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Dampferfahrten, welche angeblich allein an den entsetzlichen Unglücksfällen schuld gewesen sein sollte. Der Vorwurf ist ebenso ungerecht, wie kurzsichtig. Wenn an nebelfreien Tagen und durchsichtigen Nächten dem Publikum nicht schnell genug gefahren werden kann, soll bei ungünstigem Wetter die Geschwindigkeit ans einmal erheblich reduziert oder womöglich ganz stillgehalten werden. Ein unbewegliches Schiff gehorcht aber bekanntermaßen in keiner Weise dem Steuer, kann also nicht ausweichen. Zu letzterem ist nämlich ein Mindestmaß von Geschwindigkeit notwendig, bei der in den dichten, grauschwarzen Nebeln der New Foundlandsbänke und des Kanals und der Nordsee ebenso Unglücksfälle vorkommen können, wie bei schneller Fahrt. Ermäßigt wird die Fahrt bei Nebel und in der Nähe von Küsten ohnehin, und es wird in vielbefahrenen Meeren immer wieder zu Unfällen kommen, von welchen nur diejenigen hintangehalten werden können, welche aus Leichtsinn und Pflichtvergessenheit entstehen. Eine solche ist aber auf den modernen Riesendampfern schon wegen des Wertes von Schiff und Ladung am seltensten zu finden.
Gefährlich können den Schnelldampfern die überaus heftigen Vibrationen werden, welche die Folge des Hin- und Hergehens der schweren Maschinenteile sind, und das Gefüge des Schiffes zu lockern bemüht sind. Hier kann nur die Elektrizität Hilfe bringen, bei welcher dieser Uebelstand vermieden wird, ebenso wie bei der elektrischen Lokomotive das Hin- und Hergehen der Kolbenstange und die exzentrische Verstärkung des Triebrades. An den Bau großer Schiffsdynamos hat man sich aber noch nicht ernstlich herangewagt, weil man auf dem Schiffe mit dem Raume in jeder Weise sparen muß, den diese Maschinen allerdings in nicht geringem Maße beanspruchen. Hier ist also der Arbeit der Erfinder noch ein weites Feld geöffnet, welches zweifelsohne bald bebaut werden wird.
liche Hoheit der Großherzog heute früh wohlbehalten dorten angekommen.
Berlin, 18. März. Die 9. Kommission des Reichstags zur Vorberatung des Jnvaliditäts- Versicherungsgesetzes erledigte heute die Paragraphen 84 bis 110.
Berlin, 18. März. Das Abgeordnetenhaus erledigte heute in dritter Lesung den Etat sowie das Etatsgesetz. Damit ist die Etatberatung beendet. Der Gesetzentwurf betreffend Schutzmaßregeln im Quellengebiet der Oder-Zuflüsse in Schlesien wurde an eine besondere Kommission von 14 Mitgliedern verwiesen. Auf der Tagesordnung am Montag stehen kleinere Vorlagen und Petitionen.
Berlin, 18. März. Die Ausschmückungs-Kommission des Reichstagsgebäudes erörterte heute die zwischen dem Geheimen Baurat Wallot und dem Maler Stuck über das Bild „Die Jagd nach dem Glück" in der Vorhalle der Präsidentenzimmer geführte Korrespondenz. Die Kommission beauftragte Wallot, sich mit Stuck ms Einvernehmen zu setzen, um Aenderungen des Gemäldes zu besprechen.
Berlin, 18. März. Am Kirchhofe der Märzgefallenen in Friedrichshain ist es am heutigen 18. März ziemlich sttll hergegangen. Als der Kirchhof um 6 Uhr morgens geöffnet wurde, hatten sich nur wenige Personen emgefunden, welche als Deputation von Fabriken für das Personal der- selben Kränze niederlegten. Auch in den späteren Morgenstunden war der Verkehr verhältnißmäßig gering, sodaß bis 9 Uhr der Zugang zu dem Friedhöfe nicht gesperrt zu werden brauchte. Erst um 10 Uhr stieg die Frequenz und erreichte um die Mittagsstunden ihren Höhepunkt. Die Zahl der niedergelegten Kränze mochte bis um die Mittagszeit etwa 150 betragen. Von mehr als einem Dutzend Kränze entfernte die Polizei wegen der darin enthaltenen Widmungen die Schleifen.
M.P.C. Berlin, 19. März. Wenn immer wieder die Nachricht auftaucht, daß der deutsche Botschafter am Kaiser!, russischen Hofe Fürst Nadolin berufen sei, im Falle der Fürst Hohenlohe sich in den Ruhestand zurückziehen möchte, . dessen Nachfolger zu werden, so können wir versichern, daß abgesehen davon, daß der jetzige Reichskanzler sich noch durchaus nicht ruhebedürftig fühlt, wie auch seine rege Beteiligung an den letzttägigen Verhandlungen wegen der Militärvorlage bewies, der Fürst Radolin jeden an ihn im Sinne der vorgedachten Nachricht herantretenden Antrag unbedingt ablehnen würde.
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mit Bringerlohn.
®ei Postbezug
2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich.
Hessischer Landtag.
Zweite Kammer der Stände.
nn. Darmstadt, 18. März 1899.
Nach Verkündigung einer Reihe von neuen Einläufen un.^ Berichtsanzeigen tritt die Kammer in die Weiterberatung bet Erbauung neuer Eisenbahnlinien und zwar in die ^Beratung des Antrags der Abgeordneten Kramer und Ge- poTen auf Erbauung einer Nebenbahn von Diez en- buch nach Urberach und Messel. Nach eingehender Begründung der Notwendigkeit dieser Nebenbahn durch den «ul ragfteller wird nach dem Antrag des Ausschusses die Angelegenheit für erledigt erklärt. — Ein weiterer Antrag drS Abg. Kramer auf Erbauung einer Nebenbahn zwischen der Dreieichbahn bei Neu-Isenburg und der Station der Main-Neckarbahn daselbst wird behufs weiterer Prüfung zurückgestellt. — Wegen Erbauung einer Neben- baln von Büdingen nach Ober-Seemen und von Bi dingen nach Lind heim hat der Ausschuß beantragt, die Regierung zu ersuchen, die Frage einer nochmaligen Prüfung zu unterziehen, ob sich der Ausbau der Strecke Gwbenhain—Gedern empfiehlt, oder ob diese Teilstrecke in Dkgfall zu kommen hat und die Führung einer Bahn durch dai Seementhal in Aussicht zu nehmen ist. — Graf Oriol a triitt in warmer Weise für den Bau der Seementhalbahn ein und schildert in eingehender Weise die Vorteile, welche der dortigen armen Bevölkerung durch den Bahnbau erwachsen würden. — Ministerialrat Ewald erklärt, daß die Vorberatungen des Staatsvertrags zwischen Preußen imb Hessen bezüglich der Bahn Stockheim—Frankfurt a. M. son'eit vorgeschritten seien, daß mit aller Bestimmtheit der Kammer in Kürze ein diesbezüglicher Gesetzentwurf vor- gelrgt werden könne, in welchen diese Bahnlinie ausgenommen sei. Den Ausführungen des Grafen Oriola stehe die Re- glerung sympathisch gegenüber, da auch die Regierung die Notwendigkeit der Seementhalbahn erkannt habe. Die Re- gieirung könne deshalb dem Hause nur den Ausschußantrag pit Annahme empfehlen. — Abg. Weidner bedauert, daß die Großh. Regierung von ihrem früheren Standpunkt ab- füllen sei. Schon bei Herstellung des Gesetzentwurfs 1891 habe sich die Großh. Regiernug für den Bau der Strecke Grebenhain—Gedern ausgesprochen, und heute schütze man wirtschaftliche und finanzielle Gründe vor, um die Bahn- littäe zu Fall zu bringen. Wie die Regierung jetzt, nach 1 Jahren, zu einer solchen Ansicht kommen konnte, und ob vielleicht auch hier gewisse geheime Kräfte gewirkt hätten.
scheint ttglich mit Ausnahme des Montag».
Die Gießener -»Mtlirnv lütter »erben dem Anzeiger ,-chentlich viermal beigelegt.
Feuilleton.
Pie Htenner des Ozeans.
Don Rudolf Curtius.
(Nachdruck verboten.) (Schluß.)
Uebertroffen werden sie darin jedoch unbedingt von btn Torpedobooten und Torpedojägern, Schiffen, bei denen t8 freilich auf den ökonomischen Nutzen garnicht ankommt, nab welche mit einer ungeheuren Kohlenverschwendung geradezu phänomenale Geschwindigkeit erreichen, die übrigens noä) einer bedeutenden Steigerung fähig zu sein scheinen. Zeit die Werfte von Schichau in Elbing im Jahre 1888 nil: dem für die russische Regierung erbauten Torpedoschiff Mler" eine Geschwindigkeit von 27 Seemeilen, d. h. also 43 Kilometer in der Stunde erreichte, ist der deutsche Schiffsbau in dieser Richtung der führende geblieben. — Wger Deutschland, welches selber seinen Bedarf an der- üräigen Fahrzeugen bei dieser weltberühmten Firma deckt, Ivssien Rußland, die Türkei, Oesterreich-Ungarn, Italien, Spianien, Brasilien, Chile, Mexiko, China, ja fast alle Rrügdmarincn, mit Ausnahme von England, Frankreich und hn: Vereinigten Staaten, bei denen nationale Motive in «betret Richtung wirken, ihre Torpedoschiffe zum größten üiile in Elbing bauen.
Alles bisher dagewesene wurde jedoch in den Schatten chtellt durch die neuesten Erfolge, welche die genannte Btaft im Jahre 1898 erzielte. Am 16. August machte litt neu erbauter deutscher Torpedojäger eine mehrstündige Probefahrt in offener See, und legte die Probeftrecke von k,?'Seemeilen in 15 Minuten und 13 Sekunden zurück, dliZr einer Stundengrschwindigkeit von 33,6 Seemeilen - 54 Kilometern entspricht. Aber auch diese Leistung
wurde noch übertroffen, uud zwar wiederum bei Schichau mit vier für die chinesische Regierung erbauten Torpedobooten, deren bestes sogar eine Geschwindigkeit von 35,2 See- meilen = 57 Kilometer erreichte. Nur die geradezu Messer- scharfen Linien dieser Schiffe, welche 58 Meter lang sind, und bei einem Deplacement von je 270 Tonnen Maschinen von 5600 Pferdekräften besitzen, ermöglichen in Verbindung mit der Leichtigkeit des Baues diese Geschwindigkeit, welche derjenigen eines Eilzuges gleichkommt. Uebrigens wird sich nicht China allein dieser Rennpferde des Neptuns erfreuen, sondern auch Deutschland wird binnen kurzem eine ganze Flottille dieses neuen Typus besitzen, welche gegenwärtig bereits in der Bauausführung begriffen ist.
Mit diesen Leistungen sind auch diejenigen des Versuchsschiffes „Turbinia" übertroffen, das vor anderthalb Jahren großes Aufsehen erregte, und eine neue Aera der Dampfschifffahrt zu inaugurieren schien. Richtig ist, daß mit der Dampfturbine, welche bei diesem Schiffe zur Verwendung kam, noch erheblich größere Geschwindigkeiten sich dereinst erzielen lassen werden; einstweilen verfügt aber die Technik noch nicht über die nötigen Erfahrungen im Bau der Dampfturbinen, und das große Schiff, welches nach dem Vorbilde des genannten Modells im Bau ist, hat die entscheidende Probe noch nicht bestanden. .
Gänzlich verkracht ist die Idee des Bazin'schen Rollenschiffes für welches die Reklametrommel seinerzeit emsiglich gerührt wurde. Von günstigen Resultaten ist noch Nichts bekannt geworden, und es liegt eigentlich so nahe, daß weitere Fortschritte nicht mit Schiffskörpern von phantasttschen Formen, sondern nur unter Beibehaltung des länglichen, der Fischgestalt ähnlichen Baues erzielt werden können.
Die erschütternden Schiffskatastrophen der „Elbe" und der „Bourgogne" entfeffelten in den Zeitungen einen Sturm der Entrüstung über die wahnsinnige Hast der modernen
tnnabme een Anzeigen zu der nachmittag» für den fvlgmbcn Tag erscheinenden Nummer di» vorm. 10 Uhr.
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger
sei ihm unbegreiflich. Er bittet, den Ausschußantrag abzulehnen. — Abg. Erk tritt in gleicher Weise für unbedingte Durchführung der Gederner Bahnstrecke ein, die für die dortige Gegend ein notwendiges Bedürfnis sei. Er könne nicht annehmen, daß die Regierung die Tragweite ihrer jetzigen Stellungnahme richtig beurteile, das könne er aber sagen, daß man den jetzt eingenommenen Standpunkt der Regierung in Oberhesien nicht verstehen werde. Falls die Bahnlinie nicht gebaut werde, halte er den Wegfall geradezu für einen Diebstahl an dem Wohle der dortigen Bevölkerung. Der Ausschußantrag sei daher für ihn unannehmbar. — Abg. David tritt ebenfalls für den Bau der Strecke Gedern—Grebenhain ein, weil die preußische Regierung zum Bau der Teilstrecke Stockheim- Gedern schon gesetzlich verpflichtet sei. — Ministerialrat Schäffer und Oberbaurat Meyer treten der Ansicht entgegen, als sei die Regierung in ihrer Ansicht umgefallen. Die Regierung habe die Pflicht, die einzelnen Projekte zu prüfen, und dasjenige, welches sie für das richtige halte zur Vorlage zu bringen. Was das Projekt Grebenhain- Gedern betreffe, so seien nach den gemachten Erhebungen die Anlagekosten infolge der technischen Schwierigkeiten so enorm hohe, daß die Regierung ihren früheren Standpunkt verlassen und dem, den gleichen Bedürfnissen Rechnung tragenden Projekt einer Seementhalbahn näher getreten sei. _ Abg. Schmalbach stellt fest, daß die Bahn Grebenhain-Lauterbach durch Gesetz festgelegt sei; werde man heute den Ausschußantrag annehmen, so schädige man einen großen Teil des Vogelsbergs der so verkehrsbedürftig sei wie nur ein Stück unseres Hessenlandes. Schon vor acht Jahren habe das Haus zur Verbesserung der Lage der Bewohner im Vogelsberg im Hause alle möglichen Vorschläge im Munde geführt und heute sei noch nichts geschehen. Man möge doch nicht das Wohlwollen nur im Munde führen, sondern Thaten sehen lassen. Er ersucht, den Ausschußantrag abzulehnen. — Abg. Westermayer und Graf Oriola treten nochmals in warmer Weise für den Bau einer Seementhalbahn ein. — Der Antrag des Ausschusses wird hierauf abgelehnt, jedoch soll die Erbauung einer Seementhalbahn der Regierung zur Erwägung empfohlen werden. Der Antrag Kramer bezüglich der Dreieichbahn wird ebenfalls angenommen.
Nächste Sitzung Dienstag vormittag 10 Uhr.________
Deutsches Reich.
Darmstadt, 18*. März. Wie der „Darmst. Ztg." ein Privattelegramm aus Florenz meldet, sind Seine König-


