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18.3.1899 Drittes Blatt
 
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kir. 66 Zweites Blatt Samstag den 18. März

1899

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gieren.

Frauenklinik aus.

Be-

V.

vitit

Redaktion, Lspedition und Druckerei: Nr. 7.

Hessischer Landtag.

Zweite Kammer der Stände.

no. Darmstadt, 16. März 1899.

Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieße«.

Fernsprecher Nr. 51.

Kmnch , abends NMlMg nbrrger Thch nd des Korps. 2..W :5. 4. etwaige W

Der Wand-

begeht die einheimische Bevölkerung ihren größten Feiertag: die Nacht des fallenden Tropfens", um jene Zeit, wenn der heilige Strom wieder langsam zu steigen beginnt und sich völlig verfärbt durch den aus Jnnerafrika mitgeführten feinen Schlamm, der, auf den Feldern sich absetzend, dem Nilthal seine erstaunliche Fruchtbarkeit verleiht.

Um nun diese Bewässerung auf eine viel bedeutendere Fläche als bisher auszudehnen, wird bei Schellal, eine deutsche Meile südlich von Assuan, aus Granitquadern und Cementkalkmörtel ein gewaltiger, das Thal sperrender Damm von 2 Kilometer Länge, 25 Meter Höhe und 13 Meter Breite an der Krone aufgeführt, hinter welchem ein See gestaut werden soll, welcher annähernd 40 deutsche Quadrat­meilen, also die dreifache Fläche des Bodensees, bedecken wird. Der Schöpfer dieses Gigantenwerkes, der englische Ingenieur Bird, will das Steinwehr in der kurzen Frist eines Jahres fertig bauen, und dann nach Vollendung der ungeheuren Schleußenwerke», welche zurzeit der Hochflut 50 Millionen Kubikmeter Wasser in der Stunde durchzulassen haben, mit der Aufstauung des Sees beginnen, der auf einen Fassungsraum von mehr als einer Milliarde Kubik­metern berechnet ist. Allerdings werden dann auch mehr als 3000 Quadratkilometer Land, welche jetzt zur vegetations­losen Oede verurteilt sind, in Oberägypten bewässert und in den blühenden Zustand des unteren Aegyptens übergeführt werden können, sodaß die auf 4 Millionen Pfund berechneten Kosten durch Grundverkauf und durch die erhöhte Steuer­kraft der sich ansiedelnden Fellachen vielfach hereingebracht werden, und unsere Vettern jenseits des Kanals können sich dann mit Recht rühmen, daß sie Aegypten, aus welchem sie trotz aller Proteste der Franzosen nie wieder herausgehen werden, nicht nur mit den Waffen, sondern recht eigentlich durch die friedliche Arbeit ihrer Ingenieure erobert haben. Daß dabei auch eines der interesiantesten Bauwerke des alten Aegyptens, der berühmte Tempel auf der Nilinsel Elephantine, fallen muß, ist eine traurige Notwendigkeit, die aber gegenüber dem allgemeinen Nutzen des eminenten Kultur­werkes nicht ins Gewicht fällt.

Gratisbeilagen: Gießener Familienblütter, Der hessische Landwirt, Mütter für hessische Volkskunde.__

geworden sind, und von denen dasjenige bei Sewen (Kreis Thann) in einem Stausee von 22 Meter größter Tiefe und bei einem Fassungsraume von 1,100,000 Kubikmeter die Hochwasser eines Niederschlaggebietes von 549 Quadrat- Kilometer, also mehr als 10 geographische Quadratmeilen aufspeichert.

Bedeutend größer wird das Stauwerk werden, welches die bekannte Maschinenfabrik in Oerlikon bei Zürich im oberen Sihlthal bei Einsiedeln ausführen will. Die Sihl durchbricht bei dem letztgenannten Orte das Gebirge in einem durch den dreizackigen Fluhberg fast gänzlich eingeschlossenen Engpaß, der durch einen Sperrdamm geschlossen werden soll während das Stauwasser durch einen den Etzelberg durchbrechenden Tunnel nach dem tief unten gelegenen Orte Pfäffikon geleitet und zum Betriebe einer Reihe kolossaler Turbinen verwendet werden soll. Der dadurch entstehende künstliche See wird eine Länge von etwa 10 Kilometer und eine größte Tiefe von 20 Meter erhalten, und eines der bedeutendsten Wasserwerke werden, welche Europa besitzt.

Zu dem riesenhaftesten Stauwerk aber hat vor kurzem der Herzog von Connaught gelegentlich seiner ägyptischen Reise bei Assuan den Grundstein gelegt. Kein Land der Welt ist in gleichem Maße wie Aegypten von seinen Fluß­läufen abhängig; denn bei der Seltenheit des Regens im Lande der Pharaonen, dessen fruchtbarer Boden wie eine schmale Rinne in verhältnismäßig geringer Breite links und rechts vom Nil zwischen vegetationslosem Wüstengebiete ein­gebettet ist, entscheidet über die Frage einer guten Ernte oder eines Hungerjahres nur die Alternative, ob die regel­mäßige Nilüberschwemmung reichlich genug ausgefallen ist. Der reichliche Regen, welcher im abessynischen Alpenlande berniederqeht, der den Bahr el Ghazal (Gazellenfluß) und Sobat, zwei wichtige Quellfiüsse des Nil, anschwellen macht und den ägyptischen Sudan, sowie das fruchtbare Uganda bewässert, wird auch zum Segen für das Hunderte von Meilen davon gelegene Aegypten, und in feierlichen Pro­zessionen, rauschenden Festen und glänzenden Illuminationen

Förderung erfahren, und mit dem Wechsel des Finanz­ministers habe man einen sehr schlechten Tausch gemacht. In Rheinhessen lache man über die hessische Regierung, und gelegentlich der demnächstigen Steuer-Debatten werde er der Regierung mit manchem dienen. Ministerialrat Schäffer erklärt, daß die Vorarbeiten für die Bahn DarmstadtOppenheim bereits fertig gestellt seien, und daß die Regierung auch heute noch auf ihrem früheren Standpunkt bezüglich der Ausführung stehe. Der Ausschußantrag auf Beharren bei dem früheren Be­schluß wird hierauf einstimmig angenommen. Bezüglich des Antrags Ripp er, den Bau einer Bahn von Fürth nach Reichelsheim und die Rückäußerung Erster Kammer betr., treten die Abgeordneten Schröder, Bähr, Heiden­reich ein für Beharren auf dem früheren Beschluß, und beschließt das Haus demgemäß. Die Vorlage der Re­gierung, die B e t r i e b s l e i t u n g der Nebenbahnen Bickenbach- Seeheim und Weinheim-Fürth betr., wird genehmigt, ebenso der Antrag Kösser, die Anlage einer Station Seen- bruck an der Nebenbahn Laubach-Mücke.

Den Eingaben verschiedener Interessenten wegen der Bezeichnung der Eisenbahnstation Obbornhofen- Bellersheim, resp. Umänderung derselben wird keine Folge gegeben, und die Errichtung einer Haltestelle am Schiffenberg bei Gießen gutgeheißen.

Ein Gesuch der Pensionäre und Witwen der ehe- maligen Hess. Ludwigsbahn um Gewährung von Frei­karten wird abgelehnt.

Das Gesuch der Bauaufseher.Aspiranten, die Ergänzung des Gesetzes vom 12. August 1896 über den Bau und die Unterhaltung der Kunststraßen wird für er­ledigt erklärt.

Abg. Schröder weist darauf hin, daß der Abg. Wje r n h e r - Nierstein sein Mandat niedergelegt habe, und daher, eine Neuwahl nötig sei. Er bittet, die Regierung, daß bis zur Debatte über die Steuerreform eine Neuwahl statt­gefunden habe, um den Sitz im Hause auszufüllen. Die Vorlage des Großh. Ministeriums um Aufbringung der erforderlichen Mittel zur Gewährung von Darlehen aus der Landes-Kreditkasse wird nach dem Ausschußantrag mit 10 Millionen Mark genehmigt.

Die Sitzung wird um >/,10 Uhr eröffnet.

Nach Verlesung einer Anzahl neuer Einläufe und rch sanzeigen tritt die Kammer in die Beratung des Gesetz- Entwurfes und der Regierungsvorlage über die H e r st e l l u n g mehrerer Nebenbahnen und den Antrag des Abg. Joutz und Genossen, den Bau einer normalspurigen Lahn von Butzbach nach Lich und den Antrag des Abg. Schönfeld, den Bau einer Nebenbahn von Grün- icrg über Lich nach Butzbach. Nach längerer Debatte beschließt das Haus' den Gesetz-Entwurf anzunehmen und ben Antrag Joutz, soweit er auf Bau und Betrieb der Bahn LiltzbachLich auf Staatskosten gerichtet ist, sowie den An­trag Schönfeld abzulehnen, und soweit der Antrag Joutz aus eine staatliche Beihilfe zu dem Bau der Bahn Butzbach -Liich durch einen Privatunternehmer gerichtet ist, für er­ledigt zu erklären. Ebenso den Antrag Euler bezüglich der Lahm BensheimLindenfels. Bezüglich des Antrags Schönberger soweit er sich auf den Bau der Strecke Obxrramstadt Lindenfels bezieht, der Großh. Re­gierung zur Erwägung anheim zu geben, ob der Bau der Lahm BensheimLindenfels den Bau der Bahn Ober- ramfftadtLindenfels ausschließt, den Antrag des Abg. Schönberger bezüglich der Strecke Reichelsheim Fürth für erledigt zu erklären. Bezüglich der Rückäußerung der ersten Kammer, das Gesuch des Vorstandes des Vereins für gemeinnützige Zwecke (Verkehrs-Vereins), den Bau einer «or malspurigen Eisenbahn von Darmstadt nach t)p!penheim betreffend, entspinnt sich eine lebhafte Dis- lussuon. Die Abgg. Schmeel und Friedrich treten in wrwer Weise für den Bau der Bahn ein. Letzterer hebt »och die wirtschaftlichen und politischen Vorteile der Bahn- mbindung hervor und ersucht das Haus, an dem früher gefaxten Beschluß festzuhalten. - Abg. Schroeder be- Luiert, daß der Bau dieser Linie von der Regierung so lang e verschleppt worden sei. Sechs Jahre habe man dar- iber hingehen lassen, ehe man bei der Regierung zur Er- lenntniö und Einsicht gekommen sei, daß die Bahn wirt- s-hafitlich nötig sei. Durch den Eintritt des neuen Fmanz- nimsters in das Staatsministerium habe die Sache keine

Deutsches Reich.

Berlin, 16. März. Die Steinmetzen in Berlin und Vororten wollen in eine Lohnbewegung eintreten. Sie fordern 65 Pfg. Stundenlohn bei neunstündiger Arbeitszeit sowie Abschaffung jeder Akkordarbeit und der Ueberstunden.

Ausland.

Madrid, 12. März. Gestern wurden die Vertreter der Handelskammern von Silvela empfangen, der ihnen im allgemeinen Erfüllung ihrer Wünsche versprach, ohne sich aber an Einzelheiten bestimmt zu binden. Als besonders dringlich bezeichnete man folgende Forderungen: Sofortige Aufstellung einer Bilanz über die wahre Lage der Finanzen; Vereinheitlichung der öffentlichen Schuld, Verminderung des Zinsfußes und Bezahlung aller Zinsen in Pesetas; Ab­schaffung aller unnötigen staatlichen Organismen und über­haupt Verminderung aller Ausgaben; Beseitigung des staat­lichen Pensionswesens, dagegen Schaffung obligatorischer Pensionskassen, Revision der bestehenden Pensionen, namentlich der von den ehemaligen Kolonieen herrührenden; Reform des Jnstanzenzuges, Beschränkung der Maximalgrenze für die Notenausgabe der Bank von Spanien auf 1500 Millionen ; Revision der Eisenbahntarife usw. Ein ständiger Ausschuß der Handelskammern soll hier über die baldige Durchführung dieser Vorschläge, wozu die Mitwirkung der Kortes nicht nötig sei, wachen. Sagasta erklärte, erst die Hand­lungen des neuen Ministeriums abwarten zu wollen, bevor er endgültiges bezüglich der Wahlkampagne festsetze. Zum kommandierenden General von Neukastilien wurde der letzte Generalkapitän von Kuba, General Jimenez Castellanes, ernannt. Gestern starb General Chinchilla, der, wie bekannt, viele hervorragende Posten in der spanischen Armee bekleidet hatte und erst vor wenigen Tagen zum Leiter des Gendarmeriekorps ernannt war. Ferner starb im Alter von 91 Jahren der Senator auf Lebenszeit Marquis von Villamajor, einer der reichsten Leute Spaniens. Das Vermögen, das er hinterläßt und das er sich durch Ausbeutung von Blei- und Silberminen erworben, wird auf 125 Millionen geschätzt. Er war nebenbei bemerkt der größte Hausbesitzer Madrids. K. Z.

eilnahme bei dem uni unb Vaters Mchtli.il. lllen denjenigen, weite v sagt innigsten Dani lilie Ltaubach.

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abends 8 W' t te Jrtrt W Der Vorstand wr

Feuilleton.

Künstliche Seen und Walsperren.

Eirne Studie aus der modernen Wasserbautechuik.

Von Karl Rudolfi.

(Nachdruck verboten.) (Schluß.)

Daß durch Anlage solcher künstlicher Seen auch der Nlndjchaftliche Reiz jeder Gegend gewinnt, liegt auf der Arrb, denn Fischerei, Ruder- und Segelsport finden hier- !hrd) Gelegenheit zur Bcthätigung an Stellen, wo vordem -chH daran zu denken war. Freilich darf nicht verschwiegen mLen, daß für das ganze Thal abwärts von dem Stau- tefsn immerhin eine gewisse Gefahr vorhanden ist, welche ik« ungeheuere wächst, wenn nicht die größte Aufmerksamkeit kn sperrenden Damm in exaktester Ordnung erhält. Denn, 'leitin durch einen Dammbruch sich in wenigen Minuten die Aßsermenge thalabwärts wälzt, welche, auf Wochen ver- Hittw nur Segen gestiftet hätte, dann wird dieser zum Fluch, juib es. ergießt sich über das friedliche Thal unvermutet 'eine Flutwelle, wie sie bei keiner natürlichen Ueberschwemmung htw'orgerufen wird. Durch den Bruch eines solchen Stau- Imme^ oberhalb Johnstowns in Pennsylvanien wurde in Jahre 1889 ein großer Teil dieser Stadt zerstört und i-hn als 4000 Menschen dem Tode durch Ertrinken über- litjiirt.

|UR| In Amerika befinden sich übrigens die größten der

" f* J * * (i Ütyitt ausgeführten Stauwerke, unter denen der neue V* 2o. . klvviondamm bei Newyork wohl der größte ist, da er bei

limi Dammhöhe von 70 Meter 125 Millionen Kubikmeter yetWer aufstaut. In Deutschland sind die bedeutendsten ' Talsperren bisher im Rheinland und Westfalen ausgeführt W Aprtr-S lorbcn. Auch das Reichsland Elsaß-Lothringen hat in

1 W« Beziehung einige Anlagen aufzuweisen, welche durch Sie: musterhafte Ausführung auch anderwärts vorbildlich