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Sonntag om 19. November
Aints- und Anzeigeblatt für den K«U Gieszen
Graphischer Verlag
Annahme von Anzeigen zu der nachmittag- für den «-vlzendm Lag erscheinenden Nummer bi- vorm. 10 Uhr.
Redaktion, Expedition und Druckerei:
Zchnkstraße Ar. 7.
Ein eigenartiger Grabstein.
Im Jahre 1877/78 annektierten die Engländer Transvaal, mußten aber nach dem Freiheitskampf der Buren 1881 das Land verlassen. In der Nähe von Majuba-Hill, dem Hauptschlachtort, errichteten die Engländer nachstehenden Gedenkstein. ______________
Die Inschrift lautet zu deutsch:
Zum Andenken an die britische Flagge in Transvaal, welche aus diesem Leben schied am 2. August 1881 im Alter von vier Jahren. In andern Ländern kennt Dich keiner ohne Dich zu lieben! Feiere eine fröhliche Auferstehung!
Der Wunsch der Engländer nach einer Wiederaufrichtung ihrer Macht in Transvaal dürfte sobald nicht in Erfüllung gehen. Gedenkstein und Inschrift sind aber für die Engländer bezeichnend.
Zur Frage der Feuerbestattung.*)
(Von einem Theologen.)
Die Aufstellung eines Krematoriums beschäftigte neulich den Stadtrat, daran anschließend diese Zeilen. Die Frage, ob Beerdigung oder Feuerbestattung, beschäftigt seit längerer Zeit die öffentliche Meinung. Viel ist für und wider geschrieben worden. Im allgemeinen war die Geistlichkeit beider Konfessionen, die der katholischen Konfession geschlossen, gegen die neue Art der Bestattung. Gestatten Sle einem Theologen, auf die Gefahr hin, daß er auch von mancher Seite verketzert werde, eine offene Aussprache.
Ich bin persönlich, nach meinem eigenen Empfinden nicht für die Feuerbestattung, denn die Gründe, die für dieselbe ins Feld geführt werden, sind für mich nicht stichhaltig. Fürs erste ist die neuerliche Feuerbestattung, die in alten Zeiten üblich gewesen, weil sie von der Beerdigung abgelöst wurde, kein Fortschritt, sondern ein Rückschritt, sollte also in Kreisen, in denen man dem Fortschritt huldigt, konsequenter Weise zurückgewiesen werden. Zum zweiten ist die Befürchtung, es könne kein Raum für Friedhöfe mehr beschafft werden, hinfällig. Für einen Ruheplatz für ihre lieben Toten finden bte Überlebenden immer noch einen Raum — ich muß da immer an das Dichterwort denken: „Raum für alle hat die Erde", wenn es auch nicht in dem Sinne geschrieben ist, der hier unterlegt wird. Ich glaube nicht, daß die Aufstellung von Urnen in besonderen Fällen das Bedürfnis der Trauernden so befriedigt, wie die Bereitung von besonderen, von Liebe gepflegten Ruhestätten. Auch die schrecklichen Vorstellungen von dem in der Erde vor sich gehenden Verwesungsprozeß können mich nicht für die Einführung von Leichenverbrennung bestimmen; denn was unter der Erde vorgeht, ist ein natürlicher, uns Ueberlebenden ja nicht sichtbarer Vorgang, und die Leiche mag bei einer Verbrennung, wollte man zuschauen, auch keinen lieblichen Anblick gewähren. Aber, sagt man, es ist dann keine Ge- fahrdesLebendigbegrabenwerdens mehr vorhanden. Ich denke aber, die ärztliche Kunst ist jetzt im stände, diesem zu begegnen. Allerdings würde ein Scheintoter im Verbrennungsofen sicherer vor dem Wiedererwachen bewahrt bleiben, dagegen würde bei Verbrechen, etwa Vergiftung, dem Gericht die Möglichkeit einer nachträglichen Konstatierung genommen werden. Der für mich durchschlagende Grund gegen die Feuerbestattung ist die verletzte Pietät gegen den Verstorbenen. Er war uns lieb und wert; verwest er im Grab, so ist das ein natürlicher Vorgang; lasse ich ihn
*) Wir geben vorstehenden interessanten Auslassungen unseres geschätzten Mitarbeiters gern Raum, ohne natürlich in irgend einer Weise an diesem Orte zur Frage der Feuerbestattung Stellung zu nehmen. Die Redaktion.
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Fernsprecher Nr. 51.
aber verbrennen, so lege ich selbst Hand daran, das, was mir von ihm geblieben ist, zu zerstören. Das Häuflein Asche, das dann in der Urne liegt, ist für mich nicht mehr das mir liebgewesene Wesen. Es ist Asche, ich weiß, es ist vernichtet durch mich; ruht es aber m der Erde, so ist mir dieser Raum als seine Ruhestätte heilig, und ich sehe seine Züge im Geist stets vor mir. Ich könnte mich nie dazu verstehen, eines meiner Lieben verbrennen zu laffen — aus Pietät. Deshalb wohl wollen auch viele die Verbrennung nur auf Wunsch des Verlebten gestattet haben. Trotz allem Gesagten nun kann ich nicht denen beistimmen, die das Verbrennen der Leichen absolut verboten wissen wollen. • , _, „
Will absolut jemand die Feuerbestattung an sich vollzogen wissen, so hat er das Recht, daß ihm willfahrt werde, sofern die Staatsgesetze es erlauben. Jedes Verbieten der Feuerbestattung wird der Sache nur förderlich sem; es wäre gegen die persönliche Freiheit des Individuums. Ich bin fest überzeugt, daß die Feuerbestattung, hätte man sie früher erlaubt, nicht soviel Agitation gezeitigt haben würde; die Beerdigung wird sie in christlichen Landen nie verdrängen.
Nun noch ein Wort über die Mitwirkung der Geistlichen bei Feuerbestattungen; die katholische Kirche verbietet sie ohne weiteres; die evangelische Kirche im großen und ganzen hat sich noch nicht entschieden, wenn man auch in einzelnen Staaten sich bereits ablehnend verhält. Warum soll aber der Geistliche dabei nicht funktionieren können? Er wird berufen, Trost zu spenden, und wenn er sein „Amen" gesprochen, ist sein Amt zu Ende. Ob der Totengräber oder der Angestellte des Krematoriums seines Amtes waltet, geht ihn nichts an. Und dann wolle man doch nicht in jedem, der sich verbrennen läßt, einen Unchristen sehen. Es mag ja sein, daß freisinnig gerichtete Leute eher der neuen Bestattungsweise zuneigen, aber, wie es falsch ist, in jedem Freisinnigen einen schlechten Christen zu sehen und in jedem äußerlich Frommen einen guten Christen, so ist es auch grundfalsch, von der Bestattungsweise, die der Verstorbene gewünscht, einen Rückschluß auf seinen Charakter ohne weiteres zu machen. Möchte man doch endlich einmal äußerliches Kirchenchristentum und inneresHerzenschristentumunterscheidenlernenl Nicht die Bestattungsweise, die einer wählt, sondern sein Leben und Thun, ruhend auf edlen Beweggründen, entscheidet über Christentum und Nichtchristentum.
Rr. 273 Drittes Blatt
phiert — und der überlegene Ausländer, der in Stuttgart andere Marken braucht wie in Frankfurt und sich in München die dritte Sorte kaufen muß, macht sich nach wie vor lustig über die vielgepriesene deutsche Einigkeit!
Gott sei Dank, daß die Berliner gar nicht daran denken, sich für den Korb, den sich Podbielski in München geholt hat, zu revanchieren. Die Sammlungen für die überschwemmten deutschen Brüder im Bayerland bringen ganz gewaltige Summen zusammen, und was die Vertreter der Münchener Brauereien allmonatlich für in Berlin vertilgtes Bürger-, Pschorr-, Spaten- und sonstiges Bräu nach der Jsarstadt wandern lassen, soll eine noch viel feurigere Sprache reden; daneben werden die Schlierseeer, die mit ihren Bauern- komödien jetzt hier gastieren, durch volle Häuser und dröhnenden Beifall ausgezeichnet und haben sogar bei Kroll vor dem Kaiser spielen dürfen. Aber dos ist selbstverständlich alles noch keine Einheitsmarke wert, und was ein echt „Ver- siglter" ist, der läßt lieber die Welt untergehen, ehe er ein Jota von den sogenannten Privatrechten aufgiebt! Da aber der drohende Weltuntergang noch in letzter Minute, wohl wegen Mangel an Beteiligung, wieder abgesagt worden ist, wie der Sommerausflug eines Kegelklubs, so bleibt eben alles beim alten! .
So gründlich hat sich übrigens lange keiner blamiert, wie dieser Stern am Himmelstheater, der nicht einmal die Kourage gehabt hat, aufzutreten, nachdem fein Reklame- trommler den Mund wer weiß wie voll über ihn genommen und lärmend verkündet hatte, daß er alles mit fortreißcn und uns bis ins Innerste erschüttern würde!
Wie ein begossener Pudel ist er vorübergeschlichen",
Bezugspreis vierteljährlich
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Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich.
Hrfchelnl täglich mit Ausnahme de- MsntagS.
Die Gießener Mnmilienßkätter werden dem Anzeiger »SchtnUich viermal beigelegt.
Schiffsnachrichten
Der Poftdampfer „Westernland" der „Red Star Line" In Antwerpen tft laut Telegramm am 16. November wohlbehaltm in New- York angekommen.
Feuilleton.
Berliner Brief. •
(Plaudereien aus der Kaiserstadt.)
(Nachdruck verboten.)
Neue Briefmarken. — Die spröde Bavaria. — Weltuntergangs, glofsen. — Flinker als ein Pferd!
Mit großem Enthusiasmus ist es in den Kreisen der Philatelisten, oder wenn man sich etwas bescheidener ausdrücken will: Briefmarkensammler ausgenommen worden, nicht nur, daß wir demnächst von dem friedlich errungenen Samoa die ersten deutschen Marken erhalten werden, sondern daß es überhaupt neue deutsche Sorten mit den verschiedensten Bildern geben soll, und daß man fortan statt des schneidigen Reichsadlers, der in partikularistischen Seelen immer als der nur verkappte alte preußische Vogel galt, die Allmutter der deutschen Stämme, die hehre Germania, aus dM kleineren Werten schauen wird. Wenn diese harmlose Umgestaltung eine Galanterie an die Adresse der spröden Bavaria gewesen sein sollte, um ihr den letzten Schritt zur Eingliederung in die -einheitlichen Reichsverhaltmsse zu erleichtern, so hat auch das wie so manches andere leider nichts geholfen. Bayern behält feine alten Briefmarken, wie es seine blauen Postschweden behalten wird, die blechernen gelben, meist gräulich schmutzigen Briefkästen sischt zu vergessen! Sigl, der ewig hetzende und den thonchten Haß Hegen alles Norddeutsche schürende Volksverderber tnum-
ulkt der Berliner. „Denn nicht einmal den Schweif hat er sehen lassen!" Und doch ist ihm ein armes, beschränktes Geschöpf, ein Dienstmädchen, das die Schrecken des vermeintlichen letzten Aktes der Erdkomödie nicht überstehen zu können glaubte, zum Opfer gefallen. Mit ausgeschnittener Pulsader ist sie in die Charite eingeliefert worden und kommt wohl kaum mit dem Leben davon.
Auch etliche spekulative Quintaner, die auf den großen Krach gewettet und daher selbstverständlich die nun ganz überflüssigen Schularbeiten nicht angefertigt hatten, fühlen sich als Märtyrer und verfluchen das Angedenken dieses pflichtvergessenen Himmelsbummlers; denn der Herr Oberlehrer hat ihnen die unveränderte Fortdauer des alten Erdballs durch die Auszeichnung des Aequators, sowie verschiedener Breitegrade auf einer Halbkugel veranschaulicht, die von den grausamen Pädagogen trotz der „schreiendsten" Proteste immer wieder „berücksichtigt" wird.
Die liebe Mutter Erde rollt also fröhlich weiter, und mit ihr alle die Vehikel, die im Laufe der Zeit auf ihr entstanden sind: Eisenbahnen, Equipagen, Automobils und Velos. Es wäre auch schade gewesen um alle die schönen Erfindungen und Einrichtungen, die sich in allen Kreisen einbürgern. Ich sah heute früh einen Bäckermeister, der früher Pferd und Wagen gehabt, voll Stolz seinem Nachbar das Elektromobil zeigen, auf dem der Lehrling die Backwaren ausfuhr. „Sehen Sie nur, flinker als ein Pferd!" rief er begeistert. Indem sprang der Kastendeckel auf und ließ einen Teil des Gebäcks auf den Fahrdamm hüpfen. „Bedeutend flinker!" schmunzelte der Nachbar. „Und auch die Semmeln sind ganz anders!"... A. R.
Jn al her Qimej rwne/nwZieel 6u£ to (ove thee. I
‘ RESUKCAMA
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THE BRITI SH FLA
in the Transvaal
which de/iarled l/iis life
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Gießener Anzeiger
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