Ausgabe 
19.12.1899 Drittes Blatt
 
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Kitteratur.

A Ein tausendstel einer Sekunde ist ein so winziger Zeit­raum, daß man ihn sich schlechterdings nicht vorstellen kann. Dennoch ist es gelungen, bei photographischen Momentbildern eine Belichtung von dieserDauer" und dadurch z. B. die Aufnahme fliegender Vögel zu ermöglichen, die ja 50 Meter und mehr in der Sekunde zurücklegen. Wir entnehmen diese Angaben einem von höchst interessanten Bildern begleiteten Artikel des neuesten Heftes (7) der illustrierten Zeitschrift Zur Guten Stunde" (Deutsches Verlagshaus Bong u Komp., Berlin W., Preis des Vierzehntagshestes 40 Pfg.) Wir lernen an der Hand der dem Artikel beigegebenen Bilder zugleich hervorragende Leistungen der Reitkunst kennen, die alle Freunde des Reitsports lebhaft interessieren werden. Von den Kunstbeilagen sei die treffliche Repro­duktion von A. FouldsDie lustigen Weiber von Windsor" besonders erwähnt, wie wir auch nicht unterlassen wollen, auf die in der Gratis­beilageIllustrierte Klassikcrbibliothek, Meisternovellen des XIX. Jahr­hunderts" beginnende klassische ErzählungDer Rekrut" von Hendrick Conscience hinzuweisen.

JunkermarmS Humoristikum. Eine Sammlung heiterer Vortragsstücke von erprobter Wirksamkeit meist aus dem Repertoire des Herausgebers August Junkermann. Fünfte, verbefferte und ver­mehrte Auflage. 346 Seiten Oktav. Preis geh. 3 Mk., eleg. gebunden 4 Mk. Stuttgart, Verlag von Levy u. Müller. Unter den zahlreichen Sammlungen humoristischer Vortragsstücke dürfte es kaum ein zweites Buch geben, das sich einer so großen Beliebtheit erfreut, wie Junker­mannsHumoristikum". Ein Beweis für seine Vorzüglichkeit ist schon der Umstand, daß die Sammlung es in der verhältnismäßig kurzen Zeit ihres Bestehens bereits zur fünften Auflage gebracht und in allen Welt­teilen Verbreitung gefunden hat. Der berühmte Komiker hat damit eine prächtige Gabe herzerfrischenden Humors geschaffen. Von den darin zu­sammengetragenen köstlichen Perlen des Vortrags ist jede ein Treffer, und sämtliche Stücke sind hinsichtlich ihrer zwerchfellerschütternden Wirkung auf die Zuhörer von Junkermann in der Praxis er« probt. In der uns vorliegenden neuen Auflage sind alle im Laufe der Zeit altersschwach gewordenen Piecen durch neue, zugkräftige ersetzt. Außerdem ist eine ganze Reihe neuer Vortragsstücke in Poesie und Prosa, sowie einige Einakter nach Reuterschen Motiven, die Herr Junker­mann für sein Repertoire verfaßt hat und die auch von Dilettanten leicht gespielt werden können, ausgenommen, so daß das Buch auch in der neuen Gestalt einer warmen Aufnahme von Seiten aller Freunde eines gesunden Humors sicher ist.

DieKöln. Ztg." schreibt in Rr. 914 vom 21. November 1899 unterHandel, Gewerbe und Verkehr": Englischer Wettbewerb in der Seifen-Jn-Ustrie. Schon vor einiger Zeit wurde an dieser Stelle darauf verwiesen, daß die Sunlight-Seifenfabrik A.-G. in Mann­heim in ihren Anpreisungen mit besonderer Vorliebe sich als rein deut­sches Unternehmen bezeichnet, obwohl es sich im Grunde genommen um ein englisches handelt. Neuerdings hat nun eine Anzahl deutscher Seifenfabrikanten die Hilfe der Gerichte gegen die von jener Gesellschaft betriebene Art der Reklame in Anspruch genommen und dabei u. a. folgende, auch für weitere Kreise interessante Mitteilungen gemacht: Die Sunlight-Seifenfabrik A -G. zu Mannheim bringt Seife, die m England hergestellt worden ist und in Deutschland lediglich ihre Pressung erhalten hat, in einer Verpackung oder Umhüllung in den Verkehr, die mit dem NamenMannheim" versehen ist, wob-i der Zusatz gemacht wird:Täg­liche Leistungsfähigkeit 8cO Gentner." Diese Bezeichnung der Ware ist eine falsche. Diese Seifenfabrik hat zwar in Mannheim eine einge­tragene Handelsniederlassung, aber noch keine Fabrikation. Sie bezieht die Ware von der in England bestehenden Sunlight-Seifenfabrik A.-G in Liverpool fertig, nur ohne' die Pressung, die ihr erst in Mannheim verliehen wird. Auch die Verpackung erfolgt in ihrem ganzen Umfange erst in Mann­heim. Dies Verfahren hat offensichtlich den Zweck, das Publikum in die irrige Meinung zu setzen, es handle sich um ein in Deutschland hergestellteS Erzeugnis. Von den deutschen Seifenfabrikanten wurde im Hinblick hier­auf ausgeführt, daß die Angaben jener Seifenfabrik geeignet und offen­bar auch zu dem Zweck gemacht seien, den Anschein eines besonders günstigen Angebots hervorzurufen. Hierauf wurde, unter Bezugnahme auf das Gesetz zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs einerseits, eine an die Staatsanwaltschaft bei dem Landgericht Mannheim gerichtete Strafanzeige und anderseits ein Antrag auf Erlaß einer einstweiligen richterlichen Verfügung gegen die von der Sunlight-Gesellschaft geübte Reklame gestützt. Letzterem Anträge hat das Landgericht Mannheim am 15. November entsprochen und der Gesellschaft durch einstweilige Ver­fügung verboten, bei Vermeidung einer Geldstrafe von je KOO Mk. für die beiden ersten Fälle der Zuwiderhandlung, und einer gegen die Vor­standsmitglieder der Beklagten zu vollziehenden Haftstrafe von je einer Woche für die folgenden Fälle, beim Vertrieb der nicht in Deutschland hergestellten Seife die Verpackung derselben mit dem VermerkSunlight Seifenfabrik A.-G. in Mannheim Tägliche Leistungsfähigkeit 80u Gentner" sowie mit der weitern Aufschrift zu versehen:20 000 Mk zahlt die Sunlight A.-G. in Mannheim jedermann, der nachweisen kann, daß die Sunlight-Seife irgendwie verfälscht ist ober irgendwelche schädlichen Be­standteile enthält". Ferner darf die Beklagte in Zukunft nur solche Verpackung, Ankündigung ober Reklame oerroenben. aus welcher deutlich zu ersehen ist, daß es sich um ein ausländisches und kein deutsches Setfenfabrikat handelt.

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Dienstag den 19 December

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Nr. 298 Drittes Blatt

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Das Schriftsteller-Heim in Jena.

Also endlich, wo doch jetzt die öffentliche Beihilfe für alles nur erfindbare aufgerufen wird, soll die Reihe des Gedenkens auch einmal an den deutschen Dichter, Journ alisten und Schriftsteller kommen, obwohl derselbe im Kampfe für des Reiches Herrlichkeit allezeit tapfer mit in der ersten Reihe gestanden hat.

Das ist allerdings erfreulich, denn

Früher erst wenn aus dem Grabe nachklang seines

Liedes Macht, Ward chm volle Dankesgabe in Bewund'rung dargebracht; Beffer endlich Ehrenschulden schon hienieden dem bezahlt, Der sich darbend könnt gedulden, bis sein Denkmal für ihn strahlt.

Und so wird denn bei allen Sammellisten, die ständig umgehen, gewiß auch jeder, der schon einmal durch eine Dichtung, einen Roman, ein Lied usw. tiefergehende Ein­drücke empfangen hat, gern sein Scherflein mit beitragen zum Aufbau desjenigen Hauses, das unfern Helden von der Feder eine Zufluchtstätte sein soll für die Zetten der Rot und des Alters, damit, wie der Aufruf sagt, dem deutschen Volke endlich die Schmach erspart werde, Männer und Frauen von nicht selten bedeu­tendem Geiste in Not und Einsamkeit ver­kommen zu sehen.

Um so fröhlicher aber werden alle gerade bei diesem Werk mithelfen, wenn hier erst klar dargelegt wird, daß es sich dabei nicht etwa um ein Luftschloß handelt, sondern daß für dies Schriftsteller-Heim in Jena bereits eine äußerst solide Grundlage geschaffen worden ist.

Nicht allein hat der Erlauchteste Förderer aller litterarischen und künstlerischen Bestrebungen, der Groß- h erzog von Sachsen, das Protektorat über dies Heim übernommen, sondern fast alle bedeuten­den Schriftsteller und Journalisten Deutsch­lands und Deutsch-Oesterreichs treten im Ver­ein mit der Presse in seltener Einmütigkeit dafür ein.

Weiter ist es freilich kein Wunder, daß für diesen schon feit langen Jahren so heiß ersehnten Mittelpunkt zur Wahrung ihrer wirtschaftlichen Interessen die eigenen Be­rufskreise tüchtig beisteuern. Schon sind aus dieser Quelle über 33000 Mark zusammengeflossen: wahrlich, eine gewaltige Summe, wenn man das durch­schnittlich sehr bescheidene Einkommen der meisten Litteraten ins Auge faßt. Nicht unerwähnt soll ferner bleiben, daß alles Geld, was bei dem Heimkassier eingeht, einstweilen sofort sicher und nutzbringend für's Heim angelegt wird, und zwar unter Kontrolle des Oberbürgermeisters von Jena.

Was schließlich aber als die sicherste Bürgschaft für das Gelingen dieser milden Stiftung gelten muß, ist der Umstand, daß für das Schriftsteller-Heim im besten Viertel Jenas bereits seit zwei Jahren ein großer, gesund und schön belegener Bauplatz als Eigentum vorhanden, auf dem gegenwärtig sogar schon die Vorarbeiten zur Grundsteinlegung vor sich gehen. Risse und Anschläge des Hauptgebäudes, das zunächst für Aufnahme von 2030 um das deutsche Schrifttum verdienter Männer und Frauen dienen und auch einen Sitzungssaal für die Journalisten- und Schriftstellertage enthalten soll, sind von dem auch in weiteren Kreisen bekannten Architekten L. Hirsch in Jena fertig gestellt, und weisen auf eine Bau- und Einrichtungssumme von 150000 Mark hin.

Rechnet man hierzu die Unterhaltungskosten des Grund­stücks und den Verpflegungsaufwand für seine Jnsaffen, so müßte etwa ^Million zusammenkommen, um das ganze Unternehmen einigermaßen gut zu fundieren.

Nun fragen wir jedenfalls mit Recht: Wie gering ist solche Summe, wenn sich die deutschen Fürsten, die Städte, die Buchhändler, die hohe Finanz und mit ihnen jedermann vereinigt, der anerkennt, welche gewaltigen Impulse unser Nationalgeist durch unsere Dichter und Denker jederzeit erfahren hat? .Gleich Fackelträgern sind sie mit ihrer Leuchte stets vorangeschritten; als Herolde haben sie in trüber Zeit das Volk aus tiefer Nieder­geschlagenheit wieder aufgeweckt und zu neuen Thaten be­geistert. Man denke nur an Schiller, Arndt, Theodor Körner und Max v. Schenkendorf. Und hat nicht oft ein einziges Lied wieDie Wacht am Rhein" fast ebensoviel geleistet, wie ein ganzes Armeekorps?" Dazu rechne man noch die fortwährende Unterhaltung und Anregung, die jeder Gebildete aus der Lektüre der befferen Tagesblatter schöpft.

Wahrlich, ein Nationaldank hierfür liegt nahe genug! Damit sich aber an solchem auch jeder nach seinen Kräftigen beteiligen kann, giebt es künstlerisch ausgestattete Bausteine" in den verschiedensten Preislagen, nämlich für 1, 10, 20, 50, 100, 500 und 1000 Mk., die, wo ihr direktes Angebot fehlen sollte, vomOrtsausschuß für das Schriftsteller-Heil in Jena" leicht erhält­lich sind.

Males und NrsvinsteUes.

Gießen, den 18. Dezember 1899.

** Ordensverleihungen. Se. Kgl. Hoheit der Groß­herzog haben Allergnädigst geruht, am 18. Oktober dem Schullehrer Jakob Steinmann zu Wixhausen, aus Anlaß seiner Versetzung in den Ruhestand, am 21. Oktober dem Oberlehrer Adam Heid er zu Hechtsheim, aus Anlaß seiner Versetzung in den Ruhestand, das Silberne Kreuz, am 25. Oktober dem Oberlehrer Johann Heinrich Geißler zu Lampertheim, aus Anlaß seines 50jährigen Dienst­jubiläums, das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen, zu verleihen.

* Ermächtigung zur Annahme und zum Trage» fremder Orden. Se. Kgl. Hoheit der Großherzog haben Aller­gnädigst geruht: am 28. Oktober dem Kaiserlichen Postrat Karl Hennemann in Karlsruhe die Erlaubnis zur An­nahme und zum Tragen des ihm von Sr. Kgl. Hoheit dem Großherzog von Baden verliehenen Ritterkreuzes 1. Klaffe des Ordens vom Zähringer Löwen mit Eichenlaub, am 1. November dem außerordentlichen Gesandten und bevoll­mächtigten Minister am Kgl. Preußischen Hofe, wirklichen Geheimerat Dr. Karl v. Neid Hardt die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen der ihm von Sr. Majestät dem König von Preußen verliehenen Rote Kreuzmedaille 2. Kl., ferner den nachstehend Benannten die Erlaubnis zur An­nahme und zum Tragen der ihnen von Sr. Majestät dem Kaiser von Rußland verliehenen Ordensdekorationen, und zwar u. a.: des Weißen Adlerordens: am 4. November dem Staatsminister und Minister des Großh. Hauses und des Aeußern, sowie des Innern Karl Rothe, des St. Annenordens 3. Klasse: am 10. November dem Ministerialsekretär bei dem Staatsministerium Dr. Ernst Weber, an demselben Tage dem Ministerialsekretär bei dem Ministerium des Innern Adalbert Freiherrn v. Starck, am 15. November dem Professor an der Technischen Hoch­schule Dr. Heinrich Schenck, an demselben Tage dem Professor Dr. August Weckerling in Worms, am 22. No­vember dem Kreisamtmann Dr. Joseph Valckenberg in Offenbach des St. Stanislausordens 1. Klasse: am 10. November dem Geheimen Staatsrat bei dem Staatsministerium und Ministerialrat im Ministerium des Innern Gustav Krug von Nidda, des St. Stanislausordens 2. Klaffe: am 15. November dem Post- direktor Wilhelm Andreß in Darmstadt, an demselben Tage dem Bürgermeister Heinrich Köhler in Worms, des St. Stanislausordens 3. Klasse: am 21. Oktober dem Architekten und Bauunternehmer Ludwig Riedlinger in Darmstadt, am 22 November dem Regierungsassessor Dr. Otto Michel in Offenbach, an demselben Tage dem Polizeiamtmann Hugo Scriba in Darmstadt, der kleinen Silbernen Medaille des St. Stanislausordens: am 15. November dem Landbriefträger Peter Vetter in Darmstadt zu erteilen.

** Erledigte Lehrerstellen. Erledigt sind: die mit einem evangel. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeinde­schule zu Höingen (Kreis Alsfeld), die 1. Lehrerinnenstelle an der kathol. Schule zu Dieburg. Dem Kreisrat, sowie dem kathol. Pfarrer und dem Stadtvorstand zu Dieburg steht das Präsentalionsrecht zu derselben zu, eine Lehrer- stelle an der Gemeindeschule zu Neu-Isenburg (Kreis Offenbach. Dieselbe soll mit einem in dererweiterten Prüfung" bestandenen evangel. Lehrer, welchem die Funktionen eines Oberlehrers an dieser Schule gegen eine Remuneration von 600 Mk. jährlich übertragen werden würden, besetzt werden, sämtlich mit dem gesetzlichen, nach dem Dienst- alter sich bemessenden Gehalt.

** Sogenannte Trauercouverts (Briefumschläge mit schwarzen Rändern) find nach einer Verfügung des Staats­sekretärs des Reichspostamts bei Einschreibbriefen künftig nicht mehr zulässig, nachdem ihre Benutzung für den Verkehr nach dem Auslande schon lange untersagt war. Briefumschläge mit farbigen Rändern lassen sich nämlich viel leichter als einfache weiße an den Seiten in betrügerischer Weife ausfchneiden. Auf glatten Briefumschlägen läßt das

mehr oder minder deutliche Spuren zurück, während die schwarzen Ränder eines heimlich geöffneten Briefumschlags fast unmerklich wieder geschloffen werden können, indem man nötigenfalls die Schnittflächen schwärzt.

Aus Rheinhessen, 14. Dezember. Der neue Wein verspricht eine gute und preiskräftige Ware zu werden. Die Abschlüffe, die in den letzten Tagen an verschiedenen Orten gemacht worden sind, haben recht günstige Ergebnisse gehabt. Für das Stück (1200 Liter) sind durchschnittlich 500 Mk. bezahlt worden.