzeichnen. Wenn die gegenwärtigen Anzeichen nicht täuschen, so werde mit dem Bureaukratismus, der bisher einer gedeihliche» Entwickelung des deutschen Konsularwesens im Wege stand, gebrochen und dieser ganze Dienst nach den Erfordernisse» der ihm gestellten praktischen Ziele eingerichtet werden. So werde man sorgfältig ausgewählte und für den Dienst auf einem bestimmten Gebiete besonders vorbereitete Männer i» das Ausland entsenden, damit sie sich von untergeordneten Stellungen bis zu Konsulatsposten in ihrem Bezirke empor­arbeiten, um schließlich womöglich zur Dienstleistung im Auswärtigen Amt berufen zu werden, das dann im Laufe ber Zeit über Fachmänner in Bezug auf bas Konsulats­wesen verfügen wirb, bereu Sachkenntnis sich über bas ganze Gebiet bes beutschen Aussuhrhanbels erstrecken werbe.

Hamburg, 20. August. Der Hamburgische Korrespondent meldet aus Berlin: Die Nachricht von einer Verschiebung des Verhältnisses der Konservativen zur Krone sei auf eine unmittelbare Veranlassung des Kaisers in die Presse gebracht worden. Heber Einzelmaßnahmen herrscht völlige Ungewißheit. Die Rückkehr des Kaisers nach Berlin erfolgt wahrscheinlich am Dienstag.

Ausland.

Paris, 20. August. Der Anarchist Sebastian Faure hat gestern abend einen Aufruf verteilen lassen.