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Sonntag den 19. März
Erstes Blatt.
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Zlints- und Anzeigeblatt für den Ureis Giefzen.
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Alle Anzeigen-vermitttung-strllm der In- und AurlandeL nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegn».
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ÄdHrhion, Expedition und Druckerei:
Zchakstratze Nr. 7.
Wen, M eü-Früchteo, in li etc., habe ich roh c
lenefemt een Anzeigen zu der nachmittag» für den lelgeBbc« Zt| erscheinenden Nummer di» vorm. 10 Ubr.
Adreffe für Depeschen: Anzeiger Hirtzen.
Fernsprecher Nr. 51.
Gratisdeitagrn: Gießener Familienblätter, Der hessische Kandmrt, Klätter für hessische Volkskunde._________________
$etr.: Wie oben.
Das Grobherzogliche Kreisamt Gießen *h die Grosth. Bürgermeistereien und die örtliche« Jnvalibitäts- uud Alters BersicherungSstelleu
des Kreises.
Auf die vorstehende Bekanntmachung weisen wir Sie hiemnit ausdrücklich zur Nachachtung hin. Zugleich beauf- tragen wir die Großh. Bürgermeistereien, diese Bekanntmachung in ihren Gemeinden wiederholt öffentlich verkünden zu lassen, und die Rechner der Gemeinde- und Ge- rneindekranken-Kassen besonders darauf zu verweisen.
v. Bechtold.
Politische Wochenschau.
Eine Woche voller Erwartungen, Befürchtungen und Aufregungen liegt hinter uns. Konflikt oder nicht? Das war die große Frage, die auf aller Lippen lag. Und wenn auch die Krisis im Sinne der Versöhnung gelöst worden ist, so beherrschte doch ernste Besorgnis die Gemüter. Um so freudiger ist allgemein die Genugthuung, daß eine Verständigung erzielt worden ist und schwere innerpolitische Kämpfe vermieden werden konnten. Freilich wird die Abstimmung über die Militärvorlage noch lange nachwirken und auf das Verhältnis der Parteien zu einander ihren Stempel drücken.
Ziemlich überraschend kam die Nachricht, daß am Beisetzungstage Kaiser Wilhelms I. auch die Leiche des Fürsten Bismarck ihre letzte Ruhestätte finden würde. Die Teilnahme des Kaisers an der Feierlichkeit hat um so wohl- thuender berührt, als weiteren Kreisen der Zutritt nicht gestattet werden konnte. Daß mit der Schließung der Gruft in Friedrichsruh das Interesse an dem Altreichskanzler nicht erloschen ist, brauchen wir kaum zu betonen. Der Sachsenwald wird noch Jahrhunderte der Wallfahrtspunkt zahlloser Patrioten sein.
Ueber die Verhandlungen Cecil Rhodes mit der Reichsregierung ist etwas authentisches noch nicht bekannt geworden; nur aus den Veröffentlichungen englischer Blätter kann man ersehen, daß seine Mission von Erfolg war. Wir haben schon früher betont, daß wir das Vertrauen zu unserer Regierung haben, sie werde unter keinen Umständen das Reichsinteresse aus dem Auge lassen.
Auch auf dem Gebiet der Marineverwallung hat uns die letzte Woche Ueberraschungen gebracht. Auf die Aufhebung des Oberkommandos der Marine war wohl kein Laie gefaßt gewesen. Wir wollen hoffen, daß die Aende- rungen unserer Marine zum Segen gereichen.
In Oesterreich giebt man sich großen Hoffnungen hin, daß der innere Friede bald wieder hergestellt sein wird; freilich macht auch niemand ein Hehl daraus, daß der Herrschaft des Grafen Thun ein Ende gesetzt werden muß.
Noch immer sind die Differenzen zwischen Italien und China nicht erledigt. Daß die chinesische Regierung schließlich die klügere sein und nachgeben wird, bedarf wohl kaum einer besonderen Betonung. — Neuerdings sieht man bei unseren Freunden jenseits der Alpen eine lebhaftere Thättgkeit der Anarchisten voraus, weshalb bei allen geeigneten Gelegenheiten große Vorsichtsmaßregeln getroffen werden. Wie weit die Befürchtungen begründet sind, läßt sich heute noch nicht ermessen.
Das Befinden des Papstes gibt wieder zu ernsten Besorgnissen Anlaß; wenigstens macht die Schwäche des Patienten bedenkliche Fortschritte. Die Tage des heiligen Vaters scheinen wirklich gezählt zu sein.
Die innerpolitische Situaton Frankreichs hat im Laufe dieser Woche keine Veränderung erfahren; wann eine definitive Klärung der dortigen Verhältniffe eintreten wird, ist freilich noch nicht abzusehen.(xx)
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2 Mark 20 Pfg. wonatlid) 75 Ptz mi! iBvingedobn.
Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. üurtrtjäbrlidj.
der höheren Bürgerschule zu Dieburg Dr. Johann Sciden- berger zum Lehrer an der Augustinerschule (Gymnasium und Realschule) zu Friedberg, den Lehrer an der Realschule und Landwirtschaftsschule zu Groß-Umstadt Michael Dietrich zum Lehrer an der Realschule zu Bingen und den Lehrer an der Realschule zu Butzbach August Todt zum Lehrer an der Realschule und Landwirtschaftsschule zu Groß- Umstadt — sämtlich mit Wirkung vom 1. April 1899 an — zu ernennen. . r ,
** Stadttheater. Man muß es der Direktion Kruse-Helm lassen, daß sie in der Wahl der Gäste der zu Ende gehenden Spielzeit überaus glücklich gewesen ist, und keine Kosten gescheut hat, uns Leistungen auserlesener Kräfte vorzuführen. Auch das vorletzte, gestrige Gastspiel des von früher her hier in bestem Andenken stehenden Herrn Oskar Bohn Le vom Kölner Stadttheater darf als eine Musterdarstellung des von Moser'schcn vieraktigen Lustspieles „Der Veilchenfresser" gelten. Leider war das Haus nur mäßig besucht, nichts desto weniger hallte es wieder von dem rauschenden Beifall der Zuschauer, die mit regstem Interesse dem erfreulichen Gang des Stückes folgten. Die Handlung des seinerzeit die Bühne beherrschenden Lustspieles dürfen wir als bekannt voraussetzen, es erübrigt demnach nur einiges über die packende Wiedergabe der einzelnen Rollen verlauten zu lassen. Herr Oskar B o h n L e als Victor von Berndt, darf als Urbild eines Edelmannes, wie sie ja bekanntermaßen in unserer Armee nicht selten sind, gelten. Ein grundehrlicher, aufrichtiger Charakter, ist ihm der Kampf gegen die Lüge ein Vergnügen, für das er unbedenklich sein Leben in die Schanze schlägt. Seine Part- nerin, Frl. Würdig, der zuliebe er den Kampf ums Dasein wagt, spielte ebenfalls ausgezeichnet, nur schien sie leider stimmlich nicht unbeeinflußt zu sein. Frau Direktor Kruse, als Victors Tante, Frau von Berndt ist gleichfalls durchaus zu loben. Herr Köhler, als Reinhard von Feldt, gab als unfreier Freier, weitschweifiger Referendar und wenig mustergiltiger Einjährig-Freiwilliger eine köstliche, wiederholt stürmische Heiterkeit erregende Figur. Fräulein Pauli, als Valeska diente ihm als wertvolle Folie. Herr Waller, war uns als Oberst von Rembach etwas zu rauhkehlig, führte indes trotz fehlenden Portepees seine Rolle als Festungskommandant befriedigend durch, während er als Oberst und Freier der Fran v. Wildenhain unschwer von dem auf Handstreiche geschulten Husarenleutnant mit dem treffenden Namen Victor ausgestochen wurde. Herr Liebscher und Fräulein Rux zeigten sich als Herr von Golewski, und Frau von Belling als auf den bösen Leumund ihrer lieben Nächsten bedachte Intriganten und fanden sich mit ihrer Rolle befriedigend ab. Fräulein Schuhmann, als Minna, und Herr Wilhelmi, als Peter, gaben ihre Rollen natürlich mit großem Geschick wieder. Auch die brave Soldateska, die Herren Merker, Castera, Werner, Neumann und Reichert exerzierten erfolgreich, und trugen so zum Gelingen des Ganzen nicht wenig bei. Die ganze Vorstellung war wie gesagt eine Musterleistung, was neben dem dankbaren Stoff, dem überaus wirksamen Spiel des geschätzten Gastes, nicht minder aber auch der kundigen Regie des Herrn Liebscher, wie der offenbaren Lust und Liebe der übrigen Mitwirkenden zu danken sein dürfte.
** Stadttheater. Ueber Herrn BohnLe's „Kean", welchen der Künstler morgen (letzte SountagsvorstellunH hier als Abschiedsrolle spielen wird, schreibt eine Magdeburger Kritik: Gastspiel Oscar BohnLe. Das Dumas'sche Lustspiel Kean, das mit unserm Gaste, Herrn Oskar BohnLe vor geräumten Orchester in Szene ging, interessiert trotz mancher Unwahrscheinlichkeit und Unklarheit doch, besonders am Schluffe bei der Lösung des Knotens, durch seine effektvollen Szenen und namentlich durch die Gestalt des Titelhelden, immer von neuem. Herrn BohnLe gelang es durch seine Auffassung der Rolle und durch seine Darstellung, dies Interesse im höchsten Grade zu wecken und von Akt zu Akt zu steigern. In packenden Zügen zeichnete der Künstler die mannigfachen Situationen des Dramas und machte dadurch die Gewalt glaubhaft, die der Held auf alle Kreise seiner Umgebung ausübt. Ueberall wußte er bei richtigen Ton zu treffen. Den Höhepunkt der Darstellung bildete die Hamletszene, einesteils als solche selbst, sodann in ihrem meisterhaft zum Ausdruck gebrachten Uebergang zum plötzlichen Wahnsinnanfall. Vorzüglich kommt dem Künstler sein schönes, biegsames, allen Stimmungen sich anschmiegendes und dann wieder kraftvolles Organ zu statten. Da die Rolle des Kean sehr gut dazu angethan ist, die übrigen Darsteller in den Schatten zu stellen, so muffen
Males und Provinzielles.
Gießen, den 18. März 1899.
** Ernennung. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben mittelst Allerhöchster Entschließung vom 15 März Allergnädigst geruht, den Kanzleigehilfen, Finanzaspiranten Friedrich Engel aus Darmstadt zum Kanzlisten bei dem Großherzoglichen Hofmarstallamt mit dem Titel „Hofmarstallamts-Assistent", mit Wirkung vom 1. April l. I. an, zu ernennen. .
** Bestätigung. Seine Königliche Hoheit der Groß- herzoq haben Allergnädigst geruht, am 15. März der am 21 Februar l. I. durch die Stadtverordnetenversammlung zu Worms erfolgten Wiederwahl des Georg Binder zum Bürgermeisterei-Beigeordneten der Stadt Worms die Ve- ftätigunq zu erteilen.
*♦ Aus dem Gerichtsdienst. Durch Entschließung Groß- berzoqlichen Ministeriums der Justiz vom 11. März 1899 ist der Großherzogliche Gerichtsasseffor Dr. Stallmann in Darmstadt bis auf weiteres mit Aushilfeleistung als Richter bei Großherzoglichem Amtsgerichts Worms beauftragt worden. k
** Höhere Schulen. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 15 März ben Lehrer an der Augustinerschule (Gymnasium und Realschule) zu Friedberg Karl Altendorf zum Lehrer an dem Gymnasium und der Realschule zu Offenbach, den Rektor
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger
UßNch «h L»»nahme be»
Mintag».
Die ®t (ferner »«»tkie,»kälter »erden dem Anzeiger »Lchentiich viermal beigelegt.
An den zwei Sonntagen vor Ostern wird für hanbelsgewerbe zu Gießen bie Beschäftigungs- unb Ver-
Bekanntmachung,
betreffenb Jnvalibitäts- unb Altersversicherung.
Unter Hinweis auf §§ 22, Abs. 2, Ziffer 1 bes Jnv.- unb Alters-Versicherungs-Gesetzes vorn 22. Juni 1889 unb unter Bezugnahme auf unsere Bekanntmachung vom 8. März 182)9 (Kreisbl. Nr. 60) bringen wir hiermit zur öffentlichen Äenntnid, baß für bie in der Land- und Forstwirtschaft be- jchrstigten Personen vom 2. April 1899 an, Beitragsmarken bet Jnvalibitäts- unb Altersversicherung zu verwenden sind: 1. m den Gemeinden Gießen und Großen-Linden:
a) für männliche Personen: der 3. Klaffe zu 24 Pfg. b) für weibliche Personen: der 2. Klaffe zu 20 Pfg.
2. in allen übrigen Gemeinden des Kreises:
a) für männliche Personen: der 2. Klaffe zu 20 Pfg. b) für weibliche Personen: der 1. Klaffe zu 14 Pfg. Bezüglich der Beiträge der sonstigen Arbeiter und fliEbeiterinnen hat es bei den seitherigen Bestimmungen ft im Bewenden, (s. § 22, Abs., 2, Ziffer 3 bis 5 des Jnv.- unb Alters-Versicherungs-Gesetzes vom 22. Juni 1889).
Gießen, den 17. März 1899.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Bechtold.
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Bekanntmachung.
In Ober-Mockstadt, Kreis Büdingen ist die Maul- und tlamenseuche erloschen und sind die angeordneten Sperrmaß- rtgieln aufgehoben worden.
Da die Maul- und Klauenseuche in Aulendiebach, Kreis Bübingen, nur noch in einem Gehöft herrscht, ist bie an- geordnete Orts» und Gemarkungssperre aufgehoben und nur öehöftssperre belasten worden.
Unter den Landgestütsbeschälern der Station Berstadt ifi die Brustseuche ausgebrochen, und die Station gegen den kerkehr mit Pferden bis zum 7. April lfd. Js. abgesperrt norden.
Gießen, den 15. März 1899.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
I. V.: Dr. Wagner.
Bekanntmachung,
bett.: Die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe.
kavlfszeit bis 7 Uhr abends zugelassen.
Gießen, am 18. März 1899.
Großherzogliche- Polizeiamt Gießen.
__________________I. V.: Roth.__________________
Bekanntmachung.
Wegen Vornahme von Rohrverlegungsarbeiten ist der Scuenroeg zwischen Neucnbüue und Weidengasse am Dienstag, den 21. l. Mts., für den Fuhrwerksverkehr gesperrt.
Gießen, den 16. März 1899.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
________Muhl.___________________
Gefunden: 1 Taschenuhr mit Kette, 3 Broschen, 1:Vorstecknadel, 2 Taschenmesser, 1 Damengürtel, 1 Handlich, 1 Taschentuch, 3 Kragen, 1 Schirm, 3 Klingel Garn, 1 «Herrnhut, 1 Baumsäge, 1 Rechen, 1 Peitsche und 1 Mundharmonika.
Gießen, den 18. März 1899.
Großherzocfliches Polizeiamt Gießen.
Muhl.


