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Donnerstag den 2t. Deeember
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Gießener Anzeiger
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Jahrzehn, hundert usw.; oder ob die Bezeichnung Jahr 1, Jahr 2, Jahr 100, 1800 usw. das fertige Jahr benennt, sodaß also mit „erstes Jahr" das beginnende und dahinfließende Jahr gemeint ist, aber mit „Jahr eins" das abgelaufene vollendete erste Jahr, und daß der 1. Januar von Jahr eins, demnach der 1. Tag des zweiten Jahres ist, und daß „Jahr 1" durch das ganze zweite Jahr hindurch bis zu besten 31. Dezember gilt und dann Jahr 2, beziehungsweise das 3. Jahr beginnt. Der ganze Zwiespalt und Streit betreffs des Endes eines Jahrhunderts und des Anfangs des nachfolgenden neuen Jahrhunderts rührt lediglich daher, daß die Einen sagen: „erstes Jahr" und „Jahr eins" ist ein und dasselbe, und daß die Andern sagen, „erstes Jahr" bezeichnet das werdende Jahr, „Jahr eins" aber bezeichnet das abgelaufene erste Jahr und zugleich das hinfließende werdende zweite Jahr und so fort.
Wer hat nun Recht?
In der Schule haben wir gelernt, daß die Jahreszahlen unserer Zeitrechnung im Lateinischen mit den Ordnungszahlen, im Deutschen aber mit den Grundzahlen bezeichnet werden. Hiernach ist es Einem angelernt und anerzogen worden, die Bezeichnung „Jahr Christi eins" und „im ersten Jahr nach Christus" für ganz gleichbedeutend zu halten, also auch heute zu sagen: wir leben jetzt „im Jahre Christi 1899" oder, was dasselbe sei, im 1899. achtzehnhundert neun und neunzigsten — Jahre nach Christi Geburt. Diese Behauptung wird aber, obgleich viele sie als die für die Gebildeten und Gelehrten allein richtige verkündigen, doch auch von Gebildeten und Gelehrten, vom Kaiserthron bis zum Lehrstuhl, mit sehr triftigen Gründen bestritten, und die gegenteilige Anschauung, daß „erstes Jahr" und „Jahr eins" nicht dasselbe sei, daß wir heute „im Jahre Christi 1899" leben, d. h. soviel als im 1900. — neunzehnhundertsten — Jahre, hat viele gute Gründe für sich.
Diese Gründe, die auf den Nachweis hinausgehen, daß wir mit Fug und Recht vom kommenden 1. Januar 1900 den Beginn des neuen Jahrhunderts feiern, haben wir bis jetzt noch wenig öffentlich dargelegt gefunden.
Wir wollen auf dieselben nachfolgend kurz Hinweisen mit einigen Bemerkungen zur Bekämpfung der anderen Anschauung.
Vor allem ist es Thatsache, daß viele von denen, die jetzt das neue Jahrhundert erst am 1. Januar 1901 wollen beginnen lassen, also den Tag der Geburt Christi schon als „Jahr 1" bezeichnen, im Laufe des Jahrhunderts nie anders geglaubt und geredet haben, als daß z. B. das Jahr 1811 mit allen seinen Tagen das 181 2. Jahr unserer Zeitrechnung war. Sie redeten von dem Revolutisnsjahr 1848 als von dem „Jahr 48", dem „achtundvierzigcr Jahr", aber nicht von dem 1848. — achtzehnhundert acht und vierzigsten — Jahr, sondern nur von dem 1849. Jahr unserer Zeitrechnung. Da macht sich so zu sagen der gesunde Menschenverstand, das natürlich richtige Fühlen und Empfinden geltend. Jetzt aber, vor der Jahreswende selbst, erhebt sich im Volk der Denker das aus klassischem Boden erwachsende reine, theoretische Denken, bei dessen Ergebnissen man fast sagen könnte: Es erben sich Gesetz und Recht, wie eine ewige Krankheit fort.
Gegen unsere Anschauung wendet man ein: Wenn das 1. Jahr nach Christi Geburt nicht zugleich daS Jahr 1 sein sollte, dann müsse man dieses 1. Jahr das Jahr 0 — Null — nennen, und wenn man ein geschichtliches Ereignis aus diesem 1. Jahr anführen wolle, müsse man sagen: Im Jahre 0 nach Christi Geburt geschah dies oder das. Das sei doch Unsinn. Ja freilich, das wäre Unsinn. Aber keinem Menschen fällt es ein, ihn zu begehen. Das 1. Jahr ist allerdings noch kein wirklich vorhandenes Jahr, es wird erst ein solches im Verlauf der 365 Tage; es bezeichnet aber doch eine zum 1. Jahr gehörende Zeit, in der von Tag zu Tag gelebt wird und Thaten geschehen können. Und will man diese Thaten ihrer Zeit nach benennen, so sagt man richtig: an dem und dem Tag, in dem und dem Monat des 1. Jahres nach Christi Geburt. Dies ist aber durchaus nicht das Jahr 1; von dem kann man erst reden, wenn es wirklich da ist, also erst vom 1. Januar des JahreS 1 an, der zugleich der erste Tag des 2. Jahres ist, das nun beginnt. So liegt es im Wesen der Zeit und ihres Verlaufs und in der Art, wie wir den Lauf der Zeit auffassen und ausdrücken.
Dies wird noch klarer — und zu einer weiteren Begründung für die Richtigkeit unserer Anschauung, wenn wir die gesamte Zeitrechnung mit der Bezeichnung der Lebenszeit eines Menschen vergleichen.
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Beides gehört doch dem Wesen nach zusammen. Wenn ein Mensch eben geboren ist, so beginnt er sein erstes Lebensjahr; aber man spricht nicht sofort von dem Lebensjahr eins dieses Menschen, d. h. daß er ein Jahr alt sei; dies wäre so unsinnig, wie zu reden von dem Jahr Christi, Null; es ist vielmehr nur das 1. Jahr; und erst, wenn es der Mensch durchgelebt hat, dann hat er das Lebensjahr 1 erreicht, d. h. er hat das 1. Jahr vollendet, er ist 1 Jahr alt und tritt nun in das 2. Lebensjahr ein. Jahr 1 gilt jetzt für diesen Menschen, mit anderen Worten, er ist 1 Jahr alt so lange, bis das ihm dahin fließende 2. Lebensjahr zu Ende ist; noch am letzten Tag seines 2. Lebensjahres sagt man richtig: das Kind ist 1 Jahr alt. Ein Mensch, der 24 Jahre alt ist, d. h. der seit dem Tag seiner Geburt 24 Lebensjahre zurückgelegt hat, lebt im 25. Jahre. Die Ordnungs- und die Grundzahlen bezeichnen also nicht dasselbe. Diese Zeitrechnung bei dem Menschenleben ist allgemein anerkannt und geübt.
Warum soll es denn anders sein bei der allgemeinen Zeitrechnung der christlichen Menschheit? Ja, da kommt wieder dazwischen die unselige Uebersetzung des lateinischen „anno primo, decimo" in das deutsche „im Jahre eins, zehn". Das war ein Fehler in den Folgerungen, die man hieraus zog und noch zieht bis in unsere Zeit.
Dies tritt am schlagendsten hervor, wenn man den selbst zum Beispiel anführt, nach dem unsere Zeitrechnung sich nennt. Christus nämlich war 33 Jahre alt, als er starb — es bleibt sich gleich, ob die Schriftgelehrten etwa ein anderes Alter ausrechnen. Er war 33 Jahre alt, hatte volle 33 Jahre hinter sich von dem Tag seiner Geburt au, er stand demnach im 34. Jahre seines Lebens, als er starb. Nun sollte man doch denken, daß ebenso nach der christlichen Zeitrechnung gerechnet würde, nämlich Christus starb im Jahre 33 nach Christi Geburt — d. h. 33 volle Jahre waren seit dem Tag seiner Geburt verflossen — er starb also im 34. Jahre der christlichen Zeitrechnung. Aber nein, so will man nicht rechnen, sondern man sagt: Christus starb im Jahre Christi 33, d. h. im 33. Jahre der christlichen Zeitrechnung. — Ein wunderlicher Widerspruch um der klassischen Gelehrsamkeit und Bildung willen! Besser stimmts doch mit unserer Anschauung, nach der die christliche Zeitrechnung beginnt mit demTag der Geburt Christi so, daß die ersten dahingehenden 365 Tage das 1. Jahr bedeuten, aber nicht das Jahr 1. Verlegt man auf den Tag der Geburt Christi das Jahr 1, so kann und muß man mit demselben Recht erklären: Christus war an dem Tage, an dem er geboren wurde, 1 Jahr alt.
Schließlich hat man wider die Richtigkeit unserer Anschauung noch einen vermeintlich unwiderleglichen jGrund vorgebracht mit dem Nachweis, 10 Aepfel, 10 Kugeln, 10 Mark seien doch 10 solche Gegenstände; wie der 1. Apfel u. s. w. zugleich Apfel 1 sei, so gehöre auch der 10. Apfel als Apfel 10 dazu, um die Zehnzahl voll zu machen; erst mit dem 11. Apfel beginne das 2. Zehent. Und nun schließt man daraus, daß auch erst das Jahr 1900 herumgehen müsse, bis volle 1900 Jahre vorüber seien seit Christi Geburt, und dann beginne erst mir 1901 das neue Jahrhundert.
Ja, einer hat sogar seiner Frau gedroht, er werde ihr, wenn sie schon am 1. Januar 1900 die Jahrhundertwende feiere, künftig bei ihrer Forderung von 100 Mark nur 99 Mark geben, weil dies ebenso richtig sei. Aber das ist ein Trugschluß erster Güte, ein Vergleich, der nicht nur an allen Beinen hinkt, sondern an sich grundfalsch ist. Denn Aepfel, Kugeln, Mark sind Sachen, Gegenstände, die für sich, sobald man sie benennt, mit allem, was zu ihrem Wesen und Bestand gehört, von vorn herein ein fertiges Ganze bilden. Dagegen sind die Zeitabschnitte — Tage, Monate, Jahre — erst werdende entstehende, Dinge, die erst dann wirklich ein Ganzes bilden, wenn eine bestimmte Zeit vorüber gegangen ist. Erst wenn ein Jahr vorüber ist mit seinen 365 Tagen, kann man von einem vorhandenen Jahre reden, das man wirklich besitzt. Jahr 1 als ein Jahr habe ich, wenn das 1. Jahr vorüber geflossen, volleudet ist; dann entsteht von Tag zu Tag des 2. Jahres das Jahr 2, das ich als solches habe, wenn das 2. Jahr vorüber ist. Wenn wir so fort zählen bis zu Jahr 10, f» haben wir dieses und zugleich 10 volle Jahre, sobald das 10. Jahr zu Ende ist. " Also habe ich mit der Zeitrechnung zu reden — 10 volle Jahre hinter mir am 31. Dezember des Jahres 9, das ist des 10. Jahres, und am 1. Januar des Jahres 10 beginnt, mit dem 11. Jahre eine neue Reihe von 10 Jahren, ein neues Jahrzehnt. So werden
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Bei Postbezug 1 Mark 60 Pfß. vierteljährlich.
Ende des alten, Anfang des neuen Jahrhunderts.
Der Zeitpunkt naht heran, in dem es für jedermann entschieden sein muß, ob er die Wende des Jahrhunderts am 1. Januar 1900 oder am 1. Januar 1901 feiern will.
Der Umstand, daß Leute von gleicher Bildung, Gelehrsamkeit, Sachkenntnis, und zwar recht großer, hierin völlig entgegengesetzter Ansicht sind, sollte es von vornherein verwegen, daß jemand als unfehlbar seine Meinung geltend macht.
Nachdem wir die mannigfaltigsten Begründungen für beide Ansichten kennen gelernt haben, möchten wir durch nachfolgende Ausführungen die Entscheidung für den 1. Januar 1900 als Beginn des neuen Jahrhunderts empfehlen.
Jeglichem Nachweis in dieser Sache liegt zu Grund die zweifellose, verblüffend wahre Thatsache, daß ein neues Jahrhundert anfängt, sobald das vorangehende zu Ende gegangen ist; und die« letztere ist zu Ende gegangen, wenn seit Beginn seines ersten Tages beziehungsweise Jahres volle hundert Jahre verflossen sind.
Leider hilft diese Thatsache nicht über die Schwierigkeit der Frage hinweg; denn wir haben es hierbei nicht mit einer sachlich bestimmt dahinfließenden Zeit an lich zu thun, sondern mit einer Zeitrechnung. Und bei dieser Zeitrechnung beruht aller Zwiespalt auf dem Verhältnis der lateinischen und der deutschen Bezeichnung der Jahre zu einander, also auf der Bezeichnung einerseits: „anno primo, secundo etc. post Christum natum“ und anderseits: „Jahr Christi — Jahr nach Christi Geburt — eins, zwei usw."
Hierbei wird natürlich als selbstverständlich vorausgesetzt, daß unsere Zeitrechnung mit dem festgesetzten Tag der Geburt Christi beginnt, sowohl rückwärts als auch vorwärts, ohne Rücksicht darauf, daß nach Ansicht der Gelehrten diese christliche Zeitrechnung um 4 Jahre mit dem wirklichen Zeitpunkt der Geburt Christi nicht übereinstimmt, daß ferner die Christen den Geburtstag Christi eine Woche vor dem 1. Januar des ersten Jahres ansetzen, daß ferner der Julianische Kalender zu dem Gregonanischen geworden ist, und daß endlich auch die Einführung dec mitteleuropäischen Zeit eine geringfügige Verschiebung gebracht hat.
Es gilt als bestimmter Anfang der Tag der Geburt Christi, früh in der Mitternacht vom letzten Tag der alten zum ersten Tag der neuen Zeitrechnung.
Folgen wir nun zunächst der lateinischen Bezeichnung der Jahre, wie sie zurzeit der Einführung unserer Zeitrechnung allein maßgebend war. Sie beginnt mit dem annus primus, anno primo post oder ante Christum natum, wörtlich übersetzt mit dem „ersten Jahre nach oder vor Christi Geburt". Das war von vornherein kein fertiges Jahr, sondern ein im Hinfließcn der Tage und Monate erst werdendes Jahr; ein wirklich fertiges Jahr war es erst am Abend des letzten, deS 365. Tages desselben, des 31. Dezember. Nun war ein volles Jahr vorübergegangen und mit dem folgenden 1. Januar begann der annus secundus = das zweite Jahr. Alfo am Ende des werdenden zehnten JahreS waren 10 volle Jahre vorüber, ein Jahrzehnt, am Ende des hundertsten Jahres ein volles Jahrhundert, das 1. Jahrhundert; und am Ende des Sylvestertags des 1900. Jahres werden volle 1900 Jahre, 19 Jahrhunderte zu Ende sein, und am Tage darauf, 1. Januar, beginnt das 20. Jahrhundert. So die lateinische Bezeichnung, die an sich völlig klar und richtig ist mit ihren Ordinal-, Ordnungszahlen, erstes, zweites usw. Jahr. Dabei kennt die lateinische Sprache durchaus keine Benennung per Jahre mit Kardinal-, Grundzahlen, also kein „Jahr eins", „Jahr zwei" usw. (annus unus, duo tres wäre Unsinn). Hieraus ergiebt sich die Thatsache, daß die lateinische Sprache mit ihren Jahreszahlen nur das werdende Jahr in der Zeitrechnung bezeichnet, niemals das fertige, mit allen seinen Tagen abgelaufene.
Wie steht nun hierzu die deutsche Bezeichnung der Jahreszahlen? Wir haben in unserer Sprache zunächst auch die lateinische Bezeichnung: also „erstes", „zweites Jahr" usw., „im ersten", „im zweiten Jahr", und zwar benennen wir hiermit in gleicher Geltung, wie die lateinische Sprache, das so und sovielte werdende Jahr. Daneben aber haben wir auch die Bezeichnung Jahr eins, zwei, Jahr 10, 100, 1000, 1800 usw. Und nun ist die Frage, ob diese Benennung gleichfalls die beginnenden, werdenden Jahre bezeichnet, sodaß also „erstes Jahr", „zehntes, hundertstes Jahr" völlig dasselbe bedeute wie „Jahr eins".
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