Ausgabe 
21.12.1899 Viertes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

lehen in

ÄAr*

feine 6tM-kNk(J

Nchm shurg der sm

Mir

geschriebenen Rabatt.) N Dezember

W-

hl geöffnet ffett-Vemn.

M.

ise Auswahl in

. ... TOR 70 ktz. an.

. . . . , 25Mk. , . . von2 Mk. 5"! Pfg. » . . , 1 ' 50 n 9 fragen für Herren u. Knaben eile und FnssÄ > in allen Farben und BrM

ehmar Marit m

<4

her 10 *

A«»®

Kjrchenpiat^--

iiiiifnudfdlt

8192

Men, MeMM «**

Wkdi 16.

Rr. 300 Viertes Blatt. Donnerstaa dm 2l. De-ember

18»»

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

Bei Postbezug 2 Mark 50 Pf,, vierteljährlich.

Aezugsprei» vierteljährlich

2 Mark 20 Pfg monatlich 75 Pf,, mit Bringerloh«.

ÄOt Anzeigen-vermittlungSstellen btS In- und Auslande, nehmen Anzeigen für dm Gießener Anzeiger entgege».

eeeNrnt len Anzeigen zu der nachmittags für den |»||tMe« te, erscheinenden Nummer bi» vorm. 10 Uhr.

Grfcheiat »gNch mit Ausnahme de» Mantag»

Die Gießen cr -«»iktenßkttter »erden dem Anzeiger »dchentlich Viermal betgrlegt.

Aants- und Anzeigeblntt fiir den Kreis Gieren.

Redaktion, Expedition und Druckerei:

Kchnkstrahe Ar. 7.

brauch ein so enormer sei, müsse sparsamer Umgang mit Munition erste Bedingung sein, wenn man sich nicht vor­zeitig verschießen wolle. Man bürfe vor allen Dingen den Wert der Maxims gegen Infanterie nicht überschätzen, gegen solche seien ihm 20 bis 30 Schützen, die auf 200 Meter einen Heuhaufen treffen könnten, lieber als ein Maschinengewehr, denn bei ersteren würde eine größere Strecke bei geringerem Munitionsaufwand unter Feuer genommen, als bei dem die Geschoßgarbe sehr zusammen­haltenden Maxim. Der Vorsitzende der Versammlung führt dann noch weiter aus, daß im Falle die Maxims auf eine günstige Stelle gerichtet seien, kein Schützenfeuer eine so moralische Wirkung erzielen würde, als das Geknatter der Maschinengewehre. Ferner seien Maschinengewehre im vergangenen Jahre im Sudan mit größtem Erfolg zu Batterien zusammengestellt worden. Als Flankenschutz für Artillerie seien dieselben vorzüglich verwendbar. Daß man Maschinengewehre auch beim Angriff verwenden könne, habe kürzlich das Gefecht bei Dundee bewiesen.

Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Dtätter für hessische Volkskunde._________________

Adresse für Depeschen: Anzeiger Kteße«.

Fernsprecher Nr. 51.

laufen zu lassen, was auch geschah. Das Mädchen wurde alsbald den Eltern zugeführt, die kurz vorher von ihrer Tochter einen Rohrpostbrief empfangen hatten, in welchem dieselbe ihren Tod anzeigte und um Verzeihung bat.

* Wie Mac Kinley und seine Frau Weihnachten feiern. Das amerikanische Präsidentenpaar hat bekanntlich keine Kinder. Um den kindlichen Jubel, der dem Weihnachtsfeste erst die echte Weihe verleiht, nicht entbehren zu müssen, wird im Weißen Hause alljährlich einer ganzen Anzahl von Kindern aus dem Bekanntenkreise Mac Kinleys bescheert, zu welchem Zwecke die Gemahlin des Präsidenten schon wochenlang vorher ganze Berge von Spielzeug und anderen Dingen, die ein Kinderherz erfreuen, eintauft. Für ihren Gatten bereitet sie immer, der alten amerikanischen Sitte gemäß, einen Weihnachtsstrumpf vor, der im vorigen Jahr mit einer schönen altmodischen Taschenuhr mit schwerem goldenen Siegel gefüllt war, so wie man sie in früheren fahren trua, und wie sie jetzt wieder in Amerika modern sind.

Der Winter ist da!

Hu, wie der Sturmwind schnaubt und braust, und wie die Wolken brauen,

Heut ist des Wetters Ungestüm und Tücke nicht zu trauen. Kein Sonnenblick im oben Grau seit vielen, vielen Tagen. Schneeflocken sich im WirManz wilb burch bie Lüfte jagen. Der Winter pocht mit harter Faust an Hütten unb Palaste, Verheißt bem Reichen Lust unb Scherz unb ungezählte Feste: Vertreibt uns nicht vom Fensterborb mit ärgerlichem Schelten, (Sin Bröcklein nur, ein Flöcklein nur ein And ter mögS vergelten!

Ein bicker Teppich, ruht der Schnee auf abgeräumten Feldern, Mit alitzerndheller Demantenpracht auf schlummermüden ä v Wäldern;

Maschinengewehre.

M.P.C. Bekanntlich sind einige unserer Jäger- sowie Infanterie-Grenzbataillone mit den neuen Maschinengewehren ausgerüstet, um durch eine gründliche praktische Ausprobie- rung den Gefechtswert derselben festzustellen. Die Eng­länder haben sich des Maschinengewehres schon seit einer Reihe von Jahren, als dasselbe noch lange nicht die sicher funktionierende Waffe der heutigen Zeit war, in ihren Kolonien bedient und dürfte daher das Urteil eines eng­lischen Offiziers, der Maschinengewehre in vielen Gefechten geleitet hat, von Interesse sein.

In bem in Plymouth gehaltenen Vortrage erwähnt ber Redner zunächst bie Fehler im System Garbner & Norben- felt unb stellt fest, baß lebiglich bas System Maxim, welches Mobell auch in Deutschland) angenommen ist, allen Bebirig- ungen entspricht. Bei einem Vergleichsschießen zwischen Maxim-Maschinengewehren unb Jnfanlerie-Schützenfeuer auf feste unb bewegliche Scheiben fei ber Prozentsatz an Treffern vollstänbig zu gunften ber Maschinengewehre ausgefallen. Auf bie Frage, wo Maximgewehre verwenbet werben sollten, sagte ber Rebner, auf Grunb feiner in Afghanistan ge­sammelten Erfahrungen, baß die moralische Wirkung in Gebirgsgegenden und gegen Wilde eine ungeheure sei, es genügten nur wenige Treffer, um sich den Gegner vom Leibe zu halten. Zur Verteidigung von Engpässen, Brücken usw. bei Nacht seien Maschinengewehre unübertroffen, denn dieselben können bei Tage eingerichtet werden, um im Bedarfsfälle ihr Ziel mit größter Treffgenauigkeit unter Feuer nehmen zu können. Maschinengewehre feien lediglich eine DerteidigungS- und keine Angriffswaffe. WaS die Lafetten anbeträfe, fo bedauere er, baß wegen bes schwierigen Transports in gebirgigem Gelände nicht allgemein die leichte Dreifußlafette eingeführt fei; die übrigen in der englischen Armee eingeführten Lafettensysteme seien zwecklos. Redner spricht sich für die Verwendung von Maultieren aus, denn waS das Durchgehen der Maultiere bei Nicholsons Nek in Transvaal anbetrifft, fo sagt er, daß er nicht daran glaube, daß bie zwischen bie Maultiere geworfenen Steine am Durchgehen Schuld gewesen seien, denn er habe Maultiere wie angemauert stehen sehen, denen andere Steine von höheren Felsen an der Nase vorbei heruntergefallen seien. Redner führt genannten Vorfall lediglich auf die Bedienungsmann- schaften zurück, deren Nerven versagt hätten und die selbst bie Tiere absichtlich unruhig gemacht hätten.

Die mit ber Leitung ber Maxims betrauten Offiziere sollten niemals mehr als ca. 20 Schuß abgeben lassen, bevor sie sich nicht von ber guten Wirkung überzeugt hatten, denn gerabe für Maschinengewehre, bereu Mumttonsver-

Doch unter all' bem Glanze hält bas Elenb sich verborgen. Nicht beckt bas Zauberfarbenspiel der armen Vöglein Sorgen. Kein Beerlein mehr an Busch und Strauch, kein Körnlein auf den Wegen;

Doch da und dort ein Vöglein schon, das seiner Not erlegen: Vertreibt uns nicht vom Fensterbord mit ärgerlichem Schelten, Ein Bröcklein nur, ein Flöcklein nur ein Reich'rer mogS vergelten!

Wie wird in Hungersnot und Pein der Winter uns vergehen. Wie soll das dünne Federwamms dem Sturmwind wider­stehen?

Am Dachfirst ein paar Hälmlein Stroh, uns matt hinein« zuschmiegeu,

Doch besser noch als tief im Schnee zum letzten Schlaf zu liegen!

Wie reich hingegen Euer Tisch, wie wohlig Eure Räume, Wie köstlich Eure Ruhestatt, wie rosig Eure Träume;

Vertreibt uns nicht vom Fenfterbord mit ärgerlichem Schelten, Ein Bröcklein nur, ein Flöcklein nur ein Höh'rer mögS vergelten!

Vergebens flehen dars ja nicht die Not an Eurer Pforte, £), so vernehmt mit Herz und Ohr des armen Vögleins Worte:

Die Bröcklein nur, die Magd und Kind im Uebermut zer­streuen,

Sie wären bald ein reicher Schatz, die Vöglein zu erfreuen. Und wo ein Fläumlein übrig ist, ein kleines Wolleflöckchen, O, schenkt es uns für unser Bett, fürs schlechte Federrockchen: Vertreibt uns nicht vom Fensterbord mit ärgerlichem Schelten, Ein Bröcklein nur, ein Flöcklein nur Gott wird es Euch vergelten!

der Leserwelt wendet, erhält dadurch den Charakter eines wirklichen deutschen Haus- und Familienbuchs und ist mit seiner gediegenen und geschmackvollen Ausstattung berufen, fich einen Platz in jeder Haus­bibliothek zu sichern. Als Gabe zu dem kommenden Weihnachtsfeste dürfte es auf jedem Geschenktische mit Freuden willkommen geheißen werden^ Strindberg bat feine Einsiedelei in der kleinen südschwedischen Universitätsstadt Lund verlassen und ist nach Stock­holm überaestedelt, um die Aufführung seiner neuesten h t st o r i- fchen Dramen selbst zu leiten. ES sind diesDie Fol- kunaer-Sage, Gustav Wasa, Erich XIV," von denen daS -wette in allernächster Zeit tn Stockholm gespielt wird. In Buchform liegen ste bisher nicht vor; sie werden gleichzeitig mit der schwedischen Originalausgabe und der dänische norwegischen Ueber- setzung unter Mitwirkung von Emil Schering als Uebersetzer deutsch in E. Piersons Verlag in Dresdm erscheinen. Dieser selbe Verlag niebt soeben die neuesten beiden modernen Dramen SlrindbergS in der von Emil Schering besorgten deutschen Originalausgabe heraus: st; führen den gemeinsamen TitelVor höherer Instanz". Das zweite dieser Dramen, das den Untertitel Raus ch" führt, wird im Laufe der Saison vom Resrdenztheater in Berlin zur Aufführung gebracht werden.

Universität und Hochschule.

Berlin, 17. Dezember. Geheimer Regierungsrat Professor vr. Ernst Robert Schneider, der verdienstvolle Chemiker, beging unter Teilnahme der wissenschaftlichen Kreise das goldene Doktor-Jubtläum. Im Namen der Universität, sowie der philosophischen Fakultät über­mittelten der Rektor Prof. Dr. Fuchs und der Dekan Prof. Ench Schmidt dem Jubilar persönlich die Glückwünsche. Der Kaiser verlieh ihm den Kronenorden zweiter Klasse Geh. Rat Schneider steht im 75. Lebens» fahre er ist am 20. März 1825 zu Aschersleben geboren. Der Uni« versiiät gehört er schon 46 Jahre als Dozent an, seit 1860 als außer­ordentlicher Professor. Sein Fachgebiet ist die Chemie. Lange Zeit war er Mitglied der Kommission für die pharmaceuttsche Prüfung.

Feuilleton.

Schmeichelei ist die Macht des Kleinen.

Kitteratur.

DaS deutsche Vaterland im 19« Jahrhundert. Eine Darstellung der kulturgeschichtlichen und politischen Entwicklung für das deut che Volk, geschrieben von Albert Pfister. Elegant gebunden Mk. 8. (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt). Von den zahlreichen Werken, die von der Wende des Jahrhunderts aus einen Rückblick aus die letztverflossenen hundert Jahre werfen, dürften nur wenige an All- aemeininteresse dem vorliegenden Buche gleichkommen. Albert Pfister, der sich durch seine militärischen und geschichtlichen Sprachforschungen einen sehr geachteten Namen unter den modernen Militärschriftstellern und Historikern erworben, zeigt in demselben ferne ungewöhnliche Be­gabung von einer ganz neuen Seite, von der eines kernigen, volkstüm­lichen Darstellers im besten Wortsinne. Seme Art, die geschichtlichen Ereiqntffe als die natürlichen Folgen bestimmter Zustände und Verhält- niffe erscheinen zu lassen, und so die wissenschaftlich unhaltbare Schranke zwischen politischer und Kulturgeschichte zu beseitigen, gtebt den Lesern stets ein klares und faßliches Zeitbild. Dazu schreibt der Verfasser mit einem seltenen Freimut, zu allen Fragen einen selbständigen Standpunkt einnehmend und sich erforderlichenfalls ebenso entschieden gegen rechts wie gegen links wendend. Das Werk, das fich an die weitesten Kreise

Belausch!'nudgerettet. Berliner Blätter berichten: In einem Hotel in ber Nähe bes Schlesischen Bahnhofes kehrte ein blutjunges Paar ein, bas sich im Frembenbuch als Aug. Bremer unb Frau Luise aus Breslau einzeich- nete Das angebliche Ehepaar, bas keine Reifeeffekten bei sich'führte, bezahlte bas Zimmer für einen Tag unb ber ö7rr erklärte bem bebienenben Zimmerkellner, baß er nicht aeftört fein wolle unb auch am nächsten Morgen nicht ge­weckt zu werben wünsche. Dem Kellner kam es, als er dem Gaste beim Eintritt in bas Zimmer den Paletot ab- leqen half, verbächtig vor, baß m ber Sörufttafdjc em Re­volver steckte. Er machte feinem Prinzipal Mitteilung von seiner Wahrnehmung unb man beschloß, basEhepaar" zu nMeroieren Dies geschah baburch, baß ber Kellner sich in baranstoßenbe Zimmer begab unb bie VerbinbungSthür leise unb^ unbemerkt öffnete, sobaß er jeben Augenblick n bas von bem Paare bewohnte Gemach cinbrmgen konnte. Er hörte nun halb aus ben Gesprächen der Betben soviel her­aus, baß es sich um ben Plan, gemeinschaftlich in benTob zu gehen, hanbelte, unb er bemerkte, baß ber junge Mann den Revolver mit sechs Kugeln lub. Nun glaubte ber Kellner, nicht länger zögern zu dürfen, unb brang in bas «immer ein. Der Hotelier, ber bazu kam, konfiszierte ben Revolver. Das junge Mäbchen gestanb auch, baß sie Willens gewesen fei, mit bem Geliebten in ben Tob zu neben weil ihre Eltern eine Verlobung nicht zugeben wollten. Der junge Mann, ein Barbiergehilfe, bat himmelhoch, ihn

Gerichtssaal.

* Leipzig, 19. Dezember. (Ein verkommener Student.) Wegen Betrugs tn zwei Fällen hatte sich der frühere Student ber Theologie, zuletzt Schreiber tn Leipzig, Johann Friedrich Wtlh. B. zu verantworten. Der Angeklagte, der vier Semester an unserer Universität studiert hat, dann aber exmatrikuliert wurde, befinde, sich auf einer abschüssigen Bahn, wozu ihn mangelnde Energie und Leichtsinn gebracht hab-n. Er ist wegen Betrugs und BetrugS- versuches mit 12 Tagen Gefängnis und dr.tmal wegen Bettelns vorbestraft. Diesmal fällt ihm zur Last, fich tm Herbst vorig«, Jahres dem Restaurateur H. in Böhlitz-Ehrenberg gegenüber, ob­gleich ihm daS akademische Bürgerrecht entzogen war, als Student und als Mitglied einer hiesigen Burschenschaft avsgegeben und Herrn H. dadurch zu einem Darlehen von 5 Mk. veranlaßt zu haben. In ähnlicher Weise tret der Angeklagte am 1. Oktober 1898 einem Restaurateur tn L.-Eutritzsch gegenüber auf. Er machte hier eine Zrche von 1,35 Mk. die ihm von dem Wirte mit Rücksicht darauf, daß er Mütze und Bierzipsel der Burschenschaft trug und sich als Mit- glied derselben auSgab, kreditiert wurde. In betd-.n Fällen hat der Angeklagte Schuldscheine ausgestellt, in denen er sich ebenfalls alS Student gerirte. Datz Gericht erkannte wegen Betruges gegen den Angeklagten auf zwölf Tage G-fängnts. In eindringlicher Weise wies der Vorsitzende, Herr Oberamtsrichter Schwerdfeger, den An­geklagten auf die Folgen hin, die wettere Strafen wegen Bettelns nach sich ziehen würden die Ueberweisung an ein Arbeitshaus! und ersuchte ihn dringend zur Umkehr und zur Besserung.

Wetterbericht. Das barometrische Maximum hat über Osteuropa noch mehr an Raum gewonnen und ist der Luftdruck namentlich über den unteren Donauländern gestiegen. Von dort reicht hoher Druck heute keilförmig bis gegen die Zentral-Alpen vor. Im äußerstenSüdwefien besteht das flache Depressionsgebiet fort. Auf unserem Gebiete hcckt ber teils heiterem, teils nebeligem Himmel das strenge Frostwetter tm Flach­land an. Im Gebirge dagegen verzeichnen die Gipfel- und Thalstattonen Temperatur-Umkehr. - Voraussichtliche Witterung: Zunächst teils heiteres, teils nebeliges Frostwetter.