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Er. 117 Zweites Blatt Samstag de» 20. Mai
1899
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Meßener Anzeiger
Keneral-Anzeiger
Amts« und A«zeig«blt»tt für bett Kreis Gieren.
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Deutsches Reich.
Berlin, 18. Mai. Der Reichstag hat nach Ostern M II. April seine Sitzungen wieder ausgenommen und bis Gute, wo die Pfingstferien beginnen, namentlich in den Kommissionen ein reiches Material verarbeitet. Die Vorigen über das Postwesen, über die Fernsprechgebühren- aibnung, über die Fleischbeschau, die Novelle zur Gewerbe- etbninng, das Hypotbekenbankgesetz, das Gesetz über die Lchulidverschreibungen und die sogenannte „lex Heinze- sind äc dar Kommissionen in zwei Lesungen durchberaten. Die Ärrichte über diese Entwürfe werden sofort nach Pfingsten □((teil t werden. Im Plenum sind nach Ostern erledigt ^rdm das Bankgesetz, das Gesetz über das Flaggenrecht vkr § auffarteischiffe und die Vorlage über die Gebühren ■:ür den Kaiser-Wilhelm-Kanal. Außerdem ist in zweiter Lrsum, im Plenum erledigt das Jnvalidenversicherungsgesetz. Kon Initiativanträgen sind in der Kommission erledigt Morbnn und liegen darüber bereits die gedruckten Berichte oor, kr Antrag Trimboru, betreffend die Gewerbegerichte, -und boic lex Rintelen — Novelle zur Zivil- und Straf- vwzestordnung —, welche zusammen mit der Regierungs- mlazie über die Bestrafung falscher uneidlicher Aussagen re. »tratro1. wurde. Bon neuen Vorlagen, welche nach Pfingsten ur ersten Lesung im Plenum kommen, nennen wir den Acht: agsetat, die Reichsschuldenordnung und das Gesetz I tiltr boie Verwendung von Mitteln des Reichsinvalidenfonds M Unterstützung von Veteranen). Dem Reichstag liegt . :ilf» fiir den dritten Abschnitt der Session, nach Pfingsten, i 'iidj m» sehr reichhaltiges Material zur Erledigung vor.
- Postbeamte in den Kolonien und beiden ttts chen Postanstalten im Auslande, DaSReichs- tiefianrt erläßt wieder eine Aufforderung an die Oberpost- t mektivnen, geeignete Beamte für den Dienst in den Schutz- 9 «bittein und im Auslande vorzuschlageu. Es scheint Mangel a» solchen Beamten zu herrschen; denn die „Deutsche Ver- k^chszlg." schreibt: Dank besonderer Vorsicht bei der Aus« ti mnd Untersuchung der Beamten, sowie der verbesserten s.nMät'en, insbesondere auch der Wohnungsverhältnisse in d «r Schutzgebieten gehören schwere Erkrankungen der daselbst tlh'Üigen Beamten jetzt zu den Seltenheiten. Eine nicht genagt- Zahl kehrt sogar mit dem Wunsche in die Heimat t MF, später wieder draußen beschäftigt zu werden. Trotz d liefet »guten Erfahrungen ist die Zahl der zum Dienst in d!!e:i Schutzgebieten sich meldenden merkwürdigerweise sehr g -t'Mg. Es zeugt dies von wenig Unternehmungsgeist unserer jüjnzere»n Beamten, für die es einen besonderen Reiz haben
sollte, die Welt kennen zu lernen und den nicht gerade selten eintönigen heimatlichen Dienst auf einige Zeit mit einer selbständigeren Wirksamkeit in an neuen Eindrücken reichen Gegenden zu vertauschen; sie müßten es sich unserer Ansicht nach zur besonderen Ehre anrechnen, wenn ihnen Gelegen« heit geboten wird, draußen ihren Gesichtskreis zu erweitern und dem Vaterland in Stellungen zu dienen, wo sie die Tüchtigkeit unserer Verwaltung und unserer Beamten auch fremden Nationen gegenüber in besonders wirksamer Weise in die Erscheinung treten lassen können. Das geringe Interesse für den auswärtigen Dienst ist um so auffallender, als die Verwaltung keine Kosten scheut, um die Beamten für diesen Dienst gehörig vorzubereiten. Diese werden auf ein halbes Jahr dem orientalischen Seminar überwiesen und erhalten nebenbei Unterricht im Englischen und Französischen; später werden sie, soweit erforderlich, auch noch im Telegraphenbau ausgebildet. Es wird dann besonders auch dem Vorurteil widersprochen, als ob der Dienst in den Kolonien Nachteile für die spätere Laufbahn in der Heimat im Gefolge habe.
— Bismarck über den Frieden. Anläßlich der Friedenskonferenz bringt die „Neue Fr. Presse" von „besonderer Seite" eine Zuschrift, die bemerkenswerte Aeuße- rungen Bismarcks über diese Frage mitteilt. Der Gewährsmann des genannten Wiener Blattes erzählt: Im Jahre 1891 — im Dezember war es, wenn ich nicht irre— hatte ich zum ersten Male die Ehre, von dem greisen Staatsmann in Friedrichsruh empfangen zu werden. Der Fürst war bei aller herzgewinnenden Liebenswürdigkeit, die jeden bezauberte, der den Vorzug gehabt, ihm in seinem Buen retiro näher treten zu dürfen, nicht in bester Stimmung. Er war abgespannt von einem Besuche, den er Tags vorher in Hamburg gemacht, und dann vor allem stark ägrirt über die nach seiner Meinung überaus unpraktische und flüchtige Behandlung, welche der damals aktuelle deutschösterreichische Handelsvertrag von feiten der liberalen freihändlerischen Presse und von der Parlamentsmehrheit erfahren hatte. Namentlich auf die letztere war der Fürst nicht gut zu sprechen. Er machte ihr zum Vorwurf, eine so überaus wichtige Vorlage in einem Zeitraum „durch- gepeischt" zu haben, der einem gewissenhaften Abgeordneten kaum genügen könne, die einschlägigen Materien zu lesen, viel weniger denn, sie zu studieren und sich ein Urteil zu bilden. Im Anschluß hieran äußerte sich der Fürst über den Einfluß der Handelsbeziehungen zweier Vertragsländer auf ihr politisches Verhältnis, ein Einfluß, den er bekanntlich stets sehr gering anschlug und speziell zwischen Deutsch-
Avreffe für Deprschm: Jhqdftt Fernsprecher Nr. 51.
land und Oesterreich für ganz belanglos erklärte. Als ich darauf unter Hinweis auf einige dem widerstreitende historische Fakta den bescheidenen Einwand erhob, daß unser gesamtes politisches Leben immer mehr auf das wirtschaftliche Gebiet hinüberspiele, daß man große politische Gesichtspunkte kaum noch kenne und die parlamentarische Intelligenz sich in der kleinen Münze von Tarifpositionen ausgebe, bestätigte der Fürst dies, bestritt aber, daß rein wirtschaftliche Differenzen selbst bei der ungeschicktesten diplomatischen Behandlung zu einem Krieg führen könnte. Unsere „Halbgötter" (so Pflegte der Fürst die Generalstäbler zu nennen, denen er von 1870/71 her, weil sie ihm manchen Verdruß und direkt Schwierigkeiten gemacht, nicht sehr hold war) — unsere Halbgötter würden das ja ganz gern sehen. Manöverpläne ausarbeiten, mit Stecknadeln Krieg spielen und sich den Kopf darüber zerbrechen, wofür man den jüngsten Orden gekriegt hat, wird auf die Dauer langweilig und ist, soweit die Manöver in Betracht kommen, auch viel gefährlicher. Im Krieg entscheidet eben nicht die Kritik, bei der jeder Stabsoffizier mit einem Bein im Zylinder steht, sondern der Erfolg spricht das Urteil. Und was gewisse strebsame Ordensempfänger betrifft, so sollte man ihnen ins Stammbuch schreiben, was Friedrich der Große seiner Zeit dem Offizier vorgehalten, der eine Dekoration abgelehnt, weil er fie nicht vor dem Feind verdient habe: „Nehm' Er nur, ich kann doch seinetwegen keinen Krieg anfangen!" „Na, und Oesterreich", bemerkte der Fürst, wieder in medias res einlenkend, „wir würden uns nach den beiderseits gemachten Erfahrungen selbst dann noch sehr hübsch vertragen haben, wenn unsere Unterhändler sich weniger hätten übers Ohr hauen lassen und der Reichstag in Rücksicht gezogen hätte, daß das eigene Hemd uns näher liegt, als ein befreundeter Rock. Und im allerschlimmsten Fall — hätten die Oesterreicher Frau v. Suttner; die renkts dann schon wieder ein. . . .. Eine sehr wohlgemeinte Sache übrigens dieser ewige Friede, iu der Theorie; in der Praxis möcht'ich den sehen, welcher mich daran hinderte, jemandem, der mir mit Vor- und Absatz auf die Leichdörner tritt — und solche gemütsrohe Menschen sind gar nicht aus der Welt zu schaffen — nach Gebühr abzustrafen. Man braucht gar nicht mal Geschichte, sondern nur ein Paar Dutzend Menschen zu kennen, um zu wissen, daß der Zukunftsfriede ein Nonsens ist wie der Zukunftsstaat. Bekommen wir ihn, so ist er ein fehlerhaft beschriebenes Blatt Papier, das nicht eine Stunde vor Rissen und Sprüngen geschützt ist — selbst wenn man es sorgfältig in alte Makulatur wickelte, die beim Streite um den Frieden schon verdruckt worden ist.
fiSW, Feuilleton.
enn er so [*' ------
jg schneidiger.^" Mngstzauöer.
5erz mit duck , Novellette von Max Wundtke.
jch weg so Ma ! (Nachdruck verboten.)
ick ganz veuüs Pfingstsonntag ist's. Weihevolle Stille liegt über den
Bktzm., Nur den Fellerbachgrund herauf singt und tönt t Ml er die?S4 n feierlichen Rhytmen. Die Mühlbacher Kirchenqlocken fuNi eS, die drunten die festtägliche Frühmette ausläuten. Dickichten Klangwellen, mit Sonnenschimmer und frischem durchwoben, fluten das Thal herauf — Geister- schWgen, von denen bei jedem Flügelschlag Pfingstsonntags- frtijiitt und Pfingftsonntagssegen auf die Erde hernieder- tritiiiidt!. Ueber der steilen Wetterwand drüben, die sich -trckt'fg noch in tiefe Nacht hüllt, verblassen die leuchtenden FHncki<spiele, in denen die schimmernden Schneestirnen des Hi^Imigs das Gold der Morgensonne aufflammen ließen. Crüms-tlliberhaftes Gleißen, Strahlen und Flimmern webt uniiDiS kahle Gestein, um jeden Strauch und Baum.
Vv von der Wetterwand her sich der schäumende SÄnchcich in den grünlichen Fellerbach ergießt, führt eine luMposik Brücke mit einem aus silberfleckigen Birken ge- fujfyhn 'Geländer über die Strudel. Am Qnbe der Brücke fte'iW eint Kreuz; an ihm hängt die Figur des leidenden HMind>s, roh aus Holz geschnitzt.
Diir Glockentöne sind längst verklungen; aber immer rroWmit vor dem Kreuz ein junges Mädchen in inbrünstigem GM« Sie ist schön, jedoch nicht von der Schönheit eines Ü6 :'.'rijtinien, zierlichen Stadtkindes, sondern von jener derben ArL:, Wk sie die ungebrochene Natur erzeugt. In dem hell- brcrNni Haar scheinen die Sonnenstrahlen in leuchtende aufzugehen. Aus dem kindlich-süßen Gesicht schauen eim faaac große, tiefdunkelblaue Augen traurig zu dem Erlöst eimpor.
.enden
der B|eb' 0^
Des Fellergrundbauern Marthel setzt sich aufseufzend auf das Gestein und blickt, das Auge von verhaltenem Weinen umflort, in die wunderliebliche Pfingsttagsmorgen. Landschaft hinaus. So goldig und klar sieht's in ihrem Herzen nicht aus. Viel Sorg' um ihren Schatz, den ewig lustigen Rudi, hatte sie ja immer gehabt ... ach, die Lieb'! Früher hätte sie nie geglaubt, daß die Liebe so viel Leiden bringt. Nun sah sie's selber. Der Fellergrundbauer besaß einen harten Kopf, und der Rudi einen gar windigen Geldbeutel. Das waren zwei Dinge, die nach menschlicher Berechnung nie zusammen passen würden. Aber Marthel verlor deshalb den Mut nicht. Der Rudi und ich, sagte sie, wir können halt warten; lassen thun wir voneinander nicht, das ist gewiß. Und es wär' auch schon immer noch zu ertragen gewesen, wenn sie der Alte nicht gar so sehr mit dem Holzmüller geplagt hätte. Das war so ein Freier nach dem Herzen des Fellergrundbauern. Seine Sägemühle drunten am Gießbach ging Tag für Tag, und sein Reichtum ward alle Tage größer. Er war ja eigentlich kein übler Mann, trotz seiner vierzig Jahre, aber doch Witwer, und besaß sogar einen sechzehnjährigen Jungen, der alleweil ins Ausland geschickt worden war, weil er daheim garnicht gut that. Der Holzmüller war ganz vernarrt in sie; das schwere Geld des Fellergrundbauern schien es nicht allein zu sein, das ihn so mächtig anzog. Marthels hübsches Gesicht, ihr herrliches Gemüt und ihre hausmütterlichen Talente hatten eS ihm nicht minder angethan. 's war bloß ein kleiner Fehler bei der Sache, hätten sonst leicht ein wohlgefügtes Paar werden können — die Marthel mochte ihn nicht. Ihr steckte der Rudi viel zu tief im Kopf, und das war des Holzmüllers helle Wut.
„Bist halt doch ein rechter Narr," hatte der reiche Holzmüller zu sich gesagt, „daß Du den Wurm in Deinem eigenen Holze großziehft. Er muß hinaus!-
Die Gelegenheit fand sich, und zwar gründlich.
Rudi stammte aus der Gegend, war aber in der Stadt bei Verwandten erzogen worden. Er wurde allgemein der Schreiber genannt, da er sein nicht übermäßig reichliches Brot mit der Feder verdiente. Kontorist oder Buchhalter würden wir dazu sagen. Er war bei dem reichen Holzmüller, der einen ausgedehnten Betrieb hatte, als eine Art Geschäftsführer angestellt, und hatte zugleich die Bücher in Ordnung zu halten. Er war eine tüchtige Kraft; daher kam es, daß sich der alte Holzmüller immer nicht entschließen konnte, ihn Feierabend machen zu lassen; aber es wurmte den reichen Mann, daß einer, der bei ihm in Lohn und Brot war, Marthels Herz besaß, während er mit seinem ganzen Reichtum und Ansehen vor der Thür stand, und sich vergebens abmühte, hiueinzugelangen.
Aber da war ihm das Schicksal zu Hilfe gekommen. Ein harter Schlag wars zwar; doch es hatte eben das Glück mit sich, daß Rudi nun ein für allemal abgethan erschien. Eines Tages, es war bei der Abrechnung zu Neujahr, stellten sich Ungenauigkeiten in den Büchern heraus, etliche schwerwiegende Fälschungen wurden entdeckt, und zuletzt kam man dahinter, daß das Ganze auf eine große Unterschlagung hinauslief. Der Verdacht fiel naturgemäß auf Rudi, der sich auch nur sehr schlecht verteidigen konnte. Jetzt, mit einem Male, fiel dem reichen Holzmüller manches ein, auf das er früher kein Gewicht gelegt hatte, und kurz und gut, Rudi wurde in das Untersuchungsgefängnis abgeführt, und im verflossenen Monat war endlich das Urteil gesprochen worden. Eine unselige Verkettung von Umständen ließ ihn in jedermanns Augen als schuldig erscheinen; die belastenden Aussagen des Holzmüllers, und vor allem seines Jungen, der damals noch hier war, thaten ein übriges. Rudi wurde zu zweijähriger Gefängnisstrafe verurteilt.
(Schluß folgt.)


