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16 Zweites Blatt Donnerstag den 19. Januar
1899
ichener Anzeiger
Heneral-Anzeiger
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R. Wagner.
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11 Uhr, ereinth
Deutsches Reich.
Berlin, 17. Januar. Heute Mittag nahm der Kaiser im königlichen Schlosse die feierliche Investitur der neuernannten Ritter des hohen Ordens vom Schwarzen Adler vor. Dieselben sind: Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen, General v. Krosigk, Botschafter Fürst Radolin, Minister v. Wesell, Oberpräsident v. Goßler, Admiral v. Knorr, Professor v. Menzel. Zur Investitur waren zahlreiche hohe Persönlichkeiten geladen. Die Feier fand im Rittersaale statt. Nach Beendigung der Investitur begaben sich die Anwesenden in feierlichem Zuge unter den Klängen einer Fanfare zum Kapitelsaal, wo der Kaiser ein Kapitel abhielt. Hierauf begab sich der Zug nach der Schwarzen Adler-Kammer, in welcher der Kaiser und sämtliche Ritter die Mäntel ablegten. Heute Abend findet im Elisabethsaale im Schloß ein Diner statt, welches der Kaiser den Rittern des Schwarzen Adler-Ordens veranstaltet.
Berlin, 17. Januar. Die neue russische Note wegen der Abrüstungs-Konferenz ist, wie die „National-Zeitung" erfährt, hier noch nicht übergeben worden. Allerdings verlautete schon vor einigen Tagen aus russisch- politischen Kreisen, daß eine solche Note, die Einladung und Vorschläge für das Konferenz-Programm enthaltend, zu erwarten sei. Ob der aus London gemeldete Inhalt der Note authentisch ist, bleibt somit noch abzuwarten.
Ausland.
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Wien, 17. Januar. Der Fürst Karl Liechtenstein, Chef der zweiten Linie, ist im Alter von 72 Jahren gestorben.
— Der „Köln. Ztg." wird aus Madrid unterm 13. Januar geschrieben. Heute wendet sich die allgemeine Aufmerksamkeit den im Kriegsministerium eingetroffenen Nachrichten aus Manila zu, die für die Amerikaner sehr ungünstig lauten. Nichtsdestoweniger glaubt man hier, daß der amerikanische Senat den von seiner Kommission befürworteten Friedensvertrag in den nächsten Tagen genehmigt. In der Hoffnung, daß er dem Kriegs- und dem Finanz- minifter die Rücktrittsgedanken wieder 'austreiben wird, schickt sch Sagasta daher an, die Cortes für Ende dieses Monats einzuberufen. Einige Tage vorher wird das inzwischen sertiggestellte, zwei Bände umfassende Rotbuch zur Ausgabe
Feuilleton.
Englische Dolksöibliotheken.
Von Dr. Ernst Schultze.
(Schluß.)
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Lin um die Volksbildung seines Landes sehr verdienter Däne, der vor drei Jahren mit Staatsunterstützung ,1it englischen Volkshibliotheken besuchte, und darüber in Dnischen Zeitschriften mehrere Aufsätze veröffentlicht hat, Herr Adjunkt Andreas Sch. Steenberg in Horsens, sagt dir über:
„Es ging mir in der That so, daß ich, je mehr ich tiit den englischen Bibliotheken bekannt wurde, desto größere Achtung vor ihrer Arbeit bekam. Ich sah, daß ihre Sache |i England eine wirkliche Volkssache ist, getragen von ollen Gesellschaftsklassen; ich lernte die tüchtige Agitation lciinen, die in Zeitungen und Zeitschriften die Arbeit der 'Bibliothek verficht und erklärt; ich sah Bilder von schönen
T und wohlausgestatteten Bibliotheksbauten, und ich erstaunte _lelfljl y liier die starke Benutzung der Bibliotheken."
» Ais eine der Hauptursachen, die die englischen Volks« J Miotheken so schnell in die Höhe gebracht haben, sieht man ? allgemein dem im Anfänge dieses Aufsatzes erwähnten 0 688 'S Blementary Education Act des Jahres 1870 an, und es
, ' ’it wohl erklärlich, daß die weitere Verbreitung der Fähig-
lflt' zu lesen, und der Bildung überhaupt, die durch jenes herbeigeführt wurde, den Bibliotheken einen solchen
ifUfschwung geben konnte. Man bedenke, daß um das I0Ö61* Ä 1870 herum etwa 52 Volksbibliotheken in 29 Städten .!? mden, die einen Bücherbestand von zusammen 500,000 JflvD ■ Silben besaßen, mit denen sie jährlich 3,400,000 Be- Mengen erzielten, und daß die Bibliotheksteuer eilte jähr- r fltjß|lFw !'.tz Einnahme von 25,400 Pfd. St. (über 500,000 Mk.) M. ^E^chte. Heute bestehen nach der Schätzung eines der '^i'9ßen englischen Bibliothekare, I. I. Ogle von der
gelangen. In ministeriellen Kreisen erwartet man, daß die । Debatten darüber etwa acht Tage dauern werden, und daß I darnach noch einige Ermächtigungen und dringende Gesetzentwürfe zur Erledigung kommen. Von den Erörterungen, die sich daran knüpfen, will Sagasta dann den weiteren Verlauf der Dinge abhängig machen. Der morgen stattfindende Ministerrat dürfte ein endgiltiges Programm vereinbaren. — Der deutsche Dampfer „Habsburg" ist mit 1800 Mann wohlbehalten von Cuba in Barcelona angekommen. Unterwegs starben nur fünf Mann. Die Repa- trirten loben die gute Behandlung an Bord. Dagegen hatte der ebenfalls in Barcelona eingetroffene französische Dampfer „Notre Dame de Salut" 39 Tote bei 1100 Passagieren. Außerdem wurden 40 Sterbende und 150 Schwerkranke ausgeschifft; ferner 7 Mann, die infolge der auf Cuba ausgestandenen Leiden den Verstand verloren hatten. Inzwischen ist die Fulda mit 2200 Mann von Kuba nach Cadiz abgedampft. In einem der letzten Dampfer ist auch der Sergeant Lopez Diaz, der die Vorposten bei Punta Brava befehligte und Maceo erschoß, in Cadiz angelangt. Er bringt seine fünf Kinder mit, da er sich auf Cuba begreiflicherweise nicht mehr sicher fühlt. Machen die Cubaner ihrem Haß gegen die Spanier doch fortgesetzt in jeder Weise Luft. Selbst in Havannah sind letztere ihres Lebens nicht mehr sicher. Der Marques de Apezteguia entging nur knapp ihrer Wut. Das Haus des Marques de Pinar del Rio wurde gestürmt und er gezwungen, die kubanische Fahne zu küssen und Viva Cuba libre zu rufen. Der Inhaber der spanischen Firma Mestro u. Mata erhielt drei Säbelhiebe in den Kopf, als er sich weigerte „Nieder mit Spanien" zu schreien. Dem ehemaligen autonomistischen Minister Montoro wäre es bald grade so gegangen. Die Amerikaner haben den Aufständischen gewissermaßen als Entschädigung dafür, daß sie bei der Uebergabe Havannahs ganz umgangen worden sind, eine große Parade im Prado für den 24. Februar, den Jahrestag der Revolution, zugestanden. Im übrigen muß der ungeheure und kostspielige Apparat, mit dem sich die Aankees auf Cuba niederlassen, auch dem Blödesten die Augen darüber öffnen, daß es ihre Absicht ist, sich hier für lange Jahre häuslich einzurichten.
Vermischtes.
* Schwankungen der amerikanischen Riesenhanser. Die I amerikanischen Baumeister, die auf die Errichtung von Ge- I Dauben mit 15 bis 20 Stockwerken verfallen sind, haben
Bootle Free Library, etwa 600-700 Bibliotheken in ungefähr 300 Städten und Ortschaften, die zusammen einen Bücherbestand von 5,000,000 Bänden besitzen, die jährlich etwa 25—30,000,000ma( ausgeliehen werden, und diese Gemeinden ziehen aus ihrer Bibliotheksteuer einen jährlichen Betrag von 800,000 Pfd. St. (mehr als P/a Mill. Mk.) Der Hauptbetrag dieser Summen entfällt auf England, während Schottland und namentlich Irland weit zurückstehen. Rechnen wir die Zahl der städtischen Volksbiblto- theken ohne Filialbibliotheken mit Greenwoods Library Year Book auf 330, so entfällt eine solche Bibliothek in Wales auf 94,937 Köpfe der Bevölkerung, in England auf 103,708, in Schottland auf 225,812 und in Irland auf 276,764; in ganz Großbritannien und Irland zusammen auf etwa 116,000 Einwohner. Auch die englischen Kolonien sind dem Beispiele der Errichtung von public libraries gefolgt: so besitzt Australien 844 solcher Bibliotheken mit 1,400,000 Bänden, Neu,-Seeland 298 mit 330,000, Süd-Afrika ungefähr 100 mit 300,000 Bänden, und' Kanada zählt mehr als P/< Millionen Bände.
Schon aus diesen Zahlen ist ersichtlich, daß die englischen Volksbibliotheken eine großartige Wirkung ausgeübt haben müssen. In der That schreibt man ihnen in Verbindung mit den übrigen Bildungsfaktoren die imposante Abnahme der Zahl der Verbrechen in England zu. Sir- John Lubbock hat bei der Eröffnung der Rotherhithe Free Library am 1. Oktober 1890 in einer Ansprache genauer auf diese Beziehungen zwischen der Zunahme der Bildung und der Abnahme der Verbrechen aufmerksam gemacht. Er sagte hier: c _
„Es ist eine allgemeine Empfindung, daß unsere Schulen viel Geld kosten, und daß die Ausgaben dafür noch im Wachsen begriffen sind. Ich denke aber, es läßt sich leicht zeigen, daß Unwissenheit in der That mehr kostet als Bildung."
Lubbock führt dann aus, daß der Pauperismus Eng«
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wahrscheinlich nicht daran gedacht, daß die höchsten Einwohner in diesen „Himmelkratzern" sozusagen ständig in einer Erdbebengefahr schweben. Jedenfalls kann nach den Feststellungen der letzten Zeit in Chicago der Aufenthalt in dem 20. Stockwerk eines derartigen Gebäudes zuweilen recht unangenehme Ueberraschungen bereiten. Zu Ende des letzten Monats Oktober verursachte ein starker Wind mit einer stündlichen Geschwindigkeit von etwa 80 km ziemlich bedeutende Schwankungen der Riesenhäuser, sodaß verschiedentlich Pendeluhren stillstanden, und ernste Besorgnisse wegen der Festigkeit der Mauern gehegt wurden. Dabei ist ein Wind von der genannten Geschwindigkeit noch keineswegs ein Orkan zu nennen, denn die von den Meteorologen gewöhnlich benutzte Windskala geht bis zu einem Maximum von fast 150 km in der Stunde. Zudem ist Chicago der vollen Wirkung der von dem Michigan-See kommenden Winde ausgesetzt. Der große Freimaurertempel, ein Haus von 20 Stockwerken und beinahe 80 m Höhe, weiß davon etwas zu erzählen; die Schwankungen dieses Gebäudes sind bis auf 10 cm geschätzt worden. Die Pendeluhr deS hydrographischen Amtes, die im obersten Stock des genannten Gebäudes untergebracht ist, ist schon mehrmals stehen geblieben, und man ist schon dazu gelangt, nur noch Uhren ohne Pendel in dieser Höhe zu verwenden. Es sind nun wohl zweifellos alle Vorsichtsmaßregeln getroffen, um die Häuser vor der Wut des Windes zu schützen, aber man kann es doch den Einwohnern nicht verdenken, daß sie sich etwas unbehaglich fühlen und zuweilen die Frage thun, was aus ihnen und ihren Pendeluhren werden würde, wenn einmal ein wirklicher Cyklon über die Stadt hereinbräche.
land in den 70er Jahren jährlich etwa 81/, Millionen Pfund St. kostete, während die Gefängnisse etwa 4 Mill. Pfund St. Kosten verursachten. Wenn man das Wachsen der Bevölkerung in der Zwischenzeit in Rechnung zieht, so würden, hätte sich in der Zwischenzeit das Anwachsen des Pauperismus und der Gefängnisse in demselben Maße weiter vollzogen, England heutzutage jährlich etwa 8 Mill. Pfund St. an Kosten für Gefängnisse und 15 Millionen Pfd. St. für Pauperismus erwachsen. Thatsächlich ist aber nur die Hälfte des Geldes notwendig, da sowohl der Pauperismus, als auch die Verurteilungen für Verbrechen abgenommen haben. Noch im Jahre 1877 hatten die englischen Gefängnisse rund 20,800 Insassen, heute sind es, während die Bevölkerung gleichzeitig um ein Drittel zn- genommen hat, nur noch 14,700. Die Zahl der jugendlichen Verbrecher hat sogar noch stärker abgenommen: 1856 wurden 14,000 jugendliche Verbrecher verurteilt, 1866 nur noch 10,000, 1876 7000, 1881 6000, und seitdem ist diese Zahl noch beständig zurückgegangen. Auch die Armenstatistik zeigt wesentliche Fortschritte. Noch 1870 kommen auf das Tausend der Bevölkerung 47 Arme; seitdem ist diese Zahl regelmäßig bis auf 22 herab- gesunken.
Diese Resultate, meint Lubbock, rechtfertigen vollkommen die erhöhten Ausgaben Englands für sein Bildungs- wescn. Wir müssen ihm das ohne weiteres zugeben, und können seinen Stolz begreifen, daß sein Volk eine so erfreuliche Entwickelung durchgemacht hat. In der That scheint es mir eine unwiderlegliche Thatsache zu sein, daß Unwissenheit und Aberglauben ebenso notwendig das Verbrechen im Gefolge haben, wie daß Bildung diesem direkt entgegenarbeitet. Und es müßte deßhalb jedem Gebildeten einleuchten, daß er, wenn er sein Vaterland wirklich liebt, die unabweisbare Verpflichtung hat, auch seinerseits, so viel irgend in seinen Kräften steht, zur Verbreitung der Volksbildung beizutragen.


